ETF auf den MSCI World

Die Rendite könnte höher sein

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein börsengehandelter Indexfonds (ETF) auf den MSCI World liefert niedrigere Renditen, als nach Abzug der offiziellen Verwaltungskosten zu erwarten wäre.
  • Ursachen können nicht ausgeschöpfte Steuerspar-Abkommen oder zusätzliche versteckte Kosten sein.
  • Unter dem Strich sind ETF-Anleger deutlich schlechter gestellt als Investoren, die direkt in die vom Fonds abgebildeten Aktien investieren. Privatanlegern ist solch eine Investition in der Praxis aber kaum möglich, unter anderem wegen der sehr hohen Anlagesumme, die dafür nötig wäre.
  • Letztlich bleiben MSCI-World-ETFs eines der besten Anlageprodukte, um auch mit wenig Geld in ein breit gestreutes internationales Aktien-Portfolio zu investieren.
  • Tipp: Sollen wir Sie zu aktuellen ETF-Empfehlungen sowie zu weiteren Themen auf dem Laufenden halten? Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter!

    Bitte bestätigen Sie jetzt Ihre Anmeldung!

    Wir haben Ihnen eine E-Mail an Ihre Adresse gesendet.

    Schauen Sie gleich in Ihr E-Mail-Programm.

    Sie haben keine E-Mail erhalten? Kann es sein, dass die Nachricht im SPAM-Ordner Ihres E-Mail-Anbieters gelandet ist?
    Bitte schauen Sie auch dort einmal nach und fügen die Mail-Adresse von Finanztip.de Ihrem Adressbuch hinzu.

Börsengehandelte Indexfonds, kurz ETFs, gelten als einfach, transparent und flexibel. Mit diesen Schlagwörtern werben die Anbieter für ihre Indexprodukte, die auch unabhängige Finanzberater und Verbraucherschützer empfehlen. Doch auch ETFs sind keine gläsernen Produkte. Beispielsweise liefern Indexfonds, die den Weltaktienindex MSCI World nachbilden, eine geringere Wertentwicklung, als eigentlich möglich wäre. In wessen Taschen das fehlende Geld verschwindet, ist nicht nachvollziehbar. Die dafür nötigen Wirtschaftsprüfungsberichte veröffentlichen die Fondsgesellschaften nicht.

Die Rendite-Lücke fällt auf den ersten Blick kaum auf. Denn die ETF-Anbieter wählen von vornherein einen Index als Vergleichsmaßstab, dessen Wertentwicklung um die Quellensteuer auf Dividenden reduziert ist. Aktienindizes wie der deutsche Dax oder der Weltindex MSCI World werden in der Regel in drei Varianten berechnet: Als Kursindex ohne Dividenden, als Total-Return-Brutto-Index inklusive Dividenden und als Total-Return-Netto-Version. Letztere ist der Index inklusive Dividenden, aber nach Abzug der Quellensteuer. Sie wird in den meisten Ländern pauschal von den Gewinnen abgezogen, die Unternehmen als Dividenden an ihre Aktionäre ausschütten. Im MSCI-World-Index, der mehr als 1.600 Konzerne aus 23 Staaten enthält, waren das im Februar 2015 im gewichteten Durchschnitt rund 25 Prozent pro Jahr.

ETF-Anleger sind schlechter gestellt als Direktanleger

Viele Aktien-ETFs bilden nur den jeweiligen Netto-Index ab, wie beispielsweise die Produkte des deutschen Marktführers iShares. Wegen der Steuerabzüge ist die Wertentwicklung der Netto-Indizes schlechter als die der Brutto-Indizes. Beim MSCI World betrug die Differenz zwischen 2010 und 2014 im Durchschnitt 0,6 Prozentpunkte pro Jahr. Bei einer Anlage von 10.000 Euro summierte sie sich in dem Fünf-Jahres-Zeitraum auf immerhin 540 Euro.

Damit sind ETF-Anleger schlechter gestellt als Privatanleger, die selbstständig direkt in die im MSCI World enthaltenen Aktien investieren. Letztere profitieren von sogenannten Doppelbesteuerungsabkommen zwischen einzelnen Ländern. Auf dieser Basis wird die im Ausland gezahlte Quellensteuer zum Teil oder vollständig von der Depotbank mit der in Deutschland fälligen Abgeltungssteuer verrechnet. Dadurch sinkt die Quellensteuerbelastung für Direktanleger im gewichteten Durchschnitt auf knapp 3 Prozent – 22 Prozentpunkte weniger als im MSCI-World-Netto-Index. Das zeigt die folgende Tabelle, die die Steuerexperten Oliver Rhodius und Johannes Lofing für Finanztip zusammengestellt haben.

Quellensteuerabzüge von Auslandsdividenden bei deutschen Privatanlegern

MSCI World   Ländergewicht in %   Quellensteuer-Abzug in %   Anrechnung nach Doppelbesteuerungsabkommen in %   Steuerbelastung nach Anrechnung in %
USA   58,13   15   15   0
Japan   8,1   15,315   15   0,315
Großbritannien   7,99   0   0   0
Kanada   3,78   25   15   10
Frankreich   3,75   30   15   15
Deutschland   3,55   -   -   0
Schweiz   3,51   35   15   20
Australien   2,84   30   15   15
Spanien   1,29   20   15   5
Hongkong   1,2   0   0   0
Schweden   1,19   30   15   15
Niederlande   1,03   15   15   0
Italien   0,87   26   15   11
Singapur   0,57   0   0   0
Dänemark   0,56   27   15   12
Belgien   0,5   25   15   10
Finnland   0,34   30   15   15
Norwegen   0,26   25   15   10
Israel   0,21   25   15   10
Irland   0,14   20   0   20
Österreich   0,08   25   15   10
Neuseeland   0,06   15   15   0
Portugal   0,06   35   15   20
            Gewichteter Durchschnitt   2,7

Quelle: Oliver Rhodius, Johannes Lofing, eigene Berechnung (Stand: 17. April 2015)

Damit nicht genug: Den Steuerfachleuten zufolge lassen sich sogar die verbleibenden 2,7 Prozent Quellensteuer zum Teil auf Antrag von den Finanzbehörden der jeweiligen Länder zurückholen. Wer diese bürokratische Hürde nicht selber nehmen will, kann seine Depotbank mit der Abwicklung beauftragen. Doch dieser Service kostet Geld. Eine Rückforderung lohnt sich deswegen nur bei größeren Anlagebeträgen. Unter dem Strich bezahlen deutsche Direktanleger letztlich nur die hierzulande fällige Abgeltungssteuer auf Dividenden und Kapitalerträge.

Auch Fondsanbieter können die Steuerlast auf ETFs drücken

Folgt man internationalen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften wie Pricewaterhouse Coopers (PWC), die global agierende Fondsgesellschaften in Steuerfragen beraten, dann können auch Fonds je nach Standort und Gesellschaftsform die Quellensteuer über Doppelbesteuerungsabkommen deutlich drücken. Laut PWC bezahlen Sie beispielsweise in Irland, wo viele Anbieter ihre ETFs auflegen und dann international vertreiben, im Schnitt nur knapp 14 Prozent Quellensteuer, im besten Fall sogar weniger als 5 Prozent.

Würden ETFs auf den MSCI-World solche Spielräume ausschöpfen, müssten sie den Netto-Index eigentlich abhängen. Doch das war zwischen 2010 und 2014 nicht der Fall, wie ein Rendite-Vergleich zeigt. MSCI-World-Indexfonds, die wie die Total-Return-Indizes Dividenden wieder anlegen, blieben im Durchschnitt um etwa 0,2 Prozentpunkte pro Jahr hinter dem Netto-Index zurück.

Der Vergleich der Wertentwicklung einzelner Jahre zeigt aber, dass eine bessere Wertentwicklung möglich ist. Im Jahr 2010 schnitt ein MSCI-World-ETF von db X-trackers sogar besser ab als der Brutto-Index (siehe Tabelle). 2010, 2013 und 2014 lieferte das Produkt von Comstage eine höhere Rendite als der Netto-Index.

ETF-Jahresrenditen*: Zeitweise besser als der Netto-Index

ETF/Index   Identifikationsnummer (ISIN)   Rendite   in %            
        2010   2011   2012   2013   2014
db x-trackers MSCI World Index UCITS ETF   LU0274208692   20,22   -2,64   13,35   20,81   19,04
MSCI World Total Return Gross       20,14   -1,84   14,75   21,86   20,14
ComStage ETF MSCI World TRN UCITS ETF   LU0392494562   19,82   -3,05   12,53   21,77   19,90
iShares Core MSCI World UCITS ETF   IE00B4L5Y983   19,66   -2,80   13,30   21,19   19,32
MSCI World Total Return Net       19,53   -2,38   14,05   21,20   19,50
Amundi ETF MSCI World UCITS ETF   FR0010756098   19,14   -2,69   13,84   21,17   19,23

*Sortiert nach der Wertentwicklung 2010. Quellen: MSCI, Deutsche Bundesbank, Anbieter, eigene Berechnungen (Stand: 13. April 2015).

  • Tipp: Sollen wir Sie zu aktuellen ETF-Empfehlungen sowie zu weiteren Themen auf dem Laufenden halten? Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter!

    Bitte bestätigen Sie jetzt Ihre Anmeldung!

    Wir haben Ihnen eine E-Mail an Ihre Adresse gesendet.

    Schauen Sie gleich in Ihr E-Mail-Programm.

    Sie haben keine E-Mail erhalten? Kann es sein, dass die Nachricht im SPAM-Ordner Ihres E-Mail-Anbieters gelandet ist?
    Bitte schauen Sie auch dort einmal nach und fügen die Mail-Adresse von Finanztip.de Ihrem Adressbuch hinzu.

MSCI-World-ETFs haben höhere Kosten als angegeben

Ob und in welchem Umfang einzelne ETFs Doppelbesteuerungsabkommen nutzen, veröffentlichen die Anbieter nicht. Der Vermögensverwalter Robeco versuchte in einer Studie, Licht ins Dunkel zu bringen, blitzte aber bei den Fondsgesellschaften ab. „Wir haben keine klaren Antworten erhalten. In manchen Fällen waren die Informationen sogar widersprüchlich“, resümieren die Analysten.

Nach Ansicht des Steuerfachmanns Johannes Lofing müssen Fondsgesellschaften Steuerersparnisse prinzipiell an die Anleger weitergeben. Unterstellt man, dass die ETF-Anbieter diesem Grundsatz nachkommen und Doppelbesteuerungsabkommen tatsächlich nutzen, müsste die Rendite der besten MSCI-World-ETF nach Abzug der von den Gesellschaften angegebenen Verwaltungskosten knapp unter der des Brutto-Index liegen. Doch das ist nicht der Fall.

Welche Faktoren letztlich im Detail zu der Abweichung vom Brutto-Index führen, können auch wir nicht beantworten. Aufschluss geben nur die jährlichen Berichte der Wirtschaftsprüfungsgesellschaften, die aber die ETF-Anbieter unter Verschluss halten. Es bleibt deshalb unklar, ob das fehlende Geld über versteckte Verwaltungskosten in die Taschen der Anbieter wandert oder ob es wegen ungenutzter Steuerspar-Abkommen in die Staatskassen der Länder fließt, in denen die Index-Unternehmen ihre Dividenden auszahlen.

Für Anleger bedeutet die Differenz zwischen Brutto- und Netto-Index in jedem Fall eine zusätzliche Kostenbelastung. So gesehen betragen die jährlichen Verwaltungskosten für ETFs auf den MSCI World praktisch rund 0,8 Prozent – deutlich mehr als die 0,2 Prozent, die manche Anbieter angeben.

Dennoch bleiben ETFs auf den MSCI World einer der bevorzugten Grundbausteine, wenn es um den Aufbau eines gemischten Anlageportfolios geht. Trotz der höheren Kosten lieferten die Indexfonds in der Vergangenheit eine bessere Rendite als der Durchschnitt der klassischen internationalen Aktienfonds, die aktive Manager verwalten. Mehr zu den Vorteilen von ETFs lesen Sie in unserem Ratgeber Indexfonds.

Sollen wir Sie
zu aktuellen ETF-Empfehlungen
sowie zu weiteren Themen auf dem Laufenden halten?

Einmal pro Woche die wichtigsten Verbraucher-Tipps - kostenlos und werbefrei direkt in Ihr Postfach.

  • Wertvolle Spartipps für Ihr Geld
  • Urteile, die Sie kennen sollten
  • Updates zu unseren beliebten Rechnern und Musterschreiben
  • Unverbindlich und jederzeit kündbar


Finanztip-Chefredakteur
Hermann-Josef Tenhagen

Vielen Dank für Ihre Anmeldung

Bitte bestätigen Sie Ihre E-Mail-Adresse

  1. Schauen Sie gleich in Ihrem Postfach nach.
  2. Öffnen Sie die Mail von Finanztip Newsletter.
  3. Klicken Sie auf den Bestätigungslink.

Schauen Sie bitte auch im Spam-Ordner nach.

Finanztip Newsletter

  • Jede Woche die besten Tipps
  • Absolut kostenlos
  • 100% werbefrei

Artikel verfasst von

Markus Neumann

ehemaliger Finanztip-Redakteur (bis Oktober 2015)

Markus Neumann schrieb für Finanztip über alle Aspekte der Geldanlage. Der erfahrene Finanzjournalist verfasste bereits zahlreiche Publikationen zum Thema Geldanlage, die im Berliner Fuchsbriefe-Verlag und bei der Stiftung Warentest erschienen sind. Neumann volontierte beim Heinrich Bauer Verlag in Hamburg. Im Anschluss arbeitete er viele Jahre als Redakteur und Reporter.