Thesaurierende Fonds

Mit thesaurierenden Fonds Erträge direkt wieder anlegen

Das Wichtigste in Kürze

  • Fonds erwirtschaften Geld aus Zahlungen von Aktien und Anleihen. Sie schütten diese Erträge entweder aus (ausschüttende Fonds) oder legen sie wieder an (thesaurierende Fonds).
  • Thesaurierende Fonds sind für Sie geeignet, wenn Sie den Erlös nicht direkt benötigen und ihn wieder anlegen wollen.
  • Auf beide Fondsarten müssen Sie Abgeltungsteuer zahlen, die meist direkt von den Fonds abgeführt wird.
  • Erträge aus ausländischen thesaurierenden Fonds müssen Sie jedoch selbst beim Finanzamt angeben.
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Fonds investieren ihr Geld meist in Wertpapiere, die laufende Erträge erwirtschaften. So werden auf Aktien üblicherweise Dividenden gezahlt, auf Anleihen Zinsen. Der Gewinn kann entweder direkt an die Anleger weitergeleitet oder wieder angelegt werden.

Wir erklären Ihnen, welche Art von Fonds für Sie geeignet ist und worauf Sie achten müssen. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um herkömmliche Fonds oder um sogenannte ETFs handelt, mit denen Sie günstig in Wertpapiere anlegen können.

Unterschied zwischen ausschüttenden und thesaurierenden Fonds

Unabhängig davon, in welche Wertpapiere der Fonds investiert, lässt er sich in zwei Kategorien einteilen:

Ausschüttende Fonds - Sie schütten ihre Erträge an die Inhaber der Fondsanteile aus. Viele Fondsgesellschaften machen das einmal im Jahr, manche aber auch quartals- oder monatsweise.

Thesaurierende Fonds - Sie legen das erwirtschaftete Geld wieder an. Das hat zur Folge, dass sich der Wert des Fonds um die zugeflossenen Erträge erhöht.

Für wen thesaurierende Fonds geeignet sind

Thesaurierende Fonds kommen für Sie infrage, wenn Sie langfristig Vermögen aufbauen wollen und nicht auf laufende Erträge angewiesen sind. Wollen Sie dagegen regelmäßig Zahlungen aus Ihrer Geldanlage auf Ihrem Konto gutgeschrieben haben, sollten Sie sich für einen ausschüttenden Fonds entscheiden.

Wann Abgeltungssteuer zu zahlen ist

Grundsätzlich gilt für Besitzer thesaurierender wie ausschüttender Fonds, dass laufende Erträge unter die Abgeltungssteuer fallen. Allerdings kommt es darauf an, wann der Fonds die Einnahmen als erwirtschaftet verbucht. Dadurch ergeben sich unterschiedliche Zeitpunkte, zu denen die Steuer fällig wird.

Bei ausschüttenden Fonds erzielt der Anleger sein steuerpflichtiges Einkommen am jeweiligen Auszahlungstag. Die Abgeltungssteuer wird sofort einbehalten. Ein thesaurierender Fonds verbucht die Erträge erst am Ende des Geschäftsjahres als steuerlich zugeflossen. Die Finanzbehörden sprechen hier von „ausschüttungsgleichen Erträgen“. Der Fonds führt die Abgeltungssteuer inklusive Solidaritätszuschlag und eventueller Kirchensteuer an den Fiskus ab.

Wenn Sie einen Freistellungsauftrag bei Ihrer Depotbank einreichen, wird die Abgeltungssteuer bis zur Höhe des Sparerpauschbetrags von 801 Euro pro Jahr nicht automatisch an das Finanzamt abgeführt. Das gilt für ausschüttende und thesaurierende Fonds.

Wenn Sie ausländische thesaurierende Fonds haben

Bei einem thesaurierenden Fonds, der im Ausland aufgelegt ist, müssen Sie auf einige Besonderheiten achten:

Erträge selbst deklarieren - Ausländische thesaurierende Fonds sind nicht dazu verpflichtet, die Abgeltungssteuer einzubehalten und an den deutschen Fiskus abzuführen. Der Freistellungsauftrag ist auf diese Kapitalerträge somit nicht anwendbar. Daher müssen Sie als Anleger jedes Jahr in Ihrer Einkommensteuererklärung die Dividendenertärge, genauer die sogenannten ausschüttungsgleichen Erträge, in der Anlage KAP angeben. Sie unterliegen der Abgeltungssteuer von 25 Prozent plus Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer. Am Ende des Jahres erhalten Sie von Ihrer Depotbank eine Jahressteuerbescheinigung, aus der Sie entnehmen können, welche Erträge angefallen sind und wo in der Anlage KAP Sie diese eintragen müssen.

Auch auf Quellensteuer achten - Neben der Abgeltungssteuer, die beim Sparer abgezogen wird, fällt auch die sogenannte Quellensteuer auf die Dividenden an. Sie wird in dem in dem Staat, in dem das die Dividende auszahlende Unternehmen setzt, direkt an die Steuerbehörde abgeführt. Der Fonds erhält lediglich die Nettodividende ausgezahlt, zuzüglich eines etwaigen Erstattungsanspruchs. Beispielsweise wird bei einem in Deutschland aufgelegten Fonds auf den Euro Stoxx 50 Quellensteuer nach Belgien abgeführt, weil die Aktie des belgischen Bierbrauers Anheuser Busch im Euro Stoxx 50 vertreten ist. Oft lässt sich die Quellensteuer auf die Abgeltungssteuer anrechnen. Auch diesen anrechenbaren Betrag weist Ihnen Ihre Onlinebank oder Ihr Broker in der Jahressteuerbescheinigung aus. Sie sollten den Betrag ebenfalls in der Anlage KAP angeben.

Eine doppelte Besteuerung vermeiden - Als Inhaber thesaurierender Auslandsfonds müssen Sie noch auf eine weitere Besonderheit achten – und zwar dann, wenn Sie Ihre Fondsanteile verkaufen wollen. Dann fällt nämlich wieder Abgeltungssteuer an. Die Steuer wird sowohl für Erträge aus dem Wertzuwachs aufgrund von Kurssteigerungen als auch durch wiederangelegte Erträge einbehalten. Die inländische Depotbank führt beim Verkauf die Abgeltungssteuer an den Fiskus ab. Das macht die Depotbank auch dann, wenn Sie als Anleger bereits Jahr für Jahr die thesaurierten Zins- und Dividendenerträge in Ihrer Steuererklärung angegeben haben. Wenn Sie den Fonds über viele Jahre hatten, kann dies beim Verkauf zu hohen Steuerabzügen führen. Und zwar auch auf die Gewinne, die Sie bereits versteuert haben! Um das zu vermeiden, müssen Sie als Anleger in der Steuererklärung des Verkaufsjahres diese überhöhten Abzüge zurückfordern und nachweisen, dass Sie in den Vorjahren die laufenden Erträge bereits berücksichtigt haben. In diesem Fall sollten Sie sicherheitshalber Ihre Jahressteuerbescheinigungen und Anlagen KAP über längere Zeit aufheben.

Achtung

Im Juli 2016 hat der Bundesrat eine Reform des Investmentsteuergesetzes verabschiedet, die 2018 in Kraft tritt. Demnach ändert sich die Systematik der Besteuerung von Investmentfonds grundlegend.

Woran erkenne ich einen ausländischen Fonds?

Es ist immer wieder zu lesen, dass Sie der internationalen Wertpapierkennnummer (ISIN) entnehmen können, ob es sich um einen inländischen oder einen ausländischen Fonds handelt. Das stimmt aber nicht! Es gibt auch ausländische Fonds, deren ISIN mit „DE“ für Deutschland beginnen.

Entscheidend ist, wo der Fonds aufgelegt wurde. Wenn Sie sich beispielsweise bei finanzen.net unter „Fonds“ die „Fundamentaldaten“ ansehen, finden Sie unter „Aufgelegt in“ das Land, aus dem der Fonds stammt. Andere Webseiten, wie etwa onvista.de, nennen das Herkunftsland auch „Domizil“. Eine komplette Übersicht der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungen (Bafin), welche ausländischen Fonds in Deutschland zugelassen sind, finden Sie hier.

Beispiel: Die ISIN des Fonds iShares S&P 500 (DE) UCITS ETF, der den amerikanischen S&P-500-Index nachbildet, lautet „DE0002643889“, beginnt also mit „DE“. Trotzdem ist der Fonds nicht in Deutschland aufgelegt, sondern in Irland.

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Hinweis zu ausschüttenden Fonds aus dem Ausland

Auch bei ausschüttenden Fonds kann es vorkommen, dass Sie sogenannte ausschüttungsgleiche Erträge erwirtschaften, die Sie zusätzlich in der Steuererklärung angeben müssen. Alle ausländischen Fonds, die in Deutschland zugelassen sind, veröffentlichen Ihre Erträge im Bundesanzeiger. Wenn Sie auf Nummer sicher gehen wollen, welche Erträge von einem Fonds erwirtschaftet wurden, können Sie dort nachsehen.

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Manuel Kayl
Experte für Geldanlage

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11. Juli 2016 zum Beitrag
Wer sich für ETF s interessiert: ARERO Der Weltfond, keine Kauf/Verkaufkosten, flexibel online,Sparplan möglich , sehr geringe Kosten,sehr umfangreiche Infos, wissenschaftl. begründete ...
10. Juli 2016 zum Beitrag
Also zu ETFs lese ich gerne von Holder Grethe. Er erklärt sehr gut und räumt vor allem mit den vielen Argumenten für Immobilien auf, die absurd sind. Dabei ist er immer sehr sachlich und ...
12. Juni 2016 zum Beitrag
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Artikel verfasst von

Dr. Manuel Kayl

Finanztip-Experte für Bankprodukte

Manuel Kayl ist bei Finanztip für Geldanlagethemen zuständig. Der promovierte Physiker arbeitete als Anlagestratege und Risikomanager bei der niederländischen Versicherung a.s.r., nachdem er am Genfer Forschungszentrum Cern sowie am Nikhef und der Universität Amsterdam forschte. Studiert hat er an der TU München und dem Max-Planck-Institut für Physik.

Ludwig Heinz

freier Finanztip-Mitarbeiter

Ludwig Heinz schreibt als freier Finanztip-Redakteur zu Themen rund um Verbraucherfinanzen. Zuletzt arbeitete er als Teamleiter Anlagestrategie für Gruner + Jahr Wirtschaftsmedien in Frankfurt, davor als Ressortleiter Wirtschaft und Politik bei der Anlegerzeitschrift Börse Online in München. Zudem war er in unterschiedlichen Positionen für mehrere Banken tätig, überwiegend im Research. Ludwig Heinz studierte nach einer Bankausbildung Betriebs- und Volkswirtschaftslehre in München.

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