Basiskonto

Ein Konto für jedermann

Das Wichtigste in Kürze

  • Seit dem 19. Juni 2016 können alle Menschen, die sich legal in der Europäischen Union aufhalten, ein Basiskonto bei einer Bank eröffnen.
  • Die Banken sind verpflichtet, solche Konten bereitzuhalten. Sie dürfen Kunden aber aus gesetzlich festgelegten Gründen ablehnen, zum Beispiel falls diese bereits ein Basiskonto haben.
  • Basiskonten haben grundsätzliche Funktionen, die auch ein normales Girokonto hat, zum Beispiel Geld abheben und überweisen oder mit Karte zahlen. Anspruch auf einen Dispo oder gar eine Kreditkarte haben die Verbraucher dabei nicht.
  • Basiskonten müssen nicht kostenlos sein. Die Banken dürfen jedoch nur angemessene Gebühren verlangen.
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Der Arbeitgeber zahlt das Gehalt auf das Girokonto ein, die Miete geht vom Girokonto ab und auch die Girocard (früher: EC-Karte) ist mit dem Konto verknüpft: Ohne Girokonto werden finanzielle Kleinigkeiten zum großen Problem, eine Teilhabe am normalen Geschäftsleben ist unmöglich. Deshalb haben seit dem 19. Juni 2016 auch Wohnsitzlose, Asylsuchende und geduldete Ausländer das Anrecht auf ein Girokonto. Sie müssen allerdings mindestens 18 Jahre alt und geschäftsfähig sein. Das schon lange geforderte Konto für jedermann ist mit dem sogenannten Basiskonto zur Realität geworden.

Hinter diesem besonderen Girokonto steckt das Zahlungskontengesetz, mit dem Deutschland eine EU-Richtlinie (RL 2014/92/EU) umsetzt. Der Bundesrat verabschiedete das Gesetz im März 2016. Seit Juni 2016 gilt die darin enthaltene Regelung zum Basiskonto und seit 18. September 2016 eine weitere Neuerung, die das Wechseln des Girokontos erleichtern soll. Weitere Teile des Gesetzes, zum Beispiel zertifizierte Vergleichswebsites für Girokonten, müssen noch umgesetzt werden.

Basiskonto statt Konto für jedermann

Zuvor mussten nur Sparkassen in einigen Bundesländern jedem Verbraucher ein Girokonto eröffnen, soweit dies für sie zumutbar war. Grund dafür ist der „Kontrahierungszwang “, der in den Sparkassengesetzen dieser Bundesländer festgelegt ist und sie dazu verpflichtet, jedem ein Konto anzubieten.

Außerdem verpflichteten sich die Sparkassen 2012, Verbrauchern auf Wunsch ein sogenanntes Bürgerkonto zu eröffnen, ein Girokonto auf Guthabenbasis. Für die Privatbanken gab es seit 1995 lediglich eine unverbindliche Empfehlung der Deutschen Kreditwirtschaft, ein Konto für jedermann, oft auch als Jedermann-Konto bezeichnet, anzubieten.

Durch das Zahlungskontengesetz sind nun neben den Sparkassen alle Banken, die Zahlungskonten für Verbraucher anbieten, verpflichtet, jedem ein Konto einzurichten, also auch die genossenschaftlichen Volks- und Raiffeisenbanken sowie die Privatbanken. Das Gesetz gilt auch für ausländische Banken, die in Deutschland lediglich eine Zweigstelle haben.

Zu den Menschen, die nun ein Anrecht auf diese neue Version des Jedermann-Kontos haben, gehören alle Privatpersonen, die sich legal in der Europäischen Union aufhalten, egal, ob sie einen festen Wohnsitz haben oder nicht. Die Kreditinstitute dürfen Verbraucher nicht aufgrund ihrer Staatsangehörigkeit oder ihres Wohnsitzes benachteiligen.

Wann die Bank das Basiskonto ablehnen oder kündigen darf

Im Zahlungskontengesetz ist festgelegt, wann eine Bank eine Kontoeröffnung ablehnen darf. So haben Verbraucher zum Beispiel nur das Anrecht auf ein einziges Basiskonto. Falls sie bereits ein Konto bei einer anderen Bank führen, braucht die zweite Bank kein Basiskonto für sie eröffnen.

Die Bonität spielt beim Eröffnen eines Basiskontos keine Rolle. Trotzdem fragen einige Banken beim Basiskonto bei der Auskunftei Schufa die Daten der Kunden ab. So finden die Geldinstitute zum Beispiel heraus, ob die Verbraucher bereits ein Girokonto bei einer anderen Bank haben. In dem Fall könnten sie die Eröffnung des Basiskontos verweigern.

Das Geldinstitut muss keine Kunden akzeptieren, die ihnen in den vergangenen Jahren durch eine Straftat geschadet haben. Falls die Bank schon einmal ein Konto eines Kunden gekündigt hatte, weil dieser es für illegale Zwecke genutzt oder über Monate das Kontoführungsentgelt nicht gezahlt hat, braucht sie ihm ebenfalls kein Basiskonto einrichten.

Die Bank darf das Konto dem Gesetz zufolge auch aus ähnlichen Gründen kündigen: Falls Kunden dem Geldhaus beispielsweise durch kriminelles Verhalten schaden oder sie einen großen Teil des Entgelts mehr als drei Monate lang nicht entrichten, kann die Bank das Basiskonto kündigen. Dabei gilt eine Kündigungsfrist von zwei Monaten. Ganz ohne Frist darf die Bank das Konto kündigen, falls Verbraucher es für illegale Zwecke nutzen oder beim Antrag falsche Angaben gemacht haben, um das Konto zu bekommen.

Sollte ein Geldinstitut es ablehnen, ein Konto zu eröffnen oder kündigt es das Konto, muss es dem Kunden die Gründe dafür nennen. Ausnahmen gibt es nur, falls die Bank damit den Kampf gegen Geldwäsche oder Terrorfinanzierung gefährdet.

Kunden können ein Verwaltungsverfahren bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) beantragen, falls die Bank ihnen das Konto verweigert. Die Bafin kann daraufhin anordnen, dass die Bank das Basiskonto eröffnet. Außerdem haben betroffene Kunden die Möglichkeit, gegen die Bank vor einem Landgericht zu klagen.

Schwierigkeiten bei der Kontoeröffnung

Das Eröffnen eines Basiskontos klappt bei Flüchtlingen nicht immer ganz ohne Probleme. Die Banken müssen zwar Unterlagen wie den Ankunftsbeweis oder den Duldungsbescheid bei Asylsuchenden und Geduldeten für die Kontoeröffnung anerkennen. Die Post muss diese Dokumente beim Postident-Verfahren jedoch nicht akzeptieren. Beim Videoident-Verfahren gelten bei den Unterlagen die Regeln der Bafin, wonach die Papiere Sicherheitsmerkmale wie holografische Bilder aufweisen müssen.

Für Menschen ohne die passenden Unterlagen bedeutet dies oft, dass sie ein Girokonto nur in der Filialbank eröffnen können. Die preiswerten Direktbanken sind für sie in der Regel keine Option.

Diese Funktionen hat das Basiskonto

Beim Basiskonto handelt es sich um ein Girokonto mit den grundlegenden Funktionen. Verbraucher können Geld überweisen, Lastschriften einrichten, per Karte zahlen sowie Geld einzahlen und abheben. Damit kann jedermann am normalen Finanzleben teilnehmen.

In der Regel wird das Basiskonto nur auf Guthabenbasis geführt. Falls die Banken dazu also eine Kreditkarte anbieten, handelt es sich in der Regel um eine Prepaid-Karte oder eine Debit-Karte. Bei Prepaid-Karten können die Kunden nur das aufgeladene Geld ausgeben. Sofern die Banken keinen Dispo zum Basiskonto gewähren, gelten bei den Debit-Karten dieselben Regeln: Nur das Geld auf dem Girokonto kann ausgegeben werden. Die Banken dürfen jedoch eine Überziehungsmöglichkeit (Dispo) gewähren.

Das Basiskonto kann etwas kosten, das Entgelt soll jedoch „angemessen“ sein – das richtet sich nach den marktüblichen Entgelten und dem Nutzerverhalten. Kunden können bereits beim Eröffnen des Kontos festlegen, dass es als Pfändungsschutzkonto geführt wird.

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Kosten beim Basiskonto

Die Banken legen für die Basiskonten sehr unterschiedliche Gebühren fest. In unserer Stichprobe im Januar 2017 lagen aber die Direktbanken Consorsbank, Comdirect und ING-Diba vorn. Von diesen drei Banken sind zwei auch beim normalen Girokonto Finanztip-Empfehlungen: Consorsbank und Comdirect.

Bei der Consorsbank gehört auch zum Basiskonto die Kreditkarte. Das ist unproblematisch, weil es sich um eine Debit-Karte handelt und die Bank beim Basiskonto keinen Dispo gewährt. Damit geht der per Kreditkarte bezahlte Betrag direkt vom Konto ab und die Kunden rutschen nicht ins Minus. Nachteil der Debit-Karten ist, dass Hotels oder Autovermietungen sie nicht immer akzeptieren.

Die DKB bietet zwar ein gutes Standardkonto an, beim Basiskonto schlägt sich die Bank allerdings weniger gut. Grund dafür ist, dass die DKB kein Mitglied in einem Geldautomatenverband ist. Die Kunden heben deshalb nur über die Kreditkarte kostenlos ab. Beim DKB-Basiskonto ist diese Karte nicht vorgesehen und die Kunden müssen beim Geldabheben mit der Girocard immer die Automatengebühr zahlen. Diese beträgt laut Zahlen der unabhängigen Finanzberatung FMH durchschnittlich 4,22 Euro in Deutschland. Die Kunden können diese Kosten jedoch senken, indem sie im Einzelhandel nach dem Einkaufen Geld abheben. Das ist für sie kostenlos.

Kosten für Basiskonten bei Direktbanken im Vergleich

  Kontoführung (monatlich) Girocard (jährlich) Abheben beleghafte Überweisungen jährliche Kosten (Jahresgebühr / Girocard)
DKB 0 € 0 € 4,22 €¹ nicht möglich 253,20 €
Consorsbank 0 € 0 € 0 € 2,95 € 0 €
Comdirect 0 € 0 € 0 € 1,90 € 0 €
ING-Diba 0 € 0 € 0 € 0 € 0 €

Quelle: Finanztip-Berechnung und Angaben der Anbieter (Stand: Januar 2017)
Unser Musterkunde besitzt ein Girokonto samt Girocard und hebt fünfmal im Monat Geld ab. 
¹Durchschnittswert von FMH

Filialbanken verlangen in der Regel höhere Gebühren für das Basiskonto als Direktbanken. Doch für Flüchtlinge sind sie aufgrund der Schwierigkeiten beim Eröffnen des Kontos meist die einzige Wahl. Womöglich kann ihnen zumindest ein Berater in der Bank bei den Bankgeschäften helfen, falls sie Verständigungsprobleme haben.

Kosten für Basiskonten bei Filialbanken im Vergleich

  Kontoführung (monatlich) Girocard (jährlich) Abheben beleghafte Überweisungen jährliche Kosten (Jahresgebühr / Girocard / beleghafte Überweisungen) jährliche Kosten (Jahresgebühr / Girocard)
Hypovereinsbank (Plus) 7,90 € 0 € 0 € 0 € 94,80 € 94,80 €
Hypovereinsbank (Aktiv) 2,90 € 5 € 0 € 2,50 € 69,80 € 39,80 €
Deutsche Bank 8,99 € 0 € 0 € 1,50 € 125,88 € 107,88 €
Commerzbank 6,90 € 0 € 0 € 1,50 € 100,80 € 82,80 €
Deutsche Postbank 5,90 € 0 € 0 € 0,99 € 82,68 € 70,80 €
Sparda-Bank Südwest 0 € 5 € 0 € 0 € 5 € 5 €
Sparda-Bank West 0 € 10 € 0 € 0 € 10 € 10 €
Sparda-Bank Hessen 5 € 0 € 0 € 0,95 € 71,40 € 60 €
Sparda-Bank München 0 € 5 € 0 € 0 € 5 € 5 €
Sparda Bank Baden-Württemberg 0 € 10 € 0 € 0 € 10 € 10 €
Mainzer Volksbank 5,25 € 12 € 0 € 0 € 75 € 75 €
Sparkasse Köln-Bonn (Extra) 7,95 € 0 € 0 € 0 € 95,40 € 95,40 €
Sparkasse Köln-Bonn (Kompakt) 4,95 € 0 € 0 € 1,20 € 73,80 € 59,40 €
Hamburger Sparkasse 3,95 € 0 € 0 € 1 € 59,40 € 47,40 €

Quelle: Finanztip-Berechnung und Angaben der Anbieter (Stand: Januar 2017)
Unser Musterkunde besitzt ein Girokonto samt Girocard, hebt fünfmal im Monat Geld ab und überweist zwölfmal beleghaft.

Einige Banken legen die Gebühren beim Basiskonto anders fest als bei ihrem normalem Girokonto. Die Kontoführungsgebühr bei der Postbank ist zum Beispiel 2 Euro höher als beim Standardkonto (Giro Plus), die Deutsche Bank verlangt 4 Euro mehr als beim Aktivkonto. Bei der Commerzbank gibt es zwar ein Girokonto ohne Kontoführungsgebühren, dafür müssen jedoch monatlich 1.200 Euro eingehen. Ist dies nicht der Fall, fallen Gebühren von 9,90 Euro im Monat an. Das Basiskonto ist ohne diesen Geldeingang also preiswerter. Die Hypovereinsbank macht bei der Kontoführung keine Unterschiede zwischen Basiskonto und den normalen Konten.

Auch wenn das Basiskonto nicht wesentlich teurer sein sollte als das normale Girokonto, sollten Verbraucher zuerst versuchen, ein Standardkonto zu eröffnen. Denn damit erhalten sie womöglich einen Dispo und eine Kreditkarte, die Ausstattung des Kontos ist also besser.

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Josefine Lietzau
von Finanztip,
Expertin für Bankprodukte

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Finanztip-Chefredakteur
Hermann-Josef Tenhagen

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Artikel verfasst von

Josefine Lietzau

Finanztip-Expertin für Bankprodukte

Josefine Lietzau ist Redakteurin im Team Bank & Geldanlage. Bereits während ihres Studiums der Germanistik und Anglistik war sie für die Redaktionen der Grünen Liga, der Jüdischen Zeitung und der Superillu tätig. Nach ihrem Magister-Abschluss absolvierte Josefine Lietzau ein Volontariat bei den Online-Verbraucherportalen Banktip und Posttip, wo sie im Anschluss als Redakteurin arbeitete.