Lehre oder Erststudium

So setzen Sie Ausbildungskosten von der Steuer ab

Das Wichtigste in Kürze

  • Haben Sie während Ihres Erststudiums oder Ihrer Erstausbildung ein zu versteuerndes Einkommen, können Sie die Kosten als Sonderausgaben absetzen – allerdings höchstens 6.000 Euro in dem Jahr, in dem die Kosten angefallen sind.
  • Verlustvorträge auf spätere Jahre, wenn Sie voraussichtlich mehr Einkünfte haben als zu Studienzeiten, sind nicht möglich. Deshalb profitieren nur wenige von der Regelung.
  • Der Bundesfinanzhof hält diese Regelung für verfassungswidrig und hat sie dem Bundesverfassungsgericht zur Entscheidung vorgelegt.
  • Sind Sie in einem Ausbildungsverhältnis, in dem Sie gleichzeitig lernen und arbeiten – zum Beispiel in einer Lehre oder einem dualen Studium – können Sie wie beim Zweitstudium die Kosten für die Ausbildung als Werbungskosten absetzen.
  • Heben Sie alle Kassenbelege, Überweisungsbelege und Kontoauszüge auf, damit Sie Ihre Ausgaben beim Finanzamt nachweisen können.
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Eigene Wohnung, Studiengebühren oder die tägliche Fahrt zur Ausbildungsstätte: Einen Beruf zu erlernen kostet Geld. Wir zeigen Ihnen, welche Kosten Sie davon steuerlich geltend machen können.

Was Sie in der ersten Berufsausbildung absetzen können

Tipp

Hierhin in der Steuererklärung

In der Steuererklärung für 2014 tragen Sie die Aufwendungen für Ihre Berufsausbildung im Mantelbogen auf Seite 2 in Zeile 43 und 44 ein.

Unter einer beruflichen Ausbildung versteht die Finanzverwaltung das erste Erlernen eines Berufs. Dazu zählt auch das Studium an einer Fachhochschule oder einer Universität, wenn

  • Sie direkt nach Abitur oder Fachschulabschluss zu studieren beginnen. Dabei ist es gleichgültig, ob der Fachschulabschluss sich bereits auf ein ähnliches Wissensgebiet wie das Studium bezieht.
  • Sie das Studienfach wechseln und ein neues Studium beginnen, ohne das vorherige abgeschlossen zu haben.
  • Sie Ihr erstes Studium nach längerer Unterbrechung wieder aufnehmen.

Meist kaum Steuerersparnis für Studenten

Achtung

Belege sammeln

Heben Sie alle Belege über Ihre Ausgaben auf und legen Sie einen Überweisungsbeleg oder einen Kontoauszug zu Ihren Rechnungen. Denn das Finanzamt erkennt nur Kosten an, die Sie auch tatsächlich bezahlt haben.  

Haben Sie während Ihres Studiums einen Nebenjob oder anderes zu versteuerndes Einkommen wie Mieteinkünfte oder Kapitalerträge, dann können Sie die Kosten Ihrer Ausbildung laut Einkommensteuergesetz (§ 12 EStG) als Sonderausgaben von der Steuer absetzen, höchstens jedoch 6.000 Euro im Jahr. Zusammen veranlagte Ehepartner in der Ausbildung dürfen jeder für sich den Höchstbetrag beanspruchen, gemeinsam also insgesamt 12.000 Euro.  

Sonderausgaben können Sie aber nur in dem Jahr ansetzen, in dem sie auch tatsächlich angefallen sind – Verlustvorträge auf spätere Jahre sind nicht möglich. Da Studenten selten ein Einkommen erzielen, das über dem Grundfreibetrag von derzeit 8.354 Euro pro Jahr liegt, profitieren die wenigsten vom Abzug der Sonderausgaben.

BFH hält derzeitige Regelung für verfassungswidrig

Nach Auffassung des Bundesfinanzhofes (BFH) muss sich der Staat auch an den Kosten einer Erstausbildung beteiligen und die Aufwendungen als Werbungskosten zulassen. Gesetzlich ist das bisher allerdings ausgeschlossen (§ 9 Abs. 6 EStG). Der BFH hält dies jedoch für verfassungswidrig und hat es dem Bundesverfassungsgericht zur Entscheidung vorgelegt (Beschluss vom 17. Juli 2014, Az. VI R 8/12 und VI R 2/12).

Tragen Sie Ihre Ausgaben für Ihr Erststudium in der Steuererklärung daher ruhig bei den Werbungskosten und nicht bei den Sonderausgaben ein. Wenn das Finanzamt Ihnen daraufhin nur den auf 6.000 Euro begrenzten Sonderausgabenabzug zugesteht, sollten Sie gegen Ihren Steuerbescheid Einspruch einlegen und das Ruhen des Verfahrens beantragen. Verweisen Sie in Ihrem Einspruch auf die beim Bundesverfassungsgericht anhängigen Verfahren (Az. 2 BvL 25/14, 2 BvL 26/14, 2 BvL 22/14, 2 BvL 23/14, 2 BvL 24/14 und 2 BvL 27/14). So können Sie später von einer möglichen positiven Entscheidung des Gerichts profitieren.

Nachträglich Verlustvorträge feststellen lassen

Eine weitere Entscheidung des BFH betrifft die Möglichkeit, die Ausgaben für das Studium oder die Erstausbildung in späteren Jahren – wenn Sie voraussichtlich mehr verdienen – von der Steuer abzusetzen (Urteil vom 13. Januar 2015, Az. IX R 22/14). Mit diesem Urteil hat der BFH die Feststellung von Verlustvorträgen erleichtert. Davon können vor allem Berufsanfänger und Studierende profitieren, die die Kosten ihres mehr als vier Jahre zurückliegenden Studiums noch gar nicht steuerlich geltend gemacht haben – sprich: bisher keine Steuererklärung abgegeben haben.

Achtung

Mindestanforderungen an Erstausbildung

Bis Ende 2014 war die Mindestdauer der Erstausbildung nicht fest geregelt. So konnte beispielsweise auch eine kurze Ausbildung zum Rettungssanitäter als erstmalige Berufsausbildung gelten. Studierte der Sanitäter danach Medizin, waren die Kosten für diese „Zweitausbildung“ als Werbungskosten unbeschränkt abziehbar. Nach einer Neuregelung des Einkommensteuergesetzes muss seit Januar 2015 die Erstausbildung mindestens zwölf Monate (in Vollzeit) dauern und mit einem Abschluss beendet werden. Nur nach dieser Erstausbildung können Sie Ausgaben für eine Zweitausbildung als Werbungskosten geltend machen.

Berufsausbildung im Rahmen eines Dienstverhältnisses

Wenn Sie während Ihrer Ausbildungszeit zur gleichen Zeit lernen und arbeiten, befinden Sie sich steuerrechtlich gesehen in einem Ausbildungsverhältnis. Sie zahlen auf Ihr Gehalt Steuern und können darum die Kosten für Ihre Ausbildung als Werbungskosten absetzen.  

Zur Berufsausbildung im Rahmen eines Dienstverhältnisses gehören beispielsweise:

  • das duale Studium
  • die klassische Lehre
  • das Referendariat
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Was Sie in der Weiterbildung absetzen können

Tipp

Hierhin in der Steuererklärung

Kosten für Ihre Fort- und Weiterbildung tragen Sie in der Steuererklärung 2014 in der Anlage N auf Seite 2 in Zeile 44 ein.

Als Fort- und Weiterbildung gelten alle Bildungsmaßnahmen, die beruflich veranlasst sind und objektiv erkennbar der Erwerbstätigkeit und nicht dem privaten Interesse dienen.

Dazu zählen unter anderem:

  • Masterstudium sowie jedes andere Zweit-, Ergänzungs- oder Aufbaustudium
  • Promotion, Anerkennungsjahr oder Pflichtpraktikum nach einem Hochschulabschluss
  • neue Berufsausbildung nach einer abgeschlossenen Berufsausbildung
  • Studium nach einer Berufsausbildung
  • beruflich bedingte Studienreisen und Kongresse
  • Sprachkurse, Rhetoriktrainings, Meisterkurse

Damit das Finanzamt die Kosten Ihrer Fortbildung anerkennt, lassen Sie sich vorab vom Arbeitgeber bestätigen, dass Sie die Weiterbildung beruflich brauchen. Oder Sie legen der Steuererklärung eine Freistellung Ihres Arbeitgebers von Ihrer beruflichen Tätigkeit für die Dauer der Weiterbildung bei.

Achtung

Fortbildung im Ausland

Bei Fortbildungsveranstaltungen im Ausland prüft das Finanzamt in der Regel besonders genau, ob sie tatsächlich dem beruflichen und nicht etwa dem privaten Interesse dienen.

Community
Die letzten Beiträge zu dieser Diskussion:
So denke ich auch ...
Dankeschön!
27. Juni 2016 zum Beitrag
Der Zeitpunkt ist glaube ich da vollkommen egal - der Zusammenhang ist ja klar erkennbar und es ist alles im gleichen Jahr...
Insofern dann die tatsächlicehn Kosten des Umzugs + Pauschale + ...
27. Juni 2016 zum Beitrag
Hallo!
Vielen Dank für die wirklich fundierten Informationen. Alles perfekt zusammengestellt.
Eine Frage habe ich zu den Zeiträumen von mir:
[list][*]16.06.2016 neuer Arbeitsvertrag ...
27. Juni 2016 zum Beitrag
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