Magere Aussichten

Warum Sie sich jetzt von Rentenfonds verabschieden sollten

Das Wichtigste in Kürze

  • Rentenfonds sind in den vergangenen Jahren sehr gut gelaufen. Häufig wurden Renditen von fünf Prozent pro Jahr und mehr erzielt.
  • Das liegt vor allem an den in dieser Zeit deutlich gesunkenen Zinsen für Staatsanleihen.
  • Inzwischen gelten klassische Rentenfonds auf europäische Staatsanleihen als ausgereizt. Bei weiter sinkenden Zinsen sind zwar kurzfristig noch Gewinne möglich, langfristig sind mit ihnen aber keine hohen Renditen zu erzielen.
  • Wir empfehlen Ihnen, über einen Verkauf Ihrer Rentenfonds nachzudenken und die Erlöse in Tagesgeld und Festgeld anzulegen.
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Rentenfonds gelten traditionell als sicherer Baustein eines ausgewogenen Portfolios zur Geldanlage. Nach Angaben des Bundesverbandes für Investment und Asset Management (BVI) befanden sich Ende 2015 mehr als 190 Milliarden Euro deutscher Anleger in diesen Fonds. Ein Großteil dieses Geldes steckt in Fonds mit sicheren Anleihen, beispielsweise deutschen Bundesanleihen.

In den vergangenen Jahren haben Rentenfonds gute Gewinne erzielt und waren ein besserer Griff als beispielsweise Festgeld. Breit angelegte Rentenfonds erzielten in diesen Jahren im Durchschnitt Renditen von 5 Prozent pro Jahr und mehr. Wir haben die Renditen von einer Anlage in Festgeld und dem deutschen Rentenfondsindex Rex-P verglichen. Dabei haben wir Anlagezeiträume von jeweils vier Jahren untersucht. Über den gesamten Zeitraum schnitt die Anlage in Rentenfonds besser ab.

Das hat vor allem zwei Gründe: Zum einen waren die Zinsen auf Staatsanleihen in der Vergangenheit höher als die Zinsen auf Festgeld. Zum anderen erzielen Rentenfonds zusätzliche Kursgewinne, wenn das allgemeine Zinsniveau sinkt wie in den vergangenen Jahren. Beide Effekte sind in dieser Grafik sichtbar, in der wir die Zinsen von Festgeld mit denen von deutschen Staatsanleihen vergleichen:

Durch die immer weiter gefallenen Zinsen und den deutlichen Abstand zu den heutigen Festgeldzinsen sind Rentenfonds nun aber größtenteils ausgereizt. Langfristig aber ist Festgeld oder die Kombination aus Tagesgeld und Festgeld die bessere Alternative – egal wie die Zinsen sich entwickeln.

Festgeld versus Rentenfonds mittelfristig

Wir haben Ende 2014 mögliche Entwicklungen von Renditen für Anlagen in Festgeld und in Rentenfonds für die Jahre 2015 bis 2017 untersucht – abhängig davon, wie sich die Zinsen für deutsche Staatsanleihen zukünftig entwickeln. Die grundlegenden Ergebnisse sind auch heute noch gültig.

Wir haben eine Festgeldanlage mit einer Anlage in den deutschen Rentenindex Rex-P verglichen. Für das dreijährige Festgeld der CA Consumer Finance aus unserem Ratgeber erhielten Kunden Ende 2014 Zinsen von 1,7 Prozent pro Jahr, damit haben wir gerechnet. Derzeit bietet die Bank das Festgeld für 1,55 Prozent an. Der Index Rex-P spiegelt die Entwicklung deutscher Staatsanleihen mit einer Restlaufzeit zwischen 1,5 und 10,5 Jahren wider. Die durchschnittliche Verzinsung dieser Anleihen liegt derzeit bei 0,1 Prozent pro Jahr, die Restlaufzeit beträgt im Mittel etwas über fünf Jahre.

Kennzahlen deutscher Anleiheindex Rex-P per 31. Dezember 2014

durchschnittliche Restlaufzeit 5,4 Jahre
Effektivverzinsung pro Jahr 0,1 %
Modifizierte Duration* 5,1

*Kursänderung des Fonds bei Zinsänderung von 1 Prozentpunkt
Quelle: Deutsche Börse, iShares (Stand: 29. Januar 2015)

Wir haben drei Szenarien für die Entwicklung des Rex-Index ausgewertet. Dafür ändern wir drei Jahre hintereinander das für den Index relevante Zinsniveau:

1. Die Zinsen steigen mit etwa 0,7 Prozentpunkten pro Jahr an.
2. Die Zinsen bleiben unverändert.
3. Die Zinsen sinken weiter um 0,45 Prozentpunkte pro Jahr.

Nachstehende Grafik zeigt die Entwicklung des Rex-P für Szenario 1 – steigende Zinsen:

Durch die steigenden Zinsen sinkt der Stand des Index. Denn bestehende Anleihen, die in dem Index enthalten sind, werden niedriger verzinst als das neue Zinsniveau. Sie sind deshalb weniger wert. Dieser Abwärtstrend wird durch das generell steigende Zinsniveau leicht gebremst, da neue Anleihen höhere laufende Zinszahlungen abwerfen. Per Saldo beträgt der Verlust im ersten Jahr 3,0 Prozent, im zweiten Jahr nur noch 2,3 Prozent. Die durchschnittliche Rendite beträgt für drei Jahre minus 2,3 Prozent pro Jahr.

In folgender Tabelle vergleichen wir die Rendite des Anleiheindex mit Festgeld für die drei Fälle:

Renditevergleich über drei Jahre zwischen Rex-P und Festgeld

  Szenario 1: steigende Zinsen Szenario 2: Zinsen unverändert Szenario 3: sinkende Zinsen
Rendite Rex-P pro Jahr -2,3 % 0,1 % 1,7 %
Rendite Festgeld pro Jahr 1,7 % 1,7 % 1,7 %
Renditevorteil Festgeld pro Jahr 4,0 % 1,6 % 0

Quelle: eigene Berechnung (Stand: 29. Januar 2015)

Sowohl in Szenario 1 als auch in Szenario 2 erhalten Sie mit Festgeld eine deutlich höhere Rendite. Lediglich im dritten Fall sind die beiden Renditen gleich. In diesem Szenario würden die Zinsen für deutsche Staatsanleihen mit einer Laufzeit zwischen fünf und sechs Jahren von jetzt 0,1 Prozent pro Jahr innerhalb von drei Jahren auf minus 1,25 Prozent pro Jahr fallen. Erst wenn die Zinsen noch stärker sinken als in Szenario 3, würden Sie mit einer Anlage in den Rex-P das Festgeld schlagen.

Zusätzlich zu den hier berechneten Renditen müssen Sie bei einer Anlage in Rentenfonds im günstigsten Fall noch mit Ankaufs- und Verwaltungsgebühren von etwa 0,2 Prozent pro Jahr rechnen. Diese fallen beim Kauf von Indexfonds an. Ein Festgeldkonto ist hingegen kostenlos.

Festgeld versus Rentenfonds langfristig

Traditionell stellen Rentenfonds den sicheren Baustein von Portfolios mit einer langen Anlagedauer von zehn Jahren und mehr dar. Der letzte Abschnitt zeigt, dass mit einem Investment in Rentenfonds theoretisch noch Gewinne erzielt werden können, wenn die Zinsen weiterhin deutlich nachgeben.

Über einen längeren Zeitraum – etwa zehn Jahre – zahlt sich die Anlage in den Rentenfonds aber auch in diesem Fall nicht aus. Denn egal, ob die Zinsen steigen oder fallen, eine Festgeldanlage wäre voraussichtlich profitabler.

Dazu haben wir zwei Szenarien für die nächsten zehn Jahre untersucht:

1. Die Zinsen steigen mit 0,3 Prozentpunkten pro Jahr an.
2. Die Zinsen sinken mit 0,15 Prozentpunkten pro Jahr.

In der Grafik stellen wir die Entwicklung des Rex-P in beiden Szenarien dar. Nach zehn Jahren steht der Index unabhängig vom Szenario etwa auf dem gleichen Stand:

In beiden Szenarien beträgt die durchschnittliche jährliche Rendite für die nächsten zehn Jahre etwa 0,1 Prozent pro Jahr. Eine Rendite, die Sie leicht mit anderen sicheren Anlagen wie Tagesgeld und Festgeld erzielen können. Wenn die Zinsen fallen, wirken sich die dadurch erzielten Kursgewinne erst positiv auf den Indexverlauf aus. Da die negative Verzinsung nach einigen Jahren die weiter anfallenden Kursgewinne überkompensiert, fällt der Index wieder.

Renditevergleich Rex-P bei steigenden und sinkenden Zinsen über 10 Jahre

  Szenario 1: steigende Zinsen Szenario 2: fallende Zinsen
Zinsänderung pro Jahr 0,3 % minus 0,15 %
Zinsniveau nach 10 Jahren 3,1 % minus 1,4 %
Rendite in Jahr 1 minus 1,2 % 1,0 %
jährliche Rendite über 10 Jahre 0,1 % 0,1 %

Quelle: eigene Berechnung (Stand: 29. Januar 2015)

Selbst in dem Szenario, dass die Zinsen noch stärker sinken als hier angenommen, würden Anleger langfristig nicht profitieren. Für den theoretischen Fall, dass die Zinsen beispielsweise mit 0,3 Prozent pro Jahr abnehmen, steht nach 10 Jahren ebenfalls eine Rendite von 0,1 Prozent pro Jahr zu Buche.

Unterschied zwischen deutschen und Euro-Rentenfonds

Unsere Modellrechnungen zeigen, dass mit Rentenfonds auf deutsche Staatsanleihen dauerhaft wohl nur noch minimale Renditen erzielt werden können. Egal, ob das Zinsniveau weiter sinkt oder wieder steigt.

Ähnliches gilt auch für Rentenfonds, die auf Euro-Staatsanleihen setzen. Diese Fonds halten viele Anleger in Deutschland. Zwar ist die derzeitige Verzinsung hier für durchschnittliche Restlaufzeiten von über acht Jahren mit knapp unter 1 Prozent pro Jahr etwas höher und fällt der Unterschied zu Festgeld weniger deutlich aus. Der höhere Zins stammt allerdings vor allem vom Anteil italienischer und spanischer Staatsanleihen, die im Vergleich zu deutschen Staatsanleihen riskanter sind. Das höhere Risiko spiegelt sich nicht nur in den höheren Zinsen, sondern auch in den Bewertungen der Ratingagenturen wider. So liegt das Rating italienischer Staatsanleihen mit der Note „BBB-“ nur noch eine Stufe über Ramschniveau.

Unter dem Strich eignen sich auch Rentenfonds auf Euro-Staatsanleihen zur Zeit nicht als Sicherheitskomponente im Portfolio. Denn sie weisen ein höheres Risiko auf als die von uns empfohlenen Festgeldangebote von sicheren Banken aus finanzkräftigen Ländern und bieten kaum bessere Renditechancen.

Finanztip-Empfehlung: Über Verkauf nachdenken

Wenn Sie Rentenfonds besitzen, empfehlen wir Ihnen, über einen Verkauf nachzudenken. In den vergangenen Jahren haben die Fonds hohe, teils zweistellige Renditen abgeworfen. Wie unsere Studie zeigt, ist aufgrund des nun herrschenden niedrigen Zinsniveaus dauerhaft nur noch eine minimale Rendite zu erwarten.

Wir raten Ihnen, die Erlöse aus dem möglichen Verkauf in anderen sicheren Anlagen wie Tagesgeld und Festgeld anzulegen. Der Nachteil von Festgeld ist, dass Sie für eine bestimmte Zeit nicht an Ihr Geld kommen. Die mangelnde Flexibilität von Festgeld lässt sich mit einfachen Strategien wie einer Zinstreppe umgehen: Teilen Sie die Summe, die Sie festverzinslich anlegen möchten, in Teilbeträge auf und legen Sie diese mit verschiedenen Laufzeiten an, beispielsweise für ein, zwei und drei Jahre. So bleiben Sie trotz der Festanlage relativ flexibel. Eine Alternative ist, Ihre Erlöse auf Tagesgeld- und Festgeldkonten zu splitten. Der Teil auf dem Tagesgeldkonto ist dann immer frei verfügbar.

Unsere Empfehlung bedeutet nicht, dass Rentenfonds an sich ein schlechtes Produkt sind. Sie sind aber in einem Umfeld sehr niedriger Zinsen im Vergleich zu Tagesgeld und Festgeld nicht attraktiv. Wir raten Ihnen, erst dann wieder eine Anlage in Rentenfonds in Betracht zu ziehen, wenn die Effektivverzinsung der zugrunde liegenden Anleihen wieder ähnlich hoch ist wie die Zinsen auf Tagesgeld und Festgeld – so wie es viele Jahre der Fall war (siehe erste Grafik in diesem Artikel).

Mehr dazu im Ratgeber Festgeld

Manuel Kayl
von Finanztip
Experte für Geldanlage

Achten Sie darauf beim Festgeld

  • Festgeld bietet mehr Zinsen als Tagesgeld.
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  • Teilen Sie Ihr Geld auf mehrere Banken auf.

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Die letzten Beiträge zu dieser Diskussion:
Aus der Substanz bezahlen hört sich für einen ETF zumindest interessant an …
Nun gut, die Entwicklung des ETFs lässt sich nur bedingt mitdem (Kurs-, Rendite-)Verlauf einer Staatsanleihe bis ...
29. März 2016 zum Beitrag
[quote='SchnelleZ','http://www.finanztip.de/community/thema/1214-rentenfonds-in-2015?postID=28743#post28743']Deka iBoxx EUR Liquid Sovereign Diversified 10+ UCITS ETF (DE000ETFL169)
[/quote]Danke ...
21. März 2016 zum Beitrag
Mit dem Diskussionsbeitrag vom 18.03.2016 sollte ein geben werden, dass es bei der Anlage in Rentenindizes (EURO-Staatsanleihen mit mindestens Investment Grade) durchaus Fälle gibt, bei denen ...
20. März 2016 zum Beitrag
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Artikel verfasst von

Dr. Manuel Kayl

Finanztip-Experte für Bankprodukte

Manuel Kayl ist bei Finanztip für Geldanlagethemen zuständig. Der promovierte Physiker arbeitete als Anlagestratege und Risikomanager bei der niederländischen Versicherung a.s.r., nachdem er am Genfer Forschungszentrum Cern sowie am Nikhef und der Universität Amsterdam forschte. Studiert hat er an der TU München und dem Max-Planck-Institut für Physik.

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