Ratgeber Witwenrente

So kommen Hinterbliebene an mehr Rente

Das Wichtigste in Kürze

  • Nach dem Tod des Partners erhalten Hinterbliebene dessen gesetzliche Rente drei Monate lang weiter ausgezahlt, und zwar in voller Höhe.
  • Danach haben sie entweder Anspruch auf eine sogenannte kleine oder große Witwen- beziehungsweise Witwerrente.
  • Die große Rente beläuft sich auf 55 Prozent der Bezüge des Verstorbenen, die kleine auf 25 Prozent.
  • Die große Witwenrente bekommen nur Hinterbliebene, die älter als 45 Jahre und 4 Monate sind oder ein minderjähriges Kind erziehen.
  • Eigenes Einkommen wird auf die Witwen- oder Witwerrente angerechnet. Es gibt aber Freibeträge.
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Der Tod des Partners bedeutet oft einen finanziellen Einbruch. War das Paar verheiratet oder bestand eine eingetragene Lebenspartnerschaft, dann hat der Hinterbliebenen Anspruch auf einen Teil der gesetzlichen Rente des anderen: die Witwen- oder Witwerrente zu (§ 46 SGB VI). Dazu muss der verstorbene Ehepartner bereits eine Rente bezogen oder mindestens fünf Jahre in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt haben (§ 50 SGB VI).

Nach der Statistik der Deutschen Rentenversicherung zum Rentenbestand am 31. Dezember 2013 erhielten knapp 4,8 Millionen Frauen diese besondere Rente, aber nur rund 600.000 Männer.

Volle Bezüge im Sterbevierteljahr

In den ersten drei Monaten nach dem Tod erhält der überlebende Partner die monatliche Altersrente des Verstorbenen aus der gesetzlichen Rentenversicherung in voller Höhe ausgezahlt. Das gilt auch, wenn dessen Einkommen in diesem sogenannten Sterbevierteljahr den Freibetrag überschreitet. Der liegt zurzeit in den alten Bundesländern bei 755,30 Euro und in den neuen Bundesländern bei 696,70 Euro.

Gezahlt wird nicht automatisch, sondern erst, nachdem der Hinterbliebene einen Antrag auf Witwen- oder Witwerrente gestellt hat. Auf der Website der Rentenversicherung finden Sie den 14-seitigen Antrag auf Hinterbliebenenrente.

Tipp: Sie können einen Vorschuss beantragen

Innerhalb eines Monats nach dem Tod des Ehepartners können Sie beim Rentenservice der Deutschen Post einen Vorschuss auf die Witwen- oder Witwenrente beantragen, falls Ihr Partner bereits eine Rente bezogen hat. Als Vorschuss werden drei Monatsrenten des Verstorbenen gezahlt. Dazu können Sie in eine Filiale der Deutschen Post gehen und dort eine sogenannte Änderungsanzeige ausfüllen. Als Dokumente müssen Sie die Sterbeurkunde einreichen. Fügen Sie am besten auch die Heirats- oder Partnerschaftsurkunde bei.

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Große Witwen- und Witwerrente

Voraussetzung für einen Anspruch auf die große Witwen- oder Witwerrente ist, dass Sie nach dem Tod Ihres Partners nicht wieder geheiratet haben und der Partner mindestens fünf Jahre in die Rentenversicherung eingezahlt hat. Zusätzlich muss mindestens eine der vier folgenden Bedingungen erfüllt sein:  

  • Sie haben die erforderliche Altersgrenze erreicht – 2015 muss der Antragsteller das 45. Lebensjahr und 4 Monate vollendet haben (diese Altersgrenze wird jährlich um einen Monat angehoben).
  • Sie erziehen ein minderjährigen Kind.
  • Sie kümmern sich um ein behindertes Kind.
  • Sie sind erwerbsgemindert.

Die jährliche Anhebung der Altersgrenze

Seit 2012 wird die Altersgrenze für Witwen- und Witwerrente jährlich um einen Monat vom 45. Lebensjahr an angehoben. Für Todesfälle ab dem Jahr 2029 gilt dann die Altersgrenze von 47 Jahren für die große Witwen- bzw. Witwerrente (§ 242a SGB VI). Die große Witwen- oder Witwerrente ist zeitlich nicht befristet, der hinterbliebene Partner bekommt sie bis an sein Lebensende.

Todesjahr Anhebung um Monate auf Jahr auf Monat
2015 4 45 4
2016 5 45 5
2017 6 45 6
2018 7 45 7
2019 8 45 8
2020 9 45 9
2021 10 45 10
2022 11 45 11
2023 12 46 0
2024 14 46 2
2025 16 46 4
2026 18 46 6
2027 20 46 8
2028 22 46 10
ab 2029 24 47 0

Quelle: § 242a SGB VI

Die Höhe der großen Rente

Nach dem neuen Recht beträgt die Rentenzahlung 55 Prozent der Rente, die die Versicherung dem verstorbenen Partner zum Todeszeitpunkt gezahlt hat oder hätte. Das gilt für Ehepaare oder eingetragene Lebenspartnerschaften, die seit 2002 verheiratet oder eingetragen sind.

Hat das Paar allerdings vor dem 1. Januar 2002 geheiratet und wurde ein Ehepartner vor dem 2. Januar 1962 geboren, steht dem Hinterbliebenen nach altem Recht 60 Prozent der Rente des Verstorbenen zu. Die meisten Witwen oder Witwer erhalten derzeit noch die höhere Rente.

Renten nach neuem Recht werden um einen Kinderzuschlag erhöht. Ist der Ehepartner vor dem 65. Lebensjahr gestorben, wird der Rentenanspruch um einen Abschlag gemindert.

Ende 2013 belief sich eine solche Hinterbliebenenrente für Witwen auf durchschnittlich 580 Euro, für Witwer auf durchschnittlich 260 Euro.

Kleine Witwenrente

Sind die Voraussetzungen für die große Rente nicht erfüllt, kommt die kleine Rentenvariante in Betracht, etwa wenn der Hinterbliebene zum Zeitpunkt des Todes im Jahr 2015 jünger als 45 Jahre und 4 Monate alt ist. Auch hier verschieben sich die Altersgrenzen jährlich um einen Monat.

Nach neuem Recht zahlt die Rentenversicherung die kleine Witwenrente zeitlich befristet, in der Regel nur in den ersten zwei Jahren nach dem Tod des Partners.

Haben Sie vor 2002 geheiratet und ist ein Ehepartner vor dem 2. Januar 1962 geboren, gilt für Sie das alte Recht. Sie haben damit bis zu Ihrem Lebensende Anspruch auf die kleine Witwenrente.

Nach Ablauf des Sterbevierteljahres beträgt die kleine Witwen- oder Witwerrente 25 Prozent der Rente des verstorbenen Versicherten (§ 67 Nr. 5 SGB VI). Auch bei der kleinen Variante gibt es einen Kinderzuschlag.

Haben Sie eine kleine Witwen- oder Witwerrente bezogen, bis Sie die Altersgrenze für die große Rente erreicht haben,  haben Sie anschließend – von Amts wegen – Anspruch auf eine große Witwen- oder Witwerrente (§ 115 Abs. 3 S. 2 SGB VI). Sie müssen das nicht gesondert beantragen.

Wer Kinder erzogen hat, erhält Kinderzuschlag

Wer ein Kind bis zum dritten Lebensjahr erzogen hat, erhält einen Zuschlag zur Witwen- oder Witwerrente. Erst nach dem Sterbevierteljahr wird der Zuschlag gezahlt. Diese Zuschläge gibt es allerdings auf Renten nach altem Recht nicht.

  erstes Kind jedes weitere Kind
Kleine Witwenrente    
Alte Bundesländer 26,01 € 13,00 €
Neue Bundesländer 23,99 € 11,99 €
Große Witwenrente    
Alte Bundesländer 57,21 € 28,61 €
Neue Bundesländer 52,77 € 26,39 €

Quelle: Deutsche Rentenversicherung, Broschüre „Hinterbliebenenrente“, (Stand: Juli 2014)

Erhöhung der Altersgrenze für abschlagsfreie Rente

Eine abschlagsfreie Witwenrente wird gezahlt, falls der Ehepartner nach Vollendung von 63 Jahren und 9 Monaten gestorben ist. Das gilt für das Jahr 2015. Das Alter für eine abschlagsfreie Hinterbliebenenrente wird schrittweise bis zum 65. Lebensjahr im Jahr 2023 angehoben. Der Abschlag beträgt 0,3 Prozent für jeden Monat, den die Rente vor dem im Gesetz genannten abschlagsfreien Rentenalter beginnt. Es wird jedoch maximal um 10,8 Prozent gekürzt (§ 77 Abs. 2 Nr. 4 SGB VI).

Beginn der Rente bzw. Tod des Versicherten Alter für abschlagsfreie Hinterbliebenenrente  
Jahr Jahr Monat
2015 63 9
2016 63 10
2017 63 11
2018 64 0
2019 64 2
2020 64 4
2021 64 6
2022 64 8
2023 64 10

Quelle: § 264d SGB VI

Einkommen wird angerechnet

Das eigene Einkommen, also auch die eigene Rente, wird auf die Rentenhöhe angerechnet. Es gibt allerdings Freibeträge. Die Berechnung ist nicht ganz einfach. Eine Anrechnung kann dazu führen, dass die Witwen- oder Witwerrente gekürzt oder bei höherem Einkommen gar nicht gezahlt wird.

Ermittlung des Nettoeinkommens – Zunächst ermittelt die Rentenversicherung das Nettoeinkommen. Bei bestimmten Einkommensarten wendet sie dazu ein pauschaliertes Verfahren an. Vom Brutto-Arbeitseinkommen zieht sie pauschal knapp 40 Prozent ab. Bekommt ein Hinterbliebener eine eigene Rente, werden davon pauschal 14 Prozent abgezogen.

Freibeträge – Vom Nettoeinkommen wird der Freibetrag abgezogen. Er liegt zurzeit in den alten Bundesländern bei 755,30 Euro und in den neuen Bundesländern bei 696,70 Euro. Wenn Sie Kinder haben, steigt der Freibetrag für jedes Kind, das grundsätzlich einen Anspruch auf Waisenrente hat, um 160,22 Euro in den alten Bundesländern. 147,78 Euro sind es in den neuen Bundesländern.

Kürzung der Rente – Von der verbliebenen Summe werden nun 40 Prozent auf die Witwenrente angerechnet. Anders ausgedrückt: Die 40 Prozent werden von der Rente abgezogen.

Beispiel: Maria G. aus München ist Witwe. Sie hat ein eigenes Netto-Einkommen von 1.200 Euro. Zwei Kinder befinden sich in der Ausbildung. Frau G.s Freibetrag von 755,30 Euro erhöht sich wegen der Kinder um 320,44 Euro auf insgesamt 1.075,74 Euro. Das Netto-Einkommen übersteigt den Freibetrag um 124,26 Euro. 40 Prozent davon sind 49,70 Euro. Auf die Witwenrente von Maria G. wird daher dieser Betrag angerechnet.

Keine Witwenrente nach kurzer Ehe

Die Ehe oder eingetragene Partnerschaft muss mindestens ein Jahr bestanden haben (§ 46 Abs. 2a SGB VI). Diese Regel soll verhindern, dass ein Paar kurz vor dem Tod noch schnell heiratet, um dem anderen die Hinterbliebenenrente zu vermachen. Bei einem plötzlichen und unvorhersehbaren Tod kann allerdings auch bei kürzerer Ehedauer ein Anspruch bestehen. Es handelt sich dabei immer um eine Entscheidung im Einzelfall.

Hat die Ehe bis zum Tod des Versicherten weniger als 1 Jahr gedauert, ist ein Anspruch auf Witwenrente beziehungsweise Witwerrente nur möglich, wenn die Ehe nicht überwiegend aus Versorgungsgründen geschlossen wurde (§ 46 Abs. 2a SGB VI). Dass bedeutet, eine Heirat, die nur oder vornehmlich dazu dient, einen späteren Anspruch auf Hinterbliebenenrente zu sichern, begründet keinen Rentenanspruch. Damit sollen so genannte Versorgungsehen ausgeschlossen werden.

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Anspruch auf Abfindung nach erneuter Heirat

Bei einer erneuten Heirat würde eine Witwen- oder Witwerrente entfallen. Allerdings: Bei Wiederheirat können Sie eine Abfindung auf die große Witwen- oder Witwerrente beantragen. Sie erhalten dann zwei Jahresrenten berechnet anhand der Bezüge im vorangegangenen Jahr (§ 107 SGB VI). Die erhöhten Bezüge im Sterbevierteljahr werden bei der Abfindung allerdings nicht berücksichtigt.

Nutzen Sie die kostenlosen Serviceangebote für den Antrag

Der Rentenantrag ist kompliziert und umfangreich. Lassen Sie sich dabei helfen. Sie können sich dazu an die Beratungsstellen der Rentenversicherung an Ihrem Wohnort wenden. Auch ehrenamtlich tätige Versichertenberater und Versichertenälteste helfen beim Ausfüllen des Antrags. Versichertenälteste sind verrentete Mitarbeiter der Deutsche Rentenversicherung Bund. Die Kontaktdaten können Sie online auf der Webseite finden oder telefonisch erfragen. Die kostenlose Service-Nummer lautet: 0800/1000 4800. Etwas Zeit für die Warteschleife müssen Sie allerdings mitbringen.

Mehr dazu im Ratgeber Rechtsschutzversicherung

Britta Schön
von Finanztip,
Expertin für Recht

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Finanztip-Chefredakteur
Hermann-Josef Tenhagen

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Artikel verfasst von

Dr. Britta Beate Schön

Finanztip-Expertin für Recht

Britta Beate Schön ist bei Finanztip für sämtliche Rechtsthemen zuständig. Die promovierte Juristin und Rechtsanwältin war als Leiterin der Rechtsabteilung bei Finanzdienstleistern wie der Telis Finanz AG und der Interhyp tätig. Vorher lehrte und forschte sie in Japan als DAAD-Junior-Professorin für deutsches und Europarecht. Ihr Studium absolvierte sie in Münster, Genf, Regensburg und Leipzig. Die Autorin erreichen Sie unter britta.schoen@finanztip.de.