Studentenjobs

Worauf es bei Studentenjobs ankommt

Udo Reuß
& Co-Autor
Stand: 02. Dezember 2019
Das Wichtigste in Kürze
  • Mit einem Minijob dürfen Studenten 450 Euro im Monat verdienen, ohne Sozialversicherungsabgaben zahlen zu müssen.
  • Bis zu einem Verdienst von 450 Euro im Monat können sich Studenten kostenlos bei den Eltern über die Familienversicherung der gesetzlichen Krankenkasse versichern.
  • Wer regelmäßig mehr als 450 Euro verdient, kann als Werkstudent angestellt werden. In der Vorlesungszeit dürfen sie 20 Stunden pro Woche arbeiten, aber mehr als 450 Euro im Monat verdienen.
  • Bafög-Empfänger dürfen nur 450 Euro im Monat anrechnungsfrei verdienen. Liegen die Einkünfte im Schnitt darüber, wird die Förderung gekürzt.
So gehen Sie vor
  • Suchen Sie sich einen Job, der etwas mit Ihrem Studienfach zu tun hat. So bauen Sie Ihr berufliches Netzwerk auf.
  • Verlangen Sie einen schriftlichen Arbeitsvertrag.
  • Wenn Sie Bafög bekommen, müssen Sie darauf achten, dass Sie nicht zu viel verdienen, um keine Kürzung der Förderung zu riskieren.
  • Als Werkstudent oder Ferienjobber sollten Sie eine Einkommensteuererklärung abgeben und sich so die vom Arbeitgeber abgeführte Lohnsteuer im Folgejahr zurückholen.

Wenn Sie als Student neben dem Studium arbeiten wollen oder müssen, kommen für Sie unterschiedliche Arbeitsmodelle infrage. Sie können einen Minijob auf 450-Euro-Basis annehmen oder sich als Werkstudent anstellen lassen, falls Sie mehr verdienen müssen. Ein Vorteil für Studenten und Arbeitgeber: Für beide Beschäftigungsformen fallen nur reduzierte Abgaben an die Sozialversicherung an. Aber egal, ob Minijobber, Werkstudent oder Teilzeit-Mitarbeiter: Im Fall einer abhängigen Beschäftigung haben Sie als Student dieselben Arbeitnehmerrechte wie Ihre Vollzeit-Kollegen.

Was müssen Studenten bei einem Minijob beachten?

Wer eine studentische Aushilfe sucht, wird diese in der Regel als Minijobber beschäftigen. Dabei vereinbaren beide Seiten ein monatliches Gehalt von höchstens 450 Euro oder einen entsprechenden Stundenlohn. Dann meldet der Arbeitgeber seinen studentischen Mitarbeiter bei der Minijob-Zentrale an. Bei einem Minijob fallen für den Arbeitnehmer keine Beiträge für die Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung an. Auf Antrag kann sich der Minijobber auch von der Rentenversicherungspflicht befreien lassen.

Eine Beschäftigung in einem Minijob ist immer dann möglich, wenn der monatliche Verdienst 450 Euro nicht überschreitet. Diese Grenze ist allerdings nicht in Stein gemeißelt: Wenn Sie im Durchschnitt unter den 450 Euro bleiben, dürfen Sie in drei Monaten pro Jahr auch mehr verdienen, wenn dies für den Betrieb aus unvorhersehbaren Gründen erforderlich ist. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn eine Vollzeitkraft unvermittelt ausfällt und Sie als Minijobber einspringen. Ausschlaggebend ist dann die jährliche Verdienstobergrenze von 5.400 Euro.

Die geringfügige Beschäftigung hat für Studenten noch einen weiteren großen Vorteil: Wer auf 450-Euro-Basis arbeitet, der kann ohne Probleme weiterhin in der kostenlosen Familienversicherung der gesetzlichen Krankenkasse bleiben. Denn auch dafür hat der Gesetzgeber eine Grenze für den Zuverdienst von 450 Euro festgelegt. Jobbende Studenten, die jünger als 25 Jahre sind, müssen sich also um ihren Krankenversicherungsschutz keine Sorgen machen.

Zu Problemen kann es kommen, wenn Sie als Minijobber mehr als 450 Euro pro Monat verdienen. Denn Achtung: Weihnachts- und Urlaubsgeld erhöhen den durchschnittlichen Verdienst. Dann ist der Arbeitgeber verpflichtet, seinen Mitarbeiter bei der regulären Sozialversicherung anzumelden. Die Beiträge muss er für das laufende Jahr auch im Nachhinein entrichten.

Auch wenn mehrere Minijobs in der Summe zu einem höheren Verdienst führen, tritt die Sozialversicherungspflicht in Kraft. Als Minijobber dürfen Sie Ihrem Arbeitgeber andere Beschäftigungen deshalb nicht verschweigen.

Was müssen Werkstudenten beachten?

Wenn Sie als Student regelmäßig mehr als 450 Euro im Monat verdienen, sollten Sie sich als Werkstudent anstellen lassen. Das Arbeitsmodell ist für beide Seiten attraktiv: Einerseits zahlen sowohl der Arbeitgeber als auch Sie Beiträge in die Rentenkasse ein, was sich positiv auf Ihre spätere Rente auswirkt. Andererseits spart der Arbeitgeber Sozialabgaben, weil die Beiträge zur Arbeitslosenversicherung ebenso entfallen wie die zur Kranken- und Pflegeversicherung.

Bleibt der Verdienst unter 528,33 Euro im Monat, können Werkstudenten unter 25 Jahren kostenlos familienversichert bleiben, sofern keine weiteren Einkünfte vorhanden sind. Denn die Einkommensgrenze für die Familienversicherung von 445 Euro (2020: 455 Euro) erhöht sich bei Werkstudenten um die Werbungskostenpauschale von monatlich 83,33 Euro (im Jahr 1.000 Euro) auf insgesamt 528,33 Euro (2020: 538,33 Euro). Verdienen Hochschüler mehr, müssen sie eigene Beiträge – im Regelfall den reduzierten Studententarif in der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung – zahlen. Das sind im Wintersemester 2019/2020 zirka 109 Euro für Studenten ohne eigene Kinder.

Anders als Minijobber müssen Werkstudenten allerdings Einkommensteuer zahlen, sofern ihre Einkünfte oberhalb der steuerlichen Freibeträge liegen.

Außerdem gibt es noch eine sozialversicherungsrechtliche Besonderheit, die sogenannte Werkstudentenregel: Während des Semesters darf ein Werkstudent höchstens 20 Stunden in der Woche neben dem Studium arbeiten. In den Semesterferien gilt diese Obergrenze nicht. Dann darf ein Werkstudent mehr verdienen. Ausnahmen sind auch möglich, wenn die Arbeit nachts oder am Wochenende erfolgt und das Studium nicht behindert.

Welche weiteren Arbeitsmodelle gibt es für Studenten?

Neben einem Minijob und einem Vertrag als Werkstudent können Sie als Student auch mit anderen Modellen Geld verdienen. Wichtig in jedem Fall: Egal, um welche Beschäftigungsform es sich handelt, verlangen Sie einen schriftlichen Arbeitsvertrag – dann sind alle Arbeitsbedingungen und auch das Gehalt klar festgelegt.

Kurzfristige Beschäftigung in den Semesterferien

Diese Beschäftigungsform eignet sich für Studenten, die nur in den Semesterferien arbeiten. Von kurzfristiger Beschäftigung ist die Rede, wenn Sie bei einem Arbeitgeber übers Jahr nicht mehr als 70 Tage arbeiten oder wenn der Job auf drei Monate befristet ist.

Das Einkommen ist sozialversicherungsfrei. Auch der Arbeitgeber zahlt keine Beiträge. Außerdem gibt es keine Lohnobergrenzen und keine Begrenzung der wöchentlichen Arbeitsstunden. Aber auch diese Jobs sind steuerpflichtig: Der Arbeitgeber führt entweder die normale Lohnsteuer oder eine Pauschale von 25 Prozent an das Finanzamt ab.

Midijobs

Eine Zwischenstufe zwischen regulärer und geringfügiger Beschäftigung bilden die Midijobs mit einem Einkommen von 451 bis 1.300 Euro (seit Juli 2019). In diesem Bereich steigen die Sozialabgaben linear auf den vollen Arbeitnehmeranteil von rund 20 Prozent. Diese Übergangsregelung gilt auch, wenn Sie mit mehreren Jobs insgesamt nicht mehr als 1.300 Euro im Monat verdienen. Der Arbeitgeber zahlt dagegen den vollen Beitragsanteil. Eine kostenlose Familienversicherung ist nicht möglich.

Selbstständig auf Honorarbasis arbeiten

Eine weitere Verdienstmöglichkeit besteht darin, neben dem Studium selbstständig auf Honorarbasis zu arbeiten. Für Ihre Arbeitsleistung schreiben Sie eine Rechnung, bekommen den Lohn brutto ausgezahlt und kümmern sich selbst um die Versteuerung Ihrer Einkünfte. Dafür müssen Sie beim Finanzamt eine Steuernummer beantragen. Liegt der Jahresgewinn über 9.000 Euro, wird Einkommensteuer fällig. Sie müssen eine Einkommensteuerklärung elektronisch abgeben, darunter auch die Anlage EÜR (steht für Einnahmenüberschussrechnung).

Umsatzsteuer müssen Sie in der Regel nicht berechnen, da Sie wahrscheinlich weniger als 17.500 Euro im Jahr einnehmen. Dann sind Sie Kleinunternehmer. Ihre Rechnungen dürfen dann keine Umsatzsteuer ausweisen. Sie können jedoch freiwillig zur Umsatzsteuer optieren.

Die selbstständige Tätigkeit hat Vorteile: Die Arbeit lässt sich flexibel erledigen, und es besteht keine Verpflichtung, Folgeaufträge zu übernehmen. Doch es gibt auch Nachteile: Arbeitnehmerrechte wie Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, Urlaub oder Kündigungsfristen gibt es dann nicht.

Welche Verdienstgrenzen gelten für Bafög-Empfänger?

Wenn Sie während des Studiums Bafög-Leistungen erhalten, müssen Sie noch weitere Einkommensgrenzen beachten. So dürfen Bafög-Empfänger in dem zwölfmonatigen Bewilligungszeitraum nur 5.400 Euro brutto dazuverdienen, das sind 450 Euro im Monat. Bei einer selbstständigen Tätigkeit dürfen Sie höchstens einen Gewinn von 4.410 Euro erzielen. Wenn Sie mehr verdienen, laufen Sie Gefahr, dass Ihre Förderung gekürzt oder ganz gestrichen wird.

Ist der Bewilligungszeitraum kürzer als zwölf Monate, wird das zulässige Einkommen anteilig berechnet. Wer als Student schon Kinder hat, darf auch mehr hinzuverdienen und kann sich über höhere Freibeträge freuen.

Anders als die Bafög-Leistungen wird das Kindergeld, das Eltern für ihren studierenden Nachwuchs bekommen, nicht durch Einkünfte aus Studentenjobs gefährdet. Seit 2012 gibt es in dieser Hinsicht keine Einschränkungen mehr. Mit einer Ausnahme: Wer bereits eine Berufsausbildung oder ein Studium abgeschlossen hat, gefährdet den Bezug von Kindergeld nur dann nicht, wenn es sich um eine geringfügige Beschäftigung (Minijob) handelt oder die wöchentliche Arbeitszeit 20 Stunden nicht überschreitet (Werkstudentenregel).

Haben Studenten Anspruch auf Mindestlohn?

Wie anderen Arbeitnehmern auch steht Studenten im Jahr 2019 der gesetzliche Mindestlohn von 9,19 Euro pro Stunde zu (2020: 9,35 Euro). Dabei ist es egal, ob sie als Minijobber, Werkstudent oder in einem Ferienjob arbeiten. Entscheidend ist, dass es sich um eine abhängige Beschäftigung handelt. Keinen Anspruch auf Mindestlohn hat, wer für eine selbstständige Tätigkeit ein Honorar erhält.

Ausnahmen gelten ebenso für Studenten, die das 18. Lebensjahr noch nicht vollendet haben. Auch wenn die Tätigkeit ein Teil der Ausbildung ist, beispielsweise der Praxisteil eines dualen Studiums oder ein von der Studienordnung vorgeschriebenes Pflichtpraktikum, muss kein Mindestlohn gezahlt werden.

Pflichtpraktika sind zudem grundsätzlich sozialversicherungsfrei, auch dann, wenn es eine Vergütung dafür gibt. Auch freiwillige Praktika während des Studiums müssen nicht vergütet werden, sofern sie der Berufsorientierung dienen. Hat der Praktikant dagegen bereits ein Studium oder eine Berufsausbildung abgeschlossen, muss der Mindestlohn beziehungsweise ein branchenüblicher Vergleichslohn gezahlt werden.

In einem Minijob begrenzt der Mindestlohn die durchschnittliche Arbeitszeit pro Monat auf weniger als 53 Stunden, da sonst die Verdienstgrenze von 450 Euro überschritten wird. Abhilfe schafft in diesen Fällen ein Arbeitszeitkonto: Dabei bleibt der Monatsverdienst gleich, auch wenn der Minijobber mal einige Stunden mehr oder weniger arbeitet.

Lohnt sich eine Steuererklärung für Studenten?

Arbeiten Sie in einem Minijob, dann können Sie Ihr Gehalt bis zu 450 Euro monatlich steuerfrei einnehmen. Der Arbeitgeber versteuert den Lohn pauschal mit 2 Prozent und damit ist steuerlich alles erledigt. Werbungskosten können Sie keine absetzen.

Anders ist die Situation, wenn Sie mehr verdient haben – in einer Beschäftigungsform wie dem Midijob oder der kurzfristigen Beschäftigung. Meistens hat der Arbeitgeber Lohnsteuer einbehalten, möglicherweise auch Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer. Haben Sie in den Ferienmonaten viel verdient, dann hatten Sie in diesen Monaten hohe Steuerabzüge. Mit einer Steuererklärung im Folgejahr können Sie sich die Steuern möglicherweise komplett zurückholen.

Denn steuerfrei bleibt im Jahr 2019 der Grundfreibetrag in Höhe von 9.168 Euro (2020: 9.408 Euro) und 1.000 Euro Arbeitnehmer-Pauschbetrag, insgesamt also mindestens 10.168 Euro als Jahreseinkommen. Liegt das Einkommen darunter, erstattet das Finanzamt die Lohnsteuer in voller Höhe.

Und selbst bei höheren Einnahmen können Sie sich einen erklecklichen Teil zurückholen. Dies gilt vor allem dann, wenn Sie für Ihren Studentenjob berufliche Ausgaben von mehr als 1.000 Euro hatten. Hatten Sie durch die Fahrten zur Arbeit und weitere Werbungskosten höhere Ausgaben, können Sie diese statt der Werbungskostenpauschale geltend machen. Es können noch weitere Abzugspositionen hinzukommen: Die Beiträge für Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung sind Vorsorgeaufwendungen; diese können Sie als Sonderausgaben absetzen. Krankheitskosten gehören zu den außergewöhnlichen Belastungen.

Als Student sollten Sie auf jeden Fall eine Steuererklärung machen. Leichter geht dies mit einem Steuerprogramm. Im Ratgeber Steuersoftware geben wir einen Überblick und empfehlen geeignete Programme. Einige Anbieter stellen Studenten sogar kostenlose Versionen zur Verfügung: Wolters Kluwer mit der Steuersparerklärung für Studenten etwa oder unter bestimmten Voraussetzungen auch Haufe-Lexware mit Smartsteuer.

Achtung: Im Normalfall berechnet der Arbeitgeber die monatliche Lohnsteuer nach Ihren individuellen Besteuerungsmerkmalen (elektronische Lohnsteuerabzugsmerkmale) und dem Steuertarif. 

Bei einer kurzfristigen Beschäftigung hat er jedoch stattdessen die Möglichkeit, 25 Prozent vom Bruttolohn als pauschale Lohnsteuer einzubehalten. Das wäre für Sie nachteilig, weil Sie diese Pauschalsteuer nicht über eine Steuererklärung zurückbekommen. Bestehen Sie daher auf einer individuellen Besteuerung und holen sich im Jahr darauf die zu viel bezahlten Steuern mit einer Steuererklärung zurück.

Autor
Udo Reuß
& Co-Autor
Dr. Britta Beate Schön

Stand: 02. Dezember 2019


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