Schadensersatzanspruch nach VW-Skandal

Ihre Rechte als VW-Käufer

Das Wichtigste in Kürze

  • VW-Fahrer mit einem Dieselmotor vom Typ EA 189 haben einen Anspruch auf Nachbesserung. Die Kosten dafür muss Volkswagen tragen.
  • Inwieweit Käufer weitere Rechte gegen Volkswagen haben, hängt davon ab, ob die Nachrüstung gelingt und ob dadurch weitere Mängel auftauchen.
  • Wer immer noch auf die Umrüstung wartet, kann sein Auto zurückgeben.
  • Bestätigt sich der Verdacht, dass Volkswagen Käufer arglistig getäuscht hat, ist eine Erstattung des Kaufpreises möglich. So sehen es bereits mehrere Landgerichte (LG München I, Az. 23 O 23033/15, LG Krefeld, Az. 2 O 72/16, 83/16).
  • Das Landgericht Hildesheim hat am 17. Januar 2017 die Volkswagen AG zu Schadensersatz verurteilt und spricht von vorsätzlicher Verbraucherschädigung (Az. 3 O 139/16).
  • Welche Rechte VW-Aktionären zustehen, lesen Sie in unserem Ratgeber „VW-Abgasskandal - Ihre Rechte als Aktionär".

So gehen Sie vor

  • Ist Ihr Fahrzeug betroffen, müssen Sie Ihren Händler auffordern, den Wagen nachzubessern. Das ist die rechtliche Voraussetzung für Ihre Gewährleistungsrechte aus dem Kaufrecht. Dazu können Sie unser Musterschreiben verwenden.
  • Falls Sie Ihr Auto zurückgeben wollen, brauchen Sie wahrscheinlich einen Anwalt. Mit einer passenden Rechtsschutzversicherung können Sie ohne Kostenrisiko den Klageweg bestreiten.
  • Ohne Rechtsschutzversicherung können Sie sich an den Rechtsdienstleister Myright oder an VW-Verhandlung (Volkswagen Car Claim) wenden. Myright bietet eine Art Sammelklage an; im Erfolgsfall zahlen Sie eine Provision in Höhe von 35 Prozent. VW-Verhandlung arbeitet mit einem Prozessfinanzierer zusammen und behält 29 Prozent, falls die Klage erfolgreich ist.
  • Haben Sie Ihr Fahrzeug über die VW-Bank finanziert, können Sie eventuell den Kreditvertrag widerrufen, weil die Belehrung fehlerhaft war. Über diesen Umweg muss auch der Kaufvertrag rückabgewickelt werden.
  • Tipp: Sollen wir Sie zu Rechtsthemen sowie zu weiteren Themen auf dem Laufenden halten? Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter!

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Haben Sie einen VW-Diesel mit Schummel-Software? Der Volkswagen-Konzern hat bekanntlich Dieselfahrzeuge mit einer Abgas-Software manipuliert, damit sie die gesetzlichen Abgasnormen erfüllen. Weltweit und über alle Konzern-Marken hinweg sind rund elf Millionen Fahrzeuge betroffen, die mit einem Dieselmotor vom Typ EA 189 mit einem Hubraum von 1,2, 1,6 oder 2,0 Liter ausgestattet sind. Darunter sind fünf Millionen VWs: Es geht dabei zum Beispiel um den Golf der sechsten Generation, den Passat der siebten Generation sowie um die erste Generation des Volkswagen Tiguan. Betroffen sind außerdem Fahrzeuge von Skoda, Seat und Audi.

VW will nur Kunden in den USA entschädigen

Betroffene VW-Kunden in Amerika haben klare Rechte, ohne dass sie klagen müssten: Sie können entweder ihren Wagen zurückgeben oder ihn umrüsten lassen. Zudem erhalten die geschädigten Verbraucher eine Einmalzahlung von bis zu 10.000 Dollar. Darauf haben sich der Autobauer, US-Behörden und Kläger in einem gerichtlichen Vergleich geeinigt. Dieser soll VW rund 15 Milliarden US-Dollar kosten.

Die Einigung mit den US-Behörden und den Klägern könnte eine Vorlage für VW-Kunden in Deutschland sein. Der Chef des Verbraucherzentrale Bundesverbands (VZBV), Klaus Müller, ist der Ansicht, die Einigung in den USA „wäre ein gutes Angebot und eine kulante Lösung, die dem VW-Image guttun würde“. Der VW-Vorstand lehnt es aber bislang ab, deutsche Kunden ähnlich zu entschädigen.

Umrüstung der Dieselmotoren mit Ersatzteil und Software-Update

Die Umrüstung der Dieselmotoren ist angeblich nicht sehr aufwendig. Beim 1,6-Liter-Motor vom Typ EA 189 sollen nach VW-Angaben ein kleines Ersatzteil und ein Update der Software ausreichen. Bei den 1,2-Liter- und 2,0-Liter-Ausführungen soll sogar nur das Update notwendig sein.

Die Reparaturen haben Anfang Februar 2016 mit den 2,0-Liter-Motoren im Fahrzeugmodell Amarok 2,0-Liter begonnen. Im August 2016 hat Volkswagen mit dem Rückruf der Fahrzeuge mit den 1,2-Liter-Motoren angefangen. Die Umrüstung der Dieselautos mit der Manipulationssoftware ist aber offenbar schlecht angelaufen. Das Fachblatt „Auto Straßenverkehr“ (Ausgabe 6/2016) stellte dem ersten betroffenen Fahrzeugmodell Amarok mit 2,0-Liter-Motor ein schlechtes Zeugnis aus. Im Praxistest auf der Straße verbrauchten zwei in der Werkstatt nachgebesserte Amaroks gut einen halben Liter mehr Diesel pro 100 Kilometer als vor der Umrüstung. Entsprechend höher war auch der Ausstoß an klimaschädlichem Kohlendioxid (CO2). Auch sind die Emissionen von Stickoxid (NOx) nicht geringer geworden. Beim VW Passat haben die Techniker die Probleme zunächst nicht in den Griff bekommen, sodass der Golf zeitlich vorgezogen wird.

Bis Ende April 2017 hat VW nach eigenen Angaben 1,7 Millionen Autos umgerüstet. Die Maßnahmen werden sich wahrscheinlich noch bis zum Herbst 2017 hinziehen.

Es gibt aber keine Pflicht der Betroffenen, den Rückruf auch anzunehmen und das Software-Update aufspielen zu lassen. Inwieweit das Auswirkungen auf die Zulassung haben kann, ist noch nicht geklärt. Da VW keine Garantie dafür übernimmt, dass der Motor nach der Umrüstung auf Dauer einwandfrei läuft, empfiehlt etwa der Rechtsdienstleister Myright, das Fahrzeug nicht umrüsten zu lassen. Wer bereits in der Werkstatt war, hat dadurch seine Rechte aber nicht verloren, falls das Auto zum Beispiel danach viel mehr Sprit verbraucht.

Das sind die Rechte von VW-Fahrern in Deutschland

Da der VW-Konzern seinen betroffenen Kunden in Deutschland bislang nur die zweifelhafte Umrüstung anbietet, sollten Sie wissen, was Sie für rechtliche Möglichkeiten darüber hinaus haben.

Recht auf Nachbesserung
Halter von Fahrzeugen mit dem betroffenen Dieselmotor vom Typ EA 189 haben gegen den Verkäufer einen Anspruch auf Nachbesserung, da das Fahrzeug mangelhaft ist.

Hat VW Sie angeschrieben, ist damit der Mangel vom Hersteller anerkannt. Sie müssen dann als Käufer nicht mehr aufwendig durch einen Gutachter beweisen, dass auch bei Ihrem Fahrzeug die Abgaswerte im Normalbetrieb erheblich überschritten sind. Die Kosten für die Nachbesserung zahlt Volkswagen. Sie haben außerdem Anspruch auf Ersatz dafür, dass Ihnen Ihr Auto während der Reparatur nicht zur Verfügung steht, denn Volkswagen hat den Mangel zu vertreten.

Recht auf Rücktritt vom Kaufvertrag
Wer den Verkäufer schriftlich zur Nachbesserung aufgefordert hat und immer noch darauf wartet, dass VW die manipulierten Abgassoftware austauscht, kann mittlerweile auch vom Kaufvertrag zurücktreten (§§ 434 Abs. 1 Satz 1, 437, 440, 323 BGB). Das bedeutet vereinfacht: Sie geben das Auto zurück und der Händler zahlt Ihnen den Kaufpreis zurück. In den meisten Fällen ist eine angemessene Frist zur Nachbesserung ungenutzt verstrichen. Viele Halter warten seit mehr als einem halben Jahr.

VW kann sich nicht damit herausreden, dass der Mangel ganz unerheblich war, da das Aufspielen der Software nicht viel Zeit in Anspruch nimmt. Unerheblich ist der Mangel schon deshalb nicht, da die Beseitigung von einer Behörde, dem Kraftfahrt-Bundesamt, vorab geprüft und genehmigt werden musste. Das hat das Landgericht München I entschieden (LG München I, Urteil vom 14. April 2016, Az. 23 O 23033/15). Der Verkäufer musste den Kaufpreis abzüglich Nutzungsersatz zurückzahlen. Ebenfalls zugunsten zweier Audi-Käufer hat das Landgericht Krefeld entschieden. Sie konnten vom Kaufvertrag zurücktreten (LG Krefeld, Urteile vom 14. September 2016, Az. 2 O 72/16 und 83/16).

Wichtig: Sie müssen schriftlich eine Frist zur Nachbesserung setzen – auch wenn das auf den ersten Blick etwas sonderbar erscheint, da der Händler selbst gar nicht nachbessern kann. Wer aber keine Frist setzt, kann grundsätzlich nicht vom Kaufvertrag zurücktreten. So hat das Landgericht Düsseldorf zugunsten eines Audi-Vertragshändler entschieden, dass der Käufer seinen Audi nicht zurückgeben konnte. Der Käufer hatte es versäumt, den Verkäufer zur Nachbesserung mit Fristsetzung aufzufordern (LG Düsseldorf, Urteil vom 23. August 2016, Az. 413/15).

Minderung des Kaufpreises wegen Sachmangel
Erst wenn die Nachbesserung nicht gelingt, kann der Käufer den Kaufpreis mindern und bekommt deshalb Geld zurück (§ 441 BGB). Ergibt sich nach dem Umbau, dass der Wagen einen anderen Mangel aufweist, kann der Käufer den Preis deshalb mindern. Das könnte der Fall sein, wenn sich die Leistung des Motors verschlechtert oder das Fahrzeug infolge der Nachrüstung mehr Kraftstoff verbraucht. Die Höhe der Wertminderung ist schwer zu bestimmen, das Gericht kann sie allerdings schätzen.

Rückgabe des Autos wegen arglistiger Täuschung
VW-Käufer können den Vertrag anfechten mit dem Ziel, ihr Fahrzeug zurückzugeben und dafür den Kaufpreis erstattet zu bekommen. Sofern Volkswagen oder der Händler bewusst unrichtige Angaben gemacht hat über die tatsächlichen Abgaswerte, stehen die Chancen gut.

So hat das Landgericht München I zugunsten eines Seat-Käufers entschieden. Er konnte den Vertrag wegen arglistiger Täuschung anfechten. Der VW-Vertragshändler musste den Kaufpreis zurückzahlen und den Wagen zurücknehmen. Anrechnen lassen musste sich der Fahrer den Vorteil, dass er das Fahrzeug auch genutzt hat (Urteil vom 14. April 2016, Az. 23 O 23033/15). Die Marke Seat gehört zum VW-Konzern.

Dann verjähren die Gewährleistungsrechte
Alle Gewährleistungsrechte aus dem Kaufvertrag verjähren grundsätzlich nach zwei Jahren (§ 438 Abs. 1 Nr. 3 BGB). Bei einem Gebrauchtwagen verjähren sie in der Regel schon nach einem Jahr.

Wollen Sie sichergehen, dass Ihre Rechte aus dem Kaufvertrag gewahrt bleiben, können Sie Ihrem Verkäufer eine sogenannte Mängelanzeige schicken. Fordern Sie ihn auf, den Einbau der Software in Ihrem Fahrzeug schriftlich zu bestätigen und angesichts der unklaren Sachlage auf die Einrede der Verjährung zu verzichten. Dazu können Sie unser Musterschreiben verwenden. Mit diesem Schreiben fordern Sie Nachbesserung und setzen eine angemessene Frist von acht Wochen.

Der VW-Konzern selbst hat zugesichert, dass er bis Ende 2017 auf die Einrede der Verjährung verzichtet.

Schadensersatzansprüche gegen den Hersteller

Es stehen neben den Ansprüchen aus dem Kaufvertrag auch sogenannte deliktische Schadensersatzansprüche gegen den Hersteller im Raum (§§ 823, 826 BGB). Die Voraussetzungen sind streng, und der Schaden muss nachgewiesen werden. Ein Schaden liegt sicher vor, wenn das Fahrzeug seine Betriebszulassung oder seine Umweltplakette verliert. Sollte nach der Nachbesserung der Spritverbrauch steigen oder die Fahrleistung sinken, wären das auch Schäden. Der Kaufpreis kann auch als Schaden geltend gemacht werden, wobei für die Zeit, die der Käufer das Auto fahren konnte, eine sogenannte Nutzungsentschädigung abzuziehen ist.

Das Landgericht Hildesheim urteilte am 17. Januar 2017 zugunsten des Kunden gegen den Hersteller, die Volkswagen AG (Az. 3 O 139/16). Die Manipulation der Motorsteuerung habe dem Kunden in einer gegen die guten Sitten verstoßenden Art und Weise einen Schaden zugefügt. Deshalb muss der Konzern den Kaufpreis erstatten, so das Gericht. Die Richter sprachen sehr deutlich von verwerflicher, vorsätzlicher Verbrauchertäuschung. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Immer mehr Gerichte urteilen zugunsten der Verbraucher

Viele Gerichte haben mittlerweile zugunsten der Käufer entschieden – mit ganz unterschiedlichen Argumentationen: Ein VW-Händler musste den Wagen zurücknehmen und den Kaufpreis erstatten abzüglich eines Nutzungsersatzes, da der Halter bereits knapp 30.000 Kilometer mit dem Wagen gefahren war (LG München I, Urteil vom 14. April 2016, Az. 23 O 23033/15).

So hat es auch das Landgericht Krefeld in zwei Fällen entschieden: Die Rücktritte waren wirksam, und der Händler musste die Autos zurücknehmen (LG Krefeld, Urteile vom 14. September 2016, Az. 2 O 72/16, 2 O 83/16).

Auch die Landgerichte Oldenburg, Lüneburg, Braunschweig, Hagen und München II urteilten zugunsten der Verbraucher (LG Oldenburg, Urteil vom 1. September 2016, Az. 16 O 790/16; LG Lüneburg, Urteil vom 2. Juni 2016, Az. 4 O 3/16; LG Braunschweig, Urteil vom 12. Oktober 2016, Az. 4 O 202/16; LG Hagen, Urteil vom 18. Oktober 2016, Az. 3 O 66/16; LG München II, Urteil vom 15.11.2016, Az. 12 O 1482/16).

In einem anderen Fall wollte ein VW-Tiguan-Käufer sein mangelhaftes Fahrzeug zurückgeben und bestand stattdessen auf Lieferung eines neuen, mangelfreien Tiguans aus der aktuellen Serie. Das Landgericht Offenburg gab ihm Recht (Urteil vom 21. März 2017, Az. 3 O 77/16). Die Anwaltskanzlei Dr. Stoll & Sauer hat dieses Urteil für ihren Mandanten erstritten. 

Nicht verbraucherfreundlich haben hingegen die Landgerichte Bochum und Münster entschieden – unter anderem mit dem Argument, der Sachmangel sei geringfügig (LG Bochum, Urteil vom 16. März 2016, Az. I-2 O 425/15; LG Münster, Urteil vom 14. März 2016, Az. 11 O 341/15). Daran bestehen allerdings erhebliche Zweifel, wenn der Hersteller mehr als ein halbes Jahr benötigt, um die Nachbesserung auf den Weg zu bringen und sie von einer Behörde wie dem Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) vorab genehmigt werden muss.

Das Landgericht Düsseldorf hat ebenfalls gegen den Verbraucher zugunsten eines Autohändlers entschieden. In dem speziellen Fall scheiterte die Rückabwicklung allerdings daran, dass der Käufer keine Frist zur Nachbesserung gesetzt hatte (Urteil vom 23. August 2016, Az. 6 O 413/15). Das Landgericht Braunschweig hat gegen den Autokäufer entschieden, da er nicht belegen konnte, dass der Händler getäuscht habe (LG Braunschweig, Urteil vom 27. September 2016, Az. 7 O 585/16).

So setzen Sie Ihre Rechte durch

Sie sollten sich zuerst überlegen: Wollen Sie Ihren VW-Diesel behalten? Dann können Sie für eine Entschädigung kämpfen, da der Wiederverkaufswert betroffener Wagen wahrscheinlich sinkt – spätestens dann, wenn die ersten Städte Einfahrtsverbote für Diesel-Pkw verhängen. Oder wollen Sie das Auto zurückgeben und den Kaufpreis erstattet bekommen? Dafür stehen die Chancen gut – sogar für Besitzer anderer Autos, die nicht direkt vom Abgasskandal betroffen sind. Wir sehen vier Möglichkeiten.

1. Selbst einen Anwalt nehmen und klagen
Viele Gerichte haben mittlerweile zugunsten der betroffenen VW-Diesel-Käufer entschieden. Zahlreiche VW-Händler und auch VW selbst mussten Autos mit Manipulationssoftware zurücknehmen und den Kaufpreis erstatten. Wer eine Rechtsschutzversicherung hat, kann sich einen spezialisierten Anwalt nehmen und VW und seinen VW-Händler ebenfalls ohne Kostenrisiko verklagen. Die Chancen stehen gut.

2. „Sammelklage“ von Myright oder VW-Verhandlung anschließen
Ohne Rechtsschutzversicherung können Sie sich an den Rechtsdienstleister Myright oder an VW-Verhandlung (Volkswagen Car Claim) wenden. Myright strengt eine Art Sammelklage an. Der Anbieter verspricht, den Rechtsstreit für Sie komplett durchzufechten, sodass Sie den Kaufpreis zurückbekommen oder Schadensersatz erhalten. Die Klage ist für Sie kostenlos. Allerdings verlangt Myright im Erfolgsfall 35 Prozent Provision. VW-Verhandlung arbeitet mit einem Prozessfinanzierer zusammen, der die Anwalts- und Gerichtskosten übernimmt. Hat VW-Verhandlung für Sie gewonnen, behält der Anbieter 29 Prozent ein.

Myright und VW-Verhandlung sind für Verbraucher eine bequeme Möglichkeit, Ansprüche gegen VW durchzusetzen. Die Stiftung Warentest hat das Angebot von Myright untersucht und hält es für fair.

3. Autokredit widerrufen
Eine weitere Möglichkeit, den unliebsamen VW-Diesel loszuwerden, haben jene Volkswagen-Fahrer, die ihr Auto über die hauseigenen Banken des VW-Konzerns mit einem Autokredit finanziert haben. Die Anwaltskanzlei Dr. Lehnen & Sinnig hält die Widerrufsbelehrungen in den Kreditverträgen für fehlerhaft. Das eröffnet eine lukrative Chance für finanzierte Fahrzeuge, wie die Stiftung Warentest berichtete. Betroffen sind Kreditverträge ab dem 11. Juni 2010.

Bestätigt sich diese Auffassung, könnten betroffene Kunden ihre Finanzierungen bei der VW-Bank und ihren Zweigstellen für Audi, Seat und Skoda widerrufen und ihr Auto zurückgeben. Bei Verträgen ab dem 13. Juni 2014 dürfte der Konzern dann noch nicht einmal einen Geldbetrag für die Nutzung des Autos einbehalten. Rechtskräftige Urteile zu den VW-Kreditverträgen gibt es allerdings noch nicht.

Betroffene können sich an die Kanzlei Dr. Lehnen & Sinnig wenden. Die kennen sich mit fehlerhaften Widerrufsbelehrungen aus und bieten VW-Kunden eine kostenlose Erstberatung an.

4. Falsche Angaben zu CO2-Werten reklamieren
Ebenfalls noch nicht gelöst ist ein anderes Problem: Anfang November 2015 hatte Volkswagen zugegeben, auch Autos mit falschen Verbrauchsangaben bei der Typzulassung angemeldet zu haben. Dabei geht es nicht um die Manipulationssoftware für Dieselmotoren, sondern um einen neuen Tatbestand: Die Motorenabteilung hatte Verbrauchswerte und damit den Ausstoß an Kohlendioxid (CO₂) zu niedrig angegeben. Das könnte zur Folge haben, dass die Kfz-Steuer zu niedrig angesetzt wurde. Diese Steuer richtet sich bei Erstzulassung des Autos ab 1. Juli 2009 auch nach dem CO₂-Ausstoß. VW hat zugesichert, Mehrkosten bei den Steuern zu übernehmen. Betroffen von diesem zweiten Skandal sind maximal 36.000 Autos.

Mehr CO2 bedeutet auch mehr Sprit. Beim Spritverbrauch sind die Kunden es schon länger gewohnt, dass Autos in der Praxis nicht die guten Werte erreichen, mit denen die Hersteller werben. Das ist aber eher ein Problem des wirklichkeitsfremden Testzyklus, den die Behörden vorgeben. Trotzdem kommt es immer wieder vor, dass einzelne Neuwagen einer Serie sogar im Testzyklus schlechter abschneiden als im Werbeprospekt angegeben.

Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) hat nach Bekanntwerden des VW-Skandals die CO2-Werte zahlreicher Autotypen überprüft. Die Berliner Tageszeitung „Taz“ hat Ende April 2017 Ergebnisse der CO2-Nachmessungen veröffentlicht, nachdem der Zeitung die KBA-Daten zugespielt wurden. Auch Finanztip liegt Dobrindts geheime Liste inzwischen vor. Die noch nicht offiziellen Ergebnisse besagen, dass zahlreiche Fahrzeuge auch auf dem Rollenprüfstand mehr als 10 Prozent zu viel CO2 ausstoßen, darunter Modelle von VW, Audi, Mercedes, Opel, Renault, Volvo, Fiat und Peugeot. Da der Spritverbrauch direkt mit dem CO2-Ausstoß zusammenhängt, schlucken die Wagen also deutlich mehr Diesel als im Prospekt angegeben – wohlgemerkt unter Laborbedingungen. Kunden können solche Fahrzeuge reklamieren.

Aussichten für den Neu- und Gebrauchtwagenmarkt

Auf dem Markt für Neuwagen hat der Abgas-Skandal Spuren hinterlassen: Im 1. Quartal 2016 verkaufte Volkswagen 4,3 Prozent weniger Autos als im Vorjahr. Der Gesamtmarkt für Pkw wuchs dagegen um 3,3 Prozent. 

Auf dem Gebrauchtwagenmarkt ist der Befund nicht so eindeutig: Das große Portal Autoscout24 teilte im Januar 2016 auf Anfrage von Finanztip mit, bisher gebe es bei seinen Nutzern keinen Rückgang der Nachfrage nach neuen oder gebrauchten VW-Dieselfahrzeugen. Auch die Preise für diese Wagen hätten sich seit dem Abgas-Skandal nicht verändert. Ähnlich war die Lage bei mobile.de.

Anders beim Vermittlungsportal meinauto.de: Nach dessen Angaben verschob sich das Interesse der Nutzer bei VW-Modellen deutlich von Diesel- zu Benzin-Modellen. Bei den Konzernmarken Audi, Seat und Skoda sei dieser Effekt nicht so stark, aber sichtbar.

Mehr dazu im Ratgeber Neuwagen

Finanztip-Redaktion

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Die letzten Beiträge zu dieser Diskussion:
Ich bin gerade auf diesen Link hier gestoßen. Vielleicht ist das hilfreich für den ein oder anderen.
18. November 2016 zum Beitrag
Sachlichkeit und Objektivität hilft oftmals. Tatsache ist doch, dass vorsätzlicher Betrug vorliegt, insofern keine Nachbesserung infolge Mangel.
Vorsatz ist gem. Rechtsprechung eindeutig def. ...
15. März 2016 zum Beitrag
[/u]
'Der krisengeschüttelte VW-Konzern kann zunächst aufatmen: Er muss Fahrzeuge mit fehlerhafter Abgasreinigung nicht zum Neupreis zurücknehmen.
[b]
[/b]
Er hält das Fahrzeug ...
4. März 2016 zum Beitrag
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Finanztip-Chefredakteur
Hermann-Josef Tenhagen

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Artikel verfasst von

Dr. Britta Beate Schön

Finanztip-Expertin für Recht

Britta Beate Schön ist bei Finanztip für sämtliche Rechtsthemen zuständig. Die promovierte Juristin und Rechtsanwältin war als Leiterin der Rechtsabteilung bei Finanzdienstleistern wie der Telis Finanz AG und der Interhyp tätig. Vorher lehrte und forschte sie in Japan als DAAD-Junior-Professorin für deutsches und Europarecht. Ihr Studium absolvierte sie in Münster, Genf, Regensburg und Leipzig. Die Autorin erreichen Sie unter britta.schoen@finanztip.de.

Daniel Pöhler

Finanztip-Experte für Mobilität & Digitales

Daniel Pöhler ist bei Finanztip für Mobilität und digitale Themen verantwortlich. Wie die Telekommunikations-Branche tickt, hat er durch seine Arbeit bei der Fachzeitung Telecom Handel gelernt. Davor sammelte er Erfahrungen bei der Software-Schmiede SAP und beim TV-Hersteller Loewe. Daniel Pöhler hat ein Diplom in Betriebswirtschaft von der Universität Bayreuth.