Restschuldversicherung

Diese Versicherung ist teuer und oft überflüssig

Das Wichtigste in Kürze

  • Restschuld- oder Ratenschutzversicherungen, die zusammen mit einem Kredit abgeschlossen werden, sind teuer und zahlen wegen etlicher Ausschlussklauseln oft nicht.
  • Kreditnehmer entrichten die Versicherungsprämie samt Vermittlungskosten als Einmalbetrag sofort bei Vertragsbeginn. Das erhöht die Kreditsumme.
  • Die Kosten sind nicht im Effektivzins angegeben. Dadurch wird der tatsächliche Preis des Darlehens bei Versicherungsabschluss verschleiert – er kann sich mehr als verdoppeln.
  • Seit dem 23. Februar 2018 muss der Kunde eine Woche nach Vertragsabschluss erneut eine Belehrung über sein Widerrufsrecht sowie das Produkt-Informationsblatt erhalten.
  • Ist die Restschuldversicherung als Gruppenversicherungsvertrag ausgestaltet und ist der Kunde deshalb nur versicherte Person, hat er seit Ende Februar 2018 die gleichen Rechte wie ein Versicherungsnehmer.

So gehen Sie vor

  • Beim Abschluss eines Ratenkredits sollten Sie keine Restschuld- oder Ratenschutzversicherung dazunehmen. Um Hinterbliebene im Todesfall abzusichern, ist eine Risikolebensversicherung besser geeignet.
  • Haben Sie bereits eine solche Versicherung abgeschlossen, können Sie in der Regel außerordentlich kündigen, wenn Sie den Kredit umschulden oder vorzeitig zurückzahlen. Die Bank muss den Einmalbetrag teilweise erstatten.
  • Sie können die Versicherung unter Umständen auch ordentlich kündigen, wenn Ihr Vertrag das vorsieht. Der nicht verbrauchte Einmalbetrag wird dann dem Kreditkonto gutgeschrieben.
  • Sie können den Darlehensvertrag auch widerrufen, falls die Widerrufsbelehrung fehlerhaft war. Wenden Sie sich dazu an die Verbraucherzentrale Hamburg, um den Vertrag überprüfen zu lassen.
  • Unser Tipp: Bleiben Sie zum Thema Ratenkredite immer auf dem Laufenden - mit unserem kostenlosen Newsletter!

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Banken bieten Kreditnehmern meist als Zusatzprodukt zum Kredit auch eine Restschuld- oder Ratenschutzversicherung an. Kann der Kreditnehmer die Rate mal nicht zahlen – etwa weil er seine Arbeit verloren hat oder länger krank ist –, soll die Versicherung einspringen.

Die Idee, die Darlehensraten mit einer Versicherung gegen Arbeitslosigkeit oder Arbeitsunfähigkeit abzusichern, erscheint auf den ersten Blick sinnvoll, vor allem bei langfristigen Baufinanzierungen und hohen Darlehenssummen. Bei kleineren Ratenkrediten ist eine Restschuldversicherung aber meist überflüssig und teuer. Und auch wenn Banken oft anderes suggerieren: Der Abschluss einer solchen Versicherung ist nicht zwingend an die Aufnahme eines Kredits gebunden.

Warum stehen Restschuldversicherungen in der Kritik?

Für den Kreditgeber hat eine solche Versicherung zwei Vorteile: Erstens erhält er für den Abschluss eine Provision und zweitens sinkt durch die entsprechende Absicherung das Ausfallrisiko des Kredits – bei unverändertem Zinssatz ein gutes Geschäft für die Bank. Für Verbraucher sind damit fast nur Nachteile verbunden.

In Großbritannien sind Restschuldversicherungen die umstrittensten Finanzprodukte. Nach zahlreichen Beschwerden und Urteilen konnten viele Kreditnehmer im Vereinigten Königreich die gesamten Prämien für bestehende Policen zurückverlangen. Nach Schätzung der britischen Aufsichtsbehörde bekamen Verbraucher seit Januar 2011 umgerechnet insgesamt rund 29 Milliarden Pfund (etwa 33 Milliarden Euro) an Entschädigungen zurückgezahlt.

Auch in Deutschland stehen die Versicherungen schon lange in der Kritik. Obwohl die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) wegen der mangelnden Standardisierung zur Vorsicht mahnt, gibt es viele davon: Die Versicherungsunternehmen haben etwa 8,2 Millionen versicherte Kunden im Bestand (Bafin-Ergebnisbericht 2017, Seite 31). Der Versicherungsfall tritt hingegen eher selten ein. Laut Bundesregierung gab es im Jahr 2015 etwa 5.000 Versicherungsfälle, in denen der Versicherer die Kreditraten übernommen hat.

Mit der Umsetzung der europäischen Richtlinie zum Versicherungsvertrieb (IDD) wurden die Versicherungen nicht verboten, aber Banken müssen immerhin seit dem 23. Februar 2018 über Restschuldversicherungen besser informieren. Als Versicherungsnehmer erhalten Sie nunmehr eine Woche nach Vertragsabschluss erneut eine Widerrufsbelehrung und das Produktinformationsblatt (§ 7a Abs. 5 Satz 1 VVG). Ob sich durch die neuen Regeln tatsächlich für Verbraucher etwas verbessert, ist offen.

Das Risiko der Doppelversicherung vermeiden

Hat der Kreditnehmer bereits eine Risikolebensversicherung oder eine Berufsunfähigkeitsversicherung abgeschlossen, würde er sich mit einer Restschuldversicherung unnötig doppelt und außerdem kostenintensiv absichern. Unsere Empfehlung lautet daher: Schließen Sie bei Ratenkrediten keine Restschuldversicherung ab. Achtung, nicht immer nennen die Banken die Restschuldversicherung beim Namen.

Beispiele für Namen von Restschuldversicherungen

AnbieterName der Versicherung
PostbankPB Ratenschutz
TargobankKreditlebensversicherung
CreditplusRestschuldversicherung
SantanderRatenschutzversicherung

Quelle: Finanztip-Recherche (Stand: März 2018)

Die von Finanztip im Kreditvergleich empfohlenen Vergleichsportale haben die Restschuldversicherung nicht voreingestellt.

Was kosten Restschuldversicherungen?

So plausibel diese Versicherung Ihnen auch erscheinen mag: Sie ist in der Regel zu teuer, auch wenn sich die Kosten nicht pauschal beziffern lassen. Es gibt weder feste Prozentsätze noch Formeln, anhand derer Sie berechnen könnten, wie teuer oder günstig die Absicherung Ihres Darlehens wird. Den Banken und Versicherern zufolge kommt es immer auf den Einzelfall an. Deshalb haben wir nachgefragt und für einen Beispielfall Angebote eingeholt.

Beispielfall: Ein Angestellter, verheiratet, zwei Kinder, 45 Jahre alt, Netto-Einkommen von 2.700 Euro, Miete 1.000 Euro, braucht einen Ratenkredit über 10.000 Euro, 60 Monate Laufzeit. Er möchte auch eine Restschuldversicherung mit diesem Kredit abschließen, die im Todesfall, bei Arbeitsunfähigkeit und Arbeitslosigkeit einspringt. Wir erhielten folgende Angebote:

Versicherungsangebote zu Ratenkredit über 10.000 €

VersicherungKosten Besonderheiten
Creditplus/Axa1.259 € 6 Monate Wartezeit und 3 Monate Karenzzeit bei ALO-Versicherung¹; Zahlung höchstens 12 Monate bei ALO; keine Zahlung bei AU² oder Tod aufgrund von verschiedenen Erkrankungen; kein jederzeitiges vertragliches Kündigungsrecht; Abschluss- und Verwaltungskosten: rund 240 Euro
Postbank/PB Lebensversicherung AG1.448 € 6 Monate Wartezeit bei ALO-Versicherung; 3 Monate Karenzzeit bei ALO und AU, Zahlung höchstens 12 Monate bei ALO oder AU, Kündigung jederzeit zum Monatsende möglich; Abschluss- und Verwaltungskosten: rund 340 €
Santander/Santander Insurance Life DAC1.685 € 3 Monate Wartezeit bei ALO-, AU- und Todesfallversicherung; 2 Monate Karenzzeit bei ALO, 42 Tage Karenzzeit bei AU, Zahlung höchstens 12 Monate lang bei ALO; Kündigung jederzeit zum Monatsende möglich
Targobank/Targo Lebensversicherung AG1.746 € 6 Monate Wartezeit bei ALO-Versicherung; 3 Monate Karenzzeit bei ALO und AU; Zahlung höchstens 12 Monate bei ALO; Kündigung jederzeit zum Monatsende möglich; Abschluss- und Verwaltungskosten: rund 410 €

¹ ALO = Arbeitslosigkeit; ² AU = Arbeitsunfähigkeit
Quelle: Finanztip-Recherche (Stand: 28. Februar 2018)

Die Prämien für die Versicherung in den uns unterbreiteten Angeboten belaufen sich auf 13 bis 17 Prozent des Auszahlungsbetrags. Das Landgericht Nürnberg hat die Prämie einer Restkreditversicherung von 15,6 Prozent des Auszahlungsbetrags für „bedenklich hoch“ gehalten (Urteil vom 7. April 2014, Az. 6 O 754/14).

Die Bafin hat in ihrer Marktuntersuchung im Jahr 2017 noch weit höhere Vertriebskosten festgestellt. Im teuersten Tarif für den Todesfallschutz beliefen sich die abgezinsten Vertriebskosten auf 85 Prozent des Einmalbetrags (Bafin-Marktuntersuchung, Seite 14).

Wann zahlt die Restschuldversicherung?

Für den Kreditnehmer sind die Leistungen der meisten Zahlungsausfallversicherungen überschaubar: Die Anbieter zahlen häufig nur für einen begrenzten Zeitraum und haben umfangreiche Ausschlusskriterien – mit der Folge, dass der Kunde leer ausgeht.

Das sind Beispiele für Ausschlusskriterien:

  • Bei Arbeitslosigkeit sind nur die ersten zwölf Monate abgedeckt.
  • Bei Arbeitslosigkeit wird erst nach einer Wartezeit von sechs Monaten und zusätzlich einer Karenzzeit von drei Monaten gezahlt.
  • Bei Arbeitslosigkeit zahlt die Versicherung nicht, falls ein befristeter Arbeitsvertrag ausgelaufen ist.
  • Bei Arbeitsunfähigkeit zahlt die Versicherung nicht, falls sie durch bestimmte im Vertrag aufgezählte Krankheiten verursacht wurde.

Nicht alle Ausschlussklauseln sind rechtens. Der Bundesgerichtshof (BGH) hat zum Beispiel eine Regelung in den Versicherungsbedingungen von Restschuldversicherungen wegen Intransparenz für unwirksam erklärt: „Der Versicherungsschutz erstreckt sich nicht auf die der versicherten Person bekannten ernstlichen Erkrankungen.“ (Urteil vom 10. Dezember 2014, Az. IV ZR 289/13).

Laut Bafin haben sich die meisten Versicherer nach Veröffentlichung des Urteils nicht mehr auf die unwirksame Regelung berufen. Aber es gab immer noch rund 1.750 Fälle, in denen Unternehmen diese Klausel weiter anwandten und entsprechende Leistungen ablehnten. Die Bafin hat angekündigt, die betroffenen Unternehmen zur Stellungnahme aufzufordern (Bafin-Marktuntersuchung, Seite 20).

Wird die Versicherung im Effektivzins berücksichtigt?

Verbraucher haben bisweilen den Eindruck, sie bekommen ohne Versicherung keinen Kredit. Doch das ist in aller Regel nicht so – Restkreditversicherungen sind nicht verpflichtend. Die Bafin hat allerdings festgestellt, dass Banken in Einzelfällen Darlehen nur bei gleichzeitigem Abschluss einer Versicherung gewähren, vor allem bei Kunden mit schlechter Bonität (Bafin-Marktuntersuchung, Seite 31). Bei zwingendem Abschluss einer Restschuldversicherung muss eine Bank die Kosten der Police in den effektiven Jahreszins des Kredites einrechnen.

Die Banken, die wir betrachtet haben, weisen aber alle darauf hin, dass der Versicherungsschutz keine Voraussetzung dafür ist, dass ein Kunde einen Kredit erhält. Folge: Die Versicherungskosten werden nicht im Effektivzins berücksichtigt (§ 6 Abs. 3 Nr. 4 PAngV).

Für den Kreditnehmer ist es daher relativ schwer, sich ein genaues Bild von den zusätzlichen Ausgaben zu machen. Er finanziert die Versicherung über das Darlehen, so dass er während der gesamten Laufzeit des Darlehens auch die Versicherungssumme mitverzinst. Rechnet man die Versicherungsausgaben in die Kreditkosten ein, treiben sie den Zins des Ratenkredits in die Höhe. Um das zu verdeutlichen, nehmen wir denselben Beispielfall wie oben.

Beispielfall: Ein Angestellter, verheiratet, 2 Kinder, 45 Jahre alt, Netto-Einkommen von 2.700 Euro, Miete 1.000 Euro, braucht einen Ratenkredit über 10.000 Euro, 60 Monate Laufzeit. Er möchte auch eine Restschuldversicherung mit diesem Kredit abschließen, die bei Tod, Arbeitsunfähigkeit und Arbeitslosigkeit einspringt. Wie sich bei den uns übermittelten Angeboten der Effektivzins erhöhte, können Sie der folgenden Tabelle entnehmen:

Tatsächlicher Effektivzins unter Einberechnung der Restschuldversicherung

BankKosten der Versicherungangegebener Effektivzinstatsächlicher Effektivzins mit Versicherung
Creditplus1.259 €3,09 %8,31 %
Postbank1.448 €2,27 %8,13 %
Santander1.685 €2,68 %9,61 %
Targobank1.746 €2,95 %10,17 %

Quelle: Finanztip-Recherche (Stand. 28. Februar 2018)

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Lässt sich die Restschuldversicherung widerrufen?

Falls Sie – auch aus Versehen – eine Restschuldversicherung abgeschlossen haben, können Sie Ihre Vertragserklärung widerrufen. Dazu haben Sie in der Regel bis zu 30 Tage Zeit.

Restschuldversicherungen sichern oft unterschiedliche Dinge ab wie etwa Arbeitslosigkeit oder Todesfall. Deshalb ist bei der Widerrufsfrist zu differenzieren zwischen der Restschuldlebensversicherung und der sonstigen Restschuldversicherung. Soweit die Restschuldlebensversicherung – also Todesfallschutz – betroffen ist, gilt eine Widerspruchsfrist von 30 Tagen (§ 152 Abs. 1 VVG). Andernfalls gilt eine Frist von 14 Tagen (§ 8 Abs. 1 VVG). Da die Anbieter meist ein Restschuldversicherungspaket geschnürt haben, gilt oft die längere Frist von 30 Tagen.

Widerrufen können Sie auch, falls Sie im Rahmen eines Gruppenversicherungsvertrags nur versicherte Person und nicht Versicherungsnehmer sind. Seit dem 23. Februar 2018 ist gesetzlich ausdrücklich geregelt, dass die versicherte Person die Rechte eines Versicherungsnehmers erhält, insbesondere das Widerrufsrecht (§ 7d VVG).

Durch die Umsetzung der europäischen Richtlinie zum Versicherungsvertrieb (IDD) hat der Gesetzgeber Restschuldversicherungen zwar nicht verboten, aber er hat zusätzliche Informationspflichten festgeschrieben, um Verbraucher besser zu schützen. Seit dem 23. Februar 2018 muss derjenige, der eine Restschuldversicherung abgeschlossen hat, danach erneut über sein Widerrufsrecht belehrt werden (§ 7a Abs. 5 VVG). Zudem erhält er noch einmal das Produktinformationsblatt. Die Widerrufsfrist beginnt nicht, bevor der Verbraucher diese Dokumente noch einmal bekommen hat.

Viele Widerrufsbelehrungen enthalten Fehler

Genau wie bei Baufinanzierungen kann sich auch bei Ratenkrediten ein Widerruf lohnen. Sie können durch einen Widerruf erreichen, dass Sie statt eines überteuerten Zinssatzes nur noch einen marktüblichen Zins zahlen müssen und Prämien der Restschuldversicherung zumindest teilweise erstattet bekommen.

Haben Sie den Kredit zusammen mit einer Restschuldversicherung abgeschlossen, handelt es sich rechtlich um ein verbundenes Geschäft. Das bedeutet: Die Widerrufsbelehrungen müssen unter anderem auf die Besonderheiten bei einem verbundenen Geschäft hinweisen. Mehr als 80 Prozent aller Kreditverträge mit Restschuldversicherung, die vor Mitte 2010 geschlossen wurden, enthalten unzureichende Widerrufsbelehrungen. Obwohl die Widerrufsfrist bereits abgelaufen ist, können Sie auch noch heute den Darlehensvertrag widerrufen. Der Widerruf führt dazu, dass Sie auch nicht mehr an den Restschuldversicherungsvertrag gebunden sind (§ 358 Abs. 2 Satz 1 BGB, BGH, Urteil vom 18. Januar 2011, Az. XI ZR 356/09).

Die Verbraucherzentrale Hamburg bietet gegen eine Gebühr von 100 Euro an, Kreditverträge mit Restschuldversicherungen zu überprüfen. Findet sich ein Fehler, bekommen Sie ein Musterschreiben mit Widerruf, mit dem Sie die Rückzahlung verlangen können. In unserer Finanztip Community berichten Leser, dass sie mit Hilfe der Verbraucherzentrale erfolgreich ihren Darlehensvertrag widerrufen haben.

Rückabwicklung und marktübliche Zinsen - Ein Widerruf wandelt den Darlehensvertrag in ein sogenanntes Rückabwicklungsverhältnis um (§§ 357 Abs. 1 Satz 1346348 BGB). Läuft Ihr Vertrag noch, müssen Sie der Bank die Darlehenssumme zunächst innerhalb von 30 Tagen zurückzahlen. Deshalb sollten Sie vor dem Widerruf sicherstellen, dass Sie das Darlehen entweder mit eigenen Mitteln oder mit einem neuen Kredit von einer anderen Bank zurückzahlen können. Sie müssen bei fehlerhafter Belehrung nur die Nettokreditsumme mit einer marktüblichen Verzinsung zahlen. Der Widerruf kann sich lohnen, wenn Sie einen teuren Kredit haben, dessen Zins höher als marktüblich war.

In einem Verfahren vor dem OLG Hamm musste der Kreditnehmer nach Widerruf statt eines effektiven Jahreszinses von 14,3 Prozent nur noch einen Zinssatz von 8,92 Prozent zahlen, der im Juni 2007 marktüblich war. Die Differenz musste die Bank erstatten (11. Dezember 2013, Az. 31 U 127/13).

Rückabwicklung und Versicherungsprämien - Anteilige Beiträge zur Versicherung ab Widerruf muss die Bank erstatten. Es ist derzeit noch unklar, ob die Bank bei einer Rückabwicklung die gesamten Prämien für das finanzierte Geschäft, also für die Restschuldversicherung, zurückzahlen muss. Einige Anwälte sind der Auffassung, dass die Bank die gesamten Prämien zurückzahlen muss. Dabei verweisen sie auf ein Urteil des Bundesgerichtshofs. Danach muss sich ein Kunde aus dem verbundenen Geschäft folgenlos lösen können, also auch unbelastet von Zinsen und Kosten (18. November 2011, Az. XI ZR 356/09).

Andere Juristen sind der Ansicht, dass die Bank für die Zeit bis zum Widerruf des Kreditvertrags nur die Hälfte der Versicherungsprämien erstatten muss. So sieht es auch das Landgericht Berlin (Urteil vom 23. September 2014, Az. 4 O 65/14). In diesem Fall konnte der Kreditnehmer wegen fehlerhafter Widerrufsbelehrung bei einem verbundenen Geschäft das Darlehen widerrufen. Er musste aber für den erhaltenen Versicherungsschutz die anteiligen Prämien entrichten, allerdings nur zur Hälfte. Da die Bank durch die Restschuldversicherung auch einen Vorteil habe, hielt das Gericht es für angemessen, den Wertersatz auf die Hälfte der tatsächlich gezahlten Prämie zu reduzieren. Ähnlich urteilte auch das OLG Hamm (11. Dezember 2013, Az. 31 U 127/13).

Beispiel: Ein Angestellter hat einen Ratenkredit über eine Nettokreditsumme von 10.000 Euro mit einer Laufzeit von 60 Monaten abgeschlossen. Die Restschuldversicherung kostete 1.200 Euro. Er zahlte also 20 Euro pro Monat nur für die Versicherung. Widerruft er nach 30 Monaten, erhält er anteilig die Gebühren in Höhe von 600 Euro zurück. Zusätzlich kann er für die Vergangenheit die Hälfte der entrichteten Prämien zurückverlangen (300 Euro). Der Angestellte kann also 900 Euro verlangen. Dieses Geld konnte die Bank nutzen und muss deshalb noch 5 Prozent Zinsen über Basiszinssatz auf die 900 Euro erstatten. War der Zinssatz für das Darlehen teurer als marktüblich, kann der Kunde zusätzlich noch die zu viel entrichteten Zinsen fordern.

Wie lässt sich eine Restschuldversicherung kündigen?

Haben Sie bereits mit Ihrem Darlehen eine Restschuldversicherung abgeschlossen, können Sie diese kündigen. Das liegt auf der Hand, wenn Sie das Darlehen umschulden oder vorzeitig tilgen. Dann sind die Abschlusskosten und die Prämien für die bisherige Laufzeit zwar weg, Sie können aber die Prämien für den Rest der vereinbarten Laufzeit anteilig zurückverlangen.

Sonderkündigungsrecht - Bei der Umschuldung eines Darlehens entfällt nicht automatisch die Restschuldversicherung. Sie müssen diese gesondert kündigen. Fordern Sie mit der Kündigung die Versicherung auf, Ihnen die anteiligen Prämien zurück zu zahlen. Denn wenn Sie das Darlehen tilgen, entfällt der Versicherungszweck für die Restschuldversicherung. Sie haben dann ein Sonderkündigungsrecht. In vielen Verträgen ist dieser Fall der Kündigung bereits vorgesehen. Sollte die Versicherung Ihre Kündigung nicht hinnehmen und auf die ordentlichen Kündigungsfristen verweisen, sollten Sie das nicht akzeptieren. Sie haben in diesen Fällen ein Kündigungsrecht und einen Anspruch darauf, den Vertrag zu beenden.

Separate ordentliche Kündigung - Wollen Sie die Versicherung beenden, obwohl der Darlehensvertrag noch besteht, sollten Sie in Ihrem Vertrag nachschauen, ob ein ordentliches Kündigungsrecht vorgesehen ist. Sie müssen dann die vertraglichen Kündigungsfristen beachten. Üblich ist eine Kündigungsfrist von zwei Wochen zum Ende eines jeden Monats. Nach der Kündigung haben Sie Anspruch darauf, dass die Versicherung den nicht verbrauchten Anteil des Risikobeitrags erstattet. Die Abschlussprovision gibt es nicht zurück, einige Anbieter ziehen auch einen sogenannten Stornoeinbehalt ab.

Was ist mit Gruppenversicherungsverträgen?

Es gibt viele Anbieter, bei denen Sie nicht selbst Versicherungsnehmer sind, sondern nur „versicherte Person“. Die Bank ist dann Vertragspartner der Versicherung, und Sie werden als versicherte Person in den Gruppenversicherungsvertrag einbezogen. Sie sind damit aber rechtlich seit dem 23. Februar 2018 nicht mehr schlechter gestellt. Als versicherte Person sind Sie einem Versicherungsnehmer gleichgestellt (§ 7d VVG). Das bedeutet, Sie können den Vertrag widerrufen und auch kündigen.

Wie sinnvoll ist die Absicherung bei Baufinanzierungen?

Anders als bei Ratenkrediten ist es bei Baufinanzierungen durchaus sinnvoll, die Restschuld eines Immobilienkredits abzusichern. Dabei geht es vor allem darum, die Hinterbliebenen abzusichern, falls der Darlehensnehmer verstirbt, bevor der Baukredit zurückgezahlt ist. Dazu schließen Sie aber am besten eine Risikolebensversicherung ab. Die Versicherungssumme kann in diesem Fall gleichbleibend über die gesamte Laufzeit sein, oder sie kann auch parallel zur Restschuld fallen.

Wenn Sie eine Immobilienfinanzierung abschließen, sollten Sie außerdem eine Berufsunfähigkeitsversicherung haben, denn diese sichert das Risiko einer längerfristigen Krankheit ab.

Mehr dazu im Ratgeber Kredit

Josefine Lietzau
Finanztip-Expertin für Kredit

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Finanztip-Chefredakteur
Hermann-Josef Tenhagen

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Artikel verfasst von

Dr. Britta Beate Schön

Finanztip-Expertin für Recht

Britta Beate Schön ist bei Finanztip für sämtliche Rechtsthemen zuständig. Die promovierte Juristin und Rechtsanwältin war als Leiterin der Rechtsabteilung bei Finanzdienstleistern wie der Telis Finanz AG und der Interhyp tätig. Vorher lehrte und forschte sie in Japan als DAAD-Junior-Professorin für deutsches und Europarecht. Ihr Studium absolvierte sie in Münster, Genf, Regensburg und Leipzig. Die Autorin erreichen Sie unter britta.schoen@finanztip.de.