Außergewöhnliche Belastungen

So setzen Sie private Ausgaben von der Steuer ab

Das Wichtigste in Kürze

  • Einige private Ausgaben, die zwangsläufig und notwendig waren, dürfen Sie als außergewöhnliche Belastungen in Ihrer Steuererklärung ansetzen.
  • Die wichtigsten außergewöhnlichen Belastungen sind Krankheitskosten, Aufwendungen für Hilfsmittel wie Brillen und Zahnprothesen oder Bestattungen. Für auswärts wohnende Kinder in Ausbildung und Menschen mit Behinderung gibt es einen pauschalen Freibetrag.
  • Ob Sie wirklich Steuern sparen können, hängt ab von Ihrem Einkommen, dem Familienstand und der Kinderzahl. Denn Sie müssen Ihre individuell ermittelte zumutbare Belastung überschritten haben.
  • Sie sollten daher planbare Ausgaben wie Zahnarztkosten so verteilen, dass sie möglichst gebündelt in einem Jahr anfallen. Dadurch können Sie eher erreichen, dass der Gesamtjahresaufwand höher ist als die zumutbare Belastung.
  • Nach einem BFH-Urteil vom 19. Januar 2017 ist die bisherige Berechnung der zumutbaren Belastung fehlerhaft. Folglich überschreiten Steuerzahler früher die Belastungsgrenze und werden stärker steuerlich entlastet.
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Private Ausgaben sind für die Steuererklärung größtenteils irrelevant. Es gibt jedoch eine Ausnahme: Wenn es sich um eine außergewöhnliche Belastung handelt. Die liegt vor, wenn besondere Umstände in Ihrem Privatleben dazu führen, dass Sie mehr Geld zum Leben brauchen als im Normalfall.

Was außergewöhnliche Belastungen sind

Hat ein Steuerpflichtiger zwangsläufig größere Aufwendungen als die meisten anderen Steuerzahler mit ähnlichem Einkommen und Vermögen sowie gleichem Familienstand, dann liegen außergewöhnliche Belastungen vor. Als zwangsläufig gelten Aufwendungen, die sich aus rechtlichen, tatsächlichen oder sittlichen Gründen nicht vermeiden lassen und den Umständen nach notwendig sind. Außerdem dürfen die Aufwendungen einen angemessenen Betrag nicht übersteigen.

Falls ein besonderes Ereignis Sie zu Ausgaben zwingt, die Sie selbst endgültig zu tragen haben, gelten Sie für den Gesetzgeber als „belastet“. Die Belastung tritt in der Regel zum Zeitpunkt der Zahlung ein. Der Gesetzgeber geht davon aus, dass grundsätzlich nur Aufwendungen für sich selbst oder für Angehörige zwangsläufig sind. Aufwendungen für andere Personen können diese Voraussetzung nur ausnahmsweise erfüllen, etwa wenn die sittliche Pflicht die Ausgabe verlangt. Deshalb können unter Umständen Unterhaltsleistungen abzugsfähig sein.

Gesetzlich geregelt sind diese besonderen außergewöhnlichen Belastungen im Paragraf 33a Einkommensteuergesetz (EStG), die allgemeinen außergewöhnlichen Belastungen im Paragraf 33 und die Pauschbeträge für Behinderte, Hinterbliebene und Pflegepersonen im Paragraf 33b EStG.

Allgemeine und besondere außergewöhnliche Belastungen

Es gibt zwei Arten von außergewöhnlichen Belastungen. Gesetzlich geregelt sind die besonderen außergewöhnlichen Belastungen in Paragraf 33a Einkommensteuergesetz (EStG). Dort steht auch der Ausbildungsfreibetrag von maximal 924 Euro im Jahr für volljährige Kinder in Ausbildung, die auswärts wohnen. In Paragraf 33b EStG stehen weitere besondere außergewöhnliche Belastungen. Dazu zählen Pauschbeträge für Behinderte, Hinterbliebene und Pflegepersonen, also Menschen, die unentgeltlich jemanden häuslich pflegen.

Wichtig: Für diese besonderen außergewöhnlichen Belastungen gibt es Pausch- oder Höchstbeträge. Der Abzug ist zwar in der Höhe beschränkt, doch es zählt bereits der erste Cent der Aufwendungen.

Anders ist dies bei den allgemeinen außergewöhnlichen Belastungen wie Krankheitskosten gemäß Paragraf 33 EStG. Hier sind erst diejenigen Kosten absetzbar, die Ihre individuelle zumutbare Belastung überschreiten.

Als Merksatz kann man sich einprägen: Wer A sagt, muss auch B sagen. Allgemeine außergewöhnliche Belastungen wirken sich ab dem Überschreiten der zumutbaren Belastung aus, besondere außergewöhnliche Belastungen bis zum Höchstbetrag.

Welche Belastung zumutbar ist

Was die Ermäßigung der Einkommensteuer angeht, kommt eine wichtige Einschränkung hinzu: Vom Gesamtbetrag Ihrer Einkünfte wird nur der Teil Ihrer Aufwendungen abgezogen, der Ihre „zumutbare Belastung“ übersteigt. Diese ist gesetzlich festgelegt. Bleiben Ihre außergewöhnlichen Belastungen unter dieser Grenze, dann reduzieren sie Ihre Steuerlast nicht. Ihre individuelle Belastungsgrenze ermittelt das Finanzamt nach einem Prozentsatz Ihrer gesamten Einkünfte. Die Behörde berücksichtigt auch Ihren Familienstand und die Anzahl der Kinder. Bei einem Single hält der Gesetzgeber also einen höheren Eigenanteil für zumutbar als beispielsweise bei einem Familienvater.

Zumutbarer Betrag in Prozent der Gesamteinkünfte

bei einem Gesamtbetrag der Einkünfte bis 15.340 € über 15.340 € bis 51.130 € über 51.130 €
       
1.    bei Steuerzahlern ohne Kinder      
            a) Grundtarif 5 % 6 % 7 %
            b) Splittingtarif 4 % 5 % 6 %
       
2.    bei Steuerzahlern mit      
            a) einem Kind oder zwei Kindern¹ 2 % 3 % 4 %
            b) drei oder mehr Kindern¹ 1 % 1 % 2 %

¹ Kinder, für die Sie Anspruch auf einen Kinderfreibetrag oder Kindergeld haben.
Quelle: § 33 Einkommensteuergesetz (Stand: 11. April 2017)

Bis Ende März 2017 gingen Finanzämter und Gerichte davon aus, dass für die gesamten Einkünfte (Lohn sowie Mieten oder Kapitaleinkünfte wie Zinsen und Dividenden) jeweils der höhere Prozentsatz als zumutbare Belastung gilt, sogar dann, wenn die Schwelle zur nächsten Stufe nur geringfügig überschritten war. Der Bundesfinanzhof (BFH) entschied jedoch, dass diese Berechnung falsch ist. Gerade in Grenzbereichen der Einkunftsstufen könne dieses starre Festhalten zu einer zu hohen Steuerlast führen (Urteil vom 19. Januar 2017, Az. VI R 75/14).

Folgendes Beispiel verdeutlicht dies: Sie haben zwei unterhaltsberechtigte Kinder und erzielen zusammen mit Ihrem Ehepartner Einkünfte in Höhe von 58.550 Euro. Bislang wurden 4 Prozent dieser gesamten Einkünfte als zumutbare Belastung angesehen, also 2.342 Euro. Erst wenn Sie diesen Betrag überschritten hatten, wirkten sich die übersteigenden Ausgaben als außergewöhnliche Belastung aus.

Jede der drei Einkunftsstufen müsse aber für sich betrachtet werden, entschied der BFH. Konkret bedeutet dies in unserem Beispiel:

2 % von 15.340 €   306,80 €  
3 % von 35.790 € (51.130 € minus 15.340 €)   1.073,70 €  
4 % von 7.420 € (58.550 € minus 51.130 €)   296,80 €  
Summe   1.677,30 €  

Gegenüber der bisherigen Berechnungsweise verringert sich die zumutbare Belastung um 664,70 Euro. Wenn Ihre Kosten diese niedrigere Grenze überschreiten, senken die darüberliegenden Kosten als außergewöhnliche Belastung Ihre zu zahlende Einkommensteuer.

Der BFH urteilte außerdem, dass der Gesamtbetrag der Einkünfte als Bemessungsgrundlage für die Berechnung der zumutbaren Belastung nicht um Beiträge an eine berufsständische Versorgungseinrichtung zu kürzen ist. Geklagt hatte ein angestellter Steuerberater, der in das Versorgungswerk der Steuerberater einzahlte.

Darüber hinaus entschied der Bundesfinanzhof in mehreren Verfahren, dass die zumutbare Belastung verfassungsgemäß ist (BFH, Urteil vom 2. September 2015, Az. VI R 32/13 und VI R 33/13; Urteil vom 19. Januar 2017, Az. VI R 75/14). Eine Verfassungsbeschwerde dazu hatte das Bundesverfassungsgericht erst gar nicht angenommen (Beschluss vom 23. November 2016, Az. 2 BvR 180/16). Damit gilt als sicher, dass die zumutbare Belastung an sich verfassungsgemäß ist. Bisher haben die Finanzämter Steuerbescheide in diesem Punkt nur vorläufig festgesetzt.

Was Sie tun können, um die Belastungsgrenze zu überschreiten

Erst am Jahresende können Sie mit Sicherheit wissen, ob Sie Ihre zumutbare Belastungsgrenze knacken. Daher sollten Sie während des Jahres erst einmal alle Belege sammeln. Bei Kostenblöcken wie Zahnersatz haben Sie innerhalb bestimmter Grenzen sogar einen gewissen Gestaltungsspielraum: Sie sollten immer darauf hinwirken, dass planbare hohe Ausgaben in einem Kalenderjahr entstehen. Wissen Sie zum Beispiel schon, dass Ihre Krankenkasse den Zahnersatz nicht vollständig übernehmen wird, dann sollten Sie möglichst vermeiden, dass Ihr Zahnarzt eine Rechnung im Oktober 2017 stellt und eine weitere im Januar 2018. Besser wäre es, er würde die Behandlung noch im Jahr 2017 abschließen. Die zweite Rechnung würde dann schon im Dezember 2017 kommen. Dadurch steigern Sie die Wahrscheinlichkeit, die zumutbare Belastungsgrenze zu überwinden.

Wichtig: Außergewöhnliche Belastungen werden nur auf Antrag vom Gesamtbetrag Ihrer Einkünfte abgezogen. Mit Antrag ist gemeint, dass Sie Ihre außergewöhnlichen Belastungen in Ihrer Steuererklärung angeben. Eintragen müssen Sie diese im Mantelbogen auf Seite 3 ab Zeile 61.

Diese Posten können Sie abziehen

Zu den außergewöhnlichen Belastungen zählen zahlreiche Kostenarten, beispielsweise Krankheitskosten, Kurkosten, Pflegekosten, Bestattungskosten, Wiederbeschaffungskosten nach einer Katastrophe wie einem Hochwasser sowie Unterhaltsleistungen an Bedürftige.

Krankheitskosten
Hörgerät, Brille, Rollstuhl, Akupunktur, Heilpraktikerkosten, verordnete Massagen und Zuzahlungen zu verschriebenen Medikamenten sind typische Beispiele für selbst getragene Krankheitskosten. Welche Kosten hiervon absetzbar sind und wie Sie diese belegen müssen, erfahren Sie detailliert im Ratgeber zu Krankheitskosten in der Steuererklärung.

Nicht absetzbar sind hingegen vorbeugende Maßnahmen. Von den Arzt- und Therapiekosten werden nur diejenigen berücksichtigt, die Sie nicht erstattet bekommen, zum Beispiel von Ihrer Krankenkasse. Arznei-, Heil- und Hilfsmittel müssen medizinisch notwendig und durch einen Arzt oder Heilpraktiker verordnet sein. Das gilt auch für nicht verschreibungspflichtige Medikamente. Für Arznei-, Heil- und Hilfsmittel benötigen Sie neben der Verordnung eines Arztes oder Heilpraktikers in etlichen Fällen sogar vorab ein amtsärztliches Gutachten oder eine ärztliche Bescheinigung eines Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung. Wann und wie Finanzämter einen Nachweis für bestimmte Krankheitskosten haben möchten, ist in Paragraf 64 der Einkommensteuer-Durchführungsverordnung aufgelistet.

Tipp

Alternativmedizin

Kosten für Homöopathie, Bewegungstherapien oder für Pflanzenheilkunde können als außergewöhnliche Belastungen anerkannt werden. Ein amtsärztliches Gutachten oder eine Bescheinigung des MDK ist nicht erforderlich, wenn ein Arzt oder Heilpraktiker diese Behandlungen verordnet hat (BFH, Urteil vom 26. Februar 2014, Az. VI R 27/13).

Diese Erleichterungen für Nachweise gibt es:

  • Für die Kosten einer Augen-Laser-Operation brauchen Sie kein amtsärztliches Attest.
  • Sind Sie chronisch erkrankt und brauchen Sie deshalb dauernd bestimmte Medikamente, müssen Sie eine Verordnung nur einmal vorlegen.
  • Auch die Erstattungsmitteilung der privaten Krankenkasse oder der Beihilfebescheid einer Behörde wird als Nachweis anerkannt.
  • Wenn ein Augenarzt festgestellt hat, dass eine Brille notwendig ist, reicht in den Folgejahren die Sehschärfenbestimmung durch einen Augenoptiker.

Liegt Ihr Ehegatte, eingetragener Lebenspartner oder Ihr Kind länger im Krankenhaus, dann können Sie auch die Kosten für die Besuchsfahrten ansetzen. Dazu brauchen Sie eine Bescheinigung des behandelnden Krankenhausarztes, in der er bestätigt, dass Ihr Besuch entscheidend zur Heilung oder Linderung einer Krankheit beitragen kann.

Eintragen können Sie Ihre Krankheitskosten und andere außergewöhnliche Belastungen in Zeile 67 auf Seite 3 des Mantelbogens.

Aufwendungen, die durch Diätverpflegung entstehen, sind nicht abzugsfähig.

Kurkosten
Haben Sie eine ärztliche Bescheinigung des Medizinischen Dienstes Ihrer Krankenversicherung für eine Bade- oder Heilkur, so übernimmt diese dennoch nicht die gesamten Kosten. Die selbst getragenen Aufwendungen können Sie ebenfalls als außergewöhnliche Belastungen geltend machen.

Folgende Kosten können Sie absetzen:

  • selbst getragene Arztkosten,
  • Kurmittelkosten,
  • angemessene Unterbringungskosten,
  • 80 Prozent der Verpflegungsmehraufwendungen; denn ein Fünftel wird pauschal als Haushaltsersparnis abgezogen, weil Sie vor Ort verköstigt werden und geringere Ausgaben für Lebensmittel haben,
  • Fahrtkosten für An- und Rückreise (in der Regel die Kosten für ein öffentliches Verkehrsmittel) sowie
  • unter Umständen die Fahrt- und Unterkunftskosten einer Begleitperson, falls die Begleitung notwendig ist. Dies müssen Sie vor Kurbeginn mit einem amtsärztlichen Attest nachweisen.

Sofern die Notwendigkeit einer Kur offensichtlich im Rahmen der Bewilligung von Zuschüssen oder Beihilfen anerkannt wurde, genügt bei Pflichtversicherten die Bescheinigung der Versicherungsanstalt und bei öffentlich Bediensteten der Beihilfebescheid.

Pflege-Pauschbetrag

Für diejenigen, die jemanden unentgeltlich häuslich pflegen (sogenannte Pflege-Personen) gibt es zwei Möglichkeiten für eine steuerliche Entlastung: Entweder sie machen ihre tatsächlichen Ausgaben als außergewöhnliche Belastungen geltend oder sie können den Pflege-Pauschbetrag in der Steuererklärung beantragen. Belege sind dafür nicht nötig (§ 33b Absatz 6 EStG). Der Pauschbetrag in Höhe von 924 Euro steht allen Pflege-Personen anteilig zu. Das heißt, wenn sich zwei Personen die Pflege eines Menschen teilen, hat jeder nur Anspruch auf jeweils 462 Euro.

Der Pflege-Pauschbetrag setzt voraus:

  • die Pflege eines Angehörigen oder einer nahe stehenden Person,
  • die Person muss hilflos (Behindertenausweis mit Merkzeichen „H“) oder schwerstpflegebedürftig sein (Pflegegrad 4 oder 5),
  • der Pflegebedürftige wird in seiner oder in der Wohnung der Pflege-Person betreut und
  • die Pflege erfolgt ohne jegliche Vergütung. Das Geld, das die Pflege-Person von einer Pflegeversicherung erhält, muss ausschließlich für den Pflegebedürftigen verwendet werden, beispielsweise für einen ambulanten Pflegedienst.

Pflegekosten
Die Unterbringung in einem Altersheim ist kostspielig. Für die Frage, ob die selbst getragenen Kosten steuerlich abzugsfähig sein können, kommt es darauf an, dass diese krankheitsbedingt entstehen. Eine altersbedingte Unterbringung ist hingegen für den Fiskus kein Anlass für außergewöhnliche Belastungen.

Pflegekosten können entstehen durch die Beschäftigung einer ambulanten Pflegekraft, die Unterbringung in einem Pflegeheim oder in der Pflegestation eines Altenheims oder in einem Altenpflegeheim. Sind Ihnen selbst oder Ihrem Ehepartner Pflegekosten entstanden, können diese Aufwendungen als außergewöhnliche Belastungen berücksichtigt werden.

Tipp

Haushaltsnahe Pflegeleistungen

Für den nicht abziehbaren Teil der Pflegeleistungen aufgrund der zumutbaren Belastung können Sie in Zeile 68 des Mantelbogens den Abzug als haushaltsnahe Dienstleistungen beantragen.

Die Pflegebedürftigkeit oder eine erheblich eingeschränkte Alltagskompetenz müssen Sie nachweisen. Sie brauchen dafür eine Bescheinigung (zum Beispiel Leistungsbescheid oder -mitteilung) der Pflegekasse oder des privaten Pflegeversicherers. Die gesundheitlichen Merkmale „blind“ und „hilflos“ lassen sich anhand eines Ausweises mit den Merkzeichen Bl oder H belegen. Wer nicht zu diesem Personenkreis gehört, aber ambulant gepflegt wurde, kann die Kosten ebenfalls angeben, wenn er die Rechnung eines anerkannten Pflegediensts vorlegt, in der die Pflegeleistungen gesondert ausgewiesen sind.

Pflegebedürftige übertragen der Pflegeperson im Hinblick auf ihr Alter oder eine etwaige Bedürftigkeit als Gegenleistung häufig Vermögenswerte, zum Beispiel ein Hausgrundstück. In diesem Fall sind Pflegekosten nur in der Höhe abziehbar, in der die Pflegeaufwendungen den Wert des erhaltenen Vermögens übersteigen.

Beachten Sie bitte: Wenn Sie die tatsächlichen Pflegekosten geltend machen, können Sie nicht daneben den Behinderten-Pauschbetrag in Anspruch nehmen.

Achtung

Finanzamt zieht Haushaltsersparnis ab

Haben Sie Ihre Wohnung wegen des Umzugs in ein Altenpflegeheim aufgegeben, zieht das Finanzamt eine Haushaltsersparnis von Ihren Aufwendungen ab: 24,03 Euro täglich (721 Euro monatlich, 8.652 Euro jährlich für 2016; 8.820 Euro im Jahr 2017 und 9.000 Euro im Jahr 2018). Begründet wird die Haushaltsersparnis damit, dass Sie weniger für Lebensmittel, Strom und Heizung bezahlen müssen. Nicht gekürzt werden hingegen die Kosten zur Unterbringung in einem Krankenhaus.

Sie können auch Aufwendungen abziehen, die Ihnen aus der Pflegebedürftigkeit einer anderen Person zwangsläufig entstanden sind - beispielsweise für die eigenen Eltern. In diesem Fall sollten Sie neben den von Ihnen und möglicherweise weiteren Personen (zum Beispiel von Geschwistern) getragenen Aufwendungen auch folgende Posten angeben:

  • die Gesamtkosten der Heimunterbringung,
  • die Höhe der Erstattungen von dritter Seite (zum Beispiel Pflegekasse) und
  • die Höhe der eigenen Einkünfte und Bezüge der pflegebedürftigen Person.
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Pflegekosten für die Eltern
Wenn Sie für Ihre bedürftigen Eltern die Kosten für das Alters- oder Pflegeheim zahlen müssen (Elternunterhalt), ist zu unterscheiden, ob Ihre Angehörigen aus Altersgründen oder aus gesundheitlichen Gründen stationär versorgt werden. Im letzteren Fall können Sie die selbst getragenen Kosten als allgemeine außergewöhnliche Kosten in der Steuererklärung angeben. Unterstützen Sie hingegen Ihre Eltern im Altersheim, dann sind die Aufwendungen als Unterhaltsleistungen abzugsfähig – also vom ersten Cent an. Der Unterhaltshöchstbetrag ist identisch mit dem Grundfreibetrag: 8.652 Euro für das Jahr 2016, 8.820 Euro für 2017 und 9.000 Euro im Jahr 2018.

Unterstützung bedürftiger Personen
Wenn Sie eine bedürftige Person unterstützen, für die weder Sie noch eine andere Person Anspruch auf Kindergeld bzw. Kinderfreibeträge haben, können Sie Ihre Aufwendungen bis zum Unterhaltshöchstbetrag als außergewöhnliche Belastungen steuermindernd geltend machen. Voraussetzung ist, dass Sie gegenüber der Person gesetzlich unterhaltsverpflichtet sind. Dieser Höchstbetrag steigt noch um Aufwendungen für die Basisabsicherung der unterhaltsberechtigten Person in der Krankenversicherung und der gesetzlichen Pflegeversicherung. Liegen die Einkünfte und Bezüge der unterstützten Person dagegen über dem Anrechnungsfreibetrag von 624 Euro im Jahr, zieht das Finanzamt die Differenz von Ihrem Steuervorteil ab.

Gehört die unterhaltsberechtigte Person zu Ihrem Haushalt, dann müssen Sie die Unterhaltsleistungen nicht einzeln nachweisen. Das Finanzamt geht zu Ihren Gunsten davon aus, dass Sie jährliche Ausgaben bis zum Höchstbetrag hatten.

Möglicherweise zahlen Sie nicht nur für den Unterhalt oder die Berufsausbildung der unterstützten Person, sondern kommen noch für weitere Kosten auf, zum Beispiel für Krankheit, Heimunterbringung oder andere außergewöhnliche Belastungen. Solche Kosten können Sie zusätzlich zum Höchstbetrag für Unterhaltsaufwendungen als allgemeine außergewöhnliche Belastungen geltend machen. Hierbei müssen Sie allerdings Ihre zumutbare Belastungsgrenze beachten. Dagegen kommt es beim Höchstbetrag für Unterhaltsleistungen nicht auf Ihre individuelle zumutbare Belastungsgrenze an.

Tipp

Für den Partner in wilder Ehe

Ihre Zahlungen können Sie in Ausnahmefällen selbst dann von der Steuer absetzen, wenn Sie freiwillig Unterhalt zahlen. Voraussetzung ist, dass der unterstützten Person wegen Ihrer Unterhaltsleistungen öffentliche Mittel gekürzt worden sind, die als Unterhalt gedacht waren. Diese Regelung gilt vor allem für Partner einer nichtehelichen Lebensgemeinschaft, dessen Anspruch auf Sozialhilfe und Arbeitslosengeld wegen der Unterhaltsleistungen gekürzt wurden.

Sonderbedarf bei Kindern in Berufsausbildung (Ausbildungsfreibetrag)
Befindet sich Ihr volljähriges Kind, für das Sie Anspruch auf Kindergeld beziehungsweise Kinderfreibeträge haben, in Berufsausbildung und ist es auswärtig untergebracht? Dann können Sie wegen Ihres Sonderbedarfs von einem Freibetrag in Höhe von 924 Euro pro Jahr profitieren. Der Ausbildungsfreibetrag steht jedem Elternteil grundsätzlich zur Hälfte zu, die Eltern können aber gemeinsam eine andere Aufteilung beantragen.

Allerdings wird der Ausbildungsfreibetrag monatlich berechnet, das heißt: Wenn die Voraussetzungen hierfür beispielsweise nur für neun Monate vorgelegen haben, dann steht Ihnen der Freibetrag für dieses Jahr auch nur anteilig zu – im Beispiel 693 Euro.

Bestattungskosten
Haben Sie die Beerdigung eines Angehörigen bezahlt, können sich auch diese Aufwendungen steuermindernd auswirken. Das gilt allerdings nur, soweit sie den Nachlass und etwaige Ersatzleistungen übersteigen – zum Beispiel das Sterbegeld der Krankenkassen und andere Versicherungsleistungen. Das Finanzamt berücksichtigt hierbei nur die Kosten, die unmittelbar mit der Bestattung zusammenhängen (für Grabstätte, Sarg, Blumen, Kränze oder Todesanzeigen). Kosten für die Trauerkleidung und die Bewirtung der Trauergäste sowie Reisekosten anlässlich der Bestattung erkennt der Fiskus nicht an.

Wiederbeschaffungskosten
Der Gesetzgeber sieht auch Erleichterungen vor, wenn Sie durch ein unabwendbares Ereignis – zum Beispiel Brand oder Hochwasser – existenziell notwendige Gegenstände verloren haben, zum Beispiel Hausrat und Kleidung (nicht aber Auto oder Garage). Ihre Wiederbeschaffungskosten zählen zu den außergewöhnlichen Belastungen, sofern Sie sich mit zumutbaren Maßnahmen geschützt haben. Berücksichtigt werden dann auch die notwendigen und angemessenen Kosten der Schadensbeseitigung.

Tipp

Nachlassverbindlichkeiten

Für Erben kommt im Rahmen der Erbschaftsteuererklärung ein Abzug in Form Nachlassverbindlichkeiten in Betracht. Dazu gehören unter anderem die Bestattungskosten, die Kosten für ein angemessenes Grabdenkmal und die Kosten für die übliche Grabpflege.

Ein Schaden allein reicht also noch nicht aus, sondern Sie müssen tatsächlich finanziell belastet sein. Wenn der Gegenstand nach dem Schaden noch einen Restwert hat, wird das Finanzamt Ihre Aufwendungen um diesen Wert kürzen. Außerdem müssen Sie glaubhaft machen, dass Sie den Schaden nicht verschuldet haben und dass Sie keine realisierbaren Ersatzansprüche gegen Dritte haben.

Das Finanzamt berücksichtigt Ihre Kosten außerdem nur, wenn

  • sie der Höhe nach notwendig und angemessen sind und
  • den Wert des ersetzten Gegenstands nicht übersteigen.

Falls von einem Gegenstand eine Gesundheitsgefährdung ausgeht, die Sie beseitigen mussten, kann ebenfalls eine Berücksichtigung der Kosten als außergewöhnliche Belastungen möglich sein. Voraussetzung ist, dass die Gesundheitsgefährdung nicht auf Ihr Verschulden (oder das Ihres Mieters) oder auf einen Baumangel zurückzuführen ist, beispielsweise bei Schimmelpilzbildung.

Achtung

Drei-Jahres-Frist

Der Schaden darf nicht länger als drei Jahre her sein. Bei Baumaßnahmen müssen Sie innerhalb von drei Jahren nach dem schädigenden Ereignis mit der Wiederherstellung oder der Beseitigung des Schadens begonnen haben.

Pauschbetrag für Hinterbliebene
Wenn Sie Hinterbliebenenbezüge bekommen, zum Beispiel nach dem Bundesversorgungsgesetz oder aus der gesetzlichen Unfallversicherung, können Sie einen Pauschbetrag von 370 Euro beantragen. Diesen Pauschbetrag gewährt das Finanzamt auch, wenn Ihr Recht auf die Bezüge ruht oder Sie für den Anspruch auf die Bezüge eine Abfindung in Form einer einmaligen Entschädigung erhalten haben.

Als Nachweis brauchen Sie amtliche Unterlagen, zum Beispiel den Rentenbescheid des Versorgungsamts oder eines Trägers der gesetzlichen Unfallversicherung. Nicht als Nachweis ausreichend ist dagegen der Rentenbescheid eines Trägers der gesetzlichen Rentenversicherung der Arbeiter und Angestellten.

Pauschbeträge für Behinderte

Wer behindert ist, darf wählen: Er kann die mit der Behinderung zusammenhängenden Kosten einzeln nachweisen oder einen Pauschbetrag in Anspruch nehmen. Mit dem Pauschbetrag sind folgende Aufwendungen abgegolten:

Tipp

Übertragung des Pauschbetrags

Der Hinterbliebenen-Pauschbetrag, der einem Kind zusteht, kann auf die Eltern übertragen werden (Anlage Kind, Seite 3, Zeile 64 bis 66).

  • Kosten für die Hilfe bei den gewöhnlichen und regelmäßig wiederkehrenden Verrichtungen des täglichen Lebens,
  • Ausgaben für einen erhöhten Wäschebedarf und
  • die Pflegeaufwendungen.

Wer sich für den Pauschbetrag entscheidet, kann seine Pflegekosten nicht als außergewöhnliche Belastungen ansetzen. Auch die Steuerermäßigung für Pflegeleistungen im Haushalt darf man dann nicht für sich beanspruchen.

Wer die Kosten einzeln nachweisen möchte, trägt diese ab Zeile 67 des Hauptvordrucks ein.

Der Pauschbetrag ist gestaffelt nach dem Grad der Behinderung (§ 33b EStG):

Pauschbeträge bei Behinderung

Grad der Behinderung Höhe des Pauschbetrags
von 25 und 30 310 €
von 35 und 40 430 €
von 45 und 50 570 €
von 55 und 60 720 €
von 65 und 70 890 €
von 75 und 80 1.060 €
von 85 und 90 1.230 €
von 95 und 100 1.420 €

Wer blind, hilflos oder schwerstpflegebedürftig ist, erhält einen Pauschbetrag von 3.700 Euro jährlich.

Der Grad der Behinderung ist in der Steuererklärung ab Zeile 61 anzugeben. Wer zum ersten Mal einen Behinderten-Pauschbetrag beansprucht, muss dem Finanzamt Nachweise erbringen. Diese gibt es von der Behörde, die für die Durchführung des Bundesversorgungsgesetzes zuständig ist, zum Beispiel dem Versorgungsamt.

Sie können beantragen, dass der Behinderten-Pauschbetrag für ein Kind oder Enkelkind, für das Sie Anspruch auf Kindergeld haben, auf Sie übertragen wird. Diesen Antrag stellen Sie, indem Sie auf der Anlage Kind die Zeilen 64 bis 66 ausfüllen. Unabhängig von einer Übertragung des Behinderten-Pauschbetrags können Eltern ihre eigenen zwangsläufigen Aufwendungen für ein behindertes Kind als außergewöhnliche Belastungen abziehen. Sollte Ihr behindertes Kind eine Privatschule besuchen, ist auch das Schulgeld abziehbar, wenn die zuständige oberste Landeskultusbehörde oder die von ihr bestimmte Stelle bestätigt, dass der Besuch der Privatschule erforderlich ist. Entsprechende Angaben machen Sie in der Anlage Kind ab Zeile 61.

Wenn behinderte Menschen mit einem Grad der Behinderung von weniger als 50 einen Pauschbetrag beanspruchen möchten, müssen sie folgende Voraussetzungen erfüllen:

  • wegen der Behinderung muss ein gesetzlicher Anspruch auf Rente bestehen (zum Beispiel Unfallrente, nicht aber aus der gesetzlichen Rentenversicherung) oder auf andere laufende Bezüge
  • die Behinderung hat zu einer dauernden Einbuße der körperlichen Beweglichkeit geführt oder beruht auf einer typischen Berufskrankheit.
Tipp

Zusätzliche Kosten

Die Pauschbeträge decken nur solche Aufwendungen ab, die behinderten Menschen erfahrungsgemäß entstehen und deren alleinige behinderungsbedingte Veranlassung nur schwer nachzuweisen ist. Besondere einmalig anfallende Kosten können Sie zusätzlich zum Pauschbetrag steuerlich geltend machen. Dazu gehören zum Beispiel Kosten einer Operation, Aufwendungen für Heilkuren, für Heilbehandlungen, Arzneimittel und bestimmte Kfz-Kosten.

Auch Fahrtkosten können angesetzt werden, wenn sie durch die Behinderung entstehen. Das Finanzamt unterscheidet dabei die folgenden Fälle:

  • Bei einem Grad der Behinderung von mindestens 80 beziehungsweise mindestens 70 bei Geh- und Stehbehinderten (Merkzeichen G oder orangefarbener Flächenaufdruck im Schwerbehindertenausweis) werden ohne Nachweis 900 Euro anerkannt (= 3.000 Kilometer mit einem Satz von 30 Cent pro Kilometer).
  • Bei außergewöhnlich Gehbehinderten, die sich außerhalb des Hauses nur mit Hilfe eines Fahrzeugs bewegen können (Merkzeichen „aG”), sowie bei hilflosen, blinden oder stark pflegebedürftigen Personen erkennt das Finanzamt alle Privatfahrten an (regelmäßig bis zu 15.000 Kilometer jährlich). Die tatsächliche Fahrleistung müssen Sie in diesem Fall aber nachweisen oder glaubhaft machen.

Falls Sie zusätzlich Kosten für die Nutzung anderer Verkehrsmittel wie Taxis ansetzen, kürzt das Finanzamt diese entsprechend. Grundlage dafür ist die oben genannte angemessene jährliche Fahrleistung von 3.000 Kilometern (beziehungsweise 15.000 Kilometern bei den Merkzeichen aG, BI oder H).

Sofern Sie Ihr Auto behindertengerecht umgerüstet haben, können Sie die Kosten dafür ebenfalls als außergewöhnliche Belastungen angeben. Darüber hinaus können Sie auch behinderungsbedingte Um- oder Neubaukosten eines Hauses oder einer Wohnung absetzen.

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Wie mit Scheidungskosten umzugehen ist

Bis 2012 konnte man die Scheidungskosten noch als klassische außergewöhnliche Belastungen in seiner Steuererklärung angeben. Nach einer gesetzlichen Änderung sind seit 2013 Zivilprozesskosten ausdrücklich nicht mehr absetzbar. Einzige Ausnahme: Der Steuerzahler musste einen Prozess führen, um eine Bedrohung seiner Existenz abzuwenden.

Ob dieses gesetzliche Verbot auch für die scheidungsbedingten Gerichts- und Anwaltskosten gilt, war lange umstritten. Einige Finanzgerichte urteilten zugunsten der Steuerpflichtigen (zum Beispiel: FG Rheinland-Pfalz, Urteil vom 16. Oktober 2014, Az. 4 K 1976/14 und FG Köln, Urteil vom 13. Januar 2016, Az. 14 K 1861/15; Revision beim Bundesfinanzhof unter Az. VI R 9/16). Nun hat auch das höchste deutsche Steuergericht, der Bundesfinanzhof, entschieden, dass zumindest die unvermeidbaren Prozesskosten einer Scheidung absetzbar sind (Urteil vom 4. August 2016, Az. VI R 63/14) – und zwar die Gerichts- und Anwaltskosten für die Scheidung selbst und für den Versorgungsausgleich. Nicht absetzbar sind die Kosten für weitere Streitigkeiten wie den Zugewinnausgleich, Vermögenauseinandersetzungen, Unterhalt oder Streit um die Kinder.

Wenn Sie frisch geschieden sind, sollten Sie daher die Rechtsanwalts- und die Gerichtskosten der Scheidung als außergewöhnliche Belastungen in der Steuererklärung ansetzen – zumindest für die Scheidung selbst und den nur gerichtlich durchsetzbaren Versorgungsausgleich. Lehnt das Finanzamt den Abzug ab, legen Sie binnen eines Monats Einspruch ein.

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Finanztip-Chefredakteur
Hermann-Josef Tenhagen

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Artikel verfasst von

Udo Reuß

Finanztip-Experte für Steuern

Der Steuerrechtler und Diplom-Kaufmann Udo Reuß ist bei Finanztip für Steuerthemen verantwortlich. Zuvor war er bei verschiedenen Wirtschafts- und Fachverlagen wie Handelsblatt, F.A.Z.-Verlagsgruppe, Haufe-Lexware und Vogel Business Media tätig – 14 Jahre davon arbeitete er als Chefredakteur von Fachzeitschriften. Aus dem komplexen Steuerrecht zieht er die relevanten Urteile für Steuersparer. Den Autor erreichen Sie unter redaktion@finanztip.de.