Kinderzuschlag

Bonus beim Kindergeld für Geringverdiener

Das Wichtigste in Kürze

  • Wer wenig verdient, bekommt unter bestimmten Voraussetzungen einen Zuschlag zum Kindergeld.
  • Der Kinderzuschlag kann monatlich seit dem 1. Januar 2017 bis zu 170 Euro je Kind betragen. Geringverdiener beantragen ihn bei der Familienkasse der Arbeitsagentur.
  • Das Kind muss jünger als 25 Jahre und unverheiratet sein.
  • Den Kinderzuschlag gibt es ab einem Einkommen von 900 Euro, bei Alleinerziehenden ab 600 Euro.
  • Als Sozialleistung wird der Zuschlag nur bis zu einem Höchsteinkommen gezahlt. Dieses wird individuell berechnet und ist je nach Familie deutlich unterschiedlich.
  • Kinderzuschlag wird nicht gezahlt an Empfänger von bestimmten Sozialleistungen wie Arbeitslosengeld II, Sozialgeld oder Sozialhilfe.
  • Mit dem Kinderzuschlags-Check können Eltern überprüfen, ob ein Antrag erfolgversprechend ist.
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Essen, Kleidung, Spielzeug und Schulsachen: Kinder sind teuer. Das merken vor allem diejenigen, die ein geringes Monatseinkommen haben und schon ohne Nachwuchs vorne und hinten sparen müssten.

Um zu verhindern, dass Familien mit niedrigem Einkommen vorschnell in den Bezug von Arbeitslosengeld II (ALG II) rutschen, hat das Bundesfamilienministerium den Kinderzuschlag eingeführt. Nach Angaben des Ministeriums haben 2014 rund 260.000 Kinder vom Kinderzuschlag profitiert.

Wer Anspruch hat

Den Kinderzuschlag gibt es als Ergänzung zum Kindergeld. Einen Anspruch auf diese Leistung können Sie haben, wenn Sie als Eltern oder Alleinerziehende zwar Ihren eigenen Bedarf finanziell decken können, aber nicht den Bedarf Ihrer Kinder. Seit dem 1. Juli 2017 liegt der Kinderzuschlag bei höchstens 170 Euro monatlich.

Das Verfahren zur Berechnung des Kinderzuschlags ist kompliziert, weil es sowohl eine Mindest- als auch eine Höchsteinkommensgrenze gibt. Nur wer mit seinem Einkommen zwischen diesen beiden Werten liegt, hat überhaupt Anspruch auf den Kinderzuschlag.

Diese Voraussetzungen müssen Sie erfüllen

Als Eltern oder alleinerziehendes Elternteil haben Sie laut Bundeskindergeldgesetz (§ 6a BKGG) Anspruch auf Kinderzuschlag für ein Kind, wenn

  • dieses unverheiratet sowie jünger als 25 Jahre ist und mit Ihnen in einem Haushalt lebt,
  • Sie für dieses Kind Kindergeld oder eine das Kindergeld ausschließende Leistung beziehen,
  • Ihre monatlichen Einnahmen die Mindesteinkommensgrenze erreichen,
  • Ihr zu berücksichtigendes Einkommen und Vermögen nicht über der Höchsteinkommensgrenze liegen und
  • der Bedarf Ihrer Familie durch den Kinderzuschlag und eventuell ergänzendes Wohngeld gedeckt ist und Sie somit keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld II oder Sozialgeld haben.

Der Kinderzuschlag soll also verhindern, dass eine Familie Arbeitslosengeld II (= Hartz IV) beantragen muss.

Höhe des Mindesteinkommens

Für Elternpaare gilt eine Mindesteinkommensgrenze von monatlich 900 Euro, Alleinerziehende müssen über ein Mindesteinkommen von 600 Euro im Monat verfügen. Den Kinderzuschlag können Eltern nur dann beanspruchen, wenn ihre monatlichen Einnahmen (beispielsweise Bruttoeinkommen aus Erwerbstätigkeit, Arbeitslosengeld I oder Krankengeld) dieses Mindesteinkommen erreichen. Kindergeld und Wohngeld zählen nicht zum Einkommen. 

Höchsteinkommensgrenze

Das Einkommen einer Familie darf nicht über der Höchsteinkommensgrenze liegen. Dabei handelt es sich nicht um einen festen Wert, die Höchsteinkommensgrenze wird individuell ermittelt. Dazu werden die ALG II-Regelsätze und Wohnkosten berechnet, die der Familie zustehen würden, wenn sie Arbeitslosengeld II beziehen würde.

Rechenbeispiel:
Eine Familie hat zwei Kinder und zahlt eine Miete von monatlich 800 Euro.

Die Eltern hätten als ALG-II-Empfänger einen Regelbedarf zur Sicherung des Lebensunterhalts von 736 Euro (zweimal 368 Euro für beide Partner, Stand: 1. Januar 2017).

Dazu kommt ein bestimmter Anteil an der Miete – je nach Familienkonstellation gibt es feste Prozentsätze: Bei zwei Kindern beträgt der Wohnanteil der Eltern 71,17 Prozent an der Miete von 800 Euro, das macht einen Wohnbedarf nach ALG II von 569,36 Euro.

Regelbedarf und Wohnbedarf zusammen bilden die sogenannte Bemessungsgrenze, in unserem Rechenbeispiel 1.305,36 Euro.

Aus der individuellen Bemessungsgrenze zuzüglich des Gesamtkinderzuschlags für zwei Kinder (340 Euro) ergibt sich die Höchsteinkommensgrenze von 1.645,36 Euro. Das zu berücksichtigende Monatseinkommen dieser Familie muss also zwischen 900 Euro und 1.645,36 Euro liegen, damit sie einen Anspruch auf den Kinderzuschlag hat. Die Höchsteinkommensgrenze kann sich durch sogenannten Mehrbedarf nach ALG II erhöhen.

Achtung

Wohn- und Mehrbedarf

Je nachdem, ob Sie ein Elternpaar oder alleinerziehend sind und wie viele Kinder mit Ihnen zusammenleben, haben Sie einen bestimmten prozentualen Wohnbedarf. Nachlesen können Sie das im Merkblatt Kinderzuschlag der Agentur für Arbeit.

Zum Regelbedarf nach ALG II können noch pauschalierte Mehrbedarfe hinzukommen, beispielsweise für Schwangerschaft, Alleinerziehende, Behinderung oder kostenaufwändige Ernährung. Dadurch würde die Höchstgrenze steigen. Wie hoch Regelbedarf und Mehrbedarfe sind, können Sie in der Broschüre der Arbeitsagentur zum Arbeitslosengeld II erfahren.

So hoch ist der Anspruch

Kinderzuschlag in voller Höhe – Ein Beispiel: Familie S. hat ein Bruttoeinkommen von monatlich 1.900 Euro. Nach Abzug von Steuern, Sozialversicherungsbeiträgen, Aufwendungen für Altersvorsorge, Versicherungen, Werbungskosten und Freibeträgen bleiben 1.200 Euro als zu berücksichtigendes (Netto-)Einkommen.

Um Anspruch auf Kinderzuschlag zu haben, muss das monatliche Bruttoeinkommen (1.900 Euro) über der Mindesteinkommensgrenze (900 Euro) liegen. Das zu berücksichtigende Einkommen (1.200 Euro) darf die errechnete Höchsteinkommensgrenze nicht überschreiten.

Liegt das zu berücksichtigende Einkommen von Familie S. unter der individiduellen Höchsteinkommensgrenze, steht ihr der Kinderzuschlag in ungeminderter Höhe zu: insgesamt 340 Euro für zwei Kinder.

Kinderzuschlag, gemindert – Ein höheres Einkommen wirkt sich auf den Anspruch auf Kinderzuschlag aus, er wird nur noch anteilig gezahlt. Und zwar reduziert sich der volle Kinderzuschlag stufenweise um 5 Euro für jeweils 10 Euro, die das Einkommen über der Bemessungsgrenze liegt. Voraussetzung: Es handelt sich um Einkommen aus selbstständiger oder nichtselbstständiger Tätigkeit. Andere Einkommensarten werden voll vom Kinderzuschlag abgezogen.

Auch dazu ein Beispiel: Familie M. hat ein Bruttoeinkommen von 2.400 Euro. Das zu berücksichtigende Einkommen von 1.470 Euro bleibt zwar unter der errechneten Höchsteinkommensgrenze, liegt aber um 193 Euro über der individuellen Bemessungsgrenze. Es werden 95 Euro (19 mal 5 Euro) vom eigentlichen Anspruch auf Kinderzuschlag abgezogen. Familie M. erhält für zwei Kinder 225 Euro statt 340 Euro.

Tipp

Kinderzuschlags-Rechner nutzen

Eltern können mit diesem Kinderzuschlags-Check auf der Seite des Bundesfamilienministeriums mit wenigen Eingaben ermitteln, ob ein Antrag auf Kinderzuschlag bei der Familienkasse erfolgversprechend ist. In den Rechner geben Sie Daten zu Ihrer persönlichen Situation, zum Einkommen und den Wohnkosten an.

Was als Einkommen und Vermögen gilt

Zum Einkommen gehören beispielsweise Einnahmen aus selbstständiger und nichtselbstständiger Tätigkeit, Entgeltersatzleistungen wie Arbeitslosen- oder Krankengeld, Elterngeld, Betreuungsgeld, Renten aus der Sozialversicherung aber auch Zinsen sowie Einnahmen aus Vermietung und Verpachtung.

Als Vermögen gilt abzüglich fester Freibeträge beispielsweise Bargeld, Sparguthaben oder Wertpapiere sowie Haus- oder Grundeigentum, wenn Vermögen zum Lebensunterhalt verwendet oder sein Wert durch Verkauf genutzt werden kann. Selbstverständlich müssen Sie nicht Ihr Haus verkaufen oder Ihre private Altersvorsorge auflösen, dies wird nicht als Vermögen berücksichtigt.

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Wenn das Kind eigenes Einkommen hat

Haben die Kinder ein eigenes Einkommen oder beziehen sie Leistungen wie Unterhalt oder Waisenrente, wird dieser Betrag pro Kind vom höchstmöglichen Kinderzuschlag (160 Euro) abgezogen. Beispiel: Hat das erste Kind ein Einkommen von 120 Euro, bleiben 40 Euro, beim zweiten Kind mit einem Einkommen von 100 Euro bleiben 60 Euro. Insgesamt hätte die Familie also noch einen Anspruch auf Kinderzuschlag von 100 Euro.

Bildungspaket: Bildung und Teilhabe

Wer den Kinderzuschlag erhält, hat zusätzlichen Anspruch auf das sogenannte Bildungspaket – offiziell „Leistungen zur Bildung und Teilhabe“. Damit verbunden sind folgende ergänzende Sozialleistungen:

  • Kosten für eintägige Klassenausflüge, mehrtägige Klassenfahrten oder für Lernförderung übernimmt der Staat auf Antrag.
  • Pro Jahr wird der persönliche Schulbedarf mit 100 Euro gefördert, und Sie können einen Zuschuss zu Fahrtkosten und Schulessen beantragen.
  • 10 Euro monatlich kann Ihr Kind erhalten für die „Teilnahme am sozialen und kulturellen Leben in der Gemeinschaft“.

Wie Sie den Kinderzuschlag beantragen

Den Kinderzuschlag müssen Sie schriftlich bei der zuständigen Familienkasse beantragen. Formulare gibt es bei jeder Familienkasse der Bundesagentur für Arbeit oder zum Herunterladen unter www.arbeitsagentur.de.

Einkommen und Vermögen müssen Sie durch entsprechende Nachweise belegen. Welche genau erforderlich sind, ergibt sich aus dem Antrag.

Den Kinderzuschlag bekommen Sie zusammen mit dem Kindergeld, in der Regel geht er an den Elternteil, der auch das Kindergeld erhält. Beziehen Sie eine das Kindergeld ausschließende Leistung und ist das Kind bei beiden Elternteilen steuerlich zu berücksichtigen, dann können die Eltern untereinander ausmachen, wer den Kinderzuschlag erhält.

Solange die Anspruchsvoraussetzungen erfüllt sind, wird der Zuschlag gezahlt, bis das Kind 25 Jahre alt ist. Alle Änderungen der finanziellen oder persönlichen Verhältnisse, beispielsweise wenn Ihr Einkommen steigt oder Ihr Kind aus Ihrer Wohnung auszieht, müssen Sie der Familienkasse mitteilen. Ansonsten müssen Sie die zu Unrecht bezogene Leistung zurückzahlen.

Bei Fragen wenden Sie sich am besten direkt an Ihre Familienkasse. Sie können auch die kostenlose Service-Telefonnummer der Familienkasse der Arbeitsagentur für Kindergeld und Kinderzuschlag nutzen: 0800/455 55 30.

Achtung

Kinderzuschuss

Eine das Kindergeld ausschließende Leistung kann beispielsweise eine Kinderzulage aus der gesetzlichen Unfallversicherung oder ein Kinderzuschuss aus der gesetzlichen Rentenversicherung sein. Mehr dazu erfahren Sie im „Merkblatt Kindergeld“ des Bundeszentralamts für Steuern.

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Finanztip-Chefredakteur
Hermann-Josef Tenhagen

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Artikel verfasst von

Udo Reuß

Finanztip-Experte für Steuern

Der Steuerrechtler und Diplom-Kaufmann Udo Reuß ist bei Finanztip für Steuerthemen verantwortlich. Zuvor war er bei verschiedenen Wirtschafts- und Fachverlagen wie Handelsblatt, F.A.Z.-Verlagsgruppe, Haufe-Lexware und Vogel Business Media tätig – 14 Jahre davon arbeitete er als Chefredakteur von Fachzeitschriften. Aus dem komplexen Steuerrecht zieht er die relevanten Urteile für Steuersparer. Den Autor erreichen Sie unter redaktion@finanztip.de.

Dr. Britta Beate Schön

Finanztip-Expertin für Recht

Britta Beate Schön ist bei Finanztip für sämtliche Rechtsthemen zuständig. Die promovierte Juristin und Rechtsanwältin war als Leiterin der Rechtsabteilung bei Finanzdienstleistern wie der Telis Finanz AG und der Interhyp tätig. Vorher lehrte und forschte sie in Japan als DAAD-Junior-Professorin für deutsches und Europarecht. Ihr Studium absolvierte sie in Münster, Genf, Regensburg und Leipzig. Die Autorin erreichen Sie unter britta.schoen@finanztip.de.