Vorsorgeaufwendungen

So setzen Sie Altersvorsorge und Versicherungen von der Steuer ab

Das Wichtigste in Kürze

  • Machen Sie Ihre Vorsorgeaufwendungen in der Einkommensteuererklärung geltend, können Sie viel Geld sparen.
  • Zu steuermindernden Sonderausgaben gehören insbesondere die Ausgaben für die Altersvorsorge, aber auch Riester-Verträge, Kranken- und Pflegeversicherung, Betreuung und Unterhalt für Kinder sowie Aufwendungen für die Berufsausbildung.
  • Ausgaben für die private und gesetzliche Rentenversicherung und ihr gleichgestellte Aufwendungen können Sie 2016 bis zu einem Höchstbetrag von 22.767 Euro (das Doppelte für Ehepaare) von der Steuer absetzen. Für 2016 erkennt das Finanzamt aber nur 82 Prozent der Aufwendungen an.
  • Wenn Sie rentenversicherungspflichtig sind, wird Ihnen der Abzug um den Arbeitgeberteil gekürzt.
  • Die Basiskrankenversicherung ist grundsätzlich in voller Höhe absetzbar. Wenn dadurch der jährliche Höchstbetrag für Vorsorgeaufwendungen von 1.900 Euro für Arbeitnehmer und Beamte oder 2.800 Euro für Selbstständige nicht ausgeschöpft ist, können Sie die Ausgaben für weitere Versicherungen geltend machen.
  • Die Beiträge können Sie zusätzlich zu Ihren Aufwendungen für die Altersvorsorge anrechnen.
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Aufwendungen für die Altersvorsorge oder die Krankenversicherung gehören zu den Sonderausgaben, die vom Gesetzgeber steuerlich begünstigt sind. Weil Sie mehrere verschiedene Steuerformularen ausfüllen müssen, ist allerdings Geduld gefragt. Sie sollten sich davon nicht abschrecken lassen: Die Mühe lohnt sich.

Die Vorsorgeaufwendungen unterteilen sich in drei Bereiche:

  • Basisversorgung (gesetzliche Renten, berufsständische Versorgungswerke, landwirtschaftliche Alterskassen und Rürup-Renten),
  • sonstige Vorsorgeaufwendungen (beispielsweise Kranken-, Pflege-, Arbeitslosen-, Haftpflicht-, Unfall- und klassische private Lebensversicherung mit Abschluss vor 2005) und
  • Zusatzversorgung (Riester-Rente).

So setzen Sie die Basisversorgung ab

Die Basisversorgung setzt sich aus Beiträgen für den Aufbau einer Altersversorgung zusammen. Darunter fällt die gesetzliche Rentenversicherung, ihr gleichgestellte Aufwendungen wie berufliche Versorgungswerke und die Rürup-Rente (Basisrentenvertrag). Diese Aufwendungen können Sie als Sonderausgaben von der Steuer absetzen.

Grundsätzlich gilt dafür im Jahr 2016 ein Höchstbetrag von 22.767 Euro im Jahr – Ehepaare und Lebenspartner, die zusammen veranlagt sind, können den doppelten Betrag geltend machen, also 45.534 Euro. 2017 steigt dieser Betrag auf 23.362 Euro beziehungsweise 46.724 Euro bei einer gemeinsamen Veranlagung an. 

Allerdings können Sie erst ab dem Jahr 2025 vom vollen Höchstbetrag profitieren. In den kommenden Jahren wird der Anteil der jährlich abziehbaren Basisvorsorgeaufwendungen langsam angehoben – pro Jahr um zwei Prozentpunkte. Im Umkehrschluss werden Renteneinkünfte vollständig besteuert – allerdings erst ab 2040. Fachleute sprechen vom Prinzip der nachgelagerten Besteuerung.

In der Steuererklärung für 2016 berücksichtigt das Finanzamt höchstens 82 Prozent der Höchstbeträge, also 18.669 Euro für Alleinstehende und 37.338 Euro für Paare. 2017 können Sie 84 Prozent des Höchstbetrags absetzen, also 19.624 Euro für Alleinstehende und 39.248 Euro für Paare

Davon abzuziehen ist der steuerfreie Arbeitgeberanteil: Arbeitnehmer, die verpflichtet sind, in die Rentenversicherung einzuzahlen, bekommen ihre Vorsorgeaufwendungen um diesen Betrag gekürzt. In der folgenden Rechnung zeigen wir an einem Beispiel, wie Sie sich das vorstellen müssen:

Beispiel Altersvorsorge absetzen für 2016

Arbeitnehmerbeitrag 3.500 Euro
Arbeitgeberbeitrag 3.500 Euro
Rürup-Rente 2.500 Euro
Insgesamt 9.500 Euro
Höchstbetrag 22.767 Euro
82 % von 9.500 Euro 7.790 Euro
abzüglich steuerfreier Arbeitgeberanteil 3.500 Euro
verbleibender Betrag 4.290 Euro

Der Arbeitnehmer kann also – wie im Beispiel errechnet – Altersvorsorgeaufwendungen in Höhe von 4.290 Euro als Sonderausgaben geltend machen.

Umstritten ist die gesetzliche Berechnungsweise deshalb, weil rentenversicherungspflichtige Arbeitnehmer einen Großteil ihrer Vorsorgeaufwendungen nicht absetzen können. Der Abzug von Vorsorgeaufwendungen ist Streitgegenstand juristischer Musterverfahren. Oft erlassen Finanzämter Einkommensteuerbescheide, in denen sie geltend gemacht werden, daher nur vorläufig. 

Tipp

Rückerstattung möglich

Werden Ihre Vorsorgeaufwendungen, zum Beispiel für eine Haftpflichtversicherung, nur in begrenztem Maße vom Finanzamt anerkannt, wird der Sachverhalt gekennzeichnet und Ihre Einkommensteuererklärung gilt als vorläufig. Später haben Sie aber möglicherweise die Chance auf eine Rückerstattung, falls ein entsprechendes Musterverfahren zugunsten der Steuerzahler ausgeht.

Kürzungen nicht nur für Rentenversicherungspflichtige

Der Abzug bei den Vorsorgeaufwendungen gilt auch für Beamte, Richter, Berufssoldaten und Geistliche, die nicht in die Rentenversicherung einzahlen müssen. Gesellschafter-Geschäftsführer einer GmbH oder Vorstandmitglieder einer Aktiengesellschaft müssen die Kürzungsregelungen ebenfalls akzeptieren. Der Anteil, der dem Arbeitgeber- und Arbeitnehmeranteil zur gesetzlichen Rentenversicherung entspricht, wird auch von den Vorsorgeaufwendungen abgezogen, die sie geltend machen könnten.

Ihre Aufwendungen tragen Sie in die Anlage Vorsorgeaufwand auf Seite 1 in die Zeilen 4 bis 10 ein.

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Rürup-Beitrag anpassen

2017 steigt der Höchstbeitrag für die Basisversorgung von 22.767 Euro auf 23.362 Euro.

Tipp: Insbesondere Selbstständige, die diesen noch nicht ausschöpfen, können die maximale Steuerentlastung erzielen, wenn sie ihren Beitrag in einen laufenden Rürup-Vertrag dementsprechend erhöhen. Die Zahlungen müssen bis Jahresende 2017 erfolgen, damit sie für die Steuererklärung 2017 berücksichtigt werden können.

Basiskrankenversicherung in voller Höhe absetzen

Zu den Sonderausgaben, die Sie in voller Höhe von der Steuer absetzen können, gehören auch die Beiträge für Pflegeversicherung und Krankenkasse – aber nur die, die Sie auf sozialhilfegleichem Niveau absichern. Das ist die sogenannte Basiskrankenversicherung.

Zahlen Sie mehr, gelten diese Beiträge als sonstige Vorsorgeaufwendungen. Dazu gehören zum Beispiel Aufwendungen für Wahlleistungen der Kassen. Sind Sie gesetzlich krankenversichert und haben somit Anspruch auf Krankengeld, wird Ihr abzugsfähiger Beitrag um vier Prozent vermindert.

Ihre Aufwendungen für die gesetzliche Kranken- und Pflegeversicherung tragen Sie in die Anlage Vorsorgeaufwand auf den Seiten 1 und 2 in die Zeilen 11 bis 45 ein.

Bonuszahlung der Krankenkasse

Für gesetzlich Krankenversicherte, die an einem Gesundheitsprogramm ihrer Krankenkasse teilgenommen und dafür einen Bonus erhalten haben, gibt es eine gute Nachricht: Sie können in der Regel die ungekürzten Beiträge für die Krankenversicherung in der Steuererklärung angeben. Der Bonus kann als Zuschuss der Krankenkasse für gesundheitsbewusstes Verhalten gelten. Konsequenz: Der Zuschuss gilt nicht als Erstattung von gezahlten Krankenversicherungsbeiträgen. Deshalb muss der Sonderausgabenabzug – entgegen der Ansicht der Finanzverwaltung – nicht reduziert werden. Dies entschied der Bundesfinanzhof in einem Urteil vom 1. Juni 2016 (Az. X R 17/15, veröffentlicht am 14. September 2016).

Im entschiedenen Fall nahm eine Krankenversicherte am Bonusprogramm ihrer gesetzlichen Krankenkasse teil. Die BKK zahlte im Jahr bis zu 150 Euro als Bonus an sie aus. Dies war eine Belohnung für gesundheitsbewusstes Verhalten. Denn die Versicherte verpflichtete sich, an einer Reihe von kostenfreien Vorsorgemaßnahmen teilzunehmen sowie weitere Gesundheitsmaßnahmen wie Brillen, Osteopathie, Massagen und Heilpraktikerbehandlungen selbst zu finanzieren.

Weil die steuerliche Bewertung von Bonuszahlungen der Krankenkassen seit Jahren umstritten ist, erteilen die Finanzämter die Steuerbescheide in diesem Punkt seit einiger Zeit vorläufig. Wer also die vollen Sonderausgaben in seiner Steuererklärung angegeben hat, der kann eventuell auf eine nachträgliche Steuererstattung hoffen. Denn sollten sich die zusätzlichen Sonderausgaben im konkreten Berechnungsfall auswirken, muss das Finanzamt Steuern erstatten.

Tipp

Änderung des Steuerbescheids beantragen

Nach Ansicht des Neuen Verbands der Lohnsteuerhilfevereine haben die meisten Finanzämter die Bonuszahlungen automatisch berücksichtigt, weil sie hierüber elektronische Meldungen von den Krankenkassen erhalten. In diesen Fällen sollten Sie eine Änderung aller betroffenen Steuerbescheide beantragen. Dies gilt zumindest für einen Bonus für Gesundheitsmaßnahmen, die über den Basisschutz hinausgehen; nicht jedoch für echte Beitragsrückerstattungen. Diese mindern tatsächlich den Abzug von Sonderausgaben.

Sonstige Vorsorgeaufwendungen geltend machen

Als Vorsorgeaufwendungen berücksichtigt werden im Grunde alle Beiträge zur Absicherung von Arbeitslosigkeit, Erwerbs- und Berufsunfähigkeit sowie Unfall-, Haftpflicht-, Renten- und Lebensversicherungen. Für Arbeitnehmer und Beamte gilt der Höchstbetrag von 1.900 Euro, Selbstständige können 2.800 Euro geltend machen. Auch die Beiträge für Rentenversicherungen, für die Sie vor 2005 erstmals eingezahlt haben, können Sie hier eintragen. Ihre Aufwendungen tragen Sie in die Anlage Vorsorgeaufwand auf der Seite 2 in die Zeilen 46 bis 52 ein.

Das entlastet aber nur wenige Steuerzahler. Wenn Sie die Beiträge für Basiskranken- und gesetzliche Pflegeversicherung abgesetzt haben, bleibt von Ihrem Höchstbetrag meist nicht mehr viel übrig.

Sonderausgaben für Versicherungen Ihres Kindes

Beiträge zur inländischen privaten Kranken- und Pflegeversicherung tragen Sie auf der Seite 1 ab Zeile 23 ein. Haben Sie Anspruch auf Kindergeld oder Freibeträge für Kinder, können Sie auch die Kranken- und Pflegeversicherung Ihres Kindes als Sonderausgaben geltend machen. Dabei spielt es keine Rolle, ob Sie selbst der Versicherungsnehmer sind oder Ihr Kind. Beiträge können aber nicht zweimal abgesetzt werden: Ihr Kind hat nicht die Möglichkeit, dass die Versicherungsbeiträge als Sonderausgaben in seiner Steuererklärung berücksichtigt werden, wenn Sie selbst die Beiträge geltend machen.

Dies können Sie, indem Sie die übernommenen Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge in der Anlage Kind, Seite 2, Zeilen 31-37 eintragen. 

Falls Sie keinen Anspruch auf Kindergeld haben und als Versicherungsnehmer die Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge übernehmen – zum Beispiel für Ihre Kinder –, dann können Sie diese in der Anlage Vorsorgeaufwendungen, Seite 2 ab Zeile 40 eintragen. Sie benötigen auch die Steuer-Identifikationsnummer der „anderen Person“.

Profitieren vom Riester-Vertrag

Gehören Sie zum förderberechtigten Kreis der Sparer, die Zulagen für die Riester-Rente erhalten, können Sie im günstigsten Fall bis zu 2.100 Euro von der Steuer absetzen. Vor allem Beamte und Arbeitnehmer, die verpflichtet sind, in die gesetzliche Rentenkasse einzuzahlen, profitieren von diesem Abzug.

Damit Sie die volle Förderung erhalten, müssen Sie 4 Prozent Ihres rentenversicherungspflichtigen Einkommens abzüglich der Zulagen sparen. Die Zulagen betragen im Einzelnen:

  • bis zu 154 Euro Grundzulage,
  • einmalig 200 Euro Zuschuss für junge Sparer, wenn ein neuer Vertrag abgeschlossen wird, bevor der Riester-Sparer 25 Jahre alt wird,
  • für Kinder, die vor 2008 geboren wurden, gibt es 185 Euro Kinderzulage, für später geborene 300 Euro. Das gilt aber nur für Kinder, für die ein Kindergeldanspruch besteht.

Aufwendungen für die Riester-Rente tragen Sie in der Anlage AV ein. Das Finanzamt berechnet, ob der Sonderausgabenabzug oder die Zulagengewährung für Sie günstiger ist.

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Finanztip-Chefredakteur
Hermann-Josef Tenhagen

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Artikel verfasst von

Udo Reuß

Finanztip-Experte für Steuern

Der Steuerrechtler und Diplom-Kaufmann Udo Reuß ist bei Finanztip für Steuerthemen verantwortlich. Zuvor war er bei verschiedenen Wirtschafts- und Fachverlagen wie Handelsblatt, F.A.Z.-Verlagsgruppe, Haufe-Lexware und Vogel Business Media tätig – 14 Jahre davon arbeitete er als Chefredakteur von Fachzeitschriften. Aus dem komplexen Steuerrecht zieht er die relevanten Urteile für Steuersparer. Den Autor erreichen Sie unter redaktion@finanztip.de.

Sabine Himmelberg

freie Finanztip-Mitarbeiterin (bis 2015)

Als freie Mitarbeiterin hat Sabine Himmelberg auf Finanztip zum Thema Steuern geschrieben. Sie blickt auf mehr als zwanzig Jahre Redaktionsarbeit im Steuerrecht zurück. Als spezialisierte Fachjournalistin deckt Sabine Himmelberg ein breites inhaltliches Spektrum für Publikationen namhafter Fachverlage ab. Nach ihrem Magisterabschluss an der Universität zu Köln trat sie in die Redaktion des Deubner Verlags ein, der Informationen für Rechtsanwälte und Steuerberater herausgibt und der WEKA-Gruppe angehört. Sie leitete dort drei Jahre lang die Redaktion Steuern.