| Bankgeschäfte: Anlegerschutz / Bankhaftung / Bankrecht bei Finanztip.de |
Honorarberater statt Provision
Der Begriff "Honorarberatung" ist gesetzlich nicht geregelt. Im Sprachgebrauch wird allgemein unter einem Honorarberater jemand verstanden, der gegen Honorar eine Beratungsleistung erbringt. Typische Kandidaten sind mithin Rechtsanwälte, Steuerbrater, Rentenberater, Unternehmensberater usw. Im "engeren Sinne" sind jedoch - hoffentlich unabhängige - Finanzberater und Vermögensberater gemeint, die Beratungsleistungen mit dem Schwerpunkt "Versicherungen, Finanzierungen, Finanzplanung, Geld- und Kapitalanlage" erbringen. Das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (kurz
BMELV ist ist in der gesetzlichen Regelung des Berufsbildes der Honorarberatung aktiv. [Mehr hierzu im Artikel
Checkliste für kostenpflichtige Finanzberatung].
Zu Recht drängen diese Berater auf den Begriff "Honorarberater", denn echte Honorarberater lehnen jegliche Provision ab und lassen sich nur vom Auftraggeber für ihre Kompetenz und unabhängige Beratungsleistung honorieren. Sie möchten keinesfalls in einen Topf mit Finanzberatern geworfen werden, die provisionsabhängig "beraten".
Honorarberatung in Finanzfragen setzt sich in Deutschland nur sehr langsam durch. Der Anteil der wirklich unabhängigen Finanzberater, die ausschließlich auf Honorarbasis arbeiten, beträgt wahrscheinlich nur rund 1 Prozent aller tätigen "Finanzberater". Grund: Nur eine ganz kleine Minderheit unter den "Normal- und Besserverdienenden" ist bisher bereit für diese Dienstleistung zu zahlen. Bisher ist Honorarberatung vorwiegend eine Domäne der Vermögensberatung für Reiche, die häufig auch mit einer Vermögensverwaltung verbunden ist. Einige Banken (z.B. Quirin und Comdirect) bieten - teilweise optional - eine Beratungsmöglichkeit mit unterschiedlichen Abrechnungsmethoden.
Dies ist schon sehr verwunderlich, weil das Honorar für die Finanz- oder Versicherungsberatung gerade im Hinblick bei Produkten der Altersvorsorge oft deutlich geringer ist als die (bereits einkalkulierte) Vermittlungsprovision. Hinzu kommt, dass auch unter den Honorar-Finanzberatern ein Wettbewerb besteht, der in der Mehrheit der Fälle nur positive Effekte für den Kunden hat. Den meisten Finanzkunden ist sicherlich klar, dass sie die Dienstleistung über die Vermittlungsprovision letztlich doch selber zahlen. Ihnen müsste weiterhin klar sein, dass eine kostenlose Finanzberatung in vielen Fällen keine echte Beratungsleistung, sondern eher ein Verkaufsgespräch darstellt. Der Artikel So durchschauen Sie Ihren Finanzberater aus der Zeitung "Welt" vom 15. März 2009 beschreibt - allerdings etwas überzeichnet - sehr umfassend das Dilemma "Bank und Finanzkunde".
Honorarberatung erfordert eine höhere Anlagesumme
Der Anleger weiß bei einer vorher festgelegten Finanzberatung auf Honorarbasis genau, was ihn die Beratung – unabhängig vom Vertragsabschluss – kostet. Vermittlungsprovisionen, die von den Fondsgesellschaften oder Versicherungen gezahlt werden, kommen nicht den Honorarberatern, sondern den Investoren zugute. Zugleich kann der Anleger davon ausgehen, dass der Honorarberater Finanzprodukte empfiehlt, die sich am individuellen Chancen-Risiken-Profil des Anlegers orientieren. Allerdings sollte der Anleger gut nachrechnen. Da es sich bei dem Beratungshonorar um einen Fixbetrag handelt, lohnt sich diese Form der Beratung erst ab einem bestimmten Anlagebetrag. Zudem ist gerade in Gelddingen zu beachten: Der Anleger sollte sich – gleich ob die Beratung durch Provisionen oder Honorar entgolten wird – bei seinem Berater gut aufgehoben fühlen.
Anforderungen an Honorarberater
Der Honorarberater muss grundsätzlich zwei wichtigen Kriterien genügen. Er muss über ausreichende Qualifikationen auf den Gebieten "Versicherungen, Finanzierungen, Finanzplanung sowie Geld- und Kapitalanlage" verfügen und er muss jegliche Interessenkonflikte vermeiden. So ist ihm die Einbehaltung von Vermittlungprovisionen, einschließlich
Kickbacks, nicht gestattet.
Der Honorarberater sollte auch über fundierte steuerliche Grundkenntnisse verfügen. Nicht selten wird auch der eigene Steuerberater zu seiner Einschätzung bei Finanzgeschäften befragt.
Honorarberatung im Ausland
Die Honorarberatung in Finanz- und Versicherungsangelegenheiten ist im Ausland viel weiter verbreitet. Beispiel: Großbritannien oder Dänemark. Maßnahmen, um die Unabhängigkeit der Vermittler zu stärken, ist die Deckelung von Abschlussprovisionen bis hin zum strikten Verbot, überhaupt Abschlussprovisionen nehmen zu dürfen. So sieht die britische Finanzaufsicht FSA bereits ab dem Jahr 2012 in Großbritannien ein Verbot für Provisionszahlungen im Banksystem vor. Die erforderliche Offenlegung der Kosten für Abschluss und Vertrieb des Finanzproduktes sowie die
Dokumentationspflicht in der Finanzberatung sind Maßnahmen des Gesetzgebers, die einen wesentlichen Beitrag zur Stärkung der unabhängigen Finanzberatung leisten.
Eigentore der Honorarberater
Unter den Honorarberatern gibt es "solche und solche". So gibt es "unabhängige" Honorarberater, die sich nur dann bezahlen lassen, wenn auch das Vermögen einen Wertzuwachs verzeichnet. Sie wollen "nur" am Erfolg partizipieren. Gute Einstellung: Sie sagen jedoch nicht, dass sie nicht an einem Verlust partizipieren. Und bekanntlich erfordert eine höhere Gewinnchance auch das Eingehen eines höheren Risikos. Diese Finanzberater werden ihren Kunden kaum
Bundeswertpapiere der Deutsche Finanzagentur empfehlen.
Hier ein Auszug aus dem Artikel ETF in der Honorarberatung:
Hier zeigt sich ein weiteres Problem der Honorarberatung in Finanzfragen und insbesondere in der Geldanlage. Wieso gibt es in einem Jahr bei einem "Nettoanlageverlust" kein Geld zurück? Und warum wird der Begriff "Nettoanlageerfolg" auf der Website nicht definiert? Wieso wird eine "Bestandsprovision" auf das Depotvolumen verlangt? So muss der Kunde argwöhnen, dass ihm vorrangig Produkte für das Depot nahegelegt werden. Was ist mit Riestervorsorge fürs Alter oder einer privaten Rentenversicherung oder sogar einer vermieteten Eigentumswohnung?
Wo finde ich einen Honorarberater in der Nähe?
Diese Fragestellung zielt auf eine zentrale Datenbank oder zumindest Verzeichnis oder Liste von Honorarberatern. Diese Frage führt zu einem weiteren Problem. Es gibt (noch) keine echte gemeinsame Interessenvertretung für die Gruppe der Honorarberater. Demzufolge ist es auch für Finanzkunden schwer, geeignete Honorarberater in ihrer Nähe zu finden. Als Anlaufadressen sind derzeit im Web zu finden: Der
Verbund Deutscher Honorarberater, der auch das
Wissenforum betreibt. Die
BundesInitiative der Honorarberater ist dabei, ein Onlineverzeichnis von unabhängigen Honorarberatern zu erstellen. Die Website
Berater-Lotse versteht sich als ein Portal, dass Experten, welche sich auf die Honorarberatung spezialisiert haben, mit Suchenden zusammenführt. Einen Schwerpuntk will die Website zu Fragen zu Geld- und Kapitalanlagen, Versicherungen, Renten, Finanzierungen, Beteiligungen aber auch zu Vermögensübertragung, Nachfolgeregelungen, Unternehmensbewertung setzen.
Fazit: Es wird noch lange dauern, bis sich im Bewusstsein der Finanzkunden die positive Einstellung zur Zahlung von Honororen für eine unabhängige Finanzberatung fest verankert. Der Gesetzgeber muss wahrscheinlich noch mehr helfen, damit die Honorarberatung einen deutlich höheren Marktanteil erlangt. Dabei sollte der gesunde Menschenverstand uns doch sagen: Eine kostenlose Dienstleistung im Geschäftsleben ist entweder eine Art "Spende" oder die Kosten werden "intern" verechnet. Zahlen muss in der Regel derjenige, der die Dienstleistung allein oder in der Masse in Anspruch nimmt.