PKV-Beitrag senken

So zahlen Sie weniger für die private Krankenversicherung

Das Wichtigste in Kürze

  • Private Krankenversicherungen dürfen unter bestimmten Voraussetzungen den Beitrag erhöhen.
  • Im Durchschnitt stieg er in den vergangenen zehn Jahren um jährlich 3 Prozent.
  • Ist der Beitrag Ihrer privaten Krankenversicherung zu teuer, haben Sie sieben Möglichkeiten, ihn zu drücken.

Diese sieben Möglichkeiten gibt's

  • Hat sich Ihr Gesundheitszustand stark verbessert, können Sie Risikozuschlägen im Vertrag streichen lassen.
  • Lassen Sie von einem Versicherungsberater überprüfen, ob sich ein interner Tarifwechsel lohnt.
  • Falls möglich, wechseln Sie in die gesetzliche Krankenversicherung.
  • Erhöhen Sie Ihren Selbstbehalt – in Maßen.
  • Wechseln Sie in den Standardtarif, falls er Ihnen offen steht.
  • Sofern möglich, wechseln Sie in den Basistarif und prüfen Sie, ob Sie hilfebedürftig sind.
  • Falls Standardtarif und Basistarif zu teuer sind, bleibt vorübergehend noch der Notlagentarif.
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Unerfreuliche Post mit einer Beitragserhöhung erhalten jedes Jahr viele privat Krankenversicherte. Durchschnittlich um 3 Prozent steigt der Beitrag pro Jahr laut Verband der Privaten Krankenversicherung. Was anfangs nur die Laune vermiest, kann mit der Zeit die Haushaltskasse überfordern. Manche Menschen zahlen für ihre private Krankenversicherung (PKV) mehr als für ihre Mietwohnung.

Die Erhöhungen, die in der Branche als Beitragsanpassung (BAP) verschleiert werden, müssen Sie nicht einfach hinnehmen. Sie haben sieben Möglichkeiten, um Ihren Beitrag senken. Gehen Sie diese der Reihe nach durch. Mit den ersten Möglichkeiten können Sie den Beitrag senken, ohne Leistungen zu kürzen. Je weiter Sie nach unten in der Liste gehen, desto mehr Einschränkungen müssen Sie hinnehmen, um Ihr Budget zu entlasten.

Möglichkeit 1: Risikozuschläge überprüfen

Ein einmal vereinbarter Risikozuschlag muss nicht für immer bestehen bleiben. Sofern sich Ihr Gesundheitszustand so sehr verbessert hat, dass der Grund für den Zuschlag entfallen ist, können Sie den Aufpreis aus dem Vertrag streichen lassen (§ 41 Versicherungsvertragsgesetz).Das ist eine einfache und effektive Möglichkeit, den Beitrag zu senken, denn Risikozuschläge können durchaus 10 bis 20 Prozent des Gesamtbeitrags ausmachen, in Einzelfällen auch mehr. Ob Sie einen Risikozuschlag bezahlen, können Sie Ihrem Versicherungsschein entnehmen.

Wer zum Beispiel bei Abschluss der Versicherung Heuschnupfen hatte und deshalb einen Zuschlag zahlt, kann nach einer Hyposensibilisierung vollständig geheilt sein. Dann sollten Sie dem Versicherer schreiben, dass der Zuschlag entfallen soll.

In manchen Fällen ist es notwendig, dass Sie bereits eine längere Zeit beschwerdefrei sind, zum Beispiel bei Rückenproblemen. Genauso können Sie übrigens einen ursprünglich vereinbarten Leistungsausschluss überprüfen lassen, zum Beispiel Beschwerden aufgrund eines früheren Unfalls, die Sie heute aber nicht mehr beeinträchtigen.

Ersetzen Sie aber keinesfalls einen Risikozuschlag durch einen Leistungssauschluss, um Geld zu sparen – das kann später teuer werden. Um Ihren Gesundheitszustand zu belegen, brauchen Sie einen aktuellen Arztbericht. Wenn Ihre Versicherung sich weigert, diesen anzuerkennen, holen Sie sich professionelle Unterstützung durch einen Versicherungsberater.

Möglichkeit 2: Internen Tarifwechsel prüfen

Die beste Möglichkeit, PKV-Beitrag zu sparen, ist, intern bei Ihrem Krankenversicherer den Tarif zu wechseln. Durch den internen Tarifwechsel zahlen Sie für gleiche oder nur geringfügig schlechtere Leistungen oft deutlich weniger Prämie. Je länger Sie schon in Ihrem aktuellen Tarif sind, desto höher sind die Chancen, einen besseren zu finden.

Jeder Privatversicherte hat ein Anrecht darauf zu wechseln. Allerdings ist ein Wechsel nicht ganz einfach, daher brauchen Sie die Hilfe eines professionellen Versicherungsberaters.

Achtung

Nicht den Krankenversicherer wechseln

In aller Regel sollten Sie nicht die private Krankenversicherung wechseln, um Beitrag zu sparen. Sie verlieren dabei einen Großteil Ihrer angesammelten Altersrückstellungen. Falls Ihr Vermittler Ihnen dazu rät, ist er wahrscheinlich auf die neue Abschlussprovision aus. Lohnen kann sich das nur, wenn Sie noch jung sind und durch den Wechsel erheblich bessere Leistungen erhalten.

Viele private Krankenversicherungen haben sich 2016 auf verbindliche Leitlinien für den internen Tarifwechsel verständigt. Damit wollen die teilnehmenden Gesellschaften ihren Kunden den Wechsel leichter machen. Sie verpflichten sich darin zu einer individuellen Beratung nach den Bedürfnissen und Wünschen eines Kunden.

Außerdem wollen sie alle Tarife offenlegen, die für den Wechsel infrage kommen oder zumindest darauf hinweisen, dass es sich um eine Auswahl handelt. Zusätzlich soll grundsätzlich der Gesundheitszustand maßgeblich sein, der zum ersten Vertragsabschluss bestand. Nur wenn jemand höhere Leistungen dazubucht, soll eine Gesundheitsprüfung erforderlich sein.

Mehr dazu im Ratgeber interner Tarifwechsel

Julia Rieder
von Finanztip,
Expertin für Versicherungen

Unbedingt internen Tarifwechsel prüfen

  • Ihr Beitrag kann um Hunderte Euro sinken.
  • Vor allem langjährig Versicherte können sparen.
  • Lassen Sie sich beraten, um Fallstricke zu vermeiden.

» Zum Ratgeber

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  • für erfolgsabhängiges Honorar: Minerva
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Erst wenn Sie die Möglichkeit des internen Tarifwechsels wirklich ausgeschöpft haben, sollten Sie die weiteren Schritte in Erwägung ziehen:

Möglichkeit 3: In die gesetzliche Krankenversicherung wechseln

Überlegen Sie, ob Sie in die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) wechseln können. Falls ein interner Tarifwechsel nichts bringt, ist es wahrscheinlich, dass Sie in der PKV insgesamt falsch aufgehoben sind. Prüfen Sie dann mit Hilfe unseres Ratgebers, ob Sie in die GKV zurückkehren können. Versicherte mit Kindern und Ehepartnern sollten einen solchen Wechsel erwägen. Denn in der gesetzlichen Versicherung sind diese Familienmitglieder meist beitragsfrei mitversichert.

Weitere Tipps im Ratgeber gesetzliche Krankenversicherung

Annika Krempel
von Finanztip,
Expertin für Versicherungen

Leistungen meist gleich

  • Kassen erheben unterschiedliche Zusatzbeiträge.
  • Achten Sie auf Zusatzleistungen und Erstattungen.
  • Sie dürfen die Krankenkasse jederzeit wechseln.

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Möglichkeit 4: Selbstbehalt erhöhen

Sie können einen Selbstbehalt vereinbaren oder erhöhen, um den monatlichen Beitrag zu senken. Seien Sie aber mit diesem Instrument vorsichtig und setzen Sie den Selbstbehalt nicht zu hoch an: Sollten Sie krank werden, kann die Selbstbeteiligung eine schwere Belastung sein.

Zudem können Sie ihn nicht einfach wieder zurückschrauben, dazu ist eine Gesundheitsprüfung notwendig. Bei Angestellten kommt hinzu, dass sich ihr Arbeitgeber nicht am Selbstbehalt beteiligt. Sie können dementsprechend weniger sparen, weil Sie die Last der Selbstbeteiligung alleine tragen. Den Beitrag zahlt der Arbeitgeber dagegen mit.

Möglichkeit 5: In den Standardtarif wechseln

Falls Sie die Voraussetzungen für einen Wechsel in die gesetzliche Kasse nicht erfüllen, gibt es innerhalb der privaten Krankenversicherung zwei Tarife, die der GKV ähneln: der Standard- und Basistarif. In den Standardtarif können Sie grundsätzlich nur, sofern Sie vor 2009 in die private Krankenversicherung eingetreten sind. Dann steht er Versicherten offen, die älter als 65 Jahre sind, oder Menschen über 55 Jahren, deren Einkommen unterhalb der Jahresarbeitsentgeltgrenze (JAEG) von 57.600 Euro liegt.

In der Regel ist der Standardtarif deutlich günstiger als der Basistarif. Das gilt vor allem für Ehepaare, bei denen beide in der PKV sind. Dafür sind die Leistungen etwas geringer.

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Möglichkeit 6: In den Basistarif wechseln

Der andere, der GKV ähnelnde Tarif ist der Basistarif. Er ist deutlich teurer als der Standardtarif und bietet dabei kaum bessere Leistungen – insbesondere bei Psychotherapie, Kuren und Reha-Leistungen. Der Umstieg lohnt sich nur, sofern der aktuelle Beitrag sehr hoch ist. Falls Sie in den Basistarif wechseln, prüfen Sie, ob Sie nach Paragraf 9 Sozialgesetzbuch II – womöglich durch den PKV-Beitrag – hilfebedürftig sind. Dann wird Ihnen die Hälfte der Prämie erlassen.

Möglichkeit 7: In den Notlagentarif wechseln

Falls alle anderen Möglichkeiten nicht greifen, gibt es noch einen letzten, aber nur zeitweiligen Ausweg: den Notlagentarif für säumige Beitragszahler. Wenn Sie Ihre Beiträge nicht bezahlen und das entsprechende  Mahnverfahren abgeschlossen ist, landen Sie automatisch in diesem Tarif, der 100 bis 130 Euro im Monat kostet. Er sieht vor allem eine Akutversorgung vor, wobei Kinder und Jugendliche sowie Schwangere weitergehende Leistungen erhalten.

Der Notlagentarif ist als Übergangslösung gedacht, bis Sie Ihre vollen Beiträge (wieder) zahlen können. Sobald es Ihnen finanziell besser geht, müssen und sollten Sie in einen vollwertigen Tarif zurückkehren. Denn weder erhalten Sie im Notlagentarif wichtige weitergehende Heilbehandlungen noch werden Altersrückstellungen gebildet. Sie dürfen in Ihren alten Tarif zurückkehren oder einen anderen Tarif Ihrer Krankenversicherung wählen.

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Artikel verfasst von

Annika Krempel

Finanztip-Expertin für Versicherungen

Annika Krempel ist Redakteurin im Team Versicherung und Vorsorge. Nach ihrem Diplom in Politikwissenschaften absolvierte sie ein Volontariat für Wirtschafts- und Verbraucherjournalisten. Sie sammelte unter anderem Erfahrungen in den Redaktionen von ZDF WISO, RBB Inforadio sowie der Stiftung Warentest. Die verbraucherpolitische Arbeit lernte sie beim Verbraucherzentrale Bundesverband kennen.

Finanztip-Redaktion

Die Experten für Verbraucherfinanzen

Die Finanztip-Redaktion besteht aus einem Team von Experten, die völlig unabhängig für Sie recherchieren, damit Sie die beste Entscheidung treffen können. Die Experten arbeiten in den Teams Bank & Geldanlage, Versicherung & Vorsorge, Recht & Steuern sowie Energie/Reise/ Mobilität & Medien. Bei der Wahl der Zeitschrift „Wirtschaftsjournalist“ zur Wirtschaftsredaktion des Jahres belegte die Redaktion 2015 den zweiten Platz.