Steuerberater finden

So viel kostet ein guter Steuerberater

Das Wichtigste in Kürze

  • Finden Sie den für Sie richtigen Steuerberater, indem Sie nach Empfehlungen bei Freunden und Bekannten fragen, und prüfen Sie die Homepages von Kanzleien.
  • Suchen Sie einen Berater in Ihrer Nähe auf den Webseiten der Steuerberaterkammern, des Deutschen Steuerberaterverbands oder über andere Suchdienste. Achten Sie darauf, dass er oder sie die passende Spezialisierung mitbringt.
  • Sie können mit Ihrem Steuerberater durchaus über das Honorar verhandeln. Die Steuerberatergebührenverordnung regelt zwar, was der Berater verlangen darf. Der Steuerberater kann jedoch mit Ihnen höhere oder – zumindest bei außergerichtlichen Angelegenheiten – auch niedrigere Gebühren als die gesetzlich vorgeschriebenen vereinbaren. Das hängt auch vom Aufwand ab.
  • Ihr Berater hat im Rahmen der Verordnung aber einen großen Ermessensspielraum. Nutzen Sie einen Online-Kostenrechner, um einzuschätzen, ob das Honorar angemessen ist.
  • Steuerberatungskosten für die Ermittlung der beruflichen Einkünfte, wie beispielsweise die Anlage N der Arbeitnehmer, können Sie von der Steuer absetzen.
  • Tipp: Sollen wir Sie zu wichtigen Steuerfragen sowie zu weiteren Themen auf dem Laufenden halten? Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter!

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Was sind außergewöhnliche Belastungen? Lohnt es sich, alle Belege über Medikamente aufzubewahren und einzureichen? Welche Versicherungsbeiträge können Sie geltend machen? Was gehört zu den Sonderausgaben?

Das deutsche Steuerrecht ist kompliziert. Für viele Arbeitnehmer ist die jährliche Steuererklärung deshalb eine lästige Pflicht. Wir zeigen Ihnen, wie Sie den richtigen Steuerberater finden und einschätzen können, was er kostet.

Wer keinen Steuerberater benötigt

Die Steuersituation der meisten Arbeitnehmer ist gar nicht so kompliziert, weshalb sie oft ihre Steuererklärung selbst erledigen könnten. Hierbei hilft beispielsweise das kostenlose E-Book von Finanztip.

Tipp

Erklärung selbst machen

Ein Arbeitnehmer, der seine Werbungskosten, Sonderausgaben und außergewöhnlichen Belastungen von der Steuer absetzen will und bei dem ansonsten keine großen Besonderheiten vorkommen, kann seine Steuererklärung auch allein über Elster oder eine Steuersoftware erledigen.

Alternative: Lohnsteuerhilfeverein - Die meisten Angestellten, Rentner und Pensionäre, die keine Lust haben, die Steuererklärung selbst zu erstellen oder Hilfe in Steuersachen benötigen, können Mitglied in einem Lohnsteuerhilfeverein werden. Dieser erstellt für Arbeitnehmer, Beamte, Auszubildende, Studenten, Pensionäre, Rentner und Unterhaltsempfänger die Einkommensteuererklärung (§ 4 Nr. 11 Steuerberatungsgesetz). Meist zahlen die Steuerpflichtigen eine geringe Vereinsaufnahmegebühr sowie einen Jahresbeitrag, der sich nach ihrem Bruttoeinkommen richtet. Der durchschnittliche Mitgliedsbeitrag beträgt laut Bundesverband der Lohnsteuerhilfevereine etwa 150 Euro.

Der Verein kann für Sie den gesamten Schriftverkehr mit dem Finanzamt abwickeln. Auch Einspruchs- und Klageverfahren kann er für Sie übernehmen. Selbstständige und Gewerbetreibende oder Arbeitnehmer mit Einnahmen aus einer selbstständigen Tätigkeit dürfen die Vereine nicht beraten. Das ist die klassische Klientel von Steuerberatern. Haben Sie als einzeln veranlagter Arbeitnehmer insgesamt weitere Einkünfte von mehr als 13.000 Euro im Jahr, zum Beispiel aus Mieteinnahmen oder Kapitalerträgen, darf der Lohnsteuerhilfeverein auch nicht beraten. Dann sollten Sie sich einen Steuerberater suchen. 

Wann Expertenwissen nötig ist

Es gibt eine Reihe von Sonderfällen, in denen das spezielle Wissen eines Steuerberaters gefragt ist. Das gilt beispielsweise für

  • Grenzgänger, die zum Beispiel in Deutschland wohnen, aber in der Schweiz oder in Österreich arbeiten,
  • Arbeitnehmer, die zumindest teilweise im Ausland beschäftigt sind,
  • Eigenheimbesitzer, die mit ihrer Solaranlage auf dem Hausdach Strom produzieren und diesen ins Netz einspeisen – mit der Konsequenz, dass sie möglicherweise neben der Einkommensteuererklärung auch eine Gewerbe- und Umsatzsteuererklärung abgeben müssen,
  • Kapitalanleger, die im Ausland Geld angelegt haben und die Quellensteuer zurückholen möchten,
  • diejenigen, die Geld etwa in geschlossene Fonds, Denkmalschutzobjekte oder anderen Steuersparmodelle investiert haben,
  • Eltern, die zu Lebzeiten einen Teil ihres Vermögens verschenken möchten und
  • für alle Erbfälle.

Piloten oder andere Berufsgruppen mit Besonderheiten bei der Einnahmen- und Ausgabenseite benötigen ebenso speziellen Rat. Ob der ausgewählte Steuerberater die dafür nötige Spezialisierung mitbringt, sollte in einem Erstgespräch geklärt werden.

Selbstständige und Gewerbetreibende - Freiberufler, Gewerbetreibende und Unternehmer jeglicher Couleur kommen meist an einem Steuerberater nicht vorbei. Zu den wichtigsten Dienstleistungen zählen die Finanzbuchhaltung, die Erstellung des Jahresabschlusses oder der Einnahmenüberschussrechnung, die Lohnabrechnung, die Zahlung der Sozialversicherungsbeiträge, die Erstellung der Umsatzsteuer-Voranmeldungen, der Umsatzsteuer-Jahreserklärung, Gewerbe-, Einkommen- und Körperschaftsteuererklärung. Oft kommen noch die Liquiditätsplanung, betriebswirtschaftliche Auswertungen und vieles mehr hinzu. Insbesondere für Freiberufler und andere Unternehmenskunden ist von Vorteil, wenn sie auch in Rechtsfragen auf kurzem Wege kompetenten Rat erhalten können.

Rechtsberatung - Ein selbstständiger Elektriker zum Beispiel, der einen Mitarbeiter einstellt, muss sich auch mit einem Anstellungsvertrag und eventuell Fragen zur Kündigung auseinandersetzen. Steuerberater dürfen aber nur eingeschränkt rechtlich beraten, so zum Beispiel in Sozialversicherungsfragen. Um etwa den Status eines Geschäftsführers, ob angestellt oder selbstständig, gerichtlich zu klären, haben Steuerberater keine Vertretungsbefugnis. Das dürfen nur Rechtsanwälte als Volljuristen. In vielen Steuer-Kanzleien gibt es daher mindestens einen Rechtsanwalt; andere kooperieren mit Anwälten.

Wirtschaftsprüfung und Unternehmensberatung - Bei größeren Unternehmen sind oft Leistungen von Wirtschaftsprüfern gefragt, beispielsweise für Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen sowie benötigte Testate – insbesondere für den Jahresabschluss. Hinzu kommt das breite Spektrum der betriebswirtschaftlichen Beratung. Berater, die sowohl Steuerberater, Rechtsanwalt als auch Wirtschaftsprüfer sind, dürfen alle Leistungen anbieten. Personen, die alle drei Qualifikationen in sich vereinen, sind allerdings rar: Es gibt nicht einmal 500 in Deutschland. Steuerberater und Anwalt zugleich sind laut Bundessteuerberaterkammer immerhin mehr als 3.600 Berufsträger (Stand 1. Januar 2016).

Suche nach dem richtigen Steuerberater

Über 95.000 Steuerberater und Steuerberatungsgesellschaften sind in Deutschland aktiv. Rund 70 Prozent der Steuerberater sind selbstständig, also rund 60.000. Davon sind gut 35 Prozent weiblich – Tendenz steigend. Es ist nicht leicht, den oder die Richtige zu finden. Das geht schon damit los, dass Laien nur schwer einschätzen können, wie gut ihr Steuerberater arbeitet.

In der Praxis am meisten bewährt hat sich, dass Sie sich im Bekanntenkreis umhören und nach guten Empfehlungen fragen. Besuchen Sie die Websites der empfohlenen Steuerberater und achten Sie darauf, ob die Informationen dort kompetent erklärt und verständlich formuliert sind. Einige Steuerkanzleien setzen Erklärvideos ein, stellen im offenen Bereich fundierte Mandanteninformationen mit Steuertipps zur Verfügung, andere wiederum nur im geschlossenen Bereich für ihre Klienten. Nur sehr wenige Steuerberater geben bereits auf ihrer Homepage nachvollziehbare, transparente Informationen und idealerweise auch Beispiele zur Abrechnung ihrer Gebühren.

Nicht nur die Fachkenntnis zählt - Auch wenn Sie sich online bereits einen Überblick über die Qualifikationen verschaffen konnten, sollten Sie keinesfalls auf ein persönliches Erstgespräch verzichten. Schließlich kommt es bei der Zusammenarbeit mit einem Berater auch immer auf das Vertrauensverhältnis und die persönliche Sympathie an.

Nutzen Sie das Gespräch mit dem Steuerberater, um Ihre private und berufliche Situation zu schildern. Oft gibt es Sachverhalte, die steuerrelevant sind oder werden können, die Sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht absehen können. Fragen Sie auch nach den Kosten – aber nicht ausschließlich danach. Ein guter Berater kann Ihnen viel Geld sparen.

Steuerberater verdienen ihr Geld in erster Linie mit Unternehmenskunden. Einfachere Sachverhalte – dazu gehört die Erstellung einer privaten Steuererklärung – bearbeiten deshalb in der Regel qualifizierte Sachbearbeiter, die für Sie in der Kanzlei die wichtigsten Ansprechpartner sind.

Wichtig ist, dass Sie Ihren Steuerberater oder Ansprechpartner in der Kanzlei gut erreichen können und dass die Kanzlei so gut organisiert ist, dass Sie bei dringenden Angelegenheiten schnell und kompetent Auskunft und die benötigten Unterlagen erhalten. Hier unterscheiden sich die Kanzleien in der Qualität durchaus.

Spezialisierung - Für Unternehmenskunden ist bedeutend, dass sich der Steuerberater in ihrer Branche auskennt. Immer mehr Kanzleien spezialisieren sich auf Ärzte, Apotheker und andere medizinischen Berufe. Andere kennen sich gut im Handwerk aus, wieder andere arbeiten gerne mit kreativen Freiberuflern wie Grafikern, Designern und Journalisten zusammen. Außerdem gibt es Spezialisten für bestimmte Rechtsformen wie Genossenschaften, GmbHs oder Personengesellschaften sowie Experten für Steuerarten wie die Erbschaft- und Schenkungsteuer. Landwirtschaftliche Buchstellen sind beispielsweise Experten im Agrarbereich.

Seit einigen Jahren gibt es zudem Steuerberater, die eine Zusatzqualifikation als „Fachberater“ aufweisen. Sie haben durch eine Weiterbildung tiefergehende Fachkenntnisse in Themenbereichen wie Unternehmensnachfolge, Gesundheitswesen, Vermögens- und Finanzplanung oder Testamentsvollstreckung und Nachlassverwaltung erworben. Die Steuerberaterkammern verleihen den „Fachberater für Internationales Steuerrecht“ (davon gibt es gut 1.000) und den „Fachberater für Zölle und Verbrauchssteuern“. Über 1.800 Steuerberater, die Mitglieder im Steuerberaterverband sind, weisen Zusatzqualifikationen als Fachberater (DStV e. V.) aus. 

Steuerberater-Suchdienste - Über die Website der Bundessteuerberaterkammer oder den vergleichbaren Service des Deutschen Steuerberaterverbands können Sie nach Postleitzahl und Themen gefiltert Steuerberaterbüros finden. Als weitere Kriterien können Sie die Branche auswählen oder die Suche auf eine reine Einkommensteuerberatung einschränken.

Verordnung regelt die Steuerberatergebühren

Das Weiterbildungsinstitut Straßenberger erstellte 2013 eine Studie zur Zufriedenheit von Mandanten mit ihren Steuerberatern. 61 Prozent der Befragten fanden die Kosten der Steuerberater hoch oder sehr hoch.

Steuerberatungsgebühren sind in der Vergütungsverordnung für Steuerberater (StBVV = Steuerberatergebührenvergütungsverordnung) geregelt. In diesem Rahmen hat der Berater aber einen großen Ermessensspielraum. Er kann seine Gebühren innerhalb der vorgegebenen Bandbreiten festlegen. Entscheidend ist dabei, welchen Faktor der Berater ansetzt. Dieser kann höher sein, wenn der Aufwand größer ist. Zum Beispiel, weil die Unterlagen nicht geordnet sind oder der Mandant ungewöhnlich viele Dokumente einreicht.

Bei den Gebühren für die Einkommensteuererklärung hat der Berater einen geringeren Spielraum als bei einer Einnahmenüberschussrechnung, die ein Selbstständiger machen muss. Die Gebühr berechnet sich so: Grundgebühr nach Tabelle x Faktor = konkrete Gebühr.

Gebührenrahmen für übliche Steuerberaterleistungen

Leistung Bandbreite Faktor Mittlerer Faktor Tabelle für Grundgebühr
Rat, Auskunft (Erstberatung) 1/10 - 10/10 0,55 Tabelle A (max. 190 Euro)
Einkommensteuererklärung 1/10 - 6/10 0,35 Tabelle A
Ermittlung der Werbungskosten 1/20 - 12/20 0,325 Tabelle A
Einnahmenüberschussrechnung 5/10 - 20/10 1,25 Tabelle B
Umsatzsteuerjahreserklärung 1/10 - 8/10 0,45 Tabelle A
Buchführung 2/10 - 12/10 0,7 Tabelle C (Monatsgebühr)

Quelle: eigene Recherche (Stand: 2. Februar 2015)

Einkommensteuererklärung - Für eine Einkommensteuererklärung über Einkünfte von 30.000 Euro beträgt eine volle Gebühr nach Tabelle A der Verordnung derzeit 796 Euro. Das ist aber nur eine Rechengröße, die dann mit dem Faktor multipliziert wird. Ihr Steuerberater darf davon zwischen 1/10 und 6/10 berechnen, also zwischen 79,60 und 477,60 Euro. Die Bandbreite ist also groß. Bei einem durchschnittlichen Fall setzt Ihr Berater meist die Mittelgebühr an, das wären also 3,5/10, was sich auf 278,60 Euro beläuft. Verlangt Ihr Steuerberater mehr als die Mittelgebühr, muss er Ihnen das erläutern.

Einnahmenüberschussrechnung - Wer also zum Beispiel seine Einnahmenüberschussrechnung durch den Steuerberater anfertigen lässt und Einnahmen in Höhe von 37.500 Euro hat, zahlt nach Tabelle B ein Honorar von 5/10 bis 20/10. Ihr Berater kann Ihnen dafür also zwischen 90,50 Euro und 362 Euro in Rechnung stellen. Dabei handelt es sich aber nur um die Kosten, die für den reinen Jahresabschluss anfallen. Es entstehen dann meist noch Kosten für Einkommensteuererklärung und Buchhaltung, sofern Sie das nicht selbst erledigen.

Beispiel

Ein Architekturbüro macht einen jährlichen Gewinn von 60.000 Euro. Die Betriebseinnahmen belaufen sich auf 90.000 Euro, die Betriebsausgaben auf 30.000 Euro. Da die Betriebseinnahmen höher sind, wird mit diesem Wert gerechnet. Eine volle Gebühr beträgt 311 Euro nach Tabelle B. Der Steuerberater darf sein Honorar innerhalb dieser Bandbreite in Rechnung stellen:

5/10 7,5/10 10/10 12,5/10 15/10 17,5/10 20/10
155,50 € 233,25 € 311,00 € 388,75 € 466,50 € 544,25 € 622,00 €

Üblich wäre die Mittelgebühr, also 388,75 Euro.

Quelle: eigene Recherche (Stand: 2. Februar 2015)

Finanzbuchhaltung - Die Gebühren für Buchführung und Kontieren beträgt monatlich zwischen 2/10 bis 12/10 der vollen Gebühr gemäß Tabelle C der Verordnung. Sind etwa Einnahmen in Höhe von 40.000 Euro zu verzeichnen, beläuft sich eine volle Buchführungsgebühr auf 103 Euro. Der Gebührenrahmen bewegt sich monatlich zwischen 2/10 und 12/10 hiervon, also zwischen 20,60 Euro und 123,60 Euro. Da kann in einem Jahr eine ganz schöne Summe zusammenkommen. Mit der Gebühr abgegolten sind nach § 33 Abs. 8 StBVV ergänzende Leistungen, so zum Beispiel die Fertigung der Umsatzsteuer-Voranmeldung. Sie können sich diese Kosten aber sparen, indem Sie die Anmeldung und Buchführung über Elster selbst erledigen.

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So berechnen Sie Ihre Steuerberatungskosten

Um eine ungefähre Vorstellung zu bekommen, wie hoch Ihre Steuerberatungskosten sein werden, können Sie im Internet den von der Cyberlab GmbH bereitgestellten Rechner nutzen. Dort können Sie in ein Formular die typischen Kostenarten und Ihre eigenen Werte eingeben. Voreingestellt sind lediglich die Mindestwerte. Sie sehen auch die Bandbreiten für die Sätze, die Ihr Steuerberater in Rechnung stellen kann. Das Ergebnis können Sie nutzen, um die Rechnung Ihres Steuerberaters zu überprüfen oder über das Honorar zu verhandeln. Sprechen Sie Ihren Berater darauf an, wenn er innerhalb der zulässigen Bandbreiten immer am oberen Ende liegt.

Niedrigere und höhere Honorare sind vereinbar

Am 17. Juni 2016 hat der Bundesrat eine Reform der Steuerberatervergütungsverordnung verabschiedet. Seit dem 23. Juli 2016 ist diese in Kraft getreten. Demnach kann der Steuerberater mit seinem Mandanten vereinbaren, dass er eine niedrigere oder höhere Gebühr als die gesetzlich fixierte abrechnet. Zumindest bei außergerichtlichen Angelegenheiten darf er bei entsprechend geringerem Aufwand ein niedrigeres Honorar verlangen. Weicht er von der Vergütungsverordnung ab – egal ob nach oben oder unten –, so muss er dies vorher „in Textform“ mitteilen und der Mandant muss dies betätigen. Ein „Okay“ als Antwort auf eine Mail ist ausreichend, eine Unterschrift oder ein Vertrag sind nicht nötig. Geregelt ist dies im neuen Paragraf 4 Absatz 3 StBVV.

Dort heißt es, dass die niedrigere Gebühr in einem angemessenen Verhältnis zu der Leistung, der Verantwortung und dem Haftungsrisiko des Steuerberaters stehen muss. Eine unentgeltliche Steuerberatung ist weiterhin nicht erlaubt. Und bei einem Verfahren vor dem Finanzgericht dürfen nur höhere als die gesetzlichen Gebühren abgerechnet werden. Nicht geregelt wurde bei der Reform die in der Praxis häufig verwendeten Stundensatzvereinbarungen.

Tipp

Selbst vorarbeiten

Wenn Sie gut vorstrukturierte Aufzeichnungen und Belege beim Steuerberater abgeben und ihm so viel Kleinarbeit ersparen, haben Sie es selbst in der Hand dank des geringeren Aufwands geringere Steuerberatergebühren zu vereinbaren – am besten schriftlich. Hierbei können Checklisten helfen. 

Informationspflicht über Abweichungsmöglichkeit - Das Gesetz verpflichtet Steuerberater außerdem, von sich aus darauf hinzuweisen, dass sie bei der Vergütung von der StBVV abweichen dürfen – auch bei schon seit Jahren laufenden Verträgen mit Mandanten. Um keine schlafenden Hunde zu wecken, werden die meisten Steuerberater diese Informationspflicht wohl insofern erfüllen, dass sie eine entsprechende Klausel in ihre Steuerberatungsverträge, in die Allgemeinen Auftragsbedingungen oder in die Vollmachten ihrer Mandanten aufnehmen werden.

Inlandssitz - Der Anwendungsbereich der StBVV wurde zudem auf Steuerberater mit Sitz in Deutschland beschränkt. Sie gilt auch nicht mehr, wenn die Steuerberatung aus dem Ausland angeboten wird.

Beispiele: Der deutsche Steuerberater auf Mallorca berät Mandant Dieter B. aus Deutschland. Für ihn gilt die StBVV nicht mehr zwingend. Der österreichische Steuerberater mit Zulassung in Oberbayern muss hingegen nach der StBVV abrechnen.

Mindestgebühr aufgehoben - Bei der Reform gestrichen wurde zudem die sogenannte Mindestgebühr von 10 Euro. Tatsächlich gab diese den Anstoß zu einem Vertragsverletzungsverfahren der EU-Kommission gegen Deutschland, weshalb die StBVV geändert wurde. Faktisch spielte die Mindestgebühr nur eine Rolle bei Kleinstbetrieben, bei denen etwa die Umsatzsteuer-Voranmeldungen oder Lohnabrechnungen danach abgerechnet wurden. Nun müssen solche Fälle statt pauschal exakt abgerechnet werden, also zum Beispiel pro Gehaltsabrechnung eines Arbeitnehmers mit 8 Euro monatlich.

Das muss in der Rechnung stehen

In der Rechnung muss der Steuerberater die Beträge der einzelnen Gebühren und Auslagen angeben, die Vorschüsse, eine kurze Bezeichnung der Tätigkeit, die Bezeichnung der Auslagen sowie die angewandten Vorschriften der Gebührenverordnung. Nach demselben Stundensatz berechnete Zeitgebühren können zusammengefasst werden. Die errechneten Beträge sind Nettobeträge. Es kommt also die gesetzliche Umsatzsteuer hinzu.

Tipp

Berufliche Steuerberatungskosten absetzen

Kosten für die Steuerberatung sind als Werbungskosten oder Betriebsausgaben absetzbar, wenn sie zur Ermittlung Ihrer Einkünfte anfallen, also beruflich veranlasst sind. Was Sie dabei beachten müssen, haben wir hier zusammengestellt.

Was Sie gegen zu hohe Rechnungen tun können

Hat Ihr Steuerberater eine aus Ihrer Sicht zu hohe Rechnung gestellt und sind Sie zudem mit dessen Arbeit nicht zufrieden, können Sie nicht einfach den Preis mindern wie beim Kauf einer mangelhaften Sache. Grund: Ein mit einem Steuerberater abgeschlossener Vertrag ist ein Geschäftsbesorgungsvertrag nach § 675 BGB. Er schuldet Ihnen keinen Erfolg, sondern nur die Tätigkeit.

Gebührenrahmen prüfen - Wenn die Tätigkeit erbracht ist, kann der Steuerberater seine durch die Vergütungsverordnung festgelegte Bezahlung verlangen. Hat Ihr Steuerberater allerdings immer den Gebührenrahmen zu seinen Gunsten voll ausgeschöpft, können Sie das zum Anlass nehmen, um mit ihm über seine Leistung und die Höhe der Rechnung zu sprechen.

Beschwerde - Sie können sich auch bei der regional zuständigen Steuerberaterkammer beschweren. Die überprüfen dann zwar nicht konkret die Rechnung, aber ob Ihr Berater gegen Berufspflichten verstoßen hat. Dazu gibt es auf den Webseiten der Kammern Vordrucke, die Sie nutzen können.

Schadensersatz - Beruht Ihre Unzufriedenheit mit Ihrem Berater darauf, dass er tatsächlich Fehler gemacht hat, die zu einem Schaden geführt haben, kann unter Umständen ein Schadensersatzanspruch bestehen (§ 280 Abs. 1 BGB). Das setzt aber voraus, dass ein Schaden eingetreten ist und Sie diesen auch beweisen können. Verhängt das Finanzamt zum Beispiel einen Verspätungszuschlag, weil der Steuerberater die Unterlagen nicht rechtzeitig bearbeitet und weitergeleitet hat, können Sie den Zuschlag als Schaden von Ihrem Berater ersetzt verlangen.

Möglicherweise müssen Sie vor Gericht nachweisen, dass der Steuerberater Fehler gemacht, falsch beraten, Fristen versäumt oder Belege verschlampt hat. Wenn Sie sich nicht einigen können, steht Ihnen der Klageweg offen. Steuerberater müssen eben für solche Fälle zwingend eine Berufshaftpflichtversicherung haben.

Steuerberater wechseln - Schließlich können Sie auch noch Ihren Steuerberater wechseln und mit dem neuen Berater im Vorfeld über die Kosten sprechen. Schauen Sie in Ihren Vertrag, ob Sie irgendwelche Kündigungsfristen beachten müssen, ansonsten können Sie schon zum Monatsende kündigen. Wichtig: Klären Sie vor der Kündigung, welche Leistungen Ihr alter Berater Ihnen noch in Rechnung stellen kann – nicht, dass Sie doppelt zahlen müssen. Um zu einem anderen Steuerberater zu wechseln, muss dieser alle relevanten Unterlagen bekommen. Das kann schwierig werden, wenn Ihr alter Berater die Unterlagen nicht an Sie herausgibt, etwa weil noch Rechnungen offen sind. Das ist zulässig (§ 66 Abs. 2 StBerG). Aber: Er darf nur die Unterlagen zurückhalten, die mit der noch offenen Rechnung in direktem Zusammenhang stehen. Streiten Sie also wegen der Rechnung aus 2014, muss er die Unterlagen 2013 oder 2015 herausgeben.

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Die letzten Beiträge zu dieser Diskussion:
Im Wettbewerb habe ich wie oben erwähnt immer schon gestanden. Zumindest bei Spiegel Online wurde von Herrn Tenhagen ein komplett falscher Eindruck ermittelt.
29. Oktober 2016 zum Beitrag
"Das eigentliche Arschloch ist immer noch der Kunde." :P
28. Oktober 2016 zum Beitrag
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28. Oktober 2016 zum Beitrag
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Finanztip-Chefredakteur
Hermann-Josef Tenhagen

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Artikel verfasst von

Udo Reuß

Finanztip-Experte für Steuern

Der Steuerrechtler und Diplom-Kaufmann Udo Reuß ist bei Finanztip für Steuerthemen verantwortlich. Zuvor war er bei verschiedenen Wirtschafts- und Fachverlagen wie Handelsblatt, F.A.Z.-Verlagsgruppe, Haufe-Lexware und Vogel Business Media tätig – 14 Jahre davon arbeitete er als Chefredakteur von Fachzeitschriften. Aus dem komplexen Steuerrecht zieht er die relevanten Urteile für Steuersparer. Den Autor erreichen Sie unter redaktion@finanztip.de.

Dr. Britta Beate Schön

Finanztip-Expertin für Recht

Britta Beate Schön ist bei Finanztip für sämtliche Rechtsthemen zuständig. Die promovierte Juristin und Rechtsanwältin war als Leiterin der Rechtsabteilung bei Finanzdienstleistern wie der Telis Finanz AG und der Interhyp tätig. Vorher lehrte und forschte sie in Japan als DAAD-Junior-Professorin für deutsches und Europarecht. Ihr Studium absolvierte sie in Münster, Genf, Regensburg und Leipzig. Die Autorin erreichen Sie unter britta.schoen@finanztip.de.