Freiwillig gesetzlich krankenversichert

Wer in der gesetzlichen Krankenkasse bleiben kann

Das Wichtigste in Kürze

  • Beamte, Freiberufler und Besserverdiener sind nicht verpflichtet, sich gesetzlich zu versichern. Sie können es aber freiwillig tun.
  • Wer freiwillig in der gesetzlichen Krankenversicherung bleiben möchte, muss dafür spätestens drei Monate nach dem Ende der Versicherungspflicht einen Antrag stellen.
  • Nichts unternehmen müssen Arbeitnehmer, deren Einkommen die Jahresarbeitsentgeltgrenze übersteigt: Sie bleiben automatisch freiwillig gesetzlich versichert, wenn die Versicherungspflicht wegfällt.
  • Die Höhe der Beiträge richtet sich bei Nicht-Arbeitnehmern nach den gesamten Einkünften des freiwillig Versicherten. Wer nicht angestellt ist, zahlt Beiträge bis zur Bemessungsgrenze auf seine gesamten Einkünfte. Dazu zählen neben dem Gehalt weitere Einnahmen, zum Beispiel aus Kapitalvermögen oder aus Vermietung und Verpachtung.
  • Selbstständige können zwischen allgemeinem und ermäßigtem Beitragssatz wählen, je nachdem, ob sie Anspruch auf Krankengeld haben möchten oder nicht.
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Wer selbstständig ist oder ein gutverdienender Arbeitnehmer, der muss nicht in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) sein – aber er darf es. Für viele ist der freiwillige Verbleib in der GKV der beste Weg, denn die private Krankenversicherung (PKV) wird für die meisten Versicherten auf Dauer sehr teuer.

Für wen die freiwillige GKV infrage kommt

Zunächst einmal gilt: Niemand muss die gesetzliche Krankenversicherung verlassen, der nicht möchte. Es gibt keinen Zwang, sich privat zu versichern, wenn die Versicherungspflicht endet. Gemäß dem 5. Sozialgesetzbuch (§ 9 SGB V) können sich viele Menschen freiwillig gesetzlich versichern, sofern sie bereits zuvor bei einer gesetzlichen Krankenkasse waren. Dazu zählen:

  • Arbeitnehmer, deren Jahres-Bruttoeinkommen die Jahresarbeitsentgeltgrenze (JAEG) übersteigt. Diese Grenze liegt 2017 bei 57.600 Euro;
  • Personen, deren kostenfreie Familienversicherung erlischt;
  • ehemalige Kassenpatienten, die in den fünf Jahren vor dem Ausscheiden 24 Monate gesetzlich versichert waren oder unmittelbar vor dem Ende der Versicherungspflicht mindestens 12 Monate ununterbrochen versichert waren;
  • Kinder, die nicht mitversichert sind, weil ein Elternteil über der Versicherungspflichtgrenze liegt und daher privat versichert ist;
  • hauptberuflich Selbstständige;
  • Beamte;
  • Studenten, die die Voraussetzungen für die Krankenversicherung der Studenten nicht mehr erfüllen;
  • Schwerbehinderte, wenn sie selbst, ein Elternteil oder ihr Ehegatte in den vergangenen fünf Jahren mindestens drei Jahre gesetzlich versichert waren (die Satzung der Krankenkasse kann das Recht zum Beitritt von einer Altersgrenze abhängig machen);
  • Arbeitnehmer, deren Mitgliedschaft durch Beschäftigung im Ausland endete, wenn sie innerhalb von zwei Monaten nach Rückkehr ins Inland wieder eine Beschäftigung aufnehmen;
  • Rentner, die die Kriterien für eine Aufnahme in die Krankenversicherung der Rentner nicht erfüllen.
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Diese Fristen müssen freiwillig Versicherte beachten

Bei einer bestehenden Anstellung erlischt die Versicherungspflicht erst, wenn das Gehalt die Jahresarbeitsentgeltgrenze sowohl im laufenden Jahr überschreitet als auch die neue Grenze im kommenden Jahr. Nimmt das Jahresgehalt von Arbeitnehmern diese Hürde, dann bleiben sie automatisch bei ihrer Krankenkasse versichert, sofern sie nicht innerhalb von zwei Wochen widersprechen. Alle anderen müssen der Krankenkasse schriftlich mitteilen, wenn sie freiwillig in der gesetzlichen Krankenversicherung bleiben möchten. Die Frist dafür beträgt drei Monate nach dem Ende der Pflichtmitgliedschaft.    

Besonders relevant ist die Frist für Menschen, die noch nie selbst krankenversichert waren, weil sie sich beispielsweise aus der Familienversicherung der Eltern heraus selbstständig gemacht haben. Wer dann die Meldefrist verstreichen lässt, wird automatisch der privaten Krankenversicherung zugeordnet.  

Die freiwillige Versicherung beginnt mit dem Ende der Pflicht- oder Familienversicherung beziehungsweise mit dem Tag des Beitritts zur Krankenkasse. Die freiwillige Mitgliedschaft in der Krankenversicherung endet

  • mit Beginn einer Pflichtmitgliedschaft,
  • wenn die Voraussetzungen für eine Familienversicherung erfüllt sind oder
  • bei fristgerechter Kündigung.

Für freiwillig Versicherte gelten dieselben Kündigungsfristen und dieselbe Bindungswirkung wie bei Pflichtversicherten. Auch hier ist der Wechsel zu einer anderen Krankenkasse erst nach 18 Monaten und nur dann möglich, wenn eine Kündigungsbestätigung der bisherigen Krankenkasse vorgelegt wird.

Beitragshöhe in der freiwilligen Krankenversicherung

Ob angestellt oder nicht – danach entscheidet sich, wie der Beitrag für einen freiwillig Versicherten berechnet wird. Grundsätzlich beträgt er 14,6 Prozent zuzüglich Zusatzbeitrag der Krankenkasse und zuzüglich des Beitrags zur gesetzlichen Pflegeversicherung. Es wird niemals mehr als die Beitragsbemessungsgrenze zur Berechnung herangezogen. Diese liegt 2017 bei 4.350 Euro im Monat. Oberhalb der Beitragsbemessungsgrenze ist das Einkommen beitragsfrei.

Freiwillig versicherte Arbeitnehmer zahlen in der Regel den Höchstbeitrag von 635,10 Euro pro Monat für die Krankenversicherung. Davon übernimmt der Arbeitgeber die Hälfte (7,3 Prozent). Den Zusatzbeitrag der Krankenkasse trägt der Arbeitnehmer dagegen allein.  

Im Unterschied zu Arbeitnehmern bildet bei Selbstständigen, Freiberuflern und anderen, nicht sozialversicherungspflichtig angestellten Menschen, nicht nur das Arbeitseinkommen die Grundlage für die Beitragsberechnung, sondern es zählen darüber hinaus bis zur Beitragsbemessungsgrenze auch andere Einkünfte dazu, etwa Einnahmen aus Kapitalvermögen oder aus Vermietung und Verpachtung.

Darauf wird entweder der allgemeine Beitragssatz in Höhe von 14,6 Prozent fällig, oder ein verminderter Beitragssatz in Höhe von 14,0 Prozent. Mit dem verminderten Satz verzichtet der Versicherte im Krankheitsfall auf die Zahlung von Krankengeld. Der Höchstbeitrag beläuft sich dementsprechend auch für Selbstständige und andere freiwillig Versicherte auf 635,10 Euro pro Monat plus den Zusatzbeitrag. Allerdings müssen Selbstständige ihren Beitrag alleine stemmen.

Wer weniger Einkommen nachweist, zahlt auch weniger. Dabei geben die Krankenkassen aber eine bestimmte Untergrenze vor. Ist das tatsächliche Einkommen des Versicherten niedriger als die Untergrenze, wird diese als fiktives Mindesteinkommen zur Berechnung des Krankenkassenbeitrags angesetzt.

Für 2017 beträgt die Mindestbemessungsgrundlage für freiwillig in der GKV Versicherte 991,67 Euro. Wessen tatsächliches Einkommen geringer ist, wird von der Krankenkasse so eingestuft, als würde er 991,67 Euro pro Monat verdienen. Das ergibt bei einem Beitragssatz von 14,6 Prozent mit Krankengeldanspruch einen Monatsbeitrag von 144,78 Euro. Das Mindesteinkommen ist meist bei denjenigen maßgeblich, die wenig oder gar nichts verdienen. Das ist beispielsweise bei Studenten der Fall, die die Voraussetzungen für eine studentische Krankenversicherung nicht mehr erfüllen.  

Für Selbstständige gilt eine Mindesteinkommensgrenze von 2.231,25 im Monat, Existenzgründer müssen auf monatlich 1.487,50 Euro Beiträge zahlen.

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Annika Krempel
von Finanztip,
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Wahlmöglichkeit auch für Selbstständige

Da hauptberuflich Selbstständige kein fixes Gehalt beziehen, das die Krankenkassen für die Beitragsberechnung nutzen können, gilt zunächst einmal das festgesetzte Mindesteinkommen von derzeit 2231,25 Euro pro Monat. Bei einem Beitragssatz von 14,6 Prozent beläuft sich der Monatsbeitrag also auf 325,76 Euro – unabhängig von der tatsächlichen Höhe des Einkommens. Hinzu kommt noch der von vielen Kassen erhobene Zusatzbeitrag von im Durchschnitt 1,1 Prozent.  

Verdienen Selbstständige mehr als das Mindesteinkommen, berechnet die Kasse den Beitrag zunächst aufgrund der geschätzten monatlichen Einnahmen. Das Einkommen wird dann jährlich anhand der jüngsten Steuererklärung geprüft. Die Kasse passt die Beiträge erst an, wenn der Steuerbescheid vorliegt. Hat der Versicherte zu viel oder zu wenig Beitrag entrichtet, bekommt er diesen weder erstattet noch muss er ihn nachzahlen.

Wer weniger als das fiktive Minimum verdient, sollte bei der Krankenkasse einen Antrag auf Beitragsanpassung stellen. Rechtfertigt das Einkommen nachweislich einen niedrigeren Beitrag, kann die Kasse eine Ermäßigung einräumen. Besonders für Existenzgründer werden regelmäßig zwei Drittel des Regelbeitrags angesetzt.

Ähnlich gilt für Selbständige: Bricht merklich der Umsatz ein, kann er bei der Krankenkasse einen Antrag auf Änderung der Beitragshöhe stellen. Mit einem Vorauszahlungsbescheid oder einem Nachweis der Finanzverwaltung lässt sich das niedrigere Einkommen nachweisen.

Freiwillig gesetzlich versicherte Rentner

Wer in der zweiten Hälfte des Erwerbslebens zu 90 Prozent gesetzlich krankenversichert war, darf in die Krankenversicherung der Rentner. Das spart erheblich Beiträge. Wenn Senioren die Kriterien für die Aufnahme in die Krankenversicherung der Rentner nicht erfüllen, haben sie dennoch die Möglichkeit, sich freiwillig gesetzlich zu versichern, sofern sie ausreichend lange bei einer gesetzlichen Kasse versichert waren. Der Vorversicherungszeitraum beträgt 12 Monate unmittelbar vor Rentenbeginn oder 24 Monate ohne Unterbrechung in den fünf Jahren vor Antragstellung.

Anders als pflichtversicherte Rentner müssen sie dann auf alle Einnahmen Krankenversicherungsbeiträge entrichten. Dabei werden unterschieden:

  • gesetzliche Rente: Altersrente, Rente aus dem Ausland, Witwenrente;
  • Versorgungsbezüge: Betriebsrenten, Direktversicherungen, Pensionskassen und -fonds, Unterstützungskassen, Zusatzversorgungen, Renten aus Versorgungswerken, betrieblich abgeschlossene Riester-Renten, Beamtenpensionen;
  • Erwerbseinkommen: aus angestellter oder selbstständiger Tätigkeit;
  • private Einnahmen: Miet- und Pachteinkünfte, Kapitalerträge, private Renten einschließlich privat abgeschlossener Riester-Renten.

Für Einkünfte aus der gesetzlichen Rente übernimmt der Rentenversicherungsträger den Arbeitgeberanteil und der Rentner den Arbeitnehmeranteil von jeweils 7,3 Prozent. Für Versorgungsbezüge aus Betriebsrenten, Versorgungswerken und Pensionskassen zahlt der Rentner den Beitragssatz von 14,6 Prozent allein. Das Gleiche gilt für Einkommen aus einer selbstständigen Nebentätigkeit. Freiwillig versicherte Rentner müssen dazu noch den ermäßigten Beitragssatz von 14 Prozent abführen auf Einnahmen aus Miete, Pacht und Kapitalvermögen sowie auf private Lebens- und Rentenversicherungen.

GKV-Beiträge als Rentner

      in der KVdR pflichtversichert       freiwillig gesetzlich versichert  
      beitragspflichtig Beitragssatz*     beitragspflichtig Beitragssatz*
gesetzliche Rente     ja 7,3 %     ja 7,3 %
Versorgungsbezüge     ja 14,6 %     ja 14,6 %
Erwerbseinkommen     ja 14,6 %     ja 14,6 %
Mieteinnahmen     nein -     ja 14 %
Zinsen, Dividenden u.ä.     nein -     ja 14 %
private Renten     nein -     ja 14 %

*Zusätzlich zum Beitragssatz muss der Zusatzbeitrag der jeweiligen Krankenkasse bezahlt werden.
Quelle: GKV-Beitragssätze von 2017 (Stand: Januar 2017)

Community
Die letzten Beiträge zu dieser Diskussion:
hier noch der Link zum Merkblatt:
11. Dezember 2016 zum Beitrag
Hallo cornifier.
Ganz knapp:
Immer gKV (dazu zählt auch freiwillige Versicherung) = später KVdR
Dann zahlen Sie später auf Renten (inkl. Betriebsrenten) Ihre Beiträge.
Näheres zu ...
11. Dezember 2016 zum Beitrag
Liebe Community,
irgendwie bin ich völlig verunsichert bez. der freiwilligen Krankenversicherung. Ich bin Angestellter und seit vielen, vielen Jahren in der gesetzlichen KV, allerdings ...
11. Dezember 2016 zum Beitrag
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Artikel verfasst von

Peter Neitzsch

freier Finanztip-Mitarbeiter

Als freier Autor arbeitet Peter Neitzsch im Versicherungsressort von Finanztip. Der freiberufliche Journalist schreibt vorwiegend über Wirtschafts- und Verbraucherthemen. Vor der Selbstständigkeit leitete er das Wirtschaftsressort von stern.de. In Dresden und Paris studierte Peter Neitzsch Sozialwissenschaften und absolvierte danach die Berliner Journalisten-Schule. Im Anschluss arbeitete er unter anderem am Newsdesk der Frankfurter Rundschau und von tagesschau.de.

Annika Krempel

Finanztip-Expertin für Versicherungen

Annika Krempel ist Redakteurin im Team Versicherung und Vorsorge. Nach ihrem Diplom in Politikwissenschaften absolvierte sie ein Volontariat für Wirtschafts- und Verbraucherjournalisten. Sie sammelte unter anderem Erfahrungen in den Redaktionen von ZDF WISO, RBB Inforadio sowie der Stiftung Warentest. Die verbraucherpolitische Arbeit lernte sie beim Verbraucherzentrale Bundesverband kennen.

Finanztip-Redaktion

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Die Finanztip-Redaktion besteht aus einem Team von Experten, die völlig unabhängig für Sie recherchieren, damit Sie die beste Entscheidung treffen können. Die Experten arbeiten in den Teams Bank & Geldanlage, Versicherung & Vorsorge, Recht & Steuern sowie Energie/Reise/ Mobilität & Medien. Bei der Wahl der Zeitschrift „Wirtschaftsjournalist“ zur Wirtschaftsredaktion des Jahres belegte die Redaktion 2015 den zweiten Platz.