Basiskonto

Ein Konto für jedermann

Josefine Lietzau Stand: 20. September 2019
Das Wichtigste in Kürze
  • Basiskonten sind eine Art Ersatz für normale Girokonten. Mit einem Basiskonto können Sie Geld abheben und mit Karte zahlen. Anspruch auf einen Dispo oder eine Kreditkarte haben Sie nicht.
  • Banken sind verpflichtet, Ihnen ein Basiskonto zu eröffnen, auch wenn Sie finanziell schlecht dastehen.
  • Ein Basiskonto muss nicht kostenlos sein. Die Banken dürfen jedoch nur angemessene Gebühren verlangen.
So gehen Sie vor
  • Versuchen Sie zunächst ein Standard-Girokonto zu eröffnen, das bietet bessere Konditionen.
  • Das passende Konto finden Sie über den Finanztip-Girokontorechner. 

 Zum Rechner

  • Falls die Banken Sie abweisen, eröffnen Sie ein Basiskonto. Achten Sie dabei darauf, an welchen Automaten Sie kostenlos Geld abheben können und dass es diese Automaten auch in Ihrer Nähe gibt.

Wie zahlt man die Miete, wenn man kein Girokonto hat? Und wo landet das Gehalt? Diese Fragen mussten sich lange Zeit viele Menschen in Deutschland stellen, denn sie bekamen kein Konto bei einer Bank. Inzwischen hat sich das geändert. Seit Juni 2016 müssen die Banken fast jedem Verbraucher ein sogenanntes Basiskonto anbieten.

Was ist ein Basiskonto?

Hinter diesem besonderen Girokonto steckt das Zahlungskontengesetz. Seit 2016 gelten die darin enthaltene Regelung zum Basiskonto und eine weitere Neuerung, die das Wechseln des Girokontos erleichtern soll. Durch das Gesetz sind alle Sparkassen, Genossenschaftsbanken und Privatbanken verpflichtet, jedem ein Konto einzurichten. Einzige Bedingung ist, dass die Banken Zahlungskonten für Verbraucher anbieten. Das gilt auch für ausländische Banken, die in Deutschland lediglich eine Zweigstelle haben.

Zu den Menschen, die nun ein Anrecht auf diese Version des Jedermann-Kontos haben, gehören alle Privatpersonen, die sich legal in der Europäischen Union aufhalten, egal, ob sie einen festen Wohnsitz haben oder nicht. So können Wohnsitzlose, Asylsuchende und geduldete Ausländer ein Girokonto eröffnen. Sie müssen allerdings mindestens 18 Jahre alt und geschäftsfähig sein. Die Kreditinstitute dürfen Verbraucher nicht aufgrund ihrer Staatsangehörigkeit oder ihres Wohnsitzes benachteiligen.

Darf die Bank ein Basiskonto ablehnen oder kündigen?

Im Zahlungskontengesetz ist festgelegt, wann eine Bank eine Kontoeröffnung ablehnen darf. So haben Sie zum Beispiel nur Anrecht auf ein einziges Basiskonto. Falls Sie bereits ein Konto bei einer anderen Bank führen, muss die zweite Bank kein Basiskonto für Sie eröffnen.

Wie die Bank Ihre finanzielle Lage einschätzt – die sogenannte Bonität – spielt beim Eröffnen eines Basiskontos keine Rolle. Trotzdem fragen einige Banken für das Basiskonto bei der Auskunftei Schufa die Daten der Kunden ab. So finden die Geldinstitute zum Beispiel heraus, ob Sie bereits ein Girokonto bei einer anderen Bank haben. In dem Fall könnten sie sich weigern, ein Basiskonto zu eröffnen.

Das Geldinstitut muss keine Kunden akzeptieren, die ihm in den vergangenen Jahren durch eine Straftat geschadet haben. Falls die Bank schon einmal ein Konto eines Kunden gekündigt hat, weil dieser es für illegale Zwecke genutzt oder über Monate die Kontoführungsgebühren nicht gezahlt hat, darf sie ihm das Basiskonto verweigern.

Die Bank kann das Konto auch aus ähnlichen Gründen kündigen: Dabei gilt eine Kündigungsfrist von zwei Monaten. Ganz ohne Frist darf die Bank das Konto kündigen, falls Kunden es für illegale Zwecke nutzen oder beim Antrag falsche Angaben gemacht haben, um das Konto zu bekommen.

Sollte ein Geldinstitut es ablehnen, ein Basiskonto für Sie zu eröffnen oder das Konto kündigen, muss die Bank Ihnen die Gründe dafür nennen. Ausnahmen gibt es nur, falls die Bank damit den Kampf gegen Geldwäsche oder Terrorfinanzierung gefährdet.

Sie können ein Verwaltungsverfahren (Link auf PDF-Datei) bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) beantragen, falls die Bank Ihnen das Konto verweigert. Die Bafin kann daraufhin anordnen, dass die Bank das Basiskonto eröffnet. Außerdem haben Sie die Möglichkeit, gegen die Bank vor einem Landgericht zu klagen.

Schwierigkeiten bei der Kontoeröffnung

Das Eröffnen eines Basiskontos klappt bei Flüchtlingen nicht immer ganz ohne Probleme. Die Banken müssen zwar Unterlagen wie den Ankunftsbeweis oder den Duldungsbescheid bei Asylsuchenden und Geduldeten für die Kontoeröffnung anerkennen. Die Post muss diese Dokumente beim Postident-Verfahren jedoch nicht akzeptieren. Beim Videoident-Verfahren gelten bei den Unterlagen die Regeln der Bafin, wonach die Papiere Sicherheitsmerkmale wie holografische Bilder aufweisen müssen.

Für Menschen ohne die passenden Unterlagen bedeutet dies oft, dass sie ein Girokonto nur in einer Filialbank eröffnen können. Die preiswerten Direktbanken sind für sie in der Regel keine Option.

Wie funktioniert ein Basiskonto?

Beim Basiskonto handelt es sich um ein Girokonto mit grundlegenden Funktionen: Sie können Geld überweisen, Lastschriften einrichten, per Karte zahlen sowie Geld einzahlen und abheben. So kann jedermann am normalen Finanzleben teilnehmen.

In der Regel wird das Konto nur auf Guthabenbasis geführt. Falls die Banken dazu also eine Kreditkarte anbieten, handelt es sich meist um eine Prepaid-Karte oder eine Debit-Karte. Bei Prepaid-Karten können Sie nur das aufgeladene Geld ausgeben. Sofern die Bank keinen Dispo zum Basiskonto gewährt, gelten bei den Debit-Karten dieselben Regeln: Nur das Geld auf dem Girokonto kann ausgegeben werden. Die Banken dürfen jedoch eine Überziehungsmöglichkeit (Dispo) einrichten.

Das Basiskonto kann etwas kosten, das Entgelt soll jedoch „angemessen“ sein, sich also nach den marktüblichen Gebühren und dem Nutzerverhalten richten. In den letzten Jahren gab es immer wieder Streit darüber, was „angemessen“ genau bedeutet. Deshalb hat zum Beispiel der Verbraucherzentralen Bundesverband im September 2016 sechs Banken aufgrund ihrer Konditionen abgemahnt. 2019 urteilte das Oberlandesgericht Frankfurt, dass die Deutsche Bank die Gebühren für das Basiskonto zu hoch angesetzt hat (Urteil vom 27.02.2019, Az. 19 U 104/18).

Kunden können bereits beim Eröffnen des Kontos festlegen, dass es als Pfändungsschutzkonto geführt wird. Dann ist das Guthaben bis zu einer bestimmten Grenze vor Pfändungen sicher.

Was kostet ein Basiskonto?

Die Banken legen für die Basiskonten sehr unterschiedliche Gebühren fest. Das gilt nicht nur für die Kontoführungsgebühr, sondern auch für die Gebühren für unterschiedliche Dienste wie Überweisungen, Geldabheben oder die Jahresgebühr für die Girocard.

Egal wie hoch die Kosten beim Basiskonto sind: Versuchen Sie zunächst, ein normales Konto zu beantragen. Damit erhalten sie womöglich einen Dispo und eine Kreditkarte, die Ausstattung des Kontos ist also besser.

So viel kostet das Basiskonto bei Direktbanken

Bei Direktbanken müssen Sie ohne Filialen auskommen, Sie erledigen Ihre Bankgeschäfte in der Regel komplett online. Das hat den Vorteil, dass die Angebote dieser Banken oft preiswerter sind als die der Filialbanken.

Ein weiterer Unterschied: Viele Direktbanken haben keine eigenen Geldautomaten. Damit ihre Kunden trotzdem Geld abheben können, haben die Banken sich entweder einem Automatenverbund angeschlossen oder ihre Kunden heben mit der Kreditkarte statt der Girocard Geld ab und das kostenlos. Für die Kunden ist es deshalb wichtig zu wissen, wie viele Automaten ihnen offenstehen. Falls Sie sich nicht sicher sind, fragen Sie bei Ihrer Bank nach, wo Sie kostenfrei Bargeld abheben können.

Kosten für Basiskonten bei Direktbanken im Vergleich

Bank

Kontoführung
(monatlich)
Girocard
(jährlich)
Abheben1

jährliche

Kosten2

Consorsbank0 €0 €0 €

0 €

ING0 €0 €0 €

0 €

Comdirect

1,90 €0 €0 €

22,80 €

Norisbank5,90 €0 €0 €

70,80 €

DKB0 €0 €4,223

253,20 €

1 Kosten für Bargeldabhebungen an Automaten der Bank oder des jeweiligen Automatenverbunds
2 Unser Musterkunde besitzt ein Basiskonto samt Girocard und hebt fünfmal im Monat Geld ab.
3 Durchschnittswert von FMH vom September 2016
Quelle: Finanztip-Berechnung und Angaben der Anbieter (Stand: August 2019)

Consorbank - Bei der Consorsbank fallen weder für die Kontoführung noch für die Girocard oder die Visa-Karte Gebühren an. Sie können mit der Visa-Karte kostenlos an den meisten Automaten in Deutschland Geld abheben.

ING - Zum kostenlosen Girokonto der ING gehört eine Girocard. Mit dieser Karte heben Sie an den etwa 1.200 eigenen Geldautomaten der Bank kostenlos Bargeld ab.

Comdirect - Die Comdirect verlangt rund 2 Euro im Monat für die Kontoführung, dafür bekommen Sie aber die Girocard kostenlos. Mit dieser Karte bekommen Sie kostenlos an den  etwa 9.000 Automaten der Cash Group Geld. Zur Cash Group gehören unter anderem Commerzbank und Deutsche Bank.

Norisbank - Bei der Norisbank zahlen Sie knapp 6 Euro im Monat für ein Basiskonto. Mit der kostenlosen Girocard zum Konto heben Sie bei den Automaten der Cash Group ab, ohne Gebühren zu zahlen.

DKB - Die DKB bietet zwar ein empfehlenswertes Standardkonto an, beim Basiskonto schlägt sich die Bank allerdings weniger gut. Grund dafür ist, dass die DKB kein Mitglied in einem Geldautomaten-Verbund ist. Kostenlos Geld abheben können Kunden deshalb nur mit Kreditkarte.

Beim DKB-Basiskonto ist diese Karte nicht vorgesehen und Sie müssen fürs Abheben mit der Girocard immer die Automatengebühr zahlen. Diese beträgt der unabhängigen Finanzberatung FMH zufolge durchschnittlich 4,22 Euro in Deutschland. Sie können diese Kosten jedoch senken, indem Sie im Einzelhandel nach dem Einkaufen Geld abheben. Das ist kostenlos.

So viel kostet das Basiskonto bei Banken mit Filialen

Filialbanken verlangen in der Regel höhere Gebühren für das Basiskonto als Direktbanken. Doch für Flüchtlinge sind sie wegen der Schwierigkeiten beim Eröffnen des Kontos meist die einzige Wahl. Immerhin kann ihnen so ein Berater in der Bank bei den Bankgeschäften helfen, falls sie Verständigungsprobleme haben. Und wer seine Bankgeschäfte wie Überweisungen online erledigt, kann auch bei einem Filialbank-Konto Gebühren sparen.

Bank

Kontoführung

(monatlich)

Girocard

(jährlich)

Abheben1

jährliche

Kosten

ohne

Online-
Banking2

jährliche

Kosten

mit

Online-
Banking3

Commerzbank

6 €0 €0 €90 €72 €
Deutsche Bank8,99 €0 €0 €125,88 €107,88 €
Hypovereinsbank (Aktiv)2,90 €5 €0 €69,80 €39,80 €
Hypovereinsbank (Plus)7,90 €0 €0 €94,80 €94,80 €
Santander6,95 €0 €0 €101,40 €83,40 €
Sparda Bank Baden-Württemberg0 €10 €0 €10 €10 €
Sparda-Bank Hessen5 €0 €0 €71,40 €60 €
Sparda-Bank München0 €5 €0 €5 €5 €
Sparda-Bank Südwest0 €12 €0 €12 €12 €
Sparda-Bank Südwest
(Online)
0 €0 €0 €24 €0 €
Sparda-Bank West (Flex)2,50 €12 €0 €42 €42 €
Sparda-Bank West (Flex) - ohne Gehaltseingang5 €12 €0 €72 €72 €
Sparda-Bank West (Online)0 €12 €0 €30 €12 €
Sparda-Bank West (Online) - ohne Gehaltseingang2,50 €12 €0 €60 €42 €
Mainzer Volksbank6,90 €12 €1,90 €140,40 €140,40 €
Mainzer Volksbank
Direkt
1,90 €12 €1,90 €110,40 €80,40 €
Hamburger Sparkasse4,95 €0 €0 €71,40 €59,40 €
Sparkasse Köln-Bonn (Extra)7,95 €0 €0 €95,40 €95,40 €
Sparkasse Köln-Bonn (Klassik)2,95 €9 €1,50 €80,40 €62,40 €

1 Kosten für Bargeldabhebungen an Automaten der Bank oder des jeweiligen Automatenverbunds
2 Unser Musterkunde besitzt ein Basiskonto samt Girocard, hebt fünfmal im Monat Geld ab und überweist zwölfmal beleghaft.
3 Unser Musterkunde besitzt ein Basiskonto samt Girocard, hebt fünfmal im Monat Geld ab und erledigt seine Überweisungen über das Online-Banking.
Quelle: Finanztip-Berechnung und Websites der Anbieter (Stand: August 2019)

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Finanztip-Kommentar: Zum monatlichen Geldeingang gehören zum Beispiel Gehalt, Rente und Bafög. Der Geldeingang kann die Kontogebühren beeinflussen.

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Finanztip-Kommentar: Bei einigen Konten ist die Kreditkarte immer dabei, bei anderen buchen Sie die Karte auf Wunsch dazu.

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  • Unsere Anbieter-Empfehlung: Comdirect, Norisbank, DKB, Santander, ING, Consorsbank

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Autor
Josefine Lietzau

Stand: 20. September 2019


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