Wie ein Smart Meter den Stromverbrauch bei Finanztip erhellt

Wie ein Smart Meter den Stromverbrauch bei Finanztip erhellt

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Im Herbst verbrauchen wir zunehmend mehr (17. November 2017)

Unser Stromverbrauch wächst. Im Oktober waren es 778 Kilowattstunden, 10 Prozent mehr als im September. Das liegt wohl am Herbst, der Jahreszeit, in der die Sonne immer weniger am Himmel steht. Es brennen aber nicht nur die Lampen im Büro länger. Wir haben auch neue angeschafft, deren Licht deutlich stärker ist. Dafür benötigen sie auch ein bisschen mehr Strom.

Die alten Leuchtstofflampen hatten 6 oder 11 Watt Leistung und entsprachen Effizienzklasse A. Zwölf LED-Lampen Effizienzklasse A+ sind an ihre Stelle getreten. Gemessen an ihrer Leuchtkraft verbrauchen sie weniger Strom als die Leuchtstofflampen. Die Leistung jeder einzelnen Lampe beträgt aber 20 Watt. Alle zusammen brauchen damit mehr als das Doppelte der Leistung der trüben Leuchtstofflampen, die zuvor von der Decke funzelten. Schalten wir die neuen Lampen für vier Stunden am Tag an, ergibt sich ein Stromverbrauch von rund einer Kilowattstunde.

Mehr Licht, mehr heißes Wasser

Die neuen Lampen sind nicht allein der Grund für den höheren Verbrauch im Oktober, sondern dass wir alle Lampen häufiger und länger einschalten, seitdem es draußen früher dunkel wird. Auch trinken wir mehr Tee und machen häufiger Essen in der Küche warm.

Dass der höhere Stromverbrauch nicht an unserer Klimaanlage liegt, nicht am Server oder anderen großen Verbrauchern, die über Stunden täglich laufen, soll eine kleine Analyse deutlich machen. In der Tabelle sind die Mittelwerte des täglichen Stromverbrauchs von Montag bis Freitag und an Wochenenden sowie Feiertagen dargestellt:

Stromverbrauch im Mittel Arbeitstag Wochenende/Feiertag
September 27 kWh 16 kWh
Oktober 28 kWh 17 kWh
November (bis 15. November) 32 kWh 16 kWh

Quelle: Finanztip-Erhebung (Stand: 15. November 2017)

Zu erkennen ist: Der Stromverbrauch am Wochenende, wenn kaum einer arbeitet, ist stabil. Von Montag bis Freitag steigt er im Mittel dagegen an.

Unsere Grundlast ist auf ähnlichem Niveau wie im September. Damit ist es eindeutig: Der höhere Verbrauch geht vorwiegend auf all jene Geräte zurück, die im Laufe des Tages in Betrieb gehen und spätestens mit dem Feierabend wieder ausgeschaltet werden.

Mit unserem steigenden Verbrauch fügen wir uns ins deutsche Muster. Im Herbst und Winter ist der Stromverbrauch in Deutschland stets am höchsten. An Werktagen im Winter liegt der Verbrauch 50 bis 60 Prozent über dem Bedarf, der an den Tagen mit der niedrigsten Nachfrage besteht. Die niedrigste Nachfrage besteht zumeist an Sonntagen im Sommer.

1. Erkenntnis: Unsere Grundlast ist sehr hoch (4. Oktober 2017)

Seit vier Wochen zählt ein intelligenter Zähler die Kilowattstunden, die wir bei Finanztip Tag für Tag verbrauchen. Die ersten Ergebnisse sind für uns überraschend: 48 Prozent des Verbrauchs zählen zur sogenannten Grundlast. Die zugehörigen Geräte laufen immerzu, sie machen nie Pause. Das können LEDs in Steckdosenleisten sein, Geräte im Stand-by-Betrieb und vor allem natürlich unser Server. Auch bei Nacht und am Wochenende ziehen sie Strom aus dem Netz.

In Haushalten liegt die Grundlast häufig beirund 10 Prozent des Stromverbrauchs, verursacht vor allem von Computern, Fernsehern oder Musikanlagen im Stand-by-Betrieb. Auch wenn die Geräte in diesem Modus nur 1 oder 2 Watt Leistung benötigen – das Jahr hat 8.760 Stunden. Ein einziges Gerät kann so pro Jahr 9 bis 18 Kilowattstunden beziehen, ohne dass es tatsächlich läuft.Es gilt daher schon lange als großes Einsparpotenzial in Haushalten, Geräte wirklich abzuschalten und nicht im Stand-by-Betrieb zu lassen.

Im Vergleich zu einem Haushalt ist unser Grundlastbedarf enorm. Er hat zu einem Stromverbrauch von rund 340 Kilowattstunden geführt – allein im September. Das wird sich auf der Stromrechnung mit rund 100 Euro niederschlagen. Keine Frage: An dieser Stelle wollen wir gegensteuern. Offen ist, wie stark wir das können.

Denn unseren Server können und wollen wir natürlich nicht mal einfach abschalten. Er ist für den größten Teil der Grundlast verantwortlich. Dass er viel Strom benötigt, war uns schon vor dem Einbau des Smart Meters klar. Aber das Wissen wiegt schwerer, wenn auf einmal exakte Zahlen vorliegen. Es gibt mit Sicherheit auch Potenzial, den Verbrauch anderer Geräte bei Nacht und am Wochenende zu senken. Das werden wir nun angehen. Welche Erfahrungen wir sammeln, berichten wir in diesem Blog.

Ein schlauer Stromzähler zieht bei uns ein (6. September 2017)

Finanztip hat seit einer Woche einen intelligenten Stromzähler, auch Smart Meter genannt. Klein und unscheinbar sieht er aus. Dass es kein gewöhnliches Gerät ist, das den Stromverbrauch zählt und anzeigt, verrät ein Kabel. Es steckt in einem Kasten über dem Zählwerk und führt zu unserem Server.

In dem Kasten sitzt Elektronik, um die erfassten Daten auf Computern anzuzeigen – in Echtzeit. Im Onlineportal des Zählerherstellers wächst eine Zickzacklinie mit jeder Sekunde. Das ist die Leistung, die wir aus dem Stromnetz abrufen. Die Linie hat Höhen und Täler und formt immer wieder neue. Lediglich gerade verläuft sie kaum. Mit der Computermaus lässt sich die Linie abfahren und gemessene Werte anzeigen. Eine Anzeige über dem Diagramm zählt die verbrauchten Kilowattstunden über den Tag.

Stromverbrauch in Echtzeit, vom Computer aus verfolgt.
Stromverbrauch in Echtzeit, vom Computer aus verfolgt. (Foto: Screenshot Discovergy)

Aber woher kommen die Berge, manche davon ganz schmal und spitz geformt wie ein Krater? Das soll der intelligente Zähler bald anzeigen können. Er ist so schlau, dass er einzelne Geräte daran erkennt, wie sie Strom beziehen. Elektrische Geräte hinterlassen eine Art Fingerabdruck im Stromnetz. Über diesen kann der Zähler auch ihren Verbrauch zuordnen. Dazu muss er aber erst einmal Daten sammeln. Hat er einzelne Geräte in unserem Büro identifiziert, wissen wir, wer die größten Stromfresser sind.

Durch schlauen Zähler 10 bis 15 Prozent Strom einsparen

„Zwischen 10 bis 15 Prozent sparen Kunden im Schnitt ein“, sagt Nikolaus Starzacher. Er ist Gründer und Geschäftsführer von Discovergy, der Firma, die unseren Smart Meter betreibt. Je größer der Verbrauch, desto größer die Einsparpotenziale, fügt er hinzu.

Letzte Handgriffe: Der Installateur verkabelt den neuen Stromzähler mit unserem Server.
Letzte Handgriffe: Der Installateur verkabelt den neuen Stromzähler mit unserem Server. (Foto: Ines Rutschmann)

Wir wollten selbst testen, was mit einem schlauen Gerät möglich ist. Daher haben wir Discovergy mit dem Betrieb eines intelligenten Stromzählers beauftragt. Den bisherigen Vertrag über den Messstellenbetrieb mit Stromnetz Berlin kündigte die Firma für uns. Ende August kam dann ein Elektriker zu uns, baute den alten Zähler aus und das neue Gerät ein. Die Stromversorgung musste er dazu für neun Minuten unterbrechen. Diese war die einzige Einschränkung bei der Installation des Smart Meters. Den alten Zähler erhielt Stromnetz Berlin im Anschluss zurück. Der Wechsel des Messstellenbetreibers verlief unterm Strich so, wie es sein sollte: schnell und unkompliziert.

Welche weiteren Erfahrungen wir in den kommenden Monaten mit dem neuen Stromzähler machen, berichten wir hier im Blog.

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