Bezugsdauer Arleitslosengeld

Wie lange kann ich Arbeitslosengeld beziehen?

Das Wichtigste in Kürze

  • Wie lange Sie Arbeitslosengeld (ALG I) bekommen, hängt von Ihrem Alter ab und davon, wie lange Sie vor der Arbeitslosigkeit als Arbeitnehmer beschäftigt waren.
  • Haben Sie innerhalb der letzten zwei Jahre mindestens 12 Monate versicherungspflichtig gearbeitet, können Sie sechs Monate Leistungen beziehen.
  • Wer innerhalb der letzten zwei Jahre mindestens 16 Monate versicherungspflichtig beschäftigt war, kann acht Monate ALG I beziehen.
  • Bei mindestens 20 Monaten Beschäftigung erhalten Sie zehn Monate lang Geld. Und nach 24 Monaten Beschäftigung kriegen Sie 12 Monate ALG I.
  • Sind Sie jünger als 50, bekommen Sie höchstens 12 Monate lang Arbeitslosengeld.
  • Wer 50 Jahre alt oder älter ist, kann unter Umständen länger Leistungen beziehen, wer über 58 Jahre alt ist, bis zu 24 Monate lang.
  • Eine Sperrzeit verkürzt die Dauer, in der Sie ALG I erhalten.

Das sollten Sie tun

  • Melden Sie sich umgehend nach Erhalt der Kündigung oder nachdem Sie wissen, dass Ihr Arbeitsverhältnis beendet wird, bei der Agentur für Arbeit arbeitssuchend.
  • Wenn Sie arbeitslos sind, melden Sie sich persönlich bei der Agentur und stellen einen Antrag auf ALG I.
  • Stehen Sie zu Beginn der Arbeitslosigkeit kurz vor Ihrem 50., 55. oder 58. Geburtstag, sollten Sie prüfen, ob Sie den Antrag nicht erst nach Ihrem Geburtstag stellen. Sie können dann eventuell über einen längeren Zeitraum Arbeitslosengeld beziehen.
  • Weisen Sie Ihren Sachbearbeiter darauf hin, wenn Sie in den letzten fünf Jahren schon einmal Arbeitslosengeld bekommen und die Anspruchsdauer nicht voll ausgeschöpft haben. Ihr Anspruch kann sich dadurch verlängern.
  • Vermeiden Sie unbedingt eine Sperrzeit für Ihr Arbeitslosengeld.
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Wer seinen Job verliert, steht oft erst einmal unter Schock. Allerdings ist es ratsam, sich zügig nach Erhalt der Kündigung bei der Agentur für Arbeit zu melden. Sie müssen sich spätestens drei Monate vor Beendigung des Arbeitsverhältnisses persönlich arbeitssuchend melden. Ein Telefonanruf reicht nicht (Sächsisches LSG, Urteil vom 17. August 2014, Az. L 3 AL 1/13 B PKH) Erfahren Sie von Ihrem Jobverlust weniger als drei Monate vorher, müssen Sie sich innerhalb von drei Tagen melden. Sie riskieren ansonsten eine Sperrzeit von einer Woche bei Ihrem Arbeitslosengeld.

Wenn Sie arbeitslos sind, haben Sie Anspruch auf Arbeitslosengeld I (ALG I). Voraussetzung ist, dass Sie sich bei der Arbeitsagentur arbeitslos gemeldet haben und innerhalb der letzten zwei Jahre mindestens zwölf Monate lang versicherungspflichtig gearbeitet haben (§§ 136 SGB III, 137 SGB III). Die Antragsunterlagen für das Arbeitslosengeld erhalten Sie bei Ihrer Agentur für Arbeit oder als Online-Variante auf der Website der Agentur für Arbeit.

So lange bekommen Sie Arbeitslosengeld

Wie lange Sie Arbeitslosengeld I bekommen, hängt davon ab, wie lange Sie vor der Arbeitslosigkeit als Arbeitnehmer beschäftigt waren und in welchem Alter Sie arbeitslos werden (§ 147 SGB III).

Waren Sie innerhalb der zweijährigen Rahmenfrist zwölf Monate lang versicherungspflichtig beschäftigt, haben Sie die Anwartschaftszeit erfüllt. Sie bekommen sechs Monate Arbeitslosengeld gezahlt. Wenn Sie innerhalb der letzten fünf Jahre länger als zwölf Monate versicherungspflichtig gearbeitet haben, kann sich Ihr Anspruch auf ALG I auf bis zu zwölf Monate verlängern. Wer noch nicht 50 Jahre alt ist, erhält maximal ein Jahr lang Arbeitslosengeld. Ihre Anspruchsdauer hängt also von der Dauer Ihrer vorhergehenden Beschäftigung innerhalb der letzten fünf Jahre ab. Gleichzeitig ist sie unabhängig vom Lebensalter entsprechend dieser Tabelle:

      Mindestens versicherungspflichtig beschäftigt in Monaten     Anspruchsdauer in Monaten    
      12     6    
      16     8    
      20     10    
      24     12    

Quelle: § 147 Abs. 2 SGB III

Beispiel 1: Frau A, 35 Jahre alt, war in den letzten fünf Jahren vor der Arbeitslosmeldung 16 Monate versicherungspflichtig beschäftigt. Sie hat somit Anspruch auf acht Monate Arbeitslosengeld.

Beispiel 2: Herr B, 35 Jahre alt, war in den letzten fünf Jahren vor der Arbeitslosmeldung 30 Monate versicherungspflichtig beschäftigt. Er hat einen Anspruch auf zwölf Monate Arbeitslosengeld.

Wer 50 Jahre alt oder älter ist und länger als 24 Monate in einem Versicherungspflichtverhältnis gestanden hat, kann länger Arbeitslosengeld beziehen. Arbeitslose ab 58 Jahren erhalten höchstens 24 Monate Arbeitslosengeld, je nach Dauer der Versicherungspflichtverhältnisse. Ihre Anspruchsdauer entsprechend Ihrem Alter und der Dauer Ihrer Beschäftigung entnehmen Sie dieser Tabelle:

      Vollendetes Lebensjahr Mindestens versicherungspflichtig beschäftigt in Monaten Anspruchsdauer in Monaten
      50. 30 15
      55. 36 18
      58. 48 24

Quelle: § 147 Abs. 2 SGB III

Beispiel 1: Frau C, 52 Jahre alt, war in den letzten fünf Jahren vor Arbeitslosmeldung 36 Monate versicherungspflichtig beschäftigt. Sie hat einen Anspruch auf 15 Monate Arbeitslosengeld, nicht auf 18 Monate, da sie das 55. Lebensjahr noch nicht vollendet hat.

Beispiel 2: Herr D, 57 Jahre alt, war in den letzten fünf Jahren vor Arbeitslosmeldung 38 Monate beschäftigt. Er hat einen Anspruch auf 18 Monate Arbeitslosengeld.

Beispiel 3: Frau E, 58 Jahre alt, war in den letzten fünf Jahren vor Arbeitslosmeldung 20 Monate beschäftigt. Sie hat einen Anspruch auf 10 Monate Arbeitslosengeld.

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Tipp

Zeitpunkt für den Antrag clever wählen

In bestimmten Fällen kann es von Vorteil sein, den Antrag auf ALG I etwas verzögert zu stellen. Stehen Sie zu Beginn der Arbeitslosigkeit zum Beispiel kurz vor Ihrem 58. Geburtstag, sollten Sie den Antrag erst nach Ihrem Geburtstag stellen. Sie können dann 24 Monate Arbeitslosengeld beziehen. Stellen Sie den Antrag noch vor Ihrem 58. Geburtstag, bekommen Sie nur 18 Monate lang Arbeitslosengeld.

Verkürzte Anwartschaft gilt noch bis zum 31. Juli 2018

Selbst wenn Sie in den letzten zwei Jahren weniger als zwölf Monate versicherungspflichtig tätig waren, haben Sie unter Umständen Anspruch auf Arbeitslosengeld. Diese verkürzte Anwartschaftszeit kann erfüllt werden, wenn

  • Sie in den letzten zwei Jahren vor der Arbeitslosmeldung mindestens sechs Monate in Versicherungspflichtverhältnissen gestanden haben und
  • es sich überwiegend um Beschäftigungsverhältnisse gehandelt hat, die von Vornherein auf nicht mehr als sechs Wochen befristet waren, und
  • Ihr Bruttoarbeitsentgelt in den letzten zwölf Monaten die Bezugsgröße von derzeit 34.020 Euro nicht überstiegen hat.

Erfüllen Sie die Voraussetzungen für die verkürzte Anwartschaftszeit, ist die Zeit, für die Sie Arbeitslosengeld erhalten können, davon abhängig, wie lange Sie in den letzten zwei Jahren insgesamt beschäftigt waren (§ 147 Abs. 3 SGB III). Die Anspruchsdauer ergibt sich aus dieser Tabelle:

      Mindestens versicherungspflichtig beschäftigt in Monaten     Anspruchsdauer in Monaten    
      6     3    
      8     4    
      10     5    

Die Regelung zur kurzen Anwartschaftszeit wurde zugunsten von Aushilfen, Schauspielern und anderen Personen, die kurzfristig beschäftigt werden, getroffen. Sie endet nach derzeit geltendem Recht am 31. Juli 2018 (§ 142 Abs. 2 SGB III).

Dann kann die Anspruchsdauer verlängert werden

Haben Sie in den letzten fünf Jahren schon einmal einen Anspruch auf Arbeitslosengeld erworben und die Anspruchsdauer nicht voll ausgeschöpft, dann erhöht sich Ihr neuer Anspruch um diesen unverbrauchten Rest. Jedoch nur bis maximal auf die Höchstdauer des neuen Anspruchs (§ 147 Abs. 4 SGB III). Darauf sollten Sie die Agentur unbedingt hinweisen.

Tipp

Alle wichtigen Informationen zum Bestandsschutz für die Höhe des Arbeitslosengelds finden Sie hier.

Beispiel: Herr F, 44 Jahre alt, erhält ab 01. Juni 2012 erstmals Arbeitslosengeld für zwölf Monate. Nach zehn Monaten nimmt er eine neue Beschäftigung an. Ihm steht ein Restanspruch von zwei Monaten zu. Wird er nach zwölf Monaten wieder arbeitslos, hat er einen neuen Anspruch auf sechs Monate Arbeitslosengeld. Zu diesen sechs Monaten werden die zwei Monate Restanspruch hinzugerechnet. Die aktuelle Anspruchsdauer beläuft sich also auf acht Monate.

Der erworbene Anspruch auf Arbeitslosengeld bleibt Ihnen nach seiner Entstehung fünf Jahre lang erhalten. Das bedeutet, dass Sie innerhalb dieser Frist auf eine nicht verbrauchte Anspruchsdauer zurückgreifen können, falls Sie durch eine neue Beschäftigung nicht erneut die Anwartschaftszeit erfüllen. Sind fünf Jahre vergangen, kann der Restanspruch nicht mehr geltend gemacht werden und er verfällt.

Dann kann die Anspruchsdauer verkürzt werden

Ob Sie tatsächlich einen vollständigen Anspruch auf ALG I haben, hängt davon ab, ob die Anspruchsdauer nicht gemindert wird (§148 SGB III). Wichtigster Grund für eine Minderung ist eine von der Arbeitsagentur verhängte Sperrzeit. Diese Sperrzeit kann eine Woche, aber auch drei Monate lang sein. Sie wird direkt von der Anspruchsdauer abgezogen. Wie Sie eine Sperrzeit vermeiden können, lesen Sie hier. Dies sind Gründe für eine Sperrzeit:

Grund der Sperrzeit                             Dauer
Eigenkündigung, Aufhebungsvertrag, selbstverschuldete Kündigung                             12 Wochen
Arbeitsablehnung, Ablehnung/Abbruch Eingliederungsmaßnahme                             1. Verstoß: 3 Wochen,                                              2. Verstoß: 6 Wochen,                       dann 12 Wochen
Unzureichende Eigenbemühung                             2 Wochen
Meldeversäumnis, verspätete Arbeitssuchendmeldung                             1 Woche

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Julia Rieder
von Finanztip,
Expertin für Versicherungen

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Finanztip-Chefredakteur
Hermann-Josef Tenhagen

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Artikel verfasst von

Dr. Britta Beate Schön

Finanztip-Expertin für Recht

Britta Beate Schön ist bei Finanztip für sämtliche Rechtsthemen zuständig. Die promovierte Juristin und Rechtsanwältin war als Leiterin der Rechtsabteilung bei Finanzdienstleistern wie der Telis Finanz AG und der Interhyp tätig. Vorher lehrte und forschte sie in Japan als DAAD-Junior-Professorin für deutsches und Europarecht. Ihr Studium absolvierte sie in Münster, Genf, Regensburg und Leipzig. Die Autorin erreichen Sie unter [email protected].