Patientenverfügung

Selbstbestimmt für den Krankheitsfall entscheiden

Dr. Britta Beate Schön Stand: 18. Mai 2020
Das Wichtigste in Kürze
  • Lege mit einer Patientenverfügung fest, was Ärzte bei Deiner Behandlung berücksichtigen sollen, falls Du Dich selbst nicht mehr äußern kannst.
  • Nach der Rechtsprechung darfst Du keine zu allgemeinen Formulierungen verwenden. Es reicht zum Beispiel nicht zu schreiben, Du möchtest würdevoll sterben.
  • Die Corona-Pandemie ist ein guter Anlass, um die eigenen Wünsche als Patient festzulegen. Wer bereits eine differenzierte Verfügung hat, muss diese wegen Corona nicht anpassen.
So gehst Du vor
  • Wenn Du Deine Patientenverfügung selbst erstellen willst, empfehlen wir das Muster des Bundesjustizministeriums.
  • Du kannst auch mithilfe eines Dienstleisters Deine Verfügung erstellen. Wir empfehlen Patientenverfügungplus. Der Anbieter erstellt ein Vorsorgepaket für 29,90 Euro. Ähnlich funktioniert meine Patientenverfügung. Für 24,50 Euro bekommst Du die fertigen Dokumente ausgedruckt und sortiert per Post.
  • Wünschst Du, dass ein Rechtsanwalt die Patientenverfügung für Dich erstellt, empfehlen wir Yourxpert. Das Portal vermittelt einen Anwalt zu einem Festpreis von 192 Euro. Du kannst auch zu jedem Notar gehen.

Niemand denkt gern darüber nach, was passiert, wenn er richtig krank wird und nicht mehr selbst entscheiden kann. Du solltest es trotzdem tun. Denn wahrscheinlich hast Du instinktiv eine klare Vorstellung davon, welche medizinische Behandlung Du im Notfall wünschst, auch wenn Du Dich nicht mehr äußern kannst. Vielleicht willst Du Deinen Angehörigen auch die Last der Entscheidung abnehmen. Spätestens wenn eine Operation ansteht, solltest Du eine Patientenverfügung aufsetzen. Denn jeder Mensch sollte neben einer Vorsorgevollmacht auch eine Patientenverfügung haben – nicht nur in Corona-Zeiten.

In welchen Situationen brauche ich eine Patientenverfügung?

Mit einer Patientenverfügung kannst Du schriftlich festlegen, welche ärztlichen Maßnahmen zu treffen sind, falls Du zum Beispiel im Koma liegst (§ 1901a BGB). Dann ist der Arzt an den Willen des Patienten gebunden. Je nachdem, wie die Prognose ist, in welchem Zustand der Erkrankte ist und welche Wünsche er zuvor geäußert hat, muss der Arzt die Behandlung auswählen. Diese muss er mit einem Betreuer oder dem Bevollmächtigten abstimmen, der darüber wacht, dass der Patientenwille umgesetzt wird (§ 1901b BGB).

Die schriftliche Verfügung ist für Ärzte und Pfleger nur dann verbindlich, wenn der Patient seinen Willen nicht mehr bilden oder äußern kann. Das kann im Endstadium einer unheilbaren Krankheit sein, bei Gehirnschäden etwa durch Unfall oder Schlaganfall, aber auch bei fortschreitender Demenzerkrankung. Meist werden in der Verfügung die einzelnen Situationen als Beispiele aufgeführt.

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Was ist der typische Inhalt einer Patientenverfügung?

Der behandelnde Arzt soll den Willen des Patienten in der Verfügung konkret nachlesen können und danach handeln. Oft ist das nicht leicht, da die Verfügung zu ungenau verfasst wurde. Manchmal sind sich auch die Angehörigen nicht einig, was genau gemeint ist.

Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs (BGH) ist eine Patientenverfügung dann bestimmt genug, wenn der Verfasser einerseits konkret beschrieben hat, in welchen Behandlungssituationen die Verfügung gelten soll. Andererseits soll er die ärztlichen Maßnahmen genau bezeichnet haben, die er möchte oder die er nicht will. Das können zum Beispiel Angaben zur Schmerz- und Symptombehandlung sein (§ 1901a BGB).

Dabei dürfen die Anforderungen aber auch nicht überspannt werden, so der Bundesgerichtshof (BGH, Beschluss vom 8. Februar 2017, Az. XII ZB 604/15). Denn nicht alle Krankheitsverläufe sind vorhersehbar. Es reicht, wenn der Patient bestimmte Lebens- und Behandlungssituationen umschrieben hat (BGH, Beschluss vom 14. November 2018, Az. XII ZB 107/18).

Klar ist aber: Nur zu sagen, dass man keine lebenserhaltenden Maßnahmen wünscht, reicht nicht (BGH, Beschluss vom 6. Juli 2016, Az. XII ZB 61/16). Auch allgemeine Anweisungen sind nicht bestimmt genug, etwa die Aufforderung, ein würdevolles Sterben zu ermöglichen oder zuzulassen, wenn ein Therapieerfolg nicht mehr zu erwarten ist (BGH, Beschluss vom 8. Februar 2017, Az. XII ZB 604/15). Daraus ist nicht ohne weiteres der Wille zu entnehmen, dass der Patient zum Beispiel keine künstliche Ernährung wünscht.

Was in der Verfügung nicht fehlen darf

Es gibt einige wichtige Punkte, die in jeder Patientenverfügung enthalten sein sollten:

Lebenserhaltende Maßnahmen - Du kannst bestimmen, dass alles medizinisch Mögliche und Sinnvolle getan werden soll, um Dein Leben zu erhalten. Du kannst aber auch auf lebenserhaltende Maßnahmen verzichten. Ob Du lebenserhaltende Maßnahmen wünschst, solltest Du von der konkreten Behandlungssituation abhängig machen. Möglicherweise wünschst Du Dir bei einem Unfall sehr wohl diese Maßnahmen, im Endstadium einer Krebserkrankung hingegen nicht.

Schmerz- und Symptombehandlung - Du kannst festlegen, wie Deine Schmerz- und Symptombehandlung aussehen soll. Willst Du Morphium oder andere Medikamente, auch wenn dadurch Dein Bewusstsein gedämpft werden sollte oder Mittel, die Dein Leben verkürzen? Auch dann sollte klar sein, in welchen Situationen Du eine solche Schmerzbehandlung wünschst.

Künstliche Ernährung und Beatmung - In der Patientenverfügung kannst Du festlegen, ob und gegebenenfalls wann Du künstlich ernährt oder beatmet werden willst.

Wiederbelebung - Auch zu Wiederbelebungsversuchen kannst Du etwas festlegen, zum Beispiel, dass Du solche wünschst oder ablehnst.

Gabe von Antibiotika oder Blutübertragungen - Du kannst bestimmen, ob Du Antibiotika oder Blutübertragungen bekommen willst oder nur zur Beschwerdelinderung wünschst.

Ort der Behandlung - Üblich ist auch, dass Patienten festlegen, ob sie zum Sterben ins Krankenhaus verlegt werden wollen oder, wenn möglich, zu Hause oder in einem Hospiz sterben möchten.

Benennung eines Bevollmächtigten - In der Patientenverfügung solltest Du darauf hinweisen, wenn Du zusätzlich eine Vorsorgevollmacht oder eine Betreuungsverfügung aufgesetzt hast. Das ist sehr sinnvoll. Der Bevollmächtigte ist dann Ansprechpartner für die behandelnden Ärzte und stellt sicher, dass Dein Wille entsprechend der Verfügung beachtet wird.

Hat ein Patient für seine gegenwärtige Lebenssituation eine wirksame Patientenverfügung erstellt, dann sind die Gerichte nicht zur Genehmigung des Abbruchs der lebenserhaltenen Maßnahmen berufen, sondern müssen die Entscheidung des Patienten akzeptieren (BGH, Beschluss vom 14. November 2018, Az. XII ZB 107/18).

Achtung: Viele gehen davon aus, dass Ehepartner oder Kinder automatisch bevollmächtigt sind. Das ist nicht so. Auch die nächsten Angehörigen benötigen die schriftliche Ermächtigung, um Deinen Willen im Fall von Krankheit oder schwerwiegenden medizinischen Eingriffen durchsetzen zu können. Dazu benötigen sie eine separate Vorsorgevollmacht, die auch auf den medizinischen Bereich beschränkt sein kann.

Ärztliche Schweigepflicht - Ärzte dürfen gegenüber Dritten nichts über den Gesundheitszustand ihrer Patienten preisgeben. Es empfiehlt sich daher, Deinen Arzt gegenüber dem Bevollmächtigten von seiner ärztlichen Schweigepflicht zu entbinden. Es ist sinnvoll, dies in Deiner Patientenverfügung schriftlich zu regeln. Du kannst darin detailliert festlegen, gegenüber wem und in welchen Fragen der behandelnde Arzt von seiner Schweigepflicht entbunden ist.

Muss ich wegen Corona meine Patientenverfügung ergänzen?

Das Bundesjustizministerium berichtet davon, dass viele Bürger fragen, ob sie ihre Patientenverfügung ergänzen sollen – für den Fall, dass sie wegen einer Covid-19-Erkrankung ins Krankenhaus müssen und vielleicht sogar auf die Intensivstation.

Es ist auf jeden Fall sinnvoll, das eigene Vorsorgedokument zur Hand zu nehmen und sich noch einmal durchzulesen, in welchen Situationen Du welche Behandlungswünsche festgelegt hast.

Wer eine differenzierte Patientenverfügung aufgesetzt hat – wie wir es hier in diesem Ratgeber beschreiben –, der braucht anlässlich der Corona-Pandemie diese nicht ergänzen. Denn bei einer Covid-19 Erkrankung handelt es sich grundsätzlich um eine heilbare Krankheit. Auch wenn Du in bestimmten Situationen eine künstliche Beatmung ausgeschlossen hast, gilt das nicht für eine vorübergehende künstliche Beatmung, die auf eine völlige Heilung der Lungenentzündung abzielt – wie das bei Covid-19-Erkrankungen oft der Fall ist. Erst bei einem sehr schweren, eventuell tödlichen Verlauf der Krankheit kann die Patientenverfügung entscheidend sein. Aber genau dafür enthält eine differenzierte Patientenverfügung auch Regelungen zur künstlichen Beatmung, Ernährung oder Sedierung.

Wer schon vor Jahren eine Patientenverfügung erstellt hat, die sehr allgemeine Formulierungen enthält, ohne auf konkrete Situationen abzustellen, sollte ein neues Dokument aufsetzen und dabei die Hinweise in diesem Ratgeber beachten. Denn allgemein gehaltene Formulierungen bergen gewisse Risiken.

Wer Bedenken hat, dass er im Zweifel während der Corona-Pandemie keine künstliche Beatmung bekommt, kann einen Absatz in der Patientenverfügung zur Klarstellung ergänzen – er sollte sich aber dazu am besten mit einem Arzt oder einem anderen Berater besprechen. Unsere Empfehlung Patientenverfügungplus bietet die Möglichkeit, eine besondere Regelung für Corona (Covid-19) in die Patientenverfügung aufzunehmen.

Drei Wege zu Deiner Patientenverfügung

Du hast verschiedene Möglichkeiten, Deine Wünsche für die medizinische Behandlung durch eine Patientenverfügung festzulegen.

  1. Du kannst das Dokument anhand eines guten Musters selbst erstellen. Das ist die preiswerteste Variante.
  2. Alternativ kannst Du Dich an einen Rechtsdienstleister wenden und eine individualisierte, rechtlich sichere Verfügung erstellen lassen. Dazu musst Du online Fragen beantworten und erhälst dann nach Auswertung Deiner Angaben eine personalisierte Verfügung. Das ist viel günstiger als eine Beratung beim Anwalt, es fehlt aber das persönliche Gespräch.
  3. Schließlich kannst Du die Patientenverfügung zusammen mit einer Vorsorgevollmacht auch nach einem Gespräch von einem Rechtsanwalt erstellen lassen. Damit die Kosten kalkulierbar sind, empfehlen wir die Beratung zu einem Festpreis. Du kannst Dich auch an einen Notar wenden.

1. Muster für Patientenverfügung verwenden

Es gibt viele Muster für Patientenverfügungen. Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs stehen allerdings alle Muster unter Generalverdacht, im Zweifel doch nicht zu helfen, da sie zu allgemein formuliert sind.

Wir empfehlen das Muster des Justizministeriums. Es enthält Textbausteine, mit denen Du Deine eigene Verfügung als Word-Dokument erstellen kannst. Das Ministerium empfiehlt, sich von einer fachkundigen Person beraten zu lassen. Die Erklärung musst Du eigenhändig unterschreiben (§ 1901a BGB). Damit sie im Notfall auch berücksichtigt werden kann, solltest Du dem Bevollmächtigten zumindest eine Kopie aushändigen.

Mit dem Hausarzt sprechen - Wichtig ist, dass Du mit Deinem Hausarzt die Verfügung besprichst, um mögliche Rückfragen zu klären. Eine Beratung durch den Arzt ist keine Pflicht, aber sehr zu empfehlen. Er kann Dich über die Folgen der Erklärung aufklären. Das Muster vom Justizministerium sieht vor, dass Dein Arzt das Dokument ebenfalls unterschreibt. Er bestätigt damit, dass Du in vollem Umfang einwilligungsfähig warst, als Du Deine Wünsche schriftlich festgehalten hast. Das kann im Übrigen auch ein Dritter oder ein Notar machen.

Organspende zustimmen - In der Patientenverfügung kannst Du auch Deine Zustimmung zur Organspende erklären. Die ist wirksam, auch wenn Du keinen Organspende-Ausweis hast. Das ist aber keine Pflicht und steht nicht in direktem Zusammenhang mit der Patientenverfügung. Angesichts der niedrigen Spenderzahlen soll die gesetzliche Grundlage für Organspenden so bald wie möglich verändert werden.

Diskutiert wird auch das Widerspruchsmodell – solange Du nicht widersprichst, erklärst Du Dich zur Organspende bereit. Sollte eine neue Regelung kommen, kannst Du in der Patientenverfügung Deine Wünsche zur Organspende festlegen – und auch widersprechen, falls Du nicht dazu bereit bist.

Auf weitere Vorsorgeverfügungen hinweisen - Wer neben der Patientenverfügung auch eine Vorsorgevollmacht oder eine sogenannte Betreuungsverfügung aufgesetzt hat, sollte das in der Patientenverfügung vermerken. Einen Bevollmächtigten zu haben, ist nicht nur sinnvoll, um die Krankheit durchzustehen. In der Regel fallen auch rund um die Erkrankung Entscheidungen an, die jemand für Dich treffen muss – und sei es nur das Bezahlen von Rechnungen. Das ist aber mit der Patientenverfügung allein nicht gewährleistet.

Zusammen mit der Vorsorgevollmacht registrieren lassen - Im Zentralen Vorsorgeregister kannst Du Deine Patientenverfügung zusammen mit einer Vorsorgevollmacht auch registrieren lassen. Das stellt sicher, dass das Betreuungsgericht im Notfall keinen Betreuer bestellt, da Du selbst bereits eine Vertrauensperson benannt hast. Notwendig ist das Registrieren aber nicht. Wichtig ist, dass die Person Dienes Vertrauens eine Ausfertigung Deiner Patientenverfügung in den Händen hält.

2. Von einem Rechtsdienstleister unterstützen lassen

Du kannst die Patientenverfügung auch von einem spezialisierten Dienstleister erstellen lassen, indem Du online verschiedene Fragen beantworten. Aus Deinen Antworten erstellt der Anbieter dann mithilfe einer Software ein individualisiertes Dokument, das Du nur noch ausdrucken und unterschreiben musst.

Gegenüber einem Muster hat diese Variante den Vorteil, dass die Fragen einem Beratungsgespräch beim Anwalt nachempfunden sind. Der Dialog enthält über die reinen Fragen hinaus viele Hinweise und Erklärungen, die Dir die Entscheidung leichter machen. Diese Variante ist gegenüber einem starren Muster deutlich flexibler. Es ist allerdings keine Rechtsberatung.

Wir haben vier Anbieter untersucht. Besonders überzeugt hat uns Patientenverfügungplus. Das Online-Portal bietet alle Aspekte der Vorsorge – von der Patientenverfügung bis zur Vorsorgevollmacht. Letztere halten wir ebenfalls für sehr wichtig, damit ein Bevollmächtigter auch etwa eine Arztrechnung für den Erkrankten überweisen kann, Angelegenheiten mit der Krankenkasse regeln oder gegenüber Behörden auftreten kann und das Gericht kein Betreuungsverfahren einleiten muss.

Der Online-Dialog ist einfach und gut verständlich. Von allen Anbietern war Patientenverfügungplus der günstigste. Der Preis von insgesamt 49,40 Euro für Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht, Betreuungsverfügung und Sorgerechtsverfügung, die Du jeder Zeit abändern kannst, ist fair und angemessen.

Patientenverfügungplus
Online-Portal für rechtliche Vorsorge
  • Erfahrung seit 2014
  • bietet alle wichtigen Vorsorgedokumente in einem Paket an
  • fairer Preis für das gesamte Vorsorgepaket von 29,90 Euro
  • Änderungsmöglichkeit für 19,90 Euro im Jahr buchbar
  • Notfallausweis für 19,90 Euro im Jahr buchbar
  • Hinterlegung im Vorsorgeregister für 9,90 Euro im Jahr buchbar

Ebenfalls überzeugt hat uns der Anbieter meine Patientenverfügung. Zunächst musst Du online Basisfragen beantworten, in welchen Situationen Du vorsorgen möchtest. In einem zweiten Schritt legst Du für ausgewählte Situationen fest, welche konkrete Behandlung Du wünschst. Anschließend hast Du noch die Möglichkeit, eine Vorsorgevollmacht für Gesundheitsangelegenheiten und eine Betreuungsverfügung zu erstellen.

Das Besondere an diesem Anbieter ist, dass er die Dokumente für Dich ausdruckt. Wer also seine Patientenverfügung nicht selbst ausdrucken will oder kann, der ist bei diesem Anbieter richtig.

meine Patientenverfügung
versendet die Vorsorgedokumente mit der Post
  • Erfahrung seit Dezember 2015
  • bietet alle wichtigen Vorsorgedokumente in einem Paket an
  • fairer Preis von 24,50 Euro
  • Änderungen zu einer Gebühr von jeweils 19,50 Euro möglich
  • Notfall- und Archivservice für 17,50 Euro pro Jahr buchbar
  • telefonische Unterstützung für einmalig 15 Euro buchbar

3. Von einem Rechtsanwalt erstellen lassen

Du kannst auch einen Rechtsanwalt mit der Erstellung Deiner Patientenverfügung beauftragen. Falls Du online keine Fragen beantworten willst, sondern ein richtiges Beratungsgespräch wünschst, bist Du mit dieser Lösung am besten bedient. Du bekommst rechtssichere und auf Deine Person zugeschnittene Dokumente, für die der Anwalt die Haftung übernimmt. Du solltest aber nur einen Anwalt beauftragen, der auf die rechtliche Vorsorge spezialisiert ist. Damit Du bei den Kosten keine böse Überraschung erlebst, empfehlen wir ein anwaltliches Vorsorgepaket zu einem Festpreis.

Wir haben im Herbst 2017 drei Anwaltsvermittlungsportale untersucht, die das anbieten. Zwei Portale nahmen dem Kunden die Anwaltssuche ab. Als Kunde musst Du nur Deine Postleitzahl angeben und bekommst einen qualifizierten Anwalt (wenn möglich) in der Nähe vorgeschlagen, der zum Festpreis das Vorsorgepaket erstellt. Das macht der Anwalt auf Grundlage eines ausführlichen Telefonats mit Dir.

Wir empfehlen das Portal Yourxpert, das einen spezialisierten Anwalt vermittelt, der zum Festpreis von 192 Euro eine Patientenverfügung und eine Vorsorgevollmacht erstellt.

Yourxpert
Anwaltsvermittlungsportal bietet Rechtsprodukte zum Festpreis
  • Anwälte sind Spezialisten im Vorsorgebereich
  • keine Auswahl zwischen verschiedenen Anwälten nötig
  • Bearbeitungszeit von höchstens sieben Werktagen
  • Registrierung im Vorsorgeregister inklusive
  • Pauschalpreis von 192 Euro

Muss ich die Patientenverfügung regelmäßig aktualisieren?

Generell gilt, dass Du die eigene Patientenverfügung in regelmäßigen Abständen überprüfen solltest, ob die Festlegungen immer noch Deinen Wünschen entsprechen. Das kann gerade während der Corona-Pandemie sinnvoll sein.

Du kannst Deine Verfügung jederzeit ändern oder widerrufen. Manchmal ist das notwendig. Zum Beispiel wenn sich Eheleute gegenseitig als Bevollmächtigte eingesetzt haben und ein Ehepartner so krank geworden ist, dass er sich nicht mehr um den anderen kümmern kann. Auch wenn nichts Besonderes geschehen ist, ist es sinnvoll, etwa alle zwei Jahre die Verfügung nochmal kritisch zu lesen und dann mit einer neuen Unterschrift zu bestätigen oder eben abzuändern.

Ebenso solltest Du Deine Patientenverfügung in Bezug auf die aktuelle Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs prüfen oder überprüfen lassen. Viele Muster entsprechen nicht mehr den Anforderungen der Gerichte. Sie helfen nur dann, wenn ihnen konkrete Entscheidungen des Betroffenen über die Einwilligung oder Nichteinwilligung in bestimmte, noch nicht unmittelbar bevorstehende ärztliche Maßnahmen entnommen werden können. Nicht ausreichend sind allgemeine Anweisungen, wie die Aufforderung, ein würdevolles Sterben zu ermöglichen oder zuzulassen, wenn ein Therapieerfolg nicht mehr zu erwarten ist (BGH, Beschluss vom 6. Juli 2016, Az. XII ZB 61/16).

Service von Rechtsschutzversicherung nutzen

Bist Du rechtsschutzversichert, solltest Du Dich bei Deiner Versicherung erkundigen. Einige bieten im Rahmen des Privatrechtsschutzes Serviceleistungen bei der Notfallvorsorge an und übernehmen dann die Erstellung und die Registrierung der Dokumente.

So haben wir untersucht

Test Vorsorgevollmacht/Patientenverfügung

Wir haben zwei Arten von Anbietern im Zeitraum vom 1. bis zum 19. Dezember 2017 untersucht: Spezialisierte Dienstleister, die auf ihrer Website ein Frage-Antwort-Tool bieten und nach Auswertung der Antworten individualisierte Vorsorgedokumente erstellen sowie Anwaltsvermittlungsportale, die vom Anwalt erstellte Vorsorgeverfügungen zu einem Festpreis anbieten.

Von Ersteren haben wir vier Anbieter in unsere Untersuchung einbezogen: dipat.de, meine Patientenverfügung, Patientenverfügungplus und die Zentralstelle Patientenverfügung Humanistischer Verband Deutschlands. Dabei haben wir uns auf die Dienstleister beschränkt, die bei einer Google-Suche am 23. November 2017 auf den ersten drei Ergebnisseiten zu den Begriffen „Patientenverfügung“ und „Vorsorgevollmacht“ angezeigt wurden.

Wir haben den Anbietern Fragen zum Unternehmen gestellt, zur Anzahl der bisher erstellten Dokumente, zum Umfang der Leistungen und zur Qualitätssicherung. Nach Auswertung der Fragebögen haben wir jeweils den Frage-Antwort-Dialog getestet. Ein Anbieter verzichtet auf ein Frage-Antwort-Tool bei der „optimalen Variante“ der Patientenverfügung.

Wir haben nur diese Form der Verfügung in die Untersuchung einbezogen, da der Anbieter selbst zu seinem Standard-Angebot Bedenken äußert, ob damit wirklich alle Situationen späterer Einwilligungsfähigkeit geregelt werden können. Wenn ein Interessent aber einen Experten beauftragt, dann darf er eine optimale, rechtssichere Lösung erwarten.

Bei der optimalen Variante bittet der Anbieter den Nutzer darum, einen achtseitigen Fragebogen auszudrucken, händisch auszufüllen und dann an den Anbieter zu schicken. Mit diesen Angaben erstellt der Anbieter die Vorsorgedokumente und sendet sie dann dem Interessenten mit der Post zu. Das Verfahren ist aus unserer Sicht aufwendig. Der Anbieter bietet damit kein Frage-Antwort-Tool auf seiner Website für das von uns betrachtete Produkt, was allerdings Voraussetzung für die Berücksichtigung im Rahmen unserer Untersuchung war.

Anhand der folgenden drei Kriterien haben wir unsere Empfehlung ausgesprochen.

Umfassende Vorsorgelösung - Als Kriterium haben wir festgelegt, dass der Anbieter neben der Patientenverfügung auch mindestens eine Vorsorgevollmacht anbieten muss. Wir halten das für wichtig, da zur rechtlichen Vorsorge auch die geschäftlichen Dinge gehören. Neben den medizinischen Fragen sollte die Vertrauensperson zum Beispiel eine Rechnung an das Krankenhaus überweisen können oder die Angelegenheiten mit der Krankenkasse oder einem Pflegeheim regeln können. Nur dadurch wird ein aufwendiges gerichtliches Betreuungsverfahren vermieden, durch welches zusätzliche Kosten entstehen können. Unsere beiden Empfehlungen bieten ein umfangreiches Vorsorgepaket an. Ein anderer Anbieter eröffnet die Möglichkeit, auf der Basis des Musters vom Bundesjustizministerium eine Vorsorgevollmacht zu erstellen. Dieser Punkt wird allerdings im Frage-Antwort-Dialog nur am Rande erwähnt. Im Prüfstatus wird der Interessent nicht gefragt, ob er noch eine Vorsorgevollmacht erstellen möchte.

Verständlichkeit - Die Fragen zu den Vorsorgeverfügungen und die erklärenden Hinweise sowie die Verfügungen selbst müssen verständlich sein. Beide Empfehlungen erfüllen dieses Kriterium in besonderer Weise und ergänzen den Dialog mit interaktiven Hinweisen und Erläuterungen. Ein anderer Anbieter verfolgt einen anderen Ansatz: Er geht davon aus, dass sich die Patientenverfügung an einen Arzt richtet. Deshalb enthält das Dokument eine große Anzahl von medizinischen Fachbegriffen wie zum Beispiel PEG- oder ÖGD-Sonden, Einlage oder Gastroskopie, ÖGD oder ERCP und vergleichbare Verfahren.

Diese Begriffe werden im Online-Dialog zwar erläutert. Wir haben aber Bedenken, dass ein Patient, der diese Erklärung unterzeichnet, sie auch wirklich versteht. Mit seiner Unterschrift bestätigt der Patient, dass er den Inhalt vollständig gelesen und verstanden hat. Wir erwarten jedoch von einem Mediziner, dass er den Patientenwillen versteht und umsetzt, auch wenn der Patient auf medizinische Fachbegriffe verzichtet.

Preis - Wir haben auch auf die Kosten geschaut. Da diese Portale keine Rechtsberatung anbieten, sollten sie um einiges günstiger sein als ein Anwalt. Rechtsanwälte bieten Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht zum Zeitpunkt dieser Untersuchung (Dezember 2017) in der Regel ab knapp 200 Euro an. Rechtsdienstleister, die mehr als die Hälfte dieses Preises, also 100 Euro, für beide Dokumente verlangen, haben wir deshalb nicht berücksichtigt.

Unsere Empfehlungen bieten die Erstellung, die Änderung sowie einen Notfall- und Online-Archiv-Service zu einem fairen Preis an. Wir haben dazu verschiedene Varianten durchgerechnet: die Erstellung, zweimalige Änderung und zweijährige, fünfjährige und zehnjährige Online-Archivierung. Bei einer längeren Nutzung des Online-Archivs können sich die Kosten ganz schön summieren. Der günstigste Anbieter bietet das bei zehnjähriger Archivierung für knapp 170 Euro an. Ein anderer Anbieter verlangt dafür 480 Euro, was aus unserer Sicht zu teuer ist.

Dienstleister im Bereich Vorsorge – Die Finanztip-Empfehlungen

 Patientenverfügungplusmeine Patientenverfügung
Betreiber der Website, SitzPlusrecht GmbH, BerlinDeutsche Gesellschaft für Vorsorge mbH, Aschau
Erfahrungseit 2014seit 12/2015
umfassende Vorsorgedokumente(+)(+)
Wie erhält der Kunde die Dokumente?als Downloadumfangreiche Dokumentenmappe per Post
Wann erhält er die Dokumente?sofort nach Beantwortung der Fragen2 Tage nach Beantwortung der Fragen
Preise für Erstellung29,90 €39,50 €3
Preise für Erstellung und 2 Änderungen49,40 €78,50 €
Preise für Erstellung, 2 Änderungen und 5 Jahre Notfall- und Archivservice148,90 €¹166 €²
Preise für Erstellung, 2 Änderungen und 10 Jahre Notfall- und Archivservice248,40 €¹253,50 €²

1 Im Preis nicht enthalten ist Hinterlegung der Original-Dokumente im Vorsorgeregister, das kostet zusätzlich 9,90 € pro Jahr. In unseren Beispielen würden dafür zusätzlich insgesamt 49,50 € für 5 Jahre und 99 € für 10 Jahre anfallen.
2 Im Preis enthalten ist bereits die Archivierung der Original-Dokumente. Eine Archivierung ohne Aufbewahrung der Original-Dokumente ist nicht möglich.
3  Der Anbieter meine Patientenverfügung hat zum 18. Mai 2020 seinen Preis auf 24,50 Euro gesenkt. Die Sortierung der Anbieter behalten wir bis zu einer neuen Untersuchung bei.
Quelle: Finanztip-Recherche, AGB und Website der Anbieter (Stand: 19. Dezember 2017; die Preise haben wir am 17. Dezember 2019 erneut abgefragt)

Als zweite Gruppe haben wir drei Anwaltsvermittlungsportale untersucht, die das Rechtsprodukt Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht zu einem Festpreis anbieten: Advocado, anwalt.de und Yourxpert. Dabei haben wir uns auf solche Portale beschränkt, die bei einer Google-Suche am 24. November 2017 auf den ersten drei Ergebnisseiten zu den Begriffen „Patientenverfügung Rechtsanwalt“ angezeigt wurden. Einzelne Anwälte waren nicht Gegenstand dieser Untersuchung. Anhand der folgenden drei Kriterien haben wir unsere Empfehlung für die Anwaltsvermittlungsportale ausgesprochen.

Umfassende Vorsorge - Wir haben nur Portale untersucht, die neben der Patientenverfügung auch eine Vorsorgevollmacht zum Festpreis anbieten.

Keine eigene Auswahl des Anwalts nötig - Bei einem klar umrissenen Rechtsprodukt ist es für den Ratsuchenden aus unserer Sicht nicht von Vorteil, wenn er zwischen verschiedenen Anwälten auswählen muss. Auch wenn alle Anwälte die Beratung und Erstellung zum gleichen Preis anbieten, ist die Sortierung nicht leicht.

Ein Portal, das nach der Anzahl von Empfehlungen sortiert, dabei aber nicht nur den Vorsorgebereich berücksichtigt, sortiert aus unserer Sicht damit nicht nach den richtigen Experten. Deshalb halten wir es für einfacher und besser, wenn das Portal einen Spezialisten aus der näheren Umgebung des Kunden auswählt, der seine Leistungen zu einem dauerhaft gültigen Festpreis anbietet.

Preiswertes Angebot - Wir haben verglichen, zu welchem Preis die Dienstleistung angeboten wird. Alle von uns empfohlenen Plattformen bieten die Erstellung eines individuellen Vorsorgepakets durch einen Rechtsanwalt zu einem fairen Preis von knapp 200 Euro an.

Auf der Basis dieser Kriterien haben wir im Dezember 2017 die Anwaltsvermittler Yourxpert und Advocado empfohlen. Advocado hat das von uns empfohlene Angebot zu einem Festpreis von 199 Euro mittlerweile eingestellt. Stattdessen wird der Preis für die Erstellung der Vorsorgedokumente nunmehr individuell zwischen Anwalt und Mandanten vereinbart. Damit ist das Angebot von Advocado derzeit keine Finanztip-Empfehlung mehr.

Anwaltsvermittler im Bereich Vorsorge – Die Finanztip-Empfehlungen 2017

 AdvocadoYourxpert
Betreiber des Portals, SitzAdvocado GmbH, Greifswald¹Yourxpert GmbH, Freiburg
Erfahrung im Bereich Vorsorgeseit Mitte 2015seit Mitte 2017
Vorsorgeprodukt zum Festpreis(+)(+)
Registrierung im Vorsorgeregister inklusive(+)(+)
Wann erhält der Kunde die Dokumente?nach maximal 7 Werktagennach maximal 7 Werktagen
Vorauswahl des Anwalts(+)(+)
Preis für Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht199 €189 €

1 Advocado bietet das Angebot nicht mehr an (Stand: 17. Dezember 2019)
Quelle: Finanztip-Recherche, AGB und Website der Anwaltsvermittlungsportale (Stand: 21. Dezember 2017; Advocado hat sein Angebot mittlerweile verändert und bietet keinen Festpreis mehr an, Stand: 17. Dezember 2019)

Mehr dazu im Ratgeber Rechtsschutzversicherung

Zum Ratgeber

Autor
Dr. Britta Beate Schön

Stand: 18. Mai 2020


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Ob und in welcher Höhe uns ein Anbieter vergütet, hat keinerlei Einfluss auf unsere Empfehlungen. Was Dir unsere Experten empfehlen, hängt allein davon ab, ob ein Angebot gut für Verbraucher ist.

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