Patientenverfügung

Selbstbestimmt für den Krankheitsfall entscheiden

Das Wichtigste in Kürze

  • Mit einer Patientenverfügung können Sie schriftlich festlegen, welche ärztlichen Maßnahmen zu treffen sind, falls Sie sich zum Beispiel selbst nicht mehr äußern können.
  • Der Patientenwille ist für den Arzt maßgeblich. Er prüft, welche ärztlichen Maßnahmen in Hinblick auf den Gesamtzustand und die Prognose des Patienten angezeigt sind.
  • Diese muss er unter Berücksichtigung der Patientenverfügung in einem Gespräch mit einem Betreuer oder Bevollmächtigten abstimmen und dann umsetzen.
  • Dazu muss die Patientenverfügung aber wirksam sein. Der Bundesgerichtshof hat ein oft verwendetes Muster für zu unbestimmt erklärt, da es zu allgemeine Formulierungen enthält (Beschluss vom 6. Juli 2016, Az. XII ZB 61/16).
  • Selbst ein Ehegatte ist nicht automatisch bevollmächtigt. Die Ehepartner müssen sich schriftlich in einer Vorsorgevollmacht gegenseitig bestimmen.
  • Einige Rechtsschutzversicherungen bieten als zusätzlichen Service für den Versicherten ein Vorsorgepaket inklusive Patientenverfügung an.

So gehen Sie vor

  • Wenn Sie Ihre Patientenverfügung selbst erstellen wollen, empfehlen wir das Muster des Bundesjustizministeriums. Das empfiehlt aber, sich bei der Abfassung von einer fachkundigen Person beraten zu lassen.
  • Sie können auch mithilfe eines Rechtsdienstleisters ihre Verfügung erstellen. Wir empfehlen den Anbieter Patientenverfügungplus. Dort bekommen Sie mithilfe eines gut verständlichen Frage-Antwort-Systems ein individualisiertes Vorsorgepaket, das sie jederzeit abändern können, mit Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht, Betreuungs- und Sorgerechtsverfügung. Der Gesamtpreis von 47 Euro ist aus unserer Sicht fair.
  • Soll Sie ein Rechtsanwalt beraten und die Patientenverfügung für Sie erstellen, empfehlen wir den Anbieter Advocado. Der vermittelt einen spezialisierten Anwalt in Ihrer Umgebung zu einem Festpreis von 199 Euro. Für eine Patientenverfügung und eine Vorsorgevollmacht ist der Preis aus unserer Sicht angemessen.
  • Wer bereits eine Patientenverfügung erstellt hat, sollte überprüfen oder überprüfen lassen, ob sie den Anforderungen der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs entspricht.
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Es ist ein Thema, über das niemand gern nachdenkt: dass er richtig krank werden und dann nicht mehr selbst entscheiden könnte. Es gibt aber viele Gründe, sich damit zu beschäftigen und in medizinischen Fragen vorzusorgen. Viele Menschen möchten selbst bestimmten, welche medizinischen Maßnahmen getroffen werden, auch wenn sie sich in der Notfall-Situation selbst nicht mehr äußern können. Sicher geht es auch darum, seinen Angehörigen die Last der Entscheidungen abzunehmen, falls man gesundheitlich selbst nicht mehr dazu in der Lage ist. Auch das zunehmende Alter, eine Krankheit, eine anstehende Operation oder ein Krankenhausaufenthalt können Auslöser sein, eine Patientenverfügung aufzusetzen.

Weit verbreitet ist die Patientenverfügung dennoch nicht. In einer Umfrage im Jahr 2014 gab von etwa 1.000 Befragten nur gut jeder Vierte (26 Prozent) an, eine solche zu besitzen. Je älter die Befragten waren, desto verbreiteter war die Verfügung – im Alter von 60 Jahren und älter hatte immerhin fast die Hälfte (44 Prozent) vorgesorgt.

Mit einer Patientenverfügung können Sie schriftlich festlegen, welche ärztlichen Maßnahmen zu treffen sind, falls Sie zum Beispiel im Koma liegen (§ 1901a BGB). Auch dann ist der Arzt an den Willen des Patienten gebunden. Je nachdem, wie die Prognose ist, in welchem Zustand der Erkrankte ist und welche Wünsche er zuvor geäußert hat, muss der Arzt die Behandlung auswählen. Diese muss er mit einem Betreuer oder dem Bevollmächtigten abstimmen, der darüber wacht, dass der Patientenwille umgesetzt wird (§ 1901b BGB).

In diesen Situationen kommt es auf eine Patientenverfügung an

Die schriftliche Verfügung ist für Ärzte und Pfleger nur dann verbindlich, wenn der Patient seinen Willen nicht mehr bilden oder äußern kann. Das kann im Endstadium einer unheilbaren Krankheit sein, bei Gehirnschädigungen etwa durch Unfall oder Schlaganfall, aber auch bei fortschreitender Demenzerkrankung, wenn der Patient nur noch künstlich ernährt werden kann. Meist werden in der Verfügung die einzelnen Situationen als Beispiele aufgeführt.

Tipp

Beerdigung finanzieren

Wer für seine Bestattung vorsorgen möchte, denkt meist an eine teure Sterbegeldversicherung. Doch es gibt bessere Alternativen.

Typischer Inhalt einer Patientenverfügung

Der behandelnde Arzt soll der Verfügung den Willen des Patienten konkret entnehmen können und danach handeln. Oft ist das in der konkreten Situation nicht leicht, da die Verfügung entweder zu ungenau ist oder in ihr gerade diese medizinische Massnahme nicht erwähnt ist. Manchmal sind sich auch die Angehörigen nicht einig.

Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs (BGH) ist eine Patientenverfügung dann bestimmt genug, wenn der Verfasser einerseits die Behandlungssituationen konkret beschrieben hat, in der die Verfügung gelten soll. Andererseits soll er die ärztlichen Maßnahmen genau bezeichnet haben, die er möchte oder die er nicht will. Das können Angaben zur Schmerz- und Symptombehandlung sein, Ausführungen zur künstlichen Ernährung, zur Wiederbelebung, künstlichen Beatmung oder Antibiotikagabe (§ 1901a BGB). Dabei dürfen die Anforderungen aber auch nicht überspannt werden, so der Bundesgerichtshof (BGH, Beschluss vom 8. Februar 2017, Az. XII ZB 604/15). Denn nicht alle Krankheitsverläufe sind vorhersehbar

Klar ist aber: Nur zu sagen, dass man keine lebenserhaltenden Maßnahmen wünscht, reicht nicht (BGH, Beschluss vom 6. Juli 2016, Az. XII ZB 61/16). Auch allgemeine Anweisungen sind nicht bestimmt genug, wie die Aufforderung, ein würdevolles Sterben zu ermöglichen oder zuzulassen, wenn ein Therapieerfolg nicht mehr zu erwarten ist (BGH, Beschluss vom 8. Februar 2017, Az. XII ZB 604/15). Daraus ist nicht ohne weiteres der Wille zu entnehmen, dass der Patient zum Beispiel keine künstliche Ernährung wünscht.

Es gibt deshalb einige wichtige Punkte, die in jeder Patientenverfügung enthalten sein sollten:

Lebenserhaltende Maßnahmen - Sie können bestimmen, dass alles medizinisch Mögliche und Sinnvolle getan werden soll, um Ihr Leben zu erhalten. Sie können aber auch auf lebenserhaltende Maßnahmen verzichten. Ob Sie lebenserhaltende Maßnahmen wünschen sollten Sie von der konkreten Behandlungs-Situation abhängig machen. Möglicherweise wünschen Sie bei einem Unfall sehr wohl diese Maßnahmen, im Endstadium einer Krebserkrankung hingegen nicht.

Schmerz- und Symptombehandlung - Sie können festlegen, wie Ihre Schmerz- und Symptombehandlung aussehen soll – ob Sie Morphium oder andere Medikamente wünschen, auch wenn dadurch Ihr Bewusstsein gedämpft werden sollte oder die Mittel Ihr Leben verkürzen. Auch dann sollte klar sein, in welchen Situationen Sie eine solche Schmerzbehandlung wünschen.

Künstliche Ernährung und Beatmung - In der Patientenverfügung können Sie festlegen, ob und gegebenenfalls wann Sie künstlich ernährt oder beatmet werden wollen.

Wiederbelebung - Auch zu Wiederbelebungsversuchen können Sie etwas festlegen, zum Beispiel, dass Sie solche wünschen oder ablehnen.

Gabe von Antibiotika oder Blutübertragungen - Sie können bestimmen, ob Sie Antibiotika oder Blutübertragungen bekommen wollen oder nur zur Beschwerdelinderung wünschen.

Ort der Behandlung - Üblich ist auch, dass Patienten festlegen, ob sie zum Sterben ins Krankenhaus verlegt werden wollen oder, wenn möglich, zu Hause oder in einem Hospiz sterben möchten.

Benennung eines Bevollmächtigten - In der Patientenverfügung sollten Sie darauf hinweisen, ob Sie zusätzlich noch eine Vorsorgevollmacht oder eine Betreuungsverfügung getroffen haben. Das ist sehr sinnvoll. Der Bevollmächtigte ist dann Ansprechpartner für die behandelnden Ärzte und stellt sicher, dass Ihr Wille entsprechend der Verfügung beachtet wird. Achtung: Viele gehen davon aus, dass Ehepartner oder Kinder automatisch bevollmächtigt sind. Das ist nicht so. Auch die nächsten Angehörigen benötigen die schriftliche Ermächtigung, um Ihren Willen im Fall von Krankheit oder schwerwiegenden medizinischen Eingriffen durchsetzen zu können. Dazu benötigen Sie eine separate Vorsorgevollmacht, die auch auf den medizinischen Bereich beschränkt sein kann. Die Justizminister der Länder wollen das ändern und die sogenannte Ehegattenbeistandschaft neu einführen. Einen Gesetzesentwurf hat der Bundesrat am 14. Oktober 2016 beschlossen. Danach wäre eine zusätzliche Vollmacht nicht mehr notwendig.

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Hermann-Josef Tenhagen
Chefredakteur bei Finanztip

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Drei Wege zu Ihrer Patientenverfügung

Sie haben verschiedene Möglichkeiten, Ihre Wünsche für die medizinische Behandlung durch eine Patientenverfügung festzulegen.

1. Sie können das Dokument anhand eines guten Musters selbst erstellen. Das ist die preiswerteste Variante.

2. Alternativ können Sie sich an einen spezialisierten Rechtsdienstleister wenden und eine individualisierte, rechtlich sichere Verfügung erstellen lassen. Dazu müssen Sie online Fragen beantworten und erhalten dann nach Auswertung Ihrer Angaben eine personalisierte Verfügung. Das ist viel günstiger als eine Beratung beim Anwalt, es fehlt aber das persönliche Gespräch.

3. Schließlich können Sie die Patientenverfügung zusammen mit einer Vorsorgevollmacht auch nach einem Gespräch mit einem Rechtsanwalt erstellen lassen. Damit die Kosten kalkulierbar sind, empfehlen wir die Beratung zu einem Festpreis.

1. Muster für Patientenverfügung verwenden

Es gibt viele Muster für Patientenverfügungen. Wir empfehlen das Muster des Bundesministeriums für Justiz und Verbraucherschutz. Es enthält Textbausteine, mit denen Sie Ihre eigene Verfügung als Word-Dokument erstellen können. Das Ministerium empfiehlt aber zudem, sich bei der Erstellung von einer fachkundigen Person beraten zu lassen. Die Erklärung müssen Sie eigenhändig unterschreiben (§ 1901a BGB). Damit sie im Notfall auch berücksichtigt werden kann, sollten Sie dem Bevollmächtigten zumindest eine Kopie aushändigen.

Tipp

Organspende zustimmen

In der Patientenverfügung können Sie auch festlegen, ob Sie einer Organspende zustimmen oder nicht. Eine Zustimmung ist wirksam, auch wenn Sie keinen Organspende-Ausweis haben. Das ist aber keine Pflicht und steht nicht in direktem Zusammenhang mit der Verfügung.

Mit dem Hausarzt sprechen - Wichtig ist, dass Sie mit Ihrem Hausarzt die Verfügung besprechen, um mögliche Rückfragen zu klären. Eine Beratung durch den Arzt ist keine Pflicht, aber sehr zu empfehlen. Er kann Sie über die Folgen der Erklärung aufklären. Das Muster vom Justizministerium sieht vor, dass Ihr Arzt das Dokument ebenfalls unterschreibt. Er bestätigt damit, dass Sie in vollem Umfang einwilligungsfähig waren, als Sie Ihre Wünsche schriftlich festgehalten haben. Das kann im Übrigen auch ein Dritter oder ein Notar machen.

Auf weitere Vorsorgeverfügungen hinweisen - Wer neben der Patientenverfügung auch eine Vorsorgevollmacht oder eine sogenannte Betreuungsverfügung aufgesetzt hat, sollte das in der Patientenverfügung vermerken. Einen Bevollmächtigten zu haben, ist nicht nur sinnvoll, um die Krankheit durchzustehen. In der Regel fallen auch rund um die Erkrankung Entscheidungen an, die jemand für Sie treffen muss – und sei es nur das Bezahlen von Rechnungen. Das ist aber mit der Patientenverfügung allein nicht gewährleistet.

Zusammen mit der Vorsorgevollmacht registrieren lassen - Im Zentralen Vorsorgeregister können Sie Ihre Patientenverfügung zusammen mit einer Vorsorgevollmacht auch registrieren lassen. Das stellt sicher, dass das Betreuungsgericht im Notfall keinen Betreuer bestellt, da Sie selbst bereits eine Vertrauensperson benannt haben. Notwendig ist das aber nicht. Wichtig ist, dass die Person Ihres Vertrauens eine Ausfertigung Ihrer Patientenverfügung in den Händen hält.

2. Von einem Rechtsdienstleister unterstützen lassen

Sie können die Patientenverfügung auch von einem Rechtsdienstleister erstellen lassen, indem Sie online verschiedene Fragen beantworten. Aus Ihren Antworten erstellt der Anbieter dann mit einer besonderen Software ein individualisiertes Dokument, das Sie nur noch ausdrucken und unterschreiben müssen. Gegenüber einem Muster hat diese Variante den Vorteil, dass die Fragen einem Beratungsgespräch beim Anwalt nachempfunden sind. Der Dialog enthält über die reinen Fragen hinaus viele Hinweise und Erklärungen, die Ihnen die Entscheidung leichter machen. Diese Variante ist gegenüber einem starren Muster deutlich flexibler. Es ist allerdings keine Rechtsberatung.

Wir haben drei Anbieter untersucht. Besonders überzeugt hat uns Patientenverfügungplus. Das Online-Portal bietet alle Aspekte der Vorsorge – von der Patientenverfügung bis zur Vorsorgevollmacht. Letztere halten wir ebenfalls für sehr wichtig, damit ein Bevollmächtigter auch etwa eine Arztrechnung für den Erkrankten überweisen kann, Angelegenheiten mit der Krankenkasse regeln oder gegenüber Behörden auftreten kann und das Gericht kein Betreuungsverfahren einleiten muss. Der Online-Dialog ist einfach und gut verständlich. Der Preis von insgesamt 47 Euro für Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht, Betreuungsverfügung und Sorgerechtsverfügung, die Sie jeder Zeit abändern können, ist fair.

Patientenverfügungplus
Online-Portal für rechtliche Vorsorge

  • Erfahrung seit 2014
  • bietet alle wichtigen Vorsorgedokumente in einem Paket an
  • einfache und verständliche Sprache
  • Dialog mit vielen Hinweisen und Erklärungen
  • kein Abonnement
  • fairer Preis für das gesamte, jeder Zeit änderbare Vorsorgepaket von 47 Euro

3. Von einem Rechtsanwalt erstellen lassen

Sie können auch einen Rechtsanwalt beauftragen. Falls Sie online keine Fragen beantworten wollen, sondern ein richtiges Beratungsgespräch wünschen, sind Sie mit dieser Lösung am besten bedient. Sie bekommen rechtssichere und auf Ihre Person zugeschnittene Dokumente, für die der Anwalt die Haftung übernimmt. Sie sollten aber nur einen Anwalt beauftragen, der auf die rechtliche Vorsorge spezialisiert ist. Damit die Kosten vorher klar sind, empfehlen wir ein anwaltliches Vorsorge-Paket zu einem Festpreis.

Wir haben dazu drei Anwaltsvermittlungsportale untersucht, die das anbieten. Die Portale unterscheiden sich dadurch, dass zwei Portale einige spezialisierte Anwälte auflisten, die ihre Dienstleistungen allerdings zu sehr unterschiedlichen Preisen anbieten. Der günstigste Anwalt verlangte zum Zeitpunkt unserer Untersuchung 175 Euro für eine Patientenverfügung und eine Vorsorgevollmacht, der teuerste 595 Euro. Der Interessent muss sich daher zwischen den Anwälten entscheiden, kann aber nicht erkennen, worin die Preisunterschiede begründet sind. Die Anwälte sind nicht in einer Rangliste sortiert. Die Entscheidung ist daher nicht leicht.

Überzeugt hat uns der Anbieter Advocado. Das Portal bietet das Rechtsprodukt Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht zu einem Festpreis von 199 Euro an. Die Registrierung im Vorsorgeregister ist im Preis inbegriffen. Interessierte müssen sich nicht zwischen verschiedenen Anwälten entscheiden, das nimmt ihnen der Anbieter ab. Er sucht unter seinen kooperierenden Anwälten einen Experten im Vorsorgebereich aus, der in der Umgebung des Ratsuchenden seine Kanzlei hat. Der Anwalt nimmt dann persönlich Kontakt auf und erstellt nach einem Beratungsgespräch die individuellen Vorsorgedokumente.

Advocado
Anwaltsvermittlungsportal bietet Rechtsprodukte zu Festpreis

  • Erfahrung seit 2014
  • Anwälte sind Spezialisten im Vorsorgebereich
  • keine Auswahl zwischen verschiedenen Anwälten nötig
  • Bearbeitungszeit von höchstens sieben Werktagen
  • Registrierung im Vorsorgeregister inklusive
  • Pauschalpreis von 199 Euro

Advocado
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Die Patientenverfügung regelmäßig aktualisieren

Sie können die Verfügung jederzeit ändern oder widerrufen. Manchmal kann das notwendig sein. Gerade wenn sich Eheleute gegenseitig als Bevollmächtigte eingesetzt haben und ein Ehepartner so krank geworden ist, dass er sich um den anderen nicht kümmern kann. Auch wenn nichts Besonderes geschehen ist, ist es sinnvoll, etwa alle drei Jahre die Verfügung nochmal kritisch zu lesen und dann mit einer neuen Unterschrift zu bestätigen oder eben abzuändern.

Auch angesichts der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs sollten Sie Ihre Patientenverfügung überprüfen oder überprüfen lassen. Viele Muster entsprechen nicht den Anforderungen der Gerichte. Sie hilft nur dann, wenn ihr konkrete Entscheidungen des Betroffenen über die Einwilligung oder Nichteinwilligung in bestimmte, noch nicht unmittelbar bevorstehende ärztliche Maßnahmen entnommen werden können. Nicht ausreichend sind allgemeine Anweisungen, wie die Aufforderung, ein würdevolles Sterben zu ermöglichen oder zuzulassen, wenn ein Therapieerfolg nicht mehr zu erwarten ist (BGH, Beschluss vom 6. Juli 2016, Az. XII ZB 61/16).

Tipp

Service von Rechtsschutzversicherung nutzen

Sind Sie rechtsschutzversichert, sollten Sie sich bei Ihrer Versicherung erkundigen. Einige bieten im Rahmen des Privatrechtsschutzes Serviceleistungen bei der Notfallvorsorge an. Von der Erstellung bis zur Registrierung der Dokumente kann man sich an den Versicherer wenden.

So haben wir getestet

Vorsorge-Test 2016

Wir haben zwei Arten von Anbietern im Zeitraum vom 20. bis zum 28. Juli 2016 untersucht: Rechtsdienstleister, die ein Frage-Antwort-Tool bieten und nach Auswertung der Antworten individualisierte Vorsorgedokumente erstellen sowie Anwaltsvermittlungsportale, die vom Anwalt erstellte Vorsorgeverfügungen zu einem Festpreis anbieten.

Von Ersteren haben wir drei Anbieter in unsere Untersuchung einbezogen: meine Patientenverfügung, Patientenverfügungplus und Smartlaw. Dabei haben wir uns auf die Rechtsdienstleister oder Legal-Tech-Unternehmen beschränkt, die bei einer Google-Suche am 12. Juli 2016 auf den ersten zwei Ergebnisseiten zu den Begriffen „Patientenverfügung erstellen“ und „Vorsorgevollmacht erstellen“ angezeigt wurden.

Wir haben den Portalen Fragen zum Unternehmen gestellt, zur Anzahl der bisher erstellten Dokumente, zum Umfang der Leistungen und zur Qualitätssicherung. Nach Auswertung der Fragebögen haben wir jeweils den Frage-Antwort-Dialog getestet. Anhand der folgenden drei Kriterien haben wir unsere Empfehlung für den Rechtsdienstleister ausgesprochen.

Umfassende Vorsorgelösung - Als Kriterium haben wir festgelegt, dass der Anbieter neben der Patientenverfügung auch mindestens eine Vorsorgevollmacht anbieten muss. Wir halten das für wichtig, da zur rechtlichen Vorsorge auch die geschäftlichen Dinge gehören. Neben den medizinischen Fragen sollte die Vertrauensperson zum Beispiel eine Rechnung an das Krankenhaus überweisen können oder die Angelegenheiten mit der Krankenkasse oder einem Pflegeheim regeln können. Nur dadurch wird ein gerichtliches Betreuungsverfahren vermieden, wodurch ansonsten zusätzliche Kosten anfallen.

Kein Abo-Vertrag - Wer eine Patientenverfügung aufsetzen und rechtlich vorsorgen will, möchte genau diese Dokumente und benötigt keine weiteren Muster und Verträge. Auch wenn das Abo eine kurze Kündigungsfrist hat, besteht zunächst einmal eine längere vertragliche Bindung an den Anbieter. Portale, die die Dokumente nur im Rahmen eines Abo-Vertrages anbieten, haben wir deshalb ausgeschlossen.

Preis - Wir haben auch auf die Kosten geschaut. Da diese Portale keine Rechtsberatung anbieten, sollten sie um einiges günstiger sein als ein Anwalt. Rechtsanwälte bieten Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht zum Zeitpunkt dieser Untersuchung in der Regel ab etwa 200 Euro an. Rechtsdienstleister, die mehr als die Hälfte dieses Preises, also 100 Euro, für beide Dokumente verlangen, haben wir deshalb nicht berücksichtigt.

Überblick Untersuchung Rechtsdienstleister im Bereich Vorsorge

  Patientenverfügungplus meine Patientenverfügung Smartlaw
Betreiber des Portals, Sitz Plusrecht GmbH, Berlin Deutsche Gesellschaft für Vorsorge mbH, Aschau Wolters Kluwer Deutschland GmbH, Berlin
Erfahrung seit 2014 seit 12/2015 seit 9/2013
umfassende Vorsorgedokumente (+) nur für den Gesundheitsbereich (-)¹ (+)
Wie erhält der Kunde die Dokumente? als Download umfangreiche Dokumentenmappe mit Farbleitsystem per Post als Download
Wann erhält er die Dokumente? sofort nach Beantwortung der Fragen 2 Tage nach Beantwortung der Fragen sofort nach Beantwortung der Fragen
kein Abonnement-Vertrag (+) (+) Abo für 9,90 € im Monat (-) oder einmaliger Preis
Preis Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht, Betreuungsverfügung, Sorgerechtsverfügung: 47 € (0)² Patientenverfügung: 39,50 € (0) Patientenverfügung: 69 € Vorsorgevollmacht: 129 € (-)
Zusätzlicher Service jährliche Erinnerungsfunktion zum Aktualisierungsbedarf Notfall- und Archivservice im Rahmen des Abos haben Sie Zugriff auf 70 weitere Dokumente

Quelle: Finanztip-Recherche, Fragebögen der Anbieter, AGB und Website der Anbieter (Stand: 28. Juli 2016)

¹ Seit Januar 2017 bietet der Anbieter meine Patientenverfügung neben der Patientenverfügung auch eine Vorsorgevollmacht an, die sowohl den Gesundheitsbereich als auch andere wichtige Lebensbereiche umfasst.

² Der Anbieter bietet in 2017 das Vorsorgepaket für einen Grundpreis von 27,50 Euro an. Wer die Dokumente jederzeit ändern will, muss eine Zusatzoption für einmalig 19,50 Euro buchen. Damit bleibt es bei dem Gesamtpreis von 47 Euro. Es kann immer sein, dass die Dokumente geändert werden müssen, deshalb halten wir die Änderungsmöglichkeit für wichtig.

Als zweite Gruppe haben wir drei Anwaltsvermittlungsportale untersucht, die das Rechtsprodukt Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht zu einem Festpreis anbieten: Advocado, anwalt.de und Legalbase. Einzelne Anwälte waren nicht Gegenstand dieses Tests. Anhand der folgenden drei Kriterien haben wir unsere Empfehlung für die Anwaltsvermittlungsportale ausgesprochen.

Umfassende Vorsorge - Wir haben nur Portale untersucht, die neben der Patientenverfügung auch eine Vorsorgevollmacht zum Festpreis anbieten.

Keine eigene Auswahl des Anwalts nötig - Bei einem klar umrissenen Rechtsprodukt ist es für den Ratsuchenden aus unserer Sicht nicht von Vorteil, wenn er zwischen verschiedenen Anwälten und unterschiedlichen Preisen auswählen muss. Die Preise schwankten bei unserer Untersuchung zwischen 175 und 595 Euro. Für den Nutzer sind die Preisunterschiede zwischen den Anwälten nicht transparent, da es um das gleiche Rechtsprodukt geht. Es stellen sich für den Verbraucher weitere Fragen: Ist der teuerste auch der beste Anwalt? Sind die Dokumente rechtlich schlechter, wenn ich weniger zahle? Hat der Anwalt weniger Erfahrung und verlangt deshalb weniger? Allein anhand des Lebenslaufs oder eines kurzen Textes vom Anwalt sind diese Fragen schwer zu beantworten. Deshalb halten wir es für einfacher und besser, wenn diese Aufgabe das Portal übernimmt, einen Spezialisten aus der näheren Umgebung des Kunden auswählt und dann zu einem dauerhaft gültigen Festpreis anbietet.

Preiswertes Angebot - Wir haben außerdem verglichen, zu welchem Preis die Dienstleistung angeboten wird. Auf allen drei Plattformen war die Dienstleitung zum Testzeitpunkt zu einem angemessenen Preis zu erhalten.

Überblick Untersuchung Anwaltsvermittler im Bereich Vorsorge

  Advocado anwalt.de Legalbase
Betreiber des Portals, Sitz Advocado GmbH, Greifswald anwalt.de Services AG, Nürnberg Legalbase Digital GmbH, Berlin
Erfahrung seit Mitte 2015 seit 2004 seit 02/2016
Vorsorgeprodukt zum Festpreis (+) (+) (+)
Registrierung im Vorsorgeregister inklusive (+) je nach Anwalt (-) (+)
Wann erhält der Kunde die Dokumente? nach maximal 7 Werktagen hängt vom Anwalt ab hängt vom Anwalt ab
Vorauswahl des Anwalts (+) (-) (-)
Preis 199 € (o) von 175 € bis 595 € (o) von 199 € bis 299 € (o)

Quelle: Finanztip-Recherche, Fragebögen der Anwaltsvermittler, deren AGB und Website (Stand: 28. Juli 2016)

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Julia Rieder
von Finanztip,
Expertin für Versicherungen

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Finanztip-Chefredakteur
Hermann-Josef Tenhagen

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Artikel verfasst von

Dr. Britta Beate Schön

Finanztip-Expertin für Recht

Britta Beate Schön ist bei Finanztip für sämtliche Rechtsthemen zuständig. Die promovierte Juristin und Rechtsanwältin war als Leiterin der Rechtsabteilung bei Finanzdienstleistern wie der Telis Finanz AG und der Interhyp tätig. Vorher lehrte und forschte sie in Japan als DAAD-Junior-Professorin für deutsches und Europarecht. Ihr Studium absolvierte sie in Münster, Genf, Regensburg und Leipzig. Die Autorin erreichen Sie unter britta.schoen@finanztip.de.