Ratgeber Bafög

Fördergeld für Studium und Ausbildung

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Bafög-Höchstsatz liegt derzeit bei 735 Euro im Monat. Das schließt einen Zuschuss zur Kranken- und Pflegeversicherung sowie für auswärtige Unterbringung ein.
  • Wie hoch die Förderung ausfällt, hängt vom Einkommen und Vermögen der Eltern und Ehegatten beziehungsweise eingetragenen Lebenspartnern ab.
  • Die Förderung wird je zur Hälfte als staatlicher Zuschuss und als zinsloses Darlehen gewährt.
  • Das Bafög-Darlehen müssen die Geförderten nur bis zur Höhe von 10.000 Euro zurückzahlen. Wer seine Bafög-Schuld auf einen Schlag begleicht, erhält einen Nachlass.
  • Auszubildende und Bachelorstudenten müssen ihre Ausbildung vor dem 30. Geburtstag beginnen, um gefördert zu werden, Masterstudenten, bevor sie 35 werden.
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Auch Kinder aus einkommensschwachen Familien sollen sich ein Studium oder eine Ausbildung leisten können. Das ist der Grundgedanke hinter dem Bundesausbildungsförderungsgesetz, kurz Bafög. Die umgangssprachlich genauso genannte Förderung kann – je nach errechnetem Bedarf – bis zu 735 Euro im Monat betragen. Der Staat zahlt Bafög je zur Hälfte als zinsloses Darlehen und als Zuschuss. Im Jahr 2015 bekamen in Deutschland knapp 900.000 junge Menschen Bafög. Im Durchschnitt erhielten geförderte Schülerinnen und Schüler monatlich 421 Euro und geförderte Studierende 448 Euro.

Den Förderantrag stellen Studenten in der Bafög-Abteilung des örtlichen Studentenwerks, Schüler wenden sich an das Amt für Ausbildungsförderung. Die Höhe der Förderung hängt in der Regel vom Einkommen der Eltern ab, aber auch davon, was der Student oder der Auszubildende selbst verdient. Nur in Ausnahmefällen wird das Einkommen der Eltern nicht angerechnet. Um eine solche elternunabhängige Bafög-Förderung zu erhalten, müssen besondere Bedingungen erfüllt sein.

Wer hat Anspruch auf Bafög-Leistungen?

Grundsätzlich bekommen Auszubildende oder Studenten Bafög, die sich in der Erstausbildung befinden. Nicht gefördert wird eine betriebliche Ausbildung mit begleitendem Berufsschulunterricht. Auch eine Zweitausbildung ist nur in Ausnahmefällen förderwürdig.

Für einen Anspruch auf Ausbildungsförderung muss der Antragsteller darüber hinaus noch weitere Voraussetzungen erfüllen: Bafög-berechtigt ist, wer die deutsche Staatsangehörigkeit hat. Doch auch ausländische Studierende können von der Förderung profitieren. So kann beispielsweise Bafög beantragen, wer einen aufenthaltsrechtlichen Status in Deutschland hat oder hierzulande mehr als 60 Monate gearbeitet hat (§ 8 Bafög).

Auszubildende bekommen prinzipiell nur Bafög, wenn sie die Ausbildung beginnen, bevor sie ihr 30. Lebensjahr vollendet haben. Für Bachelorstudenten liegt die Bafög-Altersgrenze ebenfalls bei 30 Jahren, für Masterstudenten bei 35 Jahren (§ 10 Bafög).

Die Ausbildungsförderung gibt es für die gesamte Dauer der Ausbildung, also auch in der schulfreien Zeit oder in den Semesterferien. Für Studenten gilt eine Förderungshöchstdauer, die sich nach der Regelstudienzeit richtet. Begründete Ausnahmen verlängern jedoch die Förderung, beispielsweise wenn der Geförderte das Studium wegen einer Behinderung oder Kindererziehung nicht in der Regelstudienzeit abschließen konnte. Auch die Mitarbeit in Gremien wie Fachschaftsrat und Studentenparlament verlängert die Bezugsdauer. Das müssen Studenten allerdings nachweisen.

Die Leistungen nach dem Bafög-Gesetz sind auf den dafür vorgesehenen Formblättern zu beantragen, die zum Beispiel auf der Internetseite des Bundesministeriums für Bildung und Forschung heruntergeladen werden können. Den Antrag können sowohl die Auszubildenden selbst, sofern sie das 15. Lebensjahr vollendet haben, als auch ihre gesetzliche Vertreter stellen. Da Bafög nicht rückwirkend bewilligt wird, sollten Sie den Antrag so früh wie möglich stellen. Fehlende Unterlagen können Sie dann immer noch nachreichen.

Bafög-Höchstsatz und Höhe der Freibeträge

Ausschlaggebend für die Höhe der Ausbildungsförderung ist der jeweilige Bedarfssatz. Da es sich um eine familienabhängige Förderung handelt, hängt es jedoch vom Einkommen und Vermögen der Eltern ab, in welcher Höhe ein Auszubildender oder Student tatsächlich Geld bekommt. Die Eltern müssen deshalb ihre wirtschaftlichen Verhältnisse offenlegen. Auch Verdienst und Vermögen von Ehegatten oder eingetragenen Lebenspartnern werden vom Bedarf des Bafög-Empfängers abgezogen.

Bei der Ermittlung der Bafög-Höhe wird nur das anzurechnende Einkommen von Ehe- oder Lebenspartner und Eltern berücksichtigt. Vom gesamten Einkommen werden zuvor bestimmte Freibeträge abgezogen. Die Freibeträge liegen derzeit bei 1.605 Euro für Ehe- oder Lebenspartner und Eltern. Bei einem alleinstehenden Elternteil liegt der Freibetrag bei 1.070 Euro. Hat der Bafög-Empfänger ein Vermögen von mehr als 5.200 Euro, muss er dieses erst aufbrauchen, bevor er die Förderung erhält.

Der Bafög-Bedarfssatz wird regelmäßig angepasst. Seit dem 1. Oktober 2010 liegt der Höchstsatz bei 670 Euro monatlich für Studierende ohne Kinder, die nicht bei den Eltern wohnen. Darin sind Zuschläge für die Kranken- und Pflegeversicherung enthalten. Für Berufsschüler und Schüler an Abendgymnasien und Kollegs gelten niedrigere Bedarfsätze. Die nächste Bafög-Erhöhung steht zum Wintersemester 2016/2017 an.

Wer eigene Kinder bis zum Alter von zehn Jahren zu versorgen hat, bekommt zusätzlich einen Betreuungszuschuss von 113 Euro für das erste Kind und 85 Euro für jedes weitere Kind. Die Bafög-Förderung wird im Regelfall für zwölf Monate bewilligt. Nach jedem zweiten Semester müssen Sie also erneut einen Antrag stellen. Ändern sich die Einkommens- und Vermögensverhältnisse während des Bewilligungszeitraums, zum Beispiel durch die Arbeitslosigkeit eines Elternteils, können Sie jederzeit ein Änderungsantrag stellen.

Ist eine elternunabhängige Förderung möglich?

Unter Umständen gibt es Bafög auch unabhängig vom Einkommen der Eltern. Das ist bei Studenten und Auszubildenden der Fall, die nach ihrem 18. Geburtstag bereits fünf Jahre lang erwerbstätig waren. Dazu zählen auch Zeiten der Arbeitslosigkeit sowie der mittlerweile abgeschaffte Wehr- und Zivildienst. Das Gleiche gilt für Bafög-Empfänger, die eine dreijährige Berufsausbildung absolviert und anschließend drei Jahre gearbeitet haben (§ 11 Abs. 3 Bafög).

Eine elternunabhängige Förderung bekommen auch Studenten oder Azubis, wenn die Eltern im Ausland leben und ihrer Unterhaltspflicht nachweislich nicht nachkommen können. Das Einkommen der Eltern bleibt ebenfalls unberücksichtigt, wenn die Bafög-Empfänger bei Ausbildungsbeginn älter als 30 Jahre sind (bei Masterstudenten 35 Jahre) und trotz dieser Altersgrenze gefördert werden. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn sie das Abitur über den zweiten Bildungsweg erworben haben oder aufgrund ihrer beruflichen Qualifikation ein Studium aufnehmen.

Was dürfen Bafög-Empfänger dazuverdienen?

Auch die Einkünfte des Bafög-Empfängers selbst werden auf den Bedarf angerechnet. Wer beispielsweise neben dem Studium arbeitet, darf in dem zwölfmonatigen Bewilligungszeitraum nur 3.060 Euro dazuverdienen. Ist der Bewilligungszeitraum kürzer als zwölf Monate, wird das zulässige Einkommen anteilig berechnet. Jeden Monat können Geförderte also im Durchschnitt 255 Euro anrechnungsfrei dazuverdienen. Liegen die Einkünfte darüber, kann die Förderung gekürzt oder ganz gestrichen werden.

Kindergeld zählt nicht als Einkommen. Begabungs- und leistungsabhängige Stipendien bleiben bis zu 300 Euro pro Monat ebenfalls anrechnungsfrei. Bei Stipendien, die nicht monatlich gezahlt werden, erfolgt eine Umrechnung auf den Monatsdurchschnitt. Auch Altersvorsorge-Beiträge zur Riester-Rente werden in bestimmtem Umfang zugunsten der Auszubildenden bei der Einkommensanrechnung berücksichtigt. Dasselbe gilt für Altersvorsorgevermögen von Auszubildenden.

Freibeträge für Ehegatten und Kinder

Sind Bafög-Empfänger verheiratet oder haben sie Kinder, kommen sie in den Genuss von zusätzlichen Freibeträgen beim Zuverdienst. Diese belaufen sich für den Ehegatten oder eingetragenen Lebenspartner auf 520 Euro sowie für jedes Kind auf 470 Euro im Monat. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass der Ehegatte oder die Kinder nicht selbst in einer Ausbildung stehen, die nach dem Bafög-Gesetz oder nach dem Sozialgesetzbuch gefördert werden kann. Die Freibeträge reduzieren sich allerdings um ein eventuell vorhandenes eigenes Einkommen des Ehegatten oder der Kinder.

Bafög bei Zweit- und Ergänzungsstudium

Grundsätzlich gibt es eine Ausbildungsförderung nur für eine Erstausbildung. Im Sinne des Gesetzes besteht die Erstausbildung aus der weiterführenden allgemeinbildenden Schulausbildung und der berufsbildenden Ausbildung. Wer bereits einen Beruf erlernt, ein Studium abgeschlossen oder nach dem vierten Semester abgebrochen hat, beginnt mit dem nächsten Studium eine Zweitausbildung. Der Anspruch auf Bafög ist in diesem Fall stark eingeschränkt.

Förderfähig ist beispielsweise eine Ausbildung, die für die Ausübung des Berufs gesetzlich vorgeschrieben ist. Auch ein Studium, das sich an eine Ausbildung anschließt, wird in der Regel gefördert. Das gilt auch für ein Studium, das jemand nach einem Abitur auf dem zweiten Bildungsweg aufnimmt. Ob eine weitere Ausbildung oder ein Zweitstudium förderfähig ist, lässt sich bereits vor Ausbildungs- oder Studienbeginn durch einen Antrag auf Vorabentscheidung klären. In jedem Fall muss der Antragssteller aber die Altersgrenzen einhalten.

Auch ein Auslandsstudium wird gefördert

Unter bestimmten Bedingungen ist auch eine Ausbildung im Ausland mit Bafög förderfähig (§ 5 Bafög). Das gilt zum Beispiel für Auslandsschuljahre an Gymnasien und Gesamtschulen sowie Fachschulen und Fachoberschulen. Aber auch bei Studienaufenthalte und Praktika im Ausland während des Studiums gibt es Bafög. Wegen der längeren Bearbeitungszeit empfiehlt es sich, den Antrag zehn Monate vor dem Auslandsaufenthalt zu stellen. Auslandspraktika sind auch im Zusammenhang mit einer Berufsfachschulausbildung förderbar, wenn der Unterrichtsplan das Praktikum im Ausland zwingend vorschreibt.

Rückzahlung des Bafög-Darlehens ist begrenzt

Die Bafög-Förderung ist nur zur Hälfte ein Zuschuss, die andere Hälfte ist ein Kredit, den der Geförderte nach dem Studium zurückzahlen muss. Die Rückzahlungsverpflichtung beginnt fünf Jahre nach dem Ende der Förderungshöchstdauer. Die monatlichen Rückzahlungsraten betragen 105 Euro, sie werden vierteljährlich eingezogen.

Das Bafög-Darlehen ist zinslos. Die Höhe der gesamten Rückzahlsumme ist auf maximal 10.000 Euro begrenzt – auch dann, wenn jemand ein wesentlich größeres Bafög-Darlehen beansprucht hat. Die gesetzlichen Grundlagen dafür sind im Merkblatt zur Darlehensrückzahlung zusammengefasst.

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Umschulden des Darlehens kann Geld sparen

Wer sein Bafög-Darlehen in einer Summe zurückzahlt, kann einen Nachlass auf die Darlehensschuld beantragen. Wie hoch der Nachlass ausfällt, hängt dabei von der Höhe der Darlehensschuld ab. Wer beispielsweise eine Bafög-Schuld von 10.000 Euro auf einen Schlag zurückzahlt, kann einen Rabatt von 28,5 Prozent oder 2.850 Euro bekommen. Wer nicht die finanziellen Mittel hat, den Restbetrag von 7.150 Euro sofort zu begleichen, kann sich durch einen Bankkredit immerhin noch einen Teil des Nachlasses sichern.

Die Umschuldung lohnt sich immer dann, wenn die Zinslast für das Bankdarlehen unter dem Nachlassbetrag liegt. Je niedriger die Zinsen sind, die Sie für den Kredit zahlen müssen, desto eher lohnt sich also das Umschulden. Allerdings hat der Bankkredit auch einen entscheidenden Nachteil: Während sich die Ratenzahlung des Bafög-Darlehens bei schlechter finanzieller Lage aussetzen lässt, nimmt die Bank auf solche Umstände höchstwahrscheinlich keine Rücksicht.

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Finanztip-Chefredakteur
Hermann-Josef Tenhagen

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Artikel verfasst von

Peter Neitzsch

freier Finanztip-Mitarbeiter

Als freier Autor arbeitet Peter Neitzsch im Versicherungsressort von Finanztip. Der freiberufliche Journalist schreibt vorwiegend über Wirtschafts- und Verbraucherthemen. Vor der Selbstständigkeit leitete er das Wirtschaftsressort von stern.de. In Dresden und Paris studierte Peter Neitzsch Sozialwissenschaften und absolvierte danach die Berliner Journalisten-Schule. Im Anschluss arbeitete er unter anderem am Newsdesk der Frankfurter Rundschau und von tagesschau.de.