Ratenkredite

Restschuldversicherungen sind teuer und oft überflüssig

Das Wichtigste in Kürze

  • Restschuld- oder Ratenschutzversicherungen, die zusammen mit einem Kredit abgeschlossen werden, sind teuer und zahlen wegen etlicher Ausschlussklauseln in vielen Fällen nicht.
  • Kreditnehmer entrichten die Versicherungsprämie samt Vermittlungskosten als Einmalbetrag sofort bei Vertragsbeginn. Das erhöht die Kreditsumme.
  • Die Kosten sind nicht im Effektivzins angegeben. Dadurch wird der tatsächliche Preis des Darlehens bei Versicherungsabschluss verschleiert.
  • Der Effektivzins kann sich dadurch mehr als verdoppeln.
  • Verbraucher können nicht ordentlich kündigen, wenn sie nicht selbst Versicherungsnehmer, sondern „versicherte Person“ sind. Solche Verträge bietet zum Beispiel Creditplus an.

So gehen Sie vor

  • Schließen Sie bei Ratenkrediten keine Restschuld- oder Ratenschutzversicherung ab, es sei denn die Darlehenssumme ist sehr hoch und deren Rückzahlung wäre im Versicherungsfall existensbedrohend.
  • Haben Sie bereits eine solche Versicherung, können Sie in der Regel außerordentlich kündigen, wenn Sie umschulden oder vorzeitig zurückzahlen.
  • Die Bank muss dann den anteilig nicht verbrauchten Einmalbetrag für die Restlaufzeit erstatten.
  • Sie können die Versicherung unter Umständen auch ordentlich kündigen, wenn das Ihr Vertrag vorsieht. Der nicht verbrauchte Einmalbetrag wird dann dem Kreditkonto gutgeschrieben.
  • Sie können den Darlehensvertrag auch widerrufen, wenn die Widerrufsbelehrung fehlerhaft war. Das trifft auf viele Verträge ab August 2002 bis 2010 zu.
  • Dann erhalten Sie zusätzlich auch mindestens die Hälfte der bisher gezahlten Prämien zurück. War der Zinssatz höher als marktüblich, können Sie zu viel gezahlte Zinsen ebenfalls zurückfordern.
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Banken bieten Kreditnehmern meist als Zusatzprodukt zum Kredit auch eine Restschuld- oder Ratenschutzversicherung an. Kann der Kreditnehmer die Rate mal nicht zahlen – etwa weil er seine Stelle verloren hat oder länger krank ist –, springt unter bestimmten Voraussetzungen die Versicherung ein. Verbraucher haben bisweilen den Eindruck, sie bekommen ohne Versicherung keinen Kredit. Doch das ist nicht der Fall – eine Restkreditversicherung ist nicht zwingend.

Wenn Sie bei einem Ratenkredit zusätzlich eine solche Versicherung abschließen, wird die Versicherungsprämie samt Vermittlungsprovision zu Ihrer Nettokreditsumme hinzugerechnet. Die Prämie zahlt die Bank bei Vertragsbeginn als Einmalbetrag für die gesamte Laufzeit des Darlehens vorab an die Versicherung. Als Kreditnehmer müssen Sie dadurch auch für die Versicherung Zinsen zahlen.

Die Idee, die Darlehensraten mit einer Versicherung gegen Arbeitslosigkeit oder Arbeitsunfähigkeit abzusichern, erscheint auf den ersten Blick sinnvoll. Doch rechnet sich das? Bei einer langfristigen Baufinanzierung steigt das Risiko, dass sich in der persönlichen Situation des Kreditnehmers etwas verändert und er zumindest zeitweise die Kreditraten nicht bedienen kann. In solchen Fällen und bei sehr hohen Darlehenssummen kann die Versicherung unter Umständen sinnvoll sein.

Bei kleineren Ratenkrediten ist eine Restschuldversicherung aber meist überflüssig. Die Laufzeit bei Ratenkrediten ist nicht sehr lang, und die Versicherungen sind oft sehr teuer – auch durch die Abschlussprovisionen, die sich bei unserer Überprüfung auf etwa 30 Prozent belaufen haben.

In Großbritannien sind Restschuldversicherungen die umstrittensten Finanzprodukte. Nach zahlreichen Beschwerden und Urteilen konnten viele Kreditnehmer in England die gesamten Prämien für bestehende Policen zurückverlangen. Nach Schätzung der englischen Aufsichtsbehörde bekamen Verbraucher seit Januar 2011 umgerechnet insgesamt rund 22 Milliarden Euro an Entschädigungen zurückgezahlt. Das ist um einiges höher als das, was die Banken hierzulande wegen unzulässiger Kreditbearbeitungsgebühren erstatten mussten.

Auch Verbraucherschützern in Deutschland sind die Versicherungen schon lange ein Dorn im Auge. Sie seien teuer und hielten nicht das, was sie versprechen. Laut Bankenfachverband haben 2014 mehr als ein Viertel aller Ratenkreditnehmer eine Restschuldversicherung abgeschlossen. Als Kunde können Sie aber möglicherweise kündigen oder widerrufen und die Prämien zumindest anteilig zurückverlangen.

Restschuldversicherung bei Ratenkrediten

So plausibel diese Versicherung erscheint: Sie ist im Regelfall zu teuer. Die Kosten für eine Restschuldversicherung lassen sich allerdings nicht pauschal beziffern. Es gibt weder feste Prozentsätze noch Formeln, anhand derer Kunden berechnen könnten, wie teuer oder günstig die Absicherung eines Darlehens wird. Den Banken und Versicherungen zufolge kommt es immer auf den Einzelfall an. Deshalb haben wir nachgefragt und für einen Beispielfall Angebote eingeholt.

Beispielfall: Herr Zauner, verheiratet, 2 Kinder, 45 Jahre alt, Angestellter, Netto-Einkommen von 2.700 Euro, Miete 850 Euro, braucht einen Ratenkredit über 10.000 Euro, 60 Monate Laufzeit. Er möchte auch eine Restschuldversicherung mit diesem Kredit abschließen. Wir erhielten folgende Angebote:

Versicherung   Leistungen bei   Kosten       Besonderheiten
Creditplus/AXA   Arbeitslosigkeit, Arbeitsunfähigkeit, Unfall und Todesfall (Komplettschutz)   1.288 €       Wartezeit von 6 Monaten bei Arbeitslosigkeitsversicherung; Zahlung höchstens 12 Monate lang bei Arbeitslosigkeit; Versicherungsnehmer ist die Bank; keine Zahlung bei Arbeitsunfähigkeit oder Tod aufgrund von verschiedenen Erkrankungen; kein jederzeitiges vertragliches Kündigungsrecht
Postbank/PB Lebensversicherung AG   Arbeitslosigkeit, Arbeitsunfähigkeit und Todesfall (Komplettschutz)   1.390 €       Wartezeit von 6 Monaten bei Arbeitslosigkeitsversicherung; Zahlung höchstens 12 Monate bei Arbeitslosigkeit oder Arbeitsunfähigkeit, Kündigung jederzeit zum Monatsende möglich; Abschlusskosten von rund 320 €
Targobank/Targo Lebensversicherung AG   Arbeitslosigkeit, Arbeitsunfähigkeit und Todesfall (Komplettschutz)   1.668 €       Wartezeit von 6 Monaten bei Arbeitslosigkeitsversicherung; Kündigung jederzeit zum Monatsende möglich; Abschlusskosten von rund 390 €
Santander/Santander Insurance Life Limited   Arbeitslosigkeit, Arbeitsunfähigkeit und Todesfall (Komplettschutz)   2.047 €       Wartezeit von 3 Monaten bei Arbeitslosigkeitsversicherung; Zahlung höchstens 12 Monate lang bei Arbeitslosigkeit; Versicherungsnehmer ist die Bank; keine Zahlung bei Arbeitsunfähigkeit oder Tod aufgrund von verschiedenen Erkrankungen; Kündigung zum Schluss des dritten Jahres möglich

Quelle: eigene Recherche (Stand: 27. Februar 2015)

Das Landgericht Nürnberg hat in einem Urteil die Prämie der Restkreditversicherung von 15,6 Prozent des Auszahlungsbetrags als „bedenklich hoch“ bewertet (7. April 2014, Az. 6 O 754/14). Die Prämien in den uns unterbreiteten Angeboten belaufen sich auf 13 bis 17 Prozent des Auszahlungsbetrags – sie wären also nach Auffassung des Gerichts ebenfalls bedenklich hoch.

Für den Kreditgeber hat eine solche Versicherung zwei Vorteile: Erstens erhält er für den Abschluss eine Provision und zweitens sinkt durch die entsprechende Absicherung das Ausfallrisiko des Kredits – bei unverändertem Zinssatz ein gutes Geschäft für die Bank. Die Provisionen belaufen sich in den von uns eingeholten Angeboten auf etwa 30 Prozent der Prämie.

Für den Kreditnehmer sind die Leistungen der meisten Zahlungsausfallversicherungen eher überschaubar: Die Anbieter zahlen häufig nur für einen begrenzten Zeitraum und haben umfangreiche Ausschlusskriterien, wodurch der Kunde oft leer ausgeht. Das sind Beispiele für Ausschlusskriterien:

  • Bei Arbeitslosigkeit sind nur die ersten zwölf Monate abgedeckt.
  • Bei Arbeitslosigkeit wird erst nach Wartezeit von sechs Monaten und zusätzlich einer Karenzzeit von drei Monaten gezahlt.
  • Im Todesfall oder bei Arbeitsunfähigkeit springt die Versicherung nicht ein, wenn eine Krankheit die Ursache dafür ist, die in den Bedingungen aufgelistet ist: Herz- und Kreislauferkrankungen, Erkrankung der Wirbelsäule, der Gelenke, der Verdauungsorgane, bei Krebserkrankungen oder wegen anderer chronischer Krankheiten.

Der Preis steht in keinem Verhältnis zu den Leistungen. Auch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht spricht eine Warnung aus: „Vorsicht! Restschuld- und Zusatzversicherungen sind nicht standardisiert. Informieren Sie sich vor Abschluss des Vertrages unbedingt über den genauen Versicherungsumfang und die Kosten.“

Versicherung im Effektivzins meist nicht berücksichtigt

Der Kreditkunde weiß manchmal nicht, ob der Abschluss der Restschuldversicherung zwingend oder nur optional dafür ist, dass er den Kredit bekommt. Bei zwingendem Abschluss einer Restschuldversicherung sind die Kosten der Police in den effektiven Jahreszins des Kredites einzubeziehen.

Die Banken, die wir betrachtet haben, weisen aber alle daraufhin, dass der Versicherungsschutz keine Voraussetzung dafür ist, dass ein Kunde einen Kredit erhält. Folge: Die Versicherungskosten werden nicht im Effektivzins berücksichtigt (§ 6 Abs. 3 Nr. 4 Preisangabenverordnung (PAngV)). Für den Kreditnehmer ist es daher relativ schwer, sich ein genaues Bild von den zusätzlichen Ausgaben zu machen. Er finanziert die Versicherung über das Darlehen, so dass er während der gesamten Laufzeit des Darlehens auch die Versicherungssumme mitverzinst. Rechnet man die Versicherungsausgaben in die Kreditkosten ein, treiben sie den Zins des Ratenkredits in die Höhe. Wir nehmen denselben Beispielfall wie oben.

Beispielfall: Herr Zauner, verheiratet, 2 Kinder, 45 Jahre alt, Angestellter, Netto-Einkommen von 2700 Euro, Miete 850 Euro, braucht einen Ratenkredit über 10.000 Euro, 60 Monate Laufzeit. Er möchte auch eine Restschuldversicherung mit diesem Kredit abschließen. Wie sich bei den uns übermittelten Angeboten der Effektivzins erhöhte, können Sie der folgenden Tabelle entnehmen:

Bank Kosten der Versicherung angegebenerEffektivzins tatsächlicher Effektivzins mit Versicherung
Creditplus 1.288 € 3,99 % 9,36 %
Postbank 1.390 € 4,61 % 10,59 %
Targobank 1.668 € 4,29 % 11,57 %
Santander 2.047 € 7,98 % 17,37 %

Quelle: eigene Recherche, FMH-Finanzberatung (Stand. 27. Februar 2015)

Die FMH-Finanzberatung bietet einen Rechner an, mit dem Sie den tatsächlichen effektiven Jahreszins unter Einbeziehung der Versicherung selbst nachrechnen können.

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Risiko der Doppelversicherung

Hat der Kreditnehmer bereits eine Risikolebensversicherung oder eine Berufsunfähigkeitsversicherung abgeschlossen, würde er sich mit einer Restschuldversicherung unnötig doppelt und außerdem kostenintensiv absichern. Unsere Empfehlung lautet daher: Schließen Sie bei Ratenkrediten keine Restschuldversicherung ab. Nicht immer nennen die Banken die Restschuldversicherung beim Namen.

Namen für die Restschuldversicherung

Anbieter Name der Versicherung
Postbank PB Ratenschutz
Targobank Kreditlebensversicherung
Easycredit Easycredit-Schutzbrief
Santander Ratenschutzversicherung

Quelle: eigene Recherche (Stand: März 2015)

Achtung - Standardeinstellung bei Vergleichsportalen: Die meisten Vergleichsportale sehen in ihren Standardeinstellungen den zusätzlichen Abschluss einer Restschuldversicherung vor. Sie müssen also die Option „Absicherung durch Versicherung“ abwählen.

Restschuldversicherung kündigen

Haben Sie bereits mit Ihrem Darlehen eine Restschuldversicherung abgeschlossen, können Sie diese auch kündigen. Das liegt auf der Hand, wenn Sie das Darlehen umschulden oder vorzeitig tilgen. Sie können die Versicherung aber auch ordentlich kündigen. Da Sie die Versicherung meist als Einmalbetrag bei Aufnahme des Darlehens zahlen, sind die Abschlusskosten und die Prämien für die bisherige Laufzeit dann zwar weg. Sie können aber anteilig die Prämien für den Rest der vereinbarten Laufzeit zurückverlangen.

Sonderkündigungsrecht - Bei der Umschuldung eines Darlehens entfällt nicht automatisch die Restschuldversicherung. Sie müssen diese gesondert kündigen. Fordern Sie mit der Kündigung die Versicherung auf, Ihnen die anteiligen Prämien zurück zu zahlen. Denn wenn Sie das Darlehen tilgen, entfällt der Versicherungszweck für die Restschuldversicherung. Sie haben dann ein Sonderkündigungsrecht. In vielen Verträgen ist dieser Fall der Kündigung bereits vorgesehen. Sollte die Versicherung Ihre Kündigung nicht akzeptieren und auf die ordentlichen Kündigungsfristen verweisen, sollten Sie das nicht akzeptieren. Sie haben in diesen Fällen ein Kündigungsrecht und einen Anspruch auf Beendigung des Vertrages.

Separate ordentliche Kündigung - Wollen Sie die Versicherung beenden, obwohl der Darlehensvertrag noch besteht, müssen Sie in Ihrem Vertrag nachschauen, ob ein ordentliches Kündigungsrecht vorgesehen ist. Die vertraglichen Kündigungsfristen sind dann zu beachten. Üblicherweise wird eine Kündigungsfrist von zwei Wochen zum Ende eines jeden Monats vereinbart. Auch nach der Kündigung haben Sie Anspruch darauf, dass die Versicherung den nicht verbrauchten Anteil des Risikobeitrags erstattet. Die Abschlussprovision wird allerdings nicht erstattet, einige Anbieter ziehen auch einen sogenannten Stornoeinbehalt von der Rückzahlung ab. Die Verträge sind in diesem Punkt nicht einheitlich. Es kann sein, dass die Bank nach der Kündigung eine anderweitige Sicherheit wie zum Beispiel die Beleihung einer Lebensversicherung verlangt.

Achtung

Versicherungsnehmer oder versicherte Person

Es gibt Anbieter, bei denen Sie nicht selbst Versicherungsnehmer sind, sondern nur „versicherte Person“. Die Bank ist dann Vertragspartner der Versicherung, und Sie werden als versicherte Person in den Vertrag einbezogen. Damit sind Sie rechtlich schlechter gestellt. Als versicherte Person können Sie nämlich grundsätzlich nicht ordentlich kündigen.

Widerruf bei Ratenkrediten mit Restschuldversicherung

Wenn der Kreditvertrag schon beendet ist, können Sie nicht mehr kündigen. Unter Umständen können Sie aber einen Widerruf erklären. Es gilt nämlich keine Verjährung. Genau wie bei Baufinanzierungen kann sich auch bei Ratenkrediten ein Widerruf lohnen. Wer vor langer Zeit einen Baukredit abgeschlossen und eine fehlerhafte Widerrufsbelehrung im Vertrag hat, kann sich aus diesem alten und teuren Vertrag lösen, um vom heute niedrigen Zinssatz zu profitieren. Beim Widerruf eines Ratenkredits ist der Fokus ein anderer: Verbraucher können durch einen Widerruf erreichen, dass sie statt eines überteuerten Zinssatzes nur noch einen marktüblichen Zins zahlen müssen und Prämien der Restschuldversicherung zumindest teilweise erstattet bekommen.

Fehlerhafte Widerrufsbelehrung - Wird der Kredit zusammen mit einer Restschuldversicherung abgeschlossen, handelt es sich dabei rechtlich um ein verbundenes Geschäft. Das bedeutet: Die Widerrufsbelehrungen müssen unter anderem auf die Besonderheiten bei einem verbundenen Geschäft hinweisen. Mehr als 80 Prozent aller Kreditverträge mit Restschuldversicherung, die vor Mitte 2010 geschlossen wurden, enthalten allerdings unzureichende Widerrufsbelehrungen. Obwohl die Widerrufsfrist bereits abgelaufen ist, können Sie auch noch heute den Darlehensvertrag widerrufen. Der Widerruf führt zugleich dazu, dass Sie nicht mehr an den Restschuldversicherungsvertrag gebunden sind (§ 358 Abs. 2 Satz 1 BGB, BGH, Urteil vom 18. Januar 2011, Az. XI ZR 356/09). Das gilt auch bei Restschuldversicherungen, bei denen der Kreditnehmer nicht zugleich Versicherungsnehmer ist, sondern bloß „versicherte Person“. Das hat das Oberlandesgericht Hamm so entschieden (Urteil vom 11. Dezember 2013, Az. 31 U 127/13). Solche Verträge haben unter anderem die Santander Consumer Bank und Creditplus angeboten.

Die Verbraucherzentrale Hamburg bietet gegen eine Gebühr von 65 Euro an, Kreditverträge mit Restschuldversicherungen zu überprüfen. Findet sich ein Fehler, bekommen Verbraucher ein Musterschreiben mit Widerruf, mit dem sie die Rückzahlung verlangen können. Sie müssen allerdings mit einer Wartezeit von etwa drei Monaten rechnen. Wie Leser in unserer Finanztip Community berichten, haben sie mit Hilfe der Verbraucherzentrale erfolgreich ihren Darlehensvertrag widerrufen.

Rückabwicklung und marktübliche Zinsen - Ein Widerruf wandelt den Darlehensvertrag in ein sogenanntes Rückabwicklungsverhältnis um (§§ 357 Abs. 1 Satz 1346348 BGB). Läuft Ihr Vertrag noch, müssen Sie der Bank die Darlehenssumme zunächst innerhalb von 30 Tagen zurückzahlen. Deshalb sollten Sie vor dem Widerruf sicherstellen, dass Sie das Darlehen entweder mit eigenen Mitteln oder mit einem neuen Kredit von einer anderen Bank zurückzahlen können. Sie müssen bei fehlerhafter Belehrung nur die Nettokreditsumme mit einer marktüblichen Verzinsung zahlen.

Das Geldinstitut ist verpflichtet, alle von Ihnen bereits erbrachten Zins- und Tilgungsleistungen zurückzuzahlen. Sie darf aber die vereinbarten Zinsen für die Kapitalüberlassung verlangen. Dabei sollten Sie jedoch nachweisen, dass der marktübliche Zinssatz für ein vergleichbares Darlehen zum Zeitpunkt des Vertragsschlusses geringer gewesen ist (OLG Düsseldorf, Urteil vom 17. Januar 2013, Az. I 6 U 64/12). Ob der vereinbarte Sollzinssatz zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses marktüblich war, können Sie ermitteln durch einen Vergleich mit der Zinsstatistik der Deutschen Bundesbank für das Neugeschäft der deutschen Banken bei Konsumentenkrediten mit einer Laufzeit von mehr als fünf Jahren. Bei einer Laufzeit unter fünf Jahren ist diese Statistik entscheidend. Der Widerruf kann sich lohnen, wenn Sie einen teuren Kredit haben, dessen Zins höher als marktüblich war.

In einem Verfahren vor dem Oberlandesgericht Hamm musste der Kreditnehmer nach Widerruf statt eines effektiven Jahreszinses von 14,3 Prozent nur noch einen Zinssatz von 8,92 Prozent zahlen, der laut Statistik der Bundesbank im Juni 2007 marktüblich war. Die Differenz musste die Bank erstatten (11. Dezember 2013, Az. 31 U 127/13).

Rückabwicklung und Versicherungsprämien - Anteilige Beiträge zur Versicherung ab Widerruf muss die Bank erstatten. Es ist derzeit noch unklar, ob die Bank bei einer Rückabwicklung die gesamten Prämien für das finanzierte Geschäft, also für die Restschuldversicherung, zurückzahlen muss. Einige Anwälte sind der Auffassung, dass die Bank die gesamten Prämien zurückzahlen muss. Dabei verweisen sie auf ein Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH). Danach muss sich ein Kunde aus dem verbundenen Geschäft folgenlos lösen können, also auch unbelastet von Zinsen und Kosten (18. November 2011, Az. XI ZR 356/09).

Andere Juristen sind der Ansicht, dass die Bank für die Zeit bis zum Widerruf des Kreditvertrags nur die Hälfte der Versicherungsprämien erstatten muss. So sieht es zumindest auch das Landgericht Berlin (Urteil vom 23. September 2014, Az. 4 O 65/14). In diesem Fall konnte der Kreditnehmer wegen fehlerhafter Widerrufsbelehrung bei einem verbundenen Geschäft das Darlehen widerrufen. Er musste aber für den erhaltenen Versicherungsschutz die anteiligen Prämien entrichten, allerdings nur zur Hälfte. Da die Bank durch die Restschuldversicherung auch einen Vorteil habe, hielt das Gericht es für angemessen, den Wertersatz auf die Hälfte der tatsächlich gezahlten Prämie zu reduzieren. Ähnlich urteilte auch das Oberlandesgericht Hamm (11. Dezember 2013, Az. 31 U 127/13).

Beispiel: Herr Bartel hat einen Ratenkredit über eine Nettokreditsumme von 10.000 Euro mit einer Laufzeit von 60 Monaten abgeschlossen. Die Restschuldversicherung kostete 1.200 Euro. Er zahlte also 20 Euro pro Monat. Widerruft er nach 30 Monaten, erhält er anteilig die für die Zukunft bereits als Vorabzahlung entrichteten Gebühren in Höhe von 600 Euro zurück. Zusätzlich kann er für die Vergangenheit die Hälfte der entrichteten Prämien zurückverlangen (300 Euro). Herr Bartel kann also von der Bank bei fehlerhafter Widerrufsbelehrung einen Betrag von 900 Euro verlangen. Dieses Geld konnte die Bank nutzen und muss deshalb zusätzlich 5 Prozent Zinsen über Basiszinssatz auf die 900 Euro erstatten. War der Zinssatz teurer als marktüblich, kann der Kunde zusätzlich noch die zu viel entrichteten Zinsen fordern.

Restschuldversicherung bei Baufinanzierungen

Anders als bei Ratenkrediten ist es bei Baufinanzierungen durchaus sinnvoll, die Restschuld eines Immobilienkredits abzusichern. Wir empfehlen aber, statt einer mit dem Kredit verbundenen Versicherung gesondert eine Risikolebens- und eine Berufsunfähigkeitsversicherung abzuschließen. So können Sie Ihren Versicherungsbedarf besser auf Ihre Lebenssituation anpassen und haben meist die besseren Versicherungsbedingungen. Außerdem kommen Sie manchmal sogar billiger weg als mit einer Restschuldversicherung in gleicher Höhe. Falls Sie schon eine Versicherung zur Absicherung der Berufsunfähigkeit oder eine Risikolebensversicherung haben, benötigen Sie zusätzlich keine Restschuldversicherung. Eine Risikolebensversicherung deckt nicht die Risiken Arbeitslosigkeit und Arbeitsunfähigkeit ab. Dies geht nur mit einer Restkreditversicherung. Im Gegensatz zur Risikolebensversicherung erhalten Sie eine Restschuldversicherung auch ohne Gesundheitsprüfung.

Mehr dazu im Ratgeber Kredit

Sara Zinnecker
Finanztip-Expertin für Kredit

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Ein neues Urteil gibt es nicht. Die Menschen die vor Gericht gewonnen haben berichten hier nicht, weil sie sich zum Schweigen verpflichtet haben. Über das Thema wird deshalb nicht mehr berichtet. ...
24. November 2016 zum Beitrag
[quote='koterba','http://www.finanztip.de/community/thema/930-restschuldversicherung-zur-c3-b-cckfordern?postID=34256#post34256']Hallo Tiger,
ist dein Eintrag Antwort auf mein?
Wenn ja,
in ...
21. November 2016 zum Beitrag
Hallo Tiger,
ist dein Eintrag Antwort auf mein?
Wenn ja,
in dem Artikel ist die Rede von Gebühren und nicht von Restschuldversicherung.
Gruß
21. November 2016 zum Beitrag
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Finanztip-Chefredakteur
Hermann-Josef Tenhagen

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