Grobe Fahrlässigkeit

Kaskoschutz fürs Auto auch bei grober Fahrlässigkeit vereinbaren

Das Wichtigste in Kürze

  • Bei grober Fahrlässigkeit kann sich die Kaskoversicherung weigern, Ihren Schaden zu zahlen.
  • Als Autofahrer bleiben Sie dann ganz oder teilweise auf den Kosten des Schadens sitzen.
  • Schließen Sie deswegen eine Kfz-Versicherung ab, die grobe Fahrlässigkeit absichert, das vermeidet Ärger. In der Regel ist dies kostenlos möglich.
  • Falls Sie diese Klausel nicht haben: Die Versicherung muss Ihnen grobe Fahrlässigkeit nachweisen. Das ist nicht einfach.

So gehen Sie vor

  • Falls Sie noch einen Vertrag ohne die Klausel haben, sollten Sie unbedingt vergleichen und einen neuen Vertrag abschließen.
  • Setzen Sie auf Vergleichsportalen das entsprechende Häkchen oder fragen Sie Ihren Versicherer nach einem Tarif mit dieser Klausel.
  • Machen Sie immer zwei Vergleiche. Nutzen Sie dafür mindestens ein Vergleichsportal. Auch der Vergleich mit dem Preis eines Direktversicherers kann sinnvoll sein.
  • Wir empfehlen die Vergleichsportale Check24 und Verivox. Nicht ganz so gut, aber immer noch empfehlenswert ist autoversicherung.de.
  • Die günstigen Direktversicherer, die nicht auf den Portalen vertreten sind und bei denen sich der Vergleich auch lohnt, sind vor allem Hannoversche Direkt und Huk24.
  • Unser Tipp: Bleiben Sie zu Kfz-Versicherung immer auf dem Laufenden - mit unserem kostenlosen Newsletter!

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Die Kaskoversicherung bezahlt Schäden, die am eigenen Auto entstanden sind. Sie zahlt aber nicht auf jeden Fall, egal wie der Schaden entstanden ist. Auch eine Voll- oder Teilkaskoversicherung kann sich weigern, den Schaden zu übernehmen, oder nur einen Teil der Kosten erstatten. Und zwar dann, wenn grobe Fahrlässigkeit Ursache des Schadens ist, der Fahrer also seiner Sorgfaltspflicht nicht nachgekommen ist. Der Verstoß muss allerdings objektiv über das normale Maß der Sorgfaltspflicht hinausgehen:

Grob fahrlässig bedeutet also, dass jemand ohne Sorgfalt handelt und nicht so, wie es jedem als selbstverständlich einleuchten müsste (Bundesgerichtshof, Urteil vom 29. Januar 2003, Az. IV ZR 173/01).

Die Kasko kann den Schutz verweigern

Anders als in der Kfz-Haftpflichtversicherung kann bei grober Fahrlässigkeit der Kaskoversicherungsschutz entfallen. In Paragraf 81 Absatz 2 des Versicherungsvertragsgesetzes (VVG) heißt es: „Führt der Versicherungsnehmer den Versicherungsfall grob fahrlässig herbei, ist der Versicherer berechtigt, seine Leistung in einem der Schwere des Verschuldens des Versicherungsnehmers entsprechenden Verhältnis zu kürzen.“

Dagegen können Sie sich schützen, indem Sie einen Kaskotarif wählen, bei dem der Anbieter ausdrücklich darauf verzichtet, Zahlungen wegen grober Fahrlässigkeit zu verweigern. Eine Finanztip-Studie zeigt: Der Zusatzschutz ist in den meisten Tarifen schon enthalten und kostet dann keinen Aufschlag. Auch die günstigsten Tarife hatten die grobe Fahrlässigkeit fast immer eingeschlossen.

Selbst wer bei einem Neuabschluss ausdrücklich auf die Klausel verzichtet, findet nur selten eine Police ohne. Sparen lässt sich mit dem Verzicht auf diesen Schutz dementsprechend kaum. Bei den wenigen Tarifen im Test, die Varianten mit und ohne diese Klausel boten, lag der Preisunterschied nur bei 2 Prozent. Die Differenz zwischen einem Basistarif ohne diesen Schutz und dem nächsthöheren Tarif betrug nur zwischen 3 und 5 Prozent.

Eine Einschränkung gibt es: Viele Anbieter kürzen weiterhin ihre Leistung, wenn grobe Fahrlässigkeit wegen Alkohol- oder Drogenkonsums vorliegt oder falls der Versicherte einen Autodiebstahl grob fahrlässig ermöglicht. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn der Schlüssel im Zündschloss steckte. Bei Schäden, die bei Eis oder Glätte durch grobe Fahrlässigkeit entstehen, sollte die Versicherung die Leistung dagegen nicht kürzen können. Schauen Sie daher in die Bedingungen der Versicherung.

Wer noch einen Vertrag ohne die Klausel besitzt, sollte unbedingt vergleichen und einen neuen Vertrag abschließen.

Mehr zur Kfz-Versicherung in unserem Ratgeber

Annika Krempel
von Finanztip,
Expertin für Versicherungen

Mindestens zwei Internetportale nutzen

  • Vollkasko kann billiger als Teilkasko sein.
  • Versichern Sie grobe Fahrlässigkeit und Mallorca-Police.
  • Werkstattbindung ist sinnvoll und spart Geld.

» Zum Ratgeber

Empfohlene Vergleichsportale und Anbieter:

Wann handelt jemand grob fahrlässig?

Kommt es zum Rechtsstreit über die Frage, ob ein Autofahrer grob fahrlässig gehandelt hat, müssen Richter entscheiden. Diese wägen immer die besonderen Umstände ab, um zu beurteilen, ob der Fahrer die erforderliche Sorgfalt in besonderem Maße missachtet hat. Das muss die Versicherung aber beweisen können.

Wer eine rote Ampel überfährt, handelt fast immer grob fahrlässig; geht es um ein überfahrenes Stoppschild, gilt das meist auch als grob fahrlässig. Und wer während der Fahrt das heruntergefallene Handy aufhebt und so einen Unfall verursacht, handelt ebenfalls grob fahrlässig.

Ausnahmen gibt es jedoch bei einem sogenannten Augenblicksversagen. War zum Beispiel ein Fahrer durch nörgelnde Kinder auf der Rückbank abgelenkt und hielt ein anderes Licht für eine grüne Ampel, kann dies auch als nicht grob fahrlässig gewertet werden (BGH-Urteil vom 29. Januar 2003, Az. IV ZR 173/01). Es kommt also immer darauf an, wie die Handlung im Zusammenhang der Umstände gewertet wird.

Die Versicherung muss die grobe Fahrlässigkeit beweisen

Wer den „Verzicht auf Einrede wegen grober Fahrlässigkeit“ in seinem Vertrag nicht mitversichert hat, muss trotzdem nicht unbedingt auf das Geld der Versicherung verzichten. Will diese nämlich weniger zahlen, als der Schaden kostet, muss sie beweisen, dass tatsächlich grobe Fahrlässigkeit vorlag. Das ist nicht einfach.

Sollte sich Ihre Versicherung also weigern, den vollen Schaden zu übernehmen, sollten Sie gegen den Bescheid Einspruch einlegen. Am besten geht das, wenn Sie eine Rechtsschutzversicherung haben. Oft hilft auch der Versicherungsombudsmann.

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Ihr Weg zur günstigsten Autoversicherung

Um die günstigste Autoversicherung zu finden, sollten Sie sich nicht auf einen Anbieter allein verlassen. Unser großer Portaltest hat ergeben, dass Sie am besten mehrere Vergleiche kombinieren. Denn Vergleichsportale listen nicht alle Versicherungen. Und günstige Direktversicherer ziehen sich zunehmend von den Portalen zurück.

Vergleichen Sie am besten auf zweien der empfohlenen Portale: Verivox, Check24 oder autoversicherung.de. Zusätzlich können Sie auch bei der Hannoverschen Direkt oder bei der Huk24 Preise abfragen. Damit erhalten Sie in allen Fällen ein sehr gutes Ergebnis und können auch direkt eine Police abschließen. Wie Sie die Vergleichsportale richtig einstellen, erklären wir in unserem Ratgeber zum Wechsel der Kfz-Versicherung.

Check24
Vergleich Kfz-Versicherungen

  • geringe durchschnittliche Abweichung im Test
  • laut eigener Angabe 60 Versicherer im Angebot
  • Abschlussmöglichkeit direkt auf Portal
  • deckt nicht den gesamten Markt ab
  • ganz oben angezeigtes Ergebnis ist „Maklerempfehlung“

Verivox
Vergleich Kfz-Versicherungen

  • geringe durchschnittliche Abweichung im Test
  • laut eigener Angabe 54 Versicherer im Angebot
  • Abschluss direkt auf dem Portal möglich
  • bietet nur Tarife mit erhöhter Deckungssumme an
  • deckt nicht den gesamten Markt ab
  • oberster angezeigter Tarif ist Werbung

autoversicherung.de
Vergleich Kfz-Versicherungen

  • Abschlussmöglichkeit direkt beim Anbieter
  • aufwendige Dateneingabe
  • hohe maximale Abweichung im Test
  • keine Support-Hotline
  • laut eigener Angabe 12 Versicherer abschließbar
autoversicherung.de

Die Hannoversche und Huk24 bieten sowohl günstige als auch gute Tarife an. Bei ihnen erfüllen alle Voreinstellungen des Tarifrechners die Finanztip-Mindestanforderungen an einen guten Tarif. Wer weniger Schutz will, muss dies aktiv anwählen.

Hannoversche Direkt
Kfz-Versicherung

  • günstige Tarife
  • Abschlussmöglichkeit direkt beim Anbieter
  • einfache Preisabfrage
  • alle Voreinstellungen erfüllen die Finanztip-Mindestanforderungen
  • nicht mehr auf den empfohlenen Vergleichsportalen vertreten
  • zusätzlicher Vergleich auf Vergleichsportal sinnvoll
Hannoversche Direkt

Huk24
Kfz-Versicherung

  • günstige Tarife
  • Abschlussmöglichkeit direkt beim Anbieter
  • einfache Preisabfrage
  • alle Voreinstellungen erfüllen die Finanztip-Mindestanforderungen
  • nicht mehr auf Vergleichsportalen vertreten
  • zusätzlicher Vergleich auf Vergleichsportal sinnvoll
  • keine Support-Hotline

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Finanztip-Chefredakteur
Hermann-Josef Tenhagen

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Artikel verfasst von

Annika Krempel

Finanztip-Expertin für Versicherungen

Annika Krempel ist Redakteurin im Team Versicherung und Vorsorge. Nach ihrem Diplom in Politikwissenschaften absolvierte sie ein Volontariat für Wirtschafts- und Verbraucherjournalisten. Sie sammelte unter anderem Erfahrungen in den Redaktionen von ZDF WISO, RBB Inforadio sowie der Stiftung Warentest. Die verbraucherpolitische Arbeit lernte sie beim Verbraucherzentrale Bundesverband kennen.