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Provisionsgier der Banken und Bankberater gepaart mit Finanzwette
Der Markt für Finanzderivate war bis zum Ausbruch der Finanzkrise gigantisch gewachsen und hat zum Ende des Jahres 2011 wieder ein recht hohes Niveau erreicht. Im Vordergrund des Interesses stehen: Zertifikate, Aktienanleihen, Optionen und Optionsscheine. Auch private Anleger hatte es massiv in diesen Markt gedrängt. Hauptgrund: Das Streben der Anleger nach einer Art "Überrendite" und der starke Druck in Banken und Sparkassen, damit die Bankberater den Verkauf von provisionsträchtigen Finanzprodukten fördern.
Dabei wurden und werden Teile des eigenen Depots nach Risiko-Rendite-Aspekten neu gewichtet und neu gestaltet. Die Finanzwelt hat hierzu eine Vielzahl unterschiedlicher Produkte emittiert. Die genaue Zahl der Produkte kennt niemand. Grundsätzlich lassen sich die neuen Finanzprodukte zielgruppenbezogen unterscheiden in Anlageprodukte für den nicht ganz so konservativ eingestellten Zertifikateanleger und in Hebelprodukte, die sich an den sehr spekulativ ausgerichteten Anleger wenden.
Emittent legt die Bedingungen des Zertifikats fest
Zertifikate beziehen sich grundsätzlich auf einen so genannten Basiswert. Dies kann zum Beispiel eine einzelne Aktie, ein Index (z.B. Aktienindex), ein Zinssatz, ein Rohstoff oder eine Währung sein. Der Basiswert, auch Underlying genannt, ist daher für die Wertentwicklung des Zertifikats (Gewinn oder Verlust) von hoher Bedeutung.
Die Laufzeit eines Zertifikats beträgt zumeist mehrere Jahre. Es gibt aber auch Zertifikate ohne feste Begrenzung der Laufzeit. Die Bedingungen können - abhängig vom Emittenten und dem einzelnen Zertifikat - sehr unterschiedlich sein. Beispiel: Kündigungsrechte des Emittenten oder Art der Rückzahlung. Die Wertentwiclung hängt insbesondere von der Entwicklung des jeweiligen Basiswerts ab. Aber auch andere Aspekte wie zum Beispiel die Volatilität, die Währung, Dividenden/Ausschüttungen oder Veränderungen in der Bonität des Emittenten beeinflussen den jeweils aktuellen Zertifikatewert.
Bei einem Zertifikat ohne festen Rückzahlungstermin enthalten die Zertifikatebedingungen in der Regel Aussagen über die Ausgestaltung von Kündigungsrechten. Bei diesen so genannten "Open-End-Zertifikaten" ist besonders darauf zu achten, ob und inwieweit der Handel über die Börse oder nur außerbörslich im Direkthandel erfolgt.
Insbesondere hochriskante Knock-out-Papiere können wertlos verfallen, wenn der Basiswert (z.B. eine bestimmte Aktie oder ein Aktienindex) eine vorher festgelegte Kursschwelle erreicht. Im Extremfall kann dies sogar passieren, wenn die Aktiengesellschaft eine Dividende zahlt und diese Aktie dann "exDividende" gehandelt wird. Ein solcher Kursabschlag kann im ungünstigen Fall dazu führen, dass der Grenzwert (Kursschwelle) gestriffen wird.
Arten von Finanzzertifikaten
Finanzzertifikate und andere Finanzinnovationen weisen in ihrer Ausgestaltung Eigenarten auf, die steuerlich - bis zur Einführung der Abgeltungssteuer - zu einer unterschiedlichen steuerlichen Behandlung und steuerlichen Unsicherheit führten. Für den Übergang galten bis Mitte 2009 steuerliche Sonderregelungen (Zertifikate in der Steuererklärung).
Die bekanntesten Finanzinnovationen innerhalb der Gruppe der Zertifikate sind:
Aktienanleihen tragen zwar nicht den Namen "Zertifikat", sondern den Worteil "Anleihen". Es sind aber Zertifikate. Sie wenden sich an Anleger, die grundsätzlich an einer höheren Verzinsung interessiert sind. Sie besitzen wie Anleihen (Bonds) einen Kupon, der Zinszahlungen garantiert. Am Ende der Laufzeit kann der Emittent den Nominalbetrag plus Zinsen oder eine zuvor festgelegte Zahl von Aktien plus Zinsen auszahlen. Fällt der zugrunde gelegte Aktienkurs unter einem festgelegten Wert, wird der Emittent statt Nominalbetrag die festgelegte Zahl der Aktien liefern. Anlagezertifikate und Aktienanleihen gehören zu der Klasse von Finanzderivaten, die für den eher konservativen Anleger in Betracht kommen. Denn ihre Wertentwicklung verläuft in der Regel parallel zu dem zugrunde liegenden Basiswert.
Die bekanntesten Formen der Anlagezertifikate wurden bis zum Ausbruch der Finanzkrise besonders stark nachgefragt. Sie werden insbesondere als Depotergänzung zum Investment in Einzelaktien eingesetzt. So dienen Index-Zertifikate der Risikostreuung, weil mit einem Zertifikat gleichzeitig in alle Aktien des Index investiert wird. Mit den börsennotierten Indexfonds steht ihnen aber eine sehr attraktive Alternative gegenüber. Discount-Zertifikate erlauben den Ankauf von Aktien zu einem günstigeren Preis als zum aktuellen Börsenpreis. Die Käufer partizipieren so an einem möglichen Kursanstieg bis zu einer vorher festgelegten Höchstgrenze.
Grundsätzlich gilt jedoch die Faustregel: Die Masse der Zertifikate ist nicht geeignet für konservative Anleger. Wer in Zertifikate investieren will, sollte über ein profundes "Zertifikate-Wissen" verfügen. Spätestens seit der Pleite von "Lehman Brothers" wissen die Zertifikate-Anleger, dass Zertifikate im Gegensatz zu Investmentfonds als Sondervermögen ein Emittentenrisiko beinhalten und daher die Sicherheit im Zweifel weit hinten ansteht.
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