Telematik bei Autoversicherungen

Guter Fahrstil soll Geld sparen

Das Wichtigste in Kürze

  • Telematik liefert Daten über den Fahrstil an die Kfz-Versicherung.
  • Wer umsichtig fährt, bekommt Rabatte vom Versicherer. Gute Autofahrer können so ihren Beitrag senken. Einige Anbieter verlangen mehr Geld von Kunden mit schlechter Fahrweise.
  • Achten Sie darauf, wie hoch die Kosten für die benötigte Box oder App sind.
  • Sie geben eine Menge persönliche Daten über Ihr Fahrverhalten preis. Dies kann möglicherweise bei sehr riskanter Fahrweise dazu führen, dass die Kfz-Versicherung Ihre Police kündigt.
  • Ein einfacher Wechsel der Kfz-Versicherung bringt derzeit meist mehr Ersparnis als ein Telematik-Tarif.
  • Tipp: Sollen wir Sie zu Kfz-Versicherung sowie zu weiteren Themen auf dem Laufenden halten? Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter!

    Bitte bestätigen Sie jetzt Ihre Anmeldung!

    Wir haben Ihnen eine E-Mail an Ihre Adresse gesendet.

    Schauen Sie gleich in Ihr E-Mail-Programm.

    Sie haben keine E-Mail erhalten? Kann es sein, dass die Nachricht im SPAM-Ordner Ihres E-Mail-Anbieters gelandet ist?
    Bitte schauen Sie auch dort einmal nach und fügen die Mail-Adresse von Finanztip.de Ihrem Adressbuch hinzu.

Wer vorsichtig fährt, soll mit sogenannten Telematik-Tarifen Geld bei der Kfz-Versicherung sparen können.

Immer mehr Versicherer bieten entsprechende Angebote an. Mit einem Telematik-Tarif können Autofahrer je nach Versicherung bis zu 40 Prozent der Kfz-Versicherungsprämie sparen. Die meisten Tarife sprechen junge Fahranfänger unter 30 Jahren an, die hohe Prämien zahlen müssen, weil sie öfter Unfälle bauen als andere. Neben dem finanziellen Vorteil für den Einzelnen soll außerdem auf den Straßen das Unfallrisiko sinken. Doch es gibt mehr als einen Haken dabei.

Momentan bieten zehn Versicherer einen Telematik-Tarif an: Sijox, VHV, AxaAdmiral DirektAllianzGenerali und ihre Tochter Aachenmünchener sowie seit neuestem auch Huk-Coburg und Cosmosdirekt. Die HDI hat einen alternativen Ansatz, bei dem Kunden neben den vorrausschauenden Fahren noch anders sparen können. Die S-Direkt, der Direktversicherer der Sparkassen, hatte ein Pilotprojekt mit rund 1.000 Kunden bis Ende 2015 laufen. Ein Anschlussprojekt ist bereits geplant. Auch andere Kfz-Versicherungen wollen noch im Laufe des Jahres 2016 mit vergleichbaren Angeboten folgen.

So beurteilt Telematik Ihren Fahrstil

Autofahrer entscheiden mit ihrer Fahrweise selbst, wie viel sie mit einem Telematik-Tarif sparen. Je vorsichtiger die Fahrweise, desto mehr Rabatt ist möglich. Mit welchen Parametern genau die Versicherung die Fahrweise bewertet, ist von Anbieter zu Anbieter unterschiedlich. Das sind die häufigsten Faktoren:

Hartes Bremsen - Wer plötzlich hart bremst, hat den Verkehr um sich herum oft nicht im Blick. Besonders häufig passiert dies vor Ampeln oder im Stop-and-go-Verkehr. Für Versicherungen wichtig: Auffahrunfälle sind dadurch wahrscheinlicher.

Geschwindigkeit - Überhöhte Geschwindigkeit führt zu mehr und schlimmeren Unfällen. Halten Sie sich an die Geschwindigkeitsbegrenzung, dann steigt die Bewertung Ihrer Fahrweise.

Nachtfahrten - Bei Dunkelheit ist die Sicht schlecht, wodurch das Unfallrisiko steigt.

Schnelles Beschleunigen - Wer oft und schnell beschleunigt, wird mit Punktabzug bestraft, weil er als aggressiver Fahrer gilt.

Leerlaufzeit - Das ist die Zeit, in der der Motor läuft, das Auto sich aber nicht bewegt. Um eine gute Bewertung zu bekommen, sollten Sie den Motor abschalten, wenn Sie zum Beispiel an einem Bahnübergang oder im Stau warten.

Straßentyp - Innerorts knallt es am häufigsten, außerorts seltener. Am besten für den Score ist es daher, wenn Sie auf Bundesstraßen und Autobahnen unterwegs sind.

App oder Box

Möchten Sie einen Telematik-Tarif abschließen, brauchen Sie dafür eine kleine Box im Auto oder eine Applikation (App) für Ihr Smartphone. Bisher gibt es nur wenige Versicherer, die ausschließlich mit einer App auskommen.

Es gibt zwei Varianten dieser Box. Entweder ist sie selbst mit GPS und ein paar einfachen Sensoren ausgestattet oder sie hängt sich an den Bordcomputer des Autos und liest dort Daten aus. Die erste Variante, wie sie zum Beispiel die VHV (Vereinigte Hannoversche Versicherung) anbietet, braucht nur einen Stromanschluss und wird dafür an den Zigarettenanzünder gehängt. Die andere Variante wird mit der OBD-II-Schnittstelle (On-Board-Diagnose) des Fahrzeuges verbunden. Wo diese sitzt, ist von Fahrzeug zu Fahrzeug unterschiedlich.

Einige der Telematikboxen warten mit einer Reihe nützlicher Zusatzfunktionen auf. Am heimischen PC oder auf dem Smartphone können Kunden jederzeit ihre aktuelle Punktzahl sehen.

Die Versicherungen werben derzeit vor allem mit der möglichen Beitragsersparnis für ihre Telematik-Tarife. Die bisherigen Rabatte für vorsichtiges und vorausschauendes Fahren lagen zwischen 5 und 40 Prozent. Das ist in einigen Fällen aber nur die halbe Wahrheit: Bei der VHV kostet die notwendige Box Geld. Das schmälert die erhoffte Ersparnis erheblich. Bei anderen Versicherungen fallen dagegen keine Kosten für die Telematik-Einrichtung an.

  • Tipp: Sollen wir Sie zu Kfz-Versicherung sowie zu weiteren Themen auf dem Laufenden halten? Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter!

    Bitte bestätigen Sie jetzt Ihre Anmeldung!

    Wir haben Ihnen eine E-Mail an Ihre Adresse gesendet.

    Schauen Sie gleich in Ihr E-Mail-Programm.

    Sie haben keine E-Mail erhalten? Kann es sein, dass die Nachricht im SPAM-Ordner Ihres E-Mail-Anbieters gelandet ist?
    Bitte schauen Sie auch dort einmal nach und fügen die Mail-Adresse von Finanztip.de Ihrem Adressbuch hinzu.

Kosten können Ersparnis übertreffen

Bei der VHV zahlen Kunden jährlich 84 Euro für die Telematik, höchstens 30 Prozent können sie dadurch sparen. In diesem Fall muss die Versicherung mehr als 280 Euro kosten, damit es sich lohnen kann. Weiterer Haken bei der VHV: Im Telematik-Tarif ist keine Werkstattbindung möglich, bei der Kunden normalerweise 15 Prozent der Beiträge sparen, ohne dass sie Daten über ihr Fahrverhalten preisgeben.

Bei der Generali und ihrer Tochter Cosmosdirekt werden Kunden sogar für schlechte Fahrweise bestraft. Bis zu 30 Prozent mehr müssen die oft jungen Kunden bei aggressiver Fahrweise draufzahlen – und das bei den ohnehin schon hohen Preisen für Fahranfänger.

Huk-Coburg und Allianz ziehen nach

Die Allianz bietet seit Ende April 2016 einen Telematik-Tarif an, der sich an junge Autofahrer unter 28 Jahren richtet. Die Huk-Coburg hat ihren Telematik-Tarif Anfang Oktober 2016 gestartet – allerdings nur für junge Fahrer unter 25 Jahren, die im Rhein-Main-Gebiet wohnen. Preise und Rabatte sind noch nicht bekannt. Die Itzehoer Versicherung ist mittlerweile in einer zweiten Testphase mit 1.500 Menschen und prüft, ob sie einen solchen Tarif anbieten wird.

HDI mit alternativem Ansatz
Auch die HDI hat einen Telematik-Tarif gestartet. Damit können Kunden sogenannte Tanktaler sammeln für jeden Kilometer, den sie unterwegs sind, und für vorrausschauendes Fahren. Beim Tanken erhalten Kunden 2 Cent Ermäßigung pro Liter. Wie viel der Kunde genau im Jahr sparen kann, lässt sich wegen der unterschiedlichen Einflussfaktoren schwer vorhersagen.

Diese Versicherer planen einen Telematik-Tarif

    Kosten/Jahr   mögliche Ersparnis   App oder Box   von allen nutzbar?   Starttermin (Schätzung)
S-Direkt   ggf. Einbaukosten   5 %   App und Box   ja   Pilotprojekt beendet
Signal Iduna   keine   bis zu 40 %   App und Box   unter 30 Jahre   verfügbar
VHV   84 €   bis zu 30 %   App und Box   ja   verfügbar
Axa   keine   bis zu 15 %   App   unter 25 Jahre   verfügbar
Admiral Direkt   keine   bis zu 20 %   App und Box   unter SF 4   verfügbar
Allianz   keine   bis zu 40 % im ersten Jahr   App und Box   unter 28 Jahre   verfügbar
Generali   keine   bis zu 15 %   App   ja   verfügbar
Aachenmünchener   keine   bis zu 15 %   App   ja   verfügbar
Huk   keine   bis zu 30 %   App und Box   unter 25 Jahren   verfügbar
Cosmosdirekt   keine   bis zu 40 % im ersten Jahr   App   unter 28 Jahren   verfügbar
HDI   keine   variabel   App und Box   ja   verfügbar

Quelle: Finanztip-Recherche (Stand: 10. Oktober 2016)

Telematik im Ausland

Im Ausland sind Telematik-Tarife bereits fester Bestandteil von Kfz-Versicherungen. Der Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) listete 2014 folgende Zahlen und Fakten auf:

Großbritannien - Schon Mitte der 1990er-Jahre gab es die ersten Telematik-Tarife, sie wurden seitdem ständig weiterentwickelt. Bereits heute ist das europäische eCall-System in der Technik eingebaut. Das System setzt bei einem Unfall automatisch einen Notruf ab. EU-weit ist das erst ab 2018 bei Neuwagen Pflicht.

Italien - In Italien muss jeder Kfz-Versicherer mindestens einen Telematik-Tarif anbieten. Die Boxen messen nur die gefahrenen Kilometer. Daher nutzen vor allem Wenigfahrer die Tarife.

Österreich - 50.000 österreichische Bürger haben einen Telematik-Tarif. Wie in Italien misst das System die gefahrene Strecke. Diese berücksichtigt die österreichische Kfz-Versicherung normalerweise nicht. Dadurch sind die Preise in den Telematik-Tarifen meist billiger.

USA - In den USA sind 10 Prozent der Autofahrer in einem Telematik-Tarif versichert. Laut einer Studie des Beratungsunternehmens Towers Watson sanken die Unfallzahlen bei Telematik-Nutzern um 40 Prozent.

Datenschutz ist problematisch

Die Box oder App der Telematik-Tarife übermittelt zahlreiche sensible Daten: Wann Kunden wohin fahren und vor allem, ob sie sicher oder unsicher fahren. Sorgen um den Datenschutz sollten die Versicherer und deren Kooperationspartner ernst nehmen. Außerdem gehen Kunden möglicherweise das Risiko ein, dass die Police gekündigt wird, falls sie zu riskant fahren. Das sind Risiken, die möglicherweise viele Kunden noch abhalten: Laut dem Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) lehnt fast jeder zweite Autofahrer einen Telematik-Tarif grundsätzlich ab. Ein Viertel glaubt darüber hinaus nicht, dass sie mit Telematik Geld sparen können. 

Und noch eine weitere Gefahr besteht, zumindest bei solchen Telematik-Boxen, die direkt mit dem Bordcomputer verbunden sind: Forschern der University of California ist es nämlich gelungen, über eine SMS auf eine amerikanische Telematikbox zuzugreifen, die mit der On-Board-Diagnose (OBD 2) verbunden war, und sich in das Auto zu hacken. So konnten sie den Wagen bremsen lassen und die Scheibenwischer bedienen.

Statt Telematik Wechsel zu günstigerem Versicherer prüfen

Mit einem Anbieterwechsel können Sie aktuell mehr Geld sparen als mit einem Telematik-Tarif – ohne dass Sie sich um Ihre Fahrweise Gedanken machen müssen. Bei klassischen Kfz-Versicherungen ohne Telematik können Sie im Schnitt 32 Prozent sparen, in der Spitze sogar bis zu 48 Prozent, wenn Sie zum jeweils günstigsten Anbieter wechseln.

Das können Sie beim Versicherungswechsel sparen

gegenüber Versicherer Ersparnis beim günstigsten Anbieter Ersparnis beim günstigsten Anbieter
Sijox 142 € 33 %
Axa 84 € 21 %
VHV 72 € 19 %
Admiral Direkt 329 € 48 %
Allianz 231 € 43 %
Huk-Coburg 143 € 31 %
Cosmosdirekt 109 € 26 %

Quelle: Finanztip-Berechnungen auf den jeweiligen Unternehmensseiten mit verschiedenen Fahrerprofilen und Autos. Preise gerundet. Die Profile konnten wir auf Grund des fehlenden Online-Rechners auf den Seiten der Generali und Aachenmünchener leider nicht berechnen. (Stand: 10. Oktober 2016)

Telematik lohnt sich derzeit nur dann, falls Ihre Versicherung ohnehin schon günstig ist und jetzt zusätzlich einen Telematik-Tarif anbietet, der Rabatte bringt. Achten Sie aber darauf, wie teuer die Telematik-Technik ist. Die Zusatzkosten bewegen sich aktuell zwischen 0 und knapp 84 Euro.

Mehr zur Kfz-Versicherung in unserem Ratgeber

Annika Krempel
von Finanztip,
Expertin für Versicherungen

Mindestens zwei Internetportale nutzen

  • Vollkasko kann billiger als Teilkasko sein.
  • Versichern Sie grobe Fahrlässigkeit und Mallorca-Police.
  • Werkstattbindung ist sinnvoll und spart Geld.

» Zum Ratgeber

Empfohlene Vergleichsportale und Anbieter:

Community

Denken Sie über einen Telematik-Tarif nach? Was finden Sie gut, was schlecht? Diskutieren Sie mit!

Sollen wir Sie
zu Kfz-Versicherung
sowie zu weiteren Themen auf dem Laufenden halten?

Einmal pro Woche die wichtigsten Verbraucher-Tipps - kostenlos und werbefrei direkt in Ihr Postfach.

  • Wertvolle Spartipps für Ihr Geld
  • Urteile, die Sie kennen sollten
  • Updates zu unseren beliebten Rechnern und Musterschreiben
  • Unverbindlich und jederzeit kündbar


Finanztip-Chefredakteur
Hermann-Josef Tenhagen

Vielen Dank für Ihre Anmeldung

Bitte bestätigen Sie Ihre E-Mail-Adresse

  1. Schauen Sie gleich in Ihrem Postfach nach.
  2. Öffnen Sie die Mail von Finanztip Newsletter.
  3. Klicken Sie auf den Bestätigungslink.

Schauen Sie bitte auch im Spam-Ordner nach.

Weitere Themen

Finanztip Newsletter

  • Jede Woche die besten Tipps
  • Absolut kostenlos
  • 100% werbefrei

Artikel verfasst von

Eric Brandmayer

Redakteur bei Finanztip

Eric Brandmayer hat bei Finanztip volontiert. Er kümmert sich als Redakteur im Versicherungsteam vor allem um die Themen Hausrat und Haftpflicht. Während seines Bachelors in Journalismus und Public Relations arbeitete er als Werksstudent beim Deutschen Olympischen Sportbund in der Pressestelle. Praktische Erfahrungen sammelte er zuvor in verschiedenen Redaktionen, in der Versicherungsbranche sowie als Autor.