Erbrecht

So setzen Sie Ihr Testament auf

Das Wichtigste in Kürze

  • Wer seinen Nachlass selbst regeln will, kann ein Testament aufsetzen.
  • Ein eigenhändiges Testament ist nur wirksam, wenn der Erblasser es handschriftlich verfasst und persönlich unterschreibt.
  • Als Alternative dazu können Erblasser auch zu einem Notar gehen und ein sogenanntes öffentliches Testament errichten.
  • Das eigenhändige Testament ist flexibler, ein öffentliches hingegen sicherer, da der Notar nach einer Beratung den Willen des Erblassers rechtssicher formuliert und es amtlich verwahren lässt.

So gehen Sie vor

  • Finden Sie heraus, wer in Ihrer Familie wie viel nach der gesetzlichen Erbfolge erben würde.
  • Sind Sie damit nicht einverstanden, müssen Sie ein Testament verfassen.
  • Achten Sie dabei auf die Form: Sie müssen es selbst schreiben, Datum und Ort angeben und mit vollem Namen unterschreiben.
  • Um sicher zu gehen, dass das Testament auch gefunden wird, können Sie es beim Amtsgericht hinterlegen.
  • Haben Sie viel zu vererben und zählen dazu auch Immobilien oder leben Sie in einer besonderen familiären Situation, wenden Sie sich am besten an einen Notar.
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In den kommenden zehn Jahren werden in Deutschland enorme Summen vererbt. Das Deutsche Institut für Altersvorsorge geht von 3,1 Billionen Euro aus. Je höher der Nachlass, desto größer das Streitpotenzial. Mit einem Testament und einer guten Nachlassplanung lässt sich Streit innerhalb der Familie in Grenzen halten.

Jeder kann durch ein Testament oder einen Erbvertrag selbst bestimmen, wer erben soll und wer nicht. Jeder vierte Deutsche hält das so. In allen anderen Fällen greift die gesetzliche Erbfolge, die in vielen Familien zu einer gerechten Verteilung des Nachlasses führt. Bevor Sie also Ihren letzten Willen aufschreiben, sollten Sie überprüfen, wer nach der gesetzlichen Erbfolge erben würde. Sind Sie damit nicht in allen Punkten einverstanden, möchten Sie einen Angehörigen enterben oder möchten Sie jemanden bedenken, der nicht zur Familie gehört, dann müssen Sie ein Testament aufsetzen.

So errichten Sie ein eigenhändiges Testament

Wer etwas zu vererben hat, kann ein Testament aufsetzen, indem er eine eigenhändig verfasste und unterschriebene Erklärung zu Papier bringt (§ 2247 BGB).

Form -  Sie müssen den gesamten Text selbst mit der Hand schreiben und unterzeichnen, da sich nur anhand der individuellen Züge der Handschrift die Echtheit des Testaments überprüfen lässt. Es genügt nicht, den Text am Computer aufzusetzen, auszudrucken und dann zu signieren. Unterschreiben Sie mit Vornamen und Nachnamen. Umfasst das Testament mehrere Seiten, sollte es auf jeder Seite rechts unten unterzeichnet sein.

Jeder Erblasser sollte in der Erklärung angeben, wann und an welchem Orte er seinen letzten Willen niedergeschrieben hat. Das ist wichtig, falls mehrere Testamente auftauchen. Denn ein jüngeres Testament hebt ein älteres auf. Fehlen die Angaben, ist es zwar nicht unwirksam, es können dadurch aber Zweifel an der Gültigkeit aufkommen.

Unwirksam ist also ein Testament, das eine dritte Person geschrieben hat und dann vom Erblasser unterzeichnet wurde, etwa weil die Hand des Testierenden schon sehr zittrig war (OLG Frankfurt/Main, Beschluss vom 12. Dezember 2013, Az. 20 W 281/12).

Ehegatten dürfen hingegen für einander unterzeichnen. Das geht, indem sie ein gemeinschaftliches Testament aufsetzen. Dieses muss zumindest ein Ehepartner eigenhändig schreiben und der andere Ehepartner braucht es nur noch unterschreiben (§ 2267 BGB).

Auslegung - Bei Dokumenten, die nicht mit „Testament“ oder „Mein letzter Wille“ überschrieben sind, ist es bisweilen nicht eindeutig, ob der Verfasser wirklich seinen Nachlass regeln wollte. Definitiv nicht als Testament gilt eine entsprechend gekennzeichnete Erklärung, falls der Erblasser im Rahmen einer Patientenverfügung oder Vorsorgevollmacht jemand anders eine Generalvollmacht erteilt hat, die auch über den Tod hinaus wirksam ist (OLG Frankfurt/Main, Beschluss vom 11. Juni 2015, Az. 20 W 155/15).

Ihr Vorsorge-Check

Britta Schön
von Finanztip,
Expertin für Recht

Wichtige Vorsorgedokumente:

Nachträgliche Ergänzungen - Der Verfasser kann ein bestehendes Testament nachträglich ergänzen. Diese Nachträge sollte er mit Ort und aktuellem Datum sowie Vor- und Familiennamen unterzeichnen, um spätere Schwierigkeiten und Rechtstreitigkeiten unter den Begünstigten zu vermeiden.

Verwahrung - Derjenige, der ein eigenhändiges Testament nach dem Tod des Erblassers findet, ist verpflichtet, es beim Nachlassgericht abzuliefern (§ 2259 BGB). Besser ist es, wenn Sie Ihr eigenhändiges Testament beim Amtsgericht an Ihrem Wohnort offiziell verwahren lassen (§ 2248 BGB). So gehen Sie sicher, dass es gefunden und nicht gefälscht wird. Die Hinterlegung beim Nachlassgericht kostet bundesweit einheitlich 75 Euro. Angesichts der geringen Kosten ist es durchaus ratsam, den letzten Willen sicher verwahren zu lassen. In Baden-Württemberg sind die Notariate zuständig.

Minderjährige - Wer noch nicht volljährig, aber mindestens 16 Jahre alt ist, kann ebenfalls ein Testament machen, allerdings nur vor einem Notar. Menschen, die nicht lesen können, können kein eigenhändiges Testament errichten (§ 2247 Abs. 4 BGB).

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So errichten Sie ein öffentliches Testament

Ein öffentliches oder notarielles Testament müssen Sie bei einem Notar errichten. Dazu können Sie in seiner Kanzlei Ihren letzten Willen erklären, den dieser dann dokumentiert. Sie dürfen Ihr Testament aber auch selbst verfassen oder verfassen lassen und dann diese Schrift mit Ihrem letzten Willen einem Notar übergeben (§ 2232 BGB).

Kosten - Für das notarielle Testament müssen Sie eine Gebühr zahlen, die sich nach dem Wert Ihres Vermögens richtet, über das Sie zum Zeitpunkt der Errichtung des Testaments verfügen. Beläuft sich Ihr Nachlass zum Beispiel auf 25.000 Euro, fallen Gebühren in Höhe von 115 Euro; bei einem Nachlasswert von 100.000 Euro zahlt der Erblasser 273 Euro, jeweils zuzüglich Auslagen und Mehrwertsteuer.

Vor- und Nachteile eines öffentlichen und eigenhändigen Testaments

Beide Testamentsarten haben zwar den gleichen Rang, es gibt aber jeweils Vor- und Nachteile.

Das können Sie im Testament alles regeln

In Ihrem Testament können Sie selbst bestimmen, wer etwa Erbe werden und wer nur den Pflichtteil erhalten soll, ob Sie jemandem einen besonderen Gegenstand vermachen wollen und wer an die Stelle eines Erben treten soll, falls dieser inzwischen ebenfalls verstorben ist. Das sind nur Beispiele – darüber hinaus können Sie viele weitere Dinge in Ihrem letzten Willen regeln. Wichtig ist immer, dass die Formulierungen klar und eindeutig sind.

Vorausvermächtnis oder Teilungsanordnung - Will der Erblasser einem Erben einen bestimmten Vermögensgegenstand vermachen, muss er deutlich machen, ob diese Zuwendung auf den Erbteil angerechnet werden soll oder nicht.

Beispiel: Der Erblasser will beide Kinder zu Erben einsetzen, die Tochter soll das Wertpapierdepot bekommen. Ist dieser Punkt unklar formuliert, stellt sich die Frage, ob das Depot auf den Erbteil angerechnet werden soll oder aber ob sie das Depot zusätzlich zu ihrem Erbteil erhalten soll. Letztere Regelung wäre ein sogenanntes Vorausvermächtnis (§ 2150 BGB).

So könnte ein Vorausvermächtnisses formuliert sein:
„Meine beiden Kinder setze ich zu meinen Vollerben jeweils zu gleichen Teilen ein. Meine Tochter erhält darüber hinaus im Wege des Vorausvermächtnisses, also ohne Anrechnung auf ihren Erbteil, mein Wertpapierdepot.“

Eine Teilungsanordnung könnte dagegen so formuliert sein (§ 2048 BGB):
„Meine beiden Kinder setze ich zu meinen Vollerben jeweils zu gleichen Teilen ein. Meine Tochter erhält im Wege der Teilungsanordnung und somit in Anrechnung auf ihren Erbteil mein Wertpapierdepot.“

Ersatzerben im Testament benennen - Erben kann nur, wer Sie als Erblasser überlebt. Da niemand in die Zukunft schauen kann, ist nicht auszuschließen, dass der eingesetzte Erbe vor Ihnen verstirbt. Bestimmen Sie daher im Testament bei Bedarf einen oder mehrere Ersatzerben (§ 2096 BGB).

Beispiel:
„Hiermit setze ich meinen einzigen Sohn zu meinem Alleinerben ein, ersatzweise meine einzige Schwester.“

Testamentsvollstrecker bestimmen - Der Erblasser kann im Testament einen Testamentsvollstrecker bestimmen, der den letzten Willen des Verstorbenen ausführen soll. Ein Testamentsvollstrecker hilft, das Erbe zu verwalten und zu verteilen, er soll Streit zwischen den Erben verhindern. Anstelle der Erben nimmt er den Nachlass für die Zeit der Abwicklung in Besitz und darf über den Nachlass verfügen. Wie weit seine Befugnisse gehen, richtet sich nach dem, was im Testament angeordnet ist.

Beispiel:
„Zum Testamentsvollstrecker bestimme ich Herrn A. Er soll die Auseinandersetzung unter den Miterben bewirken und für die Erfüllung der Vermächtnisse und Auflagen sorgen.“

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Artikel verfasst von

Dr. Britta Beate Schön

Finanztip-Expertin für Recht

Britta Beate Schön ist bei Finanztip für sämtliche Rechtsthemen zuständig. Die promovierte Juristin und Rechtsanwältin war als Leiterin der Rechtsabteilung bei Finanzdienstleistern wie der Telis Finanz AG und der Interhyp tätig. Vorher lehrte und forschte sie in Japan als DAAD-Junior-Professorin für deutsches und Europarecht. Ihr Studium absolvierte sie in Münster, Genf, Regensburg und Leipzig. Die Autorin erreichen Sie unter redaktion@finanztip.de.

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