Aktien-Dividenden

Erst nach der Hauptversammlung kaufen

Das Wichtigste in Kürze

  • Aktiengesellschaften beschließen auf ihren jährlichen Hauptversammlungen die Höhe der Gewinnausschüttung. Kurze Zeit später wird diese Dividende an die Aktionäre ausgezahlt.
  • Anders als manche Banken suggerieren, lässt sich mit dem Kauf von Aktien kurz vor den Hauptversammlungen kein zusätzlicher Ertrag mit den Ausschüttungen erzielen.
  • Am Tag nach dem Aktionärstreffen fällt der Aktienpreis in der Regel, weil die Dividende vom Kurs abgezogen wird.
  • Wer vollständig von Ausschüttungen profitieren will, sollte die entsprechenden Aktien kurz nach den Hauptversammlungen kaufen.
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Jedes Frühjahr wiederholt sich dasselbe Ritual: Kurz vor den Hauptversammlungen der großen deutschen börsennotierten Konzerne berichten Medien und Kundenmagazine von Banken über den bevorstehenden Geldsegen, den diese Aktiengesellschaften als Dividende an ihre Aktionäre ausschütten. Dabei suggerieren manche Medien und Geldinstitute ihren Kunden, wer jetzt noch schnell auf den Zug aufspringe, könne an den üppigen Ausschüttungen teilhaben und sich so einen Vorteil verschaffen.

„Finanzexperten bezeichnen dieses Jahr als das `Jahr der Dividenden´, da zu erwarten ist, dass 2015 die deutschen Unternehmen so viele Dividenden wie nie an ihre Aktionäre ausschütten werden. Seien auch Sie dabei und finden Sie mit Hilfe unseres Dividendenkalenders interessante Titel“, rief beispielsweise Ernst Huber, Vorstandsprecher der DAB-Bank, Anfang März 2015 in einem Newsletter zum Kauf von dividendenstarken Aktien auf.

Die Comdirect, eine Tochter der Commerzbank, stößt in dasselbe Horn: „Die Dividende wird traditionell zur Hauptversammlung ausgezahlt. Anleger können sich jetzt mit den Aktien der Unternehmen eindecken, die im April oder Mai ihre Hauptversammlung abhalten“, lockte sie in ihrer Kundeninformation „compass“.

Dividenden gibt es nicht geschenkt

Folgt man der Comdirect und DAB-Bank, dann müssten Anleger bloß rechtzeitig die richtigen Aktien kaufen – eine üppige Dividende gibt es dann angeblich obendrauf, wie früher einen Aal beim Einkauf auf dem Hamburger Fischmarkt. Doch so funktionieren die Finanzmärkte nicht. Dividenden werden nicht verschenkt. Ein Anleger kann sie sich nur vollständig verdienen, indem er Aktien zwölf Monate hält.

Wer dagegen Anteilsscheine wenige Wochen vor der Hauptversammlung einer Aktiengesellschaft erwirbt, bezahlt für die Dividende, die ihm kurze Zeit später ausgeschüttet wird. Denn künftige Dividendenzahlungen sind im Kurs einer Aktie enthalten. Nur am Tag nach der jährlichen Hauptversammlung, auf der die Aktionäre die Höhe der Dividende beschließen, wird die jeweilige Aktie in Deutschland ohne Dividende gehandelt. Diesen Tag nennen Fachleute Ex-Tag.

In den darauffolgenden Monaten wird die nächste Dividende nach und nach im Aktienkurs berücksichtigt. Börsianer sprechen gerne vom „Einpreisen“. Je näher die nächste Hauptversammlung rückt, desto mehr von der erwarteten Dividende ist bereits im Aktienkurs enthalten. Am Ex-Tag, wenn die Aktie dann ohne Dividende gehandelt wird, fällt in der Regel deren Kurs. Der Kursverlust entspricht meistens nicht exakt der zuvor gemessenen Dividendenrendite. Denn der Abzug der Ausschüttung vom Aktienkurs wird von Kursbewegungen an diesem Tag überlagert. Die Dividendenrendite ergibt sich, indem man die Dividende durch den aktuellen Aktienkurs teilt und mit 100 multipliziert.

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Kursabschläge am Tag nach der Hauptversammlung

Wie der Aktienkurs am Ex-Tag reagiert, lässt sich gut an den Aktien der Firmen Bayer, Deutsche Telekom und Siemens ablesen:

Dividenden-Auszahlungen und Kursverluste am Ex-Tag

Aktie   Geschäftsjahr   Hauptversammlung (HV)   Dividende (in Euro)   Dividendenrendite am HV-Tag   Kursverlust am Ex-Tag   Schlusskurs am HV-Tag (in Euro)   Schlusskurs am Ex-Tag (in Euro)
Bayer   2013   29.04.2014   2,1   2,07 %   -1,49 %   101,39   99,88
    2012   26.04.2013   1,9   2,34 %   -1,42 %   81,15   80
    2011   27.04.2012   1,65   2,98 %   -3,72 %   55,43   53,37
                             
Telekom   2013   15.05.2014   0,5   3,96 %   -0,55 %   12,62   12,55
    2012   16.05.2013   0,7   7,25 %   -8,28 %   9,66   8,86
    2011   24.05.2012   0,7   8,20 %   -8,08 %   8,54   7,85
                             
Siemens   2014   27.01.2015   3,3   3,30 %   -5,02 %   100,02   95
    2013   28.01.2014   3   3,03 %   -4,64 %   99,1   94,5
    2012   23.01.2013   3   3,58 %   -3,51 %   83,84   80,9
                             

Quellen: Deutsche Telekom, Bayer AG, Finanzen.net, eigene Berechnungen (Stand: 27. März 2015)

Die Beispiele illustrieren, dass Anleger, die kurz vor Hauptversammlungen Aktien kaufen, ihr Geld lediglich von der linken Tasche in die rechte Tasche manövrieren – und dabei auch noch in eine Steuerfalle tappen. Denn für Dividenden fällt Abgeltungssteuer an. Dieses Geld fehlt dann bei der Anlage und schmälert das Ergebnis. Hinzukommen zusätzliche Transaktionskosten, falls die Netto-Dividende nach dem Steuerabzug wieder angelegt werden soll.

Insofern es eine schlechte Strategie, kurz vor Hauptversammlungen Aktien zu kaufen. Ein deutlich besserer Erwerbszeitpunkt wäre am Ex-Tag oder kurz danach. Der angelegte Betrag wäre ohne Abzüge voll investiert und kann für höhere Erträge sorgen.

Vorsicht bei Informationen von Banken

Dass manche Banken Anleger auf die falsche Fährte locken, ist schon fragwürdig genug. Bei der DAB-Bank wissen die Marketing-Strategen offenbar nicht einmal, wer überhaupt Anspruch auf eine Dividende hat. „Einen Dividendenanspruch hat jeder Aktionär, wenn er die Aktie mindestens einen Tag vor der Ausschüttung im Depot hat“, heißt es auf der Website der Bank.

Doch das ist falsch. Ein Anleger muss die Aktie am Tag der Hauptversammlung im Depot haben. Nur dann hat er Anspruch auf die Dividende. Die Ausführungen der DAB-Bank treffen nur zu, wenn der Zahltag direkt auf den Tag nach der Hauptversammlung fällt. Das ist aber nicht immer der Fall. Die Telekom AG beispielsweise schüttete die Dividende in den vergangenen zwei Jahren erst vier Wochen nach ihrer Hauptversammlung aus.

Nicht alle Banken führen ihre Kunden aufs Glatteis und informieren sie schlecht oder sogar falsch. Ein positives Beispiel ist die ING-Diba. Sie warnt auf ihrer Website sogar vor einer unsinnigen Dividendenjagd.

Dividenden tragen viel zur Wertentwicklung bei

Grundsätzlich waren dividendenstarke Aktien in der Vergangenheit aber eine gute Anlage. Die Ausschüttungen tragen langfristig einen großen Teil zur Wertentwicklung bei, wie verschiedene Untersuchungen zeigen. Worauf Sie bei der Auswahl geeigneter Aktien achten sollten, lesen Sie in unserem Ratgeber zu Aktien-Dividenden.

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Finanztip-Chefredakteur
Hermann-Josef Tenhagen

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Artikel verfasst von

Markus Neumann

ehemaliger Finanztip-Redakteur (bis Oktober 2015)

Markus Neumann schrieb für Finanztip über alle Aspekte der Geldanlage. Der erfahrene Finanzjournalist verfasste bereits zahlreiche Publikationen zum Thema Geldanlage, die im Berliner Fuchsbriefe-Verlag und bei der Stiftung Warentest erschienen sind. Neumann volontierte beim Heinrich Bauer Verlag in Hamburg. Im Anschluss arbeitete er viele Jahre als Redakteur und Reporter.