Gesundheitsfragen

Vorsicht vor falschen Gesundheitsangaben

Das Wichtigste in Kürze

  • Wer bestimmte Versicherungen abschließen will, muss im Antrag oft umfangreiche Gesundheitsfragen beantworten. Das gilt zum Beispiel für Berufs- und Erwerbsunfähigkeits-Policen, Lebensversicherungen sowie private Krankenversicherungen.
  • Beantworten Sie die Fragen unbedingt wahrheitsgemäß und lassen Sie keine vermeintlichen Kleinigkeiten weg. Im schlimmsten Fall bekommen Sie sonst später keine Leistung.
  • Sie müssen aber nur die Krankheiten oder Behandlungen angeben, nach denen Sie konkret gefragt werden.
  • Füllen Sie die Gesundheitsfragen nicht direkt im Gespräch mit Ihrem Makler oder Honorarberater aus, sondern nehmen Sie den Bogen mit nach Hause und beantworten Sie die Fragen in Ruhe.
  • Konsultieren Sie unbedingt auch Ihre Ärzte, denn in deren Akten stehen oft Dinge, an die Sie nicht denken oder von denen Sie nichts wissen, die Sie aber angeben sollten.

Beim Abschluss aller Versicherungen rund um Leben, Krankheit und Arbeitskraft spielen Fragen zur Gesundheit eine große Rolle. Anhand der Gesundheitsangaben schätzt eine Versicherung ein, wie groß das Risiko ist, einen Kunden zu versichern. Dementsprechend berechnet das Unternehmen die Prämien, erhebt Risikozuschläge für bestimmte Krankheiten oder lehnt den Antrag sogar ab. Wer krank ist, kann es also schwer haben, überhaupt einen Vertrag zu bekommen.

Doch auch wer den Vertragsabschluss geschafft hat, wird das Thema nicht los. Geht es später darum, dass eine Leistung ausgezahlt werden soll, prüfen die Versicherungen nochmal ganz genau, ob alle Angaben zu den Gesundheitsfragen wahrheitsgemäß und vollständig waren. Falls die Versicherung einen Fehler entdeckt, kann sie mitunter die Zahlung verweigern.

Wichtig bei neuen und bestehenden Verträgen

Wie detailliert sich ein Versicherer für Ihre Gesundheit interessiert, hängt von der Police ab, die Sie abschließen möchten. Geht es für den Anbieter im Versicherungsfall um viel Geld, etwa bei einer Berufsunfähigkeits- oder Risikolebensversicherung, müssen Sie in der Regel mehrseitige Fragebögen ausfüllen. Wollen Sie wie bei einer Zahnzusatzversicherung nur einen relativ begrenzten Leistungsbereich versichern, ist die Gesundheitsprüfung weniger umfangreich.

Tipp

Gesundheitsfragen für Kinder

Private Krankenversicherungen nehmen auch Kinder erst nach einer Gesundheitsprüfung auf. Diese entfällt allerdings für Neugeborene, die innerhalb von zwei Monaten nach der Geburt versichert werden.

Der Gesundheitszustand ist nicht nur bei Abschluss eines neuen Vertrags wichtig, sondern auch, wenn ein Versicherter die Leistungen eines bestehenden Vertrags verbessern möchte. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn der Kunde die Versicherungssumme erhöhen will oder den Selbstbehalt seiner privaten Krankenversicherung senken. Dann kann der Versicherer eine erneute Gesundheitsprüfung fordern.

Vermeiden lässt sich das durch einen Vertrag mit Nachversicherungsgarantie. Diese Klausel erlaubt es, die Versicherung bei besonderen Ereignissen wie Hochzeit, Geburt eines Kindes oder einer Gehaltserhöhung nachträglich anzupassen – ohne erneute Gesundheitsfragen.

Wahrheitsgemäß antworten

Bei den Fragen zum Gesundheitszustand sollten Sie keinesfalls schummeln. Sonst riskieren Sie im schlimmsten Fall Ihren Versicherungsschutz und den Verlust aller gezahlten Beiträge. Allerdings müssen Sie nur Dinge angeben, nach denen ausdrücklich in Textform gefragt wird. Wenn Sie also zum Beispiel im Versicherungsantrag nach „ärztlich behandelten Erkrankungen und Leiden“ gefragt werden, brauchen Sie keine Beschwerden zu nennen, derentwegen Sie nicht in ärztlicher Behandlung waren.

Verbraucherfreundliche Gesundheitsfragen beziehen sich auf einen begrenzten Zeitraum: Üblich sind die vergangenen fünf Jahre für ambulante Behandlungen und maximal zehn Jahre für stationäre Therapien. Außerdem sollte ganz konkret nach ärztlichen Behandlungen gefragt werden, nicht nach „Beschwerden und Gebrechen“.

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Julia Rieder
von Finanztip,
Expertin für Versicherungen

Staatliche Rente reicht nicht aus

  • Versichern Sie eine ausreichend hohe Rente.
  • Achten Sie auf die Leistung, nicht auf den Preis.
  • Wer Gesundheitsfragen falsch beantwortet, bekommt womöglich keine Leistung.

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Arzt zurate ziehen

Es macht den Abschluss einer Versicherung zwar mühsam, aber Gesundheitsfragen sollten Sie nur nach Rücksprache mit Ihren Ärzten beantworten. Füllen Sie den Bogen nicht direkt im Gespräch mit dem Vermittler aus, sondern nehmen Sie sich Zeit. Passen die Antworten nicht alle auf das Formular der Versicherung, nehmen Sie ein zusätzliches Blatt Papier.

Am besten fordern Sie bei allen relevanten Ärzten Ihre Patientenakten an. Im Zweifelsfall ist das nicht nur der Hausarzt, sondern auch der Gynäkologe, der Hautarzt oder der Orthopäde. Denn immer wieder kommt es vor, dass Ärzte Diagnosen abrechnen, von denen Sie nichts wissen. Um sich an alle Arztbesuche der vergangenen Jahre zu erinnern, hilft oft der Blick in alte Kalender. Zusätzlich können Sie bei Ihrer Krankenkasse kostenlos eine sogenannte Versichertenauskunft anfordern. Sie enthält eine Liste aller ärztlichen Leistungen, die in den vergangenen 18 Monaten über die Krankenversicherung abgerechnet wurden.

Tipp

Probeantrag nutzen

Wer Vorerkrankungen hat, muss mit höheren Beiträgen oder eingeschränktem Versicherungsschutz rechnen. Bei der Suche nach dem bestmöglichen Angebot helfen anonymisierte Risikovoranfragen.

Falls Sie in den Unterlagen Angaben entdecken, die falsch sein könnten, sollten Sie Ihren Arzt darauf ansprechen und um Korrektur bitten. Haben Sie Schwierigkeiten beim Ausfüllen des Bogens, fragen Sie am besten ebenfalls Ihren Arzt um Rat und sprechen die Fragen gemeinsam durch. So können Sie sicherstellen, dass die Antworten auf dem Gesundheitsfragebogen mit den Akten übereinstimmen. Denn geht es eines Tages tatsächlich um die Bewilligung einer Versicherungsleistung, beispielsweise einer Berufsunfähigkeitsrente, wird die Versicherung die Patientenakten anfordern.

Mit der Unterschrift auf dem Fragebogen müssen Sie Ihre Ärzte gegenüber der Versicherung von der Schweigepflicht entbinden. Sie sollten das nicht pauschal für alle Ärzte tun, sondern nur im Einzelfall auf Anfrage der Versicherung. Das ist sinnvoll, damit Sie nochmal mit dem betreffenden Arzt sprechen und ihn bitten können, seine Auskünfte streng auf den im Antrag erfragten Zeitraum zu begrenzen. Alternativ können Sie auch die geforderten Auskünfte von dem jeweiligen Arzt besorgen und an die Versicherung weiterreichen. So lässt sich verhindern, dass der Arzt versehentlich Angaben macht, die Ihnen schaden könnten.

Vorvertragliche Anzeigepflicht

Heben Sie alle Unterlagen auf, die Sie zum Ausfüllen der Gesundheitsfragen verwendet haben. Damit können Sie bei einem möglichen Streit besser belegen, dass Sie Ihre vorvertragliche Anzeigepflicht erfüllt haben.

Das Versicherungsvertragsgesetz (VVG) regelt diese Anzeigepflicht des Versicherungsnehmers in Paragraf 19. Dort heißt es, der Kunde habe „bis zur Abgabe seiner Vertragserklärung die ihm bekannten Gefahrumstände, die für den Entschluss des Versicherers, den Vertrag mit dem vereinbarten Inhalt zu schließen, erheblich sind und nach denen der Versicherer in Textform gefragt hat, dem Versicherer anzuzeigen“.

Achtung

Risiko-Sportarten

Die Anzeigepflicht gilt nicht nur für Gesundheitsprobleme. Auch gefährliche Hobbys wie Tauchen oder Motorsport müssen Sie im Versicherungsantrag angeben, sofern danach gefragt wird.

Die Versicherung geht bei der Berechnung Ihres Beitrags davon aus, dass die Angaben bei den Gesundheitsfragen korrekt sind. Fehlen Auskünfte, besteht die Gefahr, dass Sie den Versicherungsschutz verlieren.

Die Versicherung kann den Vertrag anfechten, falls sich der Kunde den Versicherungsschutz „arglistig“ erschlichen hat, indem er beispielsweise Vorerkrankungen bewusst verschwiegen hat. In einem solchen Fall muss der Kunde bereits erhaltene Leistungen an die Versicherung zurückerstatten und verliert auch seine eingezahlten Beiträge. Das gilt allerdings nur innerhalb der ersten zehn Jahre nach Vertragsschluss. Danach verjährt die arglistige Täuschung. Außerdem muss die Versicherung beweisen, dass der Kunde sie absichtlich belogen hat und nicht aus Schusseligkeit oder falscher Scham falsche Angaben gemacht hat.

Die Versicherung kann den Vertrag bei arglistiger Täuschung sogar dann anfechten, wenn die verschwiegene Krankheit unerheblich für den Eintritt des Versicherungsfalls ist. So erging es einer Frau im Streit mit ihrer Berufsunfähigkeitsversicherung: Die Klägerin konnte nicht mehr arbeiten, weil sie im Betrieb die Treppe hinuntergestürzt war und sich erheblich verletzt hatte. Bei Abschluss des Vertrags hatte sie allerdings verschwiegen, dass sie wegen eines Herzklappenfehlers, erhöhter Cholesterinwerte und Angstzuständen nach einem Autounfall bei mehreren Ärzten in Behandlung war. Die Versicherung musste nicht zahlen (OLG Karlsruhe, Urteil vom 7. April 2005, Az. 12 U 391/04).

Hat der Kunde aus Schludrigkeit unvollständige Angaben gemacht, kann das ebenfalls nachteilige Folgen haben. Der Versicherer darf den Vertrag beispielsweise binnen eines Monats kündigen oder rückwirkend die Beiträge erhöhen beziehungsweise Leistungen in bestimmten Fällen ausschließen. Welche Sanktionen die Versicherung ergreifen kann, hängt davon ab, wie fahrlässig der Kunde gehandelt hat und ob der Anbieter den Vertrag auch bei Kenntnis der verschwiegenen Umstände geschlossen hätte.

Kommt es zum Streit mit der Versicherung, sollten Sie nicht gleich klein beigeben. Für den Rücktritt des Versicherers vom Vertrag oder eine Vertragsanfechtung gibt es hohe gesetzliche Hürden. Oft scheitert der Versuch, den Vertrag aufzulösen, bereits an Formfehlern. Lassen Sie sich deshalb unbedingt von einem Fachanwalt für Versicherungsrecht beraten, wenn das Unternehmen nicht zahlen will.

Das Risiko, die vorvertragliche Anzeigepflicht zu verletzen, ist außerdem deutlich geringer, wenn ein Anbieter darauf verzichtet, die Police unter Berufung auf Paragraf 19 VVG anzupassen oder zu kündigen. In den Versicherungsbedingungen sollte dafür in etwa folgender Wortlaut enthalten sein: „Wir verzichten auf die Rechte aus Paragraf 19 VVG zur Vertragsanpassung und Kündigung, sofern die Anzeigepflichtverletzung unverschuldet erfolgt ist.“

Anspruch auf geringere Versicherungsprämie

Versicherer verlangen bei manchen Vorerkrankungen Risikozuschläge, die zusätzlich zum Versicherungsbeitrag anfallen. Das bedeutet aber nicht, dass der Kunde den erhöhten Beitrag bis ans Ende der Laufzeit des Versicherungsvertrags zahlen muss. Das Versicherungsrecht sieht vor, dass der Versicherungsnehmer verlangen kann, die Prämie zu senken, wenn von der früheren Erkrankung kein erhöhtes Risiko mehr ausgeht (§ 41 VVG).

Im Zweifel können Sie den Anspruch auf Herabsetzung der Versicherungsprämie auch gerichtlich durchsetzen. Das Landgericht Coburg urteilte, dass der Versicherungsnehmer die Streichung des Risikozuschlages beanspruchen kann, sobald das Risiko entfällt (26. September 2001, Az. 32 S 131/00).

In dem Fall war bei einem privat Krankenversicherten ein Rückenleiden nach Jahren ausgeheilt, sodass kein erhöhtes Krankheitsrisiko mehr bestand. Daher musste die Versicherung den Risikozuschlag streichen. Der Versicherte sollte aber die Heilung belegen können, zum Beispiel durch ein ärztliches Gutachten.

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Artikel verfasst von

Julia Rieder

Finanztip-Expertin für Versicherungen

Julia Rieder ist Expertin für Versicherungen und derzeit kommisarisch für das Thema Reise verantwortlich. Während ihres Volontariats bei Finanztip sammelte sie Hörfunk-Erfahrung beim Inforadio. Vorher war sie in den Redaktionen von Frontal 21, der Berliner Zeitung und dem Online-Magazin politik-digital tätig. Ihr Studium der Politikwissenschaft hat Julia Rieder an der Freien Universität Berlin mit einem Master abgeschlossen.

Annika Krempel

Finanztip-Expertin für Versicherungen

Annika Krempel ist Redakteurin im Team Versicherung und Vorsorge. Nach ihrem Diplom in Politikwissenschaften absolvierte sie ein Volontariat für Wirtschafts- und Verbraucherjournalisten. Sie sammelte unter anderem Erfahrungen in den Redaktionen von ZDF WISO, RBB Inforadio sowie der Stiftung Warentest. Die verbraucherpolitische Arbeit lernte sie beim Verbraucherzentrale Bundesverband kennen.