Berufsunfähigkeitsversicherung

Wie Sie sich richtig gegen Berufsunfähigkeit absichern

Das Wichtigste in Kürze

  • Sollten Sie nicht mehr arbeiten können, reicht die gesetzliche Erwerbsminderungsrente in der Regel nicht aus.
  • Daher ist eine Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) sinnvoll, wenn Sie für Ihren Lebensunterhalt von Ihrer Arbeitskraft abhängig sind.
  • Bezahlbare BU-Versicherungen bekommen Sie nur in Berufen mit vergleichsweise geringem Unfall- oder Erkrankungsrisiko.
  • Ihr Gesundheitszustand entscheidet darüber, ob Sie eine BU bekommen und zu welchem Preis. Daher ist es sinnvoll, den Vertrag so früh wie möglich abzuschließen.
  • Wählen Sie einen Versicherer mit guter Finanzkraft.
  • Bezahlen Sie lieber einen etwas höheren Preis für einen im Vergleich leistungsstarken Tarif.

So gehen Sie vor

  • Bestimmen Sie, wie viel BU-Rente Sie benötigen, falls Sie berufsunfähig werden.
  • Lassen Sie sich vor Abschluss einer BU beraten und holen Sie mehrere Angebote ein. Wir haben geeignete Versicherungsvermittler ausgesucht und empfehlen Hoesch & Partner, Buforum24, Thomas Kliem, Ritzerfeld & Partner, Blank & Partner sowie Meyer & Fritzsche.
  • Ziehen Sie unsere BU-Checkliste als Hilfe heran.
  • Beantworten Sie die Gesundheitsfragen im Antrag in Ruhe selbst und ziehen Sie unbedingt Ihre Ärzte und Behandlungsunterlagen zu Rate.
  • Wer keine BU bekommt, kann sich nach Alternativen umschauen.
  • Leider weigern sich Versicherungen zunächst oft zu zahlen. Denken Sie deshalb über eine Rechtsschutzversicherung nach, die Sie im Streitfall unterstützt. Sie sollte mindestens drei Monate bestehen, bevor Sie eine BU abschließen.
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Der Rücken macht einfach nicht mehr mit. Nach mehreren Bandscheibenvorfällen bereitet längeres Sitzen höllische Schmerzen, an körperliche Arbeit ist nicht zu denken. Egal ob Elektriker oder Sachbearbeiterin – eine solche Diagnose kann das berufliche Ende bedeuten.

Dieses Szenario ist realistisch. Denn laut der Deutschen Rentenversicherung schafft es jeder fünfte Deutsche nicht, bis zur Altersrente zu arbeiten, sondern bezieht vorher eine Erwerbsminderungsrente. Noch mehr Menschen dürften im Laufe ihres Arbeitslebens zeitweise berufsunfähig sein, können also durch Krankheit oder Unfall ihren Beruf für längere Zeit nicht mehr ausüben.

Wer berufsunfähig wird und daher ohne Einkommen dasteht, dem droht der finanzielle Ruin. Denn die staatliche Absicherung ist mit der Erwerbsminderungsrente sehr knapp bemessen und greift auch nicht in allen Fällen. Deswegen sollte jeder Berufstätige darüber nachdenken, wie er sich gegen den Ausfall der eigenen Arbeitskraft absichert. Der Königsweg ist die Berufsunfähigkeitsversicherung (BU). Sie ist neben der privaten Haftpflichtversicherung die wichtigste Versicherung überhaupt.

So funktioniert die Berufsunfähigkeitsversicherung

Die Berufsunfähigkeitsversicherung zahlt eine monatliche Rente, wenn der Versicherte seinen zuletzt ausgeübten Beruf, so wie er ohne gesundheitliche Beeinträchtigung ausgestaltet war, voraussichtlich auf Dauer nicht mehr ausüben kann (§ 172 Abs. 2 VVG). Das bedeutet, eine Leistung aus der BU-Versicherung gibt es auch, wenn jemand noch in einem anderen Beruf arbeiten könnte.

Die Ursache für die Berufsunfähigkeit spielt keine Rolle dafür, ob die Versicherung zahlt. Der Versicherungsnehmer darf sie nur nicht absichtlich herbeigeführt haben. Der Leistungsfall tritt bei den meisten Policen ein, wenn der Betroffene nach Einschätzung der Versicherung zu mindestens 50 Prozent berufsunfähig ist. Das bedeutet, er hat mindestens die Hälfte seiner Leistungsfähigkeit verloren und kann für seinen Beruf wichtige Tätigkeiten nicht mehr ausüben oder nur noch eine geringe Anzahl an Stunden arbeiten.

Um das nachzuweisen, müssen Betroffene zahlreiche Unterlagen bei der Versicherung einreichen, darunter Arztberichte und Beschreibungen ihrer Tätigkeit. Wenn die Berufsunfähigkeit feststeht, zahlt der Versicherer die in der Police vereinbarte monatliche Rente an den Versicherten. Das zuvor erzielte Einkommen hat dabei keine Bedeutung.

Eine BU ist für fast jeden sinnvoll

Die staatliche Absicherung für Menschen, die aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr arbeiten können, reicht für den Lebensunterhalt selten aus. Jedem, der in den vergangenen fünf Jahren mindestens 36 Monate in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt hat, steht zwar eine Erwerbsminderungsrente zu. Diese lag im Jahr 2014 aber durchschnittlich nur bei etwa 719 Euro pro Monat. Das geht aus Statistiken der Deutschen Rentenversicherung hervor. Menschen, die 2014 erstmals eine Erwerbsminderungsrente bezogen, erhielten im Schnitt sogar nur 628 Euro.

Tipp

Renteninformation

Wie hoch Ihre Erwerbsminderungsrente nach jetzigem Stand ausfallen würde, sehen Sie in Ihrer jährlichen Renteninformation.

Eine Erwerbsminderungsrente bekommt außerdem nur, wer in keinem Beruf länger als drei Stunden arbeiten kann. Ein leitender Angestellter, der noch als Pförtner arbeiten kann, geht also leer aus. Menschen, die noch drei bis sechs Stunden pro Tag in irgendeinem Beruf arbeiten können, wird nur die halbe Erwerbsminderungsrente zugesprochen. 2014 wurde etwa die Hälfte der Anträge auf Erwerbsminderungsrente abgelehnt.

Es ist deshalb notwendig, privat vorzusorgen für den Fall, dass Sie nicht mehr arbeiten können. Darauf verzichten können Sie nur dann, wenn Sie durch vorhandenes Vermögen oder durch Ihre Familie bereits ausreichend versorgt sind, also auf Ihr Arbeitseinkommen nicht angewiesen sind. Die Berufsunfähigkeitsversicherung bietet die umfassendste Möglichkeit zur Absicherung Ihrer Arbeitskraft, ist in vielen Fällen aber auch sehr teuer. Die Kernfrage ist deshalb weniger, ob eine BU-Versicherung sinnvoll ist, sondern eher, ob Sie sich den BU-Schutz leisten können und wollen.

Besonders wichtig ist eine Berufsunfähigkeitsversicherung für

  • alle Erwerbstätigen, die nicht auf ihr Einkommen verzichten können (insbesondere Alleinverdiener);
  • Selbstständige, da sie meist nicht gesetzlich versichert sind (obwohl in einigen Fällen eine Erwerbsunfähigkeitsversicherung sinnvoller sein kann); und
  • Berufsanfänger, weil sich junge Menschen mit guter Gesundheit noch recht günstig versichern können.

Eher optional ist eine BU hingegen für Beamte nach mehr als fünfjähriger Dienstzeit. Sie erhalten ein Ruhegehalt, das deutlich über dem Niveau der Erwerbsminderungsrente liegt. Falls ihre Lebenshaltungskosten höher sind als ihr Anspruch auf Ruhegehalt, können Beamte zusätzlich eine Dienstunfähigkeitsversicherung abschließen. Berufsanfänger mit weniger als fünf Jahren Dienstzeit haben noch keinen Anspruch auf ein Ruhegehalt.

Den Abschluss einer BU-Versicherung ebenfalls genau überlegen sollten sich Hausfrauen und -männer. Zwar können Kosten für ein Kindermädchen oder eine Haushaltshilfe entstehen, wenn sie ausfallen. Allerdings sind gute BU-Verträge für Hausfrauen nur schwer zu bekommen, oft teuer und meist nur mit einer sehr niedrigen Rentenhöhe abschließbar. Wer aber einen BU-Vertrag hat und eventuell irgendwann wieder arbeiten will und muss, sollte die Berufsunfähigkeitsversicherung möglichst behalten.

Den Beitrag für eine Berufsunfähigkeitsversicherung zu sparen und stattdessen regelmäßig Geld für schlechte Zeiten zur Seite zu legen, erscheint zunächst verlockend. Werden Sie nur für kurze Zeit oder erst gegen Ende Ihres Arbeitslebens berufsunfähig, mag das auch funktionieren. Menschen, die aus Gesundheitsgründen nicht mehr arbeiten können, sind Angaben der Deutschen Rentenversicherung zufolge im Schnitt jedoch erst 51 Jahre alt. Wer in diesem Alter berufsunfähig wird und die Zeit bis zur regulären Rente mit 67 mit seinen Ersparnissen überbrücken will, braucht ein großes Vermögen. Um sich 1.500 Euro im Monat auszahlen zu können, müssten Sie 288.000 Euro gespart haben, je nachdem wie sich die Zinsen entwickeln vielleicht auch etwas weniger. Das dürfte nur den wenigsten gelingen.

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Warum Sie berufsunfähig werden können

Berufsunfähig ist, wer aus gesundheitlichen Gründen seinen Beruf mindestens sechs Monate nicht ausüben kann. Die wichtigsten Gründe im Überblick:

Die Wahrscheinlichkeit, berufsunfähig zu werden, hängt allerdings stark vom Beruf ab: Körperlich Tätige haben grundsätzlich ein wesentlich höheres Risiko als im Büro Beschäftigte. Die Zahl psychischer Leiden hat in den vergangenen Jahren jedoch stark zugenommen. Und von diesen sind sowohl körperlich als auch nicht-körperlich Tätige betroffen.

So viel kostet die BU

Die Berufsunfähigkeitsversicherung bietet, verglichen mit den Alternativen, den umfassendsten Schutz. Denn in der BU spielt es keine Rolle, aus welchem Grund Sie Ihren Beruf nicht mehr ausüben können. Andere Versicherungen wie die Unfall- oder Dread-Disease-Versicherung zahlen nur bei bestimmten Ereignissen.

Allerdings ist der Beitragsunterschied zwischen den verschiedenen Anbietern und für verschiedene Berufsgruppen drastisch: Ein Maurer zahlt in der Berufsunfähigkeitsversicherung mehr als viermal so viel Beitrag wie eine Mathematikerin oder ein Maschinenbauingenieur, die ihre Arbeitszeit überwiegend am Schreibtisch verbringen.

Wer sehr hohe Prämien für den BU-Schutz zahlen muss, sollte genau abwägen, ob er sich eine Berufsunfähigkeitsversicherung leisten kann oder ob für ihn möglicherweise auch eine Alternative infrage kommt, die allerdings weniger Schutz bietet.

Riskante Berufe oder Hobbys machen die BU teuer

Die Versicherung setzt den Beitrag danach fest, für wie wahrscheinlich sie es hält, dass der Kunde tatsächlich berufsunfähig wird. Köperlich Tätige in sozialen und handwerklichen Berufen sind hier klar im Nachteil, denn sie halten statistisch gesehen seltener bis zur normalen Altersrente durch. Das führt dazu, dass gerade Menschen, die den BU-Schutz am dringendsten brauchen, ihn oft nicht bezahlen können. Künstler, Flugbegleiter und Piloten, aber auch Tauchlehrer oder Barkeeper bekommen meist sogar überhaupt keine BU-Versicherung.

Wer in seiner Freizeit gerne Eishockey spielt, klettert oder reitet, zahlt ebenfalls oft drauf, denn die Anbieter verlangen auch für risikoreiche Hobbys Prämienzuschläge. Dennoch lohnt es sich, nicht gleich aufzugeben, denn die Anbieter schätzen Risiken sehr unterschiedlich ein. Berufe und Hobbys, die den Beitrag bei einem Versicherer extrem verteuern, können bei einer anderen Gesellschaft kaum ins Gewicht fallen.

Was Sie tun können, wenn Ihnen die Beiträge für die BU zu hoch sind, erklären wir weiter unten in diesem Ratgeber.

Krankheiten mit Folgen

Der Gesundheitszustand ist noch entscheidender als der Beruf dafür, ob es bezahlbaren BU-Schutz gibt. Mit einigen Erkrankungen wie Diabetes Typ 1 oder Epilepsie ist es schwer, überhaupt einen Vertrag zu bekommen. Aber auch vergleichsweise harmlose Leiden wie Allergien oder ausgeheilte Rückenbeschwerden können dazu führen, dass Anbieter erhöhte Beiträge verlangen oder ganze Körperbereiche vom Versicherungsschutz ausschließen. Vorerkrankungen deshalb zu verschweigen, ist aber keine Lösung. Denn im Leistungsfall forscht der Versicherer genau nach. Sollte er feststellen, dass Sie Fragen falsch beantwortet haben, kann er vom Vertrag zurücktreten und sich weigern, die Rente zu zahlen.

Besser ist es, gemeinsam mit einem Makler oder Versicherungsberater eine Risikovoranfrage bei mehreren Versicherungsgesellschaften zu stellen. So können Sie vergleichen, zu welchen Konditionen verschiedene Anbieter Sie versichern würden, ohne zu riskieren, dass einer Ihren Antrag ablehnt. Auch das ist zu beachten: Eine Ablehnung kann Ihre Chance schmälern, überhaupt einen Vertrag zu bekommen, weil die Versicherungen negative Informationen über Kunden untereinander austauschen.

Welche Möglichkeiten es noch gibt, trotz Vorerkrankungen Versicherungsschutz zu bekommen, lesen Sie hier.

Das sollten Sie vor Vertragsabschluss beachten

Die wichtigsten Punkte, auf die Sie bei der Auswahl Ihrer BU-Versicherung achten müssen, haben wir in einer Checkliste zusammengestellt. Diese können Sie auch in einem Beratungsgespräch mit einem Makler oder Honorarberater nutzen, um sicherzugehen, dass dieser alle relevanten Aspekte anspricht. Hier einige wichtige Erläuterungen:

Drei Monate vorher Rechtsschutzversicherung abschließen
Ob in einem konkreten Fall tatsächlich 50 Prozent Berufsunfähigkeit vorliegt, ist häufig nicht ganz eindeutig. Das führt dazu, dass Versicherer Anträge auf eine BU-Rente oft zunächst ablehnen. Laut dem Versicherungsverband GDV zahlen die Anbieter in etwa einem Viertel der Fälle nicht. Immer wieder kommt es deswegen zu Gerichtsverfahren. Einer Stichprobe des Analysehauses Franke & Bornberg zufolge mussten 2014 3 Prozent der BU-Fälle vor Gericht geklärt werden.

Eine Rechtsschutzversicherung deckt die Anwalts- und Gerichtskosten ab und erleichtert es damit, Leistungsansprüche gegen den Versicherer juristisch durchzusetzen oder zumindest einen Vergleich zu erwirken. Sehr oft beanstanden die Versicherungen, Kunden hätten beim Abschluss einer BU Vorerkrankungen verschwiegen. Dem können Versicherte nur vorbeugen, indem sie bei den Gesundheitsfragen äußerst gewissenhaft vorgehen. Damit die Rechtsschutzversicherung auch bei diesem Vorwurf einer sogenannten vorvertraglichen Anzeigepflichtverletzung greift, muss sie mindestens drei Monate bestehen, bevor Sie den Antrag auf Abschluss einer BU stellen. Nach Möglichkeit sollten Sie die Rechtsschutzversicherung nicht beim selben Versicherungsunternehmen wie die BU abschließen.

BU-Versicherung so früh wie möglich abschließen
Je gesünder Sie sind, wenn Sie Ihre BU-Versicherung beantragen, desto günstiger ist Ihr Beitrag und desto geringer ist das Risiko, von den Versicherern abgelehnt zu werden. Deshalb sollten Sie sich mit der BU-Versicherung befassen, sobald Sie Ihr erstes regelmäßiges Einkommen beziehen.

Tipp

Vertrag zurückdatieren lassen

Falls es auf das Jahresende zugeht, kann es sinnvoll sein, sich mit dem Antrag zu beeilen. Denn bei einigen Versicherungen wird der Versicherungsnehmer per Vertrag immer an Silvester ein Jahr älter, nicht am tatsächlichen Geburtstag. Es kann daher sein, dass die Beiträge höher sind, wenn Sie erst im neuen Jahr die BU abschließen. Manche Gesellschaften bieten jedoch kurz nach dem Jahreswechsel oder dem Geburtstag an, den Vertrag zurückzudatieren. Den Beitrag berechnen sie dann noch nach dem vorherigen Alter. Ob das möglich ist, können Sie mit einem Anruf bei der Versicherung klären.

Kombiprodukte mit Lebens-oder Rentenversicherungen meiden
Sie können eine BU-Versicherung in drei verschiedenen Formen abschließen:

  • als selbstständige Berufsunfähigkeitsversicherung,
  • als Zusatzversicherung zu einer Risikolebensversicherung oder
  • als Zusatzversicherung zu einer Kapitallebens- oder Rentenversicherung.

In der Regel sollten Sie eine selbstständige BU-Versicherung wählen. In seltenen Fällen ist die Kombination mit einer Risikolebensversicherung aber günstiger. Denn einige Versicherer mit guten Bedingungen bieten keine selbstständige BU an. Die Todesfallsumme für die Risikolebensversicherung sollte dann aber möglichst gering sein, damit der Beitrag für die Kombination günstig bleibt.

Wer Angehörige absichern will und deshalb eine hohe Todesfallsumme braucht, sollte sich lieber separat versichern. Der Vorteil von zwei getrennten Verträgen ist, dass Sie flexibler bleiben. Wird die Risikolebensversicherung nicht mehr gebraucht, weil beispielsweise das Eigenheim abgezahlt oder die Kinder erwachsen sind, können Versicherte die Police kündigen, ohne ihre BU-Versicherung anzutasten.

Von einer Kombination der BU-Versicherung mit einer Kapitallebens- oder Rentenversicherung raten wir ab. Der zusätzliche Anteil für die Kapitalanlage macht den ohnehin recht hohen Beitrag für die Berufsunfähigkeitsversicherung nochmal deutlich teurer. Das verleitet dazu, eine zu niedrige Berufsunfähigkeitsrente zu vereinbaren. Wer sich wegen Arbeitslosigkeit, Elternzeit oder anderer finanziellen Engpässe die Prämie nicht mehr leisten kann, verliert auch den BU-Schutz. Wir empfehlen deshalb grundsätzlich, Sparverträge und die Versicherung gegen existenzielle Risiken zu trennen.

Makler bewerben solche Policen häufig mit dem Argument, dass mit ihnen die Altersvorsorge auch bei Berufsunfähigkeit gesichert sei. Denn einige Versicherer zahlen im Fall der Berufsunfähigkeit anstelle des Kunden weiter in die Lebens- oder Rentenversicherung ein. Aus unserer Sicht die bessere Variante: Berücksichtigen Sie die Kosten für die Altersvorsorge bei der Höhe der Berufsunfähigkeitsrente, die Sie versichern.

Die BU-Rente hoch genug ansetzen
Viele BU-Renten sind viel zu niedrig. Achten Sie darauf, dass die versicherte Summe reicht, um Ihre laufenden Kosten für Familie, Wohnung, Versicherungen sowie Altersvorsorge zu finanzieren. Um zu wissen, wie viel Sie absichern müssen, können Sie auf zweierlei Weise vorgehen.

  • Die Faustformel: Versichern Sie 80 Prozent des Nettoeinkommens Ihres Haushalts. Damit sollten Sie im Zweifelsfall auskommen können.
  • Die genaue Berechnung: Schreiben Sie Ihre jährlichen Ausgaben auf. Überlegen Sie, welche Ausgaben Sie im Fall, dass Sie nicht mehr arbeiten können, unvermeidlich weiterhin haben werden. Teilen Sie diese durch zwölf. Diese Methode bietet sich für alle an, die kein regelmäßiges Einkommen haben, zum Beispiel Selbstständige.

Einnahmen aus Vermietung oder Kapitalanlagen können den Absicherungsbedarf verringern. Gleiches gilt, falls Sie eine private Rentenversicherung haben, deren Beginn sich notfalls vorverlegen lässt.

Achtung

Mini-Renten meiden

Eine Rentenhöhe von unter 1.000 Euro ist in der Regel wenig sinnvoll – es sei denn Sie sind noch anderweitig abgesichert. Denn sollten Sie die staatliche Grundsicherung in Anspruch nehmen müssen, wird die BU-Rente mit den Sozialleistungen verrechnet. Die Ausnahme von der Regel: Ist eine deutliche Gehaltssteigerung absehbar und Sie haben einen Vertrag mit Nachversicherungsgarantie, kann es sich auch lohnen, aus Budgetgründen zunächst eine niedrige BU-Rente zu vereinbaren. Das gilt zum Beispiel für Berufsanfänger.

Wählen Sie nur einen Versicherer mit hoher Finanzkraft
Werden Sie berufsunfähig, ist es entscheidend, dass der Versicherer Ihre Rente auch tatsächlich bezahlen kann. Daher ist es sehr wichtig, ein finanzstarkes Unternehmen zu wählen, das es auch in 20 oder 30 Jahren noch gibt. Zur Beurteilung der Finanzstärke hilft ein Vergleich der Ratings der drei Ratingagenturen Standard & Poor’s, Moody’s und Fitch. Entscheiden Sie sich für einen Versicherer, der bei einer der Agenturen eine Bewertung von mindestens „A-“ oder „A3“ hat. Im Folgenden finden Sie eine Übersicht der Anbieter, die diesem Anspruch gerecht werden:

Übersicht der Unternehmen

Versicherer Fitch S&P Moody's
Allianz SE AA- AA Aa3
Axa S.A. A A- A2
Condor Leben AA-    
DBV AA- A+ Aa3
Ergo Leben AA- AA- Aa3
Provinzial Nordwest AA-    
R+V Leben AA-    
Volkswohl Bund A+    
Westfälische Provinzial AA-    
Alte Leipziger A+ A  
DEVK Allgemeine Lebensversicherung A+ A+  
Ergo Direkt Leben   A+  
HDI (Talanx)   A+  
LV 1871 A+    
Neue Leben   A+  
Nürnberger Versicherung A+ A  
Nürnberger Beamten Versicherung A+ A  
Öffentl. Leben Berlin Brandenburg   A+  
Saarland Leben   A+  
Standard Life   A+ A1
Stuttgarter Lebensversicherung A+    
Targo-Versicherung   A+  
Vorsorge Leben AA-    
Zürich Dt. Herold     A1
Gothaer Lebensversicherung A A-  
Helvetia   A  
VHV   A  
Hannoversche Leben   A  
Aachener Münchener A-   A3
Dialog Leben A-   A3
Generali Deutschland A- A- A3
Cosmos Lebensversicherung A- A- A3
Swiss Life A- A-  
Württembergische Versicherung A- A-  
Quelle: Finanztip-Recherche (Stand: März 2015)      

Tarife mit guten Bewertungen wählen
Analysehäuser wie Morgen & Morgen und Franke & Bornberg vergleichen die Versicherungsbedingungen unterschiedlicher BU-Anbieter. Schließen Sie nur Tarife ab, deren Bedingungen die höchstmögliche Bewertung haben. Bei Morgen & Morgen sind das fünf Sterne und bei Franke & Bornberg ein „FFF“. Neben der Gesamtbewertung ist bei Morgen & Morgen auch das Teilrating „BU-Kompetenz“ interessant. Die Kompetenz des Versicherers sollte mit mindestens vier Sternen bewertet sein. Sie ist wichtig für stabile Beiträge sowie eine professionelle und faire Prüfung von Anträgen.

Die Ratings können Sie bei einem von uns empfohlenen Versicherungsmakler anfordern oder selbst auf den Websites von Morgen & Morgen und Franke & Bornberg nachschauen.

Möglichst geringe Spanne zwischen Brutto- und Nettoprämie
Wer Berufsunfähigkeitsversicherungen vergleicht, findet bei jedem Tarif zwei Preise: Netto- und Bruttoprämie. Die Nettoprämie ist der Beitrag, den Sie zum Start der BU-Versicherung zahlen müssen. Er nennt sich auch Zahlbeitrag. Der Anbieter kann diesen Beitrag bis zur Bruttoprämie erhöhen, wenn er die Risiken oder seine Anlagegewinne nicht richtig kalkuliert hat.

Versicherer, die ihr Geschäft ankurbeln möchten, locken Kunden mit geringen Zahlbeiträgen bei gleichzeitig hohen Bruttoprämien. Für Kunden besteht dann aber das Risiko, dass die Beiträge in Zukunft deutlich erhöht werden. In den vergangenen Jahren mussten bereits einige Versicherungen den Zahlbeitrag von laufenden Verträgen anheben. Weil der Wettbewerb zwischen den Anbietern hart ist und auch Versicherungen mit den niedrigen Zinsen an den Kapitalmärkten zu kämpfen haben, ist damit zu rechnen, dass der Beitrag auch in Zukunft öfter erhöht wird.

Schauen Sie deshalb nicht nur auf einen niedrigeren Nettobeitrag, vergleichen Sie auch, wie stark die Versicherungen die Prämie anheben können. Die Spanne zwischen den beiden Beiträgen sollte möglichst gering sein. Akzeptieren Sie im Zweifel einen etwas höheren Nettobeitrag, wenn dafür der Bruttobeitrag deutlich geringer ist.

Darauf sollten Sie im Vertrag achten

Tipp

5-Jahresfrist

Es kann sich lohnen zu warten, bis Sie kritische Behandlungen nicht mehr angeben müssen. Waren Sie beispielsweise vor vier Jahren in Psychotherapie, ist es sinnvoll, erst in einem Jahr eine BU abzuschließen.

Beantworten Sie alle Gesundheitsfragen wahrheitsgemäß
Beim Ausfüllen des BU-Antrages ist es immens wichtig, sämtliche Gesundheitsfragen wahrheitsgemäß zu beantworten. Das gilt erst recht für alle Sachverhalte, zu denen Unterlagen vorliegen und die von der Versicherung nachgeprüft werden können. Machen Sie falsche Angaben oder vergessen Erkrankungen, kann die Versicherung sich im schlimmsten Fall weigern zu zahlen.

Deshalb sollten Sie dem mehrseitigen Gesundheitsfragebogen besondere Aufmerksamkeit widmen. Füllen Sie ihn auf keinen Fall direkt im Gespräch mit dem Versicherungsmakler aus. Fordern Sie stattdessen zunächst Ihre Patientenakten von allen Ärzten an, bei denen Sie im gefragten Zeitraum waren. Bei guten Verträgen sind das maximal die vergangenen fünf Jahre für ambulante Behandlungen und zehn Jahre bei Krankenhausaufenthalten.

Der Blick in die Krankenunterlagen und das Gespräch mit Ihren Ärzten ist wichtig, damit Sie keine Behandlungen der vergangenen Jahre vergessen oder falsch bezeichnen. Außerdem finden sich in den Akten manchmal falsche Diagnosen oder Einträge, von denen Sie gar nichts wissen. Diese Akten kann der Versicherer aber noch zehn Jahre lang heranziehen, um Ihnen die Leistung zu verweigern.

Achtung

BU-Rente nicht allein beantragen

Auch der Antrag für eine BU-Rente kostet Zeit und Nerven. Um Fehler zu vermeiden, sollten Sie sich Hilfe von einem spezialisierten Honorarberater oder Fachanwalt für Versicherungsrecht holen.

Beim Ausfüllen des Fragebogens müssen Sie nur das angeben, wonach explizit gefragt wird. Bei Fragen, die sich nicht eindeutig mit „ja“ oder „nein“ beantworten lassen, sollten Sie die Antwort ausformulieren. Reicht der Platz nicht aus, nutzen Sie einfach ein zusätzliches Blatt. Im Versicherungsantrag werden Sie außerdem aufgefordert, Ihre Ärzte von der Schweigepflicht zu entbinden. Es ist sinnvoll, das nicht pauschal für alle Ärzte zu tun, sondern nur im Einzelfall, sollte der Versicherer konkrete Rückfragen haben. So können Sie nochmal mit dem betreffenden Arzt sprechen und ihn bitten, seine Auskünfte streng auf den im Antrag erfragten Zeitraum zu begrenzen.

Das alles ist mühsam, aber Ihre finanzielle Existenz kann viele Jahre später davon abhängen. Bewahren Sie eine Kopie der unterschriebenen Gesundheitsfragen gut auf, sodass diese beim Rentenantrag vorliegen und Sie die Angaben vergleichen können.

Vereinbaren Sie Dynamik und Nachversicherungsgarantie
Damit die BU-Rente auch in 20 oder 30 Jahren noch reicht, ist es wichtig, dass Sie die Rentenhöhe nachträglich anpassen können. Denn neue Lebensumstände wie eine Familiengründung können die Kosten für den Lebensunterhalt im Lauf der Zeit steigen. Gleichzeitig führt die Inflation dazu, dass die ursprünglich vereinbarte Rente an Wert verliert. Um die BU-Rente nachträglich zu erhöhen, gibt es zwei Möglichkeiten: die Nachversicherungsgarantie oder eine Dynamisierung der Beiträge. Beide kosten nichts extra.

Achtung

Eigeninitiative gefragt

Die Rente steigt nach einer Hochzeit oder Gehaltserhöhung nicht automatisch. Sie müssen selbst aktiv werden und die Erhöhung innerhalb von drei Monaten nach dem Ereignis beantragen.

Nachversicherungsgarantie – Mit Nachversicherungsgarantie haben Sie die Möglichkeit, zu bestimmten Anlässen wie Heirat, Geburt eines Kindes oder Gehaltserhöhung die versicherte BU-Rente auf einen Schlag hochzusetzen. Dazu ist keine erneute Gesundheitsprüfung nötig. Allerdings wird für den Teil der Rente, den Sie aufstocken, wie bei einem Neuabschluss der Versicherung Ihr aktuelles Lebensalter zugrunde gelegt. So kostet die nachträglich erhöhte Rente mehr als eine gleich hohe Rente, die direkt bei Vertragsbeginn vereinbart wurde.

Gerade junge Kunden sollten dennoch unbedingt einen Vertrag mit Nachversicherungsgarantie wählen, um die Rente flexibel an ihr steigendes Einkommen anpassen zu können. Wichtig zu beachten: Die Rente darf meist nur bis zu einer bestimmten Summe und einem festgelegten Alter, in der Regel 45, erhöht werden.

Dynamik – Mit einer Beitragsdynamik steigt der Beitrag jährlich um einen festgelegten Prozentsatz, beispielsweise um 3 Prozent. Dafür erhöht sich auch Ihre BU-Rente, allerdings nicht ebenfalls um 3 Prozent, sondern in etwas geringerem Umfang als der Beitrag. Denn wie bei der Nachversicherungsgarantie wird für jeden Erhöhungsschritt Ihr aktuelles Lebensalter zugrunde gelegt. Damit müssen Sie für den Teil der Rente, den Sie aufstocken, zunehmend höhere Beiträge zahlen.

Der Vorteil der Dynamik ist, dass es keiner besonderen Anlässe bedarf, um die Rente zu erhöhen. So können Sie nach und nach den Wertverlust durch die Inflation ausgleichen und die Rente automatisch steigern. Wie unsere Tabelle zeigt, sind bei einer Inflation von 2 Prozent von 1.000 Euro Rente nach 20 Jahren nur noch 628 Euro reale Kaufkraft übrig.

Reale Kaufkraft von 1000 Euro BU-Rente

  1 % Inflation 2 % Inflation 3 % Inflation
nach 10 Jahren 905 € 820 € 744 €
nach 20 Jahren 820 € 628 € 554 €
nach 30 Jahren 742 € 552 € 412 €

Quelle: Finanztip-Berechnung (Stand: 24. August 2016), Werte gerundet

Damit der Beitrag nicht zu teuer wird, können Sie der Erhöhung in der Regel zweimal widersprechen und sie nur jedes dritte Jahr annehmen. Lehnen Sie die Dynamik dreimal hintereinander ab, gibt es keine weiteren Erhöhungen, und die versicherte Rente bleibt konstant. Ab dem 45. Geburtstag sollten Sie prüfen, ob die Dynamik durch das höhere Lebensalter nicht zu teuer wird.

Tipp

Beitrag senken

Werden Ihnen die Kosten der BU zu hoch, können Sie einzelne Vertragsbestandteile wie die jährliche Rentensteigerung kündigen. Das ist in jedem Fall besser, als den gesamten Vertrag zu kündigen.

Jährlich steigende Rente
Auch nach Eintritt der Berufsunfähigkeit kann die Inflation an der Kaufkraft der BU-Rente nagen. Das ist vor allem problematisch, wenn jemand in jungen Jahren berufsunfähig wird und dann für mehrere Jahrzehnte mit einer konstanten Rente auskommen muss. Deshalb stellen viele Versicherer in Aussicht, dass die BU-Rente jährlich steigt, falls das Unternehmen weiter Gewinne macht. Darauf ist aber kein Verlass. Wer sichergehen will, kann eine garantierte Leistungsdynamik vereinbaren. Diese Klausel ist grundsätzlich sinnvoll, kostet aber. Für eine jährliche Rentenerhöhung von 2 Prozent wurden in einer Finanztip-Stichprobe unter acht BU-Anbietern durchschnittlich 13 Prozent mehr Beitrag fällig.

Akzeptieren Sie keine abstrakte Verweisung
Abstrakte Verweisung bedeutet, dass der Anbieter die Leistung verweigern kann, falls der Betroffene theoretisch noch in der Lage ist, in einem anderen, gleichwertigen Beruf zu arbeiten. Dabei kommt es nicht darauf an, ob der Versicherte tatsächlich eine solche Anstellung findet.

Diese Klausel war früher vergleichsweise häufig in den Bedingungen zu finden. Heute wird sie meist nur noch als Option angeboten, um Beiträge zu senken. Stellen Sie sicher, dass Ihr Vertrag auf diese Klausel komplett verzichtet.

Weniger problematisch ist die konkrete Verweisung. Mit dieser Klausel kann der Versicherer die Rentenzahlung nur verweigern, sofern Sie freiwillig eine neue berufliche Tätigkeit aufgenommen haben. Diese Beschäftigung muss Ihrer bisherigen sozialen Stellung entsprechen. Achten Sie aber darauf, dass festgelegt ist, ab welchem Gehaltsverlust in der neuen Tätigkeit die BU-Rente gezahlt werden muss. Bei einem Verlust von 20 Prozent und mehr sollte Ihnen die Rente zustehen.

Versicherungs- und Leistungszeit möglichst bis 67 Jahre
Die Versicherungszeit ist der Zeitraum, in dem die Berufsunfähigkeit eintreten muss, damit die Versicherung eine Rente zahlt. Endet dieser Zeitraum mit dem 50. Lebensjahr und der Versicherte wird mit 51 Jahren berufsunfähig, bekommt er kein Geld.

Als Leistungszeit wird das Alter bezeichnet, bis zu dem Versicherte ihre Rente ausbezahlt bekommen. Um Absicherungslücken vor Beginn der Altersrente zu vermeiden, sollten Kunden sich möglichst bis zum 67. Lebensjahr versichern. Ist das zu teuer, können sie auch eine etwas kürzere Leistungszeit vereinbaren, zum Beispiel bis zum 65. Lebensjahr. Dann ist der Beitrag um bis zu 15 Prozent günstiger.

Rückwirkende Leistung vereinbaren und Wartezeiten meiden
Einige Versicherungen zahlen erst nach sechs Monaten Berufsunfähigkeit oder sogar noch später. Dafür sind die Beiträge bei Tarifen mit einer solchen Karenzzeit etwas niedriger. Wer über keine großen Ersparnisse verfügt, sollte eine Wartezeit aber vermeiden. Denn die alltäglichen Rechnungen müssen auch während dieser Zeit bezahlt werden.

Vergleichen Sie zudem die in den Verträgen vorgesehenen Meldefristen. Am vorteilhaftesten ist es, wenn der Anbieter bei verspäteter Meldung bis zu drei Jahre rückwirkend leistet. Das ist wichtig, weil eine Berufsunfähigkeit oft erst mit Verzögerung festgestellt wird.

Achten Sie auf einen kurzen Prognosezeitraum
Der Prognosezeitraum ist die Dauer, für die Sie nach ärztlicher Einschätzung berufsunfähig sein werden. Ihr Vertrag sollte die Rentenzahlung vorsehen, wenn ein Arzt die Berufsunfähigkeit für sechs Monate prognostiziert. Denn je länger der Prognosezeitraum, desto schwieriger ist es, eine zuverlässige medizinische Einschätzung zu treffen.

Bevorzugen Sie die Pauschalregelung zur Rentenzahlung
Nach der Pauschalregelung erhält der Versicherte die volle Rentenzahlung, wenn er zu mindestens 50 Prozent berufsunfähig ist. Bei der Staffelregelung hätte er nur Anspruch auf die halbe Rente. Zwar gibt es bereits bei 25-prozentiger Berufsunfähigkeit ein Viertel der Rente, die volle Rente aber erst bei 75 Prozent. Da es schnell zu Auseinandersetzungen um jeden Prozentpunt kommen kann, sollten Sie die Pauschalregelung vorziehen.

Verzicht auf befristete Anerkenntnisse
Wenn der Versicherer den Rentenanspruch nur befristet anerkennt, müssen Sie nach Ablauf der Frist oftmals erneut Ihre Berufsunfähigkeit nachweisen. Ersparen können Sie sich dieses Risiko, indem Sie einen Anbieter wählen, der auf befristete Anerkenntnisse generell verzichtet.

Keine Anzeigenpflicht nach Vertragsabschluss
Der Versicherer sollte darauf verzichten, dass Sie ihn nach Vertragsabschluss über einen Berufswechsel oder ein erhöhtes Risiko informieren müssen, zum Beispiel wenn Sie sich ein gefährliches Hobby wie Gleitschirmfliegen zugelegt haben.

Stellen Sie weltweiten Schutz sicher
Der Versicherungsschutz sollte weltweit gelten, damit Sie auch geschützt sind, falls Sie längere Zeit im Ausland verbringen. Besteht der Versicherer auf einer ärztlichen Untersuchung in Deutschland, sollte er die Kosten dafür selbst tragen.

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Ihr Weg zum besten Tarif

An einer individuellen Beratung kommen Sie beim komplexen Thema Berufsunfähigkeitsversicherung in aller Regel nicht vorbei. Zwar können Sie sich auf Vergleichsportalen oder bei Direktversicherern wie der Hannoverschen oder Cosmos Direkt ein erstes Gefühl dafür verschaffen, was eine BU-Versicherung kostet.

Der Online-Vergleich kann jedoch keine Beratung ersetzen. Die ist aber wichtig, wenn Sie sich nicht alleine durch das Dickicht der zahlreichen Tarife und Versicherungsbedingungen kämpfen wollen. Denn bei der Berufsunfähigkeitsversicherung zählt am Ende vor allem die Leistung, nicht vorrangig der Preis. Zudem schaffen viele Interessenten die Gesundheitsfragen nicht anstandslos. Ein Berater kann anonymisierte Risikovoranfragen stellen und so die Versicherung finden, die für Ihren individuellen Fall die günstigsten Bedingungen bietet.

Was Sie bei der Beratung beachten sollten

  • Nutzen Sie in der Beratung unsere Checkliste.
  • Beantworten Sie die Gesundheitsfragen selbst mithilfe Ihrer Ärzte.
  • Achten Sie darauf, dass Sie ein korrektes Beratungsprotokoll bekommen. Unterschreiben müssen Sie es aber nicht. Zusätzlich können Sie auch selbst ein Gedächtnisprotokoll über die Beratung anfertigen.
  • Wir empfehlen die Makler nur für BU und andere Absicherungen der Arbeitskraft. Für weitere Versicherungen nutzen Sie unsere entsprechenden Ratgeber.

Bei den Beratern haben Sie grundsätzlich die Wahl zwischen zwei Arten: einem Honorarberater, den Sie für die Beratung und Vermittlung direkt bezahlen, und einem Versicherungsmakler, der sein Geld mit Provisionen verdient, die er durch Abschlüsse von Policen bekommt.

Wer zu einem Versicherungsmakler geht, der auf herkömmliche Art und Weise eine Provision am Versicherungsvertrag verdient, muss nicht mit einem Honorar in Vorleistung gehen. Die Provision ist in den Preis der BU eingerechnet. Provisionsfreie Nettotarife vom Honorarberater sind oft günstiger, müssen es aber nicht sein. Daher können Sie sich von einem Makler auch einfach mal ein Angebot erstellen lassen.

Es ist schwierig, einen vertrauenswürdigen und kompetenten Vermittler zu finden. Wir haben in einer Ausschreibung Spezialisten für die Beratung zur Arbeitskraftabsicherung gesucht und nach strengen Kriterien folgende Makler ausgewählt:

Hoesch & Partner
Versicherungsmakler mit bundesweiter Präsenz

  • Erfahrungen mit BU-Versicherungen seit 1983
  • 41 BU-Versicherer im Angebot
  • 8 Standorte bundesweit
  • Möglichkeit zur anonymen Risikovoranfrage
  • bietet auch Honorarberatung und Nettotarife an
  • Online-Beratung möglich

Buforum24
Versicherungsmakler mit viel Erfahrung bei komplizierten Fällen

  • Erfahrungen mit BU-Versicherungen seit 2004
  • 44 BU-Versicherer im Angebot
  • viel Erfahrung mit Risikovoranfragen
  • Online-Beratung möglich

Blank & Partner
Versicherungsmakler mit besonderer Expertise für Lehrer und Beamte

  • Erfahrungen mit BU-Versicherungen seit 2004
  • 50 BU-Versicherer im Angebot
  • Experte für Lehrer- und Beamtenabsicherung
  • Möglichkeit zur anonymen Risikovoranfrage
  • Online-Beratung möglich
Blank & Partner

Thomas Kliem
Versicherungsmakler mit 15 Jahren Erfahrung

  • Erfahrungen mit BU-Versicherungen seit 2001
  • 50 BU-Versicherer im Angebot
  • Möglichkeit zur anonymen Risikovoranfrage
  • bietet auch Honorarberatung und Nettotarife an
  • Online-Beratung möglich

Thomas Kliem

Ritzerfeld & Partner
Versicherungsmakler mit guter BU-Kompetenz

  • Erfahrungen mit BU-Versicherungen seit 1995
  • 30 BU-Versicherer im Angebot
  • Möglichkeit zur anonymen Risikovoranfrage
Ritzerfeld & Partner

Meyer & Fritzsche
Versicherungsmakler mit guter BU-Kompetenz

  • Erfahrungen mit BU-Versicherungen seit 1992
  • 34 BU-Versicherer im Angebot
  • Möglichkeit zur anonymen Risikoanfrage
  • Onlineberatung möglich
  • keine Erfahrung mit BU-Alternativen

Versicherungsschutz trotz Vorerkrankungen

Zeichnet sich ab, dass es wegen gesundheitlicher Probleme schwierig wird, eine Berufsunfähigkeitsversicherung zu bekommen, lautet die oberste Maxime: Risikovoranfragen bei möglichst vielen Versicherungen stellen! Wie eine Erkrankung bewertet wird, unterscheidet sich von Anbieter zu Anbieter nämlich erheblich. Dass Kunden, die von einem Unternehmen abgelehnt wurden, bei einem anderen zu Normalbedingungen versichert werden können, kommt in der Praxis häufig vor. Sinnvoll kann es auch sein, mit einem Makler oder Honorarberater die genaue Formulierung der Gesundheitsfragen unterschiedlicher Anbieter zu vergleichen. Denn angeben müssen Sie nur, wonach direkt gefragt wird.

Wer nur Angebote mit Ausschlussklausel für ein bestimmtes Leiden bekommt, sollte die genauen Formulierungen der Klauseln vergleichen und gegebenenfalls durch den Berater oder Makler verhandeln lassen. Je präziser und begrenzter der Ausschluss ist, desto besser. Nach einem Bandscheibenvorfall schließen einige Anbieter die komplette Wirbelsäule samt aller damit zusammenhängenden Erkrankungen aus. Besser ist es, wenn die Versicherung wenigstens bei Tumoren, Brüchen oder Infektionen an der Wirbelsäule zahlt.

Ein Risikozuschlag ist gegenüber einer Ausschlussklausel oft das kleinere Übel, weil Versicherungsschutz für alle Erkrankungen besteht. Das gilt allerdings nur, falls der Beitrag dadurch nicht zu teuer wird. Vorteilhaft ist es, wenn der Zuschlag oder Ausschluss nach einiger Zeit nochmals überprüft wird und entfällt, falls der Kunde in diesem Bereich keine Beschwerden mehr hat.

Eine gute Möglichkeit trotz Vorerkrankungen an eine BU zu kommen, ist ein Gruppenvertrag über den Arbeitgeber – meist in Kombination mit einer betrieblichen Altersvorsorge. Der Vorteil solcher Gruppenversicherungen: die detaillierte Gesundheitsprüfung entfällt. Stattdessen muss der Arbeitgeber nur angeben, ob der Mitarbeiter in einem bestimmten Zeitraum länger krankgeschrieben war. Auch Menschen in „Risikoberufen“ kann ein Gruppenvertrag zu bezahlbarem BU-Schutz verhelfen. Das funktioniert allerdings nur, wenn Angehörige verschiedener Risikogruppen in einem Unternehmen arbeiten, also Büroangestellte und körperlich Tätige gleichermaßen. Denn die Versicherung berechnet das durchschnittliche Risiko für alle Mitarbeiter und bietet allen den gleichen Tarif an. Es kann sich also lohnen, mal beim Chef nachzufragen.

Wenn die BU zu teuer ist

Die BU-Versicherer sind extrem wählerisch bei Auswahl ihrer Kunden. Gerade für Menschen mit einem Beruf, den die Versicherer als risikoreich betrachten, ist der BU-Schutz oft unerschwinglich. Die genaue Berufsbezeichnung und Eingruppierung in Risikogruppen unterscheidet sich von Anbieter zu Anbieter. Vergleichen Sie deshalb mehrere Angebote, im Zweifel mittels einer Risikovoranfrage. Entspricht die eigene Tätigkeit nicht dem gängigen Berufsbild, kann eine konkrete Tätigkeitsbeschreibung helfen, einen günstigeren Tarif zu bekommen. Das gilt zum Beispiel für einen Dachdecker, der hauptsächlich vom Büro aus Angebote erstellt und Aufträge koordiniert.

Um Beiträge zu sparen, gibt es noch eine weitere Möglichkeit: Sie können auf einzelne Vertragsmerkmale verzichten, zum Beispiel auf die garantierte Rentensteigerung im Leistungsfall. Damit wird die Berufsunfähigkeitsversicherung bei einigen Anbietern um bis zu 15 Prozent günstiger. Auch eine kürzere Versicherungszeit bringt Ersparnisse. Endet die Versicherung mit dem 65. Lebensjahr statt dem 67. sind die Beiträge etwa 15 Prozent niedriger. Eine Verkürzung der Laufzeit birgt aber das Risiko, dass Sie einige Jahre ohne Rente dastehen, wenn Sie berufsunfähig werden. Wägen Sie also gut ab, wie viel Zeit Sie bis zur Altersrente überbrücken können.

Das sind die Alternativen zur BU

Die Berufsunfähigkeitsversicherung ist die beste Absicherung der eigenen Arbeitskraft, und jeder sollte zunächst versuchen, eine abzuschließen.

Ist das nicht möglich, gibt es mittlerweile einige Alternativen zur BU. Sie bieten jedoch alle einen geringeren Schutz und sind auch nicht in jedem Fall günstiger. Deshalb ist auch vor dem Abschluss einer solchen Police eine umfassende Beratung wichtig.

Erste Wahl ist in der Regel die Erwerbsunfähigkeitsversicherung, denn als einzige der Alternativen deckt sie auch psychische Erkrankungen ab – die mittlerweile häufigste Ursache dafür, dass jemand nicht mehr arbeiten kann. Allerdings zahlt sie erst, wenn der Versicherte überhaupt keiner Tätigkeit mehr nachgehen kann. Ein Arzt, der noch als Taxifahrer arbeiten kann, bekäme daher kein Geld von der Versicherung. Wie sich die anderen Alternativen zur BU in ihren Leistungen unterscheiden, zeigen wir in unserer Tabelle:

Alternativen zur Berufsunfähigkeitsversicherung (BU)

Erwerbsunfähigkeitsversicherung + oft günstigere Beiträge als BU
  + auch psychische Erkrankungen versichert
  - zahlt Rente nur, wenn Sie gar nicht mehr arbeiten können
Dread-Disease-Versicherung + einfache Prüfung des Rentenanspruchs
  o Einmalbetrag statt Rente
  - zahlt nur bei bestimmten Krankheiten, nicht bei psychischen Leiden
Multi-Risk-Versicherung + oft günstigere Beiträge als BU
  + einfache Prüfung des Rentenanspruchs
  o Rente bei Dauerinvalidität, Verlust grundlegender Fähigkeiten oder Pflegefall
  - psychische Leiden und orthopädische Probleme nicht versichert
Grundfähigkeitsversicherung + einfache Prüfung des Rentenanspruchs
  + günstigere Beiträge als BU
  - Rente nur bei Verlust grundlegender Fähigkeiten (wie Gehen oder Tragen)

So haben wir ausgewählt

Die Auswahl der Versicherungsmakler, die wir empfehlen, basiert auf unserer Online-Ausschreibung für BU-Spezialisten. In die engere Wahl kamen nur Makler und Honorarberater, die sich bis zum 7. August 2016 beworben haben.

Die eingegangenen Bewerbungen haben wir überprüft auf Kriterien wie formale Qualifikation, Marktabdeckung, Erfahrung und Routine in der Beratung zur Arbeitskraftabsicherung. In die engere Wahl kamen Bewerber, die einen formal höheren Berufs- oder Bildungsabschluss als die IHK-Prüfung zum Versicherungsfachmann hatten und mindestens 25 Berufsunfähigkeits- sowie 10 Erwerbsunfähigkeits-Versicherungen vermitteln konnten. Zudem mussten alle Mitarbeiter, die im Unternehmen zum Thema BU beraten, mindestens fünf Jahre Erfahrung haben. Um eine gewisse Routine in der Beratung sicherzustellen, kamen nur Bewerber in die engere Wahl, die im ersten Quartal 2016 im Schnitt mindestens 15 BU-Beratungen pro Mitarbeiter durchgeführt hatten.

Auf Basis dieser Kriterien blieben sieben Makler übrig. Ein Makler gab an, auch Personen eine Berufsunfähigkeitsversicherung vermittelt zu haben, die er nicht beraten hat. Ihn schlossen wir aus, weil wir der Ansicht sind, dass Beratung vor dem Abschluss einer BU essentiell ist und wir genau aus diesem Grund den Gang zum Makler empfehlen. Von den restlichen sechs Maklern haben wir zusätzlich exemplarisch Informationen zu beratenen Kunden und empfohlenen Tarifen angefordert sowie Beratungsprotokolle zu zwei stichprobenartig ausgewählten BU-Beratungen und einer Beratung zu einer BU-Alternative. Für diese drei Fälle haben wir dann überprüft, ob die Makler ihren gesetzlichen Dokumentationspflichten nachgekommen sind.

Achtung

Ausschreibung für BU-Spezialisten

Finanztip als gemeinnütziges Verbraucherportal sucht weitere qualifizierte Makler und Honorarberater, die wir unseren Lesern für die Beratung zur Berufsunfähigkeitsversicherung empfehlen können.

Hierzu machen wir eine laufende Online-Ausschreibung, über die sich erfahrene und gut angebundene Vermittler und Berater bei uns bewerben können. Falls Sie unseren Auswahlkriterien entsprechen, würden wir Sie an dieser Stelle empfehlen. Die nächste Auswertung der Einsendungen beginnen wir im Frühjahr 2017.

Bewerben Sie sich hier für eine Empfehlung durch Finanztip.

Zur Online-Ausschreibung
Community
Die letzten Beiträge zu dieser Diskussion:
Hallo zusammen,
das ist der erste mir bekannte Beitrag zu einer Berufsunfähigkeitsversicherung, der in dieser Ausführlichkeit und Vehemenz auf die Gesundheitsprüfung eingeht.
Ich würde die ...
9. Dezember 2016 zum Beitrag
Hallo Enjoy-it,

[quote='Enjoy-it','http://www.finanztip.de/community/thema/1272-berufsunf-c3-a4higkeitsversicherung?postID=34057#post34057']hallo zusammen,
Danke für den sehr ...
14. November 2016 zum Beitrag
Hallo FrageFrage,
bei der Rechtsschutzversicherung ist der Versicherungsfall dasjenige Ereignis, das die Wahrnehmung rechtlicher Interessen notwendig macht. Zwar werden der Leistungsfall und ...
14. November 2016 zum Beitrag
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Finanztip-Chefredakteur
Hermann-Josef Tenhagen

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Artikel verfasst von

Julia Rieder

Finanztip-Expertin für Versicherungen

Julia Rieder ist Expertin für Versicherungen und derzeit kommisarisch für das Thema Reise verantwortlich. Während ihres Volontariats bei Finanztip sammelte sie Hörfunk-Erfahrung beim Inforadio. Vorher war sie in den Redaktionen von Frontal 21, der Berliner Zeitung und dem Online-Magazin politik-digital tätig. Ihr Studium der Politikwissenschaft hat Julia Rieder an der Freien Universität Berlin mit einem Master abgeschlossen.

Finanztip-Redaktion

Die Experten für Verbraucherfinanzen

Die Finanztip-Redaktion besteht aus einem Team von Experten, die völlig unabhängig für Sie recherchieren, damit Sie die beste Entscheidung treffen können. Die Experten arbeiten in den Teams Bank & Geldanlage, Versicherung & Vorsorge, Recht & Steuern sowie Energie/Reise/ Mobilität & Medien. Bei der Wahl der Zeitschrift „Wirtschaftsjournalist“ zur Wirtschaftsredaktion des Jahres belegte die Redaktion 2015 den zweiten Platz.