Rückstufung in der Kfz-Versicherung vermeiden

Unfallschäden selbst bezahlen lohnt sich oft

Das Wichtigste in Kürze

  • Wenn die Autoversicherung einen Haftpflicht- oder einen Vollkaskoschaden bezahlt, steigt im Folgejahr in der Regel der Beitrag, weil Sie Schadenfreiheitsklassen verlieren und damit der Rabatt sinkt.
  • Es dauert Jahre, wieder auf die alte Rabattstufe zu kommen.
  • Im Durchschnitt lohnt es sich deshalb, Haftpflichtschäden bis etwa 1.500 Euro und Vollkaskoschäden bis 1.300 Euro selbst zu bezahlen.
  • Fragen Sie im Schadensfall beim Versicherer nach, ob es sich für Sie auszahlt, den Schaden selbst zu bezahlen. Die Versicherung muss Ihnen das ausrechnen.
  • Halten Sie am besten stets Rücklagen für Unfälle auf Ihrem Tagesgeldkonto bereit.
  • Alternativ lohnt sich in vielen Fällen ein Rabattschutz.
  • Unser Tipp: Bleiben Sie zu Kfz-Versicherung immer auf dem Laufenden - mit unserem kostenlosen Newsletter!

    Bitte bestätigen Sie jetzt Ihre Anmeldung!

    Wir haben Ihnen eine E-Mail an Ihre Adresse gesendet.

    Schauen Sie gleich in Ihr E-Mail-Programm.

    Sie haben keine E-Mail erhalten? Kann es sein, dass die Nachricht im SPAM-Ordner Ihres E-Mail-Anbieters gelandet ist?
    Bitte schauen Sie auch dort einmal nach und fügen die Mail-Adresse von Finanztip.de Ihrem Adressbuch hinzu.

Ohne Rückfahrkamera oder Abstandsmesser knirscht es beim Einparken gerne mal. Und schon sind der eigene Kotflügel und der des Parkplatznachbarn verschrammt. Selbst kleine Kratzer zu beseitigen, kann schnell Hunderte Euro kosten. Gut, dass die Kfz-Haftpflichtversicherung den Schaden beim Nachbarn übernimmt und die Vollkaskoversicherung den Schaden am eigenen Auto.

Doch jedes Mal, wenn die Autoversicherung einen solchen Schaden reguliert, verliert der Versicherte einen Teil seines sogenannten Schadenfreiheitsrabatts. Wie viel genau, lässt sich den Tabellen in den jeweiligen Versicherungsbedingungen entnehmen. So stuft beispielsweise die Huk Coburg nach nur einem Schaden in der Haftpflichtversicherung einen Fahrer aus der höchsten SF-Klasse 35 runter auf 20. Wer ehemals in der SF-Klasse 10 war, landet nach einen Haftpflichtschaden in der Klasse 4.

Dadurch steigt der Beitrag im folgenden Jahr, und zwar deutlich. Bis das alte Rabatt-Niveau wieder erreicht ist, muss der Versicherte erneut jahrelang unfallfrei unterwegs sein.

Haftpflichtschäden bis 1.500 Euro besser selbst zahlen

Finanztip hat im Oktober 2014 anhand der zehn häufigsten Automarken und der zehn größten Kfz-Versicherungen ausgerechnet, bis zu welcher Grenze es sich durchschnittlich lohnt, einen Schaden selbst zu bezahlen.

Kfz-Haftpflichtschaden - Falls Sie bei jemand anderen einen Schaden verursachen, sollten Sie ihn bis zu einer Höhe von durchschnittlich etwa 1.500 Euro selbst bezahlen.

Kfz-Vollkaskoschaden - Einen Schaden am eigenen Auto selbst zu bezahlen, lohnt sich im Durchschnitt bis zu einer Höhe von rund 1.300 Euro.

Ob es sich in Ihrem individuellen Fall lohnt, einen Schaden selbst zu bezahlen, muss Ihr Versicherer auf Nachfrage ausrechnen. Alternativ können Sie dazu das Rechentool der Stiftung Warentest benutzen. Manche Versicherungen bieten einen guten Service und informieren die Kunden automatisch, wenn sich die Selbstzahlung lohnt. Andere hingegen schlagen die Selbstbezahlung nur pauschal bis zu einem Schaden von 1.000 Euro vor. In der Regel geht dabei der Versicherer in Vorleistung und reguliert den Schaden. Sie haben dann sechs Monate oder bis zum Jahresende Zeit, sich zu überlegen, den Schaden doch selbst zu bezahlen („zurückkaufen“). Dazu müssen Sie der Versicherung das Geld überweisen. Verschiedene Versicherer berichten, dass sich die Mehrzahl der Versicherten dagegen entscheidet. Wir raten jedoch ganz klar: Sofern es finanziell möglich ist, sollten Sie den Schaden zurückkaufen.

Beispielrechung Rückstufung

  Haftpflicht     Vollkasko
Versicherer Huk24     Huk24
aktuelle SF-Klasse 10     10
Jahresbeitrag 319 €     771 €
SB in der Vollkasko       300 €
Rückstufung bei Schaden auf SF-Klasse¹ 4     4
Grenzwert für Selbstregulierung¹ 1.905 €     3.934 €

¹ Wird vom Versicherer berechnet.
Quelle: Finanztip-Berechnung (Stand: Oktober 2014)

Was kann ich tun?

Um zu vermeiden, dass die Versicherung die Schadenfreiheitsklasse herabstuft und damit der Versicherungsbeitrag teurer wird, können Sie Folgendes tun:

  • Sie sollten als Autobesitzer einen Betrag von etwa 1.500 Euro auf einem Tagesgeldkonto vorhalten, um damit einen Schaden selbst bezahlen zu können. Bei einem teuren Auto sollte es etwas mehr sein, bei einem günstigen Auto ein bisschen weniger. Dieses Geldpolster sollten Sie zusätzlich zu Ihren normalen Rücklagen anlegen.
  • Oder Sie entscheiden sich für einen sogenannten Rabattschutz. Er sorgt dafür, dass Sie mindestens einen Schaden im Jahr „frei“ haben, also nicht hochgestuft werden. Allerdings binden sich Versicherte damit an ihren Anbieter. Denn bei einem Wechsel würden sie so eingestuft, als hätten sie keinen Rabattschutz gehabt.
  • Wer einen Schaden von der Versicherung hat regulieren lassen und danach feststellt, dass eine Selbstregulierung günstiger gewesen wäre, kann bei manchen Versicherern einen Schaden zurückkaufen. Zahlen Sie den erhaltenen Schadensausgleich an den Anbieter zurück, stuft er Sie wieder in Ihre vorherige Schadenfreiheitsklasse ein. Diese Möglichkeit haben Sie je nach Anbieter bis zu sechs oder zwölf Monate nach Einreichung des Schadens.

So haben wir gerechnet

Wir haben in 98 Musterfällen berechnet, bis zu welchem Betrag sich eine Selbstzahlung lohnt, jeweils bei einem Haftpflicht- und bei einem Vollkaskoschaden. Die Berechnung beruht auf

  • den zehn häufigsten Automarken (Quelle: GDV),
  • den zehn größten Kfz-Versicherern, gemessen an der Anzahl der Verträge (Quelle: Statistik der Bafin vom 13. Mai 2014),
  • der Häufigkeitsverteilung der Schadenfreiheitsklassen über alle Kfz-Versicherungsverträge in Deutschland (Quelle: GDV)
  • sowie folgendem Standardfall: Versicherungsnehmer männlich, geboren am 1.1.1970, verheiratet, ein Kind, angestellt, Fahrleistung 15.000 Kilometer im Jahr, Garage, nur Ehepartner fährt noch, Selbstbeteiligung Vollkasko 300 Euro, Teilkasko 150 Euro beziehungsweise nur Haftpflichtversicherung.
  • Berechnung mit dem Tool der Stiftung Warentest, das die Rückstufung im Schadensfall und den finanziellen Nachteil bis zur Schadenfreiheitsklasse 35 berechnet.
  • Dabei kommt heraus: Genau 1.531 Euro im Haftpflichtschadensfall sowie 1.308 Euro im Vollkaskofall, was wir aufgrund der Modellannahmen als Faustregel auf 1.500 und 1.300 Euro gerundet haben.

Mehr zur Kfz-Versicherung in unserem Ratgeber

Annika Krempel
von Finanztip,
Expertin für Versicherungen

Mindestens zwei Internetportale nutzen

  • Vollkasko kann billiger als Teilkasko sein.
  • Versichern Sie grobe Fahrlässigkeit und Mallorca-Police.
  • Werkstattbindung ist sinnvoll und spart Geld.

» Zum Ratgeber

Empfohlene Vergleichsportale und Anbieter:

Community
Die letzten Beiträge zu dieser Diskussion:
Gesamte Diskussion anzeigen - Anmelden oder registrieren, um an der Diskussion teilzunehmen.

Sollen wir Sie
zu Kfz-Versicherung
sowie zu weiteren Themen auf dem Laufenden halten?

Einmal pro Woche die wichtigsten Verbraucher-Tipps - kostenlos und werbefrei direkt in Ihr Postfach.

  • Wertvolle Spartipps für Ihr Geld
  • Urteile, die Sie kennen sollten
  • Updates zu unseren beliebten Rechnern und Musterschreiben
  • Unverbindlich und jederzeit kündbar


Finanztip-Chefredakteur
Hermann-Josef Tenhagen

Vielen Dank für Ihre Anmeldung

Bitte bestätigen Sie Ihre E-Mail-Adresse

  1. Schauen Sie gleich in Ihrem Postfach nach.
  2. Öffnen Sie die Mail von Finanztip Newsletter.
  3. Klicken Sie auf den Bestätigungslink.

Schauen Sie bitte auch im Spam-Ordner nach.

Weitere Themen

Finanztip Newsletter

  • Jede Woche die besten Tipps
  • Absolut kostenlos
  • 100% werbefrei

Artikel verfasst von

Annika Krempel

Finanztip-Expertin für Versicherungen

Annika Krempel ist Redakteurin im Team Versicherung und Vorsorge. Nach ihrem Diplom in Politikwissenschaften absolvierte sie ein Volontariat für Wirtschafts- und Verbraucherjournalisten. Sie sammelte unter anderem Erfahrungen in den Redaktionen von ZDF WISO, RBB Inforadio sowie der Stiftung Warentest. Die verbraucherpolitische Arbeit lernte sie beim Verbraucherzentrale Bundesverband kennen.

Finanztip-Redaktion

Die Experten für Verbraucherfinanzen

Die Finanztip-Redaktion besteht aus einem Team von Experten, die völlig unabhängig für Sie recherchieren, damit Sie die beste Entscheidung treffen können. Die Experten arbeiten in den Teams Bank & Geldanlage, Versicherung & Vorsorge, Recht & Steuern sowie Energie/Reise/ Mobilität & Medien. Bei der Wahl der Zeitschrift „Wirtschaftsjournalist“ zur Wirtschaftsredaktion des Jahres belegte die Redaktion 2015 den zweiten Platz.