Zinsentwicklung

So geht es mit den Zinsen weiter

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Zinsentwicklung wird vor allem von den Entscheidungen der Europäische Zentralbank (EZB) beeinflusst.
  • Zurzeit liegt der Leitzins der Europäischen Zentralbank bei 0 Prozent und der Zins, zu dem Banken Geld bei der EZB parken können, bei minus 0,4 Prozent.
  • Die Zinsen für Tagesgeld, Festgeld, Raten- und Baukredite sind deshalb besonders niedrig. Das ist gut für Kreditnehmer, aber schlecht für Sparer.
  • Im Laufe des Jahres 2018 dürften die Zinsen allmählich wieder steigen.

So gehen Sie vor

  • Falls Sie gerade einen Kredit aufnehmen möchten oder Geld anlegen wollen, sollten Sie prüfen, ob die EZB zeitnah die Zinsen verändern könnte.
  • Bei einem Zinsanstieg kann es sich lohnen, mit der Geldanlage noch etwas zu warten; bei einem Kredit sollten Sie sich dagegen beeilen.
  • Gerade bei langfristigen Verträgen sollten Sie stets prüfen, wie sich Zinsänderungen auf den Vertrag auswirken. Weitere Erläuterungen dazu finden Sie in unseren Artikeln zu Tagesgeldzinsen, Festgeldzinsen und Hypothekenzinsen.
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Wenn Sie einen Kredit aufnehmen oder Geld langfristig anlegen möchten, sollten Sie stets auch einen Blick auf die aktuelle Zinsentwicklung werfen und sich die Prognosen zur weiteren Entwicklung anschauen: Je nachdem, ob die Zinsen absehbar steigen oder sinken, kann es sinnvoll sein, die Kreditaufnahme oder die Sparentscheidung eher noch etwas aufzuschieben oder sich im Gegenteil zu beeilen.

Gleiche Zinsentwicklung bei Finanzierungen und beim Sparen

Wer die Zinsentwicklung etwa bei Hypothekenzinsen mit den Tagesgeldzinsen oder Festgeldzinsen vergleicht, stellt sehr schnell fest: Die Zinssätze sind zwar unterschiedlich hoch, die Zinsentwicklung ist aber bei Kredit- und Sparprodukten ähnlich. Grundsätzlich gilt: Für Spareinlagen wie Tagesgeld und Festgeld erhalten Verbraucher im Schnitt viel geringere Zinsen, als sie für Kredite zahlen müssen. Und Ratenkredite sind im Durchschnitt teurer als Baukredite.

Welche Zinsentwicklung absehbar ist, zeigen wir Ihnen spezifisch für die einzelnen Produkte:

  • Die aktuelle Zinsentwicklung und Zinsprognose bei der Baufinanzierung erläutern wir in unserem Artikel zu Hypothekenzinsen.
  • Wie sich die Zinsen beim täglich verfügbaren Tagesgeld entwickeln, erfahren Sie in unserem Artikel zu Tagesgeldzinsen.
  • Wer sich etwas länger festlegen kann, sollte sich über die Zinsentwicklung bei Festgeldzinsen informieren.

Die unterschiedlichen Zinshöhen lassen sich auch an den Zahlen der Bundesbank zur Zinsentwicklung in den vergangenen Jahren ablesen. Die nachfolgende Grafik zeigt den Verlauf der Zinssätze, die Banken ihren Kunden in den vergangenen Jahren angeboten haben, einerseits bei Baukrediten (also als Hypothekenzinsen), andererseits bei Sparangeboten mit einer Kündigungsfrist bis zu drei Monaten, also etwa für Guthaben auf dem Sparbuch.

Die Bundesbank setzt allerdings selbst keine Zinssätze fest, sondern lässt sich die aktuellen Zinssätze nur von Geschäftsbanken melden. Daraus erstellt sie dann Zeitreihen zur Zinsentwicklung.

Wie hoch der Zins gerade ausfällt, hängt entscheidend von der Menge an Geld ab, die Privatpersonen, den Unternehmen und dem Staat in der Wirtschaft insgesamt zur Verfügung steht. Für die Steuerung dieser Geldmenge sind grundsätzlich die Notenbanken zuständigen, im Euro-Raum also die Europäische Zentralbank (EZB).

Leitzinsen bestimmen die Zinsentwicklung

Die Europäische Zentralbank macht den Geschäftsbanken keine Vorgaben über die Zinssätze, die diese von ihren Kunden verlangen oder ihnen zahlen dürfen. Allerdings legt sie mit den Leitzinsen fest, zu welchen Zinssätzen sie Geld an die Geschäftsbanken verleiht. Wenn die Zentralbank also etwa 0,25 Prozent Zinsen für Geld verlangt, das sich eine Geschäftsbank bei ihr über Nacht beschaffen kann, dann zahlt die Geschäftsbank in der Regel auch nur maximal diesen Zinssatz für Sparguthaben, die ihre Kunden sich täglich auszahlen lassen können, also etwa Tagesgeld.

Die Zinsentscheidungen der Europäischen Zentralbank bestimmen also die allgemeine Zinsentwicklung und damit indirekt auch die Entwicklung der Spar- und Kreditzinsen für Verbraucher: Liegen die Leitzinsen der EZB bei null, so zahlen die Banken in der Mehrheit auch keine Zinsen mehr auf täglich verfügbare Guthaben. Höhere Zinsen erhalten Verbraucher dann meist nur noch von Banken, die mit Aktionsangeboten neue Kunden gewinnen möchten oder die gerade eine hohe Kreditnachfrage bewältigen müssen.

Die Zinsentwicklung der vergangenen Jahre war insgesamt vorteilhaft für Kreditnehmer und nachteilig für Sparer: Von einer kleinen Unterbrechung im Jahr 2011 abgesehen, hat die EZB die Zinsen in den vergangenen Jahren immer weiter gesenkt. Der wichtigste Leitzins, der sogenannte Hauptrefinanzierungssatz, liegt seit März 2016 bei 0 Prozent.

Der Einlagesatz, zu dem Banken überschüssiges Guthaben bis zum nächsten Geschäftstag im Eurosystem anlegen können, liegt sogar bei minus 0,4 Prozent. Geschäftsbanken müssen also selbst keine Zinsen mehr für Geld von der Zentralbank zahlen, aber sogar eine Art Verwahrgebühr entrichten, wenn sie selbst Geld bei der EZB anlegen wollen.

Zinsentwicklung und Zinserwartung sinnvoll nutzen

Wollen Sie die Zinsentwicklung für Ihre finanziellen Entscheidungen nutzen, können Sie einerseits versuchen, einen möglichst günstigen Zeitpunkt für den Einstieg zu finden. Steht also eine Zinsentscheidung der Europäischen Zentralbank unmittelbar bevor und ist mit einem Zinsanstieg zu rechnen, sollten Sie etwa mit der Festgeldanlage noch etwas warten. Benötigen Sie dagegen gerade Geld, sollten Sie in dieser Situation den Kreditantrag möglichst kurzfristig stellen, um noch vom niedrigeren Zinsniveau zu profitieren. Dies gilt besonders bei der Baufinanzierung, wo die Kreditsummen besonders hoch sind und die Kredite besonders lange laufen.

Allerdings dürften solche Situationen, in denen Sie kurzfristig Zinsentscheidungen der Zentralbank für sich nutzen können, eher die Ausnahme sein. Meistens bleibt das Zinsniveau für einige Tage oder Wochen relativ konstant. Dann sind Faktoren wie ein umfassender Vergleich der Angebote von Krediten oder Tagesgeldzinsen viel wichtiger als die allgemeine Zinsentwicklung. Haben Sie gut verglichen und wissen Sie, welches Angebot Sie nutzen möchten, sollten Sie dann aber auch nicht länger zögern.

Wichtig wird die Zinsentwicklung dagegen bei der Frage, für wie lange Sie sich festlegen wollen. Rechnen Sie etwa mit steigenden Zinsen, sollten Sie genau überlegen, welche Anlagedauer Sie wählen. Es kann günstiger sein, sich bei niedrigen Zinsen zunächst für eine kürzere Anlagedauer zu entscheiden und erst einen Zinsanstieg abzuwarten.

Das zeigt das nachfolgende Beispiel: Wir gehen davon aus, dass der Anleger vor der Entscheidung steht, für eine Summe von 10.000 Euro entweder ein Festgeldangebot über 36 Monate zu nutzen oder den Betrag zunächst für ein Jahr festzulegen und dann nach einem absehbaren Zinsanstieg um 0,25 Prozent ein Festgeld über 24 Monate abzuschließen.

Vergleich Festgeld für 36 Monate anlegen und Festgeld 12 + 24 Monate

  Festgeld 36 Monate     Festgeld 12 + 24 Monate  
Jahr Zinssatz Zinsertrag   Zinssatz Zinsertrag
Jahr 1 1,1 % 110,00 €   0,8 % 80,00 €
Jahr 2 1,1 % 111,21 €   1,35 % 136,08 €
Jahr 3 1,1 % 112,43 €   1,35 % 137,92 €
           
Zinsertrag insgesamt   333,64 €     354,00 €

Quelle: Finanztip-Berechnung (Stand: 19. Oktober 2017)

In diesem Beispiel ist eine spätere Anlage die bessere Strategie. Fällt der Zinsanstieg allerdings geringer aus oder kommt er später, kann auch die sofortige Anlage mehr Zinsen bringen. Insgesamt wird deutlich, dass der Unterschied bei einem niedrigen Zinsniveau und einem Anlagebetrag von 10.000 Euro insgesamt nicht besonders groß ist. Auch hier gilt: Je höher die Anlagesumme und je länger die Laufzeit, umso wichtiger wird die Zinsentwicklung.

Die Entscheidung über eine Zinsbindung von fünf, zehn oder fünfzehn Jahren bei der Baufinanzierung ist also ungleich wichtiger als Zinsentwicklungen beim Festgeld. Ähnlich bedeutsam ist die Zinsentwicklung bei einem Bausparvertrag: Steigen die Zinsen nicht wie erwartet, verliert das Bauspardarlehen seinen wichtigsten Vorteil.

Wie die aktuelle Zinsprognose aussieht

Um die Finanzkrise 2008/09 zu bewältigen, hat die Europäische Zentralbank die Zinsen schrittweise immer weiter gesenkt. Ziel der Zentralbank war es, das Wirtschaftswachstum zu fördern und die Inflation in die Nähe der Richtmarke von knapp unter 2 Prozent pro Jahr zu bringen. Aktuell liegt der wichtigste EZB-Zinssatz bei 0 Prozent.

Aktuelle Zinssätze der Europäischen Zentralbank (EZB)

Bezeichnung der Zinssätze Einlagefaszilität / Einlagezins Hauptfinanzierungsgeschäfte Spitzenrefinanzierungsfaszilität
Aktueller Zinssatz -0,4 % 0,00 % 0,25 %
Geschäftsbanken können damit... Geld über Nacht bei der EZB anlegen Geld gegen Sicherheiten bei der EZB leihen Geld über Nacht bei der EZB beschaffen

Quelle: Europäische Zentralbank (Stand: 25. Oktober 2017)

Als weitere geldpolitische Maßnahme hat die EZB im Frühjahr 2015 begonnen, Staatsanleihen und Anleihen privater Unternehmen aufzukaufen. Damit folgte die Euro-Notenbank ihrem US-amerikanischen Gegenstück, der Federal Reserve (Fed). Die Fed hatte nach der Finanzkrise 2008/09 ebenfalls die Zinsen gesenkt und Anleihen gekauft, um die US-Wirtschaft zu stabilisieren.

Aufgrund der positiven wirtschaftlichen Entwicklung hat die US-Notenbank ihren geldpolitischen Kurs wieder geändert: Im Oktober 2014 beendete sie die Käufe von Anleihen und im Dezember 2015 beendete sie die Nullzins-Phase. Erstmals seit Dezember 2008 erhöhte sie den Zielkorridor für den Leitzins. Er lag nach diesem ersten Zinsschritt bei 0,25 bis 0,5 Prozent. Seitdem hat die Fed den Leitzins in drei Schritten von je 0,25 Prozentpunkten angehoben. Der Zielkorridor für den Leitzins liegt zurzeit bei 1 bis 1,25 Prozent.

Für die Zinsentwicklung in der Euro-Zone bedeutet das: Da die US-Wirtschaft die Zinswende der Notenbank gut verkraftet hat, dürfte auch die EZB in den kommenden Jahren einen ähnlichen geldpolitischen Kurs einschlagen. Demnach könnte die Notenbank zunächst die Anleihekäufe beenden, bevor sie in mehreren Schritten die Zinsen erhöht. Als Zeitpunkt für das Ende der Anleihekäufe haben sich die Notenbanker bereits auf das Jahresende 2017 festgelegt. Wie der Ausstieg aus der expansiven Geldpolitik (das sogenannte Tapering) genau aussieht, will die Bank Ende Oktober 2017 bekanntgeben.

Verläuft die Zinsentwicklung im gleichen Tempo wie bei der US-Notenbank, dann sähen die einzelnen Schritte etwa so aus wie in der nachfolgenden Tabelle.

Zinsentwicklung in der Euro-Zone – Vorbild USA?

Jahr   2008 2010 2013 2014 2015 2016
US-Notenbank   Erste Anleihekäufe Ausweitung Anleihekäufe Diskussion über Ende Anleihekäufe Ende der Anleihekäufe Erster Zinsschritt Zweiter Zinsschritt
               
Jahr   2015 2016 2017 2018 (?) 2019 (?) 2020 (?)
EZB   Erste Anleihekäufe Ausweitung Anleihekäufe Diskussion über Ende Anleihekäufe Ende der Anleihekäufe Erster Zinsschritt Zweiter Zinsschritt

Quelle: Finanztip-Berechnung (Stand: 19. Oktober 2017)

Fazit: Zinsentwicklung im Blick behalten

Für Verbraucher ist die Zinsentwicklung einerseits eine wichtige Grundlage für wirtschaftliche Entscheidungen, andererseits sind einzelne Zinsentscheidungen der EZB selbst für Experten kaum vorhersehbar. Ausgehend von den geldpolitischen Zielen der EZB und der angekündigten Strategie dürften die Zinsen zunächst noch etwas auf dem bisherigen Niveau bleiben, bevor die EZB sie dann schrittweise anhebt.

Ob die Zinsen auf das Vorkrisen-Niveau von 4 bis 5 Prozent zurückkehren, lässt sich allerdings noch nicht vorhersagen. Damit ist auch nicht sicher, ob ein Bausparvertrag oder eine lange Zinsbindung bei der Baufinanzierung ein lohnendes Geschäft ist.

Mehr dazu im Ratgeber Baufinanzierung

Dirk Eilinghoff
Experte für Baufinanzierung

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Finanztip-Chefredakteur
Hermann-Josef Tenhagen

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Artikel verfasst von

Dirk Eilinghoff

Finanztip-Experte für Bankprodukte

Als Teamleiter Bankprodukte ist Dirk Eilinghoff bei Finanztip für die Themen Geldanlage und Altersvorsorge zuständig. Erfahrungen in diesem Bereich bringt er mit aus seiner Arbeit als selbstständiger Finanz- und Honorarberater. In früheren Jahren leitete der studierte Historiker und Diplom-Kaufmann gemeinnützige Projekte bei der Bertelsmann Stiftung und der Körber-Stiftung.