Keine Krankenversicherung

Warum Sie sich unbedingt krankenversichern sollten

Das Wichtigste in Kürze

  • Jeder, der in Deutschland lebt, muss sich krankenversichern.
  • Wer keine Versicherung hat, muss entweder in eine gesetzliche Kasse oder in eine private Krankenversicherung eintreten – je nachdem, wo er zuletzt war.
  • Zuletzt gesetzlich Versicherte müssen sich bei der Kasse versichern, in der sie zuletzt Mitglied waren.
  • Ehemals privat Versicherte können sich bei einem PKV-Anbieter ihrer Wahl versichern.
  • Je länger Sie warten, desto teurer wird es: Die ausstehenden Beiträge müssen Sie zum Teil nachzahlen.
  • Wer mit seinem Versicherer verhandelt, kann Ermäßigungen erhalten.

So gehen Sie vor

  • Warten Sie nicht ab, sondern kümmern Sie sich sofort um einen Krankenversicherungsschutz.
  • Wenn Sie zuletzt gesetzlich versichert waren, wenden Sie sich an die Kasse, bei der Sie zuletzt Mitglied waren. Diese muss Sie wieder aufnehmen.
  • Wer zuletzt privat versichert war, muss einen Vertrag mit einem beliebigen PKV-Anbieter abschließen. Die Unternehmen sind verpflichtet, Nichtversicherte in den Basistarif aufzunehmen.
  • Falls Sie noch nie krankenversichert waren, hängt die Wahl der Versicherung von Ihrer Berufsgruppe ab. Im Zweifelsfall melden Sie sich zuerst bei einer gesetzlichen Kasse.
  • Beantragen Sie bei Ihrer Krankenversicherung einen Nachlass auf nachzuzahlende Beiträge und fällige Säumniszuschläge.
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In Deutschland besteht eine allgemeine Krankenversicherungspflicht: Seit 2007 sind alle ehemals gesetzlich Versicherten dazu verpflichtet, sich wieder krankenversichern zu lassen. Seit 2009 gilt das auch für frühere Privatversicherte. Dennoch hatten 2015 laut Statistischem Bundesamt noch rund 80.000 Menschen keine Krankenversicherung.

Wenn Sie nicht krankenversichert sind, sollten Sie das Problem rasch angehen. Ein Grund dafür: In der Zeit ohne Krankenversicherungsschutz laufen Beitragsschulden auf, die Sie zumindest teilweise nachzahlen müssen. Eine Lösung besteht darin, mit dem Krankenversicherer zu verhandeln. Dieser hat mehrere Möglichkeiten, säumigen Beitragszahlern die Schuldenlast zu erleichtern.

Warten Sie nicht, bis Sie krank werden. Zwar können Sie darauf vertrauen, dass Sie in aktuten Notfällen ärztlich versorgt werden. Allerdings sind Sie dann nicht für wichtige weitergehende Behandlungen versichert. Hinzu kommt: Wer bereits erkrankt ist, kann in der Regel keine anstrengenden Verhandlungen mit dem Krankenversicherer mehr führen.

Welche Krankenversicherung ist die richtige?

Ob Sie in die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) oder in die private Krankenversicherung (PKV)  müssen, hängt davon ab, wo Sie zuletzt versichert waren: Wer früher gesetzlich versichert war, muss wieder in eine gesetzliche Krankenkasse. Ehemalige Privatpatienten müssen sich erneut privat versichern.

Wer noch nie krankenversichert war, wird abhängig vom Beruf einem der beiden Systeme zugeordnet: So müssen Selbstständige, Freiberufler und Beamte zu einem privaten Krankenversicherer, Angestellte und alle anderen versichern sich gesetzlich. Bei Berufstätigen mit mehreren Jobs zählt der Hauptjob, der den Großteil des Einkommens bringt und die meiste Arbeitszeit beansprucht.

Im Zweifel sollten sich Menschen ohne Krankenversicherung zunächst an die GKV wenden. Die gesetzliche Krankenkasse verweist Betroffene dann an die PKV, wenn sie diese nicht aufnehmen kann.

Rückkehr in die gesetzliche Krankenkasse
Wer zuletzt gesetzlich versichert war, geht zu der Krankenkasse, bei der er zuletzt Mitglied war (§174 Abs. 5 SGB V). Diese muss den ehemaligen Versicherten wieder aufnehmen, unabhängig von seinem Gesundheitszustand. Nur wer noch niemals krankenversichert war, aber in die GKV gehört, kann grundsätzlich aus allen offenen Kassen wählen.

Wiederaufnahme in einen Privattarif
Muss sich jemand erneut privat versichern, hat er grundsätzlich die Wahl zwischen allen Anbietern. Jeder private Krankenversicherer ist verpflichtet, Menschen ohne Versicherungsschutz in den sogenannten Basistarif aufzunehmen. Dessen Leistungen entsprechen in etwa jenen der gesetzlichen Krankenkasse. Versicherer können zwar nach der Gesundheit des Antragsstellers fragen, dürfen aber keine Preisaufschläge verlangen oder jemanden wegen einer Erkrankung ablehnen (OLG Köln, Urteil vom 2. November 2012, Az. 20 U 151/12). Wechselt der Versicherte später vom Basistarif in einen regulären Tarif, kann das Unternehmen allerdings einen Risikozuschlag erheben.

Der Beitrag für den Basistarif darf den gesetzlichen Höchstbeitrag in der GKV plus den durchschnittlichen Zusatzbeitrag nicht überschreiten. Dieser liegt bei rund 683 Euro monatlich (Stand 2017). Wer hilfsbedürftig im Sinne des Sozialgesetzbuchs (§ 9 SGB II oder § 27 SGB XII) ist, also Hartz IV oder Sozialhilfe erhält, zahlt nur die Hälfte der Prämie. Ist auch das zu teuer, bekommt der Versicherte noch einen Zuschuss vom Jobcenter oder dem zuständigen Sozialamt.

Alternativ können Menschen, die bisher nicht versichert waren, versuchen, in einen regulären offenen Tarif einzutreten. Das ist allerdings in der Regel nur für Versicherte mit relativ guter Gesundheit möglich und erschwinglich. Ein guter Honorarberater kann bei der Auswahl des richtigen Tarifs helfen.

Nachzahlungen für die Zeit ohne Krankenversicherung

Wer nicht krankenversichert ist, muss bei der Rückkehr in die Krankenversicherung einen Teil der nicht gezahlten Beiträge nachzahlen – und zwar ab dem Tag, an dem eigentlich Versicherungspflicht bestanden hätte. Bei Menschen, die sich gesetzlich versichern müssen, ist dies frühestens der 1. April 2007, bei säumigen Privatversicherten der 1. Januar 2009. Wer erst später seiner Versicherungspflicht nicht nachgekommen ist, für den ist der erste Tag ohne Krankenversicherung maßgeblich.

Die ausstehenden Zahlungen können sich schnell zu einem hohen Betrag summieren. Eventuell kommen noch Säumniszuschläge auf die ausstehenden Beiträge dazu.

Die Bundesregierung hat aber das Problem erkannt und den Krankenversicherern Möglichkeiten eingeräumt, Versicherungslosen die Rückkehr in die Krankenversicherung zu erleichtern. Sowohl die ausstehenden Beiträge als auch die Säumniszuschläge können erheblich ermäßigt werden.

Das müssen gesetzlich Versicherte nachzahlen
Das Beitragsschuldengesetz von 2013 sieht für Nichtversicherte den Erlass oder die Ermäßigung der aufgelaufenen Beitragsschulden vor. Die konkrete Umsetzung hat der GKV-Spitzenverband für alle gesetzlich Versicherten einheitlich geregelt: Wer nicht krankenversichert war und sich bis zum 31. Dezember 2013 bei einer Krankenkasse gemeldet hatte, bekam seine Beitragsschuld ganz erlassen. Seither erhalten säumige Beitragszahler zwar keinen vollen Erlass der nachzuzahlenden Beiträge mehr, aber immerhin noch eine deutliche Ermäßigung.

Pro Monat ohne Versicherung müssen Schuldner im Jahr 2017 nur etwa 47 Euro für die Krankenversicherung und rund 8 Euro für die Pflegeversicherung nachzahlen. Voraussetzung für diese Ermäßigung ist jedoch, dass die Betroffenen in der versicherungslosen Zeit keine Leistungen beansprucht haben. War dies doch der Fall, bekommen sie die Behandlungskosten nachträglich nicht von der Kasse erstattet. Das gilt allerdings nicht für mitversicherte Familienangehörige. Die Ermäßigung gibt es außerdem nur, wenn die Betroffenen mehr als drei Monate keine Versicherung hatten.

Tipp

Mit Versicherer verhandeln

Sprechen Sie mit Ihrem Versicherer über eine Ratenzahlung oder einen Schuldenerlass. Es kann auch sinnvoll sein, mit mehreren PKV-Anbietern parallel Kontakt aufzunehmen, um eine bessere Verhandlungsposition zu haben.

Das müssen Privatversicherte nachzahlen
Auch Privatversicherte, die ihrer Versicherungspflicht nicht nachgekommen sind, müssen einen Prämienzuschlag für ihre versicherungsfreie Zeit zahlen. Der Zuschlag richtet sich nach der Beitragshöhe des neuen Tarifs. So muss der Nichtversicherte ab dem zweiten Monat ohne Versicherung einen Prämienzuschlag in Höhe eines vollen Monatsbeitrags zahlen. Das gilt für jeden weiteren Monat, bis zum sechsten Monat der Nichtversicherung. Ab dem sechsten Monat wird der Zuschlag auf ein Sechstel des Monatsbeitrags reduziert (§193 Abs. 4 VVG). Wer also beispielsweise elf Monate nicht versichert war, muss in der Summe fünf Monatsbeiträge zusätzlich zum laufenden Beitrag nachzahlen.

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Der Notlagentarif für Härtefälle

Für säumige Beitragszahler in der PKV hat der Gesetzgeber 2013 zudem einen letzten Ausweg geschaffen: den Notlagentarif für Privatversicherte, die sich die Prämie für den Versicherungsschutz nicht mehr leisten können. Wer seine Beiträge nicht bezahlt, landet in diesem Tarif, der je nach Versicherer etwa 75 bis 100 Euro im Monat kostet. Er sieht vor allem eine Behandlung bei akuten Schmerzen und Krankheiten vor, wobei Kinder und Jugendliche sowie Schwangere weitergehende Leistungen erhalten.

Der Notlagentarif ist als Übergangslösung gedacht, bis Versicherte die vollen Beiträge wieder zahlen können. Wenn es ihre finanzielle Lage gestattet, sollten Privatversicherte ihre Schulden zügig begleichen und wieder zurück in einen vollwertigen Tarif wechseln. Dabei haben sie die Wahl, in ihren alten Tarif zurückzukehren oder sich im Basistarif zu versichern und gegebenenfalls einen Zuschuss vom Staat zu beantragen. Denn im Notlagentarif erhalten Patienten weder wichtige weitergehende Behandlungen noch werden Altersrückstellungen gebildet.

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Finanztip-Chefredakteur
Hermann-Josef Tenhagen

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Artikel verfasst von

Peter Neitzsch

freier Finanztip-Mitarbeiter

Als freier Autor arbeitet Peter Neitzsch im Versicherungsressort von Finanztip. Der freiberufliche Journalist schreibt vorwiegend über Wirtschafts- und Verbraucherthemen. Vor der Selbstständigkeit leitete er das Wirtschaftsressort von stern.de. In Dresden und Paris studierte Peter Neitzsch Sozialwissenschaften und absolvierte danach die Berliner Journalisten-Schule. Im Anschluss arbeitete er unter anderem am Newsdesk der Frankfurter Rundschau und von tagesschau.de.

Julia Rieder

Finanztip-Expertin für Versicherungen

Julia Rieder ist Expertin für Versicherungen und derzeit kommisarisch für das Thema Reise verantwortlich. Während ihres Volontariats bei Finanztip sammelte sie Hörfunk-Erfahrung beim Inforadio. Vorher war sie in den Redaktionen von Frontal 21, der Berliner Zeitung und dem Online-Magazin politik-digital tätig. Ihr Studium der Politikwissenschaft hat Julia Rieder an der Freien Universität Berlin mit einem Master abgeschlossen.