Teilzeitarbeit

Jeder Arbeitnehmer hat ein Recht auf Teilzeit

Das Wichtigste in Kürze

  • Jeder Arbeitnehmer hat grundsätzlich einen Anspruch darauf, Teilzeit zu arbeiten – und zwar nicht nur während der Elternzeit.
  • Dazu müssen zwei Voraussetzungen erfüllt sein: Das Arbeitsverhältnis besteht länger als sechs Monate, und der Arbeitgeber beschäftigt mehr als 15 Mitarbeiter.
  • Arbeitgeber können einen Teilzeitwunsch nicht einfach ablehnen, sie müssen betriebliche Gründe dafür darlegen, in der Elternzeit sogar dringende betriebliche Gründe.
  • Wer Teilzeit arbeitet, verdient weniger. Wegen der steuerlichen Progression können einige Arbeitnehmer aber mehr Freizeit gewinnen, als sie an Nettolohn verlieren.

So gehen Sie vor

  • Berechnen Sie zum Beispiel mit dem Teilzeitrechner des Bundesministeriums für Arbeit, wie es sich auf Ihr Nettogehalt auswirkt, wenn Sie weniger arbeiten.
  • Lassen Sie sich von der Rentenversicherung beraten, was eine Teilzeitarbeit für Ihre Rente bedeutet.
  • Wollen Sie statt Vollzeit künftig Teilzeit arbeiten, können Sie das einfach bei Ihrem Arbeitgeber beantragen. Verwenden Sie dazu unser Musterschreiben Antrag Teilzeit.
  • Lehnt der Arbeitgeber ab und verweist auf betriebliche Gründe, können Sie die Entscheidung durch das Arbeitsgericht überprüfen lassen.
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Es gibt viele vernünftige Gründe, warum jemand keine 40 Stunden in der Woche arbeiten möchte: mehr Zeit für die Familie, Weiterbildung oder ein ehrenamtliches Engagement. Teilzeitstellen werden aber selten ausgeschrieben, und wer sich auf eine Vollzeitstelle bewirbt und im Bewerbungsgespräch nach Teilzeit fragt, bekommt oft genug eine nett formulierte Absage.

Doch diese Haltung von Unternehmen verkennt, dass Teilzeitangestellte motivierter, produktiver und seltener krank sind – das ergab eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB). Alles Faktoren, die Arbeitgeber bedenken sollten, wenn sie bei Teilzeit gleich abwinken.

Das sind die Voraussetzungen für den Teilzeitanspruch

Grundsätzlich hat jeder Arbeitnehmer einen gesetzlichen Anspruch darauf, seine im Arbeitsvertrag festgelegte Arbeitszeit zu verringern – und zwar nicht nur während oder nach der Elternzeit. Das gilt auch für Arbeitnehmer in leitenden Positionen (§ 6 TzBfG). Ebenso können Minijobber, befristet Beschäftigte oder Mitarbeiter, die bereits in Teilzeit arbeiten, beantragen, weniger Stunden in der Woche zu arbeiten.

Zwei Voraussetzungen müssen für den Anspruch auf Teilzeit erfüllt sein:

1. Das Arbeitsverhältnis besteht länger als sechs Monate (§ 8 Abs. 1 TzBfG).
2. Der Arbeitgeber beschäftigt mehr als 15 Mitarbeiter (§ 8 Abs. 7 TzBfG).

Ist das der Fall, müssen Sie dem Chef nur mitteilen, dass Sie die Arbeitszeit verringern möchten, wie viele Stunden Sie zukünftig arbeiten möchten und wie sie verteilt sein sollten. Das machen Sie am besten schriftlich und mindestens mit drei Monaten Vorlauf. Einen Grund müssen Sie nicht angeben. Es schadet aber sicher nicht, den Wunsch mit drei kurzen Sätzen zu begründen. Sie können dazu unser Musterschreiben Teilzeit verwenden.

Ist der Arbeitgeber einverstanden, muss er den Arbeitsvertrag entsprechend anpassen.

Falls der Chef den Teilzeitwunsch nicht spätestens einen Monat vor dem gewünschten Beginn schriftlich ablehnt – eine E-Mail reicht nicht –, verringert sich automatisch die vereinbarte Arbeitszeit im gewünschten Umfang (§ 8 Abs. 5 Satz 2 TzBfG).

Wer schon einmal die Stunden reduziert hat, kann erst wieder nach dem Ablauf von zwei Jahren verlangen, noch weniger zu arbeiten. Auch wenn der Arbeitgeber aus betrieblichen Gründen abgelehnt hat, kann der Arbeitnehmer erst zwei Jahre nach der Absage einen neuen Antrag stellen (§ 8 Abs. 6 TzBfG).

Auswirkungen der Teilzeit auf das Gehalt

Wer seine Stunden reduziert, verdient weniger. Wer bislang mit 40 Wochenstunden auf 3.000 Euro brutto kommt, verdient mit 30 Stunden genau 750 Euro weniger. Wegen der Steuerprogression bekommen Sie aber netto etwa als kinderloser Arbeitnehmer mit Steuerklasse IV nur rund 380 Euro weniger ausgezahlt. Damit arbeiten Sie zwar 25 Prozent weniger, erleiden netto aber nur Einbußen von rund 20 Prozent. In bestimmten Konstellationen erhöhen Sie dadurch Ihren Netto-Stundenlohn.

Um die finanziellen Folgen besser abschätzen zu können, bietet das Bundesarbeitsministerium den Teilzeitrechner 2017 als App. Damit können Sie berechnen, wie sich Ihr Netto-Gehalt verändert, wenn Sie in Teilzeit arbeiten würden.

Verdienen Sie weniger, zahlen Sie auch weniger in die gesetzliche Rente ein. Bevor Sie die Arbeitszeit verringern, sollten Sie sich daher von der Rentenversicherung beraten lassen. Erkundigen Sie sich, welche Auswirkungen die Teilzeit auf Ihren Rentenanspruch hat.

Wenn der Arbeitgeber blockiert

Hält Ihr Chef grundsätzlich nichts von Teilzeit und blockiert erst einmal, müssen Sie wissen, dass Sie rechtlich in einer guten Position sind. Das gilt für alle Berufsgruppen, auch bei qualifizierten Tätigkeiten und leitenden Positionen – und das betrifft Frauen und Männer. Einfach Nein sagen kann der Arbeitgeber nicht. Außerhalb der Elternzeit besteht für ihn die Pflicht, dem Teilzeitwunsch zuzustimmen, sofern dem keine betrieblichen Gründe entgegenstehen. Das Gesetz nennt als Beispiele für betriebliche Gründe

  • eine wesentliche Beeinträchtigung der Organisation,
  • eine wesentliche Beeinträchtigung des Arbeitsablaufs,
  • eine wesentliche Beeinträchtigung der Sicherheit im Betrieb oder
  • das Entstehen unverhältnismäßig hoher Kosten für den Arbeitgeber.


Häufig lehnen Arbeitgeber den Wunsch nach Teilzeit ab, weil zum Beispiel Firmenkunden erwarteten, dass sie während der gesamten betriebsüblichen Arbeitszeit einen festen Ansprechpartner haben, weil sich keine geeignete Ersatzkraft finden lasse oder weil der Einarbeitungsaufwand zu groß sei. Das muss der Arbeitgeber aber konkret belegen. Oft scheitert es schon daran, dass er kein nachvollziehbares, betriebliches Organisationskonzept vorlegt, aus dem sich ergibt, dass der Arbeitnehmer notwendigerweise 40 Stunden arbeiten muss.

Auch die Leitlinien des Bundesarbeitsgerichts machen es dem Arbeitgeber nicht leicht. Beschäftigt dieser in ähnlichen oder vergleichbaren Bereichen bereits eine Teilzeitkraft, kann er den Teilzeitwunsch in der Regel nicht ablehnen. In vielen Fällen lohnt es sich, in Ruhe mit dem Chef zu reden. Übrigens: Der Arbeitgeber kann den Antrag nicht einfach ablehnen. Der Gesetzgeber verpflichtet ihn, mit dem Arbeitnehmer zu verhandeln (§ 8 Abs. 3 TzBfG). Vielleicht einigen Sie sich dann ja auf eine 35- statt 30-Stunden-Woche, sofern Sie bislang 40 Stunden arbeiten.

Hat Ihre Firma Ihren Antrag auf Teilzeitarbeit abgelehnt, können Sie Ihren Anspruch vor dem Arbeitsgericht einklagen. Das Gericht prüft, ob die Ablehnung in diesem Einzelfall zu Recht erfolgt ist. Ihr Arbeitgeber muss darlegen und beweisen, dass er betriebliche Gründe für sein Nein hat.

Keine Diskriminierung von Teilzeit

Was ist mit der sogenannten Teilzeitfalle? Viele Arbeitnehmer befürchten, dass sie in Teilzeit weniger Geld verdienen als Kollegen in Vollzeit. Auch Aufstiegschancen sind oft genug bei Arbeitnehmern in Teilzeit begrenzt. Deshalb scheuen gerade Führungskräfte davor zurück, die Arbeitszeit zu reduzieren. Der Gesetzgeber sieht das anders: Wer Teilzeit arbeitet, darf deshalb nicht schlechter behandelt oder benachteiligt werden (§§ 4 Abs. 1, 5  TzBfG).

Beim Gehalt oder anderen Leistungen darf der Arbeitgeber grundsätzlich keine Unterschiede machen. Wer in Teilzeit arbeitet, muss deshalb denselben Stundenlohn bekommen und ein Gehalt, das der Arbeitgeber nur entsprechend der verringerten Arbeitszeit reduzieren darf.

Zahlt der Arbeitgeber Urlaubsgeld oder Weihnachtsgeld, so haben auch Mitarbeiter in Teilzeit darauf einen Anspruch. Nach der Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts darf der Arbeitgeber das Urlaubsgeld aber anteilig entsprechend der Arbeitszeit kürzen (BAG, Urteil vom 15. April 2003, Az. 9 AZR 548/01). Arbeitet jemand zum Beispiel 20 Stunden in der Woche, hat er zumindest Anspruch auf die Hälfte des Urlaubsgelds im Vergleich zu einem Kollegen, der Vollzeit arbeitet.

Auch der Student, der regelmäßig in Teilzeit in einem Callcenter arbeitet, hat Anspruch auf bezahlten Urlaub, Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall oder Einhaltung des Kündigungsschutzes.

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Urlaubsanspruch von Arbeitnehmern in Teilzeit

In vielen Arbeitsverträgen auch für Mitarbeiter in Teilzeit steht zum Urlaubsanspruch, dass der Arbeitnehmer bei einer 5-Tage-Woche einen Jahresurlaub von zum Beispiel 30 Arbeitstagen im Kalenderjahr erhält. Dann kann es für den Mitarbeiter, der 20 Stunden in der Woche arbeitet, unklar sein, wie viele Urlaubstage ihm tatsächlich zustehen. Für die Anzahl der Urlaubstage ist entscheidend, an wie vielen Tagen der Mitarbeiter arbeitet.

Beispiel 1: Arbeitet ein Mitarbeiter an fünf Tagen der Woche jeweils vier Stunden und hat ein Vollzeitbeschäftigter in der Firma 30 Tage Urlaub, so stehen dem in Teilzeit arbeitenden Mitarbeiter nicht etwa nur 15 Tage Urlaub, sondern ebenfalls 30 Tage zu. Der Urlaubsanspruch ist nur weniger wert. Will der Mitarbeiter in Teilzeit zwei Wochen in Urlaub gehen, beantragt er 10 Urlaubstage.

Beispiel 2: Arbeitet ein Mitarbeiter an vier Tagen der Woche jeweils fünf Stunden und hat ein Vollzeitbeschäftigter in der Firma 30 Tage Urlaub, so stehen dem in Teilzeit arbeitenden Mitarbeiter 24 Tage Urlaub zu (30 x 4 : 5 = 24 Urlaubstage). Will der Mitarbeiter in Teilzeit zwei Wochen in Urlaub gehen, beantragt er acht Urlaubstage. Für die restlichen zwei Tage muss er keinen Urlaub beantragen, da er an diesen Tagen ohnehin nicht zur Arbeit verpflichtet wäre. Er kann also die gesamten zwei Wochen verreisen.

Beispiel 3: Arbeitet ein Mitarbeiter an zwei Tagen der Woche jeweils acht Stunden und an einem Tag vier Stunden bei einem Urlaubsanspruch von 30 Tagen für einen Mitarbeiter in Vollzeit, so stehen ihm 18 Tage Urlaub zu (30 x 3 : 5 = 18 Urlaubstage). Will der Mitarbeiter in Teilzeit zwei Wochen in Urlaub gehen, beantragt er sechs Urlaubstage und kann zwei Wochen ausspannen.

Von Teilzeit wieder zurück zur Vollzeit?

Einmal Teilzeit, immer Teilzeit? Der Weg zurück oder erstmals in die Vollzeit ist für Teilzeitbeschäftigte nicht so einfach. Es gibt nämlich keinen Rechtsanspruch auf Verlängerung der Arbeitszeit. Wer wieder länger arbeiten will, kann das dem Arbeitgeber zwar anzeigen. Der Arbeitgeber muss dem aber nicht zustimmen. Nur wenn eine freie Stelle zu besetzen ist, muss er den bisher in Teilzeit arbeitenden Mitarbeiter bei gleicher Eignung bevorzugt berücksichtigen (§ 9 TzBfG).

Das Gesetz zur Weiterentwicklung des Teilzeitrechts, dessen Entwurf das Bundesarbeitsministerium Ende Dezember 2016 vorgelegt hat, soll das Risiko der Teilzeitfalle entschärfen. Vorgesehen ist darin ein Anspruch auf befristete Teilzeit. Doch damit wird es in dieser Legislaturperiode nichts mehr. Der Koalitionsausschuss konnte sich in seiner Sitzung im März 2017 nicht darauf einigen.

Teilzeitarbeit während der Elternzeit

Während der Elternzeit sind Sie privilegiert. Sie bekommen meist Elterngeld und können leichter Teilzeit arbeiten. Es gelten besondere Regelungen aus dem Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetz (§ 15 BEEG).

Arbeiten mehr als 15 Beschäftigte bei Ihrem Arbeitgeber, haben Sie einen Rechtsanspruch auf Verringerung der Arbeitszeit zwischen 15 und 30 Stunden. Dazu müssen Sie aber bereits mindestens sechs Monate beschäftigt sein. Die Anzeigefrist ist kürzer. Sie brauchen für den Zeitraum bis zum vollendeten dritten Lebensjahr des Kindes Ihrem Chef erst sieben Wochen vorher schriftlich mitteilen, dass Sie nunmehr in Teilzeit arbeiten wollen. Nur wenn dringende betriebliche Gründe vorliegen, kann der Arbeitgeber Ihren Wunsch ablehnen.

Sie haben zudem das Recht, auch nach der Elternzeit zu der Arbeitszeit zurückzukehren, die vor Beginn der Elternzeit vereinbart war. Das gibt es für Teilzeitbeschäftigte außerhalb der Elternzeit derzeit noch nicht.

Ausblick: Gesetz soll weiterentwickelt werden

Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales hat Ende 2016 einen Referentenentwurf für ein Gesetz zur Weiterentwicklung des Teilzeitrechts vorgelegt. Geplant ist ein Anspruch für Beschäftigte auf zeitlich begrenzte Teilzeitarbeit. Anschließend soll dann die ursprüngliche Arbeitszeitregelung wieder aufleben. Doch damit wird es in dieser Legislaturperiode nichts mehr. Die Regierung konnte sich im Koalitionsausschuss am 29. März 2017 nicht einigen. Streitpunkt ist die Frage, ab welcher Anzahl der Mitarbeiter ein Unternehmen dieses Recht auf befristete Teilzeit gewähren muss.

 

 

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Finanztip-Chefredakteur
Hermann-Josef Tenhagen

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Artikel verfasst von

Dr. Britta Beate Schön

Finanztip-Expertin für Recht

Britta Beate Schön ist bei Finanztip für sämtliche Rechtsthemen zuständig. Die promovierte Juristin und Rechtsanwältin war als Leiterin der Rechtsabteilung bei Finanzdienstleistern wie der Telis Finanz AG und der Interhyp tätig. Vorher lehrte und forschte sie in Japan als DAAD-Junior-Professorin für deutsches und Europarecht. Ihr Studium absolvierte sie in Münster, Genf, Regensburg und Leipzig. Die Autorin erreichen Sie unter britta.schoen@finanztip.de.