Berufsunfähigkeitsrente

So klappt es mit Antrag und Rente

Julia Rieder
& Co-Autoren
05. November 2020
Das Wichtigste in Kürze
  • Brauchst Du Dein Gehalt, um Deinen Lebensunterhalt zu bestreiten, solltest Du eine private Berufsunfähigkeitsversicherung haben.
  • Solltest Du dauerhaft zu krank sein, Deinen Beruf auszuüben, kannst Du bei ihr eine Rente beantragen.
  • Der Antrag ist sehr umfangreich. Je fehlerfreier und vollständiger Du ihn ausfüllst, desto größer sind Deine Chancen, dass die Versicherung die Rente schnell bewilligt.
So gehst Du vor
  • Informiere Dich frühzeitig und schließe eine Berufsunfähigkeitsversicherung ab, damit Du im Ernstfall ausreichend abgesichert bist.
  • Lass Dich beim Antrag am besten von einem Experten unterstützen. Wir haben eine Liste mit empfehlenswerten Anwaltskanzleien zusammengestellt.

Der Rücken macht nicht mehr mit, die Psyche plagt Dich oder ein schwerer Unfall führt dazu, dass Du nicht mehr voll Deinem Beruf nachgehen kannst. Bricht aus solchen Gründen Dein Einkommen weg, ist eine private Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) ein wichtiger Rettungsanker. Doch der Weg bis zur Auszahlung der Berufsunfähigkeitsrente kann lang werden. Einer Studie der Versicherungsanalysten Franke und Bornberg zufolge dauert es vom Antrag bis zur Bewilligung im Schnitt ein halbes Jahr. Außerdem lehnen die Versicherungen jeden fünften Antrag sogar ganz ab.

Damit Dir das nicht passiert, empfehlen wir, dass Du Dir beim Antrag auf die Rente professionelle Unterstützung holst. Wir haben eine Liste von empfehlenswerten Kanzleien zusammengestellt, die sich darauf spezialisiert haben, die Rechte von Versicherten gegenüber einer Berufsunfähigkeitsversicherung durchzusetzen.

Gibt es eine gesetzliche Berufsunfähigkeitsrente?

Anspruch auf eine Berufsunfähigkeitsrente der gesetzlichen Rentenversicherung haben heute nur noch Menschen, die vor dem 1. Januar 1961 geboren wurden. Für Jüngere existiert nur die gesetzliche Erwerbsminderungsrente. Der wichtige Unterschied: Für die Berufsunfähigkeitsrente zählt, ob Du in Deinem erlernten oder zuletzt ausgeübten Beruf arbeiten kannst. Ob Du noch eine andere Arbeit machen kannst, ist unwichtig. Eine Erwerbsminderungsrente gibt es hingegen nur, wenn Du in überhaupt keinem Job länger als sechs Stunden am Tag arbeiten kannst.

Eine private Berufsunfähigkeitsversicherung abzuschließen, ist aus zwei Gründen sinnvoll:

  1. Du hast einen Anspruch auf Rente, wenn Du Deinem Beruf nicht mehr nachgehen kannst.
  2. Du sicherst Dich finanziell besser ab – denn die staatliche Erwerbsminderungsrente fällt oft recht niedrig aus.

Wann hast Du Anspruch auf eine Berufsunfähigkeitsrente?

Bei einer privaten Berufsunfähigkeitsversicherung musst Du in der Regel zu mindestens 50 Prozent berufsunfähig sein, um von Deiner Versicherung eine Berufsunfähigkeitsrente zu bekommen. Was das genau bedeutet, steht in Deinen Versicherungsbedingungen. Im Kern geht es darum, dass Du krankheitsbedingt oder nach einem Unfall voraussichtlich sechs Monate oder länger nicht in der Lage bist, Deinem zuletzt ausgeübten Beruf nachzugehen.

Wie hoch ist die Berufsunfähigkeitsrente?

Die Höhe Deiner Berufsunfähigkeitsrente hast Du in Deinem Versicherungsvertrag bei Abschluss festgelegt. Grundsätzlich solltest Du möglichst so abgesichert sein, dass Du mit Deiner Berufsunfähigkeitsrente Deine laufenden monatlichen Kosten bestreiten kannst. Beachte außerdem, dass Du einen Teil der Rente eventuell versteuern musst und brutto nicht gleich netto ist.

In vielen Verträgen ist außerdem festgeschrieben, dass der Beitrag und damit die Höhe der Berufsunfähigkeitsrente jährlich um einige Prozentpunkte steigt. Auf wie viel BU-Rente Du derzeit Anspruch hast, sofern Du alle Voraussetzungen erfüllst, erfährst Du im jüngsten Nachtrag zu Deinem Versicherungsschein.

Wie beantragst Du Deine Berufsunfähigkeitsrente?

Vor der BU-Rente steht erst einmal der Antrag. Anhand Deiner Angaben im Antrag und mit Hilfe medizinischer Gutachten entscheidet die Versicherung, ob sie eine Berufsunfähigkeitsrente zahlt. Daher ist es sehr wichtig, dass Du diesen Schritt ernst nimmst und zeitnah die notwendigen Unterlagen einreichst.

Die Antragsformulare kannst Du zunächst formlos telefonisch oder per E-Mail bei Deiner Versicherung anfordern. Der Antrag umfasst meist 20 Seiten oder mehr. Der Versicherer verlangt einen lückenlosen Nachweis Deiner Berufsunfähigkeit. Damit Du bei Deinem Antrag Fehler vermeidest, solltest Du Dich von einem Profi beraten lassen.

Finanztip hat eine Liste von empfehlenswerten Kanzleien zusammengestellt, die darauf spezialisiert sind, die Rechte von Versicherten gegenüber einer Berufsunfähigkeitsversicherung durchzusetzen.

Unter Umständen kontaktiert dann bereits Dein Anwalt den behandelnden Arzt und leitet alles in die Wege. Mit Deinem Anwalt kannst Du auch den optimalen Zeitpunkt für den Antrag auf Berufsunfähigkeitsrente besprechen. Es kann auch ein zu früh geben: Denn wenn Du während einer Krankheit Leistungen aus einer privaten Krankentagegeld-Versicherung beziehst, musst Du diese unter Umständen zurückzahlen, sobald die Berufsunfähigkeitsversicherung eine Rente bewilligt.

Berufsunfähigkeit so detailliert wie möglich dokumentieren

Je detaillierter Du oder Dein Anwalt die Berufsunfähigkeit im Antrag begründet, desto schneller bekommst Du Geld von der Versicherung. Zusammen mit dem Antrag musst Du folgende Unterlagen einreichen:

  • ausführliche Darstellung zur Ursache der Berufsunfähigkeit,
  • detaillierte Berichte der behandelnden Ärzte, die Deine Berufsunfähigkeit begründen und die voraussichtliche Dauer des Leidens vorhersagen sowie
  • Unterlagen über Deinen Beruf, Deine Stellung und Deine Tätigkeiten. Dazu gehören auch genaue Angaben, wie viel Zeit Du im Arbeitsalltag mit den einzelnen Tätigkeiten verbracht hast.

Die Versicherung prüft dann, ob der Grad der Berufsunfähigkeit erreicht ist, ab dem sie die Rente zahlen muss. Außerdem wird sie überprüfen, ob Du beim Vertragsschluss falsche Angaben gemacht hast, zum Beispiel bei den Gesundheitsfragen.

Bewilligt die Versicherung Deinen Antrag, zahlt sie die Rente für die vereinbarte Vertragsdauer beziehungsweise solange die Berufsunfähigkeit besteht. Manchmal befristet sie auch die Zahlungen.

Tipp: Trotz starker Gesundheitsprobleme eine detaillierte Liste aller Arbeitsaufgaben zu erstellen, fällt oft schwer. Deshalb ist es hilfreich, wenn Du so eine Tätigkeitsbeschreibung vorsorglich schon in gesunden Tagen machst.

Das kostet die Beratung beim Anwalt

Honorare variieren erheblich und reichen von ein paar Hundert Euro bis zu mehreren Tausend Euro. Einige Anwälte verlangen einen Pauschalpreis, andere stellen ihre Arbeitsstunden in Rechnung, wieder andere rechnen nach dem Streitwert ab. Die Stundensätze können sich auf bis zu 250 Euro belaufen. Besprich die Kosten also vorab sehr genau mit Deinem Anwalt, bevor Du ihm einen Auftrag erteilst.

Auch wenn Du eine Rechtsschutzversicherung hast, bleibst Du auf den Kosten für die Hilfe beim Antrag meist sitzen. Denn solange die Berufsunfähigkeitsversicherung Dir die Zahlung nicht verweigert hat, ist noch kein Rechtsschutzfall eingetreten. Das Anwaltshonorar solltest Du dennoch als eine gute Investition ansehen. Denn meist geht es um sehr viel Geld, das Du durch die Rentenzahlungen über die Jahre bekommst.

Diese Experten empfehlen wir

Die folgenden Kanzleien sind darauf spezialisiert, Versicherte bei der Durchsetzung ihrer Rechte aus einer Berufsunfähigkeitsversicherung zu vertreten. Warum wir diese Experten empfehlen und wie wir sie ausgewählt haben, kannst Du am Ende dieses Artikels nachlesen. Die Informationen zu den einzelnen Anwälten spiegeln den Stand zum Zeitpunkt unserer Untersuchung im Oktober 2020 wider.

Rechtsanwälte Klatt & Wessels, Bremen
Experte bei BU-Versicherungen, Fachanwalt für Versicherungsrecht
  • kostenlose telefonische Erstberatung
  • Beratungshonorar Antrag: abhängig vom Aufwand
  • Fachanwalt für Medizinrecht
  • 6 Urteile und 9 gerichtliche Vergleiche in 2019/20 erstritten
Rechtsanwälte Lehner und Kollegen, München
Experte bei BU-Versicherungen, Fachanwalt für Versicherungsrecht
  • kostenlose telefonische Erstberatung
  • Beratungshonorar Antrag: zwischen 80 € und 350 €
  • Fachanwalt für Medizinrecht
  • 2 Urteile und 8 gerichtliche Vergleiche in 2019/20 erstritten
Nur beim Anbieter abschließbar
Rechtsanwalt A. T. Schäfer, Frankfurt
Experte bei BU-Versicherungen, Fachanwalt für Versicherungsrecht
  • kostenlose telefonische Erstberatung
  • Beratungshonorar Antrag: zwischen 250 € und 1.500 €
  • Fachanwalt für Medizinrecht
  • 2 Urteile und 2 gerichtliche Vergleiche in 2019/20 erstritten
Laux Rechtsanwälte, Berlin
Experte bei BU-Versicherungen, 4 Fachanwälte für Versicherungsrecht
  • kostenlose telefonische Erstberatung
  • Beratungshonorar Antrag: abhängig vom Aufwand
  • 2 Fachanwälte für Medizinrecht
  • 2 Urteile in 2019/20 erstritten
L & P Luber Pratsch Rechtsanwälte Partnerschaft, München u.a.
Experte bei BU-Versicherungen, 2 Fachanwälte für Versicherungsrecht
  • kostenlose Erstberatung
  • Beratungshonorar Antrag: Kosten nach Umfang und Schwierigkeit
  • 2 Urteile und 6 gerichtliche Vergleiche in 2019/20 erstritten
Rechtsanwalt Dr. Schlenker, Stuttgart
Experte bei BU-Versicherungen, Fachanwalt für Versicherungsrecht
  • kostenlose telefonische Erstberatung von 15 Minuten
  • Beratungshonorar Antrag: abhängig vom Aufwand
  • 1 Urteil und 2 gerichtliche Vergleiche in 2019/20 erstritten

Wann können Versicherer eine BU-Rente ablehnen?

Versicherungsunternehmen arbeiten mit hochspezialisierten Anwaltskanzleien zusammen. Mit medizinischen Gutachtern zusammen sind sie in aller Regel ein sehr wirkungsvolles Team. Spätestens wenn Deine Versicherung nicht zahlen will, brauchst Du deshalb einen Experten an Deiner Seite.

In einer solchen Situation ist es gut, wenn Du eine Rechtsschutzversicherung hast. Diese übernimmt die Anwalts- und Gerichtskosten, so dass Du nicht Gefahr läufst, auf den Kosten sitzen zu bleiben, falls es zu einem Vergleich kommt oder Du den Prozess verlierst.

Wir haben Dir im Folgenden vier typische Gründe aufgelistet, die Versicherungsunternehmen ins Feld führen, um keine BU-Rente zahlen zu müssen:

1. „Sie sind gar nicht berufsunfähig“

Gerade bei psychischen Erkrankungen wie Depressionen oder Burnout kommen Gutachter oft zu dem Ergebnis, der Antragsteller sei gar nicht berufsunfähig. Um eine Rente zu bekommen, musst Du in der Regel zu 50 Prozent berufsunfähig sein. Ärgerlich, wenn die vom Versicherer beauftragten Gutachten in Deinem Fall dann auf Werte von 30 bis 40 Prozent kommen.

Die von uns befragten Rechtsanwälte haben angegeben, dass es in etwas mehr als der Hälfte der Auseinandersetzungen mit dem Versicherer darum geht, ob der Versicherungsnehmer tatsächlich berufsunfähig ist. Das ist der häufigste Streitpunkt. Gut, wenn Du Dich dann von einem Rechtsanwalt mit medizinischen Kenntnissen vertreten lässt.

2. „Sie haben gelogen – das Vertrauensverhältnis ist zerstört“

Beim Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung sind immer auch Angaben zum Gesundheitszustand erforderlich. Hast Du dort etwas vorsätzlich verschwiegen, kann der Versicherer sich weigern, zu zahlen und trotzdem alle von Dir gezahlten Beiträge behalten.

Dass der Versicherte unwahre oder unvollständige Angaben gemacht haben soll, ist ein sehr häufiger Einwand, den Versicherer erheben. Die von uns befragten Rechtsanwälte gaben an, dass es in etwa 40 Prozent aller BU-Streitigkeiten darum gehe.

Die Versicherer fechten dann den Vertrag wegen arglistiger Täuschung an (§§ 22 VVG, 123 BGB). Ist die Anfechtung erfolgreich, ist damit der Vertrag, also die abgeschlossene Berufsunfähigkeitsversicherung rückwirkend ungültig und der Versicherer von seinen Pflichten befreit. Dafür reicht es, dass Du irgendeine Erkrankung verschwiegen hast, die gar nichts mit Deiner Berufsunfähigkeit zu tun hat.

Das Verzwickte: Sobald Du eine BU-Rente beantragst, erhält der Versicherer Einblick in Deine Krankenakte. Dort stehen vielleicht Notizen oder Prognosen, von denen Du nichts weißt. Doch ganz so einfach ist es für den Versicherer nicht. Dass Du ihn arglistig getäuscht hast, muss er beweisen. Nur weil im Antrag Angaben fehlen, die in der Patientenakte enthalten waren, bedeutet nicht, dass Du eine arglistige Täuschung begangen hast.

Das Versicherungsunternehmen hat ein Jahr Zeit, den Vertrag anzufechten (§ 124 BGB).

Besteht Dein Vertrag schon länger als zehn Jahre, kann die Versicherung ihn allerdings nicht mehr anfechten (§ 124 Abs. 3 BGB). Also: Selbst wenn Du irgendeine Krankheit im Versicherungsantrag nicht angegeben hast, musst Du nach zehn Jahren nicht mehr befürchten, dass das Unternehmen deshalb die Leistungen verweigert

Exkurs: Versicherungsvertreter versus Versicherungsmakler

Versicherte berichten immer wieder, sie hätten ihrem Versicherungsvermittler vor dem Vertragsabschluss von Gesundheitsproblemen erzählt. In einem solchen Fall macht es einen Unterschied, ob man sich beim Abschluss der Berufsunfähigkeitsversicherung von einem Versicherungsvertreter oder von einem Makler hat beraten lassen. 

Oft gehen die Vermittler im Beratungsgespräch die Gesundheitsfragen mit dem Kunden durch; der Vermittler setzt dann die Kreuzchen, und der Kunde unterschreibt.

Für Dich als Kunde mag es im Großen und Ganzen gleich aussehen, ob Du nun von einem Versicherungsvertreter oder von einem Makler beim Vertragsabschluss unterstützt wurdest. Doch rechtlich ist das ein großer Unterschied.

Ein Versicherungsvertreter steht auf der Seite des Unternehmens, dessen Verträge er vermittelt. Das bedeutet: Hast Du Deinem Versicherungsvertreter beispielsweise mündlich von Rückenbeschwerden berichtet, er diese im Formular jedoch nicht angegeben, ist Dein Versicherer anschließend dennoch an den Vertrag gebunden – eine arglistige Täuschung deshalb ist ausgeschlossen. Denn ein Versicherungsvertreter ist der Versicherung verpflichtet. Was der Kunde ihm gesagt hat, gilt auch dem Versicherungsunternehmen gegenüber als angezeigt (BGH, Beschluss vom 5. Juli 2017, Az. IV ZR 508/14). Im Juristendeutsch heißt das Auge- und Ohr-Rechtsprechung (§ 70 VVG).

Versicherungsmakler hingegen sollen unabhängig auf der Seite des Kunden stehen. Sie sind damit weder Auge noch Ohr der Versicherungen – das Prinzip gilt also nicht für sie.

3. „Sie haben nicht alle Informationen mitgeteilt“ 

Viele Versicherer wehren sich dagegen, Geld auszuzahlen, weil der Kunde bestimmte Informationen nicht mitgeteilt habe. Der Vorwurf ist nicht so schwerwiegend wie der einer arglistigen – also bewussten – Täuschung. Bringt Deine Versicherung dieses Argument, wirft sie Dir Fahrlässigkeit vor, also dass Du beim Abschluss der Versicherung die Unterlagen nicht sorgfältig ausgefüllt hättest.

Der Versicherer erklärt dann den Rücktritt vom Vertrag (§ 19 Abs. 2 VVG). Das Unternehmen kann jedoch nur dann zurücktreten, sofern es Dich vor Abschluss ordnungsgemäß darauf hingewiesen hat, was es für Folgen hat, wenn Du Deine vorvertraglichen Anzeigepflichten verletzt.

Das muss im Antragsformular deutlich hervorgehoben sein (§ 19 Abs. 5 VVG). Und zwar so, dass Du den Hinweis gar nicht übersehen kannst (BGH, Beschluss vom 6. Dezember 2017, Az. IV ZR 16/17). Viele Unternehmen haben sich an diese strengen Formvorgaben nicht gehalten. Ein solcher Formfehler kann eine Chance auf eine BU-Rente bedeuten, obwohl Du vielleicht nicht alle Arztbesuche angegeben hast.

Die Versicherung kann außerdem nur dann vom Vertrag zurücktreten, wenn die verschwiegenen Umstände einen Einfluss auf den Eintritt der Berufsunfähigkeit und den Umfang der Leistung haben. Ein Beispiel: Hast Du eine Behandlung wegen Rückenschmerzen verschwiegen und bist nun berufsunfähig wegen eines Schlaganfalls, kann das Versicherungsunternehmen nicht zurücktreten.

Viel Zeit hat der Versicherer nicht für seinen Rücktritt. Innerhalb eines Monats ab Kenntniserlangung muss er tätig werden (§ 21 Abs. 1 VVG). Und fünf Jahre nach Vertragsabschluss ist der Rücktritt ausgeschlossen (§ 21 Abs. 3 VVG).

Alternativ kann das Versicherungsunternehmen auch kündigen, wenn Du zum Beispiel Deine berufliche Tätigkeit nicht korrekt angegeben hast oder wenn Du riskante Hobbys verschwiegen hast (§ 24 VVG). Trotz Kündigung muss die Versicherung für einen eingetretenen Leistungsfall aber zahlen.

4. „Schauen Sie ins Kleingedruckte. Ihre Erkrankung ist leider nicht abgesichert“

Wenn Du beim Abschluss der Berufsunfähigkeitsversicherung schon gesundheitliche Probleme hast, passiert es oft, dass die Versicherung im Vertrag Leistungen bei bestimmten Erkrankungen ausschließt. Das gilt vor allem für Beschwerden mit der Wirbelsäule. Wirst Du dann später wegen einer orthopädischen Diagnose berufsunfähig, hast Du wenig Chancen, eine Berufsunfähigkeitsrente zu bekommen.

Deshalb solltest Du immer versuchen, einen Vertrag ohne solche Leistungsausschlüsse zu bekommen. Dabei kann Dir ein versierter Versicherungsmakler oder -berater helfen.

Mehr dazu im Ratgeber Berufsunfähigkeitsversicherung

  • Die staatliche Erwerbsminderungsrente reicht nicht aus, eine Berufsunfähigkeitsversicherung ist für fast jeden sinnvoll.
  • Von uns empfohlene Makler: Hoesch & Partner, Buforum24, Zeroprov, Dr. Schlemann unabhängige Finanzberatung, P&F.

Zum Ratgeber 

So haben wir die Rechtsanwälte ausgewählt

Im September und Oktober 2020 haben wir 13 Rechtsanwaltskanzleien zum Thema „Rechte rund um die BU-Versicherung“ angeschrieben, die auf diesen Bereich spezialisiert sind. Dabei haben wir uns auf die Kanzleien beschränkt, die wir nach der Untersuchung im Jahr 2017 für empfehlenswert hielten – das waren neun Kanzleien –, sowie auf vier weiteren Kanzleien, die sich bei uns gemeldet und auf ihre besondere Expertise hingewiesen haben.

Zur Prüfung haben wir den Anwälten einen umfangreichen Fragebogen geschickt. Dieser enthielt Fragen zu den Kosten und zur Form einer Erstberatung, zur Beratung bei der Antragstellung, zur Anzahl der Mandate im Jahr 2019 sowie zu den Ablehnungsgründen der Versicherer. Wir haben uns auch nach erstrittenen Urteilen und abgeschlossenen Vergleichen im Jahr 2019 und 2020 erkundigt und um die Übermittlung von Beispielen als Beleg gebeten.

Über die tatsächliche Beratungsqualität können wir keine Aussage treffen, da wir sie nicht überprüfen können. Voraussetzung für unsere Empfehlung sind deshalb vier Kriterien: Die Kanzlei muss auf die Vertretung von Versicherten wegen einer Berufsunfähigkeitsversicherung spezialisiert sein, in der Kanzlei muss mindestens ein Fachanwalt für Versicherungsrecht arbeiten, die Kanzlei muss mindestens drei gerichtliche Vergleiche oder Urteile im Jahr 2019 bis Ende September 2020 erstritten und uns mindestens zwei Beispiele dazu übermittelt haben. Diese Kriterien erfüllen sechs Kanzleien.

Von den Kanzleien stehen angesichts der oft komplexen medizinischen Fragestellungen in der Liste diejenigen ganz oben, bei denen auch ein Fachanwalt für Medizinrecht tätig ist. Für den Verbraucher positiv ist aus unserer Sicht ferner, wenn er eine kostenlose Ersteinschätzung bekommt, ohne dass die Kanzlei dabei die Uhr mitlaufen lässt.

Auch wenn sich daraus keine Erkenntnis über die tatsächliche Qualität der Beratung ableiten lässt, haben wir die Kanzleien, die alle Kriterien erfüllen, entsprechend der nachgewiesenen Urteile beziehungsweise Vergleiche in absteigender Reihenfolge sortiert. Wir sind davon überzeugt, dass Urteile für alle Versicherungsnehmer wichtig sind, da wichtige Rechtsfragen durch die Rechtsprechung bewertet werden. Darauf können sich auch andere Betroffene berufen.

Die Untersuchungen für die Anwaltsempfehlungen sind abgeschlossen.

Autor
Julia Rieder
& Co-Autoren
Dr. Britta Beate Schön , Henriette Neubert

05. November 2020


* Was der Stern bedeutet:

Wir wollen mit unseren Empfehlungen möglichst vielen Menschen helfen, ihre Finanzen selber zu machen. Daher sind unsere Inhalte kostenlos im Netz verfügbar. Wir finanzieren unsere aufwändige Arbeit mit sogenannten Affiliate Links. Diese Links kennzeichnen wir mit einem Sternchen (*).

Bei Finanztip handhaben wir Affiliate Links aber anders als andere Websites. Wir verlinken ausschließlich auf Produkte, die vorher von unserer unabhängigen Experten-Redaktion empfohlen wurden. Nur dann kann der entsprechende Anbieter einen Link zu diesem Angebot setzen lassen. Geld bekommen wir, wenn Du auf einen solchen Link klickst oder beim Anbieter einen Vertrag abschließt.

Ob und in welcher Höhe uns ein Anbieter vergütet, hat keinerlei Einfluss auf unsere Empfehlungen. Was Dir unsere Experten empfehlen, hängt allein davon ab, ob ein Angebot gut für Verbraucher ist.

Mehr Informationen über unsere Arbeitsweise findest Du auf unserer Über-uns-Seite.