Telematik bei Autoversicherungen

Guter Fahrstil soll Geld sparen

Das Wichtigste in Kürze

  • Telematik liefert Daten über den Fahrstil an die Kfz-Versicherung.
  • Wer umsichtig fährt, bekommt Rabatte vom Versicherer. Rücksichtsvolle Autofahrer können so Geld sparen.
  • Achten Sie darauf, wie hoch die Kosten für die benötigte Box oder App sind.
  • Sie geben eine Menge persönliche Daten über Ihr Fahrverhalten preis. Dies kann möglicherweise bei sehr riskanter Fahrweise dazu führen, dass die Kfz-Versicherung Ihre Police kündigt.
  • Ein einfacher Wechsel der Kfz-Versicherung bringt derzeit meist mehr Ersparnis als ein Telematik-Tarif.
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Wer vorsichtig fährt, soll mit sogenannten Telematik-Tarifen Geld bei der Kfz-Versicherung sparen können.

Immer mehr Versicherer bieten entsprechende Angebote an. Mit einem Telematik-Tarif können Autofahrer je nach Versicherung bis zu 40 Prozent der Kfz-Versicherungsprämie sparen. Neben dem finanziellen Vorteil für den Einzelnen soll außerdem auf den Straßen das Unfallrisiko sinken. Doch es gibt mehr als einen Haken dabei.

Momentan bieten sieben Versicherer einen Telematik-Tarif an. Das sind die Sijox, VHV, AxaAdmiral DirektAllianz und seit neuestem auch die Generali-Tochter Aachenmünchener. Die S-Direkt, der Direktversicherer der Sparkassen, hatte ein Pilotprojekt mit rund 1000 Kunden bis Ende 2015 laufen. Ein Anschlussprojekt ist bereits geplant. Auch andere Kfz-Versicherungen wollen im Laufe des Jahres 2016 mit vergleichbaren Angeboten folgen.

So beurteilt Telematik Ihren Fahrstil

Autofahrer entscheiden mit ihrer Fahrweise selbst, wie viel sie mit einem Telematik-Tarif sparen. Je vorsichtiger die Fahrweise, desto mehr Rabatt ist möglich. Mit welchen Parametern genau die Versicherung die Fahrweise bewertet, ist von Anbieter zu Anbieter unterschiedlich. Das sind die häufigsten Faktoren:

Hartes Bremsen – Wer plötzlich hart bremst, hat den Verkehr um sich herum oft nicht im Blick. Besonders häufig passiert dies vor Ampeln oder im Stop-and-go-Verkehr. Für Versicherungen wichtig: Auffahrunfälle sind dadurch wahrscheinlicher.

Geschwindigkeit – Überhöhte Geschwindigkeit führt zu mehr und schlimmeren Unfällen. Halten Sie sich an die Geschwindigkeitsbegrenzung, dann steigt die Bewertung Ihrer Fahrweise.

Nachtfahrten – Bei Dunkelheit ist die Sicht schlecht, wodurch das Unfallrisiko steigt.

Schnelles Beschleunigen – Wer oft und schnell beschleunigt, wird mit Punktabzug bestraft, weil er als aggressiver Fahrer gilt.

Leerlaufzeit – Das ist die Zeit, in der der Motor läuft, das Auto sich aber nicht bewegt. Um eine gute Bewertung zu bekommen, sollten Sie den Motor abschalten, wenn Sie zum Beispiel an einem Bahnübergang oder im Stau warten.

Straßentyp – Innerorts knallt es am häufigsten, außerorts seltener. Am besten für den Score ist es daher, wenn Sie auf Bundesstraßen und Autobahnen unterwegs sind.

App oder Box

Möchten Sie einen Telematik-Tarif abschließen, brauchen Sie dafür eine kleine Box im Auto oder eine Applikation (App) für Ihr Smartphone. Bisher gibt es mit der Axa nur einen Versicherer, der ausschließlich mit einer App („Axa Drive“) auskommt.

Es gibt zwei Varianten dieser Box. Entweder ist sie selbst mit GPS und ein paar einfachen Sensoren ausgestattet oder sie hängt sich an den Bordcomputer des Autos und liest dort Daten aus. Die erste Variante, wie sie zum Beispiel die VHV anbietet, braucht nur einen Stromanschluss und wird dafür an den Zigarettenanzünder gehängt. Die andere Variante wird mit der OBD II- (On-Board Diagnose) Schnittstelle des Fahrzeuges verbunden. Wo diese sitzt, ist von Fahrzeug zu Fahrzeug unterschiedlich.

Einige der Telematikboxen warten noch mit einer Reihe nützlicher Zusatzfunktionen auf. Am heimischen PC oder auf dem Smartphone können Kunden jederzeit ihre aktuelle Punktzahl sehen.

Die Versicherungen werben derzeit vor allem mit der möglichen Beitragsersparnis für ihre Telematik-Tarife. Die bisherigen Rabatte für vorsichtiges und vorausschauendes Fahren lagen zwischen 5 und 40 Prozent. Das ist in einigen Fällen aber nur die halbe Wahrheit: Manchmal müssen Kunden zunächst zahlen. Bei der VHV kostet die notwendige Box 84 Euro im Jahr. Das schmälert die erhoffte Ersparnis. Bei anderen Versicherungen wie Axa oder der Signal Iduna Tochter Sijox fallen dagegen keine Kosten für die Telematik-Einrichtung an.

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Kosten können Ersparnis übertreffen

Bei der VHV zahlen Kunden jährlich 84 Euro für die Telematik, höchstens 30 Prozent können sie dadurch sparen. In diesem Fall muss die Versicherung mehr als 280 Euro kosten, damit es sich lohnen kann. Weiterer Haken bei der VHV: Im Telematik-Tarif ist keine Werkstattbindung möglich, bei der Kunden normalerweise 15 Prozent der Beiträge sparen können, ohne dass sie Daten über ihr Fahrverhalten preisgeben.

Huk-Coburg und Allianz ziehen nach

Die Allianz bietet ab Ende April einen Telematik-Tarif an, der sich an junge Autofahrer unter 28 Jahre richtet. Die Huk-Coburg will nach eigenen Angaben im dritten Quartal 2016 einen Telematik-Tarif anbieten. Preise und Rabatte sind noch nicht bekannt. Neben den zwei Platzhirschen plant auch die Generali Telematik-Tarife einzuführen. Die Itzehoer Versicherung ist mittlerweile in einer zweiten Testphase mit 1500 Menschen und prüft, ob sie einen solchen Tarif anbieten wird.

Diese Versicherer planen einen Telematik-Tarif

  Kosten/Jahr mögliche Ersparnis App oder Box von allen nutzbar? Starttermin (Schätzung)
S-Direkt ggf. Einbaukosten 5 % App und Box ja Pilotprojekt beendet
Signal Iduna keine bis zu 40 % Box unter 30 Jahre verfügbar
VHV 84 € bis zu 30 % App und Box ja verfügbar
Axa keine bis zu 15 % App unter 25 Jahre verfügbar
Admiral Direkt keine bis zu 20 % App und Box unter SF 4 verfügbar
Allianz keine bis zu 40 % im ersten Jahr App und Box unter 28 Jahre Ende April 2016
Generali keine bis zu 15 % App ja 1. Juli 2016
Huk - - - junge Fahrer 3. Quartal 2016

Quelle: Finanztip-Recherche (Stand: 5. April 2016)

Telematik im Ausland

Im Ausland sind Telematik-Tarife bereits fester Bestandteil von Kfz-Versicherungen. Der Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) listete 2014 folgende Zahlen und Fakten auf:

Großbritannien – Schon Mitte der 1990er-Jahre gab es die ersten Telematik-Tarife, sie wurden seitdem ständig weiterentwickelt. Bereits heute ist das europäische eCall-System in der Technik eingebaut. Das System setzt bei einem Unfall automatisch einen Notruf ab. EU-weit ist das erst ab 2018 bei Neuwagen Pflicht.

Italien - In Italien muss jeder Kfz-Versicherer mindestens einen Telematik-Tarif anbieten. Die Boxen messen nur die gefahrenen Kilometer. Daher nutzen vor allem Wenigfahrer die Tarife.

Österreich – 50.000 österreichische Bürger haben einen Telematik-Tarif. Wie in Italien misst das System die gefahrene Strecke. Diese berücksichtigt die österreichische Kfz-Versicherung normalerweise nicht. Dadurch sind die Preise in den Telematik-Tarifen meist billiger.

USA – In den USA sind 10 Prozent der Autofahrer in einem Telematik-Tarif versichert. Laut einer Studie des Beratungsunternehmens Towers Watson sanken die Unfallzahlen bei Telematik-Nutzern um 40 Prozent.

Datenschutz ist problematisch

Die Box oder App der Telematik-Tarife übermittelt zahlreiche sensible Daten an die Versicherung. Wann Kunden wohin fahren und vor allem, ob sie sicher oder unsicher fahren, ist sichtbar. Sorgen um den Datenschutz sollten die Versicherer ernst nehmen. Außerdem gehen Kunden möglicherweise das Risiko ein, dass die Police gekündigt wird, falls sie zu riskant fahren. Risiken, die möglicherweise viele Kunden noch abhalten: Laut Versicherungsmonitor würden derzeit nur 43 Prozent der Deutschen einen Telematik-Tarif wählen.

Und noch eine weitere Gefahr besteht, zumindest bei solchen Telematik-Boxen, die direkt mit dem Bordcomputer verbunden sind: Forschern der University of California ist es nämlich gelungen, sich über eine SMS-Sendung an eine amerikanische Telematikbox, die mit der On-Board-Diagnose (OBD 2) verbunden war, in ein Auto zu hacken. So konnten sie den Wagen bremsen lassen und die Scheibenwischer bedienen.

Statt Telematik Wechsel zu günstigerem Versicherer prüfen

Mit einem Anbieterwechsel können Sie aktuell mehr Geld sparen als mit einem Telematik-Tarif – ohne dass Sie sich um Ihre Fahrweise Gedanken machen müssen. Bei klassischen Kfz-Versicherungen ohne Telematik können Sie im Schnitt 27 Prozent sparen, in der Spitze sogar bis zu 44 Prozent, wenn Sie zum jeweils günstigsten Anbieter wechseln.

Das können Sie beim Versicherungswechsel sparen

gegenüber Versicherer Ersparnis beim günstigsten Anbieter Ersparnis beim günstigsten Anbieter
Sijox 318 € 44 %
Axa 3 € 1 %
VHV 155 € 28 %
Admiral Direkt 197 € 33 %
Allianz 180 € 29 %

Quelle: Finanztip-Berechnungen auf den jeweiligen Unternehmensseiten mit verschiedenen Fahrerprofilen und Autos. Preise gerundet. (Stand: 27. Oktober 2015)

Telematik lohnt sich derzeit nur dann, falls Ihre Versicherung ohnehin schon günstig ist und jetzt zusätzlich einen Telematik-Tarif anbietet, der Rabatte bringt. Achten Sie aber darauf, wie teuer die Telematik-Technik ist. Die Zusatzkosten bewegen sich aktuell zwischen 0 und knapp 84 Euro.

Mehr zur Kfz-Versicherung in unserem Ratgeber

Annika Krempel
von Finanztip,
Expertin für Versicherungen

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Artikel verfasst von

Eric Brandmayer

Redaktions-Volontär bei Finanztip

Eric Brandmayer unterstützt die Redaktion von Finanztip als Volontär. Während seines Bachelors in Journalismus und Public Relations arbeitete er als Werksstudent beim Deutschen Olympischen Sportbund in der Pressestelle. Praktische Erfahrungen sammelte er bereits in verschiedenen Redaktionen, in der Versicherungsbranche sowie als Autor.

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