Anwaltssuche und Anwaltskosten

So viel kostet Sie der richtige Jurist

Das Wichtigste in Kürze

  • Finden Sie den für Sie richtigen Anwalt, indem Sie nach Empfehlungen bei Freunden und Bekannten fragen.
  • Suchen Sie über die Webseite der Rechtsanwaltskammer einen Experten für Ihr rechtliches Anliegen.
  • Achten Sie auf die Qualifikation Ihres Anwalts. Ein Fachanwalt ist höher qualifiziert als ein Anwalt, der auf der Webseite Rechtsgebiete als Schwerpunkt angibt.
  • Sie können mit Ihrem Anwalt nicht über die Gebühren verhandeln. Sie sind gesetzlich festgelegt.
  • Zur Einschätzung der Kosten nutzen Sie einen im Internet angebotenen Kostenrechner.
  • Sind Sie mit den Kosten nicht einverstanden, können Sie sich kostenlos an die Schlichtungsstelle der Rechtsanwaltschaft wenden.
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Egal ob Sie in einen Autounfall verwickelt sind, Ärger mit Ihrem Vermieter oder Arbeitgeber haben oder ob eine Scheidung ins Haus steht: Immer wieder kann es in Ihrem Leben Situationen geben, in dem Sie sich von einem Experten beraten lassen sollten, um Ihre Rechte durchzusetzen. Wir zeigen Ihnen, wie Sie den richtigen Anwalt finden und wie Sie die Kosten schätzen, die auf Sie zukommen können.

Anwaltssuche

Laut Bundesrechtsanwaltskammer gab es im gesamten Bundesgebiet zum 1. Januar 2016 insgesamt knapp 165.000 zugelassene Rechtsanwälte. Sie müssen aus dieser großen Anzahl den für Sie richtigen Anwalt finden. Das entscheidende Kriterium für Ihre Wahl ist nicht der Preis, sondern allein die Qualität. Die meisten Rechtsanwälte haben sich auf ein oder zwei Rechtsgebiete spezialisiert. Das ist angesichts der Fülle von Rechtsfragen und Rechtsprechung auch sinnvoll.

Eine Spezialisierung geht häufig mit einer speziellen theoretischen und praktischen Fachanwaltsausbildung und abschließender Prüfung einher. Jeder Fachanwalt ist verpflichtet, jährlich Fortbildungsveranstaltungen in seinem Spezialgebiet zu besuchen. Damit soll sichergestellt werden, dass der Rechtsanwalt in seinem Spezialgebiet immer auf dem aktuellen Stand von Gesetzgebung und Rechtsprechung ist: eine Grundvoraussetzung für eine gute anwaltliche Beratung.

Tipp

Den richtigen Anwalt finden

Hören Sie sich im Freundes- und Bekanntenkreis um und erkundigen Sie sich, wer mit welchem Anwalt gute Erfahrungen gemacht hat. Fragen Sie aber immer, in welchem Rechtsgebiet der empfohlene Anwalt tätig war. Ein guter Familienrechtsanwalt ist in der Regel kein Experte für Arbeitsrecht.

Fachanwälte: Suchen Sie einen Anwalt, der für Ihre Rechtsfrage Experte ist. Ein Anwalt, der zusätzlich die Bezeichnung Fachanwalt führen darf, hat eine nachgewiesene, besondere Qualifikation. Die wichtigsten Fachanwaltschaften haben folgende Ausrichtung: Arbeitsrecht, Bank- und Kapitalmarktrecht, Erbrecht, Familienrecht, Medizinrecht, Miet- und Wohnungseigentumsrecht, Sozialrecht, Steuerrecht, Verkehrsrecht, Versicherungsrecht. Laut Mitgliederstatistik der Bundesrechtsanwaltskammer zum 1. Januar 2016 haben über 55.000 zugelassene Anwälte einen Fachanwaltstitel, die meisten im Familienrecht.

Haben Sie eine rechtliche Frage zu Ihrem Arbeitsverhältnis, suchen Sie sich einen Fachanwalt für Arbeitsrecht. Dabei gibt es Kanzleien, die ausschließlich Arbeitnehmerinteressen vertreten und solche, die allein auf Arbeitgeberseite stehen. Das vermeidet Interessenkonflikte und lässt sich auf der Homepage des Anwalts oder durch einen Anruf schnell herausfinden. Gleiches gilt im Medizinrecht: Es gibt Patientenrechtsanwälte und solche, die ausschließlich Krankenhäuser und Ärzte vertreten.

Suchen Sie sich einen Fachanwalt, der in Ihrer Nähe seine Kanzlei hat. So können Sie ein persönliches Gespräch führen, ohne allein auf das Telefon angewiesen zu sein.

Anwaltssuchdienste: Jede Rechtsanwaltskammer bietet einen Suchdienst an, in dem alle Mitglieder aufgeführt sind. Die Bundesrechtsanwaltskammer hat auf ihrer Webseite alle Adressen der 28 Rechtsanwaltskammern aufgeführt. Auf deren Seiten können Sie in Ihrer Region einen Anwalt für Ihre Frage finden.

Darüber hinaus gibt es zahlreiche weitere Anwaltssuchdienste wie zum Beispiel Anwalt-Suchservice.de. Der Suchdienst wird vom juristischen Fachverlag Dr. Otto Schmidt GmbH betrieben. In diese Suche werden allerdings nur 15.500 Anwälte einbezogen.

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Das sollten Sie über Anwaltskosten wissen

Bei Anwaltskosten lohnt sich kein Preisvergleich: Die Gebühren, die ein Anwalt mindestens verlangen muss, sind gesetzlich festgelegt. Erst oberhalb der Mindestgebühren wird vom Gesetzgeber akzeptiert, dass Mandant und Rechtsanwalt eine höhere Bezahlung vereinbaren, zum Beispiel nach Zeitaufwand.

Anwaltsgebühren sind im Rechtsanwaltsvergütungsgesetz (RVG) geregelt. Das wurde zum August 2013 durch das Kostenmodernisierungsgesetz geändert und die Gebühren erhöht. Sie müssen zwischen dem Honorar für die außergerichtliche Beratung, dem Honorar für die außergerichtliche Vertretung sowie für die gerichtliche Vertretung unterscheiden.

Außergerichtliche Beratung: Benötigen Sie einen anwaltlichen Rat oder eine Auskunft, darf die Gebühr für ein erstes Beratungsgespräch für einen Verbraucher nicht höher als 190 Euro zuzüglich Mehrwertsteuer sein (§ 34 RVG). Benötigen Sie ein Gutachten zur Einschätzung der Rechtslage, müssen Sie maximal 250 Euro zuzüglich Mehrwertsteuer zahlen. Der Anwalt kann aber eine höhere Beratungspauschale mit Ihnen durch eine Gebührenvereinbarung ausmachen. Ohne sie bleibt es bei den gesetzlich festgelegten Mindestgebühren.

Außergerichtliche Vertretung: Soll Ihr Anwalt Sie nicht nur beraten, sondern Sie außergerichtlich vertreten und zum Beispiel an Ihren Vermieter oder Arbeitgeber schreiben, richtet sich die Gebühr nach den Nummern 2300 ff. des Vergütungsverzeichnisses (VV) RVG. Je nach Arbeitsaufwand entsteht eine halbe bis eine zweieinhalbfache Gebühr. Die Mittelgebühr beträgt 1,3 und wird in den meisten Fällen von den Anwälten in Rechnung gestellt. Eine höhere Gebühr als das 1,3-fache kann Ihr Anwalt nur dann berechnen, wenn die Tätigkeit umfangreich oder schwierig war. Das muss der Anwalt Ihnen gegenüber aber besonders begründen. Soll Ihr Anwalt nur ein einfaches Schreiben ohne schwierige rechtliche Ausführungen oder größere sachliche Auseinandersetzungen verfassen, darf er Ihnen sogar nur eine Gebühr von 0,3 verlangen.

Die Gebühren werden nach dem Wert berechnet, um den es in der rechtlichen Auseinandersetzung geht – dem sogenannten Gegenstandswert. Die Gebührenstaffelung nach Gegenstandswert können Sie der Anlage 2 zum RVG entnehmen. Konnte Ihr Anwalt eine außergerichtliche Einigung herbeiführen, fällt außerdem eine Einigungsgebühr von 1,5 an (Nr. 1000 VV).

Hinzukommen immer die Mehrwertsteuer von 19 Prozent sowie eine Post- und Telekommunikationspauschale von 20 Euro.

Beispiel außergerichtliche Vertretung bei Eigenbedarfskündigung

Ihnen wurde wegen Eigenbedarf gekündigt und Sie wollen sich dagegen wehren. Ihre monatliche Nettokaltmiete liegt bei 800 Euro. Der Gegenstandswert beläuft sich auf eine Jahresmiete, also 9.600 Euro (§ 23 Abs. 1 RVG, § 41 GKG). Eine Geschäftsgebühr nach RVG beträgt bei diesem Streitwert 558 Euro (§ 13 RVG, Anlage 2 bis 10.000 Euro).

Gesamt:   884,23 Euro
Streitwert 9.600 Euro  
Angefallene Geschäftsgebühr 1,3 725,40 Euro
Mehrwertsteuer von 19 % Nr. 7008 VV RVG 138,83 Euro
Postpauschale Nr. 7002 VV RVG 20,00 Euro

Gerichtliche Vertretung: Für Ihre gerichtliche Vertretung fällt grundsätzlich eine 1,3-fache Verfahrensgebühr an, auf die die außergerichtlich bereits angefallene Geschäftsgebühr zur Hälfte angerechnet wird, maximal jedoch mit einer 0,7-fachen Gebühr. Für die Vertretung im Gerichtstermin fällt eine weitere 1,2-fache Termingebühr an. Wird im gerichtlichen Verfahren ein Vergleich geschlossen, kann Ihr Anwalt eine weitere 1,0-fache Vergleichsgebühr verlangen.

Beispiel gerichtliche Vertretung bei Eigenbedarfskündigung

Die außergerichtlichen Bemühungen Ihres Anwalts haben nicht zu einer zufriedenstellenden Lösung geführt. Sie lassen sich deshalb von Ihrem Anwalt gerichtlich vertreten. Der Gegenstandswert beläuft sich auf eine Jahresmiete, also 9.600 Euro (§ 23 Abs. 1 RVG, § 41 GKG). Eine Geschäftsgebühr nach RVG beträgt bei dem Streitwert 558 Euro (§ 13 RVG, Anlage 2, bis 10.000 Euro).

Gesamt:   1.248,44 Euro
Streitwert 9.600 Euro  
Verfahrensgebühr (§§ 2, 13 RVG, Nr. 3100 VV RVG) 1,3 725,40 Euro
Anzurechnen hierauf laut Vorbemerkung 3 Abs. 4 Anlage 1 VV RVG 0,65 - 362,70 Euro
Es verbleiben:   362,70 Euro
Termingebühr (Nr. 3104 VV RVG) 1,2 669,60 Euro
Mehrwertsteuer von 19 % Nr. 7008 VV RVG 196,14 Euro
Postpauschale Nr. 7002 VV RVG 20,00 Euro

So berechnen Sie Ihre Anwaltskosten

Um eine ungefähre Vorstellung zu bekommen, wie hoch Ihre Anwaltskosten sein werden, können Sie im Internet den vom Anwaltssuchservice bereit gestellten Rechner nutzen. Sie werden aufgefordert, ein Formular auszufüllen. Erläuternde Hinweise erhalten Sie, wenn Sie auf das jeweilige Fragezeichen klicken. Bei der Eingabe des Streitwerts werden Sie durch die Beantwortung von einigen zusätzlichen Fragen zum richtigen Wert geführt. Zusätzlich zu den Gebühren kommen die Mehrwertsteuer von 19 Prozent sowie eine Post- und Telekommunikationspauschale von 20 Euro. Der Rechner bezieht sich aber nur auf zivilrechtliche Streitigkeiten. Anwaltskosten im Strafrecht oder im öffentlichen Recht werden anders bestimmt. Erkundigen Sie sich dazu bei Ihrem Anwalt.

Wenn Sie eine Rechtsschutzversicherung haben

Haben Sie eine Rechtsschutzversicherung, klärt Ihr Anwalt meist für Sie direkt mit dem Versicherer, ob er die Kosten übernimmt. Darauf sollten Sie sich aber nicht verlassen. Nehmen Sie selbst mit dem Versicherer Kontakt auf und bitten um eine sogenannte Deckungszusage - und zwar bevor Sie den Rechtsanwalt beauftragen. So gehen Sie sicher, dass Sie auf den Anwaltskosten nicht sitzen bleiben.

Zur Schlichtungsstelle bei Ärger mit dem Anwalt

Sind Sie mit der Höhe der Anwaltsgebühren nicht einverstanden, fühlen Sie sich über die Kosten nicht ausreichend aufgeklärt oder werfen Sie Ihrem Rechtsanwalt Fehler vor, sollten Sie das zunächst mit Ihrem Anwalt direkt besprechen. Finden Sie keine Lösung, können Sie sich kostenlos an die Schlichtungsstelle der Rechtsanwaltschaft wenden. Die vermittelt bei Streitigkeiten bis zu einem Wert von 50.000 Euro. Den Parteien wird ein Einigungsvorschlag unterbreitet, den sie annehmen können oder nicht. Laut Tätigkeitsbericht hat die Stelle im Jahr 2016 290 Schlichtungsvorschläge unterbreitet. Zehn Prozent gingen vollständig zugunsten des Mandanten aus, das bedeutet, der Anwalt musste seine Rechnung reduzieren oder Schadensersatz zahlen. In knapp 200 Fällen haben sich die Streitenden auf einen Kompromiss geeeinigt.

Mehr dazu im Ratgeber Rechtsschutzversicherung

Julia Rieder
von Finanztip,
Expertin für Versicherungen

Ein Rechtsstreit kann teuer werden

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Die letzten Beiträge zu dieser Diskussion:
Meine Erfahrung der letzten Zeit: Man findet kaum mehr einen Rechtsanwalt, sollte der Streitwert zu gering sein. Nach RGV will niemand abrechnen und es wird Honorarvereinbarung verlangt. Und da zahlt ...
27. April 2017 zum Beitrag
Da die letzten Beiträge ja weniger mit dem eigentlichen Thema zu tun hatte, möchte ich meine Erfahrungen mitteilen, wie ich an zuletzt an meinen Anwalt gekommen bin:
Da ich bisher noch nichst ...
20. Januar 2017 zum Beitrag
Sie täuschen sich! Ob mir ein Beitrag gefällt oder nicht, spielt keine Rolle für die Anrede.
Abgesehen von meinen ersten Beiträgen in diesem Forum bin ich schon seit langem zum "Sie" ...
12. Juli 2016 zum Beitrag
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Finanztip-Chefredakteur
Hermann-Josef Tenhagen

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Artikel verfasst von

Dr. Britta Beate Schön

Finanztip-Expertin für Recht

Britta Beate Schön ist bei Finanztip für sämtliche Rechtsthemen zuständig. Die promovierte Juristin und Rechtsanwältin war als Leiterin der Rechtsabteilung bei Finanzdienstleistern wie der Telis Finanz AG und der Interhyp tätig. Vorher lehrte und forschte sie in Japan als DAAD-Junior-Professorin für deutsches und Europarecht. Ihr Studium absolvierte sie in Münster, Genf, Regensburg und Leipzig. Die Autorin erreichen Sie unter britta.schoen@finanztip.de.