Indexpolice Zu komplex, zu teuer, zu renditeschwach

Martin Klotz
Martin Klotz
Experte Vorsorge

Das Wichtigste in Kürze

  • Eine Indexpolice ist eine Variante der hybriden Rentenversicherung. Dabei werden Elemente aus der klassischen und der fondsgebundenen Rentenversicherung kombiniert.
  • Die Struktur von Indexpolicen ist häufig undurchsichtig, zudem können die Versicherer einseitig die Regeln verändern.
  • Indexpolicen sind häufig teuer und in der potenziellen Rendite begrenzt.
  • Finanztip rät vom Abschluss einer Indexpolice ab und empfiehlt alternative Anlageformen wie einen ETF-Sparplan oder das neue Altersvorsorgedepot.
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Was ist eine Indexpolice?

Eine indexgebundene Rentenversicherung, kurz Indexpolice, verbindet Elemente aus der klassischen Rentenversicherung und der fondsgebundenen Rentenversicherung miteinander. Indexpolicen versprechen den Erhalt der eingezahlten Beiträge und gleichzeitig eine Chance auf eine hohe Rendite.

In der Niedrigzinsphase wurden sie häufig von Lebensversicherern und Vermittlern als Alternative zu klassischen, zinsgebundenen Lebens- und Rentenversicherungen angepriesen.

Auch heute werden Indexpolicen noch verkauft – besonders an Menschen, die sich bisher nur wenig mit dem Thema Altersvorsorge beschäftigt haben und daher Wert auf eine hohe Garantie ihrer Beiträge legen.

Lohnt sich eine Indexpolice? 

Indexpolicen halten selten, was sie versprechen. Denn die Mechanismen sind komplex, undurchsichtig und erfordern, dass Du regelmäßig Entscheidungen über die Art der Anlage triffst.

Und selbst wenn Du eine Glaskugel hättest und die Renditen der ausgewählten Fonds voraussagen könntest: Die hohen Kosten, die Struktur und die einseitigen Veränderungsmöglichkeiten durch den Versicherer sorgen dafür, dass Du in der Praxis kaum Chancen auf eine nennenswerte Rendite hast.

Wie funktioniert eine Indexpolice?

Bei einer Indexpolice garantiert der Versicherer den Erhalt Deiner Beiträge. Das bedeutet, dass das von Dir eingezahlte Geld zu Vertragsende für die Auszahlung zur Verfügung steht.

Damit das möglich ist, legt der Anbieter Dein Geld äußerst konservativ an. Und zwar im eigenen Sicherungsvermögen, auch Deckungsstock genannt. Das ist das gleiche Prinzip wie bei einer klassischen, zinsbasierten Lebens- oder Rentenversicherung.

Die so erwirtschafteten Zinsen werden allerdings nicht – wie bei klassischen Produkten – wieder dem Deckungsstock zugeführt. Stattdessen entscheidest Du ab dem zweiten Jahr selbst über deren Verwendung.

Die meisten Produkte haben einen oder ein paar wenige (Aktienindex-)Fonds zur Auswahl, in die Du das Geld für das kommende Jahr fließen lassen kannst. Alternativ kannst Du auch den Deckungsstock des Versicherers wählen.

Was ist ein Aktienindex-Fonds (ETF)?

Ein Aktienindex verdichtet den Verlauf einer Vielzahl von Aktien zu einem einzigen Kurs. Er gibt also wieder, wie sich alle enthaltenen Aktien im Durchschnitt zusammen entwickeln.

Meist werden in einem Index Aktien eines bestimmten Landes, einer Währungszone oder der gesamten Welt zusammengefasst. Bekannte Beispiele dafür sind der Dax für Deutschland, der Euro Stoxx für die Euro-Zone sowie der die größten Firmen der Welt beinhaltende MSCI All Countries World Index.

Ein Aktienindex-Fonds (ETF) beschreibt einen Fonds, der den Inhalt und Verlauf eines solchen Aktienindizes abbildet. Die Wertentwicklung entspricht mit minimalen Abweichungen jener des Aktienindex.

Wie funktionieren die unterschiedlichen Arten der Lebens- und Rentenversicherung?

 klassische, zinsgebundene Versicherungindexgebundene Versicherung (Indexpolice)fondsgebundene
Versicherung mit Garantieanteil
 
fondsgebundene Versicherung ohne Garantie
GarantienVersicherer garantiert die Beiträge plus Höchstrechnungszins (2026: 1 %)Versicherer garantiert meist nur eingezahlte BeiträgeVersicherer garantiert einen Prozentsatz der eingezahlten BeiträgeVersicherer garantiert weder Beiträge noch Wertentwicklung
BeiträgeDeine Beiträge werden im Sicherungsvermögen angelegtDeine Beiträge werden im Sicherungsvermögen angelegtDeine Beiträge werden teilweise in (Aktien-)Fonds angelegtDeine Beiträge werden komplett in (Aktien-)Fonds angelegt
KapitalerträgeKapitalerträge werden im Sicherungsvermögen angelegtDu entscheidest jedes Jahr neu über die Verwendung der Kapitalerträge Kapitalerträge werden teilweise in (Aktien-)Fonds angelegtKapitalerträge werden in (Aktien-)Fonds angelegt

Quelle: Finanztip

Wie werden die Erträge bei einer Indexpolice angelegt?

Da bei einer indexgebundenen Rentenversicherung nur sehr kleine Beträge am Kapitalmarkt investiert werden können, nutzen Versicherer besonders risikoreiche Varianten, um mit dem wenigen Geld eine hohe Rendite zu erzielen.

Statt Anteile an Aktien-ETFs zu kaufen, wie Du es selbst mit Deinem eigenen Depot tun würdest, kaufen Sie Optionen auf den Aktienindex.

Ein Optionsgeschäft ist eine Wette auf den Kursverlauf. Wenn der Optionskäufer richtig liegt, kann er eine sehr hohe Rendite erzielen. Diese ist um ein Vielfaches höher als die Rendite, die ein Kauf von ETF-Anteilen gebracht hätte. Fachleute sprechen vom Hebeleffekt.

Demgegenüber steht jedoch das vergleichsweise hohe Risiko eines Totalverlustes: Wenn es schlecht läuft, ist auch das für den Kauf der Optionen eingesetzte Geld verloren.

Beispiel: Angenommen, Deine eingezahlten Beiträge in Höhe von 1.000 Euro erwirtschaften im ersten Jahr im Deckungsstock einen Ertrag von 20 Euro. Diese 20 Euro werden nun benutzt, um im nächsten Jahr in die Optionen auf einen Index zu investieren. In einem sehr guten Fall kann dieses Geschäft eine Rendite von 100 Prozent bringen. Aus den 20 Euro werden also 40 Euro. Danach bekommst Du diese 40 Euro zu Deinem Guthaben addiert. Dieses ist inzwischen durch das weitere Jahr auf 1.020 Euro gestiegen und hätte dann einen Stand von 1.060 Euro. Du hättest in diesem Fall über zwei Jahre im Durchschnitt drei Prozent statt zwei Prozent Rendite erwirtschaftet.

Doch es kann auch anders laufen: Geht die Wette schief, sind die Erträge des ersten Jahres verloren.

Was ist der Cap und wie begrenzt er Deinen Gewinn?

Indexpolicen haben zwei weitere, wichtige Stellschrauben, mit denen der Versicherer Deinen Ertrag noch oben hin begrenzen kann. Die erste ist der sogenannte Cap.

Wie viel Rendite eine Indexpolice nach einem Jahr erzielt, hängt letztlich davon ab, wie die monatlichen Gewinne oder Verluste des Indexkurses waren. Sehr hohe monatliche Steigerungen tragen jedoch nur begrenzt zur Erhöhung des Vertragsguthabens bei. Der Gewinn wird nämlich in besonders guten Monaten vom Versicherer mit einem festgelegten Deckel, genannt Cap, begrenzt. Monatliche Verluste gehen jedoch voll in die Renditebetrachtung ein.

Allerdings wird die monatliche Veränderung nicht direkt zum Kapital des Vertrags hinzugerechnet. Denn erst am Ende des Jahres, zum sogenannten Indexstichtag, zieht der Versicherer Bilanz. Dann werden alle Kursgewinne mit den Verlusten verrechnet. Erst wenn nach dieser Verrechnung am Ende eine positive Rendite steht, wird diese dem Kapital der Indexpolice gutgeschrieben.

Wie entsteht die Jahresrendite bei einer Indexpolice? 

Quelle: eigene Berechnungen, Stand: 2026

Beim dem Verlauf der Wertentwicklung des Index wie in der Grafik liegt die Indexgutschrift über das gesamte Jahr aufgrund des Cap bei vier Prozent. Ohne Cap wären es 16,8 Prozent.

Der einzige Vorteil des Cap: Ist die Summe aus den zwölf Monatsrenditen negativ, wird die Rendite auf null gesetzt. Somit bleibt der Wert der Police zumindest auf dem Stand des Vorjahres. Das eingesetzte Geld für den Kauf der Optionen ist allerdings verloren.

Die Versicherer behalten sich darüber hinaus vor, den Cap jedes Jahr zu verändern. Viele Anbieter haben ihre Caps bereits abgesenkt, ohne dass die Kunden etwas dagegen tun können. Das führt zu noch geringeren Renditen.

Was ist die Partizipationsquote und wie begrenzt sie Deinen Gewinn?

Nicht alle Anbieter nutzen einen festen Cap, um die Rendite zu begrenzen. Manche nutzen stattdessen eine Partizipationsquote. Andere Versicherer kombinieren beides miteinander.

Die Partizipationsquote ist ein vom Versicherer festgelegter Wert, beispielsweise 50 Prozent. So viel von der jährlich erzielten Rendite gibt der Versicherer an Dich weiter. Dein eingesetzter Ertrag wächst in diesem Fall also nicht um die gesamte, sondern nur um die halbe Rendite.

Wie hoch sind die Kosten einer Indexpolice?

Die Kosten einer Indexpolice sind verhältnismäßig hoch. Denn der Aufwand, um all die komplexen Prozesse zu managen, ist enorm. Sie sind deutlich teurer als klassische, zinsgebundene Lebens- und Rentenversicherungen. Dabei sind die Ertragsaussichten nach unseren Finanztip-Analysen sehr ähnlich.

Je nach Anbieter und Produkt sind Indexpolicen auch teurer als manche fondsgebundenen Rentenversicherungen. Diese haben ebenfalls Garantie-Optionen, allerdings weder einen Cap noch eine Quote, die die Gewinne begrenzt.

Wie verringern die Kosten einer Indexpolice die Rendite?

Der Wert, um den sich die durchschnittliche Jahresrendite einer Lebens- oder Rentenversicherung aufgrund der Kosten mindert, heißt Effektivkostenquote. Im Schnitt gaben die Anbieter bei unserer letzten Finanztip-Untersuchung von Indexpolicen im Jahr 2016 dafür bei 20 Jahren Laufzeit einen Wert von 1,36 Prozent an.

In die Effektivkostenquote fließen sowohl die Abschlusskosten als auch die jährlichen Verwaltungskosten ein. Die Kosten in der Auszahlungsphase sind allerdings noch nicht mit eingerechnet.

Diese Kosten werden nach der Renditeminderung durch Cap und/oder Quote noch zusätzlich abgezogen. Bei unserem Beispiel mit einer durchschnittlichen Rendite von drei Prozent pro Jahr blieben bei 1,36 Prozent Kosten also nur 1,67 Prozent Rendite übrig. Das ist weniger als die von der europäischen Zentralbank angestrebte Inflationsrate in Höhe von zwei Prozent.

Welche Alternativen gibt es zur Indexpolice?

Bist Du auf der Suche nach einer Lebens- oder Rentenversicherung, dann hast Du grundsätzlich zwei Alternativen. Entweder, Du setzt auf eine klassische, zinsgebundene Versicherung oder auf eine fondsgebundene Versicherung. Beide Varianten sind deutlich einfacher und auch transparenter als eine Indexpolice.

Wir bei Finanztip empfehlen für die Altersvorsorge allerdings keine Lebens- oder Rentenversicherungen, sondern neben einem Tagesgeldkonto ein eigenes Depot mit einem langfristigen Sparplan auf einen weltweit gestreuten Aktien-ETF.

So kannst Du an der Entwicklung der Weltwirtschaft teilhaben – ganz ohne Cap oder Partizipationsquote. Auch die Kosten sind um ein Vielfaches geringer, wenn Du das Ansparen selbst in die Hand nimmst. Gute Depots gibt es kostenfrei, ETFs kosten in der Regel zwischen 0,1 und 0,5 Prozent pro Jahr. Auch gibt es bei ETF-Sparplänen anders als bei Versicherungen keine Vertragslaufzeit. Du bist deutlich flexibler und kannst Deine Sparrate monatlich verändern. Welche Rendite Du erwarten kannst und wie es um die Risiken von ETF-Sparplänen steht, erfährst Du im Finanztip-Ratgeber zu ETF-Renditen.

Ist das neue Altersvorsorgedepot eine Alternative?

Das vom Bundestag im Frühjahr 2026 beschlossene Altersvorsorgedepot ist ebenfalls eine gute Möglichkeit, für den Ruhestand vorzusorgen. Ab 2027 kannst Du damit beim ETF-Sparen sogar noch einen ordentlichen jährlichen Zuschuss vom Staat bekommen.

Wie das Altersvorsorgedepot und die Zuschüsse genau aussehen, liest Du in unserem Ratgeber zum Altersvorsorgedepot.

Was kannst Du tun, wenn Du eine Indexpolice hast?

Hast Du bereist eine Indexpolice, gilt es, einen objektiven Blick auf das Produkt zu werfen. Bist Du noch am Anfang der Laufzeit, kann eine Kündigung eine gute Option sein, wenn Du stattdessen anders investieren möchtest. Gerade innerhalb der ersten fünf Jahre – dem Zeitraum, in dem Du noch die Abschlusskosten abstotterst.

Läuft Dein Vertrag schon deutlich länger, setz Dich mit ihm auseinander und versuche, ihn zu verstehen. Gibt es einen Cap, eine Quote oder beides? Und wo liegen sie? Und auch: Wie viel Rendite hat der Vertrag die letzten Jahre erwirtschaftet?

Wenn Deine Indexpolice ein geförderter Vertrag wie beispielsweise ein Riestervertrag oder eine betriebliche Altersvorsorge ist, prüfe vor der Kündigung, ob Du das Produkt wechseln und dadurch Deinen Zuschuss behalten kannst. Hast Du einen Riestervertrag, soll mit der Reform der privaten Altersvorsorge ein Wechsel in ein anderes Produkt ab dem 1. Januar 2027 möglich sein.

Was passiert bei einer Kündigung einer Indexpolice? 

Wenn Du eine Indexpolice kündigst, erhältst Du vom Versicherer den Rückkaufswert des Vertrags ausgezahlt. Du findest ihn in der aktuellen Standmitteilung oder in Deiner digitalen Renteninformation.

Stell vor einer Kündigung sicher, dass keine Berufsunfähigkeits-Zusatzversicherung an Deinen Vertrag gekoppelt ist. Diese würdest Du bei einer Kündigung verlieren. Daher empfiehlt sich in solch einem Fall meist eine Beitragsfreistellung der Indexpolice.

Warum lohnt sich der Blick in die Zukunft? 

Bevor Du eine Entscheidung über die Kündigung Deines Vertrags triffst, mach Dir klar, dass es nicht nur um den aktuellen Vertrag und das Guthaben geht. Sondern Du primär eine Entscheidung für die Zukunft triffst. Denn wichtiger als Gewinn oder Verlust mit Deinem aktuellen Vertrag ist meist: Wie legst Du Deine nächste Sparrate an? Gerade, wenn Du noch zehn, 20 oder gar 30 Jahre bis zum Ruhestand hast.

Wenn sich Dein Ansatz zum Geldanlegen seit dem Abschluss verändert hat und Deine Rente noch in weiter Ferne ist, trau Dich, Deine Sparprozesse anzupassen. Denn Lehrgeld in einem solch komplexen Feld wie Geldanlagen und Versicherungen zu zahlen, ist keine Schande. An bestehenden Produkten festzuhalten, obwohl Du mittlerweile mehr Wissen und eine andere Einstellung hast, schon eher.

Autoren
Nina C. Zimmermann

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