Rentenbesteuerung

Als Rentner steuerfrei im Alter leben – von wegen

Das Wichtigste in Kürze

  • Rund 4,4 Millionen der mehr als 20 Millionen Rentner in Deutschland sind bereits heute einkommensteuerpflichtig. Allein die Rentenerhöhung im Juli 2017 führt vermutlich dazu, dass rund weitere 120.000 steuerpflichtig werden, zirka 40.000 für das Jahr 2017 und 80.000 für 2018.
  • Die Zahl der steuerpflichtigen Rentner steigt kontinuierlich. Das liegt daran, dass für jeden neuen Rentnerjahrgang ein immer höherer Anteil der gesetzlichen Rente zu versteuern ist. Der so ermittelte Freibetrag ist fix; jede Rentenerhöhung muss der Rentner daher voll versteuern.
  • Die Renten werden unterschieden nach Basisversorgung, steuerlich geförderten Altersvorsorgeverträgen und sonstiger privater Altersvorsorge. Für jede Kategorie gibt es eine andere Besteuerungssystematik.
  • Das Finanzamt erhält von den auszahlenden Stellen Rentenbezugsmitteilungen und erfährt daher, welche Renten diese überwiesen haben.

So gehen Sie vor

  • Falls Sie nur die Rente als einzige Einkünfte beziehen, müssen Sie als Lediger grundsätzlich eine Steuererklärung abgeben, wenn Sie mindestens 8.922 Euro Rente im Jahr einnehmen (8.820 Euro als Grundfreibetrag 2017 plus 102 Euro Werbungskostenpauschale).
  • Die verschiedenen Rentenbezüge gehören in die Anlage R, Pensionen hingegen als Versorgungsbezüge in die Anlage N der Einkommensteuererklärung.
  • Das zu versteuernde Einkommen lässt sich reduzieren um Werbungskosten, Sonderausgaben, außergewöhnliche Belastungen, Handwerkerleistungen, haushaltsnahe Dienstleistungen, den Altersentlastungsbetrag, einen Hinterbliebenen-Pauschbetrag oder einen Pauschbetrag für Behinderte.
  • Eine Tabelle in diesem Ratgeber gibt Ihnen Orientierung, ab welcher Bruttorente Sie mit einer Steuerbelastung rechnen müssen.
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Es könnte so schön sein: Ein Leben lang hat man gearbeitet und in die Rentenkasse sowie die private Altersvorsorge eingezahlt – und im Alter genießt man einfach das Geld, das nun in umgekehrte Richtung fließt. Doch weit gefehlt: Auch Renten sind steuerpflichtig, und zwar als sonstige Einkünfte. Das ist vielen Ruheständlern nicht bewusst.

Allerdings unterliegt bei den Altersrenten nur ein bestimmter Teil der Steuerpflicht. Wie hoch dieser ist, hängt davon ab, wann jemand erstmals eine Rente bezogen hat. Von den mehr als 20 Millionen Rentnern in Deutschland müssen nach Angaben des Bundesfinanzministeriums derzeit zirka 4,4 Millionen tatsächlich Steuern zahlen. Diese Zahl steigt mit jeder Rentenerhöhung und jedem neuen Rentnerjahrgang.

Am 1. Juli 2017 stieg die Rente in Westdeutschland um 1,9 Prozent, im Osten sogar um 3,59 Prozent. Das führt dazu, dass vermutlich deshalb rund 40.000 Rentner im Jahr 2017 und weitere 80.000 ein Jahr später neu in die Steuerpflicht rutschen, schätzt das Bundesfinanzministerium. 

Nachgelagerte Besteuerung und Übergangsphase

2005 hat der Gesetzgeber für Renten die nachgelagerte Besteuerung eingeführt. Bis 2040 gibt es eine Übergangsphase, in der nur ein Teil der Rente zu versteuern und im Gegenzug ein immer höherer Anteil der geleisteten Rentenversicherungsbeiträge als Vorsorgeaufwendungen steuerlich abzugsfähig ist. Dieser Prozentsatz steigt jedes Jahr für Neurentner. 

Wer schon Rentner ist, für den bleibt der steuerfreie Teil in Euro konstant. Mit jeder Rentenerhöhung nimmt die steuerpflichtige Rente zu. Auch deshalb wächst die Zahl der steuerpflichtigen Rentner.

Wann die gesetzliche Rente zu versteuern ist

Die Wahrscheinlichkeit, dass Rentner steuerpflichtige Einkünfte beziehen, steigt kontinuierlich. Die Standardrente für das Jahr 2015 lag in Westdeutschland bei 15.611 Euro, in Ostdeutschland bei 14.429 Euro. Ein lediger Rentner, der 2017 erstmals Rente bezieht, keine weiteren Einkünfte hat und in die gesetzliche Krankenversicherung einen eigenen Beitrag von 8,4 Prozent gezahlt hat, muss bei einer Brutto-Jahresrente von mehr als 14.208 Euro davon ausgehen, dass er darauf Steuern zu zahlen hat. Diese Zahlen hat der Bundesverband Lohnsteuerhilfevereine ermittelt.

In der folgenden Tabelle können Sie anhand des Rentenbeginns und der Rentenhöhe ablesen, ob Sie Ihre Rente versteuern müssen, falls Sie ausschließlich gesetzliche Rentenbezüge haben. Die Zahlen stellen die Bruttorente dar, das heißt, die Einnahmen aus der gesetzlichen Rentenversicherung inklusive 8,4 Prozent Beitrag zur gesetzlichen Krankenversicherung und 2,55 Prozent Pflegeversicherung. Sie gelten für einen ledigen Steuerpflichtigen. Als Monatsrente sind die seit Juli 2017 erhöhten Rentenzahlungen zu verstehen. Für Ehepaare, die sich zusammen veranlagen lassen, gelten die doppelten Beträge.

Überschreiten Sie diese in der Tabelle dargestellten Beträge im Jahr 2017 nicht, haben Sie keine Steuernachzahlung zu befürchten. Liegen Sie hingegen deutlich darüber, sollten Sie zügig prüfen, ob Sie für die Vorjahre Steuererklärungen nachreichen müssen. Dies sollten Sie möglichst schnell erledigen. Schließlich verlangen Finanzämter 15 Monate nach Ablauf des Kalenderjahres, in dem die Steuer entstanden ist, für jeden Verspätungsmonat 0,5 Prozent Zinsen – also 6 Prozent im Jahr.

Steuerfreie Bruttorente 2017

Renten- Rente in Westdeutschland (Euro) Rente in Ostdeutschland (Euro)
beginn Jahresrente Monatsrente Jahresrente Monatsrente
Bis 2005 19.244 1.619 18.031 1.529
2006 18.609 1.565 17.510 1.485
2007 18.089 1.522 17.080 1.448
2008 17.712 1.490 16.821 1.427
2009 17.264 1.452 16.493 1.399
2010 16.750 1.409 16.053 1.361
2011 16.370 1.377 15.730 1.334
2012 15.958 1.342 15.500 1.314
2013 15.534 1.307 15.267 1.295
2014 15.195 1.278 14.994 1.272
2015 14.945 1.257 14.829 1.258
2016 14.673 1.234 14.673 1.244
2017 14.208 1.195 14.208 1.205

Quelle: Bundesverband Lohnsteuerhilfevereine e.V. (Stand: 25. Juli 2017)

Die Steuerpflicht greift demnach bei vielen Neurentnern, die etwas unterhalb der Standardrente liegen. Doch viele Ruheständler können diverse Beträge steuerlich absetzen. Daher lohnt es sich, jeden Einzelfall für sich zu prüfen – und so mancher Rentner muss nach Abgabe einer Steuererklärung doch keine Steuern zahlen.

Tipp: Mit dem Alterseinkünfte-Rechner des Bayerischen Landesamts für Steuern können Rentner kostenlos kalkulieren, wie hoch eine mögliche Einkommensteuer ausfällt.

Wann Rentner eine Steuererklärung abgeben müssen

Die meisten Rentner bekommen zu wenig Geld, als dass sie Steuern zahlen müssten. Bei Überschreiten einiger Grenzen sind jedoch auch Bezieher von Ruhegeld verpflichtet, eine Steuererklärung abzugeben. Für 2016 liegt der Grundfreibetrag bei 8.652 Euro, 2017 bei 8.820 Euro. Die Werbungskostenpauschale für Rentner in Höhe von 102 Euro kann addiert werden. Das heißt: 2017 bleiben Renteneinkünfte von bis zu 8.922 Euro im Jahr auf jeden Fall steuerfrei. Bei Zusammenveranlagten verdoppelt sich dieser Betrag.

Wenn Sie höhere Werbungskosten haben, können Sie Aufwendungen geltend machen, falls Sie diese belegen können. Haben Sie als Rentner-Ehepaar gemeinsam einen Gesamtbetrag der Einkünfte von mehr als 17.304 Euro, dann müssen Sie grundsätzlich bis zum 31. Mai 2017 eine Steuererklärung für das Jahr 2016 abgegeben haben.

Kommen Nebeneinkünfte – etwa Vermietungs- oder Kapitaleinnahmen – hinzu, zählen diese natürlich dazu. Auch wenn einer der zusammenveranlagten Partner Lohn bezieht oder andere Einkünfte hat, können Sie zur Abgabe verpflichtet sein. Im Ratgeber Pflicht zur Einkommensteuererklärung haben wir die allgemeinen Grundsätze zusammengefasst.

Finanzamt erfährt von Rentenzahlungen automatisch

Die Träger der Rentenversicherungen und auch die privaten Versicherer teilen der Finanzverwaltung in sogenannten Rentenbezugsmitteilungen mit, welche Renten sie im Jahr überwiesen haben (§ 22a Einkommensteuergesetz). Folglich fordern Finanzämter manche Rentner gezielt dazu auf, eine Steuererklärung abzugeben. Wer sich als Steuerpflichtiger bei Elster online für die vorausgefüllte Steuererklärung registrieren lässt, der erhält automatisch auch die gemeldeten Rentenzahlungen als Daten übermittelt.

Vor diesem Hintergrund konnten die Finanzämter in Mecklenburg-Vorpommern im Mai 2017 ein Pilotprojekt starten: die Amtsveranlagung von Rentnern. Damit ist gemeint, dass Rentenbezieher nur einen einseitigen Vordruck unterschreiben brauchen. Sie müssen keine Steuererklärung erstellen, wenn sie bis auf ihre Renteneinkünfte allenfalls einen Minijob mit maximal 450 Euro monatlichen Einnahmen hatten und Kapitaleinkünfte bereits über die Abgeltungssteuer versteuert haben oder unterhalb des Sparerpauschbetrags von 801 Euro je Person blieben. Das Finanzamt erstellt dann auf unbürokratische Art und Weise einen Steuerbescheid. Elektronisch gemeldete Daten wie die bezahlten Beiträge an die Kranken- und Pflegeversicherung berücksichtigt es als Sonderausgaben. Stellt es fest, dass ein Rentner Steuern zahlen muss, dann muss er diese dementsprechend entrichten.

Achtung

Steuererklärung kann sich dennoch lohnen

Das Finanzamt kann nur elektronisch gemeldete Daten für die Amtsveranlagung nutzen. Spendete beispielsweise der Rentner an eine gemeinnützige Organisation und wurde diese Spende nicht elektronisch gemeldet, dann kann das Finanzamt davon nichts wissen. Folglich wird sie auch nicht als Sonderausgabe berücksichtigt. Fielen Handwerkerkosten, haushaltsnahe Dienstleistungen und Krankheitskosten als außergewöhnliche Belastungen an, dann sollte der Rentner selbst eine Steuererklärung anfertigen und diese Kosten darin angeben. Oft braucht er dann doch keine Einkommensteuer zahlen.

Steuerpflichtige Rentner müssen die Anlage R ausfüllen

Ihre Rentenbezüge müssen Sie in der Einkommensteuererklärung in die Anlage R eintragen. Anders ist es bei Pensionen. Diese gelten als Versorgungsbezüge aus dem früheren Dienstverhältnis und gehören in die Anlage N. Für Pensionen gibt es einen Versorgungsfreibetrag samt Zuschlag zum selbigen, sodass ein Teil steuerfrei bleibt.

Damit Sie in Anlage R die verschiedenen Renten in die richtige Zeile eintragen können, müssen Sie die Systematik der Rentenarten kennen. Der Gesetzgeber teilt diese in drei Kategorien ein: Basisversorgung, steuerlich geförderte Altersvorsorgeverträge und sonstige private Altersvorsorge – mit jeweils anderen steuerlichen Konsequenzen. Geregelt ist dies im schwer verständlich formulierten Paragraf 22 Einkommensteuergesetz.

Tipp

Rente von Unfallversicherung

Steuerfrei ist die Rente, die aufgrund eines Arbeitsunfalls von der gesetzlichen Unfallversicherung bezahlt wird. Das gilt auch für Leistungen aus der Kranken- und Pflegeversicherung sowie für Sachleistungen aus der gesetzlichen Rentenversicherung.

Basisversorgung

Bei den Leistungen aus der Basisversorgung handelt es sich um dauerhafte, wiederkehrende Zahlungen, meist im monatlichen Turnus – ob als Alters-, Erwerbsminderungs- oder Hinterbliebenenrente. Als Basisversorgung gelten auch Teilrenten oder eine Rentenzahlung, die als einmalige Leistung ausgezahlt wird.

Im Einzelnen handelt es sich um Leibrenten und andere Leistungen aus

Für diese Renten greift die nachgelagerte Besteuerung, die schrittweise bis 2040 umgesetzt wird (siehe Tabelle unten). So gilt für Rentner, die erstmals 2017 eine Altersrente erhalten, dauerhaft ein Besteuerungsanteil von 74 Prozent. Das heißt, 26 Prozent der Renten sind steuerfrei. Dieser Anteil sinkt für jüngere Rentnerjahrgänge, sodass bei einem Rentenbeginn beispielsweise 2018 nur noch 24 Prozent steuerfrei sind. Der steuerfreie Teil der Rente wird als konstanter Betrag in Euro ermittelt und für die Folgejahre als individueller Rentenfreibetrag festgeschrieben. Alles, was drüber liegt, muss der Rentner dann versteuern.

Anteil der Besteuerung nimmt zu

Jahr des Rentenbeginns   Besteuerungsanteil (in %)   Steuerfreier Anteil (in %)
2015   70   30
2016   72   28
2017   74   26
2018   76   24
2019   78   22
2040   100   0

Quelle: § 22 Einkommensteuergesetz 

Einzutragen sind diese Renten und anderen Leistungen im oberen Teil der ersten Seite der Anlage R. Die meisten Rentner erhalten auf ihr Konto nicht die vollständige Rente überwiesen. Die Rentenversicherungsträger ziehen vorher die Beiträge für die Kranken- und Pflegeversicherung ab. Als Rentner müssen Sie in der Steuererklärung die komplette Jahresrente (Bruttorente) angeben, nicht die Summe der monatlich ausgezahlten Beträge. 

Tipp

Öffnungsklausel

Die Übergangsregelung bis 2040 soll dafür sorgen, dass geleistete Beiträge möglichst kein zweites Mal besteuert werden. Für spezielle Fälle hat der Gesetzgeber eine Öffnungsklausel geschaffen. Diese betrifft vor allem Bezieher von berufsständischen Versorgungseinrichtungen. Haben Sie vor Ihrer Rente bis Ende 2004 mindestens zehn Jahre lang Beiträge oberhalb des Höchstbeitrags zur gesetzlichen Rentenversicherung eingezahlt, können Sie für die auf diesen Beiträgen beruhenden Renten eine günstigere Besteuerung mit dem Ertragsanteil wählen. Dazu müssen Sie in der Anlage R ab Zeile 11 entsprechende Angaben machen.

Steuerlich geförderte Altersvorsorge

Auf die zweite Seite der Anlage R gehören die Renten aus der zweiten Kategorie. Dazu zählen alle Leistungen, die auf steuerlich geförderten Beiträgen beruhen – wie die Riester-Rente und Leistungen aus einer betrieblichen Altersvorsorge (Pensionskasse, Pensionsfonds und Direktversicherung).

In aller Regel basieren diese Leistungen auf Beiträgen, die entweder durch Zulagen, den Sonderausgabenabzug oder durch Steuerfreistellung privilegiert wurden. Dafür gilt grundsätzlich die volle Einkommensteuer, soweit diese Leistungen auf steuerfreien oder geförderten Beiträgen beruhen. Trifft dies nur teilweise zu, dann sind diese auch nur anteilig zu versteuern.

Sonstige Leibrenten

In die dritte Gruppe der sonstigen Leibrenten fallen Renten aus privaten Rentenversicherungsverträgen, die vor dem 1. Januar 2005 abgeschlossen wurden (Altverträge). Außerdem zählen nach dem 1. Januar 2005 abgeschlossene Verträge dazu, die eine Teilkapitalisierung beziehungsweise eine Einmalauszahlung oder einen Rentenbeginn vor Vollendung des 60. Lebensjahrs vorsehen. Wurde der Vertrag 2012 oder später abgeschlossen, gilt das 62. Lebensjahr.

Im Wesentlichen handelt es sich in dieser Kategorie um private Rentenversicherungen und Zusatzversorgungsrenten für ehemalige Mitarbeiter im öffentlichen Dienst. Solche sonstigen Leibrenten sind im unteren Teil von Seite 1 der Anlage R einzutragen.

Zu versteuern ist nur der Ertragsanteil einer solchen Rente. Dabei unterscheidet sich der Ertragsanteil bei Leibrenten und bei abgekürzten Leibrenten. Bei letzteren handelt es sich um befristete Renten beziehungsweise solche, die mit dem Todeszeitpunkt erlöschen. Beispiele sind

  • private selbstständige Erwerbsminderungsrenten, die nur bis zum 65. Lebensjahr gezahlt werden (Berufsunfähigkeitsrenten) und
  • Waisenrenten aus privaten Versicherungen, die die Voraussetzungen der Basisversorgung nicht erfüllen.

Die Besteuerung von abgekürzten Leibrenten hängt von der voraussichtlichen Laufzeit ab (§ 55 der Einkommensteuer-Durchführungsverordnung). Bei Leibrenten ist der Ertragsanteil abhängig vom Alter des Beziehers bei Rentenbeginn. So liegt dieser bei einem 65-jährigen Leibrentenempfänger bei 18 Prozent.

Altersteilzeit-Leistungen sind begrenzt steuerfrei

Zahlt der Arbeitgeber für den gleitenden Übergang in den Ruhestand Aufstockungsbeträge und zusätzliche Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung, sind diese begrenzt steuerfrei. Allerdings gelten diese als Lohnersatzleistung und unterliegen damit dem Progressionsvorbehalt – sie erhöhen also den Steuersatz für die zu versteuernden Einkünfte.

Aufgabe- und Veräußerungsgewinn ermäßigt versteuern

Für Selbstständige, Gewerbetreibende und Landwirte stellt oft der eigene Betrieb eine wichtige Säule der Altersvorsorge dar. Haben sie das 55. Lebensjahr vollendet oder sind sie dauernd berufsunfähig, profitieren sie von Steuererleichterungen, wenn sie ihren Betrieb aufgeben oder verkaufen. Dafür gibt es einen Freibetrag von 45.000 Euro. Übersteigt der Aufgabegewinn jedoch 136.000 Euro, wird der Freibetrag um den überschießenden Betrag gekürzt. Dieser Aufgabe- beziehungsweise Veräußerungsgewinn kann einmal im Leben mit einem ermäßigten Steuersatz versteuert werden.

Den Altersentlastungsbetrag gibt es ab 64 Jahren

Ältere Steuerzahler bekommen ab dem Kalenderjahr, vor dem sie ihr 64. Lebensjahr vollendet haben, vom Fiskus eine Steuerermäßigung in Form des Altersentlastungsbetrags. Allerdings gilt dieser nicht für Renten und Pensionen, aber für alle anderen Einkünfte (§ 24a EStG).

Beispiel: Am 13. Dezember 2015 wurde Steuerzahler A 64 Jahre alt. Er arbeitet als Angestellter. Ab 2016 steht ihm der Altersentlastungsbetrag zu. Der beträgt in diesem Fall 22,4 Prozent der Einkünfte – und maximal 1.064 Euro. Um höchstens 1.064 Euro kann also Herr A die Summe seiner Einkünfte (beispielsweise aus Lohn, Kapitaleinkünfte, Mieteinnahmen) reduzieren. Dadurch verringert sich der Gesamtbetrag seiner steuerpflichtigen Einkünfte.

Der Altersentlastungsbetrag kann bereits bei der monatlichen Gehaltsabrechnung berücksichtigt werden. Er schmilzt per Gesetz jährlich ab, sodass der Geburtsjahrgang 1974 als letzter davon profitiert. Für 2017 ist der Altersentlastungsbetrag auf 20,8 Prozent und einem Höchstbetrag von 988 Euro gesunken.

Den Altersentlastungsbetrag müssen Sie nicht gesondert beantragen. Das Finanzamt berücksichtigt ihn im Steuerbescheid automatisch.

Hohe Krankheitskosten senken Steuern

Senioren können wie andere Steuerpflichtige von allgemeinen Steuererleichterungen profitieren. Ältere Menschen haben häufig deutlich höhere Krankheits- und Pflegekosten. Das altersbedingte Wohnen in einem Seniorenheim ist zwar steuerlich nicht absetzbar. Etwas anderes gilt jedoch, wenn Behinderung, Krankheit oder Pflegebedürftigkeit die Ursache ist. Von den Unterbringungskosten ist die sogenannte Haushaltsersparnis abzuziehen.

Das heißt: Der Fiskus geht davon aus, dass der Gepflegte durch die Verköstigung im Heim unter anderem Geld für Lebensmittel, Strom und Wasser spart. Für 2016 liegt die Haushaltsersparnis bei 8.652 Euro für das volle Jahr der Heimunterbringung beziehungsweise 1/360 davon für jeden Tag (= 24,03 Euro), wenn der Haushalt erst im Laufe des Jahres aufgelöst wurde. Der Jahresbetrag 2017 liegt bei 8.820 Euro.

Verordnet ein Arzt oder ein Heilpraktiker Medikamente oder Hilfsmittel, dann sind die dafür selbst getragenen Kosten als außergewöhnliche Belastungen abziehbar. Dasselbe gilt für andere Krankheitskosten: Kurkosten, Zuzahlungen für die Brille, das Hörgerät oder für den Zahnarzt. Gegebenenfalls können Sie auch Fahrtkosten und die Aufwendungen einer erforderlichen Begleitperson als außergewöhnliche Belastungen geltend machen. Allerdings gilt auch für Rentner, dass sie nur die Kosten absetzen können, die die zumutbare Belastung übersteigen.

Hinterbliebenen-Pauschbetrag

Zu den außergewöhnlichen Belastungen zählt auch der Hinterbliebenen-Pauschbetrag in Höhe von 370 Euro (§ 33b Abs. 4 EStG). Um diesen Betrag ermäßigt sich auf Antrag das zu versteuernde Einkommen eines Hinterbliebenen. Voraussetzung ist, dass er als Hinterbliebener eine Rente oder andere finanzielle Leistung aufgrund des Tods eines Angehörigen erhält. Beispiele für solche Hinterbliebenenbezüge sind

  • eine Rente aus der gesetzlichen Unfallversicherung bei Tod durch Arbeitsunfall,
  • der Bezug nach dem Gesetz über die Entschädigung für Opfer von Gewalttaten,
  • der Bezug nach dem Soldatenversorgungsgesetz und
  • der Bezug nach dem Gesetz über die Bundespolizei.

Der Pauschbetrag ist auf Seite 3 des Mantelbogens in der Einkommensteuererklärung 2016 in den Zeilen 61 und 62, Feld 380 zu beantragen.

Behinderten-Pauschbetrag

Auch der Pauschbetrag für Behinderte kann beantragt werden, wenn die entsprechenden Voraussetzungen vorliegen (Grad der Behinderung von mindestens 25; § 33b EStG).

Werbungskosten und Sonderausgaben absetzen

Machen Sie in der Steuererklärung keine weiteren Angaben, dann berücksichtigt das Finanzamt für jeden Rentner 102 Euro als Werbungskostenpauschale und 36 Euro als Sonderausgabenpauschale. Die Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge zählen als Sonderausgaben. Diese tragen Sie in der Anlage Vorsorgeaufwand ein. Dorthin gehören auch der Beitrag für die Kfz-Haftpflichtversicherung und für eine Unfallversicherung. Gezahlte Kirchensteuer und Spenden tragen Sie auf der zweiten Seite des Mantelbogens als Sonderausgaben ein.

In die Anlage R gehören die Werbungskosten. Beispiele dafür sind:

  • die Gebühren für einen Rentenberater,
  • die mit der Anlage R verbundenen Steuerberatungskosten und
  • die Ausgaben für Steuersoftware.

Im Ratgeber Steuersoftware empfehlen wir Ihnen Programme, mit denen Sie Ihre Steuererklärung selbst erstellen können. Dazu zählt unter anderem die Steuersparerklärung. Von diesem Programm gibt es eine spezielle Version: Steuersparerklärung für Rentner. Der Herausgeber hat zudem ein Portal namens Steuergoldies geschaffen. Dort finden Rentner Tipps und Werkzeuge rund um die Themen Steuern, Pflege und Behinderung.

Handwerkerleistungen und haushaltsnahe Dienstleistungen können Sie zusätzlich abziehen. Wer als alter Mensch im eigenen Haushalt Hilfe benötigt und deswegen eine ambulante Pflegekraft beauftragt, kann einen Teil seiner Kosten über die Steuererklärung zurückholen. Haushaltsnahe Dienstleistungen lassen sich bis höchstens 20.000 Euro geltend machen und können maximal 4.000 Euro Steuern sparen.

Zusammenveranlagung trotz neuer Lebensgefährtin

Bei Verheirateten ist die Zusammenveranlagung der Normalfall. Das spart in vielen Fällen Geld. Voraussetzung dafür ist, dass beide Partner nicht dauernd getrennt leben. Doch was passiert, wenn einer der beiden dauerhaft ins Pflegeheim muss und der andere Partner mit einer neuen Lebensgefährtin zusammenlebt?

Diesen Fall hatte das Finanzgericht Niedersachsen zu entscheiden. Es bejahte die Zusammenveranlagung, weil der Mann nicht nur die Pflegekosten zahlte, sondern sich nach Auskunft der Pflegeeinrichtung auch weiterhin liebevoll und geduldig um seine Ehefrau kümmerte (Urteil vom 23. Juni 2015, Az. 13 K 225/14; Revision beim Bundesfinanzhof: Az. III R 15/15).

Gefahr der Doppelbesteuerung

In der Übergangsphase bis 2040 sinkt auf der einen Seite der Anteil der steuerfreien Rente, während auf der anderen Seite die steuerpflichtigen Beiträge stets steigen. Es gibt jedoch offensichtlich Fälle, bei denen über die gesamte Laufzeit weniger steuerlich absetzbar ist als letztlich im Alter zu versteuern. Dies hängt natürlich auch von der Lebenserwartung ab.

Eine Doppelbesteuerung von Renten könnte in manchen Konstellationen auftreten. Und dies würde gegen das Grundgesetz verstoßen. Der Wirtschaftsprüfer und Steuerberater Günter Siepe und sein Bruder, der Finanzmathematiker Werner Siepe, haben in einer Studie von 2016 festgestellt, dass viele Arbeitnehmer ab Renteneintritt 2015 von einer Doppelbesteuerung der Rente betroffen sind. Besonders häufig tritt dies bei Höherverdienern im Bereich der Beitragsbemessungsgrenze ein.

Die Siepe-Brüder berechneten in ihrer Studie den Fall eines Rentners mit 45 Beitragsjahren und einem Durchschnittsverdienst (Standardrentner). Ab einem Rentenbeginn im Jahr 2015 übersteigen nach dieser Berechnung die addierten steuerpflichtigen Beiträge die steuerfreien Renten. Die Differenz von anfangs 2.781 Euro steigt bis auf fast 54.000 Euro bei einem Rentenbeginn im Jahr 2040. Dieser Betrag würde ein zweites Mal besteuert werden. Ob die Berechnungen der Siepe-Brüder korrekt sind, ist umstritten.

Es mehren sich jedoch Anzeichen, dass von Jahr zu Jahr immer mehr Rentner von der Doppelbesteuerung betroffen sind und das Problem mit jedem neuen Rentnerjahrgang zunimmt. Nach aktueller Rechtslage muss ein Rentner dies in seinem Einzelfall vor Gericht nachweisen. Dazu benötigt er unter anderem alle Steuerbescheide für die Jahre, in denen er Rentenversicherungsbeiträge gezahlt hat.

Der Bund der Steuerzahler Nordrhein-Westfalen sucht geeignete Fälle, die von einer Doppelbesteuerung betroffen sein könnten. Dazu zählt er Gewerbetreibende und Freiberufler mit Rentenbeginn 2015 und Arbeitnehmer mit Rentenbeginn ab 2018.

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Finanztip-Chefredakteur
Hermann-Josef Tenhagen

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Artikel verfasst von

Udo Reuß

Finanztip-Experte für Steuern

Der Steuerrechtler und Diplom-Kaufmann Udo Reuß ist bei Finanztip für Steuerthemen verantwortlich. Zuvor war er bei verschiedenen Wirtschafts- und Fachverlagen wie Handelsblatt, F.A.Z.-Verlagsgruppe, Haufe-Lexware und Vogel Business Media tätig – 14 Jahre davon arbeitete er als Chefredakteur von Fachzeitschriften. Aus dem komplexen Steuerrecht zieht er die relevanten Urteile für Steuersparer. Den Autor erreichen Sie unter [email protected].