Wann die GKV zahlt

Krankengeld für Selbstständige

Das Wichtigste in Kürze

  • Selbstständige haben keinen gesetzlichen Anspruch auf Krankengeld.
  • Um einen ähnlichen Schutz wie Arbeitnehmer zu erhalten, müssen sie sich extra absichern.
  • Sind Sie Unternehmer und freiwillig gesetzlich versichert, können Sie ab dem 43. Tag der Krankschreibung Krankengeld erhalten, wenn Sie bei Ihrer gesetzlichen Krankenkasse (GKV) eine sogenannte Wahlerklärung abgegeben haben und den derzeit regulären Beitragssatz von 14,6 Prozent plus Zusatzbeitrag zahlen (Basisschutz).
  • Alternativ können Sie einen Wahltarif bei einer gesetzlichen Kasse abschließen und dadurch die Höhe oder Dauer des regulären Krankengelds über den Basisschutz hinaus ergänzen oder ersetzen.
  • Sie können auch über eine private Krankentagegeld-Versicherung individuell vereinbaren, ab wann und in welcher Höhe Sie Leistungen bei Arbeitsunfähigkeit erhalten.
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Wer als Selbstständiger länger krank ist, steht unter Umständen schnell vor einem existenzbedrohenden Problem. Denn anders als bei Angestellten gibt es keinen Arbeitgeber, der erst einmal sechs Wochen lang das Gehalt weiterzahlt. Und Selbstständige haben auch per se keinen Anspruch auf Krankengeld von ihrer Krankenkasse.

Als Unternehmer müssen Sie sich extra gegen finanzielle Risiken absichern, die durch Krankheit entstehen können. Wie das genau funktioniert, hängt davon ab, ob Sie freiwillig in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) oder Mitglied in der privaten Krankenversicherung (PKV) sind.

Krankengeld für Selbstständige in der GKV

Alle gesetzlich krankenversicherten Selbstständigen können sich bei ihrer Kasse den Anspruch auf Krankengeld sichern. Dann zahlen sie allerdings nicht den ermäßigten Beitrag von 14 Prozent plus Zusatzbeitrag, sondern können zwischen zwei Formen der aufgestockten Absicherung wählen:

Regulärer Beitrag - Sie bezahlen für Ihre Krankenversicherung den normalen Beitragssatz von derzeit 14,6 Prozent des Bruttoeinkommens plus Zusatzbeitrag. Dann erhalten Sie Krankengeld wie ein Arbeitnehmer ab dem 43. Tag der Arbeitsunfähigkeit. Dazu müssen Sie gegenüber Ihrer Kasse eine formlose, schriftliche Wahlerklärung abgeben. An diese Entscheidung sind Sie drei Jahre gebunden – auch dann, wenn Sie die Krankenkasse zwischendurch wechseln. So könnte eine Wahlerklärung aussehen:

Wahlerklärung für hauptberuflich Selbstständige

Ich bin hauptberuflich Selbstständige/-r und möchte meine freiwillige Mitgliedschaft mit einem Anspruch auf gesetzliches Krankengeld ab dem 43. Tag einer Arbeitsunfähigkeit mit dem allgemeinen Beitragssatz erweitern. Über die Bedingungen der Leistungserweiterung bin ich informiert. Mir ist bekannt, dass ich drei Jahre ab Teilnahmebeginn an meine Wahl gebunden bin.

Datum, Unterschrift

Wahltarif - Sie können bei Ihrer Kasse einen Wahltarif mit Krankengeldanspruch abschließen und damit Ihren Basisschutz (regulärer Beitrag) ergänzen oder ersetzen. Ab wann und in welcher Höhe Sie Geld bekommen, hängt davon ab, was Sie konkret mit Ihrer Kasse vereinbart haben. So gibt es zum Beispiel Wahltarife, die Ihnen schon ab dem 15. oder dem 22. Tag der Erkrankung eine Ersatzleistung zahlen und somit den Beginn des gesetzlichen Krankengelds überbrücken.

Bei manchen Kassen können Sie aber auch einen Tarif abschließen, der das klassische Krankengeld komplett ersetzt. Dann zahlen Sie nur den ermäßigten Beitragssatz von derzeit 14 Prozent und Zusatzbeitrag plus den Extra-Beitrag für den Wahltarif.

An jeden Wahltarif sind Sie für drei Jahre gebunden. Anders als bei der Entscheidung fürs gesetzliche Krankengeld können Sie während dieser Frist nicht in eine andere gesetzliche oder in eine private Krankenkasse wechseln. Deshalb sollten Sie sich den Abschluss eines Wahltarifs genau überlegen und sich Angebote von Ihrer Kasse unterbreiten lassen.

Übrigens: Für die Wahltarife zum Krankengeld dürfen die gesetzlichen Krankenkassen keine altersabhängigen Beitragszuschläge verlangen. Sie dürfen auch niemanden wegen Vorerkrankungen ablehnen.

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Private Krankentagegeld-Versicherung

Die Alternative zur gesetzlichen Versicherung mit Krankengeldanspruch oder mit Wahltarif ist eine private Krankentagegeld-Versicherung. Welcher Anbieter für Sie der richtige ist, hängt von Ihren individuellen Bedürfnissen ab. Selbstständige können jedoch nicht sicher sein, dass sie in die private Krankenzusatzversicherung aufgenommen werden. Das hängt vom individuellen Gesundheitsrisiko ab, das sich aus Alter, Geschlecht und Vorerkrankungen ergibt.

Informieren Sie sich genau und vergleichen Sie verschiedene Angebote. Wenn Sie Unterstützung benötigen, können Sie sich zum Beispiel an einen Honorarberater wenden.

So beantragen Sie Krankengeld

Sofern Sie die Wahlerklärung abgegeben haben und deshalb den regulären Beitragssatz zahlen, haben Sie Anspruch auf Krankengeld ab dem 43. Tag der Krankschreibung, wenn:

  • Sie arbeitsunfähig erkrankt und von einem Arzt bereits länger als sechs Wochen krankgeschrieben sind oder
  • Sie stationär in einer Klinik oder einer Reha-Einrichtung behandelt werden und bereits länger als sechs Wochen krankgeschrieben sind.

Für Krankschreibungen gibt es seit 2016 nur noch ein Formular. Der bisherige Auszahlschein zum Bezug von Krankengeld ist nicht mehr nötig. Er wurde in die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung integriert. Auf dem neuen Muster bescheinigt der Arzt auch eine Arbeitsunfähigkeit während der Krankengeldzahlung durch die Krankenkasse. Der Patient erhält einen Durchschlag der Krankschreibung für seine Unterlagen. Dieser enthält den Hinweis, dass für den Bezug von Krankengeld ein lückenloser Nachweis der Arbeitsunfähigkeit erforderlich ist. Zudem gibt es eine Ausfertigung, die er an die Krankenkasse weiterleiten muss.

Wenn Ihre Krankheit länger andauert, achten Sie unbedingt darauf, dass Sie Ihr Arzt ohne Unterbrechung weiter krankschreibt. Versenden Sie die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung als Einschreiben mit Rückschein. Das ist zwar etwas teurer als ein normaler Brief, Sie haben aber einen Beleg dafür, dass Ihre Kasse das Dokument auch erhalten hat. Die Auszahlung des Krankengelds erfolgt, sobald die Kasse die Bescheinigung geprüft hat.

So viel Krankengeld bekommen Selbstständige

Das Krankengeld beträgt bei Selbstständigen 70 Prozent des regelmäßigen Arbeitseinkommens. Für die Berechnung greift die Kasse auf den Betrag zurück, aus dem sie vor Beginn der Arbeitsunfähigkeit die Krankenkassenbeiträge ermittelt hat. Nicht berücksichtigt werden Nebeneinnahmen wie Mieteinkünfte, Kapitalerträge oder Einkünfte aus beitragsfreien geringfügigen Beschäftigungen.

Das Krankengeld wird höchstens bis zur Beitragsbemessungsgrenze in der gesetzlichen Krankenversicherung berücksichtigt. Es beträgt für das Jahr 2016 höchstens 98,88 Euro täglich, also 2.604,68 Euro netto im Monat. Hauptberuflich Selbstständige, die nichts verdienen oder Verlust machen, haben keinen Anspruch auf Krankengeld.

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Erhalten Selbstständige auch Kinderkrankengeld?

Eine weitere Frage, die immer wieder aufkommt, ist: Haben Selbstständige Anspruch auf Kinderkrankengeld? Das heißt: Bekommen sie von ihrer gesetzlichen Krankenkasse finanzielle Unterstützung, wenn sie ihr krankes Kind pflegen und deshalb nicht arbeiten können? Ja, aber erst nach dem 43. Krankheitstag des Nachwuchses – so urteilte das Bundessozialgericht (Urteil vom 31. Januar 1995, Az. 1 RK 1/94 . Dennoch ist es so, dass viele Krankenkassen diese Leistung für Selbstständige bereits ab dem ersten Krankheitstag des Kindes übernehmen. Das und die genaue Art der Anspruchsberechnung werden von den Kassen unterschiedlich gehandhabt und sind der jeweiligen Satzung zu entnehmen.

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Julia Rieder
von Finanztip,
Expertin für Versicherungen

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Finanztip-Chefredakteur
Hermann-Josef Tenhagen

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Artikel verfasst von

Dr. Britta Beate Schön

Finanztip-Expertin für Recht

Britta Beate Schön ist bei Finanztip für sämtliche Rechtsthemen zuständig. Die promovierte Juristin und Rechtsanwältin war als Leiterin der Rechtsabteilung bei Finanzdienstleistern wie der Telis Finanz AG und der Interhyp tätig. Vorher lehrte und forschte sie in Japan als DAAD-Junior-Professorin für deutsches und Europarecht. Ihr Studium absolvierte sie in Münster, Genf, Regensburg und Leipzig. Die Autorin erreichen Sie unter britta.schoen@finanztip.de.