Zinsen auf Steuererstattung

Wer keine Abgabefrist hat, bekommt hohe Zinsen vom Staat

Das Wichtigste in Kürze

  • Viele Arbeitnehmer können freiwillig eine Steuererklärung abgeben. Wer sich damit etwas Zeit lässt, erhält hohe Zinsen auf seine Steuererstattung.
  • Denn 15 Monate nach Ablauf des Kalenderjahrs, in dem die Steuer entstanden ist, beginnt das Finanzamt Zinsen auf die Rückzahlungssumme zu zahlen – und zwar 0,5 Prozent für jeden vollen Monat, also 6 Prozent im Jahr.
  • Wer nicht zur Steuererklärung verpflichtet ist, kann sich bis zu vier Jahre Zeit lassen – und die Zinsen ansparen.
  • Die Zinsen auf die Steuererstattungen sind als Kapitaleinkünfte zu versteuern. Müssen Sie dagegen Nachzahlungszinsen an das Finanzamt zahlen, können Sie sie nicht als Kosten verrechnen.
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Steuerfälle ziehen sich manchmal über Jahre hin – insbesondere, wenn es zwischen dem Steuerpflichtigen und dem Finanzamt zu Meinungsverschiedenheiten kommt. Oft muss dann ein Finanzgericht entscheiden. Steht dann nach dieser langen Wartezeit endlich fest, dass das Finanzamt einen Teil der vor Jahren gezahlten Steuern zurückerstatten muss, bekommt der Steuerzahler zusätzlich Zinsen ausbezahlt: stattliche 0,5 Prozent für jeden vollen Monat, also 6 Prozent für ein komplettes Jahr (Paragraf 238 Abgabenordnung (AO)). Der sogenannte Zinslauf beginnt immer nach einer Karenzzeit von 15 Monaten nach Ablauf des Kalenderjahrs, in dem die Steuer entstanden ist (§ 233a AO). 

Von später Antragsveranlagung profitieren

Diese Regel können sich Arbeitnehmer zunutze machen, die freiwillig eine Einkommensteuererklärung abgeben. Hierbei handelt es sich dann im Finanzamts-Deutsch um eine Antragsveranlagung. Das betrifft mehr als acht Millionen Steuererklärungen im Jahr. Nach Auskunft von Uwe Rauhöft, Geschäftsführer des Neuen Verbands der Lohnsteuerhilfevereine (NVL), liegt bei Arbeitnehmern ohne weitere Einkünfte in rund 55 Prozent der abgegebenen Steuererklärungen eine freiwillige Veranlagung auf Antrag vor und nur in 45 Prozent der Fälle eine Pflichtveranlagung.

Denn nur in bestimmten Fällen sind Arbeitnehmer tatsächlich verpflichtet, eine Einkommensteuererklärung zum 31. Mai des Folgejahres abzugeben (ab 2019 zum 31. Juli): Das gilt beispielsweise, wenn sie bereits während des Jahres einen geringeren Lohnsteuerabzug hatten, weil sie einen Freibetrag auf ihrer elektronischen Lohnsteuerkarte haben. Auch Ehepaare, die die Steuerklassenkombination III/V oder IV mit Faktor gewählt haben, sind zur Abgabe verpflichtet.

Viele andere Lohnsteuerzahler sind dagegen nicht dazu gezwungen. Sie haben bis zu vier Jahre nach Ablauf des Steuerjahres Zeit, ihre Steuererklärung abzugeben. Sie können die Unterlagen für das Jahr 2015 also noch bis zum 31. Dezember 2019 einreichen. Ab April 2017 beginnt dann die Zeit, in der eine Steuererstattung für 2015 zusätzlich auch Zinsen vom Finanzamt bringt.

Beispiel: Der Steuerpflichtige gibt seine freiwillige Steuererklärung 2015 am 31. Dezember 2019 ab. Er erhält Anfang Juni 2020 neben der Steuererstattung von 2.500 Euro auch noch Zinsen vom Finanzamt. Für die ersten 15 Monate gibt es keine. Für den Zeitraum April 2017 bis Mai 2020 (38 Monate) sind dies: 2.500 Euro × 38 × 0,5 Prozent = 475 Euro.

Diese muss er jedoch in seiner Steuererklärung 2020 als Kapitaleinkünfte versteuern – und zwar mit pauschal 25 Prozent. Auf diese Pauschale kommen noch 5,5 Prozent Solidaritätszuschlag (insgesamt 26,4 Prozent = 125,40 Euro). Kirchensteuerpflichtige müssen darauf zusätzlich auch Kirchensteuer zahlen. In einer Nettobetrachtung verbleiben demnach 349,60 Euro an Zinsen nach Steuern.

Tipp

Vierjahresfrist ausnutzen

Für die Antragsveranlagung haben Sie vier Jahre Zeit. Falls sicher ist, dass Ihnen eine Steuererstattung zusteht und Sie nicht dringend auf das Geld angewiesen sind, macht es sich bezahlt, die Verzinsung vom Finanzamt mitzunehmen. Achtung: Heben Sie die für diese Steuererklärung benötigten Belege entsprechend lange auf.

Ausgezahlte Zinsen sind steuerpflichtig

Aufgrund dieser Zinszahlung muss der Steuerpflichtige für das Jahr der Auszahlung eine Anlage KAP zur Einkommensteuererklärung ausfüllen. Denn von den Zinsen hat der Staat keine Abgeltungssteuer einbehalten, das Finanzamt zahlt sie zunächst unversteuert aus. Dass die Zinsen als Kapitalerträge gelten, hat der Fiskus in Paragraf 20 Absatz 1 Nummer 7 Einkommensteuergesetz festgelegt, bestätigt vom Bundesfinanzhof (Urteil vom 12. November 2013, Az. VIII 36/10).

Für den umgekehrten Fall gilt das allerdings nicht: Muss der Steuerpflichtige Verspätungszinsen ans Finanzamt zahlen, bleibt er darauf sitzen. Er kann sie in seiner Steuererklärung nirgendwo geltend machen. Dass Nachzahlungszinsen im Gegensatz zu Erstattungszinsen steuerneutral sein sollen, ist zwar umstritten, entspricht aber der aktuellen Rechtslage.

Tipp

Auf Aussetzung der Vollziehung verzichten

Liegen Sie mit dem Finanzamt im Clinch, können Sie Aussetzung der Vollziehung beantragen. Bewilligt die Behörde diesen Antrag, dann brauchen Sie den umstrittenen Betrag zunächst nicht zahlen. Das Problem: Entscheidet das Finanzgericht doch gegen Sie, dann verlangt das Finanzamt die Steuerschuld plus hohe Nachzahlungszinsen. Sofern Sie es sich finanziell also leisten können, sollten Sie daher darauf verzichten, die Vollziehung auszusetzen. Damit vermeiden Sie eine mögliche Zinslast.

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Finanztip-Chefredakteur
Hermann-Josef Tenhagen

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Artikel verfasst von

Udo Reuß

Finanztip-Experte für Steuern

Der Steuerrechtler und Diplom-Kaufmann Udo Reuß ist bei Finanztip für Steuerthemen verantwortlich. Zuvor war er bei verschiedenen Wirtschafts- und Fachverlagen wie Handelsblatt, F.A.Z.-Verlagsgruppe, Haufe-Lexware und Vogel Business Media tätig – 14 Jahre davon arbeitete er als Chefredakteur von Fachzeitschriften. Aus dem komplexen Steuerrecht zieht er die relevanten Urteile für Steuersparer. Den Autor erreichen Sie unter [email protected].