Sonderausgaben

Sozialversicherungsbeiträge und Spenden mindern Ihre Steuerlast

Das Wichtigste in Kürze

  • Sonderausgaben sind ein Mischposten in Ihrer Einkommensteuererklärung, durch den Sie kräftig Steuern sparen können.
  • Zu den wichtigsten Sonderausgaben zählen Ihre Aufwendungen für die private Altersvorsorge, insbesondere im Rahmen eines Riester-Vertrags.
  • Auch Aufwendungen für die Betreuung Ihrer Kinder, für Ihre Berufsausbildung, für Unterhaltszahlungen, Ihre Krankenversicherung sowie für Spenden können Sie als Sonderausgaben ansetzen.
  • Da der vom Finanzamt anerkannte Pauschbetrag mit 36 Euro (72 Euro für Verheiratete/Verpartnerte) vergleichsweise niedrig liegt, müssen Sie viele Belege beibringen, um Ihre Ansprüche geltend zu machen.
  • Verkompliziert wird der Abzug von Sonderausgaben, weil Sie mehrere Steuerformulare für Ihre Angaben verwenden müssen.
  • Lassen Sie sich davon nicht abschrecken: Wenn Sie hohe Sonderausgaben geltend machen können, zahlen Sie wahrscheinlich deutlich weniger Steuern.
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Sonderausgaben sind Kosten der Lebensführung, die der Gesetzgeber steuerlich begünstigt, und die deshalb ein großes Steuersparpotenzial haben. Gemeint sind Kosten, die unvermeidbar Ihre wirtschaftliche Leistungsfähigkeit mindern. Dazu gehören beispielsweise Vorsorgeaufwendungen wie Krankenversicherungs- und Altersvorsorgebeiträge, aber auch Spenden und Mitgliedsbeiträge.

Die gesetzliche Regelung können Sie in den Paragrafen 10 bis 10i des Einkommensteuergesetzes nachlesen. Die dort enthaltene Aufzählung ist abschließend: Was nicht aufgelistet ist, wird vom Finanzamt auch nicht anerkannt.

Nicht von Steuerformularen schrecken lassen

Je nachdem, welche Kosten bei Ihnen angefallen sind, brauchen Sie für Ihre Steuererklärung gleich mehrere Vordrucke, um Ihre Sonderausgaben geltend zu machen: Wichtige Teilbereiche, zum Beispiel Unterhalt an den oder die Ex, Spenden und Kirchensteuer finden sich beispielsweise auf Seite 2 des Hauptvordrucks. Die Anlage Vorsorgeaufwand benötigen Sie, damit das Finanzamt Ihre Altersvorsorgeaufwendungen steuermindernd berücksichtigt.

Wenn Sie einen Riester-Vertrag abgeschlossen haben, brauchen Sie zusätzlich zur Anlage Vorsorgeaufwand auch die Anlage AV. Wer Schulgeld an eine Privatschule gezahlt hat, kann diese Zahlungen ebenfalls im Rahmen der Sonderausgaben von der Steuer absetzen. Nicht nur in diesem Fall kommt noch die Anlage Kind ins Spiel – die Sie allerdings sowieso ausfüllen werden, wenn Sie Kinder haben, die Sie in Ihrer Steuererklärung berücksichtigen können.

Niedriger Pauschbetrag

Falls Ihre Sonderausgaben 36 Euro (72 Euro bei zusammen veranlagten Ehepaaren oder eingetragenen Lebenspartnern) nicht übersteigen, können Sie sich die Mühe sparen, die Steuerformulare auszufüllen: Diese Pauschbeträge berücksichtigt das Finanzamt ohne Nachweise. Die meisten Steuerpflichtigen können allerdings weitaus mehr absetzen und so Steuern sparen.

Vorsorgeaufwendungen absetzen

Bei den Vorsorgeaufwendungen wird zwischen drei Bereichen unterschieden:

  • Basisversorgung (gesetzliche Renten, berufsständische Versorgungswerke, landwirtschaftliche Alterskassen und Rürup-Renten),
  • Sonstige Vorsorgeaufwendungen (beispielsweise Kranken-, Pflege-, Arbeitslosen-, Haftpflicht-, Unfall- und klassische private Lebensversicherung mit Abschluss vor 2005) und
  • Zusatzversorgung (Riester-Rente).

Basisversorgung: Den Sonderausgabenabzug für die Aufwendungen zur Basisversorgung können Sie grundsätzlich bis zu einem Höchstbetrag von 22.172 Euro, bei zusammen veranlagten Ehepaaren oder Lebenspartnern 44.344 Euro (ab 2016: 22.767 Euro und 45.534 Euro) geltend machen. Allerdings befinden wir uns derzeit in einer Übergangsphase: Von den vollen Höchstbeträgen können Sie erst ab dem Jahr 2025 profitieren. Bis dahin sieht das Gesetz eine schrittweise Anhebung der jährlich abziehbaren Basisvorsorgeaufwendungen vor.

Im Rahmen Ihrer Steuererklärung für das Jahr 2015 berücksichtigt das Finanzamt maximal 80 Prozent der genannten Höchstbeträge, also 18.668 Euro bzw. 37.336 Euro. Jedes Jahr erhöht sich der abziehbare Höchstbetrag um 2 Prozentpunkte. Für das Jahr 2016 beträgt er demnach 82 Prozent der dann geltenden abziehbaren Höchstbeträge.

Rentenversicherungspflichtigen Arbeitnehmern wird außerdem der eigentlich abziehbare Anteil der Vorsorgeaufwendungen um den steuerfreien Anteil gekürzt, den der Arbeitgeber in seine Rentenversicherung einzahlt.

Beispiel für 2015

Arbeitnehmerbeitrag 4.000 Euro
Arbeitgeberbeitrag 4.000 Euro
Basisrentenvertrag 3.000 Euro
Insgesamt 11.000 Euro
Höchstbetrag 22.172 Euro
80 % von 11.000 Euro 8.800 Euro
Abzüglich steuerfreier Arbeitgeberanteil 4.000 Euro
verbleibender Betrag 4.800 Euro

Im Jahr 2015 kann der Arbeitnehmer im Beispiel Altersvorsorgeaufwendungen in Höhe von 4.800 Euro als Sonderausgaben abziehen. Die Aufwendungen tragen Sie in die Anlage Vorsorgeaufwand auf Seite 1 in die Zeilen 4 bis 10 ein.

Diese gesetzliche Berechnungsweise ist nicht unumstritten, weil – wie im Beispiel oben gezeigt – bei rentenversicherungspflichtigen Arbeitnehmern ein großer Teil ihrer Vorsorgeaufwendungen nicht abziehbar ist. Dazu sind Musterverfahren anhängig und die Finanzämter erlassen Einkommensteuerbescheide bezüglich der Abzugsmöglichkeiten von Vorsorgeaufwendungen schon seit mehreren Jahren nur vorläufig (vgl. Schreiben des Bundesfinanzministeriums vom 11. Dezember 2014).

Falls Ihre Einkommensteuererklärung wegen dieses Sachverhalts als vorläufig gekennzeichnet ist, können Sie sich nach einem für Steuerzahler günstigen Urteil vielleicht doch noch über eine Rückerstattung freuen.

Für bestimmte Berufsgruppen, vor allem für Beamte, Richter, Berufssoldaten und Geistliche, gilt die Kürzungsregelung ebenfalls: Für sie verringern sich die abziehbaren Vorsorgeaufwendungen um den Anteil, der dem Arbeitgeber- und Arbeitnehmeranteil zur gesetzlichen Rentenversicherung entspricht. Wer Gesellschafter-Geschäftsführer einer GmbH oder Vorstandsmitglied einer Aktiengesellschaft ist, muss unter bestimmten Voraussetzungen ebenfalls Kürzungen hinnehmen.

Sonstige Vorsorgeaufwendungen: Seit 2010 können Sie Ihre Beiträge zur Basiskrankenversicherung grundsätzlich in voller Höhe als Sonderausgaben von der Steuer absetzen. Das gilt allerdings nur für die Basisversicherung, die Sie auf sozialhilfegleichem Niveau absichert.

Ihre Aufwendungen für die Basisversorgung tragen Sie in die Anlage Vorsorgeaufwand auf den Seiten 1 und 2 in die Zeilen 11 bis 45 ein.

Beiträge, die Sie für eine darüber hinausgehende Absicherung gezahlt haben, gelten als übrige Vorsorgeaufwendungen. Das sind beispielsweise Beiträge, mit denen Wahlleistungen der Kassen finanziert werden. Wer gesetzlich krankenversichert ist und Anspruch auf Krankengeld hat, muss zudem eine pauschale Kürzung des abzugsfähigen Beitrags um vier Prozent hinnehmen.

Sonderausgaben für Versicherungen Ihres Kinds: Auch die Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung für die Absicherung Ihres Kinds können Sie als Sonderausgaben abziehen, sofern Sie für dieses Kind Anspruch auf Kindergeld oder Freibeträge für Kinder haben.

Das gilt unabhängig davon, ob Sie selbst Versicherungsnehmer sind oder das Kind. Setzen Sie selbst die Beiträge an, hat das Kind allerdings keine Möglichkeit, die Versicherungsprämien als Sonderausgaben abzusetzen: Die Beträge dürfen nicht doppelt berücksichtigt werden. Was Sie für die Absicherung Ihres Kinds zahlen, tragen Sie in der Anlage Kind auf Seite 2 in den Zeilen 31 bis 37 ein.

Weitere sonstige Vorsorgeaufwendungen wie Beiträge zu Arbeitslosen-, Erwerbs-, Berufsunfähigkeits-, Unfall-, Haftpflicht- sowie zu Renten- und Lebensversicherungen können grundsätzlich ebenfalls berücksichtigt werden. Allerdings dürfte das die wenigsten Steuerzahler entlasten. Denn solche Versicherungsbeiträge wirken sich nur aus, wenn Sie die hierfür geltenden jährlichen Höchstbeträge von 2.800 Euro für Selbstständige und 1.900 Euro für Arbeitnehmer nicht schon durch Ihre Beiträge zu Basiskranken- und gesetzlicher Pflegeversicherung ausgeschöpft haben.

Die sonstigen Vorsorgeaufwendungen tragen Sie in die Anlage Vorsorgeaufwand auf Seite 2, Zeile 46 bis 52, ein.

Riester-Sparer: Sofern Sie zum begünstigten Personenkreis gehören, der aus der Riester-Rente Zulagen beanspruchen kann, können Sie möglicherweise von einem zusätzlichen Sonderausgabenabzug in Höhe von 2.100 Euro profitieren. Diese Möglichkeit haben vor allem rentenversicherungspflichtige Arbeitnehmer und Beamte sowie Selbstständige, die freiwillig gesetzlich versichert sind.

Aufwendungen für die Riester-Rente tragen Sie in der Anlage AV ein.

Unterhaltsleistungen an den Ex-Partner: Zu den Sonderausgaben gehören auch laufende oder einmalige Unterhaltsleistungen an Ihre geschiedene oder dauernd getrennt lebende Ehefrau oder Ihren geschiedenen oder dauernd getrennt lebenden Ehemann – das sogenannte Realsplitting. Das Gleiche gilt für eingetragene Lebenspartner, die sich getrennt haben. Die jährlich absetzbare Höchstsumme beträgt 13.805 Euro. Sie erhöht sich noch um den Betrag, den Sie gegebenenfalls zusätzlich für die Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge Ihres Ex-Partners zahlen.

Tipp

Anlage Unterhalt

Wenn Sie den Sonderausgabenabzug nicht beantragen oder alle Versuche scheitern, eine unterschriebene Anlage U vom Ex zu bekommen, können Sie versuchen, Ihre Unterhaltsleistungen alternativ als außergewöhnliche Belastungen geltend zu machen. Dafür ist die Anlage Unterhalt vorgesehen.

Die Sache hat nur einen Haken: Der ehemalige Partner muss Ihrem Sonderausgabenabzug zustimmen, weil er Ihre Unterhaltszahlungen als sonstige Einkünfte in der Anlage SO angeben und versteuern muss. Dafür müssen beide die Anlage U unterschreiben. Die Zustimmung zum Realsplitting gilt immer für ein ganzes Jahr, kann also gegenüber dem Finanzamt nicht im Laufe des Jahres widerrufen werden. Das geht nur vor Beginn des Jahres, für das die Zustimmung nicht mehr gelten soll.

Wenn sich Ihr Ex-Partner weigert, können Sie dessen Zustimmung nur gerichtlich durchsetzen. Um sich die dadurch entstehenden zusätzlichen Kosten zu sparen, können Sie aber auch anbieten, den Ex an Ihrem Steuervorteil zu beteiligen und sich so möglicherweise zu einigen. Dieses Angebot dürfte sich für Sie immer noch lohnen, wenn Sie mehr verdienen als Ihr ehemaliger Partner und sich Ihre Progression durch die Berücksichtigung Ihrer Unterhaltsleistungen als Sonderausgaben verringert.

Möglicherweise darf der frühere Partner umsonst in einer Wohnung wohnen, die Ihnen gehört. Dann können Sie den Mietwert im Rahmen der Sonderausgaben als Unterhaltsleistung absetzen. Falls die Immobilie Ihnen beiden gehört, können Sie als überlassender Ehepartner nicht nur den Mietwert Ihres Miteigentumsanteils, sondern auch die verbrauchsunabhängigen Kosten für den Miteigentumsanteil des Ex absetzen, die Sie aufgrund Ihrer Unterhaltsvereinbarung zu tragen haben. Die Unterhaltsleistungen tragen Sie auf Seite 2 des Mantelbogens in den Zeilen 40 und 41 ein. 

Sollte der Ex Ihnen Miete zahlen, können Sie etwaige Verluste aus dieser Vermietung geltend machen und mit Ihren anderen Einkünften verrechnen. Das geht auch, wenn Sie die Miete mit dem Barunterhalt verrechnet haben, den Sie zahlen müssen.

Der Sonderausgabenabzug bleibt Ihnen sogar erhalten, wenn Sie die Wohnung aufgrund der Unterhaltsvereinbarung zu Wohnzwecken überlassen und sich der Anspruch des Unterhaltsberechtigten auf Barunterhalt dadurch verringert.

Haben Sie Sozialversicherungsbeiträge für einen geschiedenen oder dauernd getrennt lebenden Ehe- oder Lebenspartner geleistet, können Sie diese Zahlungen ebenfalls als Vorsorgeaufwand absetzen.

Gezahlte Kirchensteuer

Die Kirchensteuer, die Sie gezahlt haben, ist in voller Höhe als Sonderausgabe abziehbar. Falls Sie Kapitalerträge erzielen, die Sie mit Ihrem persönlichen Steuersatz versteuern, zählt auch die Kirchensteuer dazu, die auf Kapitalertragsteuer entfällt.

Sofern das Finanzamt Ihnen Kirchensteuer erstattet hat, müssen Sie auch diese Erstattung angeben. Sie wird dann gegengerechnet.

Auch so genannte Kirchenbeiträge, die in mindestens einem Bundesland als Körperschaft des öffentlichen Rechts anerkannte Religionsgemeinschaften erheben, sind als Sonderausgaben abziehbar.

Voraussetzung dafür ist, dass Sie dem Finanzamt eine Empfangsbestätigung der Religionsgemeinschaft über die Beiträge vorlegen können, die Sie gezahlt haben. Auch das in einigen Bundesländern wie beispielsweise in Bayern erhobene Kirchgeld ist als Sonderausgabe absetzbar.

Ihre Kirchensteuer tragen Sie im Mantelbogen auf Seite 2 in der Zeile 42 ein.

Achtung

Keine Sonderausgabe

Kirchensteuern, die als Zuschlag zur Abgeltungssteuer einbehalten wurden, werden pauschal versteuert und stellen daher keine Sonderausgaben dar. Anders ist es, wenn für die Kirchensteuer Ihr persönlicher Steuersatz angewendet wurde.

Erstmalige Berufsausbildung

Kosten Ihrer eigenen erstmaligen Berufsausbildung oder Ihres Erststudiums können Sie mit bis zu 6.000 Euro im Jahr als Sonderausgaben absetzen. Wenn sich bei Ehepaaren oder eingetragenen Lebenspartnerschaften beide Partner in Berufsausbildung befinden, kann jeder den Höchstbetrag ansetzen.

Zu den Ausbildungskosten gehören zum Beispiel:

  • Lehrgangs-, Studien-, Seminar- und Kursgebühren,
  • Aufwendungen für Arbeitsmittel wie PC, Schreibtisch, Fachbücher und anderes Lernmaterial,
  • Unterkunfts- und Übernachtungskosten sowie Mehraufwendungen für Verpflegung.

Ihre Fahrtkosten für die Wege zwischen Wohnung und Ausbildungsstätte, zum Beispiel zur Uni, können Sie in Höhe der tatsächlich entstandenen Kosten ansetzen: Eine Beschränkung auf die Entfernungspauschale gilt bis einschließlich 2013 nicht. 

Dagegen können Ihre Aufwendungen als Werbungskosten berücksichtigt werden, wenn sie

  • für eine weitere Berufsausbildung,
  • für ein weiteres Studium (auch Masterstudium, Promotion oder Habilitation),
  • für ein Erststudium nach einer bereits abgeschlossenen nichtakademischen Berufsausbildung oder
  • im Rahmen eines Ausbildungsdienstverhältnisses

entstanden sind. In diesem Fall füllen Sie nicht Seite 2 des Hauptvordrucks zu den Sonderausgaben, sondern die Anlage N aus.

Anders als die Sonderausgaben ist der Werbungskostenabzug nicht nach oben begrenzt. Sonderausgaben können sich nur im Jahr ihrer Entstehung auswirken und das auch nur, wenn überhaupt steuerpflichtige Einkünfte vorhanden sind – also Einnahmen oberhalb des Grundfreibetrags von 8.472 Euro im Jahr 2015 (2016: 8.652 Euro).

Nur mit diesen können die Ausbildungskosten verrechnet werden. Da viele Studierende und Auszubildenden nicht über so hohe Einkünfte verfügen, entfällt dieser Steuervorteil für sie. Wenn die Ausbildungskosten dagegen Werbungskosten darstellen, kann der Aufwand als Verlust in die Folgejahre vorgetragen werden – als sogenannter Verlustvortrag. Er mindert die Steuerlast in den ersten Berufsjahren nach dem Studium.

Ausgaben für Erstausbildung oder -studium tragen Sie auf Seite 2 des Mantelbogens in den Zeilen 43 und 44 ein.

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Achtung

Mindestanforderungen an Erstausbildung

Bis Ende 2014 war die Mindestdauer der Erstausbildung nicht fest geregelt. So konnte beispielsweise auch eine kurze Ausbildung zum Rettungssanitäter als erstmalige Berufsausbildung gelten. Studierte der Sanitäter danach Medizin, waren die Kosten für diese „Zweitausbildung“ als Werbungskosten unbeschränkt abziehbar. Nach einer Neuregelung des Einkommensteuergesetzes muss seit Januar 2015 die Erstausbildung mindestens zwölf Monate (in Vollzeit) dauern und mit einem Abschluss beendet werden. Nur nach dieser Erstausbildung können Sie Ausgaben für eine Zweitausbildung als Werbungskosten geltend machen.

Einspruch einlegen

Der Bundesfinanzhof hat zwar schon bestätigt, dass die ab 2004 rückwirkende Gesetzesänderung, mit der ein Werbungskosten- und Betriebsausgabenabzugsverbot festgeschrieben wurde, verfassungsgemäß ist (Urteil vom 5. November 2013, Az. VIII R 22/12). Dennoch gibt es noch Chancen, dass Kosten wie Studiengebühren für eine Erstausbildung als vorweggenommene Werbungskosten für den späteren Beruf anerkannt werden können. Der Bundesfinanzhof hat in seiner Entscheidung vom 17. Juli 2014 (Az. VI R 38/12) diesen Fall dem Bundesverfassungsgericht  vorgelegt.

Betroffene sollten sämtliche Kosten als Werbungskosten oder Betriebsausgaben angeben und sich nicht auf die 6.000 Euro beschränken. Das Finanzamt wird die Berücksichtigung der Kosten oberhalb dieser Grenze ablehnen. Gegen Ihren Steuerbescheid sollten Sie dann unter Verweis auf das ausstehende Urteil der Verfassungsrichter (Az. 2 BvL 23/14) innerhalb eines Monats Einspruch einlegen. Nur wenn Ihr Fall noch offen ist, können Sie später von einem etwaigen positiven Ausgang des Verfahrens profitieren.

Spenden und Mitgliedsbeiträge

Tipp

Überbeträge später absetzen

Sofern Sie so großzügig waren, dass Ihre Spenden in einem Jahr den Höchstbetrag von 20 Prozent Ihrer Gesamteinkünfte überschritten haben, können Sie die übersteigenden Beträge in den Folgejahren absetzen – Fachleute sprechen vom Spendenvortrag. Falls das Finanzamt für Sie einen verbleibenden Spendenvortrag festgestellt hat, berücksichtigt die Behörde diesen automatisch.

Spenden und Mitgliedsbeiträge zur Förderung steuerbegünstigter Zwecke berücksichtigt das Finanzamt bis zu 20 Prozent des Gesamtbetrags Ihrer Einkünfte. Alle Spenden und Mitgliedsbeiträge für steuerbegünstigte Zwecke müssen Sie anhand einer Spendenquittung nachweisen. Diese erhalten Sie vom Spendenempfänger, sofern er sie nicht schon elektronisch an das Finanzamt übermittelt hat.

Vereinfachter Zuwendungsnachweis: Bei Spenden und Mitgliedsbeiträgen bis zu 200 Euro je Zahlung ist ein vereinfachter Nachweis erlaubt: Ist der Empfänger der Spenden und Mitgliedsbeiträge eine juristische Person des öffentlichen Rechts oder eine öffentliche Dienststelle, reicht als Nachweis der Bareinzahlungsbeleg oder die Buchungsbestätigung, zum Beispiel ein Kontoauszug.

Haben Sie an gemeinnützige Einrichtungen wie Vereine und Stiftungen gespendet, brauchen Sie zusätzlich einen von dieser Einrichtung erstellten Beleg, der Angaben über die Freistellung von der Körperschaftsteuer und die Verwendung der Mittel enthält. Außerdem muss erkennbar sein, ob es sich um Spenden oder um Mitgliedsbeiträge handelt.

Sie können sogar Sachspenden wie Kleidung oder Spielzeug angeben. Eine Chance, dass das Finanzamt diese anerkennt, besteht aber nur, wenn Sie den Marktwert der Gegenstände belegen können. Dazu bietet es sich an, den Neupreis, die Nutzungsdauer und den Zustand zum Zeitpunkt der Spende zu dokumentieren. Spenden und Mitgliedsbeiträge führen Sie auf dem Mantelbogen auf Seite 2 in den Zeilen 45 bis 56 auf.

Parteispenden: Spenden und Mitgliedsbeiträge an politische Parteien können Sie zur Hälfte unmittelbar von Ihrer ermittelten Steuerschuld abziehen – bis zu einem Höchstbetrag von 825 Euro (bei zusammen veranlagten Ehepaaren/Lebenspartnern 1.650 Euro) im Jahr. Das Gleiche gilt für Spenden und Mitgliedsbeiträge an unabhängige Wählervereinigungen, die die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllen. Spenden Sie also 1.000 Euro an eine Partei, ermäßigt sich Ihre ermittelte Einkommensteuerlast direkt um 500 Euro, nicht etwa Ihr zu versteuerndes Einkommen.

Stiftungen: Spenden in den Vermögensstock einer Stiftung des öffentlichen Rechts oder einer steuerbegünstigten Stiftung des privaten Rechts sind bis zu 1 Million Euro (2 Millionen Euro bei zusammen veranlagten Ehegatten/Lebenspartnern) begünstigt. Ihre Spende können Sie wahlweise im Jahr der Zuwendung oder in den neun folgenden Jahren steuerlich geltend machen.

EU/Europäischer Wirtschaftsraum: Auch Zuwendungen an steuerbegünstigte Organisationen innerhalb der Europäischen Union sowie Island, Liechtenstein und Norwegen können begünstigt sein. Das ist möglich, wenn der ausländische Zuwendungsempfänger nach der Satzung, dem Stiftungsgeschäft oder der sonstigen Verfassung und nach der tatsächlichen Geschäftsführung ausschließlich und unmittelbar gemeinnützigen, mildtätigen oder kirchlichen Zwecken im Sinne der Paragrafen 51 bis 68 Abgabenordnung dient. Um das nachzuweisen, müssen Sie geeignete Unterlagen einreichen, was sich aufgrund des Auslandsbezugs häufig als nicht ganz einfach erweist. Wenn die steuerbegünstigte Organisation im EU-/EWR-Ausland Ihnen nur die Höhe der Zuwendungen bescheinigt, reicht das dem Finanzamt als alleiniger Nachweis nicht aus.

Sport, Heimatkunde und Karneval: Mitgliedsbeiträge an Sportvereine können Sie nicht als Sonderausgaben absetzen. Das Gleiche gilt, wenn der Empfänger beispielsweise kulturelle Betätigungen, die in erster Linie der Freizeitgestaltung dienen, oder die Heimatpflege und Heimatkunde fördert. Dazu zählen auch Tierzucht-, Pflanzenzucht-, Kleingarten- und Karnevalsvereine. Dagegen können Spenden an solche Vereine durchaus als Sonderausgaben berücksichtigt werden, sofern sie die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllen.

Lose, Sonderbriefmarken & Co.: Keine steuerlich begünstigten Spenden sind beispielsweise

  • Aufwendungen für Lose einer Wohlfahrtslotterie,
  • Zuschläge auf Wohlfahrts- und Sonderbriefmarken sowie
  • Zahlungen an gemeinnützige Einrichtungen, die als Bewährungsauflage im Straf- oder Gnadenverfahren auferlegt werden.
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Tipp

Aufwendungen als Übungsleiter geltend machen

Arbeiten Sie ehrenamtlich beispielsweise als Übungsleiter für einen Verein oder für die Kirche? Dann können Sie Ihren Aufwand unter Umständen als Spende geltend machen. Dazu sollten Sie dem Finanzamt eine im Voraus getroffene schriftliche Vereinbarung einreichen, aus der hervorgeht, dass Sie Anspruch auf Aufwendungsersatz haben und förmlich darauf verzichtet haben.

Kinderbetreuungskosten

Tipp

Kinderbetreuungskosten

Bezahlen Sie regelmäßig für die Betreuung Ihrer Kinder, dann ist überschaubar, welche Kosten Ihnen im laufenden Jahr voraussichtlich entstehen. Dafür können Sie sich im Lohnsteuerermäßigungsverfahren einen Freibetrag eintragen lassen und so Ihr monatliches Nettogehalt erhöhen.

Sie können zwei Drittel Ihrer Aufwendungen für Kinderbetreuung, höchstens aber 4.000 Euro je Kind und Kalenderjahr als Sonderausgaben von der Steuer absetzen. Dafür müssen folgende Voraussetzungen erfüllt sein:

  • Das Kind gehört zu Ihrem Haushalt (bei dauerhaft getrennt lebenden Eltern ist grundsätzlich die Meldung des Kindes maßgebend),
  • für das Kind steht Ihnen Kindergeld oder ein Freibetrag für Kinder zu und
  • das Kind hat sein 14. Lebensjahr noch nicht vollendet.

Diese Altersgrenze gilt nicht, wenn das Kind sich wegen körperlichen, geistigen oder seelischen Behinderung nicht selbst unterhalten kann und jünger als 25 Jahre ist. Eine Ausnahme lässt der Gesetzgeber außerdem für Kinder zu, die wegen einer vor dem 1. Januar 2007 in der Zeit ab Vollendung des 25. Lebensjahres und vor Vollendung des 27. Lebensjahres eingetretenen körperlichen, geistigen oder seelischen Behinderung nicht selbst für ihren Lebensunterhalt sorgen können.

Tipp

Belege

Rechnungen und Zahlungsnachweise müssen Sie zwar nur auf Verlangen des Finanzamts vorlegen. Für diesen Fall sollten Sie die Belege aber aufbewahren.

Folgende Aufwendungen können Sie beispielsweise in Ihrer Steuererklärung angeben:

  • wenn Sie Ihren Nachwuchs in Kindergärten, Kindertagesstätten, Kinderhorten, Kinderheimen und Kinderkrippen sowie bei Tagesmüttern, Wochenmüttern und in Ganztagspflegestellen unterbringen;
  • wenn Sie Kinderpflegerinnen, Erzieherinnen, Kinderschwestern oder Haushaltshilfen beschäftigen, die sich um Ihre Kinder kümmern;
  • wenn Sie Ihre Kinder während der Schulaufgaben beaufsichtigen lassen.

Nicht berücksichtigt werden allerdings Aufwendungen für (Nachhilfe-)Unterricht, für die Vermittlung besonderer Fähigkeiten, für sportliche und andere Freizeitbetätigungen sowie für die Verpflegung des Kinds.

Der Abzug von Kinderbetreuungskosten setzt voraus, dass Sie für Ihre Ausgaben eine Rechnung erhalten haben und den Betrag auf das Konto desjenigen überwiesen haben, der das Kind betreut hat. Barzahlungen und Barschecks erkennt der Fiskus nicht an. Die Betreuungskosten tragen Sie in der Anlage Kind auf Seite 3 in den Zeilen 67 bis 73 ein.

Falls Sie im Rahmen eines sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnisses oder eines Minijobs als Arbeitgeber der Betreuungsperson fungieren, reicht als Nachweis der schriftliche Arbeitsvertrag. Wurde das Kind in einem Kindergarten oder Hort betreut, genügt der Bescheid des öffentlichen oder privaten Trägers über die zu zahlenden Gebühren und der Überweisungsbeleg.

Häufig übernehmen nahe Angehörige wie die (Schwieger-)Mutter die Kinderbetreuung. Sofern die Betreuung entgeltlich erfolgt und Sie eindeutige Vereinbarungen getroffen haben, die Sie auch tatsächlich umsetzen, können Sie Ihre Kinderbetreuungskosten auch in diesem Fall von der Steuer absetzen. Die Betreuungsperson darf allerdings nicht mit Ihnen und Ihrem Kind in einem gemeinsamen Haushalt leben.

Vorweggenommene Erbfolge

Um hohe Erbschaftssteuern zu vermeiden (oder aus anderen finanziellen Gründen), übertragen manche Eltern ihr Eigentum schon zu Lebzeiten auf ihre Kinder. Wenn Sie das mit Ihren Eltern vereinbart haben, sollten Sie Versorgungsleistungen, die Sie im Gegenzug zahlen, ebenfalls als Sonderausgaben steuerlich geltend machen. Wie das geht, erfahren Sie im Ratgeber Vorweggenommene Erbfolge.

Community
Die letzten Beiträge zu dieser Diskussion:
Hallo ,
hier mal von den Quellen von den Part herauskopiert:
BASISKRANKENVERSICHERUNG IN VOLLER HÖHE ABSETZEN
Zu den Sonderausgaben, die Sie in voller Höhe von der Steuer absetzen ...
22. September 2014 zum Beitrag
Hallo dietuingr,
vielleicht werden Sie hier fündig?


Viele Grüße
Franziska
22. September 2014 zum Beitrag
Sonderausgaben für private Krankenvers.
Sind private Krankenzusatzvers. als Sonderausgaben steuerlich absetzbar? betr. Steuerjahr 2011 u. 2012.
22. September 2014 zum Beitrag
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Finanztip-Chefredakteur
Hermann-Josef Tenhagen

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Artikel verfasst von

Sabine Himmelberg

freie Finanztip-Mitarbeiterin

Als freie Redakteurin schreibt Sabine Himmelberg auf Finanztip zum Thema Steuern. Sie blickt auf mehr als zwanzig Jahre Redaktionsarbeit im Steuerrecht zurück. Als spezialisierte Fachjournalistin deckt Sabine Himmelberg ein breites inhaltliches Spektrum für Publikationen namhafter Fachverlage ab. Nach ihrem Magisterabschluss an der Universität zu Köln trat sie in die Redaktion des Deubner Verlags ein, der Informationen für Rechtsanwälte und Steuerberater herausgibt und der WEKA-Gruppe angehört. Sie leitete dort drei Jahre lang die Redaktion Steuern.

Udo Reuß

Finanztip-Experte für Steuern

Der Steuerrechtler und Diplom-Kaufmann Udo Reuß ist bei Finanztip für Steuerthemen verantwortlich. Zuvor war er bei verschiedenen Wirtschafts- und Fachverlagen wie Handelsblatt, F.A.Z.-Verlagsgruppe, Haufe-Lexware und Vogel Business Media tätig – 14 Jahre davon arbeitete er als Chefredakteur von Fachzeitschriften. Aus dem komplexen Steuerrecht zieht er die relevanten Urteile für Steuersparer. Den Autor erreichen Sie unter redaktion@finanztip.de.

Eric Brandmayer

Redaktions-Volontär bei Finanztip

Eric Brandmayer unterstützt die Redaktion von Finanztip als Volontär. Während seines Bachelors in Journalismus und Public Relations arbeitete er als Werksstudent beim Deutschen Olympischen Sportbund in der Pressestelle. Praktische Erfahrungen sammelte er bereits in verschiedenen Redaktionen, in der Versicherungsbranche sowie als Autor.