Patientenverfügung

Selbstbestimmt für den Krankheitsfall entscheiden

Dr. Britta Beate Schön Stand: 18. Dezember 2019
Das Wichtigste in Kürze
  • Legen Sie mit einer Patientenverfügung schriftlich fest, was ein Arzt bei der medizinischen Behandlung berücksichtigen soll, falls Sie sich selbst nicht mehr ausdrücken können.
  • Es ist immer der Patientenwille maßgeblich. Diesen muss der Arzt anhand der Patientenverfügung in einem Gespräch mit einem Betreuer oder Bevollmächtigten abstimmen und dann umsetzen.
  • Dazu muss die Patientenverfügung aber wirksam sein. Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs bestehen dann Zweifel, falls sie nur allgemeine Formulierungen enthält (Az. XII ZB 61/16).
So gehen Sie vor
  • Wenn Sie Ihre Patientenverfügung selbst erstellen wollen, empfehlen wir das Muster des Bundesjustizministeriums. Dieses rät, sich beim Abfassen von einer fachkundigen Person unterstützen zu lassen.
  • Sie können auch mithilfe eines spezialisierten Dienstleisters Ihre Verfügung erstellen. Wir empfehlen Patientenverfügungplus. Der Anbieter erstellt mithilfe eines gut verständlichen Frage-Antwort-Systems ein Vorsorgepaket für 29,90 Euro.
  • Ähnlich funktioniert meine Patientenverfügung. Der Anbieter ist zwar mit 39,50 Euro etwas teurer, dafür bekommen Sie die fertigen Dokumente ausgedruckt und sortiert per Post.
  • Wünschen Sie, dass ein Rechtsanwalt die Patientenverfügung für Sie erstellt, empfehlen wir Yourxpert. Das Portal vermittelt einen spezialisierten Anwalt zu einem Festpreis von 192 Euro.

Niemand denkt gern darüber nach, was passiert, wenn er richtig krank wird und nicht mehr selbst entscheiden kann. Sie sollten es trotzdem tun. Denn wahrscheinlich haben Sie instinktiv eine klare Vorstellung davon, welche medizinische Behandlung Sie im Notfall wünschen, auch wenn Sie sich nicht mehr äußern können. Vielleicht wollen Sie Ihren Angehörigen auch die Last der Entscheidung abnehmen. Spätestens wenn eine Operation ansteht, sollten Sie eine Patientenverfügung aufsetzen.

In welchen Situationen brauche ich eine Patientenverfügung?

Mit einer Patientenverfügung können Sie schriftlich festlegen, welche ärztlichen Maßnahmen zu treffen sind, falls Sie zum Beispiel im Koma liegen (§ 1901a BGB). Dann ist der Arzt an den Willen des Patienten gebunden. Je nachdem, wie die Prognose ist, in welchem Zustand der Erkrankte ist und welche Wünsche er zuvor geäußert hat, muss der Arzt die Behandlung auswählen. Diese muss er mit einem Betreuer oder dem Bevollmächtigten abstimmen, der darüber wacht, dass der Patientenwille umgesetzt wird (§ 1901b BGB).

Die schriftliche Verfügung ist für Ärzte und Pfleger nur dann verbindlich, wenn der Patient seinen Willen nicht mehr bilden oder äußern kann. Das kann im Endstadium einer unheilbaren Krankheit sein, bei Gehirnschäden etwa durch Unfall oder Schlaganfall, aber auch bei fortschreitender Demenzerkrankung. Meist werden in der Verfügung die einzelnen Situationen als Beispiele aufgeführt.

Tipp: Wer für seine Bestattung vorsorgen möchte, denkt meist an eine teure Sterbegeldversicherung. Doch es gibt bessere Alternativen.

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Was ist der typische Inhalt einer Patientenverfügung?

Der behandelnde Arzt soll den Willen des Patienten in der Verfügung konkret nachlesen können und danach handeln. Oft ist das nicht leicht, da die Verfügung zu ungenau verfasst wurde. Manchmal sind sich auch die Angehörigen nicht einig, was genau gemeint ist.

Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs (BGH) ist eine Patientenverfügung dann bestimmt genug, wenn der Verfasser einerseits konkret beschrieben hat, in welchen Behandlungssituationen die Verfügung gelten soll. Andererseits soll er die ärztlichen Maßnahmen genau bezeichnet haben, die er möchte oder die er nicht will. Das können zum Beispiel Angaben zur Schmerz- und Symptombehandlung sein (§ 1901a BGB).

Dabei dürfen die Anforderungen aber auch nicht überspannt werden, so der Bundesgerichtshof (BGH, Beschluss vom 8. Februar 2017, Az. XII ZB 604/15). Denn nicht alle Krankheitsverläufe sind vorhersehbar. Es reicht, wenn der Patient bestimmte Lebens- und Behandlungssituationen umschrieben hat (BGH, Beschluss vom 14. November 2018, Az. XII ZB 107/18).

Klar ist aber: Nur zu sagen, dass man keine lebenserhaltenden Maßnahmen wünscht, reicht nicht (BGH, Beschluss vom 6. Juli 2016, Az. XII ZB 61/16). Auch allgemeine Anweisungen sind nicht bestimmt genug, etwa die Aufforderung, ein würdevolles Sterben zu ermöglichen oder zuzulassen, wenn ein Therapieerfolg nicht mehr zu erwarten ist (BGH, Beschluss vom 8. Februar 2017, Az. XII ZB 604/15). Daraus ist nicht ohne weiteres der Wille zu entnehmen, dass der Patient zum Beispiel keine künstliche Ernährung wünscht.

Was in der Verfügung nicht fehlen darf

Es gibt einige wichtige Punkte, die in jeder Patientenverfügung enthalten sein sollten:

Lebenserhaltende Maßnahmen - Sie können bestimmen, dass alles medizinisch Mögliche und Sinnvolle getan werden soll, um Ihr Leben zu erhalten. Sie können aber auch auf lebenserhaltende Maßnahmen verzichten. Ob Sie lebenserhaltende Maßnahmen wünschen, sollten Sie von der konkreten Behandlungssituation abhängig machen. Möglicherweise wünschen Sie bei einem Unfall sehr wohl diese Maßnahmen, im Endstadium einer Krebserkrankung hingegen nicht.

Schmerz- und Symptombehandlung - Sie können festlegen, wie Ihre Schmerz- und Symptombehandlung aussehen soll. Wollen Sie Morphium oder andere Medikamente, auch wenn dadurch Ihr Bewusstsein gedämpft werden sollte oder die Mittel Ihr Leben verkürzen? Auch dann sollte klar sein, in welchen Situationen Sie eine solche Schmerzbehandlung wünschen.

Künstliche Ernährung und Beatmung - In der Patientenverfügung können Sie festlegen, ob und gegebenenfalls wann Sie künstlich ernährt oder beatmet werden wollen.

Wiederbelebung - Auch zu Wiederbelebungsversuchen können Sie etwas festlegen, zum Beispiel, dass Sie solche wünschen oder ablehnen.

Gabe von Antibiotika oder Blutübertragungen - Sie können bestimmen, ob Sie Antibiotika oder Blutübertragungen bekommen wollen oder nur zur Beschwerdelinderung wünschen.

Ort der Behandlung - Üblich ist auch, dass Patienten festlegen, ob sie zum Sterben ins Krankenhaus verlegt werden wollen oder, wenn möglich, zu Hause oder in einem Hospiz sterben möchten.

Benennung eines Bevollmächtigten - In der Patientenverfügung sollten Sie darauf hinweisen, wenn Sie zusätzlich eine Vorsorgevollmacht oder eine Betreuungsverfügung aufgesetzt haben. Das ist sehr sinnvoll. Der Bevollmächtigte ist dann Ansprechpartner für die behandelnden Ärzte und stellt sicher, dass Ihr Wille entsprechend der Verfügung beachtet wird.

Hat ein Patient für seine gegenwärtige Lebenssituation eine wirksame Patientenverfügung erstellt, dann sind die Gerichte nicht zur Genehmigung des Abbruchs der lebenserhaltenen Maßnahmen berufen, sondern müssen die Entscheidung des Patienten akzeptieren (BGH, Beschluss vom 14. November 2018, Az. XII ZB 107/18).

Achtung: Viele gehen davon aus, dass Ehepartner oder Kinder automatisch bevollmächtigt sind. Das ist nicht so. Auch die nächsten Angehörigen benötigen die schriftliche Ermächtigung, um Ihren Willen im Fall von Krankheit oder schwerwiegenden medizinischen Eingriffen durchsetzen zu können. Dazu benötigen sie eine separate Vorsorgevollmacht, die auch auf den medizinischen Bereich beschränkt sein kann.

Ärztliche Schweigepflicht - Ärzte dürfen gegenüber Dritten nichts über den Gesundheitszustand ihrer Patienten preisgeben. Es empfiehlt sich daher, Ihren Arzt gegenüber dem Bevollmächtigten von seiner ärztlichen Schweigepflicht zu entbinden. Es ist sinnvoll, dies in Ihrer Patientenverfügung schriftlich zu regeln. Sie können darin detailliert festlegen, gegenüber wem und in welchen Fragen der behandelnde Arzt von seiner Schweigepflicht entbunden ist.

Drei Wege zu Ihrer Patientenverfügung

Sie haben verschiedene Möglichkeiten, Ihre Wünsche für die medizinische Behandlung durch eine Patientenverfügung festzulegen.

  1. Sie können das Dokument anhand eines guten Musters selbst erstellen. Das ist die preiswerteste Variante.
  2. Alternativ können Sie sich an einen Rechtsdienstleister wenden und eine individualisierte, rechtlich sichere Verfügung erstellen lassen. Dazu müssen Sie online Fragen beantworten und erhalten dann nach Auswertung Ihrer Angaben eine personalisierte Verfügung. Das ist viel günstiger als eine Beratung beim Anwalt, es fehlt aber das persönliche Gespräch.
  3. Schließlich können Sie die Patientenverfügung zusammen mit einer Vorsorgevollmacht auch nach einem Gespräch von einem Rechtsanwalt erstellen lassen. Damit die Kosten kalkulierbar sind, empfehlen wir die Beratung zu einem Festpreis. Sie können sich auch an einen Notar wenden.

1. Muster für Patientenverfügung verwenden

Es gibt viele Muster für Patientenverfügungen. Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs stehen allerdings alle Muster unter Generalverdacht, im Zweifel doch nicht zu helfen, da sie zu allgemein formuliert sind.

Wir empfehlen das Muster des Justizministeriums. Es enthält Textbausteine, mit denen Sie Ihre eigene Verfügung als Word-Dokument erstellen können. Das Ministerium empfiehlt, sich von einer fachkundigen Person beraten zu lassen. Die Erklärung müssen Sie eigenhändig unterschreiben (§ 1901a BGB). Damit sie im Notfall auch berücksichtigt werden kann, sollten Sie dem Bevollmächtigten zumindest eine Kopie aushändigen.

Mit dem Hausarzt sprechen - Wichtig ist, dass Sie mit Ihrem Hausarzt die Verfügung besprechen, um mögliche Rückfragen zu klären. Eine Beratung durch den Arzt ist keine Pflicht, aber sehr zu empfehlen. Er kann Sie über die Folgen der Erklärung aufklären. Das Muster vom Justizministerium sieht vor, dass Ihr Arzt das Dokument ebenfalls unterschreibt. Er bestätigt damit, dass Sie in vollem Umfang einwilligungsfähig waren, als Sie Ihre Wünsche schriftlich festgehalten haben. Das kann im Übrigen auch ein Dritter oder ein Notar machen.

Organspende zustimmen - In der Patientenverfügung können Sie auch Ihre Zustimmung zur Organspende erklären. Die ist wirksam, auch wenn Sie keinen Organspende-Ausweis haben. Das ist aber keine Pflicht und steht nicht in direktem Zusammenhang mit der Patientenverfügung. Angesichts der niedrigen Spenderzahlen soll die gesetzliche Grundlage für Organspenden so bald wie möglich verändert werden.

Diskutiert wird auch das Widerspruchsmodell – solange Sie nicht widersprechen, erklären Sie sich zur Organspende bereit. Sollte eine neue Regelung kommen, können Sie in der Patientenverfügung Ihre Wünsche zur Organspende festlegen – und auch widersprechen, falls Sie nicht dazu bereit sind.

Auf weitere Vorsorgeverfügungen hinweisen - Wer neben der Patientenverfügung auch eine Vorsorgevollmacht oder eine sogenannte Betreuungsverfügung aufgesetzt hat, sollte das in der Patientenverfügung vermerken. Einen Bevollmächtigten zu haben, ist nicht nur sinnvoll, um die Krankheit durchzustehen. In der Regel fallen auch rund um die Erkrankung Entscheidungen an, die jemand für Sie treffen muss – und sei es nur das Bezahlen von Rechnungen. Das ist aber mit der Patientenverfügung allein nicht gewährleistet.

Zusammen mit der Vorsorgevollmacht registrieren lassen - Im Zentralen Vorsorgeregister können Sie Ihre Patientenverfügung zusammen mit einer Vorsorgevollmacht auch registrieren lassen. Das stellt sicher, dass das Betreuungsgericht im Notfall keinen Betreuer bestellt, da Sie selbst bereits eine Vertrauensperson benannt haben. Notwendig ist das Registrieren aber nicht. Wichtig ist, dass die Person Ihres Vertrauens eine Ausfertigung Ihrer Patientenverfügung in den Händen hält.

2. Von einem Rechtsdienstleister unterstützen lassen

Sie können die Patientenverfügung auch von einem spezialisierten Dienstleister erstellen lassen, indem Sie online verschiedene Fragen beantworten. Aus Ihren Antworten erstellt der Anbieter dann mithilfe einer Software ein individualisiertes Dokument, das Sie nur noch ausdrucken und unterschreiben müssen.

Gegenüber einem Muster hat diese Variante den Vorteil, dass die Fragen einem Beratungsgespräch beim Anwalt nachempfunden sind. Der Dialog enthält über die reinen Fragen hinaus viele Hinweise und Erklärungen, die Ihnen die Entscheidung leichter machen. Diese Variante ist gegenüber einem starren Muster deutlich flexibler. Es ist allerdings keine Rechtsberatung.

Wir haben vier Anbieter untersucht. Besonders überzeugt hat uns Patientenverfügungplus. Das Online-Portal bietet alle Aspekte der Vorsorge – von der Patientenverfügung bis zur Vorsorgevollmacht. Letztere halten wir ebenfalls für sehr wichtig, damit ein Bevollmächtigter auch etwa eine Arztrechnung für den Erkrankten überweisen kann, Angelegenheiten mit der Krankenkasse regeln oder gegenüber Behörden auftreten kann und das Gericht kein Betreuungsverfahren einleiten muss.

Der Online-Dialog ist einfach und gut verständlich. Von allen Anbietern war Patientenverfügungplus der günstigste. Der Preis von insgesamt 49,40 Euro für Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht, Betreuungsverfügung und Sorgerechtsverfügung, die Sie jeder Zeit abändern können, ist fair und angemessen.

Patientenverfügungplus
Online-Portal für rechtliche Vorsorge
  • Erfahrung seit 2014
  • bietet alle wichtigen Vorsorgedokumente in einem Paket an
  • fairer Preis für das gesamte Vorsorgepaket von 29,90 Euro
  • dauerhafte Änderungsmöglichkeit für 19,50 Euro buchbar
  • Notfallausweis für 19,90 Euro im Jahr buchbar
  • Hinterlegung im Vorsorgeregister für 9,90 Euro im Jahr buchbar

Ebenfalls überzeugt hat uns der Anbieter meine Patientenverfügung. Zunächst müssen Sie online Basisfragen beantworten, in welchen Situationen Sie vorsorgen möchten. In einem zweiten Schritt legen Sie für ausgewählte Situationen fest, welche konkrete Behandlung Sie wünschen. Anschließend haben Sie noch die Möglichkeit, eine Vorsorgevollmacht für Gesundheitsangelegenheiten und eine Betreuungsverfügung zu erstellen.

Das Besondere an diesem Anbieter ist, dass er die Dokumente für Sie ausdruckt. Wer also seine Patientenverfügung nicht selbst ausdrucken will oder kann, der ist bei diesem Anbieter richtig. Durch den Ausdruck und den Postversand ist meine Patientenverfügung ein bisschen teurer, wir halten den Preis dennoch für fair und angemessen.

meine Patientenverfügung
versendet die Vorsorgedokumente mit der Post
  • Erfahrung seit Dezember 2015
  • bietet alle wichtigen Vorsorgedokumente in einem Paket an
  • fairer Preis von 39,50 Euro
  • Änderungen zu einer Gebühr von jeweils 19,50 Euro möglich
  • Notfall- und Archivservice für 17,50 Euro pro Jahr buchbar
  • telefonische Unterstützung für einmalig 15 Euro buchbar

3. Von einem Rechtsanwalt erstellen lassen

Sie können auch einen Rechtsanwalt mit der Erstellung Ihrer Patientenverfügung beauftragen. Falls Sie online keine Fragen beantworten wollen, sondern ein richtiges Beratungsgespräch wünschen, sind Sie mit dieser Lösung am besten bedient. Sie bekommen rechtssichere und auf Ihre Person zugeschnittene Dokumente, für die der Anwalt die Haftung übernimmt. Sie sollten aber nur einen Anwalt beauftragen, der auf die rechtliche Vorsorge spezialisiert ist. Damit Sie bei den Kosten keine böse Überraschung erleben, empfehlen wir ein anwaltliches Vorsorgepaket zu einem Festpreis.

Wir haben im Herbst 2017 drei Anwaltsvermittlungsportale untersucht, die das anbieten. Zwei Portale nahmen dem Kunden die Anwaltssuche ab. Als Kunde müssen Sie nur Ihre Postleitzahl angeben und bekommen einen qualifizierten Anwalt (wenn möglich) in der Nähe vorgeschlagen, der zum Festpreis das Vorsorgepaket erstellt. Das macht der Anwalt auf Grundlage eines ausführlichen Telefonats mit Ihnen.

Wir empfehlen das Portal Yourxpert, das einen spezialisierten Anwalt vermittelt, der zum Festpreis von 192 Euro eine Patientenverfügung und eine Vorsorgevollmacht erstellt.

Yourxpert
Anwaltsvermittlungsportal bietet Rechtsprodukte zum Festpreis
  • Anwälte sind Spezialisten im Vorsorgebereich
  • keine Auswahl zwischen verschiedenen Anwälten nötig
  • Bearbeitungszeit von höchstens sieben Werktagen
  • Registrierung im Vorsorgeregister inklusive
  • Pauschalpreis von 192 Euro

Muss ich die Patientenverfügung regelmäßig aktualisieren?

Sie können Ihre Verfügung jederzeit ändern oder widerrufen. Manchmal ist das notwendig. Zum Beispiel wenn sich Eheleute gegenseitig als Bevollmächtigte eingesetzt haben und ein Ehepartner so krank geworden ist, dass er sich nicht mehr um den anderen kümmern kann. Auch wenn nichts Besonderes geschehen ist, ist es sinnvoll, etwa alle zwei Jahre die Verfügung nochmal kritisch zu lesen und dann mit einer neuen Unterschrift zu bestätigen oder eben abzuändern.

Ebenso sollten Sie Ihre Patientenverfügung in Bezug auf die aktuelle Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs prüfen oder überprüfen lassen. Viele Muster entsprechen nicht mehr den Anforderungen der Gerichte. Sie helfen nur dann, wenn ihnen konkrete Entscheidungen des Betroffenen über die Einwilligung oder Nichteinwilligung in bestimmte, noch nicht unmittelbar bevorstehende ärztliche Maßnahmen entnommen werden können. Nicht ausreichend sind allgemeine Anweisungen, wie die Aufforderung, ein würdevolles Sterben zu ermöglichen oder zuzulassen, wenn ein Therapieerfolg nicht mehr zu erwarten ist (BGH, Beschluss vom 6. Juli 2016, Az. XII ZB 61/16).

Service von Rechtsschutzversicherung nutzen

Sind Sie rechtsschutzversichert, sollten Sie sich bei Ihrer Versicherung erkundigen. Einige bieten im Rahmen des Privatrechtsschutzes Serviceleistungen bei der Notfallvorsorge an und übernehmen dann die Erstellung und die Registrierung der Dokumente.

So haben wir getestet

Test Vorsorgevollmacht/Patientenverfügung

Wir haben zwei Arten von Anbietern im Zeitraum vom 1. bis zum 19. Dezember 2017 untersucht: Spezialisierte Dienstleister, die auf ihrer Website ein Frage-Antwort-Tool bieten und nach Auswertung der Antworten individualisierte Vorsorgedokumente erstellen sowie Anwaltsvermittlungsportale, die vom Anwalt erstellte Vorsorgeverfügungen zu einem Festpreis anbieten.

Von Ersteren haben wir vier Anbieter in unsere Untersuchung einbezogen: dipat.de, meine Patientenverfügung, Patientenverfügungplus und die Zentralstelle Patientenverfügung Humanistischer Verband Deutschlands. Dabei haben wir uns auf die Dienstleister beschränkt, die bei einer Google-Suche am 23. November 2017 auf den ersten drei Ergebnisseiten zu den Begriffen „Patientenverfügung“ und „Vorsorgevollmacht“ angezeigt wurden.

Wir haben den Anbietern Fragen zum Unternehmen gestellt, zur Anzahl der bisher erstellten Dokumente, zum Umfang der Leistungen und zur Qualitätssicherung. Nach Auswertung der Fragebögen haben wir jeweils den Frage-Antwort-Dialog getestet. Ein Anbieter verzichtet auf ein Frage-Antwort-Tool bei der „optimalen Variante“ der Patientenverfügung.

Wir haben nur diese Form der Verfügung in die Untersuchung einbezogen, da der Anbieter selbst zu seinem Standard-Angebot Bedenken äußert, ob damit wirklich alle Situationen späterer Einwilligungsfähigkeit geregelt werden können. Wenn ein Interessent aber einen Experten beauftragt, dann darf er eine optimale, rechtssichere Lösung erwarten.

Bei der optimalen Variante bittet der Anbieter den Nutzer darum, einen achtseitigen Fragebogen auszudrucken, händisch auszufüllen und dann an den Anbieter zu schicken. Mit diesen Angaben erstellt der Anbieter die Vorsorgedokumente und sendet sie dann dem Interessenten mit der Post zu. Das Verfahren ist aus unserer Sicht aufwendig. Der Anbieter bietet damit kein Frage-Antwort-Tool auf seiner Website für das von uns betrachtete Produkt, was allerdings Voraussetzung für die Berücksichtigung im Rahmen unserer Untersuchung war.

Anhand der folgenden drei Kriterien haben wir unsere Empfehlung ausgesprochen.

Umfassende Vorsorgelösung - Als Kriterium haben wir festgelegt, dass der Anbieter neben der Patientenverfügung auch mindestens eine Vorsorgevollmacht anbieten muss. Wir halten das für wichtig, da zur rechtlichen Vorsorge auch die geschäftlichen Dinge gehören. Neben den medizinischen Fragen sollte die Vertrauensperson zum Beispiel eine Rechnung an das Krankenhaus überweisen können oder die Angelegenheiten mit der Krankenkasse oder einem Pflegeheim regeln können. Nur dadurch wird ein aufwendiges gerichtliches Betreuungsverfahren vermieden, durch welches zusätzliche Kosten entstehen können. Unsere beiden Empfehlungen bieten ein umfangreiches Vorsorgepaket an. Ein anderer Anbieter eröffnet die Möglichkeit, auf der Basis des Musters vom Bundesjustizministerium eine Vorsorgevollmacht zu erstellen. Dieser Punkt wird allerdings im Frage-Antwort-Dialog nur am Rande erwähnt. Im Prüfstatus wird der Interessent nicht gefragt, ob er noch eine Vorsorgevollmacht erstellen möchte.

Verständlichkeit - Die Fragen zu den Vorsorgeverfügungen und die erklärenden Hinweise sowie die Verfügungen selbst müssen verständlich sein. Beide Empfehlungen erfüllen dieses Kriterium in besonderer Weise und ergänzen den Dialog mit interaktiven Hinweisen und Erläuterungen. Ein anderer Anbieter verfolgt einen anderen Ansatz: Er geht davon aus, dass sich die Patientenverfügung an einen Arzt richtet. Deshalb enthält das Dokument eine große Anzahl von medizinischen Fachbegriffen wie zum Beispiel PEG- oder ÖGD-Sonden, Einlage oder Gastroskopie, ÖGD oder ERCP und vergleichbare Verfahren.

Diese Begriffe werden im Online-Dialog zwar erläutert. Wir haben aber Bedenken, dass ein Patient, der diese Erklärung unterzeichnet, sie auch wirklich versteht. Mit seiner Unterschrift bestätigt der Patient, dass er den Inhalt vollständig gelesen und verstanden hat. Wir erwarten jedoch von einem Mediziner, dass er den Patientenwillen versteht und umsetzt, auch wenn der Patient auf medizinische Fachbegriffe verzichtet.

Preis - Wir haben auch auf die Kosten geschaut. Da diese Portale keine Rechtsberatung anbieten, sollten sie um einiges günstiger sein als ein Anwalt. Rechtsanwälte bieten Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht zum Zeitpunkt dieser Untersuchung (Dezember 2017) in der Regel ab knapp 200 Euro an. Rechtsdienstleister, die mehr als die Hälfte dieses Preises, also 100 Euro, für beide Dokumente verlangen, haben wir deshalb nicht berücksichtigt.

Unsere Empfehlungen bieten die Erstellung, die Änderung sowie einen Notfall- und Online-Archiv-Service zu einem fairen Preis an. Wir haben dazu verschiedene Varianten durchgerechnet: die Erstellung, zweimalige Änderung und zweijährige, fünfjährige und zehnjährige Online-Archivierung. Bei einer längeren Nutzung des Online-Archivs können sich die Kosten ganz schön summieren. Der günstigste Anbieter bietet das bei zehnjähriger Archivierung für knapp 170 Euro an. Ein anderer Anbieter verlangt dafür 480 Euro, was aus unserer Sicht zu teuer ist.

Dienstleister im Bereich Vorsorge – Die Finanztip-Empfehlungen

 Patientenverfügungplusmeine Patientenverfügung
Betreiber der Website, SitzPlusrecht GmbH, BerlinDeutsche Gesellschaft für Vorsorge mbH, Aschau
Erfahrungseit 2014seit 12/2015
umfassende Vorsorgedokumente(+)(+)
Wie erhält der Kunde die Dokumente?als Downloadumfangreiche Dokumentenmappe per Post
Wann erhält er die Dokumente?sofort nach Beantwortung der Fragen2 Tage nach Beantwortung der Fragen
Preise für Erstellung29,90 €39,50 €
Preise für Erstellung und 2 Änderungen49,40 €78,50 €
Preise für Erstellung, 2 Änderungen und 5 Jahre Notfall- und Archivservice148,90 €¹166 €²
Preise für Erstellung, 2 Änderungen und 10 Jahre Notfall- und Archivservice248,40 €¹253,50 €²

1 Im Preis nicht enthalten ist Hinterlegung der Original-Dokumente im Vorsorgeregister, das kostet zusätzlich 9,90 € pro Jahr. In unseren Beispielen würden dafür zusätzlich insgesamt 49,50 € für 5 Jahre und 99 € für 10 Jahre anfallen.
2 Im Preis enthalten ist bereits die Archivierung der Original-Dokumente. Eine Archivierung ohne Aufbewahrung der Original-Dokumente ist nicht möglich.
Quelle: Finanztip-Recherche, AGB und Website der Anbieter (Stand: 19. Dezember 2017; die Preise haben wir am 17. Dezember 2019 erneut abgefragt)

Als zweite Gruppe haben wir drei Anwaltsvermittlungsportale untersucht, die das Rechtsprodukt Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht zu einem Festpreis anbieten: Advocado, anwalt.de und Yourxpert. Dabei haben wir uns auf solche Portale beschränkt, die bei einer Google-Suche am 24. November 2017 auf den ersten drei Ergebnisseiten zu den Begriffen „Patientenverfügung Rechtsanwalt“ angezeigt wurden. Einzelne Anwälte waren nicht Gegenstand dieser Untersuchung. Anhand der folgenden drei Kriterien haben wir unsere Empfehlung für die Anwaltsvermittlungsportale ausgesprochen.

Umfassende Vorsorge - Wir haben nur Portale untersucht, die neben der Patientenverfügung auch eine Vorsorgevollmacht zum Festpreis anbieten.

Keine eigene Auswahl des Anwalts nötig - Bei einem klar umrissenen Rechtsprodukt ist es für den Ratsuchenden aus unserer Sicht nicht von Vorteil, wenn er zwischen verschiedenen Anwälten auswählen muss. Auch wenn alle Anwälte die Beratung und Erstellung zum gleichen Preis anbieten, ist die Sortierung nicht leicht.

Ein Portal, das nach der Anzahl von Empfehlungen sortiert, dabei aber nicht nur den Vorsorgebereich berücksichtigt, sortiert aus unserer Sicht damit nicht nach den richtigen Experten. Deshalb halten wir es für einfacher und besser, wenn das Portal einen Spezialisten aus der näheren Umgebung des Kunden auswählt, der seine Leistungen zu einem dauerhaft gültigen Festpreis anbietet.

Preiswertes Angebot - Wir haben verglichen, zu welchem Preis die Dienstleistung angeboten wird. Alle von uns empfohlenen Plattformen bieten die Erstellung eines individuellen Vorsorgepakets durch einen Rechtsanwalt zu einem fairen Preis von knapp 200 Euro an.

Auf der Basis dieser Kriterien haben wir im Dezember 2017 die Anwaltsvermittler Yourxpert und Advocado empfohlen. Advocado hat das von uns empfohlene Angebot zu einem Festpreis von 199 Euro mittlerweile eingestellt. Stattdessen wird der Preis für die Erstellung der Vorsorgedokumente nunmehr individuell zwischen Anwalt und Mandanten vereinbart. Damit ist das Angebot von Advocado derzeit keine Finanztip-Empfehlung mehr.

Anwaltsvermittler im Bereich Vorsorge – Die Finanztip-Empfehlungen 2017

 AdvocadoYourxpert
Betreiber des Portals, SitzAdvocado GmbH, Greifswald¹Yourxpert GmbH, Freiburg
Erfahrung im Bereich Vorsorgeseit Mitte 2015seit Mitte 2017
Vorsorgeprodukt zum Festpreis(+)(+)
Registrierung im Vorsorgeregister inklusive(+)(+)
Wann erhält der Kunde die Dokumente?nach maximal 7 Werktagennach maximal 7 Werktagen
Vorauswahl des Anwalts(+)(+)
Preis für Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht199 €189 €

1 Advocado bietet das Angebot nicht mehr an (Stand: 17. Dezember 2019)
Quelle: Finanztip-Recherche, AGB und Website der Anwaltsvermittlungsportale (Stand: 21. Dezember 2017; Advocado hat sein Angebot mittlerweile verändert und bietet keinen Festpreis mehr an, Stand: 17. Dezember 2019)

Mehr dazu im Ratgeber Rechtsschutzversicherung

Zum Ratgeber

Autor
Dr. Britta Beate Schön

Stand: 18. Dezember 2019


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