Abgeltungssteuer

So funktioniert die Abgeltungssteuer

Das Wichtigste in Kürze

  • Seit 2009 wird die Abgeltungssteuer auf Zinsen, Dividenden und realisierte Kursgewinne fällig. Davon behält das Finanzamt 25 Prozent plus Solidaritätszuschlag und seit Januar 2015 auch Kirchensteuer ein.
  • In Ihrer Steuererklärung müssen Sie nichts angeben, aber dafür sorgen, dass Sie einen korrekten Freistellungsauftrag erteilt haben.
  • Schöpfen Sie die Freibeträge auf Ihre Anlagen aus, die zu einem Sparerpauschbetrag zusammengefasst sind: 801 Euro für Ledige, 1.602 Euro für Verheiratete. Sie können auch unter dem Jahr die Freistellungsaufträge bei Ihren Banken ändern.
  • Beim Verkauf von Aktien gilt, dass die zuerst angeschafften als zuerst veräußert behandelt werden. Aktien und Kapitalentnahmen aus Fondssparplänen, die bis Ende 2008 investiert wurden, können sogar steuerfrei verkauft werden.
  • Bei Fonds, die im Ausland aufgelegt sind und Dividenden einbehalten, müssen Sie diese dennoch versteuern. Erträge müssen Sie in der Anlage KAP angeben.
  • Oft können Sie Quellensteuer auf die Abgeltungssteuer anrechnen lassen.
  • Tipp: Sollen wir Sie zu wichtigen Steuerfragen sowie zu weiteren Themen auf dem Laufenden halten? Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter!

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Sparer, die Geld anlegen in Form von Bankeinlagen, Aktien, Anleihen, Fonds oder Zertifikaten, sind von der Abgeltungssteuer betroffen. Sie wird seit 2009 fällig für Zinsen, Dividenden und realisierte Kursgewinne – sogenannte Kapitaleinkünfte. Die Abgeltungssteuer beträgt pauschal 25 Prozent plus Solidaritätszuschlag. Sie wird von der Bank einbehalten und an das Finanzamt abgeführt.

Automatischer Kirchensteuerabzug

Kapitaleinkünfte unterliegen zudem der Kirchensteuer. Diese wurde bislang allerdings nur dann von Ihrer Depotbank an das Finanzamt abgeführt, wenn Sie einen Antrag auf Einbehalt der Kirchensteuer gestellt haben. Wer diesen Antrag nicht gestellt hatte, musste die Kirchensteuer im Rahmen seiner Einkommensteuererklärung zahlen. Seit Januar 2015 brauchen Sie keinen Antrag auf Einbehalt der Kirchensteuer mehr zu stellen. Denn seitdem erhalten die Banken die Information über die Religionszugehörigkeit ihrer Kunden vom Bundeszentralamt für Steuern in Bonn (BZSt) und führen die Kirchensteuer direkt an das Finanzamt ab.

Die rechtlichen Grundlagen zur Abgeltungssteuer finden Sie in Paragraf 32d Einkommensteuergesetz. Sorgen Sie unbedingt dafür, dass Sie einen korrekten Freistellungsauftrag erteilt und den Freibetrag auf Ihre verschiedenen Anlagen ausgeschöpft haben. Die Freistellungsaufträge können Sie auch unterjährig ändern und so den Steuerabzug über Ihre diversen Depots optimieren. Dafür müssen Sie Ihrer Bank einen schriftlichen Auftrag erteilen.

Altaktiengewinne können steuerfrei verkauft werden

Das System der Abgeltungssteuer wurde zum 1. Januar 2009 eingeführt. Für Veräußerungsgewinne aus Wertpapieren, die bis Ende 2008 gekauft wurden, gilt daher eine Besonderheit: Sie können diese auch heute noch steuerfrei verkaufen. Das gilt auch für Kapitalentnahmen aus Fondssparplänen.

Generell gilt für den Aktienverkauf das Prinzip „first in, first out“. Das heißt, dass zuerst angeschaffte Wertpapiere als zuerst verkauft gelten. Dementsprechend werden diese steuerlich behandelt. Dies können Sie zu Ihrem Vorteil ausnutzen. Haben Sie beispielsweise 100 Fresenius-Aktien 2008 erworben und zudem ein Jahr später weitere 100 und wollen nun 150 davon verkaufen, dann können sie 100 davon steuerfrei verkaufen und 50 nach dem Abgeltungssteuersatz.

Um solche Bestände leichter voneinander abgrenzen zu können, ist es in vielen Fälle besser, neue Anlagen in einem zweiten Depot zu verwahren. Insbesondere Anleger, die sehr oft Wertpapiere kaufen und verkaufen, sollten darüber nachdenken. Online-Depots verlangen inzwischen keine Grundgebühren mehr, weswegen das finanziell keinen Unterschied macht. Die günstigsten Depots finden Sie in unserem Ratgeber.

Tipp

Kapitalverluste verrechnen

Sie dürfen Verluste aus Kapitalerträgen mit den positiven Einkünften aus Ihren Anlagen verrechnen. Beispiel: Erzielen Sie nach dem Verkauf einer Lebensversicherung einen Verlust, so können Sie diesen mit Ihren Zinserträgen aus Sparkonten verrechnen. Aktienverluste dürfen Sie aber nur mit Kursgewinnen aus Aktiengeschäften verrechnen. Laut einer Übergangsregelung konnten bis Ende 2008 erlittene Verluste noch bis 2013 mit neuen Gewinnen verrechnet werden.

Freibetrag nutzen

Seit 2009 sind die vorher geltenden Freibeträge in einem Sparerpauschbetrag zusammengefasst. Er beträgt für Ledige 801 Euro im Jahr, für Verheiratete das Doppelte, also 1.602 Euro. Gleichzeitig hat der Gesetzgeber die Abrechnung von Werbungskosten in der Steuererklärung gestrichen. Somit dürfen auch Kosten für einen Kredit, der für den Kauf von Wertpapieren verwendet wird, nicht mehr steuerlich geltend gemacht werden.

Möglich ist allerdings nach einem Urteil des Finanzgerichts Baden-Württemberg vom 17. Dezember 2012 (Az. 9 K 1637/10) in begründeten Ausnahmefällen ein Abzug der tatsächlichen Werbungskosten bei den Einkünften aus Kapitalvermögen. Demnach können Sie den Abzug von Werbungskosten in tatsächlicher Höhe beantragen, sofern Ihr persönlicher Einkommensteuersatz bereits unter Berücksichtigung des Sparerpauschbetrags unter dem Abgeltungssteuersatz von 25 Prozent liegt.

Darauf wird die Abgeltungssteuer fällig

Kapitallebensversicherung

Läuft der Vertrag zwischen Ihnen und der Versicherungsgesellschaft noch keine zwölf Jahre und werden entsprechende Kapitalerträge aus der Versicherung schon vor dem 60. Lebensjahr ausgezahlt, sind Sie als Versicherter verpflichtet, die Abgeltungssteuer von 25 Prozent auf den jeweiligen Betrag zu entrichten.

Vollkommen steuerfrei sind einmalige Auszahlungen – also das komplette eingezahlte Kapital plus die Erträge aus diesem Kapital – aus einer Lebensversicherung, wenn der Vertrag folgende Bedingungen erfüllt: 

  • die Laufzeit beträgt mindestens zwölf Jahre
  • Vertragsbeginn war vor dem 1.1.2005
  • die Todesfallleistung beträgt mindestens 60 Prozent der Versicherungssumme
  • es wurden über mindestens fünf Jahre Beiträge gezahlt

Haben Sie Ihre Lebensversicherung nach dem 1. Januar 2005 abgeschlossen, müssen Sie die Hälfte des Geldes zum persönlichen Steuersatz versteuern. Dass es nur die Hälfte ist und nicht alles versteuert werden muss, ist allerdings auch an Bedingungen geknüpft:

  • der Vertrag läuft mindestens zwölf Jahre
  • die Auszahlung erfolgt erst nach dem 60. Lebensjahr

Bankeinlagen

Sämtliche Zinserträge unterliegen seit 1. Januar 2009 der Abgeltungssteuer.

Aktien

Die Abgeltungssteuer gilt für die gesamte Dividende und realisierte Kursgewinne. Dabei spielt die Haltedauer keine Rolle.

Anleihen

Bei ihnen unterliegen Zinsen und Kursgewinne der Abgeltungssteuer.

Investmentfonds

Fondserträge, egal ob ausgeschüttet oder wieder angelegt, sind mit dem Abgeltungssteuersatz von 25 Prozent zu versteuern. Gewinne aus Veräußerung von Fonds, Anteilen und Termingeschäften werden bei Ausschüttung von der Abgeltungssteuer erfasst.

Dachfonds

Bei Anteilen an einem Dachfonds, die vor 2009 angeschafft wurden, gilt die vor 2009 bestehende Rechtslage solange, bis der Fonds ausgezahlt und dann eine neue Anlage mit dem Geld getätigt wird. Da sie erst am Ende der Laufzeit steuerlich bewertet werden, können mit solchen Fonds, die je nach Ausrichtung Kapitalerträge aus Zinsen, Dividenden und Kursgewinnen erzielen, langfristig abgeltungssteuerfreie Erträge erzielt werden. Erträge aus Dachfonds, die nach dem 31. Dezember 2008 erworben wurden, unterliegen dagegen komplett der Abgeltungssteuer. Sie sollten sich also gut überlegen, ob Sie sich von solchen Anteilen trennen.

Finanzinnovationen

Kursgewinne aus solchen Anlagen, zum Beispiel aus Zertifikaten mit Kapitalgarantie oder aus Aktienanleihen, fallen ohne Berücksichtigung einer Frist stets unter die Abgeltungssteuer.

Zertifikate ohne Kapitalgarantie

Sie unterliegen gleichfalls der Abgeltungssteuer. Ausnahme: Risikozertifikate, die vor dem 15. März 2007 gekauft wurden, sind nach einjähriger Haltedauer steuerfrei.

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Behandlung ausländischer Kapitalerträge

Auch auf Kapitalerträge, die Sie im Ausland erzielen, müssen Sie Abgeltungssteuer zahlen. Haben Sie Ihr Depot oder Konto bei einer inländischen Bank, führt diese die Abgeltungssteuer automatisch an das deutsche Finanzamt ab, sofern die Erträge über den Freibetrag von 801 Euro hinausgehen und Sie einen Freistellungsauftrag gestellt haben.

Ist das Konto oder Depot im Ausland oder kommen die Kapitalerträge von einer ausländischen Bank oder der ausländischen Tochter einer deutschen Bank, wird keine Abgeltungssteuer einbehalten. Das betrifft zum Beispiel Kunden, die bei der Leaseplan Bank, CA Consumer Finance oder Close Brothers ein Tagesgeld- oder Festgeldkonto haben.

Als Depot- oder Kontoinhaber haben Sie die Pflicht, solche ausländischen Kapitalerträge, für die keine Abgeltungssteuer einbehalten wurde, in der Zeile 15 der Anlage KAP Ihrer Steuererklärung anzugeben. Inländische Kapitalerträge ohne Steuerabzug müssen Sie in die Zeile 14 eintragen.

Sonderfall ausländische thesaurierende Aktienfonds

Haben Sie in Ihrem Portfolio einen Aktienfonds, der im Ausland aufgelegt ist und Dividenden wieder anlegt, müssen Sie ebenfalls einige Besonderheiten beachten. Da diese Dividenden nur dem Fonds und nicht direkt Ihrem Konto gutgeschrieben werden, müssen Sie sie separat in der Steuererklärung angeben. Diese Dividenden fallen unter den Posten „ausländische Kapitalerträge“. Sie müssen diese ebenfalls in Zeile 15 der Anlage KAP eintragen.

In vielen Fällen, in denen ausländische Aktien im Fonds vertreten sind, fällt zudem Quellensteuer an. Sie wird in dem Quellstaat - also dem Staat, in dem das die dividenden zahlende Unternehmen seinen Sitz hat - direkt an die Steuerbehörde abgeführt. Die Quellensteuer kann aber häufig auf die Abgeltungssteuer angerechnet werden. Anleger müssen sie für diesen Zweck ebenfalls in der Anlage KAP angeben. Mehr Informationen dazu finden Sie im Detailartikel thesaurierende Fonds

Achtung

Im Juli 2016 hat der Bundesrat eine Reform des Investmentsteuergesetzes verabschiedet, die 2018 in Kraft treten wird. Demnach ändert sich die Systematik der Besteuerung von Investmentfonds grundlegend.

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Finanztip-Chefredakteur
Hermann-Josef Tenhagen

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Artikel verfasst von

Ludwig Heinz

ehemaliger freier Finanztip-Mitarbeiter

Ludwig Heinz hat als freier Finanztip-Redakteur zu Themen rund um Verbraucherfinanzen geschrieben. Zuletzt arbeitete er als Teamleiter Anlagestrategie für Gruner + Jahr Wirtschaftsmedien in Frankfurt, davor als Ressortleiter Wirtschaft und Politik bei der Anlegerzeitschrift Börse Online in München. Zudem war er in unterschiedlichen Positionen für mehrere Banken tätig, überwiegend im Research. Ludwig Heinz studierte nach einer Bankausbildung Betriebs- und Volkswirtschaftslehre in München.

Udo Reuß

Finanztip-Experte für Steuern

Der Steuerrechtler und Diplom-Kaufmann Udo Reuß ist bei Finanztip für Steuerthemen verantwortlich. Zuvor war er bei verschiedenen Wirtschafts- und Fachverlagen wie Handelsblatt, F.A.Z.-Verlagsgruppe, Haufe-Lexware und Vogel Business Media tätig – 14 Jahre davon arbeitete er als Chefredakteur von Fachzeitschriften. Aus dem komplexen Steuerrecht zieht er die relevanten Urteile für Steuersparer. Den Autor erreichen Sie unter redaktion@finanztip.de.