Anlageberatung

Beratungsprotokoll ist Pflicht

Das Wichtigste In Kürze

  • Das Beratungsprotokoll wurde eingeführt, um die Position des Anlegers zu stärken.
  • Rechtlich vorgegeben sind nur einige Informationen, Mustervorlagen gibt es nicht.
  • Überprüfen Sie das Beratungsprotokoll auf Richtigkeit und unterschreiben Sie es niemals!
  • Ein gutes Beratungsprotokoll nimmt Ihnen nicht die Entscheidung ab, die richtige Anlage auszuwählen.
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Man trifft sich immer zweimal. Bei manchen Bankberatern und ihren Kunden findet das zweite Treffen vor Gericht statt. Dann geht es meist um Falschberatung. Doch egal, ob der Berater gut beraten oder seinen Kunden hochriskante Zertifikate angedreht hat: Die Beweislast liegt beim Kunden. Und eine Falschberatung zu beweisen, besonders Jahre nach dem Gespräch, ist eine äußerst schwierige Angelegenheit.

Der Gesetzgeber wollte die Position der privaten Anleger bei einem Rechtstreit stärken. Deshalb führte er 2010 das Beratungsprotokoll ein. Seitdem müssen Berater jedes Beratungsgespräch dokumentieren, bei dem sie Empfehlungen für Privatpersonen aussprechen (§ 34 Abs. 2a WpHG). Seit 2013 müssen auch Finanzanlagenvermittler ihre Beratungen dokumentieren (§ 18 FinVermV). Der Gedanke dahinter: Das Protokoll soll eine Entscheidungshilfe für die Anleger und ein Beweismittel bei einer möglichen Falschberatung sein sowie die Beratungsqualität verbessern.

Das muss im Beratungsprotokoll stehen

Die Informationen, die der Berater vermerken muss, sind in der Wertpapierdienstleistungs-Verhaltens- und Organisationsverordnung festgelegt (§ 14 Abs. 6 WpDVerOV). Es gibt jedoch keine Mustervorlage, an die sich die Berater und Banken halten müssen. Stattdessen entwickeln die Anbieter eigene Formulare, über die ihre Mitarbeiter die vorgegebenen Punkte abarbeiten:

  • Anlass der Beratung
  • Dauer der Beratung
  • Persönliche und finanzielle Situation
  • Anlageziel und Anlageerfahrung
  • Empfehlungen

Der Berater muss zum Beispiel festhalten, ob Sie auf ihn zugekommen sind oder ob er Sie um das Gespräch gebeten hat. Auch Ihre finanziellen Verhältnisse, zum Beispiel Einkünfte, vorhandenes Vermögen und finanzielle Verpflichtungen müssen protokolliert werden. Außerdem gehört in das Protokoll, für welchen Zweck Sie das Geld anlegen wollen, wie lang der Anlagezeitraum ausfallen kann und wie viel Risiko Sie bereit sind einzugehen. Welche Erfahrungen Sie bereits mit Wertpapieren gemacht haben, muss der Berater ebenfalls notieren. Am Schluss muss er die Produkte nennen, über die er mit Ihnen geredet und welche Empfehlungen er ausgesprochen hat. Darüber hinaus muss im Protokoll auch die Begründung für die Empfehlung stehen.

Protokolle sind häufig unvollständig oder fehlerhaft

Seit ihrer Einführung wurden die Beratungsprotokolle immer wieder in Studien untersucht. 

Die Verbraucherzentralen stellten in ihrer Analyse 2010 zum Beispiel fest, dass kein einziges Mal die Risikoneigung oder die Möglichkeiten der Kunden, das Risiko überhaupt zu tragen, individuell dargestellt wurde. Die Mehrzahl der Berater nutzte außerdem Textbausteine für die Produktempfehlung.

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) dagegen ermittelte 2013 bei Stichproben eine geringere Fehlerquote von knapp 6 Prozent.

Unterschiede in solchen Untersuchungen gehen den Verbraucherzentralen zufolge oft auf die Methodik zurück. Ein weiterer Grund liegt in der unterschiedlichen Auslegung der gesetzlichen Vorgaben für das Beratungsprotokoll. Laut der BaFin nutzen Wirtschafts- und Verbandsprüfer bei ihren Tests teilweise strengere Kriterien als gesetzlich festgelegt. Die Verbraucherzentralen dagegen sind der Ansicht, dass die BaFin das Gesetz durchaus stärker im Sinne der Verbraucher auslegen könnte, wenn sie denn wollte.

Strenge Vorgaben könnten die Protokolle zu nützlichen Werkzeugen für den Verbraucher vor Gericht machen. Beratungsgespräche sind anhand der allgemeinen Phrasen und Ankreuzkästchen, die in vielen Protokollen eingesetzt werden, nicht wirklich nachvollziehbar. Ohne Leerfelder für Notizen ist es außerdem nicht möglich, die individuelle Situation und mögliche Widersprüche in den Anliegen der Kunden vollständig darzustellen.

Neben den Inhalten spielen auch Übersichtlichkeit und Verständlichkeit der Protokolle eine wichtige Rolle. In der Studie der Verbraucherzentralen konnten die Protokolle dabei nicht punkten. Dadurch helfen die Protokolle den Anlegern nur wenig bei der Anlageentscheidung. Ein unverständliches Beratungsprotokoll trägt außerdem kaum dazu bei, den Gesprächsverlauf später nachzuweisen.

So nutzen Sie das Protokoll zu Ihrem Vorteil

Politiker, Vertreter von Banken und Verbraucherschützer regen immer wieder Änderungen am Beratungsprotoll an. Doch bis es so weit ist, müssen Sie mit dem Beratungsprotokoll in der jetzigen Form vorliebnehmen. Damit ein schlechtes Protokoll nicht zum Problem wird, sollten Sie einige Punkte beachten.

Die Angaben kontrollieren - Prüfen Sie nach der Übergabe, ob die Angaben im Protokoll vollständig und richtig sind. Achten Sie zum Beispiel darauf, dass Ihre Risikoneigung richtig dargestellt wird.

Auf Änderungen bestehen - Wenn Informationen fehlen oder Sie Fehler bemerken, beharren Sie auf Änderungen. Pochen Sie auch auf Anpassungen, wenn Sie die Produktempfehlung und deren Begründung nicht verstehen. Falls der Berater die Korrekturen verweigert oder Ihnen das Protokoll nicht aushändigt, schließen Sie das Geschäft besser nicht ab. Es spricht kaum für den Berater, wenn er sich über rechtliche Bestimmungen hinwegsetzt.

Tipp

Sie können sich in solchen Fällen auch bei der BaFin unter folgender Adresse beschweren: Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, Graurheindorfer Straße 108, 53117 Bonn.

Die BaFin nutzt die Beschwerden nach eigenen Angaben als Aufsichtsinstrument. Sie kann gegenüber Banken, die sich nicht an die Vorschriften halten, Bußgelder aussprechen. Der BaFin geht es vor allem um aufsichtsrechtliche Mängel. Die Einzelfälle kann sie nicht rechtsverbindlich entscheiden.

Verständnisprobleme zugeben - Bereiten Sie sich auf das Gespräch vor und haken Sie nach, wenn Sie etwas nicht verstehen. Sonst spiegelt das Protokoll vielleicht das Gespräch, aber nicht Ihre Situation wider. Falls Ihr Berater Ihnen auch auf Nachfrage das Produkt nicht richtig erklärt, sollten Sie sowieso die Finger davon lassen. Denn entweder versteht es der Berater selbst nicht oder aber er will Ihnen Informationen vorenthalten.

Zeit lassen - Lassen Sie sich nicht vom Berater drängen. Nehmen Sie sich die Zeit, die Sie für die Kontrolle brauchen. Sie können das Protokoll auch mitnehmen und es zuhause lesen, bevor Sie das Geschäft abschließen.

Nicht unterschreiben - Unterschreiben Sie das Protokoll nicht, auch wenn es korrekt erscheint. Ihre Unterschrift ist vom Gesetzgeber nicht vorgesehen. Sie müssen also nicht unterschreiben. Ihr Berater darf Sie jedoch darum bitten, das Geschäft aber nicht von Ihrer Unterschrift abhängig machen. Unter Umständen schwächen Sie Ihre Position in einem Gerichtsstreit, wenn Sie unterzeichnen. Schließlich bestätigen Sie damit die Richtigkeit des Protokolls. Damit wird das Protokoll eher zum Beweismittel für die Gegenseite.

Nicht auf das Beratungsprotokoll vertrauen - Wenn Sie sich auf das Gespräch vorbereiten, können Sie die Informationen, die in das Protokoll gehören, schon für Ihren eigenen Fall dokumentieren. Nach dem Gespräch tragen Sie die Gesprächsdauer und die Empfehlungen samt Begründung nach. Ein solches Gedächtnisprotokoll könnte Ihnen in einem Rechtstreit helfen. Denn dann haben Sie die Einzelheiten der Beratung schriftlich und müssen sich nicht nach Jahren auf Ihre Erinnerungen verlassen. Falls ein Zeuge bei der Beratung dabei ist und das Protokoll führt oder zumindest unterschreibt, haben Sie eine Aussage, die Ihre Sicht der Dinge bestätigt. Ihr Zeuge kann dann vor Gericht auf dieses Protokoll verweisen. Denn im Rechtstreit müssen Sie beweisen, dass es eine Falschberatung gab, es steht dann Ihre Aussage gegen die des Bankberaters.

Sie können Ihr Protokoll auch am Ende mit dem Berater durchgehen. Bereits zu diesem Zeitpunkt fallen unter Umständen Missverständnisse auf.

Tipp

Auch bei der Telefonberatung erhalten Sie ein Beratungsprotokoll. Es wird Ihnen in diesem Fall nach dem Geschäftsabschluss zugeschickt. Sie haben ein Recht auf Rücktritt, falls das Protokoll fehlerhaft ist. Die Frist dafür beträgt eine Woche nach Eingang des Protokolls. Das Beratungsprotokoll muss in diesem Fall auf das Rücktrittsrecht hinweisen.

Fazit

Das Beratungsprotokoll kann Sie nicht vor einer schlechten Beratung schützen. Doch wenn Sie das Protokoll richtig nutzen, kann es Ihnen zumindest helfen, eine schlechte oder gar eine Falschberatung zu erkennen.

Egal, ob das Protokoll nur aus Textbausteinen besteht, Platz für Kommentare lässt oder ob Sie seinen Nutzen anzweifeln: Neben dem Protokoll gibt es bei der Anlageberatung einen wichtigeren Punkt. Halten Sie sich an das Wort des amerikanischen Investors Warren Buffet und investieren Sie nie in Geschäfte, die Sie nicht verstehen.

Wir erklären Ihnen in unseren Ratgebern das Wichtigste zu verschiedenen Geldanlagenthemen. Welche Risiken gibt es, welche Produkte bringen Sie weiter. So gehen Sie besser vorbereitet in das Beratungsgespräch.

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Finanztip-Chefredakteur
Hermann-Josef Tenhagen

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