Berufsunfähigkeitsrente

So klappt es mit Antrag und Rente

Julia Rieder
& Co-Autoren
Stand: 03. September 2020
Das Wichtigste in Kürze
  • Wenn Du dauerhaft zu krank bist, um Deinen Beruf auszuüben, kannst Du bei Deiner privaten Berufsunfähigkeitsversicherung eine Rente beantragen.
  • Der Antrag ist sehr umfangreich. Je fehlerfreier und vollständiger Du ihn ausfüllst, desto größer sind Deine Chancen, dass die Versicherung die Rente schnell bewilligt.
So gehst Du vor
  • Kümmere Dich frühzeitig um eine Berufsunfähigkeitsversicherung, damit Du im Ernstfall ausreichend abgesichert bist.
  • Erkrankst Du so schwer, dass Du wohl dauerhaft nicht mehr voll arbeiten kannst, solltest Du einen Antrag auf Berufsunfähigkeitsrente stellen.
  • Lass Dich am besten schon beim Antrag von einem Experten unterstützen. Wir haben eine Liste mit empfehlenswerten Anwaltskanzleien zusammengestellt.

Der Rücken macht nicht mehr mit, psychische Probleme plagen Dich oder ein schwerer Unfall führt dazu, dass Du nicht mehr voll Deinem Beruf nachgehen kannst. Wenn aus solchen Gründen Dein Einkommen wegbricht, ist eine Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) ein wichtiger Rettungsanker. Der Weg bis zur Auszahlung der Berufsunfähigkeitsrente kann jedoch lang werden. Einer Studie der Versicherungsanalysten von Franke und Bornberg zufolge dauert es vom Antrag bis zur Bewilligung im Schnitt ein halbes Jahr. Jeder fünfte Antrag wird ganz abgelehnt.

Damit Dir das nicht passiert, empfehlen wir, Dir schon beim Antrag professionelle Unterstützung zu holen. Wir haben eine Liste von empfehlenswerten Kanzleien zusammengestellt, die sich darauf spezialisiert haben, die Rechte von Versicherten gegenüber einer Berufsunfähigkeitsversicherung durchzusetzen.

Gibt es eine gesetzliche Berufsunfähigkeitsrente?

Anspruch auf eine Berufsunfähigkeitsrente der gesetzlichen Rentenversicherung haben heute nur noch Menschen, die vor dem 1. Januar 1961 geboren wurden. Für Jüngere existiert nur die gesetzliche Erwerbsminderungsrente. Der wichtige Unterschied: Für die Berufsunfähigkeitsrente zählt, ob Du in Deinem erlernten oder zuletzt ausgeübten Beruf arbeiten kannst. Ob Du noch eine andere Arbeit machen kannst, ist unwichtig. Die Erwerbsminderungsrente gibt es hingegen nur, wenn Du in überhaupt keinem Job mehr als sechs Stunden arbeiten kannst.

Eine private Berufsunfähigkeitsversicherung abzuschließen, ist aus zwei Gründen sinnvoll:

  1. So hast Du Anspruch auf eine Rente, wenn Du nicht mehr Deinem Beruf nachgehen kannst.
  2. Du kannst Dich finanziell besser absichern, denn die staatliche Erwerbsminderungsrente fällt oft recht niedrig aus.

Wann hast Du Anspruch auf eine Berufsunfähigkeitsrente?

Bei einer privaten Berufsunfähigkeitsversicherung musst Du in der Regel zu mindestens 50 Prozent berufsunfähig sein, um von Deiner Versicherung Leistungen wie eine Berufsunfähigkeitsrente zu bekommen. Was das genau bedeutet, steht in Deinen Versicherungsbedingungen. Im Kern geht es darum, dass Du krankheitsbedingt oder nach einem Unfall voraussichtlich sechs Monate oder länger nicht in der Lage bist, Deinem zuletzt ausgeübten Beruf nachzugehen.

Wie hoch ist die Berufsunfähigkeitsrente?

Die Höhe Deiner Berufsunfähigkeitsrente hast Du in Deinem Versicherungsvertrag beim Abschluss festgelegt. Grundsätzlich solltest Du möglichst so abgesichert sein, dass Du mit Deiner Berufsunfähigkeitsrente Deine laufenden monatlichen Kosten bestreiten kannst. Beachte außerdem, dass Du einen Teil der Rente eventuell versteuern musst und brutto nicht gleich netto ist.

In vielen Verträgen ist außerdem festgeschrieben, dass der Beitrag und damit die Höhe der Berufsunfähigkeitsrente jährlich um einige Prozentpunkte steigt. Auf wie viel BU-Rente Du derzeit Anspruch hast, sofern Du alle Voraussetzungen erfüllst, erfährst Du im jüngsten Nachtrag zu Deinem Versicherungsschein.

Wie beantragst Du Deine Berufsunfähigkeitsrente?

Vor der BU-Rente steht erst einmal der Antrag. Anhand Deiner Angaben im Antrag und mit Hilfe medizinischer Gutachten entscheidet die Versicherung, ob sie eine Berufsunfähigkeitsrente zahlt. Daher ist es sehr wichtig, dass Du diesen Schritt ernst nimmst und zeitnah die notwendigen Unterlagen einreichst.

Die Antragsformulare kannst Du zunächst formlos telefonisch oder per E-Mail bei Deiner Versicherung anfordern. Der Antrag umfasst meist 20 Seiten oder mehr. Der Versicherer verlangt einen lückenlosen Nachweis Deiner Berufsunfähigkeit. Im Durchschnitt dauert es ein halbes Jahr, bis ein Antrag genehmigt wird. Etwa 20 Prozent der Anträge werden laut einer Studie der Versicherungsanalysten von Franke und Bornberg abgelehnt. Damit Du bei Deinem Antrag Fehler vermeidest, die eine Bewilligung Deiner Rente verzögern oder gar gefährden, solltest Du Dich von einem Profi beraten lassen. Das empfehlen auch alle von uns befragten Rechtsanwälte, Honorarberater und Verbraucherschützer.

Unter Umständen kontaktiert dann bereits Dein Anwalt den behandelnden Arzt und leitet alles in die Wege. Wenn Dir Deine Versicherung nur eine zeitlich befristete Rente anbietet, kannst Du dies direkt von Deinem Anwalt prüfen lassen, bevor Du etwas unterschreibst, was später zu Problemen führen kann.

Mit Deinem Anwalt kannst Du auch den optimalen Zeitpunkt für den Antrag auf Berufsunfähigkeitsrente besprechen. Denn wenn Du während einer Krankheit Leistungen aus einer privaten Krankentagegeld-Versicherung beziehst, müssen diese unter Umständen zurückgezahlt werden, sobald die Berufsunfähigkeitsversicherung eine Rente bewilligt.

Finanztip hat eine Liste von empfehlenswerten Kanzleien zusammengestellt, die darauf spezialisiert sind, die Rechte von Versicherten gegenüber einer Berufsunfähigkeitsversicherung durchzusetzen.

Berufsunfähigkeit so detailliert wie möglich dokumentieren

Je detaillierter Du oder Dein Anwalt die Berufsunfähigkeit im Antrag begründet, desto schneller bekommst Du Geld von der Versicherung. Zusammen mit dem Antrag musst Du folgende Unterlagen einreichen:

  • ausführliche Darstellung zur Ursache der Berufsunfähigkeit,
  • detaillierte Berichte der behandelnden Ärzte, die Deine Berufsunfähigkeit begründen und die voraussichtliche Dauer des Leidens vorhersagen sowie
  • Unterlagen über Deinen Beruf, Deine Stellung und Deine Tätigkeiten. Dazu gehören auch genaue Angaben, wie viel Zeit Du im Arbeitsalltag mit den einzelnen Tätigkeiten verbracht hast.

Die Versicherung prüft dann, ob der Grad der Berufsunfähigkeit erreicht ist, ab dem sie die Rente zahlen muss. Außerdem versucht sie herauszufinden, ob Du beim Vertragsschluss falsche Angaben gemacht hast, zum Beispiel bei den Gesundheitsfragen.

Wenn die Versicherung den Antrag bewilligt, zahlt sie die Rente für die vereinbarte Vertragsdauer oder solange die Berufsunfähigkeit besteht. Manchmal befristet sie auch die Zahlungen.

Tipp: Trotz starker Gesundheitsprobleme eine detaillierte Liste aller Arbeitsaufgaben zu erstellen, fällt oft schwer. Deshalb ist es hilfreich, wenn Du so eine Tätigkeitsbeschreibung vorsorglich schon in gesunden Tagen machst.

Das kostet die Beratung beim Anwalt

Die Honorare variieren erheblich und reichen von ein paar Hundert Euro bis zu mehreren Tausend Euro. Einige Anwälte verlangen einen Pauschalpreis, andere stellen ihre Arbeitsstunden in Rechnung, wieder andere rechnen nach dem Streitwert ab. Die Stundensätze können sich auf bis zu 250 Euro belaufen. Besprich die Kosten also vorab sehr genau, bevor Du dem Anwalt einen Auftrag erteilst.

Auch wenn Du eine Rechtsschutzversicherung hast, bleibst Du auf den Kosten für die Hilfe beim Antrag meist sitzen. Denn solange die Berufsunfähigkeitsversicherung Dir die Zahlung nicht verweigert hat, ist meist noch kein Rechtsschutzfall eingetreten. Das Anwaltshonorar ist aber eine gute Investition, denn es geht meist um sehr viel Geld, das Du durch die Rentenzahlungen über die Jahre bekommst.

Diese Experten empfehlen wir

Die folgenden Kanzleien sind darauf spezialisiert, Versicherte bei der Durchsetzung ihrer Rechte aus einer Berufsunfähigkeitsversicherung zu vertreten. Warum wir diese Experten empfehlen und wie wir sie ausgewählt haben, kannst Du am Ende dieses Artikels nachlesen. Die Informationen zu den einzelnen Anwälten spiegeln den Stand zum Zeitpunkt unserer Untersuchung im August 2017 wider.

Laux Rechtsanwälte, Berlin
Experte bei BU-Versicherungen, 4 Fachanwälte für Versicherungsrecht
  • viel Erfahrung (9 Jahre Erfahrung mit BU-Fällen, rund 150 Fälle seit 2016)
  • kostenlose telefonische Erstberatung
  • Beratungshonorar bei der Antragstellung: 250 € bis 1.550 € bei Beratung, Honorarvereinbarung bis etwa 4.000 € netto
  • 2 Fachanwälte für Medizinrecht
  • 12 nachgewiesene Urteile erstritten
Lehner und Kollegen, München
Experte bei BU-Versicherungen, Fachanwalt für Versicherungsrecht
  • viel Erfahrung (10 Jahre Erfahrung mit BU-Fällen, rund 200 Mandanten seit 2016)
  • kostenlose telefonische Erstberatung
  • Beratungshonorar bei der Antragstellung: 262 € bis 785 €
  • Fachanwalt für Medizinrecht
  • 6 nachgewiesene Urteile erstritten
Nur beim Anbieter abschließbar
Rechtsanwalt A. T. Schäfer, Frankfurt
Experte bei BU-Versicherungen, Fachanwalt für Versicherungsrecht
  • viel Erfahrung (7 Jahre Erfahrung mit BU-Fällen, 36 Mandanten seit 2016)
  • kostenlose telefonische Erstberatung
  • Beratungshonorar bei der Antragstellung: 226 € bei einmaliger Beratung, sonst nach Streitwert oder Stundensatz
  • Fachanwalt für Medizinrecht
  • 2 nachgewiesene Urteile erstritten
Friese & Adelung, München
Experte bei BU-Versicherungen, Fachanwalt für Versicherungsrecht
  • viel Erfahrung (6 Jahre Erfahrung mit BU-Fällen, rund 65 Fälle seit 2016)
  • kostenlose telefonische Erstberatung
  • Beratungshonorar bei der Antragstellung: nach Wunsch Pauschale oder Stundensatz von 250 €
  • 4 Fachanwälte für Medizinrecht
Wittig Ünalp Rechtsanwälte, München u.a.
Experte bei BU-Versicherungen, 5 Fachanwälte für Versicherungsrecht
  • viel Erfahrung (20 Jahre Erfahrung mit BU-Fällen, rund 230 Mandanten seit 2016)
  • kostenlose telefonische Erstberatung
  • Beratungshonorar bei der Antragstellung: nach Wunsch Pauschale oder Stundensatz von 250 €
  • 3 nachgewiesene Urteile erstritten
Gansel Rechtsanwälte, Berlin
Experte bei BU-Versicherungen, Fachanwalt für Versicherungsrecht
  • viel Erfahrung (10 Jahre Erfahrung mit BU-Fällen, rund 65 Mandanten seit 2016)
  • kostenlose telefonische Erstberatung innerhalb von 48 Stunden
  • sehr transparentes Angebot zur Beratung bei der Antragstellung, je nach Art der Betreuung: 595 € oder Pauschalpreis von drei Monatsrenten
  • 3 nachgewiesene Urteile erstritten
L & P Luber Pratsch Rechtsanwälte Partnerschaft, München u.a.
Experte bei BU-Versicherungen, 2 Fachanwälte für Versicherungsrecht
  • viel Erfahrung (mehr als 5 Jahre Erfahrung mit BU-Fällen, mehr als 50 Mandanten pro Jahr)
  • kostenlose Erstberatung
  • Beratungshonorar bei der Antragstellung: Kosten nach Umfang und Schwierigkeit
Rechtsanwalt Dr. Schlenker, Stuttgart
Experte bei BU-Versicherungen, Fachanwalt für Versicherungsrecht
  • viel Erfahrung (rund 8 Jahre Erfahrung mit BU-Fällen, rund 200 Mandanten seit 2016)
  • kostenlose telefonische Erstberatung von 15 Minuten
  • Beratungshonorar bei der Antragstellung: nach Aufwand

Wann können Versicherer eine BU-Rente ablehnen?

Versicherungsunternehmen arbeiten mit hochspezialisierten Anwaltskanzleien zusammen. Das ist in aller Regel im Zusammenspiel mit den medizinischen Gutachtern ein sehr wirkungsvolles Team. Spätestens wenn Deine Versicherung nicht zahlen will, brauchst Du deshalb einen Experten an Deiner Seite.

In einer solchen Situation ist es gut, wenn Du eine Rechtsschutzversicherung hast. Diese übernimmt die Anwalts- und Gerichtskosten, so dass Du nicht Gefahr läufst, auf den Kosten sitzen zu bleiben, falls es zu einem Vergleich kommt oder Du den Prozess verlierst.

Das sind vier typische Gründe, die Versicherungsunternehmen ins Feld führen, um keine BU-Rente zahlen zu müssen:

  1. „Sie sind gar nicht berufsunfähig“

    Gerade bei psychischen Erkrankungen wie Depressionen oder Burnout kommen Gutachter oft zu dem Ergebnis, dass der Antragsteller gar nicht berufsunfähig ist. Um eine Rente zu bekommen, musst Du in der Regel zu 50 Prozent berufsunfähig sein. Ärgerlich, wenn die vom Versicherer beauftragten Gutachten dann auf Werte von 30 bis 40 Prozent kommen.

    Die von uns befragten Rechtsanwälte haben angegeben, dass es in etwa 55 Prozent der Auseinandersetzungen mit dem Versicherer darum geht, ob der Versicherungsnehmer tatsächlich berufsunfähig ist. Das ist der häufigste Streitpunkt. Gut ist es dann, wenn Du Dich von einem Rechtsanwalt mit medizinischen Kenntnissen vertreten lässt.

  2. „Sie haben gelogen – das Vertrauensverhältnis ist zerstört“

    Beim Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung musst Du immer auch Angaben zu Deinem Gesundheitszustand machen. Hast Du dort etwas vorsätzlich verschwiegen, kann der Versicherer sich weigern, zu zahlen und zudem alle von Dir gezahlten Beiträge behalten.

    Dass der Versicherte unwahre oder unvollständige Angaben gemacht hat, ist ein sehr häufiger Einwand, den Versicherer erheben. Die von uns befragten Rechtsanwälte gaben an, dass es in etwa 40 Prozent aller BU-Streitigkeiten darum gehe.

    Die Versicherer fechten dann den Vertrag wegen arglistiger Täuschung an (§§ 22 VVG, 123 BGB). Ist die Anfechtung erfolgreich, ist damit der Vertrag, also die abgeschlossene Berufsunfähigkeitsversicherung rückwirkend ungültig und der Versicherer von seinen Pflichten befreit. Dafür reicht es, dass Du irgendeine Erkrankung verschwiegen hast, die gar nichts mit Deiner Berufsunfähigkeit zu tun hat. Wenn Du eine BU-Rente beantragst, erhält der Versicherer Einblick in Deine Krankenakte. Da stehen dann vielleicht Notizen oder Prognosen, von denen Du nichts weißt. Dass Du ihn arglistig getäuscht hast, muss der Versicherer aber beweisen. Nur weil im Antrag Angaben fehlen, die in der Patientenakte enthalten waren, ist das nicht sofort eine arglistige Täuschung. Bei einer arglistigen Täuschung hat das Versicherungsunternehmen ein Jahr Zeit, den Vertrag anzufechten (§ 124 BGB).

    Besteht Dein Vertrag schon länger als zehn Jahre, kann die Versicherung ihn allerdings nicht mehr anfechten (§ 124 Abs. 3 BGB). Also: Selbst wenn Du irgendeine Krankheit im Versicherungsantrag nicht angegeben hast, musst Du nach zehn Jahren nicht mehr befürchten, dass das Unternehmen Deinen Vertrag anficht.

    Manche Versicherte berichten, sie hätten ihrem Versicherungsvermittler vor dem Vertragsabschluss von Gesundheitsproblemen erzählt. In einem solchen Fall macht es einen Unterschied, ob Du Dich beim Abschluss der Berufsunfähigkeitsversicherung von einem Versicherungsvertreter oder von einem Makler hast beraten lassen. 

    Oft gehen die Vermittler im Beratungsgespräch die Gesundheitsfragen mit dem Kunden durch; der Vermittler setzt dann die Kreuzchen, und der Kunde unterschreibt. Hast Du Deinem Versicherungsvertreter zum Beispiel mündlich von Rückenbeschwerden berichtet, was der aber im Formular nicht angegeben hat, kann der Versicherer den Vertrag anschließend nicht wegen arglistiger Täuschung anfechten.

    Denn ein Versicherungsvertreter ist dem Unternehmen verpflichtet, dessen Verträge er vermittelt. Was der Kunde dem Versicherungsvertreter gesagt hat, gilt auch dem Versicherungsunternehmen als angezeigt (BGH, Beschluss vom 5. Juli 2017, Az. IV ZR 508/14). Im Juristendeutsch heißt das Auge- und Ohr-Rechtsprechung (§ 70 VVG).

    Achtung: Dieses Prinzip gilt aber nicht bei Versicherungsmaklern. Sie sollen unabhängig auf der Seite des Kunden stehen und sind damit weder Auge noch Ohr der Versicherungen.

  3. „Sie haben nicht alle Informationen mitgeteilt“ 

    Viele Versicherer wehren sich dagegen, Geld auszuzahlen, weil der Kunde bestimmte Informationen nicht mitgeteilt habe. Der Vorwurf ist nicht so schwerwiegend wie der einer arglistigen – also bewussten – Täuschung. Dem Kunden wird in diesem Fall aber Fahrlässigkeit vorgeworfen, also dass dieser beim Abschluss der Versicherung die Unterlagen nicht sorgfältig ausgefüllt habe.

    Der Versicherer erklärt dann den Rücktritt vom Vertrag (§ 19 Abs. 2 VVG). Das Unternehmen kann aber nur dann zurücktreten, sofern es Dich vor dem Abschluss der Versicherung ordnungsgemäß darauf hingewiesen hat, mit welchen Folgen Du rechnen musst, wenn Du Deine vorvertraglichen Anzeigepflichten verletzt.

    Das muss im Antragsformular deutlich hervorgehoben sein (§ 19 Abs. 5 VVG). Und zwar so, dass Du den Hinweis gar nicht übersehen kannst (BGH, Beschluss vom 6. Dezember 2017, Az. IV ZR 16/17). Viele Unternehmen haben sich an diese strengen Formvorgaben nicht gehalten. Ein solcher Formfehler kann eine Chance auf eine BU-Rente bedeuten, obwohl Du vielleicht nicht alle Arztbesuche angegeben hast.

    Die Versicherung kann außerdem nur dann vom Vertrag zurücktreten, wenn die verschwiegenen Umstände einen Einfluss auf den Eintritt der Berufsunfähigkeit und den Umfang der Leistung haben. Ein Beispiel: Hast Du eine Behandlung wegen Rückenschmerzen verschwiegen und bist nun berufsunfähig wegen eines Schlaganfalls, kann das Versicherungsunternehmen nicht zurücktreten.

    Viel Zeit hat der Versicherer nicht für seinen Rücktritt. Innerhalb eines Monats muss er tätig werden (§ 21 Abs. 1 VVG). Und fünf Jahre nach Vertragsabschluss ist der Rücktritt ausgeschlossen (§ 21 Abs. 3 VVG).

    Alternativ kann das Versicherungsunternehmen auch kündigen, wenn Du zum Beispiel Deine berufliche Tätigkeit nicht korrekt angegeben hast oder wenn Du riskante Hobbys verschwiegen hast (§ 24 VVG). Trotz Kündigung muss die Versicherung für einen eingetretenen Leistungsfall aber dennoch zahlen.

  4. „Schauen Sie ins Kleingedruckte. Ihre Erkrankung ist leider nicht abgesichert“

    Wenn Du beim Abschluss der Berufsunfähigkeitsversicherung schon gesundheitliche Probleme hast, passiert es oft, dass die Versicherung im Vertrag Leistungen bei bestimmten Erkrankungen ausschließt. Das gilt vor allem für Beschwerden mit der Wirbelsäule. Wirst Du dann später wegen einer orthopädischen Diagnose berufsunfähig, hast Du wenig Chancen, eine Berufsunfähigkeitsrente zu bekommen.

    Deshalb solltest Du immer versuchen, einen Vertrag ohne solche Leistungsausschlüsse zu bekommen. Dabei kann Dir ein versierter Versicherungsmakler oder -berater helfen.

Mehr dazu im Ratgeber Berufsunfähigkeitsversicherung

  • Die staatliche Erwerbsminderungsrente reicht nicht aus, eine Berufsunfähigkeitsversicherung ist für fast jeden sinnvoll.
  • Von uns empfohlene Makler: Hoesch & Partner, Buforum24, Zeroprov, Dr. Schlemann unabhängige Finanzberatung, P&F.

Zum Ratgeber 

So haben wir die Rechtsanwälte ausgewählt

Mitte August 2017 haben wir 27 Rechtsanwaltskanzleien zum Thema „Anwaltliche Beratung bei BU-Versicherungen“ angeschrieben, die auf diesen Bereich spezialisiert sind. Dabei haben wir uns auf die Kanzleien beschränkt, die bei einer Google-Suche am 31. Juli und 17. August 2017 jeweils auf den ersten drei Ergebnisseiten zu den Begriffen „Rechtsanwalt Berufsunfähigkeitsversicherung“, „Berufsunfähigkeitsrente Rechtsanwalt“ und „Schwierigkeiten mit der Berufsunfähigkeitsversicherung“ angezeigt wurden.

Zur Prüfung haben wir den Kanzleien einen umfangreichen Fragebogen geschickt. Dieser enthielt Fragen zu den Kosten und zur Form einer Erstberatung, zur Beratung bei der Antragstellung, zur Anzahl der Mandate sowie zu den Ablehnungsgründen der Versicherer. Wir haben uns auch nach erstrittenen Urteilen und abgeschlossenen Vergleichen erkundigt und um Nachweise gebeten.

Über die tatsächliche Beratungsqualität können wir keine Aussage treffen, da wir sie nicht überprüfen können. Voraussetzung für unsere Empfehlung ist vielmehr, dass in der Kanzlei ein Fachanwalt für Versicherungsrecht arbeitet, die Kanzlei mindestens drei Vergleiche oder Urteile nachgewiesen hat und ausschließlich Versicherungsnehmer vertritt.

Von den Kanzleien mit diesen Angeboten stehen angesichts der komplexen medizinischen Fragestellungen in der Liste diejenigen ganz oben, bei denen in der Kanzlei auch ein Fachanwalt für Medizinrecht tätig ist. Dieses Kriterium erfüllen vier Kanzleien.

Für den Verbraucher positiv ist aus unserer Sicht ferner, wenn er eine kostenlose Ersteinschätzung bekommt, ohne dass die Kanzlei dabei die Uhr mitlaufen lässt. Das haben wir bei der Sortierung ebenfalls berücksichtigt.

Auch wenn sich daraus keine Erkenntnis über die tatsächliche Qualität der Beratung ableiten lässt, haben wir die Kanzleien, die alle Kriterien erfüllen, entsprechend der nachgewiesenen Urteile in absteigender Reihenfolge sortiert. Wir sind davon überzeugt, dass Urteile für alle Versicherungsnehmer wichtig sind, da wichtige Rechtsfragen durch die Rechtsprechung bewertet werden. Darauf können sich auch andere berufen.

Die Untersuchungen sind abgeschlossen.

Autor
Julia Rieder
& Co-Autoren
Dr. Britta Beate Schön , Henriette Neubert

Stand: 03. September 2020


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Ob und in welcher Höhe uns ein Anbieter vergütet, hat keinerlei Einfluss auf unsere Empfehlungen. Was Dir unsere Experten empfehlen, hängt allein davon ab, ob ein Angebot gut für Verbraucher ist.

Mehr Informationen über unsere Arbeitsweise findest Du auf unserer Über-uns-Seite.