Energetisch Sanieren

Mit Fördergeld Heizkosten senken und Umwelt schonen

Das Wichtigste in Kürze

  • Die energetische Sanierung eines Hauses rechnet sich in vielen Fällen.
  • Beauftragen Sie unbedingt einen Energieeffizienz-Experten.
  • Die Sanierungsschritte müssen aufeinander abgestimmt und fachmännisch ausgeführt werden.
  • Je nachdem, welche Arbeiten Sie ausführen lassen, machen sich diese mehr oder weniger schnell bezahlt: Die Amortisationszeiten liegen zwischen 1,5 und 30 Jahren.
  • Staatliche Förderung macht das Sanieren wesentlich günstiger und schont so Ihren Geldbeutel.
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Die Heizkosten halbieren? Das ist mit einer guten Dämmung eines Einfamilienhauses durchaus realistisch. Wer sein Heim zu einem sogenannten Passivhaus umbaut, kann sogar bis zu 90 Prozent seiner Heizkosten einsparen – und die Umwelt schonen. Wir zeigen Ihnen, wie Sie eine energetische Sanierung am besten angehen, was sie kostet und wie sie sich rechnet.

Von Experten beraten lassen

Die Energieberater der Verbraucherzentralen nehmen für eine halbstündige Erstberatung nur 5 Euro, beim Kunden zu Hause 45 Euro. Geht es aber um eine umfassende Sanierung, kann das nur der Einstieg sein. In solchen Fällen empfiehlt es sich dringend, einen vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) geprüften und zugelassenen Experten auszuwählen. Unter www.energie-effizienz-experten.de gibt es eine bundesweite Liste mit Such- und Filterfunktion.

Sowohl Eigentümer von Gebäuden als auch Mieter und Pächter können sich von diesen Experten beraten lassen. Der Fachmann fertigt nach einer ausführlichen Vor-Ort-Beratung im Regelfall ein Gutachten von 60 bis 80 Seiten Umfang an, in dem er den Ist-Zustand der Immobilie analysiert und einen detaillierten Maßnahmen- und Kostenplan aufstellt. Dafür fallen nach Angaben des Verbraucherzentrale Bundesverbandes (VZBV) Kosten von 600 bis 800 Euro an, die aber durch eine Bafa-Förderung um mehr als die Hälfte sinken können. Den Antrag auf diese Förderung stellt der Berater, der seine Rechnung an den Kunden entsprechend reduziert.

Tipp

Höhere Zuschüsse vom Staat

Seit März 2015 gibt es höhere Zuschüsse für Energieberatungen: Statt maximal 400 Euro zahlt das Bafa inzwischen bis zu 800 Euro für Ein- und Zweifamilienhäuser und maximal 1100 Euro (vorher 500 Euro) für  Häuser mit mindestens drei Wohnungen. Förderfähig sind seit März außerdem 60 Prozent der Kosten für die Energieberatung (vorher 50 Prozent). Wer die Vor-Ort-Beratung nutzt, kann außerdem wählen zwischen einem Konzept zur Sanierung des Wohngebäudes zum KfW-Effizienzhaus (Komplettsanierung) oder einer umfassenden energetischen Sanierung in Schritten (Sanierungsfahrplan).

Gründliche Bestandsaufnahme erforderlich

Zunächst müssen der Energieexperte und sein Kunde feststellen, in welchem Zustand sich die Immobilie befindet. Welche Materialien wurden verbaut? Wurden in der Vergangenheit bereits Schritte zur energetischen Sanierung gemacht? Auch naheliegende Fragen wie das Alter des Hauses, die Wohnfläche und die Zahl der Bewohner müssen geklärt werden. Und ganz wichtig: der bisherige Energieverbrauch. Der sollte anhand von realen Abrechnungen belegt werden. In manchen Fällen setzen die Energieberater nämlich den aktuellen Verbrauch zu hoch an, obwohl der Kunde in der Realität beispielsweise nicht alle Zimmer beheizt. So errechnet der Experte dann Einsparungen, die der Kunde später nicht erzielt.

Ein entscheidender Faktor ist der finanzielle Spielraum. Dabei wird der Berater die staatliche Förderung einkalkulieren. Die steuerliche Absetzbarkeit der Investitionskosten ist zwar politisch immer noch nicht entschieden, aber schon heute machen Kredite und Zuschüsse der KfW Bankengruppe die Finanzierung deutlich günstiger. Der Kunde muss für sich klären, ob er für die energetische Sanierung einen Kredit aufnehmen kann und will.

Wenn zudem die Heizung modernisiert oder völlig erneuert werden soll, müssen die Sanierer eine Grundsatzentscheidung treffen: Manche Menschen haben grundsätzliche Vorbehalte gegen eine Gasheizung, andere wollen auf erneuerbare Energien wie Holzpellets oder eine Wärmepumpe setzen.

Schrittweise oder am Stück sanieren

Dann müssen Sie klären, ob Sie schrittweise oder auf einen Schlag sanieren wollen – was natürlich auch mit den Finanzen zusammenhängt. Technisch ist eine Sanierung am Stück einfacher, insbesondere, wenn das Haus oder die Wohnung gerade leer steht.

In jedem Fall aber müssen Sie die Schritte gut aufeinander abstimmen. Der Energieexperte stellt einen entsprechenden Fahrplan auf. So ist es zum Beispiel kontraproduktiv, erst die Fassade zu sanieren und später neue Fenster einbauen zu lassen. Durch den Austausch der Fenster würde die Fassadendämmung wieder beschädigt. Außerdem entstehen Wärmebrücken, wenn die verschiedenen Teile eines Hauses bauphysikalisch nicht optimal zueinander passen und energetisch unterschiedlich gut sind.

Wärmebrücken und schlechte oder fehlende Dämmung begünstigen im Übrigen auch, dass sich Schimmel bildet. Eine gute Dämmung dagegen beugt Schimmel vor und sorgt über eine angenehme Temperatur der Wände für ein behagliches Raumklima.

Wer eine neue Heizung einbauen und gleichzeitig oder in nächster Zeit sein Haus dämmen will, sollte folgenden Punkt berücksichtigen: Durch die Isolation sinkt der Bedarf an Heizwärme. Dadurch wäre ein Heizungskessel mit der alten Leistung überdimensioniert. Der neue Kessel kann deutlich kleiner ausfallen. Das drückt die Anschaffungs- und Betriebskosten.

Wo die Energie entweicht

Bei einem nicht gedämmten Einfamilienhaus aus den 1960er-Jahren entweichen etwa zwei Drittel der aufgewendeten Wärme ungenutzt.

Die Wärmeverluste entsprechen rund 2.000 Litern Heizöl im Jahr. Durch Dämmen lassen sich zwei Drittel davon einsparen. Das macht bei den heutigen Preisen rund 1.200 Euro jährlich.

Tipp

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Welche Maßnahmen sinnvoll sind

Ein auf das jeweilige Haus abgestimmtes Konzept zum energetischen Sanieren kann nur der Experte erstellen. Aber folgende Maßnahmen sind in den meisten Fällen sinnvoll:

Fassade
An der Fassade können auch noch so dicke Wände keine Dämmung aus modernen Materialien ersetzen. Eine zwei Zentimeter dicke Schicht aus Dämmstoff isoliert genauso gut wie eine 30 Zentimeter dicke Wand aus Hochlochziegeln oder eine mehr als einen Meter dicke Betonwand. Dämmstärken von 16 bis 20 Zentimetern an den Außenwänden sind heute wirtschaftlich.

Passivhäuser haben sogar 35 bis 40 Zentimeter dicke Dämmschichten. Sie brauchen kaum noch Heizenergie. Da Fassaden meist nur alle 30 Jahre saniert werden, kann es sinnvoll sein, dicker aufzutragen.

Als Material sind Polystyrolplatten durch einige wenige Brandfälle ins Gerede gekommen. Auf der anderen Seite haben sie handfeste Vorteile: Sie sind leicht, lassen sich gut verarbeiten, saugen sich nicht mit Feuchtigkeit voll und sind preisgünstig. Teurer sind Mineralwolle, Hanf und Holzfaserplatten. All diese Materialien werden wie Polystyrol mit Flammschutzmitteln versehen.

Dach
Wichtig ist es auch, die oberste Geschossdecke zum Dach hin beziehungsweise das Dach zu dämmen, wenn der Dachboden ausgebaut ist. Bei Flach- oder Pultdächern, wo sich Dämmmatten schlecht anbringen lassen, kann man die Hohlräume mit Material in Form von Kügelchen ausblasen.

Keller und Heizungsrohre
Ebenso lohnend ist die Isolation der Kellerdecke und der Heizungsrohre. Beides können auch Laien ohne großes handwerkliches Geschick erledigen.

Wie schnell sich die Kosten wieder reinholen lassen

Wichtig für den Hausbesitzer ist, in welcher Zeit er die Investitionskosten und gegebenenfalls die Finanzierungskosten über niedrigere Energiekosten wieder reinholen kann. Neben dieser Amortisationszeit muss er aber auch sehen: Ein energieeffizientes Haus ist auf dem Immobilienmarkt begehrter und deutlich mehr wert. Das kann bei einem späteren Verkauf wichtig werden.

  • Bei einem typischen Haus aus den 1960er-Jahren mit 120 Quadratmetern (m²) Wohnfläche und relativ vielen Fenstern kostet das Dämmen der Fassade nach Angaben der VZBV-Energieberater rund 15.000 Euro.
  • Für doppelverglaste Kunststoff-Fenster müssen Sie 250 bis 300 Euro pro Quadratmeter Fensterfläche einkalkulieren. Eine Dreifachverglasung kostet mit 325 bis 350 Euro nicht viel mehr, ist aber energetisch und vom Schallschutz her überlegen.
  • Die Isolation des Dachgeschosses schlägt mit 2.000 Euro zu Buche, wenn die Bewohner die Arbeit selbst erledigen. Eine Einblasdämmung durch den Fachbetrieb kostet rund 3.000 Euro.
  • Die Dämmung der Kellerdecke in Eigenregie kostet etwa 2.000 Euro.
  • Am schnellsten amortisieren sich einfache Maßnahmen: die Isolation der Heizungsrohre in 1,5 bis 2 Jahren, die Dämmung des Dachgeschosses und der Kellerdecke in 2 bis 5 Jahren. Die Fassadendämmung refinanziert sich bei leicht steigenden Energiepreisen im Durchschnitt in 20 bis 25 Jahren. Auch bei den Fenstern müssen Sie mit diesem Amortisationszeitraum rechnen.
Tipp

Altbau sanieren

Auch Kastenfenster an Gründerzeithäusern lassen sich energetisch deutlich verbessern. Außerdem können Sie die Hausseite zum Hof dämmen, die meist keine prächtigen Stuckelemente trägt. Statt Dämmplatten oder aufwändigen Verbundsystemen lässt sich Wärmedämmputz einsetzen, der weniger dick aufträgt.

Durch staatliche Förderung Geld sparen

Für die energetische Sanierung von Immobilien gibt es günstige Kredite und Tilgungszuschüsse von der staatlichen KfW Bankengruppe. Sie können ein Darlehen von maximal 50.000 Euro oder 75.000 Euro bekommen, abhängig davon, wie umfangreich Ihre Sanierungen sind. Wenn Sie durch einen Komplett-Umbau einen sogenannten KfW-Effizienzhausstandard erreichen, können Sie 75.000 Euro beantragen. Für Einzelmaßnahmen bekommen Sie nicht mehr als 50.000 Euro Kredit von der KfW.

Bei den Zuschüssen gilt die Regel: Je energieeffizienter das Haus, desto höher der Zuschuss. Die Höchstgrenze liegt bei 16.875 Euro. Alle Konditionen der KfW-Programme haben wir hier zusammengestellt.

Außerdem bieten fast alle Bundesländer Förderprogramme für das energetische Sanieren an. Eine Übersicht über die Programme finden Sie hier.

Zum 1. April 2015 hat die Bundesregierung die Förderung nach dem sogenannten Marktanreizprogramm (MAP) verbessert. Wer seine Heizung modernisiert und dann zumindest teilweise erneuerbare Energien einsetzt, der bekommt nun höhere Zuschüsse vom Bafa.

Finanziell unterstützt werden Privathaushalte und Unternehmen, wenn sie sich eine Solarthermie-Anlage aufs Dach bauen oder eine Wärmepumpe installieren lassen. Auch Heizungen mit Holzpellets oder Holzhackschnitzeln werden gefördert.

Die Summen richten sich nach der Technik und der Größe der Anlage. Die Förderung beginnt bei 500 Euro und reicht bis zu mehreren Tausend Euro. So wird eine Wärmepumpe mit Wärmespeicher und Abstimmung auf das intelligente Stromnetz der Zukunft mit 7.250 Euro gefördert. Einzelheiten zum MAP erfahren Sie hier.

Reales Beispiel: Gutshof in Brandenburg

Ein besonders gelungenes Beispiel für eine umfassende energetische Sanierung findet sich in Zauchwitz bei Potsdam. Die Bauherren haben einen ehemaligen Gutshof von Grund auf neu aufgebaut. Aus einem völlig verfallenen Haus wurde ein Vorzeigeobjekt.

Dank perfekter Dämmung, Wärmepumpe und Sonnenwärme sank der Energieverbrauch – umgerechnet in Heizöl – von 40 auf 1,2 Liter je Quadratmeter Wohnfläche und Jahr. Nimmt man für die Zukunft einen durchschnittlichen Preis von 1 Euro pro Liter Heizöl an, rechnen sich die Zusatzkosten für die umfassende energetische Sanierung samt Heizung und Stromerzeugung in knapp acht Jahren.

Kostenübersicht Gutshof Zauchwitz

Sowiesokosten in Euro   355.000    
zusätzliche Kosten Energiesanierung   89.000    
Nebenkosten   53.000    
Gesamtkosten   497.000    
pro m² Wohnfläche   1.657    
         
Energieverbrauch       umgerechnet in Liter Heizöl
vor Sanierung   400 kWh/m²   40
nach Sanierung   12,2 kWh/m²   1,2
Einsparung   387,8 kWh/m²   38,8
angenommener Preis pro Liter Heizöl in Euro       1
Wohnfläche in m²       300
Einsparung in Euro pro Jahr       11.640
Amortisationszeit ohne Verzinsung in Jahren       7,65

Quelle: Dipl.-Ing. Architekt Ulrich Zink, Bundesarbeitskreis Altbauerneuerung (Stand: 3. März 2015)

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Finanztip-Chefredakteur
Hermann-Josef Tenhagen

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Artikel verfasst von

Jens Tartler

ehemaliger Finanztip Redakteur für Energie & Reise (bis September 2016)

Jens Tartler schrieb insbesondere über die Themen Energie und Reise. Insgesamt zwanzig Jahre lang arbeitete er zuvor als Redakteur für das Handelsblatt und die Financial Times Deutschland. Zuvor studierte er Volkswirtschaftslehre in Köln und den USA. Vertiefende Einblicke in die Branchen Verkehr und Energie gewann Jens Tartler zwischenzeitlich als Pressesprecher eines Unternehmens sowie eines Dachverbands.