Notrufsystem E-Call

Automatischer Notruf bei Unfällen

Das Wichtigste in Kürze

  • E-Call steht für „emergency call“, zu Deutsch: Notruf. Dabei handelt es sich um ein einheitliches, digitales Notruf-System in der Europäischen Union.
  • Bei einem Verkehrsunfall werden Ort und Zeit sowie Fahrzeugklasse und verwendeter Treibstoff an die Rettungsdienste übermittelt.
  • Autohersteller müssen neue Modelle ab April 2018 europaweit mit dem Notruf ausrüsten.
  • Die Versicherungswirtschaft bietet für Deutschland mit dem Unfallmeldestecker eine Lösung, um ältere Fahrzeuge nachzurüsten.
  • Eine Schnittstelle des E-Call-Systems ermöglicht es, auch Zusatzdienste zu beanspruchen, zum Beispiel Pannenhilfe.
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Bei einem Verkehrsunfall automatisch den Rettungsdienst alarmieren – das soll künftig das E-Call-Notruf-System leisten. Eine EU-Verordnung schreibt den Automobilherstellern vor, ab April 2018 bei allen neuen Modellen entsprechende Notrufgeräte zu installieren. Für Neuwagen aus älteren Baureihen empfiehlt die Europäische Union die Ausstattung mit „emergency call“ lediglich.

Von der neuen Technik verspricht sich die Politik, dass die Zahl tödlicher Unfälle um bis zu 10 Prozent sinkt. Europaweit würde das Jahr für Jahr 2.500 Menschen das Leben retten.

Bereits heute sind verschiedene Notruf-Systeme auf dem Markt – vor allem bei teuren Oberklassewagen. Doch die Hersteller-Systeme funktionieren oft nicht flächendeckend. Mit dem E-Call entsteht nun eine einheitliche Lösung für alle Staaten der Europäischen Union.

Bis 2018 müssen die EU-Mitgliedsländer die Voraussetzungen dafür schaffen. Für Deutschland bedeutet das einige Umstellungen, weil das Rettungsmelde-System hierzulande noch dezentral organisiert ist.

Unfalltote in der EU*

Lettland 106
Rumänien 91
Deutschland 42
Schweden 29
Malta 26

*je 1 Mio. Einwohner, 2014
Quelle: EU-Kommission

So funktioniert der automatische Notruf

Das E-Call-System ist eine öffentliche Dienstleistung: Kommt es zu einem schweren Unfall, setzt das System über die einheitliche europäische Notruf-Nummer 112 einen Notruf ab. Das ist beispielsweise der Fall, wenn sich der Airbag öffnet. Die verbaute Technik sorgt auch dafür, dass es nicht schon nach einem leichten Auffahrunfall zu einem Rettungseinsatz kommt. Der Fahrer kann den Alarm auch manuell auslösen, indem er einen Knopf im Auto drückt. Sobald ein Notruf die Rettungsstelle erreicht, stellt diese eine Sprachverbindung mit dem Fahrzeug her.  

Die technische Ausstattung der neuen Kfz-Modelle mit GPS-Empfänger, Antenne, Crash-Sensoren und Sprechanlage ist Sache der Automobilhersteller. Die Ortungsverfahren müssen allerdings den EU-Anforderungen entsprechen: So muss der Notruf mit den Navigationssystemen Galileo und Egnos kompatibel sein.

Gesetz sieht hohen Datenschutz vor

Das vom Europäischen Parlament verabschiedete Gesetz sieht vor, dass bei einem Notruf nur die nötigsten Daten übermittelt werden. Das E-Call-System teilt lediglich die Fahrzeugklasse, die Art des Treibstoffs sowie die Zeit und den exakten Ort des Unfalls mit. Ein Bewegungsprofil des Fahrzeugs soll die Technik ausdrücklich nicht erstellen. Außerdem gehen die Daten ausschließlich an den Rettungsdienst: Weder der Hersteller noch der Kfz-Versicherer oder ein Pannendienst bekommen von dem Notruf etwas mit.  

Um diesen Datenschutzstandard zu gewährleisten, muss das EU-Notruf-System unabhängig von der übrigen Vernetzungsstruktur des Fahrzeugs funktionieren. Allerdings soll es eine Schnittstelle zwischen dem E-Call und privaten Zusatzdiensten geben. So können Autofahrer auch Dienste nutzen, die über die reine Notrufmeldung hinausgehen – wie etwa einen Pannenservice rufen oder das Auto bei Diebstahl orten lassen. Denkbar ist auch eine Verbindung mit sogenannten Telematik-Tarifen, die einen sicheren Fahrstil mit niedrigeren Prämien belohnen.

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Annika Krempel
von Finanztip,
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Autohersteller und Versicherer begehren Daten

Die Zusatzfunktionen machen die Technik auch für die Versicherungswirtschaft interessant, denn mit E-Call entsteht erstmals ein Massenmarkt für vernetzte Autos. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) sorgt sich, keinen guten Zugang auf das System zu bekommen. Die vorinstallierten Zusatzdienste könnten zum Beispiel die Vertragswerkstätten der Autohersteller bevorzugen. Dies würde die Preispolitik der Versicherer gefährden: So sind bestimmte günstige Kfz-Versicherungen nur durch das Netz an Werkstätten möglich, die vertraglich an die Kfz-Versicherer gebunden sind.  

Auch Anbieter von Pannendiensten wie der ADAC setzen sich für die freie Dienstleisterwahl ein. Ein EU-Gesetz verpflichtet die Automobilhersteller zwar, die Mobilitätsdaten mit anderen Anbietern wie Automobilklubs oder Versicherungen zu teilen. Wie das konkret ausgestaltet wird, ist aber noch offen. Am Ende könnte die vom Hersteller gewünschte Einstellung exklusiv vorinstalliert sein und die Umstellung so kompliziert, dass sie kaum ein Kunde nutzt. Der Versicherungsverband GDV hat daher ein eigenes E-Call-kompatibles System entwickelt. Damit begibt sich die Branche in direkte Konkurrenz zu den Autoherstellern, die ihrerseits seit einigen Jahren in den Markt für Kfz-Versicherungen drängen.

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Eigenes System der Versicherungswirtschaft

Der Unfallmeldedienst des GDV funktioniert unabhängig vom Fahrzeugtyp und ist auch bei älteren Kfz-Modellen nachrüstbar. Kernstück des Notruf-Systems ist ein Meldestecker, der mit der 12-Volt-Steckdose des Zigarettenanzünders verbunden wird und den Crash-Sensor enthält. Die GPS-Funktion des Smartphones ermöglicht es der Notrufzentrale des GDV, das Fahrzeug nach einem Unfall zu orten, auch die Sprachverbindung stellt die Meldestelle über das Handy her – bevor sie einen Rettungswagen zum Unfallort schickt. Nutzer des Meldedienstes müssen dafür eine App installieren, die für die Betriebssysteme Android (ab Version 2.3.4) und iOS (ab Version 8.0 und iPhone 5) zu haben ist. 

Der GDV vertreibt die Meldestecker seit April 2016 über die teilnehmenden Versicherer. Wie die Unternehmen die Nachrüstlösung an ihre Kunden bringen, bleibt ihnen jedoch selbst überlassen. Eine Umfrage des "Versicherungsjournals" unter 48 Kfz-Versicherern ergab, dass 32 von ihnen den Unfallmeldedienst bereits anbieten oder dies noch für 2016 planen. Gemeinsam decken sie 70 Prozent des Marktes ab. Die große Mehrheit der Unternehmen vertreibt den Meldestecker gemeinsam mit einem Kfz-Schutzbrief, der Pannenhilfe und Abschleppen beinhaltet. Über die Notruf-App kann der Kunde dann auch den Pannendienst der Versicherung rufen.  

Auch beim Preis gibt es große Unterschiede zwischen den Anbietern: Bei einigen gibt es den Meldestecker kostenlos zum Schutzbrief dazu, andere verlangen einen jährlichen Aufschlag auf die Prämie. Den günstigsten Jahresbeitrag bietet die Debeka mit einem Einstiegspreis von 8,91 Euro; am teuersten ist die R+V Versicherung mit 27,90 Euro. Die Nürnberger verkauft ihren Kunden den Stecker für einmalig 25 Euro. Interessierte Autofahrer sollten sich bei ihrem Versicherer erkundigen, ob und zu welchem Preis sie die Technik bekommen können.

Extra-Lösung der öffentlichen Versicherer

Zum Vertrieb von Telematik-Tarifen eignet sich die Notruf-Technik dagegen nicht, weil sie Daten über das Fahrverhalten gar nicht erst erfasst. Einige Direktversicherer sehen das GDV-Projekt daher auch skeptisch: Für den Kunden sei die Nachrüstlösung zwar praktisch, den Unternehmen bringe die Technik aber überhaupt nichts. Insgesamt wollen 14 der befragten Kfz-Versicherer den Unfallmeldestecker vorerst nicht anbieten.

Hinzu kommt: Der Meldestecker ist nicht die einzige Nachrüstlösung auf dem Markt. So vertreiben eine Reihe von Mitgliedern des Verbandes Öffentlicher Versicherer bereits seit 2011 ein eigenes Notrufsystem. Das „Copilot“ getaufte Modell bieten unter anderem die Provinzial Rheinland, die Öffentlichen Versicherungen Sachsen-Anhalt sowie die SV Sparkassen-Versicherung in Stuttgart an.  

Die Notruf-Box lässt sich auch in ältere Autos einbauen. Nach einem Verkehrsunfall löst das handtellergroße Gerät automatisch einen Notruf aus: Ein Crash-Sensor erkennt auch hier Unfälle aufgrund der Beschleunigungskräfte. Den Unfall-Datensatz überträgt der Copilot an die Notrufzentrale der Deutschen Assistance Telematik GmbH. Das versicherungseigene Unternehmen organisiert daraufhin die Rettungskette.

Die richtige E-Call-Lösung sorgfältig auswählen

Automatische Notruf-Systeme werden in den kommenden Jahren also von einer Ausstattung für Oberklassewagen zu einem Massenprodukt für jedermann. Das ist sinnvoll, denn mit dem E-Call sind die Rettungskräfte schneller am Unfallort. Verbraucher sollten allerdings darauf achten, welche Zusatzdienste sie in Anspruch nehmen möchten – und welche nicht. Funktionen, die über den Notruf hinausgehen, lassen sich in aller Regel auch abwählen.

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Artikel verfasst von

Peter Neitzsch

freier Finanztip-Mitarbeiter

Als freier Autor arbeitet Peter Neitzsch im Versicherungsressort von Finanztip. Der freiberufliche Journalist schreibt vorwiegend über Wirtschafts- und Verbraucherthemen. Vor der Selbstständigkeit leitete er das Wirtschaftsressort von stern.de. In Dresden und Paris studierte Peter Neitzsch Sozialwissenschaften und absolvierte danach die Berliner Journalisten-Schule. Im Anschluss arbeitete er unter anderem am Newsdesk der Frankfurter Rundschau und von tagesschau.de.