Rentenbesteuerung

Als Rentner steuerfrei im Alter leben – von wegen

Das Wichtigste in Kürze

  • Mehr als 4 Millionen Rentner sind bereits heute einkommensteuerpflichtig, also fast jeder Vierte. Allein die kräftigen Rentenerhöhung im Juli 2016 sorgte vermutlich für rund 160.000 mehr Steuerpflichtige.
  • Das Finanzamt erhält von den auszahlenden Stellen Rentenbezugsmitteilungen und erfährt daher, welche Renten diese überwiesen haben.
  • Falls Sie nur Renten als einzige Einkünfte beziehen, müssen Sie als Lediger grundsätzlich eine Steuererklärung abgeben, wenn Sie mindestens 8.754 Euro Rente im Jahr einnehmen (Grundfreibetrag 2016 + 102 Euro Werbungskostenpauschale).
  • Die verschiedenen Rentenbezüge gehören in die Anlage R, Pensionen hingegen als Versorgungsbezüge in die Anlage N der Einkommensteuererklärung.
  • Die Renten werden unterschieden nach Basisversorgung, steuerlich geförderten Altersvorsorgeverträgen und sonstiger privater Altersvorsorge. Für jede Kategorie gibt es eine andere Besteuerungssystematik.
  • Das zu versteuernde Einkommen lässt sich reduzieren um Werbungskosten, Sonderausgaben, außergewöhnliche Belastungen, Handwerkerleistungen, haushaltsnahe Dienstleistungen, den Altersentlastungsbetrag, einen Hinterbliebenen-Pauschbetrag oder einen Pauschbetrag für Behinderte.
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Es könnte so schön sein: Ein Leben lang hat man gearbeitet und in die Rentenkasse sowie die private Altersvorsorge eingezahlt – und im Alter genießt man einfach das Geld, das nun in umgekehrte Richtung fließt. Doch weit gefehlt: Auch Renten sind steuerpflichtig, und zwar als sonstige Einkünfte. Das ist vielen Ruheständlern nicht bewusst.

Allerdings unterliegt bei den Altersrenten nur ein bestimmter Teil der Steuerpflicht. Wie hoch dieser ist, hängt davon ab, wann jemand erstmals eine Rente bezogen hat. Von den mehr als 20 Millionen Rentnern in Deutschland müssen nach Angaben des Bundesfinanzministeriums derzeit zirka 4 Millionen tatsächlich Steuern zahlen. Diese Zahl steigt aber mit jeder Rentenerhöhung.

Am 1. Juli 2016 stieg die Rente in Westdeutschland um 4,25 Prozent, im Osten sogar um 5,95 Prozent. Das führt dazu, dass vermutlich deshalb rund 160.000 Rentner neu in die Steuerpflicht rutschen, schätzt das Bundesfinanzministerium. Es geht davon aus, dass 2017 bereits rund 4,4 Millionen Rentner eine Steuererklärung abgeben müssen.

Nachgelagerte Besteuerung und Übergangsphase

2005 hat der Gesetzgeber für Renten die nachgelagerte Besteuerung eingeführt. Bis 2040 gibt es eine Übergangsphase, in der nur ein Teil der Rente zu versteuern und im Gegenzug ein immer höherer Anteil der geleisteten Rentenversicherungsbeiträge steuerlich abzugsfähig ist. Dieser Prozentsatz steigt jedes Jahr für Neurentner. Für Bestandsrentner bleibt der steuerfreie Teil in Euro konstant. Mit jeder Rentenerhöhung nimmt die steuerpflichtige Rente zu. Auch deshalb wächst die Zahl der steuerpflichtigen Rentner.

Die Wahrscheinlichkeit, dass Rentner steuerpflichtige Einkünfte beziehen, steigt kontinuierlich. Die Standardrente für das Jahr 2015 lag in Westdeutschland bei 15.611 Euro, in Ostdeutschland bei 14.429 Euro. Ein lediger Rentner, der seit dem 1. Januar 2015 erstmals Rente bezieht, keine weiteren Einkünfte hat und in einer Krankenversicherung mit dem Beitragssatz von 15,6 Prozent versichert ist, muss bei einer Jahresrente von 14.585 Euro im Westen beziehungsweise 14.514 Euro im Osten davon ausgehen, dass er darauf Steuern zu zahlen hat. Diese Zahlen haben der Bundesverband der Rentenberater und der Deutsche Steuerberater-Verband ermittelt.

Die Steuerpflicht greift demnach bei vielen Neurentnern, die eine Standardrente beziehen. Doch viele Ruheständler können diverse Beträge steuerlich absetzen. Daher ist jeder Einzelfall für sich zu prüfen – und so mancher Rentner muss nach Abgabe einer Steuererklärung doch keine Steuern zahlen.

Wann Rentner eine Steuererklärung abgeben müssen

Die meisten Rentner bekommen zu wenig Geld, als dass sie Steuern zahlen müssten. Bei Überschreiten einiger Grenzen sind jedoch auch Bezieher von Ruhegeld verpflichtet, eine Steuererklärung abzugeben. Für 2016 liegt der Grundfreibetrag bei 8.652 Euro, 2017 bei 8.820 Euro. Die Werbungskostenpauschale für Rentner in Höhe von 102 Euro kann addiert werden. Das heißt: 2016 bleiben Renteneinnahmen von bis zu 8.754 Euro im Jahr auf jeden Fall steuerfrei. Bei Zusammenveranlagten verdoppelt sich dieser Betrag.

Haben Sie höhere Werbungskosten, können Sie Aufwendungen geltend machen, falls Sie diese belegen können – zum Beispiel für die Steuer- oder Rentenberatung. Sonderausgaben wie die Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge, außergewöhnliche Belastungen, Handwerkerleistungen und haushaltsnahe Dienstleistungen können Sie zusätzlich abziehen. Haben Sie als Rentner-Ehepaar gemeinsam einen Gesamtbetrag der Einkünfte von mehr als 17.304 Euro, dann müssen Sie grundsätzlich bis zum 31. Mai 2017 eine Steuererklärung für das Jahr 2016 abgeben.

Kommen Nebeneinkünfte – etwa Vermietungs- oder Kapitaleinnahmen – hinzu, zählen diese natürlich dazu. Auch wenn einer der zusammenveranlagten Partner Lohn bezieht oder andere Einkünfte hat, können Sie zur Abgabe verpflichtet sein. Im Ratgeber Pflicht zur Einkommensteuererklärung haben wir die allgemeinen Grundsätze zusammengefasst.

Finanzamt erfährt von Rentenzahlungen automatisch

Die Träger der Rentenversicherungen und auch die privaten Versicherer teilen der Finanzverwaltung in sogenannten Rentenbezugsmitteilungen mit, welche Renten sie im Jahr überwiesen haben (§ 22a Einkommensteuergesetz). Folglich fordern Finanzämter manche Rentner gezielt dazu auf, eine Steuererklärung abzugeben. Wer sich als Steuerpflichtiger bei Elster online für die vorausgefüllte Steuererklärung registrieren lässt, der erhält automatisch auch die gemeldeten Rentenzahlungen als Daten übermittelt.

Steuerpflichtige Rentner müssen die Anlage R ausfüllen

Ihre Rentenbezüge müssen Sie in der Einkommensteuererklärung in die Anlage R eintragen. Anders ist es bei Pensionen. Diese gelten als Versorgungsbezüge aus dem früheren Dienstverhältnis und gehören in die Anlage N. Für Pensionen gibt es einen Versorgungsfreibetrag samt Zuschlag zum selbigen, sodass ein Teil steuerfrei bleibt.

Damit Sie in Anlage R die verschiedenen Renten in die richtige Zeile eintragen können, müssen Sie die Systematik der Rentenarten kennen. Der Gesetzgeber teilt diese in drei Kategorien ein: Basisversorgung, steuerlich geförderte Altersvorsorgeverträge und sonstige private Altersvorsorge – mit jeweils anderen steuerlichen Konsequenzen. Geregelt ist dies im schwer verständlich formulierten Paragrafen 22 Einkommensteuergesetz.

Tipp

Rente von Unfallversicherung

Steuerfrei ist die Rente, die aufgrund eines Arbeitsunfalls von der gesetzlichen Unfallversicherung bezahlt wird. Das gilt auch für Leistungen aus der Kranken- und Pflegeversicherung sowie für Sachleistungen aus der gesetzlichen Rentenversicherung.

Basisversorgung

Bei den Leistungen aus der Basisversorgung handelt sich um dauerhafte, wiederkehrende Zahlungen, meist im monatlichen Turnus – ob als Alters-, Erwerbsminderungs- oder Hinterbliebenenrente. Als Basisversorgung gelten auch Teilrenten oder eine Rentenzahlung, die als einmalige Leistung ausgezahlt wird.

Im Einzelnen handelt es sich um Leibrenten und andere Leistungen aus

Für diese Renten gilt die nachgelagerte Besteuerung, die schrittweise bis 2040 umgesetzt wird (siehe Tabelle). So gilt für Rentner, die erstmals 2016 eine Altersrente erhalten, dauerhaft ein Besteuerungsanteil von 72 Prozent. Das heißt, 28 Prozent der Renten sind steuerfrei. Dieser Anteil sinkt für jüngere Rentnerjahrgänge, sodass bei einem Rentenbeginn 2017 nur noch 26 Prozent steuerfrei ist. Der steuerfreie Teil der Rente wird als konstanter Betrag in Euro ermittelt und für die Folgejahre als individueller Rentenfreibetrag festgeschrieben. Alles, was drüber liegt, muss der Rentner dann versteuern.

Anteil der Besteuerung nimmt zu

Jahr des Rentenbeginns   Besteuerungsanteil (in %)   Steuerfreier Anteil (in %)
2015   70   30
2016   72   28
2017   74   26
2018   76   24
2019   78   22
2040   100   0

Quelle: § 22 Einkommensteuergesetz 

Einzutragen sind diese Renten und anderen Leistungen im oberen Teil der ersten Seite der Anlage R. Die meisten Rentner erhalten auf ihr Konto nicht die vollständige Rente überwiesen. Die Rentenversicherungsträger ziehen vorher die zu zahlenden Beiträge für die Kranken- und Pflegeversicherung ab. Als Rentner müssen Sie in der Steuererklärung die komplette Jahresrente angeben, nicht die Summe der monatlich ausgezahlten Beträge. Die bezahlten Sozialversicherungsbeiträge können Sie in der Anlage Vorsorgeaufwand als Sonderausgaben angeben.

Tipp

Öffnungsklausel

Die Übergangsregelung bis 2040 soll dafür sorgen, dass geleistete Beiträge möglichst kein zweites Mal besteuert werden. Für spezielle Fälle hat der Gesetzgeber eine Öffnungsklausel geschaffen. Diese betrifft vor allem Bezieher von berufsständischen Versorgungseinrichtungen. Haben Sie vor Ihrer Rente bis Ende 2004 mindestens zehn Jahre lang Beiträge oberhalb des Höchstbeitrags zur gesetzlichen Rentenversicherung eingezahlt, können Sie für die auf diesen Beiträgen beruhenden Renten eine günstigere Besteuerung mit dem Ertragsanteil wählen. Dazu müssen Sie in der Anlage R ab Zeile 11 entsprechende Angaben machen.

Steuerlich geförderte Altersvorsorge

Auf die zweite Seite der Anlage R gehören die Renten aus der zweiten Kategorie. Dazu zählen alle Leistungen, die auf steuerlich geförderten Beiträgen beruhen – wie die Riester-Rente und Leistungen aus einer betrieblichen Altersvorsorge (Pensionskasse, Pensionsfonds und Direktversicherung).

In aller Regel basieren diese Leistungen auf Beiträgen, die entweder durch Zulagen, den Sonderausgabenabzug oder durch Steuerfreistellung privilegiert wurden. Dafür gilt grundsätzlich die volle Einkommensteuer, soweit diese Leistungen auf steuerfreien oder geförderten Beiträgen beruhen. Trifft dies nur teilweise zu, dann sind diese auch nur anteilig zu versteuern.

Sonstige Leibrenten

In die dritte Gruppe der sonstigen Leibrenten fallen Renten aus privaten Rentenversicherungsverträgen, die vor dem 1. Januar 2005 abgeschlossen wurden (Altverträge). Außerdem zählen nach dem 1. Januar 2005 abgeschlossene Verträge dazu, die eine Teilkapitalisierung beziehungsweise eine Einmalauszahlung oder einen Rentenbeginn vor Vollendung des 60. Lebensjahrs vorsehen. Wurde der Vertrag 2012 oder später abgeschlossen, gilt das 62. Lebensjahr.

Im Wesentlichen handelt es sich in dieser Kategorie um private Rentenversicherungen und Zusatzversorgungsrenten für ehemalige Mitarbeiter im öffentlichen Dienst. Solche sonstigen Leibrenten sind im unteren Teil von Seite 1 der Anlage R einzutragen.

Zu versteuern ist nur der Ertragsanteil einer solchen Rente. Dabei unterscheidet sich der Ertragsanteil bei Leibrenten und bei abgekürzten Leibrenten. Bei letzteren handelt es sich um befristete Renten beziehungsweise solche, die mit dem Todeszeitpunkt erlöschen. Beispiele sind

  • private selbstständige Erwerbsminderungsrenten, die nur bis zum 65. Lebensjahr gezahlt werden (Berufsunfähigkeitsrenten) und
  • Waisenrenten aus privaten Versicherungen, die die Voraussetzungen der Basisversorgung nicht erfüllen.

Die Besteuerung von abgekürzten Leibrenten hängt von der voraussichtlichen Laufzeit ab (§ 55 der Einkommensteuer-Durchführungsverordnung). Bei Leibrenten ist der Ertragsanteil abhängig vom Alter des Beziehers bei Rentenbeginn. So liegt dieser bei einem 65-jährigen Leibrentenempfänger bei 18 Prozent.

Altersteilzeit-Leistungen sind begrenzt steuerfrei

Zahlt der Arbeitgeber für den gleitenden Übergang in den Ruhestand Aufstockungsbeträge und zusätzliche Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung, sind diese begrenzt steuerfrei. Allerdings gelten diese als Lohnersatzleistung und unterliegen damit dem Progressionsvorbehalt – sie erhöhen also den Steuersatz für die zu versteuernden Einkünfte.

Aufgabe- und Veräußerungsgewinn ermäßigt versteuern

Für Selbstständige, Gewerbetreibende und Landwirte stellt oft der eigene Betrieb eine wichtige Säule der Altersvorsorge dar. Haben sie das 55. Lebensjahr vollendet oder sind sie dauernd berufsunfähig, profitieren sie von Steuererleichterungen, wenn sie ihren Betrieb aufgeben oder verkaufen. Dafür gibt es einen Freibetrag von 45.000 Euro. Übersteigt der Aufgabegewinn jedoch 136.000 Euro, wird der Freibetrag um den überschießenden Betrag gekürzt. Dieser Aufgabe- beziehungsweise Veräußerungsgewinn kann einmal im Leben mit einem ermäßigten Steuersatz versteuert werden.

Den Altersentlastungsbetrag gibt es ab 64

Ältere Steuerzahler bekommen ab dem Kalenderjahr nachdem sie ihr 64. Lebensjahr vollendet haben vom Fiskus eine Steuerermäßigung in Form des Altersentlastungsbetrags. Allerdings gilt dieser nicht für Renten und Pensionen, aber für alle anderen Einkünfte (§ 24a EStG). 

Beispiel: Herr A wurde am 13. Dezember 2015 64 Jahre alt. Er arbeitet als Angestellter. Ab 2016 steht ihm der Altersentlastungsbetrag zu. Der beträgt in diesem Fall 22,4 Prozent der Einkünfte – und maximal 1.064 Euro. Um höchstens 1.064 Euro kann also Herr A die Summe seiner Einkünfte (beispielsweise aus Lohn, Kapitaleinkünfte, Mieteinnahmen) reduzieren. Dadurch verringert sich der Gesamtbetrag seiner steuerpflichtigen Einkünfte.

Der Altersentlastungsbetrag kann bereits bei der monatlichen Gehaltsabrechnung berücksichtigt werden. Er schmilzt per Gesetz jährlich ab, sodass der Geburtsjahrgang 1974 als letzter davon profitiert. Für 2017 ist der Altersentlastungsbetrag auf 22,8 Prozent und einem Höchstbetrag von 988 Euro gesunken.

Hinterbliebenen-Pauschbetrag nutzen

Senioren können wie andere Steuerpflichtige von allgemeinen Steuererleichterungen profitieren. Dazu zählt bei den außergewöhnlichen Belastungen der Hinterbliebenen-Pauschbetrag in Höhe von 370 Euro (§ 33b Abs. 4 EStG). Um diesen Betrag ermäßigt sich auf Antrag das zu versteuernde Einkommen eines Hinterbliebenen. Voraussetzung ist, dass er als Hinterbliebener eine Rente oder andere finanzielle Leistung aufgrund des Tods eines Angehörigen erhält. Beispiele für solche Hinterbliebenenbezüge sind 

  • eine Rente aus der gesetzlichen Unfallversicherung bei Tod durch Arbeitsunfall,
  • der Bezug nach dem Gesetz über die Entschädigung für Opfer von Gewalttaten,
  • der Bezug nach dem Soldatenversorgungsgesetz und
  • dem Gesetz über die Bundespolizei.

Der Pauschbetrag ist auf Seite 3 des Mantelbogens in der Einkommensteuererklärung 2015 in Zeile 62, Feld 380 zu beantragen. 

Auch der Pauschbetrag für Behinderte kann beantragt werden, wenn die entsprechenden Voraussetzungen vorliegen (Grad der Behinderung von mindestens 25; § 33b EStG).

Weitere außergewöhnliche Belastungen

Ältere Menschen haben häufig deutlich höhere Krankheits- und Pflegekosten. Das altersbedingte Wohnen in einem Seniorenheim ist zwar steuerlich nicht absetzbar. Etwas anderes gilt jedoch, wenn Behinderung, Krankheit oder Pflegebedürftigkeit die Ursache ist. Von den Unterbringungskosten ist die sogenannte Haushaltsersparnis abzuziehen. Das heißt: Der Fiskus geht davon aus, dass der Gepflegte durch die Verköstigung im Heim unter anderem Geld für Lebensmittel, Strom und Wasser spart. Für 2016 liegt die Haushaltsersparnis bei 8.652 Euro für das volle Jahr der Heimunterbringung beziehungsweise 1/360 davon für jeden Tag (= 24,03 Euro), wenn der Haushalt erst im Laufe des Jahres aufgelöst wurde.

Verordnet ein Arzt oder ein Heilpraktiker Medikamente, dann sind die dafür selbst getragenen Kosten als außergewöhnliche Belastungen abziehbar. Dasselbe gilt für Kurkosten. Gegebenenfalls können Sie auch Fahrtkosten und die Aufwendungen einer erforderlichen Begleitperson als außergewöhnliche Belastungen geltend machen. Allerdings gilt auch für Rentner, dass sie nur die Kosten absetzen können, die die zumutbare Belastung übersteigen.

Wer als alter Mensch im eigenen Haushalt Hilfe benötigt und deswegen eine ambulante Pflegekraft beauftragt, kann einen Teil seiner Kosten über die Steuererklärung zurückholen. Haushaltsnahe Dienstleistungen lassen sich bis höchstens 20.000 Euro geltend machen und können maximal 4.000 Euro Steuern sparen.

Zusammenveranlagung trotz neuer Lebensgefährtin

Bei Verheirateten ist die Zusammenveranlagung der Normalfall. Das spart in vielen Fällen Geld. Voraussetzung dafür ist, dass beide Partner nicht dauernd getrennt leben. Doch was passiert, wenn einer der beiden dauerhaft ins Pflegeheim muss und der andere Partner mit einer neuen Lebensgefährtin zusammenlebt?

Diesen Fall hatte das Finanzgericht Niedersachsen zu entscheiden. Es bejahte die Zusammenveranlagung, weil der Mann nicht nur die Pflegekosten zahlte, sondern sich nach Auskunft der Pflegeeinrichtung auch weiterhin liebevoll und geduldig um seine Ehefrau kümmerte (Urteil vom 23. Juni 2015, Az. 13 K 225/14; Revision beim Bundesfinanzhof: Az. III R 15/15).

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Finanztip-Chefredakteur
Hermann-Josef Tenhagen

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Artikel verfasst von

Udo Reuß

Finanztip-Experte für Steuern

Der Steuerrechtler und Diplom-Kaufmann Udo Reuß ist bei Finanztip für Steuerthemen verantwortlich. Zuvor war er bei verschiedenen Wirtschafts- und Fachverlagen wie Handelsblatt, F.A.Z.-Verlagsgruppe, Haufe-Lexware und Vogel Business Media tätig – 14 Jahre davon arbeitete er als Chefredakteur von Fachzeitschriften. Aus dem komplexen Steuerrecht zieht er die relevanten Urteile für Steuersparer. Den Autor erreichen Sie unter redaktion@finanztip.de.