Finanzberatung

So finden Sie einen guten Honorarberater

Das sollten Sie wissen

  • Ein Honorarberater verdient sein Geld nicht mit Provisionen von Produktanbietern, sondern stellt Ihnen ein Honorar in Rechnung.
  • Dadurch hat er keinen Anreiz, Ihnen ein ungeeignetes Produkt nur aufgrund der Provision zu verkaufen. Vielmehr berät er Sie tatsächlich in Ihrem Sinne.
  • Leider ist der Beruf Honorarberater nicht umfassend gesetzlich geregelt. Deshalb sollten Sie sich genau über Ihren Berater informieren.
  • Üblich ist ein Honorar von 150 Euro pro Stunde. Das Erstgespräch dient der Information und sollte kostenlos sein.
  • Vor allem langfristig ist das Honorar meist günstiger als die Provision, die Sie sonst für Finanzprodukte bezahlen.

So gehen Sie vor

  • Suchen Sie einen Versicherungsberater beim Bundesverband der Versicherungsberater oder einen Honorarberater über das Kontaktformular des Verbunds Deutscher Honorarberater (VDH).
  • Recherchieren Sie zunächst im Internet über den Honorarberater, seinen Vermittlerstatus, seine Qualifikation und seine Preise.
  • Wenn Sie dann einen guten Eindruck haben, lassen Sie sich einen Termin bei ihm geben.
  • Überprüfen Sie im Erstgespräch seine Referenzen und seine Glaubwürdigkeit.
  • Verlangen Sie einen schriftlichen Beratungsvertrag und bevorzugen Sie eine Bezahlung pro Stunde.
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Egal, ob es um Geldanlage oder Versicherungen geht: Die Branche der Finanzberatung hat seit jeher einen schlechten Ruf. Völlig zu Recht, denn sie ist ein Etikettenschwindel. Wo Beratung draufsteht, ist in Wahrheit oft Verkauf drin. Die meisten Finanzberater sind in erster Linie Produktverkäufer. Sie verdienen ihr Geld nicht durch die Beratung ihrer Kunden an sich, sondern daran, dass sie ihnen am Ende ein Produkt verkaufen und für diesen Abschluss eine Provision einstreichen.

Oft führt dies dazu, dass Berater in einem Dilemma stecken: Sie müssen ihre Ausgaben decken oder die Verkaufsvorgaben ihres Arbeitgebers erfüllen und können dem Kunden deshalb nicht die beste Empfehlung geben. Sie sind auf die Provision angewiesen. Das Problem ist also das System. Sehr schön dargestellt wird dieser Sachverhalt übrigens in diesem Film des Verbraucherzentrale Bundesverbands.

Was ist ein Honorarberater?

Im Gegensatz zu den Provisionsvermittlern wird ein Honorarberater für die Beratung an sich bezahlt. Er verdient sein Geld nicht mit Provisionen von Produktanbietern, sondern damit, dass er seinen Mandanten sein Fachwissen und seine Zeit zur Verfügung stellt. Dafür bekommen seine Kunden im Anschluss eine Rechnung – ähnlich wie ein Rechtsanwalt oder ein Steuerberater. Ob sich der Mandant zum Schluss der Beratung dafür entscheidet, ein Produkt abzuschließen oder nicht, spielt für den Verdienst des Honorarberaters keine Rolle. Dadurch dass Sie ihn direkt bezahlen, kann er auch wirklich in Ihrem Sinne handeln.

In Ihrem Sinne handeln bedeutet übrigens auch: Ihnen von einem Abschluss abzuraten. Zum Beispiel können Sie einen Honorarberater dafür bezahlen, dass er Sie zu der Frage berät, ob Sie in die private Krankenversicherung wechseln sollten oder nicht. Wenn er Ihnen davon abrät, kann Ihnen das über Ihr Leben Zehntausende von Euro sparen und Sie im Extremfall sogar vor dem finanziellen Ruin retten.

Achten Sie auf den Status des Beraters

Die Berufsbezeichnung „Honorarberater“ ist in Deutschland außer im Bereich der Geldanlage leider noch nicht geschützt oder gesetzlich geregelt. Daher kann sich prinzipiell jeder Vermittler so nennen. In einer Erstinformation zu Beginn der Beratung und auch im Impressum seiner Website muss der Berater Ihnen aber mitteilen, welcher Art von Vermittler er angehört und welchen gesetzlichen Status er damit hat. Wir erklären, welche Arten von Vermittlern es gibt:

Versicherungsberater
Versicherungsberater sind Honorarberater in Reinform: Sie dürfen laut Gesetz keine Provisionen einnehmen. Sie beraten ausschließlich im Bereich Versicherungen, also nicht zu Bankgeschäften oder Geldanlage. Dafür können sie Verbraucher gegenüber Versicherungen auch rechtlich beraten. Der Berufsstand des Versicherungsberaters ist im Gegensatz zum weiter gefassten Begriff des Honorarberaters gesetzlich festgelegt. Auch der Versicherungsberater übernimmt für Sie den unerfreulichen Schriftverkehr mit den Versicherungen.

Wenn Sie eine Beratung zu einem bestehenden Versicherungsvertrag benötigen, sind Sie bei einem Versicherungsberater am besten aufgehoben.

Leider besteht das Problem, dass Sie in manchen Fällen beim Neuabschluss einer Versicherung dem Versicherungsberater ein Honorar und anschließend der Versicherung eine Provision zahlen müssen, weil es kein besseres Angebot gibt als den Provisionstarif. Manche Honorarberater schütten ihrem Kunden die erhaltene Provision aus. Versicherungsberater können dies nicht, weil sie die Provision gar nicht erst annehmen dürfen. Die Provision bleibt dann bei der Versicherung.

Honoraranlageberater und Honorarfinanzanlagenberater
Seit dem 1. August 2014 ist die Honorarberatung im Bereich der Geldanlage gesetzlich geregelt. Wer sich "Honoraranlageberater" oder "Honorar-Finanzanlagenberater" nennt, der darf keine Provisionen annehmen, sonst drohen ihm rechtliche Konsequenzen. Wenn Sie eine Honorarberatung zum Thema Geldanlage suchen, ist es von Vorteil, wenn Ihr Berater einen dieser beiden Titel trägt. Allerdings gibt es noch sehr wenige solcher Berater.

Tipp

Arten von Vermittlern

Mehr zu den verschiedenen Vermittlertypen finden Sie auf dieser vom Bundesverbraucherschutz-ministerium geförderten Website: www.wegweiser-finanzberatung.de

Versicherungsmakler
Ein Versicherungsmakler vermittelt Produkte von vielen verschiedenen Versicherungsgesellschaften und ist nicht abhängig von einer Versicherung. Per Gewerbeordnung ist er als Sachwalter des Kunden eigentlich auch verpflichtet, streng in dessen Sinne zu handeln.
Traditionell verdienen Versicherungsmakler allerdings ihr Geld über Provisionen, bei ihnen Courtagen genannt. Für die überwiegenden Mehrheit der Makler, die auf Provision arbeiten, besteht dadurch ein starker Anreiz, sich am eigenen Geldbeutel anstatt am Wohl des Kunden zu orientieren. Kontrolliert wird ihre Beratungspraxis kaum.
Viele Honorarberater haben den Status Versicherungsmakler. Sie dürfen daher von Rechtswegen Provisionen annehmen. Dadurch besteht für Sie als Verbraucher grundsätzlich die Gefahr, dass ein Versicherungsmakler, der Honorar nimmt, Sie über's Ohr haut, indem er beim Abschluss eines Produkts doch Provision verdient. Achten Sie daher zum einen darauf, ob ein Honorarberater vom Status her Makler ist oder nicht, und zum anderen darauf, dass Sie von ihm einen Honorarvertrag bekommen, in dem klar steht, dass er keine Provision verdient. Damit haben Sie etwas gegen ihn in der Hand, falls er es doch tut.

Versicherungsvertreter und Mehrfachagenten
Auch die klassischen Versicherungsvertreter und die sogenannten Mehrfachagenten, die für mehrere Versicherer tätig sind, dürfen Honorare verlangen. Diese Vermittlergruppe ist nach wie vor die mit Abstand häufigste in Deutschland. Da sie nicht im Auftrag des Verbrauchers, sondern im Auftrag der Versicherungen handeln, raten wir Ihnen grundsätzlich von einer Beratung durch diese Art von Vermittlern ab – egal, ob sie Provision oder Honorar verdienen.

Honorarberatung ist nicht billig, lohnt sich aber

Das Honorar sollte am besten strikt pro Zeit berechnet werden. Üblich sind 125 bis 150 Euro pro Stunde. Das mag Sie vielleicht erschrecken. Aber wenn Sie sich von einem Provisionsvermittler einmal die Provisionen offen legen lassen, die in den üblichen Finanzprodukten insgesamt stecken, dann werden Sie feststellen, dass Sie in aller Regel weniger Honorar als Provision bezahlen. Finanztip hat beispielsweise errechnet, dass bei einer Geldanlage durchschnittlich bereits ab 5.500 Euro eine Honorarberatung günstiger ist als eine Vermittlung auf Provision.
Die Honorarberatung hat vor allem einen psychologischen Nachteil: Wenn Sie auf dem üblichen Weg eine Versicherung abschließen oder einen Fondskaufen, wird die Provision von Ihren Versicherungsbeiträgen oder Sparraten abgezogen. Das fällt Ihnen kaum auf. Das Honorar kriegen Sie dagegen schwarz auf weiß als Rechnung und müssen es aktiv bezahlen.

Kritisch sollten Sie sein, wenn das Honorar nicht als Stundensatz, sondern in Prozent Ihres Sparbeitrags oder „Ihrer Ersparnis“ berechnet wird. Denn dann hat der Honorarberater doch wieder einen Anreiz, Ihnen einen besonders hohen Sparbeitrag zu empfehlen oder Ihren bestehenden Vertrag schlecht zu reden, um Ihnen etwas Billigeres zu verkaufen. Gar nicht einlassen sollten Sie sich darauf, dass die Provision auf das Honorar angerechnet wird. Das hört sich zwar gut an, aber dann steht doch wieder der Abschluss im Vordergrund, und die Neutralität ist aus der Beratung verschwunden.

Das Erstgespräch mit einem Honorarberater sollte in der Regel nichts kosten. Es dient dazu, sich gegenseitig kennenzulernen, Ihren Bedarf und den Umfang der Beratung zu klären. Sie bekommen dann einen Honorarvertrag ausgehändigt, den Sie sich gut durchlesen sollten.

Sie sparen durch Nettotarife

Honorarberater vermitteln Nettotarife, auch Honorartarife genannt. Dies sind Versicherungen, in die keine Provision eingerechnet ist. Dadurch ist die Versicherung entweder billiger, wenn es sich um eine reine Absicherung handelt. Oder es kommt deutlich mehr heraus, wenn es um ein Sparprodukt geht, zum Beispiel eine Altersvorsorge. Allerdings bieten die Versicherer bislang nur wenige Nettotarife an.

Hier ein Vergleich einer fondsgebundenen Rentenversicherung, die die Interrisk Lebensversicherung sowohl mit als auch ohne Provision anbietet:

Interrisk IRis   Beitrag mtl.     Laufzeit       Abschlusskosten über die ersten 5 Jahre Laufende Kosten jährlich Ablaufergebnis bei 6 % Fondsrendite
Provisionstarif (AFRV)   150 €     37 Jahre       2.664 € 96 € 221.629 €
Nettotarif (SFRV)   150 €     37 Jahre       0 € 60 € 249.375 €
Vorteil Nettotarif                 +2.664 € +36 € +27.746 €

Vor allem dadurch, dass Sie sich die 2.664 Euro Abschlusskosten am Anfang sparen, erhalten Sie am Ende durch den Zinseszinseffekt 27.746 Euro mehr heraus. Natürlich müssen Sie im Gegenzug für die Beratung ein Honorar bezahlen. Aber 2.664 Euro entsprechen mehr als 17 Stunden Honorarberatung. Der Durchschnittsverbraucher wird selbst für eine umfassende Altersvorsorgeberatung deutlich weniger als 17 Stunden in Anspruch nehmen. Und wenn Sie nur dieses Produkt beim Honorarberater abschließen wollen ohne eine umfassende Beratung, kann der Berater maximal zwei Stunden oder 300 Euro abrechnen. Aber Vorsicht: Sie wissen dann nicht, ob dieses Produkt für Sie überhaupt die richtige Altersvorsorge darstellt.

Acht Tipps, wie Sie einen guten Honorarberater finden

  • Es gibt verschiedene Anlaufstellen, bei denen Sie nach einem Honorarberater suchen können. Speziell für Versicherungsberater gehen Sie auf die Homepage des Bundesverbands der Versicherungsberater. Viele Honorarberater finden Sie beim Verbund Deutscher Honorarberater (VDH). Dort müssen Sie Ihre Daten in das Kontaktformular eintragen, damit ein Berater Verbindung mit Ihnen aufnehmen kann.
  • Wenn ein Honorarberater Sie direkt kontaktiert, lassen Sie sich zunächst nur seine Kontaktdaten geben. Vereinbaren Sie zunächst keinen Termin. Sie sollten erst ein wenig darüber herausfinden, mit wem Sie es zu tun haben.
  • Recherchieren Sie im Internet: Finden Sie einen seriösen Auftritt des Honorarberaters? Welche Sachkenntnis in Form von Zeugnissen oder Zertifikaten kann er nachweisen? Denn ebenso entscheidend wie die Neutralität ist die Fachkompetenz Ihres Beraters.
  • Lassen Sie sich im Termin Referenzen zeigen: Wen hat Ihr Berater schon beraten? Zu welchen Themen? Wie zufrieden waren die Kunden? Viele gute Berater haben Bewertungen ihrer Kunden zur Hand. Studieren Sie diese genauso aufmerksam, wie Sie sich Bewertungen bei Ebay ansehen würden: Wie viele sind es? Von wie vielen verschiedenen Kunden? Klingen die Bewertungen authentisch geschrieben? Es sollten auch mal negative Bewertungen dabei sein, sonst darf man die Glaubwürdigkeit bezweifeln.
  • Lassen Sie sich in einem schriftlichen Vertrag bestätigen, dass Ihr Honorarberater keine Provisionen einnimmt, weder einmalig noch laufend aus bestehenden Produkten. Kontrolliert werden die Honorarberater praktisch kaum. Wenn Sie aber im Nachhinein feststellen, dass Ihr Honorarberater doch hinterrücks Provisionen kassiert hat, haben Sie etwas Schriftliches gegen ihn in der Hand.
  • Dringen Sie auf eine Bezahlung pro Stunde. Lassen Sie sich andere Vergütungsmodelle gut begründen und überlegen Sie sich, was diese dem Berater bringen.
  • Bevor die eigentliche Beratung beginnt, sollten Sie einen Kostenvoranschlag über das voraussichtliche Honorar bekommen.
  • Mit der Rechnung nach Abschluss der Beratung sollten Sie wie beim Rechtsanwalt einen Stundenzettel, also eine Aufstellung der aufgewendeten Zeit des Honorarberaters bekommen. Prüfen Sie diese auf Plausibilität und fragen Sie gegebenenfalls kritisch nach, bevor Sie bezahlen.
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Die letzten Beiträge zu dieser Diskussion:
Hallo und willkommen hier!
Ich habe Ihren Beitrag in diesen Thread verschoben. Im letzten Jahr haben wir hier und auf den Vorseiten schon recht ausführlich zu diesem Thema diskutiert. Genauso ...
5. August 2015 zum Beitrag
Auswahl Honoraranlagenberater
Hallo Finanztip,
ich bin neu im Thema ETF Anlage.
Vielfach wird bei Finanztip wie auch bei Finanztest ein Honorarberater empfohlen für eine Geldanlage. Ich habe mir auf der BaFin Seite einige ...
5. August 2015 zum Beitrag
Ja, die Bildung... daran hängt's halt bei vielen immer (auch auf sich selbts zeig). Ich bin immer noch am Lernen und machen und trotzdem weiß ich noch nicht so viel wie ich mir wünsche.
19. November 2014 zum Beitrag
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Artikel verfasst von

Saidi Sulilatu

ehemaliger Finanztip-Mitarbeiter

Saidi Sulilatu leitete bei Finanztip den Bereich Versicherungen. Zuvor war er viele Jahre als Honorarberater und Versicherungsmakler tätig. Sulilatu hat am 4. September 2015 Finanztip verlassen.

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