Patientenverfügung

Selbstbestimmt für den Krankheitsfall entscheiden

Das Wichtigste in Kürze

  • Mit einer Patientenverfügung können Sie schriftlich festlegen, was ein Arzt oder das Krankenhaus bei der Behandlung berücksichtigen sollen, falls Sie sich zum Beispiel selbst nicht mehr äußern können und im Koma liegen.
  • Der Patientenwille ist für den Arzt maßgeblich. Diesen muss er unter Berücksichtigung der Patientenverfügung in einem Gespräch mit einem Betreuer oder Bevollmächtigten abstimmen und dann umsetzen.
  • Dazu muss die Patientenverfügung aber wirksam sein. Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs können daran erhebliche Zweifel bestehen, falls sie zu allgemeine Formulierungen enthält (Beschluss vom 6. Juli 2016, Az. XII ZB 61/16).
  • Einige Rechtsschutzversicherungen bieten als zusätzlichen Service für den Versicherten ein Vorsorgepaket inklusive Patientenverfügung an.

So gehen Sie vor

  • Wenn Sie Ihre Patientenverfügung selbst erstellen wollen, empfehlen wir das Muster des Bundesjustizministeriums. Das rät allerdings, sich bei der Abfassung von einer fachkundigen Person beraten zu lassen.
  • Sie können auch mithilfe eines spezialisierten Dienstleisters ihre Verfügung erstellen. Wir empfehlen Patientenverfügungplus. Der Anbieter erstellt mithilfe eines gut verständlichen Frage-Antwort-Systems ein Vorsorgepaket für 27,50 Euro. Ähnlich funktioniert meinepatientenverfuegung.de. Der Anbieter ist zwar mit 39,50 Euro etwas teurer, dafür bekommen Sie die fertigen Dokumente per Post.
  • Wünschen Sie, dass ein Rechtsanwalt die Patientenverfügung mit Ihnen erstellt, empfehlen wir Advocado. Das Portal vermittelt einen spezialisierten Anwalt zu einem Festpreis von 199 Euro. Yourxpert vermittelt Anwälte sogar schon für 189 Euro, hat aber noch nicht so viel Erfahrung.
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Niemand denkt gern darüber nach, was passiert, wenn er richtig krank wird und nicht mehr selbst entscheiden kann. Sie sollten es trotzdem tun. Denn wahrscheinlich haben Sie instinktiv eine klare Vorstellungen davon, welche medizinische Behandlung Sie wünschen, auch wenn Sie sich in einem Notfall nicht mehr äußern können. Vielleicht wollen Sie Ihren Angehörigen auch die Last der Entscheidung abnehmen. Spätestens wenn eine Operation ansteht, sollten Sie eine Patientenverfügung aufsetzen.

Die meisten haben keine: In einer Umfrage im Jahr 2014 gab nur jeder Vierte an, eine Patientenverfügung zu besitzen. Je älter die Befragten waren, desto verbreiteter war die Verfügung – im Alter ab 60 hatte immerhin jeder Zweite vorgesorgt.

Mit einer Patientenverfügung können Sie schriftlich festlegen, welche ärztlichen Maßnahmen zu treffen sind, falls Sie zum Beispiel im Koma liegen (§ 1901a BGB). Auch dann ist der Arzt an den Willen des Patienten gebunden. Je nachdem, wie die Prognose ist, in welchem Zustand der Erkrankte ist und welche Wünsche er zuvor geäußert hat, muss der Arzt die Behandlung auswählen. Diese muss er mit einem Betreuer oder dem Bevollmächtigten abstimmen, der darüber wacht, dass der Patientenwille umgesetzt wird (§ 1901b BGB).

In diesen Situationen kommt es auf eine Patientenverfügung an

Die schriftliche Verfügung ist für Ärzte und Pfleger nur dann verbindlich, wenn der Patient seinen Willen nicht mehr bilden oder äußern kann. Das kann im Endstadium einer unheilbaren Krankheit sein, bei Gehirnschädigungen etwa durch Unfall oder Schlaganfall, aber auch bei fortschreitender Demenzerkrankung, wenn der Patient nur noch künstlich ernährt werden kann. Meist werden in der Verfügung die einzelnen Situationen als Beispiele aufgeführt.

Tipp: Wer für seine Bestattung vorsorgen möchte, denkt meist an eine teure Sterbegeldversicherung. Doch es gibt bessere Alternativen.

Typischer Inhalt einer Patientenverfügung

Der behandelnde Arzt soll der Verfügung den Willen des Patienten konkret entnehmen können und danach handeln. Oft ist das in der konkreten Situation nicht leicht, da die Verfügung entweder zu ungenau ist oder in ihr gerade diese medizinische Maßnahme nicht erwähnt ist. Manchmal sind sich auch die Angehörigen nicht einig.

Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs (BGH) ist eine Patientenverfügung dann bestimmt genug, wenn der Verfasser einerseits die Behandlungssituationen konkret beschrieben hat, in der die Verfügung gelten soll. Andererseits soll er die ärztlichen Maßnahmen genau bezeichnet haben, die er möchte oder die er nicht will. Das können Angaben zur Schmerz- und Symptombehandlung sein, Ausführungen zur künstlichen Ernährung, zur Wiederbelebung, künstlichen Beatmung oder Antibiotikagabe (§ 1901a BGB). Dabei dürfen die Anforderungen aber auch nicht überspannt werden, so der Bundesgerichtshof (BGH, Beschluss vom 8. Februar 2017, Az. XII ZB 604/15). Denn nicht alle Krankheitsverläufe sind vorhersehbar.

Klar ist aber: Nur zu sagen, dass man keine lebenserhaltenden Maßnahmen wünscht, reicht nicht (BGH, Beschluss vom 6. Juli 2016, Az. XII ZB 61/16). Auch allgemeine Anweisungen sind nicht bestimmt genug, wie die Aufforderung, ein würdevolles Sterben zu ermöglichen oder zuzulassen, wenn ein Therapieerfolg nicht mehr zu erwarten ist (BGH, Beschluss vom 8. Februar 2017, Az. XII ZB 604/15). Daraus ist nicht ohne weiteres der Wille zu entnehmen, dass der Patient zum Beispiel keine künstliche Ernährung wünscht.

Es gibt deshalb einige wichtige Punkte, die in jeder Patientenverfügung enthalten sein sollten:

Lebenserhaltende Maßnahmen - Sie können bestimmen, dass alles medizinisch Mögliche und Sinnvolle getan werden soll, um Ihr Leben zu erhalten. Sie können aber auch auf lebenserhaltende Maßnahmen verzichten. Ob Sie lebenserhaltende Maßnahmen wünschen, sollten Sie von der konkreten Behandlungs-Situation abhängig machen. Möglicherweise wünschen Sie bei einem Unfall sehr wohl diese Maßnahmen, im Endstadium einer Krebserkrankung hingegen nicht.

Schmerz- und Symptombehandlung - Sie können festlegen, wie Ihre Schmerz- und Symptombehandlung aussehen soll – ob Sie Morphium oder andere Medikamente wünschen, auch wenn dadurch Ihr Bewusstsein gedämpft werden sollte oder die Mittel Ihr Leben verkürzen. Auch dann sollte klar sein, in welchen Situationen Sie eine solche Schmerzbehandlung wünschen.

Künstliche Ernährung und Beatmung - In der Patientenverfügung können Sie festlegen, ob und gegebenenfalls wann Sie künstlich ernährt oder beatmet werden wollen.

Wiederbelebung - Auch zu Wiederbelebungsversuchen können Sie etwas festlegen, zum Beispiel, dass Sie solche wünschen oder ablehnen.

Gabe von Antibiotika oder Blutübertragungen - Sie können bestimmen, ob Sie Antibiotika oder Blutübertragungen bekommen wollen oder nur zur Beschwerdelinderung wünschen.

Ort der Behandlung - Üblich ist auch, dass Patienten festlegen, ob sie zum Sterben ins Krankenhaus verlegt werden wollen oder, wenn möglich, zu Hause oder in einem Hospiz sterben möchten.

Benennung eines Bevollmächtigten - In der Patientenverfügung sollten Sie darauf hinweisen, ob Sie zusätzlich noch eine Vorsorgevollmacht oder eine Betreuungsverfügung getroffen haben. Das ist sehr sinnvoll. Der Bevollmächtigte ist dann Ansprechpartner für die behandelnden Ärzte und stellt sicher, dass Ihr Wille entsprechend der Verfügung beachtet wird.

Achtung: Viele gehen davon aus, dass Ehepartner oder Kinder automatisch bevollmächtigt sind. Das ist nicht so. Auch die nächsten Angehörigen benötigen die schriftliche Ermächtigung, um Ihren Willen im Fall von Krankheit oder schwerwiegenden medizinischen Eingriffen durchsetzen zu können. Dazu benötigen Sie eine separate Vorsorgevollmacht, die auch auf den medizinischen Bereich beschränkt sein kann.

Die Justizminister der Länder wollten das ändern und die sogenannte Ehegattenbeistandschaft einführen. Danach wäre eine zusätzliche Vollmacht nicht mehr nötig. Im Oktober 2016 beschloss der Bundesrat einen entsprechenden Gesetzesentwurf.  Der Bundestag stimmte dem Entwurf zwar zu, verknüpfte ihn aber mit einem anderen Thema, der Vergütung der Berufsbetreuer. Das wiederum lehnte der Bundesrat ab, und legte den Gesetzentwurf im Sommer 2017 erstmal auf Eis.

Drei Wege zu Ihrer Patientenverfügung

Sie haben verschiedene Möglichkeiten, Ihre Wünsche für die medizinische Behandlung durch eine Patientenverfügung festzulegen.

1. Sie können das Dokument anhand eines guten Musters selbst erstellen. Das ist die preiswerteste Variante.

2. Alternativ können Sie sich an einen spezialisierten Dienstleister wenden und eine individualisierte, rechtlich sichere Verfügung erstellen lassen. Dazu müssen Sie online Fragen beantworten und erhalten dann nach Auswertung Ihrer Angaben eine personalisierte Verfügung. Das ist viel günstiger als eine Beratung beim Anwalt, es fehlt aber das persönliche Gespräch.

3. Schließlich können Sie die Patientenverfügung zusammen mit einer Vorsorgevollmacht auch nach einem Gespräch von einem Rechtsanwalt erstellen lassen. Damit die Kosten kalkulierbar sind, empfehlen wir die Beratung zu einem Festpreis.

1. Muster für Patientenverfügung verwenden

Es gibt viele Muster für Patientenverfügungen. Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs stehen allerdings alle Muster unter Generalverdacht, im Zweifel doch nicht zu helfen. Wir empfehlen das Muster des Bundesministeriums für Justiz und Verbraucherschutz. Es enthält Textbausteine, mit denen Sie Ihre eigene Verfügung als Word-Dokument erstellen können. Das Ministerium empfiehlt aber auch, sich von einer fachkundigen Person beraten zu lassen. Die Erklärung müssen Sie eigenhändig unterschreiben (§ 1901a BGB). Damit sie im Notfall auch berücksichtigt werden kann, sollten Sie dem Bevollmächtigten zumindest eine Kopie aushändigen.

Mit dem Hausarzt sprechen - Wichtig ist, dass Sie mit Ihrem Hausarzt die Verfügung besprechen, um mögliche Rückfragen zu klären. Eine Beratung durch den Arzt ist keine Pflicht, aber sehr zu empfehlen. Er kann Sie über die Folgen der Erklärung aufklären. Das Muster vom Justizministerium sieht vor, dass Ihr Arzt das Dokument ebenfalls unterschreibt. Er bestätigt damit, dass Sie in vollem Umfang einwilligungsfähig waren, als Sie Ihre Wünsche schriftlich festgehalten haben. Das kann im Übrigen auch ein Dritter oder ein Notar machen.

Organspende zustimmen

In der Patientenverfügung können Sie auch festlegen, ob Sie einer Organspende zustimmen oder nicht. Eine Zustimmung ist wirksam, auch wenn Sie keinen Organspende-Ausweis haben. Das ist aber keine Pflicht und steht nicht in direktem Zusammenhang mit der Verfügung.

Auf weitere Vorsorgeverfügungen hinweisen - Wer neben der Patientenverfügung auch eine Vorsorgevollmacht oder eine sogenannte Betreuungsverfügung aufgesetzt hat, sollte das in der Patientenverfügung vermerken. Einen Bevollmächtigten zu haben, ist nicht nur sinnvoll, um die Krankheit durchzustehen. In der Regel fallen auch rund um die Erkrankung Entscheidungen an, die jemand für Sie treffen muss – und sei es nur das Bezahlen von Rechnungen. Das ist aber mit der Patientenverfügung allein nicht gewährleistet.

Zusammen mit der Vorsorgevollmacht registrieren lassen - Im Zentralen Vorsorgeregister können Sie Ihre Patientenverfügung zusammen mit einer Vorsorgevollmacht auch registrieren lassen. Das stellt sicher, dass das Betreuungsgericht im Notfall keinen Betreuer bestellt, da Sie selbst bereits eine Vertrauensperson benannt haben. Notwendig ist das aber nicht. Wichtig ist, dass die Person Ihres Vertrauens eine Ausfertigung Ihrer Patientenverfügung in den Händen hält.

2. Von einem Dienstleister unterstützen lassen

Sie können die Patientenverfügung auch von einem spezialisierten Dienstleister erstellen lassen, indem Sie online verschiedene Fragen beantworten. Aus Ihren Antworten erstellt der Anbieter dann mit einer besonderen Software ein individualisiertes Dokument, das Sie nur noch ausdrucken und unterschreiben müssen. Gegenüber einem Muster hat diese Variante den Vorteil, dass die Fragen einem Beratungsgespräch beim Anwalt nachempfunden sind. Der Dialog enthält über die reinen Fragen hinaus viele Hinweise und Erklärungen, die Ihnen die Entscheidung leichter machen. Diese Variante ist gegenüber einem starren Muster deutlich flexibler. Es ist allerdings keine Rechtsberatung.

Wir haben vier Anbieter untersucht. Besonders überzeugt hat uns Patientenverfügungplus. Das Online-Portal bietet alle Aspekte der Vorsorge – von der Patientenverfügung bis zur Vorsorgevollmacht. Letztere halten wir ebenfalls für sehr wichtig, damit ein Bevollmächtigter auch etwa eine Arztrechnung für den Erkrankten überweisen kann, Angelegenheiten mit der Krankenkasse regeln oder gegenüber Behörden auftreten kann und das Gericht kein Betreuungsverfahren einleiten muss. Der Online-Dialog ist einfach und gut verständlich. Von allen Anbietern war Patientenverfuegungplus der günstigste. Der Preis von insgesamt 47 Euro für Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht, Betreuungsverfügung und Sorgerechtsverfügung, die Sie jeder Zeit abändern können, ist fair und angemessen.

Patientenverfügungplus
Online-Portal für rechtliche Vorsorge

  • Erfahrung seit 2014
  • bietet alle wichtigen Vorsorgedokumente in einem Paket an
  • einfache und verständliche Sprache
  • fairer Preis für das gesamte Vorsorgepaket von 27,50 Euro
  • dauerhafte Änderungsmöglichkeit für 19,50 Euro buchbar
  • Notfallausweis und Online-Archiv für 12 Euro im Jahr buchbar

Ebenfalls überzeugt hat uns der Anbieter meinepatientenverfuegung.de. Zunächst müssen Sie online Basisfragen beantworten, in welchen Situationen Sie vorsorgen möchten. In einem zweiten Schritt legen Sie für ausgewählte Situationen fest, welche konkrete Behandlung Sie wünschen. Abgerundet wird das noch mit der Möglichkeit, eine Vorsorgevollmacht für Gesundheitsangelegenheiten und eine Betreuungsverfügung zu erstellen. Das Besondere an diesem Anbieter ist, dass den Druck der Dokumente der Anbieter übernimmt. Wer also seine Patientenverfügung nicht selbst ausdrucken will oder kann, der ist bei diesem Anbieter richtig. Durch den Ausdruck und den Postversand ist meinepatientenverfuegung.de ein bisschen teurer, wir halten den Preis dennoch für fair und angemessen.

meinepatientenverfuegung.de
versendet die Vorsorgedokumente mit der Post

  • Erfahrung seit Dezember 2015
  • bietet alle wichtigen Vorsorgedokumente in einem Paket an
  • fairer Preis von 39,50 Euro
  • Änderungen zu einer Gebühr von jeweils 19,50 Euro möglich
  • Notfall- und Archivservice für 17,50 Euro pro Jahr buchbar

3. Von einem Rechtsanwalt erstellen lassen

Sie können auch einen Rechtsanwalt beauftragen. Falls Sie online keine Fragen beantworten wollen, sondern ein richtiges Beratungsgespräch wünschen, sind Sie mit dieser Lösung am besten bedient. Sie bekommen rechtssichere und auf Ihre Person zugeschnittene Dokumente, für die der Anwalt die Haftung übernimmt. Sie sollten aber nur einen Anwalt beauftragen, der auf die rechtliche Vorsorge spezialisiert ist. Damit die Kosten vorher klar sind, empfehlen wir ein anwaltliches Vorsorge-Paket zu einem Festpreis.

Wir haben drei Anwaltsvermittlungsportale untersucht, die das anbieten. Zwei Portale nehmen dem Kunden die Suche ab. Als Kunde geben Sie nur Ihre Postleitzahl an und bekommen einen qualifizierten Anwalt (wenn möglich) in der Nähe vorgeschlagen, der zum Festpreis das Vorsorgepaket erstellt. Das macht der Anwalt auf Grundlage eines ausführlichen Telefonats mit Ihnen. Das dritte Portal hingegen listet verschiedene Anwälte auf, die ihre Dienstleistungen anbieten – und zwar sortiert nach der Anzahl von positiven Bewertungen. Die können aber auch für die Vertretung bei einem Verkehrsunfall oder bei einer Scheidung entstehen. Es lässt sich daher kaum erkennen, welcher Anwalt tatsächlich eine Expertise bei Patientenverfügungen und Vorsorgevollmachten besitzt. Wir fanden das in unserem Test wenig zielführend. 

Überzeugt hat uns der Anbieter Advocado. Das Portal bietet das Rechtsprodukt Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht zu einem Festpreis von 199 Euro an. Die Registrierung im Vorsorgeregister ist im Preis inbegriffen. Interessierte müssen sich nicht zwischen verschiedenen Anwälten entscheiden, das nimmt ihnen der Anbieter ab. Er sucht unter seinen kooperierenden Anwälten einen Experten im Vorsorgebereich aus, der in der Umgebung des Ratsuchenden seine Kanzlei hat. Der Anwalt nimmt dann persönlich Kontakt auf und erstellt nach einem Beratungsgespräch die individuellen Vorsorgedokumente. Auf der Website des Anbieters finden Sie die Patientenverfügung unter dem Stichwort Rechtsprodukte im unteren Bereich der Website.

Advocado
Anwaltsvermittlungsportal bietet Rechtsprodukte zum Festpreis

  • Erfahrung seit 2014
  • Anwälte sind Spezialisten im Vorsorgebereich
  • keine Auswahl zwischen verschiedenen Anwälten nötig
  • Bearbeitungszeit von höchstens sieben Werktagen
  • Registrierung im Vorsorgeregister inklusive
  • Pauschalpreis von 199 Euro

Advocado

Auch das Portal Yourxpert vermittelt einen spezialisierten Anwalt zum Festpreis von 189 Euro. Das ist zwar günstiger, doch kann das Portal noch keine große Erfahrung vorweisen. Yourxpert hat das Beratungsprodukt Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht erst im Jahr 2017 aufgebaut.

Yourxpert
Anwaltsvermittlungsportal bietet Rechtsprodukte zum Festpreis

  • Anwälte sind Spezialisten im Vorsorgebereich
  • keine Auswahl zwischen verschiedenen Anwälten nötig
  • Bearbeitungszeit von höchstens sieben Werktagen
  • Registrierung im Vorsorgeregister inklusive
  • Pauschalpreis von 189 Euro

Yourxpert

Die Patientenverfügung regelmäßig aktualisieren

Sie können Ihre Verfügung jederzeit ändern oder widerrufen. Manchmal ist das notwendig. Zum Beispiel wenn sich Eheleute gegenseitig als Bevollmächtigte eingesetzt haben und ein Ehepartner so krank geworden ist, dass er sich um den anderen nicht mehr kümmern kann. Auch wenn nichts Besonderes geschehen ist, ist es sinnvoll, etwa alle zwei Jahre die Verfügung nochmal kritisch zu lesen und dann mit einer neuen Unterschrift zu bestätigen oder eben abzuändern.

Auch angesichts der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs sollten Sie Ihre Patientenverfügung überprüfen oder überprüfen lassen. Viele Muster entsprechen nicht den Anforderungen der Gerichte. Sie helfen nur dann, wenn ihnen konkrete Entscheidungen des Betroffenen über die Einwilligung oder Nichteinwilligung in bestimmte, noch nicht unmittelbar bevorstehende ärztliche Maßnahmen entnommen werden können. Nicht ausreichend sind allgemeine Anweisungen, wie die Aufforderung, ein würdevolles Sterben zu ermöglichen oder zuzulassen, wenn ein Therapieerfolg nicht mehr zu erwarten ist (BGH, Beschluss vom 6. Juli 2016, Az. XII ZB 61/16).

Service von Rechtsschutzversicherung nutzen

Sind Sie rechtsschutzversichert, sollten Sie sich bei Ihrer Versicherung erkundigen. Einige bieten im Rahmen des Privatrechtsschutzes Serviceleistungen bei der Notfallvorsorge an. Von der Erstellung bis zur Registrierung der Dokumente kann man sich an den Versicherer wenden.

So haben wir getestet

Test Vorsorgevollmacht/Patientenverfügung 2017

Wir haben zwei Arten von Anbietern im Zeitraum vom 1. bis zum 19. Dezember 2017 untersucht: Spezialisierte Dienstleister, die auf Ihrer Website ein Frage-Antwort-Tool bieten und nach Auswertung der Antworten individualisierte Vorsorgedokumente erstellen sowie Anwaltsvermittlungsportale, die vom Anwalt erstellte Vorsorgeverfügungen zu einem Festpreis anbieten.

Von Ersteren haben wir vier Anbieter in unsere Untersuchung einbezogen: dipat.de, meine Patientenverfügung, Patientenverfügungplus und die Zentralstelle Patientenverfügung Humanistischer Verband Deutschlands. Dabei haben wir uns auf die Dienstleister beschränkt, die bei einer Google-Suche am 23. November 2017 auf den ersten drei Ergebnisseiten zu den Begriffen „Patientenverfügung“ und „Vorsorgevollmacht“ angezeigt wurden.

Wir haben den Anbietern Fragen zum Unternehmen gestellt, zur Anzahl der bisher erstellten Dokumente, zum Umfang der Leistungen und zur Qualitätssicherung. Nach Auswertung der Fragebögen haben wir jeweils den Frage-Antwort-Dialog getestet. Ein Anbieter verzichtet auf ein Frage-Antwort-Tool bei der optimalen Variante der Patientenverfügung. Wir haben nur diese Form der Verfügung in die Untersuchung einbezogen, da der Anbieter selbst zu seinem Standard-Angebot Bedenken äußert, ob damit wirklich alle Situationen späterer Einwilligungsfähigkeit geregelt werden können. Wenn ein Interessent aber einen Experten beauftragt, dann darf er eine optimale, rechtssichere Lösung erwarten. Bei der optimalen Variante bittet der Anbieter den Nutzer darum, einen achtseitigen Fragebogen auszudrucken, händisch auszufüllen und dann an den Anbieter zu schicken. Mit diesen Angaben erstellt der Anbieter die Vorsorgedokumente und sendet sie dann dem Interessierten mit der Post zu. Das Verfahren ist aus unserer Sicht aufwendig, der Anbieter bietet damit kein Frage-Antwort-Tool auf seiner Website für das von uns betrachtete Produkt, was allerdings Voraussetzung für die Berücksichtigung im Rahmen unserer Untersuchung war.

Anhand der folgenden drei Kriterien haben wir unsere Empfehlung ausgesprochen.

Umfassende Vorsorgelösung - Als Kriterium haben wir festgelegt, dass der Anbieter neben der Patientenverfügung auch mindestens eine Vorsorgevollmacht anbieten muss. Wir halten das für wichtig, da zur rechtlichen Vorsorge auch die geschäftlichen Dinge gehören. Neben den medizinischen Fragen sollte die Vertrauensperson zum Beispiel eine Rechnung an das Krankenhaus überweisen können oder die Angelegenheiten mit der Krankenkasse oder einem Pflegeheim regeln können. Nur dadurch wird ein aufwendiges gerichtliches Betreuungsverfahren vermieden, durch welches zusätzliche Kosten entstehen können. Unsere beiden Empfehlungen bieten ein umfangreiches Vorsorgepaket an. Ein anderer Anbieter eröffnet die Möglichkeit, auf der Basis des Musters vom Bundesjustizministerium eine Vorsorgevollmacht zu erstellen. Dieser Punkt wird allerdings im Frage-Antwort-Dialog nur am Rande erwähnt. Im Prüfstatus wird der Interessent nicht gefragt, ob er noch eine Vorsorgevollmacht erstellen möchte. Wir halten eine Vorsorgevollmacht allerdings neben der Patientenverfügung für sehr wichtig.

Verständlichkeit -  Die Fragen zu den Vorsorgeverfügungen und die erklärenden Hinweise sowie die Verfügungen selbst müssen verständlich sein. Beide Empfehlungen erfüllen dieses Kriterium in besonderer Weise und ergänzen den Dialog mit interaktiven Hinweisen und Erläuterungen. Ein anderer Anbieter verfolgt einen anderen Ansatz: Er geht davon aus, dass sich die Patientenverfügung an einen Arzt richtet. Deshalb enthält das Dokument eine große Anzahl von medizinischen Fachbegriffen wie zum Beispiel PEG- oder ÖGD-Sonden, Einlage oder Gastroskopie, ÖGD oder ERCP und vergleichbare Verfahren. Diese Begriffe werden im Online-Dialog zwar erläutert. Wir haben aber Bedenken, dass ein Patient, der diese Erklärung unterzeichnet, sie auch wirklich versteht. Mit seiner Unterschrift bestätigt aber der Patient, er habe den Inhalt vollständig gelesen und verstanden. Außerdem erwarten wir von einem Mediziner, dass er den Patientenwillen versteht und umsetzt, auch wenn der Patient auf medizinische Fachbegriffe verzichtet.

Preis - Wir haben auch auf die Kosten geschaut. Da diese Portale keine Rechtsberatung anbieten, sollten sie um einiges günstiger sein als ein Anwalt. Rechtsanwälte bieten Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht zum Zeitpunkt dieser Untersuchung in der Regel ab knapp 200 Euro an. Rechtsdienstleister, die mehr als die Hälfte dieses Preises, also 100 Euro, für beide Dokumente verlangen, haben wir deshalb nicht berücksichtigt. Unsere Empfehlungen bieten die Erstellung, die Änderung sowie einen Notfall- und Online-Archiv-Service zu einem fairen Preis an. Wir haben dazu verschiedene Varianten durchgerechnet: die Erstellung, zweimalige Änderung und 2-jährige, 5-jährige und 10-jährige Online-Archivierung. Bei einer längeren Nutzung des Online-Archivs können sich die Kosten ganz schön summieren. Der günstigste Anbieter bietet das bei 10-jähriger Archivierung für knapp 170 Euro an. Ein anderer Anbieter verlangt dafür 480 Euro, was aus Sicht von Finanztip zu teuer ist.

Dienstleister im Bereich Vorsorge - Die Finanztip-Empfehlungen

Patientenverfügungplus meine Patientenverfügung
Betreiber der Website, SitzPlusrecht GmbH, Berlin Deutsche Gesellschaft für Vorsorge mbH, Aschau
Erfahrungseit 2014 seit 12/2015
umfassende Vorsorgedokumente(+) (+)
Wie erhält der Kunde die Dokumente?als Download umfangreiche Dokumentenmappe per Post
Wann erhält er die Dokumente?sofort nach Beantwortung der Fragen 2 Tage nach Beantwortung der Fragen
Preise für Erstellung27,50 € 39,50 €
Preise für Erstellung und 2 Änderungen47 € 78,50 €
Preise für Erstellung, 2 Änderungen und 5 Jahre Notfall- und Archivservice107 € (1) 166 € (2)
Preise für Erstellung, 2 Änderungen und 10 Jahre Notfall- und Archivservice167 € (1) 253,50 € (2)

 

(1) Im Preis nicht enthalten ist die Archivierung der Originaldokumente, das kostet zusätzlich 9,90 € pro Jahr. In unseren Beispielen würden dafür zusätzlich insgesamt 49,50 € für 5 Jahre und 99 € für 10 Jahre anfallen.

(2) Im Preis enthalten ist bereits die Archivierung der Original-Dokumente. Eine Archivierung ohne Aufbewahrung der Originaldokumente ist nicht möglich.

Quelle: Finanztip-Recherche, AGB und Website der Anbieter (Stand: 19. Dezember 2017)

Als zweite Gruppe haben wir drei Anwaltsvermittlungsportale untersucht, die das Rechtsprodukt Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht zu einem Festpreis anbieten: Advocado, anwalt.de und Yourxpert. Dabei haben wir uns auf solche Portale beschränkt, die bei einer Google-Suche am 24. November 2017 auf den ersten drei Ergebnisseiten zu den Begriffen „Patientenverfügung Rechtsanwalt“ angezeigt wurden. Einzelne Anwälte waren nicht Gegenstand dieser Untersuchung. Anhand der folgenden drei Kriterien haben wir unsere Empfehlung für die Anwaltsvermittlungsportale ausgesprochen.

Umfassende Vorsorge - Wir haben nur Portale untersucht, die neben der Patientenverfügung auch eine Vorsorgevollmacht zum Festpreis anboten.

Keine eigene Auswahl des Anwalts nötig - Bei einem klar umrissenen Rechtsprodukt ist es für den Ratsuchenden aus unserer Sicht nicht von Vorteil, wenn er zwischen verschiedenen Anwälten auswählen muss. Auch wenn alle Anwälte die Beratung und Erstellung zum gleichen Preis anbieten, ist die Sortierung nicht leicht. Ein Portal, das nach der Anzahl von Empfehlungen sortiert, dabei aber nicht nur den Vorsorgebereich berücksichtigt, sortiert aus unserer Sicht damit nicht nach den richtigen Experten. Deshalb halten wir es für einfacher und besser, wenn diese Aufgabe das Portal übernimmt, einen Spezialisten aus der näheren Umgebung des Kunden auswählt und dann zu einem dauerhaft gültigen Festpreis anbietet.

Preiswertes Angebot - Wir haben außerdem verglichen, zu welchem Preis die Dienstleistung angeboten wird. Alle von uns empfohlenen Plattformen bieten die Erstellung eines individuellen Vorsorgepakets durch einen Rechtsanwalt zu einem fairen Preis von knapp 200 Euro an.

Anwaltsvermittler im Bereich Vorsorge - Die Finanztip-Empfehlungen

Advocado Yourxpert
Betreiber des Portals, SitzAdvocado GmbH, Greifswald Yourxpert GmbH, Freiburg
Erfahrung im Bereich Vorsorgeseit Mitte 2015 seit Mitte 2017
Vorsorgeprodukt zum Festpreis(+) (+)
Registrierung im Vorsorgeregister inklusive(+) (+)
Wann erhält der Kunde die Dokumente?nach maximal 7 Werktagen nach maximal 7 Werktagen
Vorauswahl des Anwalts(+) (+)
Preis für Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht199 € 189 €

(1) im Preis enthalten ist  die Archivierung der Original-Dokumente

Quelle: Finanztip-Recherche, AGB und Website der Anwaltsvermittlungsportale (Stand: 21. Dezember 2017)

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Julia Rieder
von Finanztip,
Expertin für Versicherungen

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Finanztip-Chefredakteur
Hermann-Josef Tenhagen

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Artikel verfasst von

Dr. Britta Beate Schön

Finanztip-Expertin für Recht

Britta Beate Schön ist bei Finanztip für sämtliche Rechtsthemen zuständig. Die promovierte Juristin und Rechtsanwältin war als Leiterin der Rechtsabteilung bei Finanzdienstleistern wie der Telis Finanz AG und der Interhyp tätig. Vorher lehrte und forschte sie in Japan als DAAD-Junior-Professorin für deutsches und Europarecht. Ihr Studium absolvierte sie in Münster, Genf, Regensburg und Leipzig. Die Autorin erreichen Sie unter britta.schoen@finanztip.de.