Antrag auf Lohnsteuer-Ermäßigung

So bekommen Sie ein höheres Nettogehalt am Monatsende

Das Wichtigste in Kürze

  • Mit Freibeträgen bei der Lohnsteuer sichern Sie sich ein höheres Nettoeinkommen schon ab dem nächsten Monat – durch einen Lohnsteuer-Ermäßigungsantrag.
  • Steuerpflichtige können individuelle Freibeträge beantragen, die zwei Jahre gültig sind.
  • Ein höheres Nettogehalt kann Ihnen bei Sozialleistungen wie dem Elterngeld finanzielle Vorteile bringen. Sie müssen dafür bestimmte Fristen beachten.
  • Haben Sie einen Freibetrag eintragen lassen, dann müssen Sie im Folgejahr fast immer eine Steuererklärung abgeben.

So gehen Sie vor

  • Den „Antrag auf Lohnsteuer-Ermäßigung“ stellen Sie bis spätestens Ende November beim Finanzamt auf einem amtlichen Vordruck.
  • Bei einem neuen Antrag müssen Sie für die meisten Aufwendungen einen Betrag von mindestens 600 Euro nachweisen. Handwerkerkosten und haushaltsnahe Dienstleistungen zählen hingegen ab dem ersten Euro.
  • Für Freibeträge, die ab 2018 gelten sollen, gibt es seit Oktober 2017 neue Formulare. Im Hauptvordruck ist der vereinfachte Antrag integriert. Dieser genügt, wenn sich nur der steuerfreie Jahresbetrag ändert oder die Zahl der Kindefreibeträge. Sie müssen dem Hauptvordruck noch die entsprechende Anlage beifügen, zum Beispiel die Anlage Werbungskosten.
  • Haben Sie einen Freibetrag, der nach einer Zeit nicht mehr gerechtfertigt ist, müssen Sie das dem Finanzamt mitteilen.
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Mit einem Freibetrag sinkt Ihr zu versteuerndes Einkommen und Ihr Arbeitgeber muss weniger Lohnsteuer einbehalten. Dadurch erhöht sich Ihr monatliches Nettoeinkommen. Um die Vorteile des Lohnsteuer-Ermäßigungsverfahrens zu nutzen, beantragen Sie beim Finanzamt einen Freibetrag. Ausgaben, die Ihre Steuerlast mindern, werden sofort berücksichtigt und nicht erst, nachdem Sie im Folgejahr Ihre Steuererklärung abgegeben haben.

Den Antrag können Sie noch bis Ende November des laufenden Jahres stellen – Sie profitieren dann ab dem kommenden Monat von den geringeren Abzügen. Besonders interessant ist es für diejenigen, die Sonderzahlungen wie Weihnachtsgeld erhalten – meist mit dem Novembergehalt. Diejenigen Arbeitnehmer sollten bis spätestens Ende Oktober den Freibetrag beantragen, damit sie bereits mit der Novemberauszahlung davon profitieren können. Der Kauf von Weihnachtsgeschenken lässt sich so entspannter angehen. Gesetzlich geregelt ist das Verfahren in Paragraf 39a Einkommensteuergesetz.

Dafür gibt es Freibeträge

Sie können sich einen Freibetrag für die Werbungskosten aus Ihrer Arbeitnehmertätigkeit, für Sonderausgaben oder für außergewöhnliche Belastungen eintragen lassen.

Tipp

Mehr Elterngeld

Falls bei Ihnen im Lohnsteuerabzugsverfahren ein Freibetrag berücksichtigt wird, kann sich das aufgrund Ihres höheren Nettogehalts auch positiv auf andere staatliche Leistungen wie das Elterngeld auswirken. Für das höhere Elterngeld müssen Sie jedoch den Steuerklassenwechsel spätestens sieben Monate vor dem Monat, in dem der Mutterschutz beginnt, beantragen. Auch für andere sozialen Leistungen wie Mutterschutz, Arbeitslosengeld I, Kurzarbeitergeld und Krankengeld sind die jeweiligen Fristen einzuhalten.

Beispiele für Werbungskosten:

  • Aufwendungen für Wege zwischen Wohnung und Tätigkeitsstätte (Entfernungspauschale),
  • Reisekosten (soweit Ihr Arbeitgeber sie Ihnen nicht steuerfrei ersetzt),
  • Aufwendungen für Arbeitsmittel wie Fachliteratur, Werkzeug oder typische Berufskleidung,
  • Beiträge zu Berufsverbänden und
  • berufliche Fortbildungskosten.

Beispiele für Sonderausgaben:

Beispiele für außergewöhnliche Belastungen:

Generell gelten individuelle Freibeträge maximal zwei Steuerjahre. Ausnahmen hiervon sind ein Behinderten- oder Hinterbliebenenpauschbetrag. Sobald der Pauschbetrag als elektronisches Lohnsteuerabzugsmerkmal (ELStAM) gespeichert ist, muss er nicht neu beantragt werden. Diese beiden Freibeträge führen nicht automatisch dazu, dass Sie eine Steuererklärung erstellen müssen.

Daneben ist die Eintragung eines Freibetrags auch möglich für:

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Tipp

Freibetrag für Dienstleistungen im Haushalt

Die Aufwendungen für haushaltsnahe Dienstleistungen und Handwerkerleistungen in Privathaushalten können in Höhe des vierfachen Betrags der sich daraus ergebenden Ermäßigung als Freibetrag berücksichtigt werden. Das gilt, soweit sie nicht von dritter Seite (wie einer Versicherung) erstattet werden. Bei Handwerkerleistungen beträgt die maximale Steuerermäßigung 20 Prozent der tatsächlichen Ausgaben, begrenzt auf 1.200 Euro; als Freibetrag wird dann 4.800 Euro festgesetzt. Bei den haushaltsnahen Dienstleistungen ist die Steuerermäßigung auf 510 Euro begrenzt und der Freibetrag somit auf 2.040 Euro (= 4 x 510 Euro).

Diese Fristen gelten

Ihren Antrag für 2017 können Sie noch bis zum 30. November 2017 stellen. Dieser gilt grundsätzlich bis zum Jahresende. Das kann sich insbesondere dann für Sie lohnen, wenn Sie zum Jahresende Sonderzahlungen wie das Weihnachtsgeld erwarten.

Der Freibetrag wird ab dem 1. des Folgemonats zu einem Ihrer Merkmale auf der elektronischen Variante der Steuerkarte, genannt Elstam (kurz für Elektronische Lohnsteuerabzugsmerkmale). Generell beginnt das Lohnsteuer-Ermäßigungsverfahren im Oktober des Vorjahres, für den der Freibetrag gelten soll. Seit Oktober 2017 können Sie einen Antrag auf Lohnsteuer-Ermäßigung für 2018 stellen, der bis Ende 2019 gültig sein kann.

Sie können einen Freibetrag für zwei Jahre statt nur für ein Jahr beantragen. Dies spart etwas Arbeit. Der Freibetrag ist ein Jahresbetrag und wird auf die der Antragstellung folgenden Monate verteilt.

Beispiel: Freibetrag 1.200 Euro, beantragt am

  • 30. Oktober 2017 für 2017 = für November und Dezember 2017 jeweils 600 Euro,
  • 30. November 2017 für 2017 = für Dezember 2017 die gesamten 1.200 Euro,
  • 30. November 2017 für 2017 und 2018 = im Dezember 2017 1.200 Euro und für Januar 2018 bis Dezember 2018 jeweils 100 Euro,
  • 15. Juni 2018 für 2018 und 2019 = Juli bis Dezember 2018 jeweils 200 Euro und Januar bis Dezember 2019 jeweils 100 Euro.
Tipp

Ihr zuständiges Finanzamt

Den Antrag auf Lohnsteuer-Ermäßigung müssen Sie auf einem Papierformular bei dem Finanzamt stellen, in dessen Bezirk Sie zum Zeitpunkt der Antragstellung wohnen. Haben Sie mehrere Wohnungen, ist das Finanzamt jenes Wohnsitzes zuständig, an dem Sie sich vorwiegend aufhalten. Bei Ehegatten oder Lebenspartnern mit mehreren Wohnsitzen ist das Finanzamt zuständig, an dem sich die Familie vorwiegend aufhält.

Eine Besonderheit gilt für den Fall, dass Sie den Antrag im Januar 2018 stellen: Dann wird der Freibetrag rückwirkend zum 1. Januar 2018 gebildet.

Falls sich bei Ihnen im Dezember 2017 etwas ändert und Sie deshalb erst nach dem 30. November 2017 Ihren Antrag stellen, werden diese Änderungen nicht mehr im Lohnsteuer-Ermäßigungsverfahren des laufenden Jahres berücksichtigt. Eine Steuerermäßigung können Sie dann nur noch im Rahmen Ihrer Steuererklärung für 2017 geltend machen.

Sie können sich Ihre Elstam auf Antrag vom Finanzamt für Ihre Unterlagen ausdrucken lassen. Ihrem Arbeitgeber brauchen Sie den Ausdruck aber nicht vorzulegen, weil er die Freibeträge und alle weiteren Änderungen Ihrer Besteuerungsmerkmale in einem elektronischen Abrufverfahren erfährt.

Wenn Sie Ihren Freibetrag beispielsweise erst Ende November für das laufende Jahr beantragen, können Sie auf Nummer sicher gehen und der Lohnbuchhaltung Ihres Arbeitgebers mitteilen, dass diese in der Lohnabrechnung für Dezember den Freibetrag anwenden soll. 

Wie Sie die Antragsgrenze überwinden

Achtung

Versicherungen zählen nicht

Vorsorgeaufwendungen wie die Beiträge zu Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung wirken sich beim Freibetrag nicht aus. Sie werden beim laufenden Lohnsteuerabzug über die Vorsorgepauschale berücksichtigt.

Damit Ihnen das Finanzamt einen Freibetrag einträgt, müssen Ihre Aufwendungen 600 Euro übersteigen. Um diese Grenze zu ermitteln, zieht die Behörde bei den Werbungskosten den Arbeitnehmerpauschbetrag von 1.000 Euro (beziehungsweise 102 Euro bei Versorgungsbezügen) ab.

Bestimmte Sonderausgaben, außergewöhnliche Belastungen allgemeiner Art sowie Unterhaltszahlungen an Ehegatten und andere Angehörige sind Aufwendungen, die für die Berechnung der Antragsgrenze herangezogen werden. Bei den Sonderausgaben berücksichtigt das Finanzamt mindestens den Pauschbetrag von 36 Euro bei Singles und 72 Euro bei zusammenveranlagten Ehepaaren sowie Lebenspartnerschaften. Bevor Sie den Antrag stellen, sollten Sie überschlägig berechnen, ob Sie über die 600-Euro-Grenze kommen.

Diese Grenze gilt nicht für haushaltsnahe Dienstleistungen, Handwerkerkosten, Haushaltshilfen, Verlustvorträge, einen Verlust (beispielsweise aus Vermietung), den Behindertenpauschbetrag und den Hinterbliebenenpauschbetrag. Hier zählt jeder Euro für einen Freibetrag. 

Fiktives Beispiel - Variante 1:
Der Angestellte Peter Müller aus Berlin stellt im Oktober 2015 bei seinem Finanzamt einen Antrag auf Lohnsteuer-Ermäßigung. Er ist bei der Techniker Krankenkasse gesetzlich versichert (0,8 Prozent Zusatzbeitrag), ist kirchensteuerpflichtig, ledig, hat Steuerklasse I und verdient monatlich ein Bruttogehalt von 3.500 Euro. Mit dem Novembergehalt wird ihm ein Weihnachtsgeld in gleicher Höhe ausbezahlt. Weil er mehr als 1.600 Euro Werbungskosten nachweisen kann, beantragt er einen Freibetrag. Allein für die Fahrt zur Arbeit kann er als Entfernungspauschale geltend machen: 220 Tage mal 20 Kilometer (einfache Entfernung Weg Wohnung zum Arbeitsplatz) mal 0,30 Euro gleich 1.320 Euro. Und er hat noch weitere Werbungskosten, weil er folgende berufsbezogenen Kosten selbst getragen hat und nicht vom Arbeitgeber erstattet bekommen hat. Beispielsweise Arbeitsmittel wie Computer, Handy oder Werkzeuge, die beruflich genutzt werden. Hier die Übersicht:

Freibetrag wird im Oktober beantragt

Entfernungspauschale        1.320 €    
Fortbildungskosten        1.500 €    
Fachliteratur        200 €    
Arbeitsmittel        300 €    
= Werbungskosten 2015        3.320 €    
- Arbeitnehmer-Pauschbetrag        -1.000 €    
= Freibetrag 2015        2.320 €    
Freibetrag für November und Dezember jeweils        1.160 €    
             
Gehaltsabrechnung November 2015            
mit Freibetrag       ohne Freibetrag    
Lohnsteuer: 1.427,50 €       1.914,75 €    
Solidaritätszuschlag (5,5 %): 78,51 €       105,31 €    
Kirchensteuer (9 %): 128,47 €       172,32 €    
Gesamtsteuerabzug: 1.634,48 €       2.198,38 €    
Differenz (mehr netto): 563,90 €            
             
Gehaltsabrechnung Dezember 2015            
mit Freibetrag       ohne Freibetrag    
Lohnsteuer: 215,83 €       568,83 €    
Solidaritätszuschlag (5,5 %): 11,87 €       31,28 €    
Kirchensteuer (9 %):19,42 €       51,19 €    
Gesamtsteuerabzug: 247,12 €       615,30 €    
Differenz (mehr netto):368,18 €            
Ergebnis für November und Dezember       563,90 € + 368,18 € = 932,08 €    
             

Quelle: Eigene Berechnung

Variante 2:
Herr Müller beantragt seinen Freibetrag erst im November 2015, sodass der Jahresfreibetrag von 2.320 Euro bei seinem Dezembergehalt von 3.500 Euro berücksichtigt wird:

Freibetrag wird erst im November beantragt

Dezember 2015: mit Freibetrag ohne Freibetrag
Lohnsteuer: 0 € 568,83 €
Solidaritätszuschlag (5,5 %): 0 € 31,28 €
Kirchensteuer (9 %): 0 € 51,19 €
Gesamtsteuerabzug Dezember: 0 € 615,30 €
Freibetrag    
     

Quelle: Eigene Berechnung

Ergebnis: Herr Müller hat immerhin ein um 615,30 Euro höheres Nettogehalt, weil er den Freibetrag nutzt. Da er diesen aber nicht schon Ende Oktober beantragt hat (siehe Variante 1), gibt er dem Finanzamt de facto einen unverzinsten Kredit in Höhe von 316,78 Euro. Dieses Geld kann er sich erst mit der nächsten Einkommensteuererklärung zurückholen. 

Für 2017 ergeben sich wegen des veränderten Steuertarifverlaufs und eines höheren Zusatzbeitrags in der Krankenversicherung geringfügig andere Zahlen.

Diese Unterlagen brauchen Sie

Je nachdem, ob Sie erstmals einen Antrag auf Lohnsteuer-Ermäßigung stellen oder ob Sie Ihren bestehenden Antrag ändern wollen, müssen Sie unterschiedliche Formulare ausfüllen.

  • Wenn Sie erstmals einen Freibetrag für das Kalenderjahr 2017 beantragen oder sich Ihr für das vergangene Kalenderjahr gültiger Freibetrag erhöht, verwenden Sie den amtlichen Vordruck „Antrag auf Lohnsteuer-Ermäßigung“. Den Antrag für die Kalenderjahre 2017/2018 können Sie noch bis Ende November 2017 stellen.
  • Diesen ausführlichen Antrag müssen Sie auch ausfüllen, wenn Sie als Ehepaar die Steuerklassenkombination IV/IV mit Faktor wünschen. Den Faktor erhalten Sie aber jeweils nur für ein Jahr. Sie müssen ihn jedes Jahr neu beantragen. Ab 2018 geht dies nicht mehr über den Lohnsteuer-Ermäßigungsantrag. Stattdessen müssen Sie einen Antrag auf Steuerklassenwechsel stellen.
  • Wenn Sie als Ehepaar die Steuerklassen ändern möchten, können Sie das grundsätzlich einmal im Jahr beantragen. Dafür müssen Sie den „Antrag auf Steuerklassenwechsel bei Ehegatten/Lebenspartnern“ ausfüllen und gemeinsam unterschreiben. Ab 2018 kann jedoch ein Partner mit der Steuerklasse III oder V auch alleine einen Wechsel in die Klasse IV beantragen. Das gilt dann für beide Partner.
  • Wollen Sie 2017 höchstens den Freibetrag beantragen, der für das Kalenderjahr 2016 ermittelt wurde? Oder möchten Sie nur die Zahl der Kinderfreibeträge oder die Steuerklasse I in II ändern lassen? Dann brauchen Sie nur den zweiseitigen amtlichen Vordruck „Vereinfachter Antrag auf Lohnsteuer-Ermäßigung 2017“, den Sie im „Formular-Management des Bundesfinanzministeriums“ finden. Ab 2018 ist der vereinfachte Antrag im Hauptvordruck integriert.
  • Für Anträge ab 2018 gibt es neu gestaltete Formulare, die jetzt ähnlich gestaltet sind wie die für die Steuererklärung. Sie müssen den Hauptvordruck und nur die Anlagen ausfüllen, die Sie für den Antrag benötigen. Es gibt die Anlage Kinder, Anlage Werbungskosten und die Anlage Sonderausgaben/außergewöhnliche Belastungen.
  • Den Antrag müssen Sie auf der ersten Seite des Hauptvordrucks unterschreiben.
Tipp

Steuerklassenkombination IV mit Faktor

Ehepaare und eingetragene Lebenspartnerschaften können anstelle der Steuerklassenkombination III/V beantragen, dass sie die Eintragung der Steuerklassenkombination IV/IV in Verbindung mit einem Faktor bekommen. Beim Faktorverfahren werden Freibeträge in die Berechnung des Faktors einbezogen. Das Faktorverfahren können Sie mit einem „Antrag auf Steuerklassenwechsel bei Ehegatten/Lebenspartnern“ beantragen.

Die Formulare können Sie direkt am Bildschirm ausfüllen oder sich als leere PDF-Datei herunterladen. Beachten Sie bitte, dass Sie das Formular unterschreiben müssen. Daher können Sie es nicht einfach per E-Mail schicken. Das Finanzamt akzeptiert folgende drei Möglichkeiten, damit das ausgefüllte ausgedruckte und unterschriebene Formular korrekt ankommt: Entweder Sie versenden es per Post oder Sie gehen beim Finanzamt vorbei und erledigen die Sache persönlich. Alternativ können Sie einen Bevollmächtigten schicken, der sich ausweisen muss und dem Sie vorher schriftlich eine formlose Vollmacht erteilt haben. Bei Ehepaaren und Verpartnerten muss bei einer persönlichen Antragstellung nur einer von beiden Partnern anwesend sein, wenn beide den Antrag unterschrieben haben.

Wer den Antrag zum ersten Mal stellt, muss seine Angaben glaubhaft machen und – soweit vorhanden – entsprechende Nachweise (zum Beispiel den Ausbildungsnachweis eines Kindes) vorlegen. Beim vereinfachten Antrag verlangt das Finanzamt nicht erneut Nachweise über Ihre Aufwendungen, wenn Sie versichern, dass sich nichts Wesentliches geändert hat.

Sonderfall Grenzgänger

Der sechsseitige Antrag ist auch für Arbeitnehmer vorgesehen, die nicht in Deutschland wohnen, wenn

  • deren Einkünfte mindestens zu 90 Prozent der deutschen Einkommensteuer unterliegen oder
  • die nicht der deutschen Einkommensteuer unterliegenden Einkünfte nicht mehr als den Grundfreibetrag (2015: 8.472 Euro; 2016: 8.652 Euro; 2017: 8.820 Euro; 2018: 9.000 Euro) betragen. Dieser Betrag wird gegebenenfalls nach den Verhältnissen Ihres Wohnsitzstaates gemindert.

Gehören Sie zur Gruppe dieser sogenannten Grenzpendler, müssen Sie Ihrem Antrag auch die „Anlage Grenzpendler EU/EWR“ oder die „Anlage Grenzpendler außerhalb EU/EWR“ beifügen.

Steuererklärung ist Pflicht

Wenn das Finanzamt Ihnen aufgrund Ihres Antrags einen Steuerfreibetrag gewährt, müssen Sie für das abgelaufene Jahr unaufgefordert eine Einkommensteuererklärung abgeben. Von dieser Verpflichtung gibt es drei Ausnahmen:

Sie haben den Behinderten- oder Hinterbliebenenpauschbetrag beantragt.

Nur die Zahl Ihrer Kinderfreibeträge hat sich geändert.

Ihr im Kalenderjahr insgesamt erzielter Arbeitslohn übersteigt 2016 nicht 11.000 Euro (bei zusammenveranlagten Ehepaaren/Lebenspartnern 20.900 Euro). 

Achtung

Alleinerziehende

Wer Anspruch auf den Entlastungsbetrag für Alleinerziehende (Steuerklasse II) hat, muss dem Finanzamt umgehend mitteilen, wenn die Voraussetzungen dafür wegfallen. Das ist beispielsweise der Fall, wenn Sie einen Partner haben, der bei Ihnen einzieht. Der Entlastungsbetrag wurde rückwirkend für das Jahr 2015 auf 1.908 Euro erhöht. Alleinerziehenden Arbeitnehmern mit mindestens zwei Kindern steht ab dem zweiten Kind ein Zuschlag zum Entlastungsbetrag von 240 Euro je Kind zu. Auch diesen können Sie mit einem Lohnsteuer-Ermäßigungsantrag beantragen, falls dies noch nicht berücksichtigt ist. Alternativ holen Sie sich den kompletten Entlastungsbetrag, indem Sie in Ihrer Steuererklärung die entsprechenden Felder in der Anlage Kind ausfüllen.

Freibeträge für Menschen mit Behinderungen und Hinterbliebene

Beeinträchtigte Menschen können wegen der mit ihrer Behinderung zusammenhängenden erhöhten Aufwendungen einen nach dem Grad der Behinderung gestaffelten Pauschbetrag als Freibetrag im Lohnsteuerabzugsverfahren geltend machen (§ 33b Absatz 3 EStG). Alternativ können sie die Pauschbeträge im Rahmen der Veranlagung zur Einkommensteuer ansetzen. Auch die Pauschbeträge für behinderte Menschen und Hinterbliebene fließen in die Elstam ein.

Den Freibetrag für behinderte Menschen müssen Sie deshalb nur dann neu beantragen, wenn der Gültigkeitszeitraum abgelaufen ist oder sich der Grad der Behinderung geändert hat. Falls ein solcher Pauschbetrag Ihrem Kind zusteht und auf Sie übertragen werden soll, setzt auch das einen neuen Antrag voraus.

Pauschbeträge für Behinderte

Grad der Behinderung Pauschbetrag
25-30 310 €
35-40 430 €
45-50 570 €
55-60 720 €
65-70 890 €
75-80 1.060 €
85-90 1.230 €
95-100 1.420 €
Hilflose und Blinde 3.700 €

Quelle: § 33b Absatz 3 Einkommensteuergesetz, Stand: Oktober 2015

Beträgt Ihr Grad der Behinderung weniger als 50, aber mindestens 25, steht Ihnen der jeweilige Pauschbetrag unter diesen weiteren Voraussetzungen zu:

  • Sie haben wegen einer Behinderung einen gesetzlichen Anspruch auf Rente (zum Beispiel Unfallrente, nicht aber aus der gesetzlichen Rentenversicherung) oder andere laufende Bezüge.
  • Oder Ihre Behinderung hat zu einer dauernden Einbuße der körperlichen Beweglichkeit geführt oder beruht auf einer typischen Berufskrankheit.

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Diese Papiere reichen Sie ein

Als Nachweise akzeptiert das Finanzamt:

  • bei einem Grad der Behinderung von 50 oder mehr: Schwerbehindertenausweis oder Bescheid des Versorgungsamts.
  • bei einem Grad der Behinderung von zwischen 25 und 50: Bescheinigung des Versorgungsamts oder Rentenbescheid.

Besonderheiten für blinde und hilflose Menschen

Blinde (BI) und dauernd hilflose behinderte Menschen (H) erhalten – unabhängig vom Grad ihrer Behinderung – einen Pauschbetrag von 3.700 Euro jährlich. Als Nachweise erkennt die Finanzverwaltung entweder einen Schwerbehindertenausweis mit den Merkzeichen Bl oder H an. Beim Merkmal H reicht ab 2017 auch ein Bescheid über die Einstufung in die Pflegegrade 4 und 5.

Tipp

Außergewöhnliche Belastungen

Der Pauschbetrag für behinderte Menschen soll nur die laufenden und typischen Aufwendungen für die Hilfe bei den gewöhnlichen und regelmäßig wiederkehrenden Verrichtungen des täglichen Lebens, für die Pflege sowie für einen erhöhten Wäschebedarf abgelten. Das sind Aufwendungen, die behinderten Menschen erfahrungsgemäß durch ihre Krankheit beziehungsweise Behinderung entstehen und deren alleinige behinderungsbedingte Veranlassung nur schwer nachzuweisen ist. Alle übrigen behinderungsbedingten Aufwendungen (etwa Operationskosten sowie Heilbehandlungen, Kuren, Arznei- und Arztkosten, Fahrtkosten) kann der Steuerpflichtige daneben als außergewöhnliche Belastungen berücksichtigen lassen – auch wenn er einen Pauschbetrag als Freibetrag im Lohnsteuerabzugsverfahren geltend macht (R 33b Einkommensteuer-Richtlinien).

Der Pauschbetrag für Hinterbliebene beträgt 370 Euro jährlich. Davon profitieren Menschen, denen laufende Hinterbliebenenbezüge bewilligt worden sind, zum Beispiel nach dem Bundesversorgungsgesetz oder aus der gesetzlichen Unfallversicherung.

Weitere Tipps

Der „Kleine Ratgeber für Lohnsteuerzahler 2017", den die obersten Finanzbehörden der Länder auf ihren Internetseiten zur Verfügung stellen, enthält weitere Hinweise. Darin finden sich unter anderem diese Tipps:

Freibetrag auf mehrere Dienstverhältnisse aufteilen

Ob und in welcher Höhe Ihr Arbeitgeber einen beantragten und vom Finanzamt ermittelten Freibetrag bei Steuerklasse VI abrufen soll, können Sie selbst entscheiden. Allein für eine solche Verteilung auf die einzelnen Dienstverhältnisse ist kein Antrag beim Finanzamt erforderlich. Sie müssen Ihrem Arbeitgeber lediglich zusätzlich zu Steueridentifikationsnummer und Geburtsdatum den abzurufenden Freibetrag mitteilen.

Soll ein aus anderen Gründen (etwa wegen erhöhter Werbungskosten) gebildeter Freibetrag auf mehrere Dienstverhältnisse aufgeteilt werden, ist ein formloser Antrag beim Finanzamt erforderlich. Das Finanzamt ordnet die Freibetragsanteile den einzelnen Dienstverhältnissen zu. Sie müssen dem Arbeitgeber in diesem Fall weder Angaben zur Anwendung des Freibetrags machen noch dessen Höhe mitteilen.

Kinder berücksichtigen lassen

Im Rahmen des Lohnsteuer-Ermäßigungsverfahrens können Sie Kinder, die zu Beginn des Kalenderjahres 2018 das 18. Lebensjahr vollendet haben und die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllen, berücksichtigen lassen. Einen Antrag auf Lohnsteuer-Ermäßigung sollten Sie stellen, wenn für das Kalenderjahr 2018 Kinderfreibeträge berücksichtigt werden sollen für

  • vor dem 2. Januar 1999 geborene Kinder,
  • nicht in Ihrer Wohnung gemeldete minderjährige Kinder oder
  • Pflegekinder

und diese Kinder nicht bereits im Ermäßigungsverfahren für das Kalenderjahr 2017 berücksichtigt worden sind.

Achtung

Mitteilungspflicht bei Änderungen

Wenn die genehmigte Lohnsteuer-Ermäßigung nicht mehr der Realität entspricht, dann sind Sie verpflichtet, dies dem Finanzamt mitzuteilen. Das gilt beispielsweise, falls Sie nach einem Jobwechsel eine geringere Entfernungspauschale haben, Sie die doppelte Haushaltsführung aufgeben oder Sie keinen Unterhalt mehr zahlen müssen. Auch wenn der Sonderfreibetrag für auswärts wohnende Kinder in der Ausbildung oder der Entlastungsbetrag für Alleinerziehende Ihnen nicht mehr zusteht, müssen Sie das dem Finanzamt unverzüglich mitteilen.

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Finanztip-Chefredakteur
Hermann-Josef Tenhagen

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Artikel verfasst von

Udo Reuß

Finanztip-Experte für Steuern

Der Steuerrechtler und Diplom-Kaufmann Udo Reuß ist bei Finanztip für Steuerthemen verantwortlich. Zuvor war er bei verschiedenen Wirtschafts- und Fachverlagen wie Handelsblatt, F.A.Z.-Verlagsgruppe, Haufe-Lexware und Vogel Business Media tätig – 14 Jahre davon arbeitete er als Chefredakteur von Fachzeitschriften. Aus dem komplexen Steuerrecht zieht er die relevanten Urteile für Steuersparer. Den Autor erreichen Sie unter redaktion@finanztip.de.

Sabine Himmelberg

freie Finanztip-Mitarbeiterin (bis 2015)

Als freie Mitarbeiterin hat Sabine Himmelberg auf Finanztip zum Thema Steuern geschrieben. Sie blickt auf mehr als zwanzig Jahre Redaktionsarbeit im Steuerrecht zurück. Als spezialisierte Fachjournalistin deckt Sabine Himmelberg ein breites inhaltliches Spektrum für Publikationen namhafter Fachverlage ab. Nach ihrem Magisterabschluss an der Universität zu Köln trat sie in die Redaktion des Deubner Verlags ein, der Informationen für Rechtsanwälte und Steuerberater herausgibt und der WEKA-Gruppe angehört. Sie leitete dort drei Jahre lang die Redaktion Steuern.