Ratgeber Unterhalt

Die Düsseldorfer Tabelle für 2016

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Düsseldorfer Tabelle gibt Auskunft über die Höhe des Unterhalts, der nach einer Trennung für Kinder gezahlt werden muss, wenn diese nicht im eigenen Haushalt leben.
  • Sie ist mit Wirkung zum 1. Januar 2016 aktualisiert worden.
  • Der Unterhaltsbedarf ergibt sich aus der Tabelle unter Berücksichtigung des Nettoeinkommens und des Alters der Kinder.
  • Der Unterhaltsbedarf ist nicht identisch mit dem Zahlbetrag. Die Höhe der Zahlung ergibt sich nach Abzug der Hälfte des monatlichen Kindergelds.
  • Der Selbstbehalt für einen erwerbstätigen Unterhaltszahler beläuft sich auf 1.080 Euro. Für einen nicht erwerbstätigen Unterhaltsverpflichteten liegt der notwendige Selbstbehalt bei 880 Euro im Monat.
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Was ist die Düsseldorfer Tabelle?

Wenn Sie wissen möchten, wie viel Unterhalt Sie nach einer Scheidung für die gemeinsamen Kinder zahlen müssten oder was Sie nach einer Scheidung an Unterhalt für die bei Ihnen wohnenden Kinder erhalten würden, dann gibt Ihnen die Düsseldorfer Tabelle Auskunft. Sie ist eine bundesweit anerkannte Richtlinie zum Unterhaltsbedarf und wird vom Oberlandesgericht (OLG) Düsseldorf in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Familiengerichtstag etwa alle zwei Jahre aktualisiert, zuletzt zum 1. Januar 2016.

Die Leitlinien vereinheitlichen die Rechtsprechung zum Unterhalt und enthalten neben dem Tabellenwerk auch ergänzende Anmerkungen. Die Originaltabelle des OLG Düsseldorf finden Sie hier.

Wer muss Unterhalt zahlen?

Der Elternteil, bei dem sich das minderjährige gemeinsame Kind nicht ständig aufhält, ist zum sogenannten Barunterhalt verpflichtet (§ 1612a BGB). Bei volljährigen Kindern, die in der Ausbildung und/oder im Studium sind, sind beide Elternteile entsprechend ihrer Leistungsfähigkeit zum Unterhalt verpflichtet.

Wie hoch ist der Mindestunterhalt für Kinder?

Der Mindestunterhalt für minderjährige Kinder nach der Trennung der Eltern richtet sich seit dem 1. Januar 2016 nach der sogenannten Mindestunterhaltsverordnung. Dort ist ab dem 1. Januar 2016 folgender Mindestunterhalt pro Monat festgelegt:

  • bis zur Vollendung des 6. Lebensjahres: 335 Euro
  • bis zur Vollendung des 12. Lebensjahres: 384 Euro
  • bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres: 450 Euro
  • ab dem 18. Lebensjahr: 516 Euro

Ab dem 1. Januar 2017 beträgt der monatliche Mindestunterhalt:

  • bis zur Vollendung des 6. Lebensjahres: 342 Euro
  • bis zur Vollendung des 12. Lebensjahres: 393 Euro
  • bis zur Vollendung des 18.Lebensjahres: 460 Euro

Was muss ich an Kindesunterhalt zahlen?

In der Düsseldorfer Tabelle finden Sie die jeweiligen monatlichen Beträge für den Kindesunterhalt gestaffelt nach dem Nettoeinkommen des Unterhaltspflichtigen und dem Alter der betroffenen Kinder. Es gibt zehn Einkommens- und vier Altersstufen. Mit steigendem Einkommen des Unterhaltsverpflichteten verbleibt ihm selbst ein höherer Betrag. Das ist der sogenannte Bedarfskontrollbetrag, den Sie in der Tabelle in der letzten Spalte finden. Der Prozentsatz in der vorletzten Spalte drückt die Steigerung des Unterhalts der jeweiligen Einkommensgruppe gegenüber dem Mindestunterhalt in der ersten Einkommensgruppe aus. Aus der Multiplikation des Mindestunterhalts mit dem jeweiligen Prozentsatz ergibt sich die Höhe des Unterhaltsanspruchs.

Basisrechnung für zwei Kinder

Haben Sie mehr als zwei Kinder oder lediglich ein Kind, so können Ab- oder Zuschläge durch Einstufung in eine niedrigere oder höhere Nettoeinkommensgruppe (Spalte 1) angemessen sein.

Liegt das Nettoeinkommen der unterhaltsverpflichteten Person über 5.100 Euro im Monat, berechnet sich der zu zahlende Unterhalt nicht nach der Düsseldorfer Tabelle, sondern wird nach den Umständen des Einzelfalls bestimmt.

In den Unterhaltsbeträgen sind die Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung sowie Studiengebühren nicht enthalten. Beides sind Beispiele für einen Mehrbedarf, der zusätzlich zu zahlen ist. Sonderbedarf sind einmalige, unerwartete, hohe, notwendige Ausgaben, die im Einzelfall ebenfalls übernommen werden müssen.

Wie hoch ist der Selbstbehalt?

Ein erwerbstätiger Unterhaltszahler mit schulpflichtigen Kindern bis 21 Jahren darf im Monat 1.080 Euro als Existenzminimum für sich behalten. Für nicht erwerbstätige Unterhaltsverpflichtete beläuft sich das Existenzminimum auf 880 Euro monatlich. Darin sind bis 360 Euro für Unterkunft einschließlich umlagefähiger Nebenkosten und Heizung (Warmmiete) enthalten.

Wie wird das Kindergeld berücksichtigt?

Das Kindergeld für ein minderjähriges Kind steht den Eltern zu – und zwar beiden Elternteilen je zur Hälfte. Es wird jedoch in voller Höhe an den Elternteil ausbezahlt, bei dem das Kind wohnt. Deshalb darf der Elternteil, der den Kindesunterhalt zahlen muss, die Hälfte des Kindergelds vom Unterhalt abziehen. Aus der Düsseldorfer Tabelle ergibt sich also nicht der Zahlbetrag. Den erhalten Sie erst nach Abzug der Hälfte des monatlichen Kindergelds.

Das Kindergeld beträgt in Deutschland seit dem 1. Januar 2016 für das erste und zweite Kind 190 Euro im Monat (§ 66 Abs. 1 EStG, § 6 Abs. 1 BKGG). Die Hälfte davon sind 95 Euro. Dieser Betrag ist zu verrechnen mit dem Kindesunterhalt. Ab dem 3. Kind beträgt das Kindergeld 196 Euro, es sind dann also 98 Euro abzuziehen. Ab dem 4. Kind wird 221 Euro Kindergeld gezahlt, die Hälfte (110,50 Euro) wird mit dem Unterhalt verrechnet.

Beispielrechnung

Ein zur Zahlung von Kindesunterhalt Verpflichteter verfügt über ein unterhaltsrechtlich relevantes Nettoeinkommen von 3.400 Euro (Einkommensstufe 6) und hat ein achtjähriges Kind (K1) und ein zwölfjähriges Kind (K2). Der Unterhalt für K1 beläuft sich auf 492 Euro und für K2 auf 576 Euro. Bei beiden Kindern ist jeweils die Hälfte des Kindergelds abzuziehen, also jeweils 95 Euro. Der Unterhaltspflichtige zahlt daher 397 Euro für K1 und 481 Euro für K2, insgesamt macht das im Monat 878 Euro.

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Achtung

Unterhalt und Steuer

Die Unterhaltsverpflichtung ist auch ein Fall für die Einkommensteuer, zum Beispiel als außergewöhnliche Belastung.

Anrechnung von Kindergeld volljähriger Kinder

Ab der Volljährigkeit des Kindes ist das Kindergeld in voller Höhe vom Tabellenbetrag der Düsseldorfer Tabelle abzuziehen. Eigentlich steigt zwar die Unterhaltspflicht ab Volljährigkeit. Dennoch verringert sich der von den Eltern zu zahlende Kindesunterhalt. Grund hierfür ist, dass ab Volljährigkeit das Kindergeld komplett an das Kind weiterzuleiten ist. Daher ist der Unterhalt um das volle Kindergeld zu verringern. Damit bekommt das volljährige Kind also tatsächlich mehr als ein minderjähriges Kind.

Beachten Sie, dass sich der Unterhalt für ein volljähriges Kind ganz anders berechnet als der Kindesunterhalt für ein minderjähriges Kind. Zwar gilt für beide die Düsseldorfer Tabelle. Je höher das Einkommen des Elternteils ist, der Kindesunterhalt zahlen muss, desto höher fällt auch der Kindesunterhalt aus. Ab der Volljährigkeit zählt aber nicht nur das Einkommen eines Elternteils: Beide Eltern stehen ab Volljährigkeit in der Pflicht. Daher berechnet sich der Kindesunterhalt ab Volljährigkeit auch aus dem Einkommen beider Elternteile. Näheres dazu lesen Sie in unserem Artikel zum Kindesunterhalt für volljährige Kinder.

Das sind die Tabellen zu den Zahlbeträgen

Hier finden Sie das, was Sie tatsächlich nach Abzug des hälftigen Kindergelds für das erste und zweite Kind zahlen müssen:

Nettoeinkommen in € 0-5 Jahre 6-11 Jahre 12-17 Jahre ab 18 Jahre  
bis 1.500 240 € 289 € 355 € 326 €  
1.501-1.900 257 € 309 € 378 € 352 €  
1.901-2.300 274 € 328 € 400 € 378 €  
2.301-2.700 291 € 347 € 423 € 404 €  
2.701-3.100 307 € 366 € 445 € 430 €  
3.101-3.500 334 € 397 € 481 € 471 €  
3.501-3.900 361 € 428 € 517 € 512 €  
3.901-4.300 388 € 458 € 553 € 554 €  
4.301-4.700 415 € 489 € 589 € 595 €  
4.701-5.100 441 € 520 € 625 € 636 €  
           

Quelle: OLG Düsseldorf (Stand: 1. Januar 2016)

 

Hier finden Sie das, was Sie tatsächlich nach Abzug des hälftigen Kindergelds für das dritte Kind zahlen müssen:

Nettoeinkommen in € 0-5 Jahre 6-11 Jahre 12-17 Jahre ab 18 Jahre  
bis 1.500 237 € 286 € 352 € 320 €  
1.501-1.900 254 € 306 € 375 € 346 €  
1.901-2.300 271 € 325 € 397 € 372 €  
2.301-2.700 288 € 344 € 420 € 398 €  
2.701-3.100 304 € 363 € 442 € 424 €  
3.101-3.500 331 € 394 € 478 € 465 €  
3.501-3.900 358 € 425 € 514 € 506 €  
3.901-4.300 385 € 455 € 550 € 548 €  
4.301-4.700 412 € 486 € 586 € 589 €  
4.701-5.100 438 € 517 € 622 € 630 €  

Quelle: OLG Düsseldorf (Stand: 1. Januar 2016)

 

Und hier finden Sie das, was Sie tatsächlich nach Abzug des hälftigen Kindergelds ab dem vierten Kind zahlen müssen:

Nettoeinkommen in € 0-5 Jahre 6-11 Jahre 12-17 Jahre ab 18 Jahre  
bis 1.500 224,50 € 273,50 € 339,50 € 295 €  
1.501-1.900 241,50 € 293,50 € 362,50 € 321 €  
1.901-2.300 258,50 € 312,50 € 384,50 € 347 €  
2.301-2.700 275,50 € 331,50 € 407,50 € 373 €  
2.701-3.100 291,50 € 350,50 € 429,50 € 399 €  
3.101-3.500 318,50 € 381,50 € 465,50 € 440 €  
3.501-3.900 345,50 € 412,50 € 501,50 € 481 €  
3.901-4.300 372,50 € 442,50 € 537,50 € 523 €  
4.301-4.700 399,50 € 473,50 € 573,50 € 564 €  
4.701-5.100 425,50 € 504,50 € 609,50 € 605 €  

Quelle: OLG Düsseldorf (Stand: 1. Januar 2016)

Wie wird das unterhaltsrelevante Nettoeinkommen berechnet?

Die größte Schwierigkeit besteht in der Praxis darin, das unterhaltsrelevante Nettoeinkommen zu ermitteln. Es stimmt selten mit dem Nettoeinkommen auf der Gehalts- bzw. Lohnabrechnung überein. Dazu gibt aber die Düsseldorfer Tabelle selbst keinen Hinweis.

Berufsbedingte Aufwendungen, die sich von den privaten Lebenshaltungskosten nach objektiven Merkmalen eindeutig abgrenzen lassen, sind vom Einkommen abzuziehen. Dabei kann bei entsprechenden Anhaltspunkten eine Pauschale von 5 Prozent des Nettoeinkommens – mindestens 50 Euro, bei geringfügiger Teilzeitarbeit auch weniger, und höchstens 150 Euro monatlich – geschätzt werden. Übersteigen die berufsbedingten Aufwendungen die Pauschale, sind sie insgesamt nachzuweisen. Berücksichtigungsfähige Schulden sind in der Regel vom Einkommen abzuziehen.

Achtung

Unterhaltsrechner

Auf einigen Webseiten finden Sie kostenlose Unterhaltsrechner, die alle auf der Düsseldorfer Tabelle basieren.  Diese können aber nur einen ersten Anhaltspunkt liefern. Das Unterhaltsrecht ist komplex und lässt sich deshalb nur sehr bedingt durch einen Rechner abbilden. Meist entspricht das, was Sie mit dem Unterhaltsrechner ausgerechnet haben, nicht dem, was Sie tatsächlich zahlen müssen.

Wann wird die Düsseldorfer Tabelle aktualisiert?

Die Düsseldorfer Tabelle wird etwa alle zwei Jahre aktualisiert. Die jüngste Anpassung erfolgte zum 1. Januar 2016. Eine weitere Aktualisierung wird zum 1. Januar 2017 erwartet.

Regionale Abweichungen sind zu beachten, da die einzelnen Oberlandesgerichte ihre eigenen Regelungen festlegen. Alle Unterhaltsleitlinien wurden mit Wirkung zum 1. Januar 2016 aktualisiert:

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Zu dem aktuellen Fall kann ich leider nichts beitragen. Durch ihn bin ich aber auf diesen thread aufmerksam geworden und mir scheint folgendender geldwerter Hinweise grundsätzlich nützlich zu ...
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Guten Morgen. Ich habe eine Frage bezüglich meiner Unterhaltszahlung für mein 8 jähriges Kind. Ich beziehe seit September 2014 Krankengeld von monatlich 1732,50 netto. Laut Düsseldorfer Tabelle ...
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vielen Dank für Ihre fachlichen und detaillierten Antworten. Damit habe Sie mir sehr geholfen. Ich befürchtete schon, in dieser Angelegenheit komplett über den Tisch gezogen zu ...
28. Mai 2014 zum Beitrag
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Finanztip-Chefredakteur
Hermann-Josef Tenhagen

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Artikel verfasst von

Dr. Britta Beate Schön

Finanztip-Expertin für Recht

Britta Beate Schön ist bei Finanztip für sämtliche Rechtsthemen zuständig. Die promovierte Juristin und Rechtsanwältin war als Leiterin der Rechtsabteilung bei Finanzdienstleistern wie der Telis Finanz AG und der Interhyp tätig. Vorher lehrte und forschte sie in Japan als DAAD-Junior-Professorin für deutsches und Europarecht. Ihr Studium absolvierte sie in Münster, Genf, Regensburg und Leipzig. Die Autorin erreichen Sie unter redaktion@finanztip.de.