Freiwillig gesetzlich krankenversichert

Wer in der gesetzlichen Krankenkasse bleiben kann

Das Wichtigste in Kürze

  • Beamte, Freiberufler und Besserverdiener sind nicht verpflichtet, sich gesetzlich zu versichern. Sie können es aber freiwillig tun.
  • Fällt die Versicherungspflicht weg, etwa durch das Ende einer Familienversicherung oder durch Überschreiten der Jahresarbeitsentgeltgrenze, beginnt automatisch eine freiwillige Versicherung.
  • Bestand vorher keine Versicherungspflicht oder keine Familienversicherung, ist ein Beitritt zur gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) nur unter bestimmten Bedingungen möglich.
  • Wer nicht angestellt ist, zahlt Beiträge bis zur Bemessungsgrenze auf seine gesamten Einkünfte. Dazu zählen neben dem Gehalt weitere Einnahmen, zum Beispiel aus Kapitalvermögen oder aus Vermietung und Verpachtung.

So gehen Sie vor

  • Erlischt die Versicherungspflicht, müssen Sie entscheiden, ob Sie sich freiwillig gesetzlich versichern oder in die private Krankenversicherung wechseln möchten.
  • Waren Sie vorher pflicht- oder familienversichert, brauchen Sie nichts unternehmen, um in der GKV zu bleiben. Sie sind dann automatisch freiwillig versichert.
  • Wollen Sie stattdessen in die private Krankenversicherung wechseln, müssen Sie innerhalb von zwei Wochen Ihren Austritt aus der gesetzlichen Krankenversicherung erklären.
  • Selbstständige können zwischen allgemeinem und ermäßigtem Beitragssatz wählen, je nachdem, ob sie Anspruch auf Krankengeld haben möchten oder nicht.
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Wer selbstständig ist oder ein gutverdienender Arbeitnehmer, der muss nicht in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) sein – aber er darf es. Für viele ist der freiwillige Verbleib in der GKV der beste Weg, denn die private Krankenversicherung (PKV) wird für die meisten Versicherten auf Dauer sehr teuer.

Für wen die freiwillige GKV infrage kommt

Zunächst einmal gilt: Niemand muss die gesetzliche Krankenversicherung verlassen, der nicht möchte. Es gibt keinen Zwang, sich privat zu versichern, wenn die Versicherungspflicht endet. Gemäß dem Fünften Sozialgesetzbuch (Paragraf 9 SGB V) können sich viele Menschen freiwillig gesetzlich versichern, sofern sie bereits zuvor bei einer gesetzlichen Krankenkasse waren. Dazu zählen:

  • Arbeitnehmer, deren Jahres-Bruttoeinkommen die Jahresarbeitsentgeltgrenze (JAEG) übersteigt. Diese Grenze liegt 2017 bei 57.600 Euro;
  • Menschen, deren kostenfreie Familienversicherung erlischt;
  • ehemalige Kassenpatienten, die in den fünf Jahren vor dem Ausscheiden 24 Monate gesetzlich versichert waren oder unmittelbar vor dem Ende der Versicherungspflicht mindestens 12 Monate ununterbrochen versichert waren;
  • Kinder, die nicht mitversichert sind, weil ein Elternteil über der Versicherungspflichtgrenze liegt und daher privat versichert ist;
  • hauptberuflich Selbstständige;
  • Beamte;
  • Studenten, die die Voraussetzungen für die Krankenversicherung der Studenten nicht mehr erfüllen;
  • Schwerbehinderte, wenn sie selbst, ein Elternteil oder ihr Ehegatte in den vergangenen fünf Jahren mindestens drei Jahre gesetzlich versichert waren (die Satzung der Krankenkasse kann das Recht zum Beitritt von einer Altersgrenze abhängig machen);
  • Arbeitnehmer, deren Mitgliedschaft durch Beschäftigung im Ausland endete, wenn sie innerhalb von zwei Monaten nach Rückkehr ins Inland wieder eine Beschäftigung aufnehmen;
  • Rentner, die die Kriterien für eine Aufnahme in die Krankenversicherung der Rentner nicht erfüllen.

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Wann die freiwillige Versicherung beginnt und endet

Sobald eine Versicherungspflicht endet und sich keine neue gleich anschließt, sind Sie automatisch und gezwungenermaßen freiwilliges Mitglied in der gesetzlichen Krankenversicherung (obligatorische Anschlussversicherung, Paragraf 188 Abs. 4 SGB V). Die Mitgliedschaft beginnt mit dem Ende der Versicherungspflicht oder dem Ende der Familienversicherung. Eine Beitrittserklärung ist nicht erforderlich.

Ebenso ist es in den meisten Fällen unnötig, die oben aufgezählten Vorversicherungszeiten nachzuweisen, wenn die Krankenversicherung automatisch freiwillig weiterläuft. Das bedeutet: Durch die Anschlussversicherung muss niemand mehr gewisse Zeiten einer vorherigen Mitgliedschaft in der GKV belegen.

Bei einer bestehenden Anstellung zum Beispiel erlischt die Versicherungspflicht zum Jahreswechsel, wenn das Gehalt die Jahresarbeitsentgeltgrenze sowohl im laufenden Jahr überschreitet als auch die neue Grenze im kommenden Jahr.

Anders sieht es für Arbeitnehmer aus, die ihren Arbeitgeber wechseln und dadurch über die Jahresarbeitsentgeltgrenze springen. Bei ihnen endet die Versicherungspflicht mit dem ersten Tag der neuen Beschäftigung.

Nimmt das Jahresgehalt von Arbeitnehmern diese Hürde, dann bleiben sie automatisch erstmal bei ihrer Krankenkasse versichert. Wollen sie sich nicht freiwillig versichern, müssen sie in solchen Fällen innerhalb von zwei Wochen ihren Austritt erklären und eine andere Absicherung, etwa in der privaten Krankenversicherung, nachweisen. Der Versicherungsschutz muss dabei lückenlos bestehen bleiben.

Vorversicherungszeit nur selten von Bedeutung

Sind Sie nicht versicherungspflichtig oder in der Familienversicherung, möchten sich aber freiwillig versichern, gelten Mindestvoraussetzungen: Entweder waren Sie in den letzten fünf Jahren insgesamt mindestens zwei Jahre gesetzlich versichert oder Sie waren unmittelbar vor Ende der Versicherungspflicht ein Jahr lang durchgängig GKV-Mitglied. Den Beitritt zur GKV müssen Sie dann schriftlich erklären, die Frist beträgt drei Monate nach Ende der Versicherungspflicht. In der Praxis sind solche Fälle aber sehr selten. In der Regel gilt für die meisten die obligatorische Anschlussversicherung.

Wann die freiwillige Krankenversicherung endet

Die freiwillige Mitgliedschaft in der Krankenversicherung endet

  • mit Beginn einer Pflichtmitgliedschaft,
  • wenn die Voraussetzungen für eine Familienversicherung erfüllt sind oder
  • bei fristgerechter Kündigung.

Für freiwillig Versicherte gelten dieselben Kündigungsfristen wie bei Pflichtversicherten. Auch in ihrem Fall ist der Wechsel zu einer anderen Krankenkasse erst nach 18 Monaten und nur dann möglich, wenn sie eine Kündigungsbestätigung der bisherigen Krankenkasse vorlegen.

Mehr dazu im Ratgeber gesetzliche Krankenversicherung

Annika Krempel
von Finanztip,
Expertin für Versicherungen

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So hoch ist der Beitrag in der freiwilligen Krankenversicherung

Ob angestellt oder nicht – danach entscheidet sich, wie der Beitrag für einen freiwillig Versicherten berechnet wird. Grundsätzlich beträgt er 14,6 Prozent zuzüglich Zusatzbeitrag der jeweiligen Krankenkasse und zuzüglich des Beitrags zur gesetzlichen Pflegeversicherung. Es wird niemals mehr als die sogenannte Beitragsbemessungsgrenze zur Berechnung herangezogen. Diese liegt 2017 bei 4.350 Euro im Monat. Oberhalb der Beitragsbemessungsgrenze ist das Einkommen beitragsfrei.

Wie viel freiwillig Versicherte höchstens zahlen müssen

Freiwillig versicherte Arbeitnehmer zahlen in der Regel den Höchstbeitrag von rund 635 Euro pro Monat für die Krankenversicherung. Davon übernimmt der Arbeitgeber die Hälfte (7,3 Prozent). Den Zusatzbeitrag der Krankenkasse trägt der Arbeitnehmer dagegen allein.

Im Unterschied zu Arbeitnehmern bildet bei Selbstständigen, Freiberuflern und anderen, nicht sozialversicherungspflichtig angestellten Menschen, nicht nur das Arbeitseinkommen die Grundlage für die Beitragsberechnung. Es zählen darüber hinaus bis zur Beitragsbemessungsgrenze auch andere Einkünfte dazu, etwa Einnahmen aus Kapitalvermögen oder aus Vermietung und Verpachtung.

Darauf wird entweder der allgemeine Beitragssatz in Höhe von 14,6 Prozent fällig oder ein verminderter Beitragssatz in Höhe von 14,0 Prozent. Mit dem verminderten Satz verzichtet der Versicherte im Krankheitsfall darauf, Krankengeld zu erhalten. Der Höchstbeitrag beläuft sich dementsprechend auch für Selbstständige und andere freiwillig Versicherte auf die rund 635 Euro pro Monat plus Zusatzbeitrag. Allerdings müssen Selbstständige ihren Beitrag allein stemmen.

Wie viel freiwillig Versicherte mindestens zahlen müssen

Wer weniger Einkommen nachweist, zahlt auch weniger. Dabei geben die Krankenkassen aber eine bestimmte Untergrenze vor. Ist das tatsächliche Einkommen des Versicherten niedriger als die Untergrenze, wird ein fiktives Mindesteinkommen angesetzt, um den Krankenkassenbeitrag zu berechnen.

Für 2017 beträgt die Mindestbemessungsgrundlage für freiwillig in der GKV Versicherte knapp 992 Euro. Wessen tatsächliches Einkommen geringer ist, wird von der Krankenkasse so eingestuft, als würde er rund 992 Euro pro Monat verdienen. Das ergibt bei einem Beitragssatz von 14,6 Prozent mit Krankengeldanspruch einen Monatsbeitrag von gut 145 Euro. Das Mindesteinkommen ist meist bei denjenigen maßgeblich, die wenig oder gar nichts verdienen. Das ist beispielsweise bei Studenten der Fall, die die Voraussetzungen für eine studentische Krankenversicherung nicht mehr erfüllen.  

Für Selbstständige gilt eine Mindesteinkommensgrenze von rund 2.231 im Monat, Existenzgründer müssen auf monatlich knapp 1.488 Euro Beiträge zahlen.

Wer weniger als das fiktive Minimum verdient, sollte bei der Krankenkasse einen Antrag auf Beitragsanpassung stellen. Rechtfertigt das Einkommen nachweislich einen niedrigeren Beitrag, kann die Kasse eine Ermäßigung einräumen. Um diese zu berechnen, zieht die Kasse auch das Einkommen des Partners aus einer eheähnlichen Gemeinschaft, Ehe oder Lebenspartnerschaft heran. Besonders für Existenzgründer werden regelmäßig zwei Drittel des Regelbeitrags angesetzt.

Selbstständige können sich freiwillig versichern

Da hauptberuflich Selbstständige kein fixes Gehalt beziehen, das die Krankenkassen für die Beitragsberechnung nutzen können, gilt zunächst einmal das festgesetzte Mindesteinkommen von derzeit rund 2.231,25 Euro pro Monat. Bei einem Beitragssatz von 14,6 Prozent beläuft sich der Monatsbeitrag also auf 325,76 Euro – unabhängig von der tatsächlichen Höhe des Einkommens. Hinzu kommt noch der von vielen Kassen erhobene Zusatzbeitrag von im Durchschnitt 1,1 Prozent.  

Durch die Reform des Heil- und Hilfsmittelgesetzes gilt ab Januar 2018 eine neue Art der Beitragsberechnung für freiwillig versicherte Selbstständige. Dann setzt die Krankenkasse die Höhe des Beitrags auf Grundlage des letzten Einkommenssteuerbescheids für ein Jahr vorläufig fest. Sobald der Steuerbescheid für das entsprechende Jahr dann vorliegt, wird der Beitrag nachträglich korrigiert. Hat der Versicherte mehr verdient als angenommen, muss er Beiträge nachzahlen. Hat er weniger verdient, bekommt er von der Kasse Geld zurück. Die Mindestbeiträge für Versicherte mit niedrigem Einkommen bleiben allerdings weiter bestehen.

Bricht merklich der Umsatz ein, kann der Selbstständige bei der Krankenkasse auch schon im Laufe des Jahres beantragen, dass sie die Beitragshöhe ändert. Mit einem Vorauszahlungsbescheid oder einem Nachweis der Finanzverwaltung lässt sich das niedrigere Einkommen nachweisen.

Noch 2017 wurde das Einkommen erst anhand der Steuererklärung überprüft. Zu viel gezahlter Beitrag wurde weder erstattet noch wurde zu wenig gezahlter Beitrag nachgefordert.

Auch Rentner dürfen sich freiwillig gesetzlich versichern

Vorversicherungszeit

Seit 1. August 2017 gelten neue Regelungen zur Vorversicherungszeit, die vielen Rentnern den Wechsel in die Pflichtversicherung ermöglichen. So werden für jedes Kind des Versicherten pauschal drei Jahre angerechnet. Mehr dazu erfahren Sie im Ratgeber Krankenversicherung der Rentner.

Wer in der zweiten Hälfte seines Erwerbslebens zu 90 Prozent gesetzlich krankenversichert war, darf in die Krankenversicherung der Rentner. Das spart erheblich Beiträge. Wenn Senioren die Kriterien für die Aufnahme in die Krankenversicherung der Rentner (KVdR) nicht erfüllen, haben sie dennoch die Möglichkeit, sich freiwillig gesetzlich zu versichern. Vorausgesetzt, sie waren ausreichend lange bei einer gesetzlichen Kasse versichert. Der Vorversicherungszeitraum beträgt 12 Monate unmittelbar vor Rentenbeginn oder 24 Monate ohne Unterbrechung in den fünf Jahren vor Antragstellung.

Anders als pflichtversicherte Rentner müssen sie dann auf alle Einnahmen Krankenversicherungsbeiträge entrichten. Dabei wird zwischen verschiedenen Einkunftsarten unterschieden:

  • gesetzliche Rente - Altersrente, Rente aus dem Ausland, Witwenrente;
  • Versorgungsbezüge - Betriebsrenten, Direktversicherungen, Pensionskassen und -fonds, Unterstützungskassen, Zusatzversorgungen, Renten aus Versorgungswerken, betrieblich abgeschlossene Riester-Renten, Beamtenpensionen;
  • Erwerbseinkommen - aus angestellter oder selbstständiger Tätigkeit;
  • private Einnahmen - Miet- und Pachteinkünfte, Kapitalerträge, private Renten einschließlich privat abgeschlossener Riester-Renten.

Für Einkünfte aus der gesetzlichen Rente übernimmt der Rentenversicherungsträger den Arbeitgeberanteil und der Rentner den Arbeitnehmeranteil von jeweils 7,3 Prozent. Für Versorgungsbezüge aus Betriebsrenten, Versorgungswerken und Pensionskassen zahlt der Rentner den Beitragssatz von 14,6 Prozent allein. Das Gleiche gilt für Einkommen aus einer selbstständigen Nebentätigkeit.

Freiwillig versicherte Rentner müssen dazu noch den ermäßigten Beitragssatz von 14 Prozent abführen auf Einnahmen aus Miete, Pacht und Kapitalvermögen sowie auf private Lebens- und Rentenversicherungen.

GKV-Beiträge als Rentner

      in der KVdR pflichtversichert       freiwillig gesetzlich versichert  
      beitragspflichtig Beitragssatz*     beitragspflichtig Beitragssatz*
gesetzliche Rente     ja 7,3 %     ja 7,3 %
Versorgungsbezüge     ja 14,6 %     ja 14,6 %
Erwerbseinkommen     ja 14,6 %     ja 14,6 %
Mieteinnahmen     nein -     ja 14 %
Zinsen, Dividenden u.ä.     nein -     ja 14 %
private Renten     nein -     ja 14 %

*Zusätzlich zum Beitragssatz muss der Zusatzbeitrag der jeweiligen Krankenkasse bezahlt werden.
Quelle: GKV-Beitragssätze von 2017 (Stand: Januar 2017)

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Finanztip-Chefredakteur
Hermann-Josef Tenhagen

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Artikel verfasst von

Annika Krempel

Finanztip-Expertin für Versicherungen

Annika Krempel ist Redakteurin im Team Versicherung und Vorsorge. Nach ihrem Diplom in Politikwissenschaften absolvierte sie ein Volontariat für Wirtschafts- und Verbraucherjournalisten. Sie sammelte unter anderem Erfahrungen in den Redaktionen von ZDF WISO, RBB Inforadio sowie der Stiftung Warentest. Die verbraucherpolitische Arbeit lernte sie beim Verbraucherzentrale Bundesverband kennen.