Thesaurierende Fonds

Mit thesaurierenden Fonds Erträge direkt wieder anlegen

Das Wichtigste in Kürze

  • Fonds können auf zwei Arten mit Aktiendividenden und Anleihezinsen umgehen: Sie können die Erträge entweder ausschütten oder wieder anlegen (Fachbegriff: thesaurieren).
  • Thesaurierende Fonds sind für Anleger geeignet, die Vermögen aufbauen wollen und regelmäßige Erträge nicht benötigen.
  • Auf alle Erträge fällt Abgeltungssteuer an. Oft wird sie direkt einbehalten.
  • Bei ausländischen thesaurierenden Investmentfonds müssen Anleger die Erträge jedoch selbst in der Steuererklärung angeben.
  • Ab 2018 werden alle Fondsarten anhand einer Pauschale besteuert. Anleger haben dann weniger Arbeit mit der Steuererklärung.
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Fonds investieren ihr Geld meist in Wertpapiere, die laufende Erträge erwirtschaften. So werden auf Aktien üblicherweise Dividenden gezahlt, auf Anleihen Zinsen. Der Gewinn kann entweder direkt an die Anleger weitergeleitet oder wieder angelegt (thesauriert) werden.

Wir erklären Ihnen, welche Art von Fonds für Sie geeignet ist und worauf Sie achten müssen. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um herkömmliche Fonds oder um sogenannte ETFs handelt, mit denen Sie günstig in Wertpapiere anlegen können.

So unterscheiden sich ausschüttende und thesaurierende Fonds

Unabhängig davon, in welche Wertpapiere der Fonds investiert, lässt er sich in zwei Kategorien einteilen:

Ausschüttende Fonds - Sie schütten ihre Erträge an die Inhaber der Fondsanteile aus. Viele Fondsgesellschaften machen das einmal im Jahr, manche aber auch quartals- oder monatsweise.

Thesaurierende Fonds - Sie legen das erwirtschaftete Geld wieder an. Das hat zur Folge, dass sich der Wert des Fonds um die zugeflossenen Erträge erhöht.

Thesaurierende Fonds kommen für Sie infrage, wenn Sie langfristig Vermögen aufbauen wollen und nicht auf laufende Erträge angewiesen sind. Wollen Sie dagegen regelmäßig Zahlungen aus Ihrer Geldanlage auf Ihrem Konto gutgeschrieben haben, sollten Sie sich für einen ausschüttenden Investmentfonds entscheiden.

Wann Abgeltungssteuer zu zahlen ist

Grundsätzlich gilt für Besitzer thesaurierender wie ausschüttender Fonds, dass laufende Erträge unter die Abgeltungssteuer fallen. Allerdings kommt es darauf an, wann der Fonds die Einnahmen als erwirtschaftet verbucht. Dadurch ergeben sich unterschiedliche Zeitpunkte, zu denen die Steuer fällig wird.

Bei ausschüttenden Fonds erzielt der Anleger sein steuerpflichtiges Einkommen am jeweiligen Auszahlungstag. Die Abgeltungssteuer wird sofort einbehalten. Ein thesaurierender Fonds verbucht die Erträge erst am Ende des Geschäftsjahres als steuerlich zugeflossen. Die Finanzbehörden sprechen hier von „ausschüttungsgleichen Erträgen“. Abgeltungssteuer inklusive Solidaritätszuschlag und eventueller Kirchensteuer wird direkt einbehalten.

Wenn Sie einen Freistellungsauftrag bei Ihrer Depotbank einreichen, wird die Abgeltungssteuer bis zur Höhe des Sparerpauschbetrags von 801 Euro pro Jahr nicht automatisch an das Finanzamt abgeführt. Das gilt für ausschüttende und thesaurierende Fonds.

Wenn Sie ausländische thesaurierende Fonds haben

Bei einem thesaurierenden Fonds, der im Ausland aufgelegt ist, müssen Sie auf einige Besonderheiten achten:

Erträge selbst deklarieren - Ausländische thesaurierende Fonds sind nicht dazu verpflichtet, die Abgeltungssteuer einzubehalten und an den deutschen Fiskus abzuführen. Der Freistellungsauftrag ist auf diese Kapitalerträge somit nicht anwendbar. Als Anleger müssen Sie jedes Jahr in Ihrer Einkommensteuererklärung die Dividendenertärge, genauer die sogenannten ausschüttungsgleichen Erträge, in der Anlage KAP angeben. Sie unterliegen der Abgeltungssteuer von 25 Prozent plus Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer. Am Ende des Jahres erhalten Sie von Ihrer Depotbank eine Jahressteuerbescheinigung, aus der Sie entnehmen können, welche Erträge angefallen sind und wo in der Anlage KAP Sie diese eintragen müssen.

Auch auf Quellensteuer achten - Neben der Abgeltungssteuer, die beim Sparer abgezogen wird, fällt auch die sogenannte Quellensteuer auf die Dividenden an. Sie wird in dem Staat, in dem das die Dividende auszahlende Unternehmen sitzt, direkt an die Steuerbehörde abgeführt. Der Fonds erhält lediglich die Nettodividende ausgezahlt, zuzüglich eines etwaigen Erstattungsanspruchs. Beispielsweise wird bei einem in Deutschland aufgelegten Fonds, der den Euro Stoxx 50 nachbildet, Quellensteuer nach Belgien abgeführt, weil die Aktie des belgischen Bierbrauers Anheuser Busch im Euro Stoxx 50 vertreten ist. Oft lässt sich die Quellensteuer auf die Abgeltungssteuer anrechnen. Auch diesen anrechenbaren Betrag weist Ihnen Ihre Onlinebank oder Ihr Broker in der Jahressteuerbescheinigung aus. Sie sollten den Betrag ebenfalls in der Anlage KAP angeben.

Eine doppelte Besteuerung vermeiden - Als Inhaber thesaurierender Auslandsfonds müssen Sie noch auf eine weitere Besonderheit achten – und zwar dann, wenn Sie Ihre Fondsanteile verkaufen wollen. Dann fällt nämlich wieder Abgeltungssteuer an. Die Steuer wird sowohl für Erträge aus dem Wertzuwachs aufgrund von Kurssteigerungen als auch durch wiederangelegte Erträge einbehalten. Die inländische Depotbank führt beim Verkauf die Abgeltungssteuer an den Fiskus ab. Das macht die Depotbank auch dann, wenn Sie als Anleger bereits Jahr für Jahr die thesaurierten Zins- und Dividendenerträge in Ihrer Steuererklärung angegeben haben. Wenn Sie den Fonds über viele Jahre hatten, kann dies beim Verkauf zu hohen Steuerabzügen führen. Und zwar auch auf die Gewinne, die Sie bereits versteuert haben! Um das zu vermeiden, müssen Sie als Anleger in der Steuererklärung des Verkaufsjahres diese überhöhten Abzüge zurückfordern und nachweisen, dass Sie in den Vorjahren die laufenden Erträge bereits berücksichtigt haben. In diesem Fall sollten Sie sicherheitshalber Ihre Jahressteuerbescheinigungen und Anlagen KAP über längere Zeit aufheben.

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Ab 2018 ändert sich die Besteuerung

Im Juli 2016 hat der Bundesrat eine Reform des Investmentsteuergesetzes verabschiedet, die 2018 in Kraft tritt. Demnach ändert sich die Systematik der Besteuerung von Investmentfonds grundlegend. Die Besteuerung aller Fondsarten nähert sich an: Künftig dient eine Pauschale als Bemessungsgrundlage für die Abgeltungssteuer.

Die Pauschale bemisst sich am Basiszinssatz, der die Mindestverzinsung am Markt darstellen soll und den das Finanzministerium einmal im Jahr veröffentlicht, beziehungsweise an der tatsächlichen Wertsteigerung des Fonds. Bei ausschüttenden Fonds wird die tatsächlich gezahlte Dividende berücksichtigt und mindert die Pauschale. Bei thesaurierenden Fonds greift nur noch die Pauschale – sie ersetzt die bisherigen „ausschüttungsgleichen Erträge“ komplett. Ansprüche auf Erstattung der Quellensteuer für den Privatanleger entfallen.

Wer thesaurierende ausländische Fonds besitzt, hat es künftig doppelt einfacher: Es ist nicht länger nötig, die ausschüttungsgleichen Erträge samt der Quellensteueranrechnung selbstständig in der Steuererklärung anzugeben. Stattdessen wird die Abgeltungssteuer auf die Pauschale direkt einbehalten. Damit entfällt auch der Zwang, Steuerunterlagen bis zum Verkauf des Fonds aufzubewahren. Stattdessen wird die Steuer auf die Pauschale bei Verkauf automatisch entsprechend verrechnet.

Spezialfall ETFs

Das Ziel von börsengehandelten Indexfonds (ETFs) ist es, die Wertentwicklung von existierenden Indizes, zum Beispiel dem deutschen Aktienindex Dax, abzubilden. Manche ETFs kaufen dafür nahezu alle Aktien, die im Index vertreten sind, nach. Das sind sogenannte physisch-replizierende ETFs. Andere ETF-Anbieter lassen sich die Indexentwicklung von einer Bank zusichern; sie kaufen sich die Wertentwicklung über ein Tauschgeschäft ein. Das sind synthetische ETFs. Worin sich die beiden ETF-Arten genau unterscheiden, lesen Sie im Ratgeber ETFs.

Bislang hatten synthetisch-thesaurierende ETFs einen Steuervorteil gegenüber physisch-thesaurierenden Indexfonds. Weil in der synthetischen Indexkopie keine ausschüttungsgleichen Erträge ausgewiesen waren, mussten Anleger zwischendurch nichts versteuern und sich damit auch nicht um die Steuerdokumentation kümmern. Mit der Novelle des Investmentsteuergesetzes möchte der Gesetzgeber diese Ungleichheit aufheben.

Ab 2018 müssen auch Anleger in synthetisch-thesaurierende ETFs jährlich Abgeltungssteuer bezahlen. Bemessungsgrundlage ist eine Pauschale, die sich an der Wertsteigerung des Fonds und am Basiszins des Bundesfinanzministeriums bemisst. Noch unklar ist, inwiefern Anleger die Bemessungsgrundlage auch bei synthetischen ETFs senken können. Bei physisch-thesaurierenden Aktien-ETFs ist eine sogenannte Teilfreistellung um 30 Prozent vorgesehen. Bei welcher Fondsart Anleger letztlich weniger Steuern zahlen müssen, ist also noch nicht abschließend geklärt.

Tipp

Ein Beispiel für die gegenwärtige und künftige Besteuerung physisch-thesaurierender ETFs finden Sie in unserem Blog-Beitrag.

Daran erkennen Sie einen ausländischen Fonds

Es ist immer wieder zu lesen, dass Sie der internationalen Wertpapierkennnummer (ISIN) entnehmen können, ob es sich um einen inländischen oder einen ausländischen Fonds handelt. Das stimmt aber nicht! Es gibt auch ausländische Fonds, deren ISIN mit „DE“ für Deutschland beginnen.

Entscheidend ist, wo der Fonds aufgelegt wurde. Wenn Sie sich beispielsweise bei finanzen.net unter „Fonds“ die „Fundamentaldaten“ ansehen, finden Sie unter „Aufgelegt in“ das Land, aus dem der Fonds stammt. Andere Webseiten, wie etwa onvista.de, nennen das Herkunftsland auch „Domizil“. Eine komplette Übersicht der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungen (Bafin), welche ausländischen Fonds in Deutschland zugelassen sind, finden Sie hier.

Beispiel: Die ISIN des Fonds iShares S&P 500 (DE) UCITS ETF, der den amerikanischen S&P-500-Index nachbildet, lautet „DE0002643889“, beginnt also mit „DE“. Trotzdem ist der Fonds nicht in Deutschland aufgelegt, sondern in Irland.

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Manuel Kayl
Experte für Geldanlage

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11. Juli 2016 zum Beitrag
Wer sich für ETF s interessiert: ARERO Der Weltfond, keine Kauf/Verkaufkosten, flexibel online,Sparplan möglich , sehr geringe Kosten,sehr umfangreiche Infos, wissenschaftl. begründete ...
10. Juli 2016 zum Beitrag
Also zu ETFs lese ich gerne von Holder Grethe. Er erklärt sehr gut und räumt vor allem mit den vielen Argumenten für Immobilien auf, die absurd sind. Dabei ist er immer sehr sachlich und ...
12. Juni 2016 zum Beitrag
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Finanztip-Chefredakteur
Hermann-Josef Tenhagen

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Artikel verfasst von

Dr. Manuel Kayl

ehemaliger Finanztip-Mitarbeiter (bis August 2016)

Manuel Kayl war bei Finanztip für Geldanlagethemen zuständig. Der promovierte Physiker arbeitete als Anlagestratege und Risikomanager bei der niederländischen Versicherung a.s.r., nachdem er am Genfer Forschungszentrum Cern sowie am Nikhef und der Universität Amsterdam forschte. Er hat am 31. August 2016 Finanztip verlassen.

Sara Zinnecker

Finanztip-Expertin für Bankprodukte

Sara Zinnecker ist Redakteurin im Team Bank & Geldanlage. Nach ihrem Volontariat an der Georg von Holtzbrinck-Schule für Wirtschaftsjournalisten schrieb sie beim Handelsblatt über Geldanlage und Altersvorsorge. Zuvor studierte Sara Zinnecker in Nürnberg, Italien und Portugal internationale Volkswirtschaftslehre mit Diplom-Abschluss, arbeitete bei Lokalzeitungen sowie der Süddeutschen Zeitung.