Arbeitsunfähigkeitsversicherung

Wer zahlt, wenn Sie nicht arbeiten können

Das Wichtigste in Kürze

  • Mit dem Begriff „Arbeitsunfähigkeitsversicherung“ ist umgangssprachlich oft die Berufsunfähigkeitsversicherung gemeint.
  • Streng genommen bedeuten Arbeitsunfähigkeit und Berufsunfähigkeit jedoch nicht dasselbe.
  • Ist jemand arbeitsunfähig, besteht die Aussicht, dass seine Arbeitskraft vollständig wiederhergestellt werden kann. Während der Genesung erhalten gesetzlich Versicherte sechs Wochen ihren normalen Lohn und anschließend Krankengeld.
  • Eine Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) zahlt hingegen erst, wenn der Versicherte in seinem Job dauerhaft nicht mehr arbeiten kann.
  • Manche BU-Versicherungen enthalten aber eine Arbeitsunfähigkeits-Klausel.
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Ein Herzinfarkt wirft Sie aus der Bahn, eine Operation ist nötig, es folgen Reha-Maßnahmen. Wenn sich die Genesung hinzieht und Sie im Job ausfallen, kann das neben den gesundheitlichen Einschränkungen auch unangenehme finanzielle Folgen haben.

Darum ist es sinnvoll, sich für den Fall abzusichern, nicht mehr arbeiten zu können. Am umfassendsten geht das mit einer Berufsunfähigkeitsversicherung (BU), umgangssprachlich auch oft Arbeitsunfähigkeitsversicherung genannt. Sie zahlt eine monatliche Rente, wenn der Versicherte nicht mehr arbeiten kann.

Unterschied zwischen Arbeitsunfähigkeit und Berufsunfähigkeit

Zwar werden die Begriffe Arbeitsunfähigkeit und Berufsunfähigkeit oft synonym verwendet, es gibt jedoch Unterschiede in ihrer Definition. Diese können entscheidend dafür sein, ob jemand Geld von seiner Versicherung bekommt oder nicht.

Bei Arbeitsunfähigkeit besteht Aussicht auf Besserung
Als arbeitsunfähig gilt, wer aus gesundheitlichen Gründen vorübergehend nicht mehr in der Lage ist, seiner Arbeit nachzugehen. Grund dafür kann eine Risikoschwangerschaft genauso wie ein Beinbruch oder eine schwere Erkrankung sein. Wichtig ist nur: Ein Arzt muss die Arbeitsunfähigkeit bescheinigen, den Betroffenen also krankschreiben.

Ein gesetzlich Versicherter, der krankgeschrieben ist, bekommt von seinem Arbeitgeber sechs Wochen lang weiter sein normales Gehalt. Ist der Arbeitnehmer auch darüber hinaus noch arbeitsunfähig, springt die gesetzliche Krankenkasse ein. Sie zahlt Krankengeld, das maximal 70 Prozent des Bruttolohns beträgt. Gesetzlich Versicherte haben darauf maximal 78 Wochen innerhalb von drei Jahren Anspruch (§ 48 Satz 1 SGB V). Die 78 Wochen verkürzen sich um Zeiten, in denen der Anspruch auf Krankengeld ruht, zum Beispiel wenn eine Versicherte Mutterschaftsgeld bezieht oder während der sechswöchigen Entgeltfortzahlung vom Arbeitgeber (§ 49 SGB V). In der Regel gibt es für Arbeitnehmer daher 72 Wochen Krankengeld.

Wem das Krankengeld nicht reicht oder wer als privat Versicherter keine Leistungen von der gesetzlichen Krankenkasse bekommt, kann sich für diese Zeit mit einer privaten Krankentagegeld-Versicherung absichern.

Berufsunfähig ist, wer dauerhaft nicht arbeiten kann
Ein wesentliches Merkmal der Arbeitsunfähigkeit ist, dass es sich nicht um einen Dauerzustand handelt: Wird jemand als arbeitsunfähig eingestuft, geht der Arzt davon aus, dass sich in absehbarer Zeit der Zustand des Erkrankten durch Behandlungen und Reha-Maßnahmen soweit verbessern lässt, dass er wieder arbeiten kann.

Eine private Berufsunfähigkeitsversicherung zahlt die vereinbarte Rente erst, wenn genau das nicht der Fall ist. Denn als berufsunfähig gilt nur, wer seinen letzten Beruf, so wie er ohne gesundheitliche Beeinträchtigung ausgestaltet war, voraussichtlich auf Dauer nicht mehr ausüben kann (§ 172 Abs. 2 VVG).

Ob nach einem Unfall oder einer Krankheit dauerhafte Schäden zurückbleiben, ist allerdings oft nicht leicht einzuschätzen. Deshalb gibt es bei guten BU-Tarifen eine Rente, sobald die Berufsunfähigkeit voraussichtlich länger als sechs Monate bestehen wird. Das reicht den Anbietern, um davon auszugehen, dass auf absehbare Zeit keine Besserung des Gesundheitszustandes zu erwarten ist.

Allerdings kann die Versicherung in regelmäßigen Abständen prüfen, ob der Kunde noch immer berufsunfähig ist. Geht es ihm wider Erwarten deutlich besser, kann die Berufsunfähigkeitsversicherung aufhören, Geld zu überweisen. Der Versicherte muss aber nichts zurückzahlen. Die Rente endet auch, wenn der Versicherte einen neuen Job gefunden hat, der mit seinem vorherigen Beruf vergleichbar ist.

Um eine Berufsunfähigkeitsrente zu erhalten, muss der Betroffene aber nicht vollkommen berufsunfähig sein, sondern lediglich einen BU-Grad von 50 Prozent erreichen. Das bedeutet, er hat mindestens die Hälfte seiner Leistungsfähigkeit eingebüßt und kann zum Beispiel für seinen Beruf wichtige Tätigkeiten nicht mehr verrichten.

Ob jemand als berufsunfähig gilt, entscheidet aber nicht wie bei einer Krankschreibung der behandelnde Arzt. Vielmehr prüft das Versicherungsunternehmen anhand der medizinischen Unterlagen und einer genauen Tätigkeitsbeschreibung, ob es den notwenigen Berufsunfähigkeits-Grad für erfüllt hält.

Mehr dazu im Ratgeber Berufsunfähigkeitsversicherung

Julia Rieder
von Finanztip,
Expertin für Versicherungen

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Arbeitsunfähigkeitsklausel in der Berufsunfähigkeitsversicherung

Wer sechs Monate lang arbeitsunfähig ist, gilt aber nicht automatisch auch als berufsunfähig. Denn auch bei längerer Krankheit, beispielsweise einem komplizierten Bänderriss, kann eine vollständige Genesung von Anfang an absehbar sein.

Seit einigen Jahren gibt es jedoch immer mehr Berufsunfähigkeitsversicherungen, die schon bei Arbeitsunfähigkeit (AU) eine monatliche Rente zahlen. Rund ein Dutzend Versicherungsgesellschaften bieten mittlerweile einen solchen Tarif an – teils gegen einen Aufpreis im Vergleich zur regulären Berufsunfähigkeitsversicherung.

Allen Arbeitsunfähigkeits-Klauseln gemein ist, dass der Versicherte mindestens sechs Monate arbeitsunfähig sein muss, um eine Leistung zu bekommen. In den übrigen Details unterscheiden sich die verschiedenen Angebote aber. Die Versicherungszahlung ist in der Regel zeitlich begrenzt – meist auf 18 oder 24 Monate.

Für den Versicherten vorteilhaft ist es, wenn er nur die Krankschreibung vom Arzt und die Diagnose vorlegen muss, damit die Versicherung zahlt. So spart er sich vorerst die Mühe für den aufwendigen Antragsprozess der BU. Einige Anbieter verlangen allerdings dieselben Unterlagen, die auch nötig wären, um eine reguläre Berufsunfähigkeitsrente zu beantragen.

Sinnvoll ist eine AU-Klausel vor allem für Menschen, deren Einkommen im Falle einer Arbeitsunfähigkeit nicht ausreichend durch das gesetzliche Krankengeld oder eine private Krankentagegeld-Police abgesichert ist. Diese Klausel allein sollte aber nicht den Ausschlag bei der Entscheidung für ein bestimmtes Angebot geben. Welche weiteren Merkmale eine gute BU-Police haben sollte, erklären wir in unserem Ratgeber zur Berufsunfähigkeitsversicherung.

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Vorsicht, wenn sich Krankentagegeld und BU-Rente überschneiden

Der Unterschied zwischen Arbeitsunfähigkeit und Berufsunfähigkeit ist auch wichtig, wenn Sie eine private Krankentagegeld-Versicherung haben. Das Krankentagegeld soll die Einkommenslücke schließen, die entsteht, wenn Sie über einen längeren Zeitraum krank sind und die sechswöchige Lohnfortzahlung des Arbeitgebers geendet hat.

Viele Anbieter haben in ihren Versicherungsbedingungen festgelegt, dass sie nur während einer Arbeitsunfähigkeit zahlen. Sobald die Berufsunfähigkeit festgestellt wird, kann die Krankentagegeld-Versicherung demnach die Leistung einstellen. Und nicht nur das: Bekommen Sie von der Berufsunfähigkeitsversicherung rückwirkend eine Rente für den Zeitraum, in dem Sie Krankentaggeld bezogen haben, kann der Versicherer dieses Geld zurückfordern. Das wird zum großen Problem, wenn das Krankentagegeld höher ist als die versicherte Berufsunfähigkeitsrente.

Ein Beispiel:
Ein Selbstständiger hat ein Krankentagegeld in Höhe von 2.000 Euro versichert, aber nur 1.500 Euro BU-Rente. Er hat sechs Monate lang Krankentagegeld bezogen. Das muss er nun zurückzahlen, weil seine Berufsunfähigkeitsversicherung rückwirkend ab dem Beginn seiner Erkrankung leistet. So steht er trotz der Anerkennung seiner Berufsunfähigkeit plötzlich mit 3.000 Euro Schulden da.

Wer ein Krankentagegeld abschließt, sollte deshalb darauf achten, dass die Versicherung in ihren Bedingungen auf einen solchen Rückforderungsanspruch verzichtet. Ist das nicht der Fall, sollte mindestens ein Krankentagegeld in gleicher Höhe wie die BU-Rente gewählt werden. Außerdem ist es sinnvoll, sich beim Antrag auf eine Berufsunfähigkeitsrente von einem Versicherungsberater oder Fachanwalt helfen zu lassen.

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Finanztip-Chefredakteur
Hermann-Josef Tenhagen

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Artikel verfasst von

Julia Rieder

Finanztip-Expertin für Versicherungen

Julia Rieder ist Expertin für Versicherungen und derzeit kommisarisch für das Thema Reise verantwortlich. Während ihres Volontariats bei Finanztip sammelte sie Hörfunk-Erfahrung beim Inforadio. Vorher war sie in den Redaktionen von Frontal 21, der Berliner Zeitung und dem Online-Magazin politik-digital tätig. Ihr Studium der Politikwissenschaft hat Julia Rieder an der Freien Universität Berlin mit einem Master abgeschlossen.