Fluggasthelfer-Test 2017

Lassen Sie bei Ärger mit der Airline andere für sich arbeiten

Das Wichtigste in Kürze

  • Bei Ärger mit der Fluggesellschaft haben Fluggäste einen Anspruch auf Entschädigung von bis zu 600 Euro, sofern sich der Flieger mehr als drei Stunden verspätet hat oder der Flug abgesagt wurde.
  • Wer sich nicht selbst mit der Airline herumärgern will, kann sich an spezialisierte Anbieter, sogenannte Fluggasthelfer-Portale, wenden.
  • Es gibt dabei zwei Modelle: Inkasso-Unternehmen und Sofortentschädiger.
  • Ein Inkasso-Dienstleister fordert das Geld für Sie ein. Ist er erfolgreich, behält er rund 30 Prozent und überweist Ihnen den Rest. Das kann bis zu sechs Monate dauern – bei einem Gerichtsverfahren noch länger.
  • Ein Sofortentschädiger kauft Ihnen Ihre Entschädigungsforderung ab und zahlt das Geld innerhalb von zwei Tagen aus. Ob er die Entschädigung durchsetzen kann, ist sein Risiko. Dafür behält er als Honorar einen größeren Anteil der Entschädigungsforderung.

So gehen Sie vor

  • Überlegen Sie sich, ob Sie lieber den Spatz in der Hand oder die Taube auf dem Dach wollen: Bei Sofortentschädigern gibt es das Geld sofort, allerdings weniger; bei den Inkasso-Dienstleistern müssen Sie sich gedulden, bekommen aber bei Erfolg mehr Geld.
  • Wer sich für die Geld-Sofort-Variante entscheidet, dem empfehlen wir EUFlight. Der Anbieter behält 41,6 Prozent der Entschädigung. Das Angebot ist aus unserer Sicht fair.
  • Wer einen Inkasso-Dienstleister beauftragen will, dem empfehlen wir besonders den Anbieter Fairplane. Auch bei flug-verspaetet.de, flug-erstattung.de und EUClaim sind Sie in guten Händen.
  • Bei den Inkasso-Firmen müssen Sie rund sechs Monate auf das Geld warten. Im Erfolgsfall ziehen diese Anbieter von der Entschädigung ein Honorar von etwa 30 Prozent ab.
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Ihr Flug hat sich verspätet oder ist ganz ausgefallen? Das ist ärgerlich, aber als Passagier können Sie oft einen finanziellen Ausgleich von bis zu 600 Euro erhalten. Sobald Sie wieder zu Hause sind, sollten Sie deshalb prüfen, ob Ihnen wenigstens eine Entschädigung für die Warterei zusteht.

Dafür müssen Sie sich nicht weiter mit der Airline auseinandersetzen: Es gibt zwei Arten von Unternehmen, die Sofortentschädiger und die sogenannten Fluggast-Portale, die Ihre Rechte für Sie durchsetzen. Darunter sind Firmen, die schon lange am Markt sind, aber auch junge Start-up-Unternehmen.

Wenn Sie die Entschädigung sofort wollen

Wer seine Entschädigung so schnell wie möglich haben will, kann sich an einen Sofortentschädiger wenden. Solche Unternehmen prüfen in einem ersten Schritt die Erfolgsaussichten, unterbreiten dem Fluggast dann bei positivem Ergebnis ein Angebot.

Wer ein solches annimmt, verkauft seine Entschädigungsforderung an den Anbieter, tritt seine Forderung ab und hat innerhalb von zwei Bankarbeitstagen das Geld auf seinem Konto. Die Angelegenheit ist für den Fluggast damit erledigt. Selbst wenn der Anbieter die Forderung nicht durchsetzen kann, kann er nichts zurückfordern.

Gerade für den Fall, dass eine Fluggesellschaft Insolvenz anmeldet, wie das bei Air Berlin im August 2017 der Fall war, sind Fluggäste bei einem Sofortentschädiger auf der sicheren Seite. Es ist allein das Risiko des Sofortentschädigers, ob er die Forderung auch durchsetzen kann. Die Kunden dieser Unternehmen haben ihr Geld schon in der Tasche, während die Air-Berlin-Fluggäste mit Entschädigungsansprüchen, die einen Inkasso-Dienstleister beauftragt haben, keine Aussicht auf Entschädigung mehr haben.

Diesen Sofortentschädiger empfehlen wir

Wir haben vier Unternehmen angeschrieben, die nach diesem Modell arbeiten, und die Antworten ausgewertet. Einige Anbieter bieten sowohl Inkasso als auch Sofortentschädigung an. Dabei blieb unklar, in welchen Fällen sie den Kunden tatsächlich ein Angebot auf eine sofortige Auszahlung machen.

Falls sich ein Fluggast aber für eine Sofortentschädigung entschieden hat, können wir solche Anbieter nicht empfehlen, die dann auch ein Inkasso anbieten. Deshalb raten wir für die Sofortentschädigung nur zu Anbietern, die ausschließlich dieses Modell verfolgen. Wie wir bei unserer Analyse vorgegangen sind, lesen Sie am Ende des Artikels.

Finanztip-Empfehlung ist EUFlight. Im ersten Halbjahr 2017 haben mehr als 12.000 Kunden ihre Entschädigung von EUFlight erhalten. Das Unternehmen behält 35 Prozent zuzüglich Mehrwertsteuer, also 41,65 Prozent, als Honorar ein. Das ist ein faires Angebot. Der Preis findet sich prominent auf der Website. Der Anbieter beachtet die Transparenz-Vorgaben der Europäischen Kommission.

EUFlight übernimmt aber nicht nur die rechtlich eindeutigen Fälle. Das Unternehmen hat auch in Tuifly-Fällen entschädigt. Die Fluglinie hatte im Herbst 2016 zwar massenhaft Flüge annulliert, wollte aber keine Entschädigung zahlen und berief sich auf außergewöhnliche Umstände. Das sieht EUFlight anders.

Die ersten Urteile der Amtsgerichte dazu fallen ganz unterschiedlich aus. Eine eindeutige Tendenz zugunsten der Fluggäste oder zugunsten von Tuifly ist noch nicht zu erkennen. Die Frage wird wahrscheinlich erst durch ein Urteil des Bundesgerichtshofs oder des Europäischen Gerichtshofs geklärt.

EUFlight
Sofortentschädiger EUFlight.de GmbH, Hamburg

Auszahlung nach Erhalt der unterschriebenen Unterlagen
  • Honorar von 41,65 Prozent der Entschädigung inklusive MwSt.
  • viel Erfahrung (rund 12.000 Entschädigungen im 1. Halbjahr 2017)
  • Transparenzanforderungen der EU-Kommission beachtet

So arbeiten die Anbieter von erfolgsabhängiger Entschädigung

Anders als die Sofortentschädiger setzen die Fluggasthelfer-Portale Ihre Ansprüche auf Entschädigung nach der europäischen Fluggastrechteverordnung in aller Regel im Inkasso-Modell durch. Wir haben neun Unternehmen unter die Lupe genommen, vier davon sind eine Finanztip-Empfehlung. Mehr zu unserem Vorgehen lesen Sie am Ende des Artikels.

Der Ablauf ist bei allen untersuchten Portalen ähnlich: Als Passagier eines verspäteten oder ausgefallenen Fluges geben Sie zunächst Ihre Flugdaten auf der Website des Anbieters ein. Dann stellen Sie dem Unternehmen eine Vollmacht aus, damit es in Ihrem Namen tätig werden darf. Dazu übermitteln Sie auch Ihre Flugunterlagen, in der Regel, indem Sie sie einscannen oder fotografieren.

Das Fluggastrechte-Portal prüft Ihre Ansprüche anhand von Rechtsprechung, Wetterdaten und Informationen der Flughäfen. Hat der Fall Aussicht auf Erfolg, bietet Ihnen das Unternehmen an, Ihre Forderung durchzusetzen.

Die meisten Portale handeln dabei wie Inkasso-Dienste: Sie machen den Anspruch ihrer Kunden also außergerichtlich oder in einem gerichtlichen Mahnverfahren geltend. Sie bieten selbst keine Rechtsberatung an. Zahlt die Fluggesellschaft nicht, schalten die Fluggasthelfer meist einen Anwalt ein. Notfalls erstreiten sie den Anspruch auch vor Gericht.

Nach Angaben der neun von uns befragten Unternehmen dauert es unterschiedlich lange, bis ein Fall entschieden ist: Mal sind es wenige Wochen, manchmal bis zu acht Monate. Geht der Fall vor Gericht, kann es auch schon mal bis zu zwei Jahre dauern.

Die Verfahren sind wichtig, da unklare Rechtsfragen vor den Gerichten bis hin zum Europäischen Gerichtshof (EuGH) geklärt werden. Das wiederum kommt allen Verbrauchern zugute. Der Anbieter Fairplane hat zum Beispiel bereits vier für Verbraucher wichtige Urteile vor dem EuGH erstritten, darunter eines, wonach das Öffnen der Türen als Ankunftszeit zu verstehen ist und nicht etwa die Landung des Flugzeugs (Urteil vom 4. September 2014, Az. C-452/13).

Erst wenn der Flugrechte-Dienst Ihren Fall erfolgreich abschließen kann, müssen Sie für dessen Arbeit zahlen. Rechnen Sie mit 26 bis 30 Prozent der Entschädigung, die der Dienst für Sie erstreitet – egal, ob der Fall vor Gericht geht oder nicht. Wenn der Fluggasthelfer die Entschädigung von der Airline erhält, zieht er seine Erfolgsprovision ab und überweist Ihnen den Rest.

Achtung

An Ryanair müssen Sie selbst schreiben

Die Fluggesellschaft Ryanair hat in ihren Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) geregelt, dass Fluggäste sich zunächst selbst an die Airline wenden müssen. Das Unternehmen stellt dafür ein Formular auf seiner Internetseite zur Verfügung.

Reagiert die Airline nicht innerhalb von 28 Tagen, dürfen Fluggäste ihre Entschädigungsforderungen auch von Dritten geltend machen lassen (Ziffer 15.2.2). Damit will das Unternehmen verhindern, dass sich die Kunden an Fluggast-Portale wenden. Ob diese Klausel wirksam ist, ist derzeit noch nicht geklärt.

Ein klares Abtretungsverbot gibt es aber nicht mehr in den AGB von Ryanair. Das Amtsgericht Köln hatte eine solche Klausel in einem von EUFlight* geführten Verfahren für unwirksam gehalten (Az. 113 C 381/16).

Diese Fluggasthelfer mit Inkasso-Modell empfehlen wir

Auf einige Aspekte haben wir in der Untersuchung besonderen Wert gelegt.

Transparenzvorgaben -  Auf ihren Websites werben die Portale in der Regel mit einem Netto-Betrag als Provision. Sie müssen also noch die Mehrwertsteuer addieren, um die tatsächlichen Gebühren zu erhalten. Die Europäische Kommission hat allerdings im März 2017 ausdrücklich darauf hingewiesen, dass die Anbieter den Gesamtpreis einschließlich der Mehrwertsteuer gut sichtbar auf der Website ausweisen müssen. In der folgenden Tabelle finden Sie die Kosten inklusive Mehrwertsteuer der vier empfehlenswerten Portale.

Preisvergleich der vier Finanztip-Empfehlungen

  Fairplane   flug-verspaetet.de   flug-erstattung.de   EUClaim  
Kosten inkl. MwSt. 29,16 %   29,75 %   26,18 %   26,8 %  
Kosten Beispielfall (1) 73,50 €   74,37 €   65,45 €   67 €  

(1) Entschädigung von 250 Euro für einen verspäteten Flug außerhalb Deutschlands

Quelle: Finanztip-Recherche (Stand: 1. Dezember 2017)

Besonders empfehlenswert ist Fairplane

Von den neun untersuchten Anbietern überzeugte uns Fairplane besonders. Das Unternehmen ist kein Inkasso-Dienstleister, sondern ein Prozessfinanzierer. Es arbeitet ausschließlich mit spezialisierten Rechtsanwälten und bringt eine Rechtsfrage auch mal bis vor den Europäischen Gerichtshof. Das schafft Rechtssicherheit und hilft perspektivisch allen Fluggästen. In etwa 18.000 Fällen hat Fairplane im ersten Halbjahr 2017 eine Entschädigung an Fluggäste ausgezahlt.

Gut gefällt uns die Haltung von Fairplane, etwa wenn es um die Rechte von Fluggästen gegen Tuifly geht. Die Airline musste im Herbst 2016 viele Flüge streichen, da sich sehr viele Crew-Mitglieder krank gemeldet hatten und die Fluggesellschaft keinen Ersatz finden konnte. Tuifly wertet die Krankheitswelle als Streik und will deshalb keine Entschädigung zahlen. Fairplane akzeptiert das nicht und hat knapp 50 Klagen gegen die Airline eingereicht. Das zeigt, dass das Portal auch an der Seite der Verbraucher steht, wenn es rechtlich mal nicht glasklar ist.

Außerdem sind die Portale flug-verspaetet.de, flug-erstattung.de und EUClaim geeignete Adressen für Fluggäste. Sowohl die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) als auch die Kosten sind für Verbraucher bei diesen Anbietern transparent.

Falls die Airline Verzugszinsen gezahlt hat, leiten diese Anbieter sie an den Kunden weiter. Bietet die Fluglinie einen Vergleich an, sollte der Verbraucher auch zustimmen müssen – es geht schließlich um seine Entschädigungsforderung, über die er die Entscheidungskompetenz haben sollte, auch wenn er ein Fluggasthelfer-Portal beauftragt hat. Bei den Finanztip-Empfehlungen Fairplane, flug-verspaetet.de und flug-erstattung.de muss der Kunde einem Vergleich konkret zustimmen.

Bevor Sie einem Fluggasthelfer, der Ihnen nur bei Erfolg eine Entschädigung auszahlt, einen Auftrag erteilen, sollten Sie sich die vier Anbieter ansehen. Zur Orientierung haben wir die wichtigsten Kriterien zusammengefasst:

Fairplane
Prozessfinanzierer FP Passenger Service GmbH, Wien

Auszahlung bei Erfolg gegen die Fluggesellschaft
  • Honorar von 29,16 Prozent der Entschädigung inklusive MwSt.
  • viel Erfahrung (rund 18.000 Entschädigungen im 1. Halbjahr 2017)
  • Verzugszinsen bekommt der Fluggast
  • Fluggast muss einem Vergleich immer konkret zustimmen


flug-verspaetet.de
Inkassodienstleister Flug-verspaetet.de GmbH, Frankfurt

Auszahlung bei Erfolg gegen die Fluggesellschaft
  • Honorar von 29,75 % der Entschädigung inklusive MwSt.
  • sehr viel Erfahrung (rund 28.000 Entschädigungen im 1. Halbjahr 2017)
  • Verzugszinsen bekommt der Fluggast
  • Fluggast muss einem Vergleich immer konkret zustimmen

flug-erstattung.de
Inkassodienstleister The Flight-Refund GmbH, Aachen

Auszahlung bei Erfolg gegen die Fluggesellschaft
  • Honorar von 26,18 % der Entschädigung inklusive MwSt.
  • ausreichend Erfahrung (rund 600 Entschädigungen im 1. Halbjahr 2017)
  • Verzugszinsen bekommt der Fluggast
  • Fluggast muss einem Vergleich immer konkret zustimmen

EUClaim
Inkassodienstleister EUClaim Deutschland GmbH, Duisburg

Auszahlung bei Erfolg gegen die Fluggesellschaft
  • Honorar von 26,76 % der Entschädigung inklusive MwSt.
  • viel Erfahrung (rund 2.600 Entschädigungen im 1. Halbjahr 2017 ausgezahlt)
  • Verzugszinsen bekommt der Fluggast

Was wir an den anderen Anbietern bemängeln

Die fünf anderen Anbieter in unserer Analyse haben uns dagegen nicht überzeugt. Bei einigen ließ das Preissystem zu wünschen übrig, weil bei einer gerichtlichen Durchsetzung der Ansprüche oder bei einem Vergleich weitere Kosten anfallen.  

Auch Anbieter, die sich als Inkasso-Dienstleister die Entschädigungsforderung abtreten lassen, halten wir nicht für empfehlenswert, auch dann nicht, wenn sie sich diese Vorgehensweise lediglich vorbehalten.

Einige Anbieter haben im Vergleich zu unserer Untersuchung im Jahr 2016 ihre Praxis verändert und lassen sich die Forderungen nunmehr grundsätzlich, in Einzelfällen oder nach ihrem Belieben abtreten. Es gibt aus unserer Sicht keinen nachvollziehbaren Grund, warum der Fluggast im Inkasso-Modell seine Forderung gegen die Airline abtreten und damit gewissermaßen in Vorleistung gehen sollte.

Mit einer Bevollmächtigung kann ein Portal die Ansprüche ebenfalls effektiv durchsetzen, denn auch ein Rechtsanwalt lässt sich regelmäßig nur bevollmächtigen. Der Kunde verliert durch die Abtretung seinen „Vermögenswert“, er kann dem Portal nicht mehr so leicht kündigen und hat zudem das Insolvenzrisiko des Anbieters. Hat er seine Forderung abgetreten, würde diese im Fall der Insolvenz des Portals in die Insolvenzmasse fallen. Der Fluggast hätte seinen Anspruch auf Entschädigung verloren.

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So haben wir getestet

Fluggasthelfer-Test 2017

Wir haben zwei Arten von Anbietern im Zeitraum vom 19. Oktober bis zum 20. November 2017 untersucht: Sofortentschädiger und Inkasso-Dienstleister.

Dabei haben wir uns auf die Anbieter beschränkt, die bei einer Google-Suche am 16. Oktober 2017 jeweils auf den ersten drei Ergebnisseiten zu den Begriffen „Flugverspätung Entschädigung“, „Flugannullierung Entschädigung“, „Fluggastrechte EU-Verordnung", „Fluggasthelfer" und „Fluggastrechte Portale“ angezeigt wurden.

Sofortentschädiger

Bei den Sofortentschädigern haben wir fünf Unternehmen berücksichtigt, die Kunden Entschädigungsforderungen abkaufen. Dazu gehören: Compensation2go, EUFlight, Fairplane (Fairplane-Express) und Flightright (Flightcash) sowie flug-erstattung.de.

Der einzige Anbieter, der ausschließlich eine Sofortentschädigung anbietet, ist EUFlight. Dieser behält 41,65 Prozent der Entschädigung der Fluglinie ein. Das ist eine aus unserer Sicht und im Vergleich zu den Gebühren der herkömmlichen Fluggasthelfer faire Auszahlung. Die Angaben auf der Website sind transparent, entsprechen den Anforderungen der Europäischen Kommission und sind nicht irreführend.

Drei der anderen vier Anbieter sind eigentlich Inkasso-Dienstleister, die als zusätzlichen Service auch Sofortentschädigungen anbieten. Ein weiteres Unternehmen tritt zwar als Sofortentschädiger auf, bietet aber einem Viertel seiner Kunden dann doch eine Durchsetzung der Forderung im Inkasso-Modell an. Hat sich ein Fluggast für die Sofortentschädigung entschieden, wollen wir ihm keinen Anbieter empfehlen, der dann im Ergebnis das Inkasso-Modell anbietet. Deshalb halten wir bei den Sofortentschädigern nur das Unternehmen für empfehlenswert, das das ausschließlich anbietet.

Inkasso-Dienstleister

Von den Inkasso-Dienstleistern haben wir dreizehn Unternehmen angeschrieben, von neun eine Antwort bekommen und sie in unsere Untersuchung einbezogen: Airhelp, Compensation2go,  EUClaim*, Fairplane*, Flightright, flug-erstattung.de, flugrecht.de, flug-verspaetet.de* und refund.me.

Wir haben den Anbietern Fragen zu folgenden Themen gestellt: zum Unternehmen, zur Anzahl der im Jahr 2017 angenommenen Fälle, zur Anzahl der 2017 ausgezahlten Entschädigungen, zu erstrittenen Urteilen, zum Umgang mit Verzugszinsen und Vergleichen, ob der Fluggast den Vertrag auch wieder beenden kann sowie zu den Kosten.

Die vier von uns empfohlenen Anbieter haben die Fragen vollständig beantwortet. Zudem haben wir die Allgemeinen Geschäftsbedingungen der einzelnen Fluggasthelfer-Portale unter die Lupe genommen. Schließlich haben wir die Websites der Unternehmen daraufhin angeschaut, ob sie das Honorar auf der ersten Webseite und inklusive Mehrwertsteuer angegeben haben.

Wichtig war uns auch, ob der Anbieter in dem bei den Google-Ergebnislisten angezeigten Kurztext und auf seiner Website dem Leser in Aussicht stellt, dass er bis zu 600 Euro bekommen könne. Das ist aus unserer Sicht irreführend, da ein Fluggast die volle Entschädigungssumme gerade nicht bekommt, wenn er den Anbieter beauftragt. Formulierungen wie „Holen Sie sich Ihre 600 Euro“ oder „Glückwunsch! Ihre Entschädigung beträgt: 600 Euro“, ohne den konkreten Auszahlungsbetrag zu nennen, sind aus unserer Sicht irreführend.

Voraussetzungen für empfehlenswerte Inkasso-Dienstleister
Grundvoraussetzung für eine Finanztip-Empfehlung ist, dass der Anbieter keine zusätzlichen Kosten erhebt, sofern er einen Rechtsanwalt beauftragt, ein Gerichtsverfahren anstrengt oder einen Vergleich abschließt. Zwei Anbieter haben diese Voraussetzung nicht erfüllt: Bei einem Anbieter erhöhen sich die Kosten des Portals auf 50 Prozent, sofern ein Anwalt eingeschaltet wird. Bei einem anderen kommen bei der Abgabe an einen Anwalt zu den 29,75 Prozent Grund-Honorar weitere 29,75 Prozent, so dass der Kunde dann fast 60 Prozent zahlen müsste.

Als zweite Voraussetzung bei den Inkasso-Dienstleistern haben wir festgelegt, dass sie sich die Entschädigungsforderung nicht abtreten lassen. Wir finden es wichtig, dass der Fluggast Inhaber seiner Forderung bleibt.

Für die Abtretung der Forderung zahlt der Sofortentschädiger den Kaufpreis – und zwar umgehend nach Eingang der Abtretung. Lässt sich hingegen der Inkasso-Dienstleister die Forderung abtreten, geht der Fluggast in Vorleistung und erhält nur im Erfolgsfall einen Teil der Entschädigung. Er ist nicht mehr Inhaber der Forderung, nachdem er sie abgetreten hat.

Ist der Anbieter nicht erfolgreich, kann der Fluggast keinen weiteren Anbieter oder einen Rechtsanwalt beauftragen. Ihm gehört die Forderung nämlich gar nicht mehr. Dazu müsste er sich erst die Forderung rückübertragen lassen.

Außerdem übernimmt der Fluggast durch die Abtretung das Insolvenzrisiko des Anbieters. Muss das Unternehmen Insolvenz anmelden, nachdem ein Reisender seinen Anspruch abgetreten hat, fällt die Forderung in die Insolvenzmasse.

Vier der untersuchten Portale lassen sich die Forderung abtreten. Sie haben damit unsere Voraussetzung nicht erfüllt, auch wenn sie im Einzelfall entscheiden, ob sie sich den Anspruch abtreten lassen.

Diese Kriterien haben wir bewertet
Anhand der folgenden Kriterien, die wir mit einzelnen Punkten bewertet haben, haben wir unsere Empfehlungen sortiert:

Zustimmung zum Vergleich - Es ist für den Fluggast aus unserer Sicht positiv, wenn er einem Vergleich konkret zustimmen muss (5 Punkte). Das ist bei drei der empfohlenen Anbieter für jeden Vergleich vorgesehen. Kann das Unternehmen allein entscheiden, ob es sich außergerichtlich oder gerichtlich einigt, hat der Verbraucher darauf keinen Einfluss mehr. Das ist nicht kundenfreundlich.

Zinsen als Zusatzprovision - Einige Anbieter fordern zwar Zinsen auf die Entschädigungssumme, behalten diese aber als eine Art Zusatz-Provision. Auch das halten wir nicht für verbraucherfreundlich. Wer die Zinsen an den Kunden weitergibt, den haben wir positiv bewertet (5 Punkte).

Möglichkeit der Kündigung - Besonders kundenfreundlich ist ein Service, der sich jederzeit kündigen lässt. Das ist mittlerweile bei keinem Anbieter mehr so ohne Weiteres möglich. Der Kunde braucht dazu schon einen wichtigen Grund. Für diese Regelung haben wir 5 Punkte vergeben. Den Vertrag mit Fairplane kann der Fluggast kündigen, falls der bearbeitende Rechtsanwalt sich zu viel Zeit lässt oder wenn nach 24 Monaten das Verfahren noch nicht beendet ist. Da das zusätzliche Kündigungsmöglichkeiten bedeutet, haben wir diese Regelung mit 10 Punkten bewertet.

Preistransparenz auf der Internetseite - Die Kosten müssen für den Verbraucher transparent auf der ersten Seite des Internetauftritts zu finden sein (5 Punkte). Nach der Mitteilung der EU-Kommission soll das Unternehmen das Honorar inklusive Mehrwertsteuer angeben (5 Punkte). Positiv bewertet haben wir, wenn der Anbieter die europäischen Vorgaben berücksichtigt hat. Besonders transparent ist es aus unserer Sicht, wenn das Unternehmen anhand von Beispielen ausrechnet und in einem Euro-Betrag angibt, was die Dienstleistung für den Verbraucher tatsächlich kostet (5 Punkte).

Irreführende Angaben auf der Website - Viele Anbieter schreiben, der Fluggast bekomme bis zu 600 Euro. Beauftragt der Verbraucher aber das Unternehmen mit der Durchsetzung seiner Rechte, bekommt er keinesfalls 600 Euro ausgezahlt, sondern etwa 30 Prozent weniger, da das Unternehmen im Erfolgsfall nur die um das eigene Honorar gekürzte Entschädigung überweist. Wir halten die Werbung mit den 600 Euro für irreführend. Wir haben uns dazu den in der Google-Suche angezeigten Kurztext sowie die Websites der einzelnen Unternehmen angesehen. Waren die Angaben aus unserer Sicht nicht irreführend, haben wir dafür jeweils 5 Punkte vergeben.

Zahlentransparenz uns gegenüber - Schließlich haben wir es positiv bewertet, sofern der Anbieter unsere Fragen beantwortet und uns mitgeteilt hat, wie viele Fälle er im ersten Halbjahr 2017 angenommen und ausgezahlt hat. Dadurch hat er die Angaben uns gegenüber plausibilisiert und nachvollziehbar gemacht. Für beide Angaben haben wir jeweils 5 Punkte vergeben.

Im Folgenden die Ergebnisse unserer Empfehlungen im Überblick:

Test der Portale für Fluggastrechte – Die Finanztip-Empfehlungen

  Fairplane (Wiesbaden) flug-verspaetet.de (Frankfurt) flug-erstattung.de EUClaim (Berlin)
Kosten inkl. MwSt. 29,16 % 29,75 % 26,18 % 26,8 %
Zusatzkosten keine keine keine keine
Zustimmung des Verbrauchers zum Vergleich erforderlich ja, immer (5 Punkte) ja, immer (5 Punkte) ja, immer (5 Punkte) Vorabzustimmung bei Vergleichen über 75 % der Entschädigungssumme (0 Punkte)
Kündigungsmöglichkeit aus wichtigem Grund und zwei weitere Kündigungsmöglichkeiten (10 Punkte) aus wichtigem Grund (5 Punkte) aus wichtigem Grund (5 Punkte) jederzeit, ggf. entstandene Kosten muss der Kunde zahlen (5 Punkte)
Zinsen Zinsen gehen an den Kunden (5 Punkte) Zinsen gehen an den Kunden (5 Punkte) Zinsen gehen an den Kunden (5 Punkte) Zinsen gehen an den Kunden (5 Punkte)
Transparente Preisangabe auf der ersten Webseite (15 Punkte möglich) 10 Punkte 5 Punkte 5 Punkte 5 Punkte
keine Irreführung mit Aussicht auf Zahlung von 600 € (10 Punkte möglich) 5 Punkte 0 Punkte 0 Punkte 0 Punkte
angenommene Anfragen im 1. Halbjahr 2017 keine Angabe 29.000 (5 Punkte) keine Angabe keine Angabe
erstattete Zahlungen im 1. Halbjahr 2017 18.000 (5 Punkte) 28.000 (5 Punkte) 600 (5 Punkte) 2.600 (5 Punkte)
Gesamtpunktzahl: 40 Punkte 30 Punkte 25 Punkte 20 Punkte

Quelle: Finanztip-Recherche, AGB der Anbieter (Stand: 20. November 2017)

 

 

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von Finanztip,
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Finanztip-Chefredakteur
Hermann-Josef Tenhagen

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Artikel verfasst von

Dr. Britta Beate Schön

Finanztip-Expertin für Recht

Britta Beate Schön ist bei Finanztip für sämtliche Rechtsthemen zuständig. Die promovierte Juristin und Rechtsanwältin war als Leiterin der Rechtsabteilung bei Finanzdienstleistern wie der Telis Finanz AG und der Interhyp tätig. Vorher lehrte und forschte sie in Japan als DAAD-Junior-Professorin für deutsches und Europarecht. Ihr Studium absolvierte sie in Münster, Genf, Regensburg und Leipzig. Die Autorin erreichen Sie unter [email protected].